Autovermieter Starcar nimmt "E-Auto-Neulingen" die Berührungsangst

Im Gespräch mit Stephan Töllner, Leiter New Mobility Starcar

Für den Autovermieter Starcar ist Elektromobilität kein Novum. Bereits 2011 wurden erste Modelle in die Flotte aufgenommen. Seit dem hat das Thema bei Starcar immer mehr Fahrt aufgenommen. Mitte 2022 blickt man auf 10 Prozent Flottenanteil reiner Elektroautos. Künftig soll dieser noch steigen. Im Gespräch mit Stephan Töllner für den Elektroauto-News.net Podcast haben wir gemeinsam ein wenig hinter die Kulissen von Starcar geblickt und welche Bedeutung die E-Mobilität für das Unternehmen hat.

Insbesondere das PKW-Segment hat in den vergangenen Jahren einen Anstieg der Elektrifizierung erfahren. Zehn Prozent der eigenen Flotte (absolute Zahl wird nicht genannt) sei rein elektrisch unterwegs. Bei 70 Standorten alleine in Deutschland, weitere sollen folgen, wie die Aussagen von Herr Töllner vermuten lassen, dürfte dennoch eine ordentliche Anzahl an reinen E-Autos zusammenkommen.

Die Nachfrage nach den E-Autos, welche preislich so gut wie möglich auf einem Niveau mit vergleichbaren Verbrenner gehalten werden, steige bei der eigenen Kundschaft an. Nicht nur bei E-Auto-Fans, welche verschiedene Fahrzeuge testen wollen, sondern insbesondere bei E-Auto-Neulingen. Typisches Beispiel sei hier die Bereitstellung eines E-Autos für den Kunden, während dieser seinen Verbrenner in der Werkstatt hat.

Wasserstofffahrzeuge seien derzeit keine Option für den Autovermieter. Die Gründe hierfür erscheinen genauso nachvollziehbar, wie die Tatsache, dass man auf die Herausforderungen beim Aufbau der Ladeinfrastruktur als Hemmschuh der E-Mobilität verweist. Im Detail soll dies der Leiter New Mobility von Starcar am besten selbst erläutern. Viel Freude mit dieser Folge.

Shownotes:

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Transcript

  1. Intro:

    Elektroauto News. Der Podcast rund um das Thema Elektromobilität. Mit aktuellen Entwicklungen, Diskussionen, Interviews und vielem mehr.

  2. Sebastian:

    Servus und herzlich willkommen bei einer neuen Folge des ElektroautoNews.net Podcast. Ich bin Sebastian und freue mich, dass du diese Woche wieder eingeschaltet hast, wenn wir uns mit dem Thema E-Mobilität beschäftigen. In der aktuellen Folge habe ich Stefan Töllner zu Gast, seines Zeichens Leiter New Mobility bei der Autovermietung Starcar. Starcar in sich agiert aktuell nur im deutschsprachigen Raum oder in Deutschland besser gesagt, hat 70 Filialen hier in Deutschland und vermietet dort von Pkw über Nutzfahrzeuge alles. Sowohl mit dem Klassenverbrennerantrieb als auch mittlerweile mit einer doch recht ansehnlichen Anzahl an elektrisch angetriebenen Fahrzeugen. Wie viele genau, wird uns Stefan Töllner im Gespräch sagen. Ich würde sagen, wir gehen direkt rein in das Gespräch, erfahren mehr über E-Mobiler-Antriebe in der Autovermietung. Sehr interessant und lässt einige Rückschlüsse zu, wie E-Mobilität schon vorgedrungen ist in unserer Gesellschaft. Aber nun genug der Vorworte, wir gehen rein ins Gespräch. Viel Spaß beim Zuhören. Am Ende gibt es nochmal einen kurzen Hinweis, eine Ergänzung zu unserem Gespräch, also auch da nochmal dranbleiben. Hallo Herr Töllner, vielen Dank, dass Sie heute die Zeit nehmen, dass wir uns ein wenig über Starcar unterhalten und was E-Mobilität für euch bedeutet im E-Auto- oder im Mietwagengeschäft sozusagen. Bevor wir da allerdings einsteigen, verlieren Sie doch gerne mal ein paar Worte zu Ihrer Person, damit wir das auch einordnen können.

  3. Stefan Töllner:

    Erstmal vielen Dank für die Einladung. Mein Name ist Stefan Töllner. Ich leite bei der Starcar Autovermietung den Bereich New Mobility. Das heißt alles, was sich mit der zukünftigen Mobilität auseinandersetzt, die Frage, wie Autovermietung in Zukunft aussieht und insbesondere eben auch der Bereich Elektromobilität. Das ist ein ganz wichtiger Teilbereich, wo es bei uns eben darum geht, einmal intern natürlich auch diese neue Innovation, diese neue Technologie richtig zu platzieren und diesen Prozess, dieses ja auch Change Management einfach in den nächsten Jahren zu begleiten.

  4. Sebastian:

    Hört sich sehr spannend an. Jetzt können Sie vielleicht unseren Hörerinnen und Hörern auch noch kurz erläutern, wer Starcar ist, falls man noch nicht davon gehört hat, damit wir auch das Unternehmen einfach in dem Zusammenhang am Markt einordnen können.

  5. Stefan Töllner:

    Ja, die Starke Autovermietung gehört in Deutschland inzwischen zu den größten Autovermietern. Sie ist, glaube ich, ohne Zweifel die im Moment am stärksten wachsende Autovermietung. Wir sind nicht neu, wir sind seit 1987 am Markt, waren bisher insbesondere in den Ballungsgebieten aktiv und wachsen im Moment sehr schnell und sehr stark eben auch neu. Wir sind ein klassischer Autovermieter, das heißt, wir bieten alles vom Kleinwagen bis zur Limousine, Sportwagen, Transporter, LKWs an und betreiben eben auch die verschiedensten Geschäftsfelder. Das ist das Privatkundengeschäft, das ist das Firmenkundengeschäft, das sind aber beispielsweise auch Ersatzfahrzeuge im Werkstattgeschäft oder auch in Zusammenarbeit mit Versicherern die sogenannten Assistenzen.

  6. Sebastian:

    Das heißt, ich sage mal, grundsätzlich, ihr seid aber europaweit aktiv oder jetzt Schwerpunkt DACH-Region?

  7. Stefan Töllner:

    Also die Starcar-Autovermietung ist im Moment ausschließlich in Deutschland aktiv. Wir haben um die 70 Filialen, die wir haben. betreiben deutschlandweit. Wir haben allerdings eine Muttergesellschaft, das ist die Starcar Europa Service Group und wir verfügen eben über ein sehr großes Netzwerk an Autovermietungspartner, die sich innerhalb unserer Mutter, der Europa Service, eben organisieren und dort haben wir durchaus eben auch sehr gute Kontakte im europäischen Ausland. Aber die Marke Starcar als Endkundenmarke ist Stand heute in Deutschland aktiv und Aber wie ich das gerade schon gesagt habe, wir sind ja sehr stark am Wachsen und wir schauen einfach mal, was die Zukunft da bringt.

  8. Sebastian:

    Hört sich spannend an. Sie haben gesagt, wir haben es schon erläutert, ihr seid sowohl im privaten Bereich als auch im Businessumfeld bzw. in dem Bereich der Ersatzfahrzeuge für Werkstätten aktiv. In ihrer Rolle als Leiter New Mobility, wie kam oder wann kam das Thema E-Mobilität bei euch auf? So als alternativer Antrieb, der dann auch vom Kunden sozusagen verlangt wird.

  9. Stefan Töllner:

    Also das Thema Elektromobilität kam bei uns tatsächlich schon vor über zehn Jahren auf, zugegebenermaßen in einer Zeit, in der auch ich noch nicht bei Starcar war. Ich bin seit 2015 bei Starcar und die Elektromobilität hat eben angefangen im November 2011. Damals tatsächlich so die ersten Versuche mit dem ersten Fahrzeug noch voranzutreiben. Kann man auch gar nicht vergleichen mit dem, was man heute unter einem Elektrofahrzeug versteht, mit einer Ethanolheizung, wo sie im Baumarkt Ethanol kaufen mussten, dann so einen kleinen Schalter umlegen mussten. Also alles noch so ein bisschen experimentell. Aber uns war einfach damals auch schon klar, dass das jetzt die zukünftige Entwicklung ist. Egal, wie man sich jetzt dagegen oder dafür oder dagegen positionieren möchte. Aber das ist ein Thema, mit dem wir uns als Autovermieter eben auseinandersetzen müssen. Und da müssen wir einfach frühzeitig Erfahrungen sammeln. Erfahrungen sammeln einfach im Kleinen. Und das haben wir dann in Folgejahren auch gemacht. Wir haben an verschiedenen Forschungs- und Entwicklungsprojekten sowohl hier auf kommunaler Ebene in Hamburg als auch auf Bundesebene teilgenommen und haben über Jahre sehr vielfältige Erfahrungen gesammelt. Wie funktioniert Elektromobilität? Wie nehmen unsere Kundinnen und Kunden das Produkt wahr? Aber vor allen Dingen auch, was bedeutet das für uns als Anbieter? Welche internen Prozesse verändern sich? Wo sind Stolpersteine, auf die wir aufpassen müssen? Und das haben wir jetzt über Jahre eben im Kleinen gelernt. Und jetzt sind wir an dem Punkt, wo man einfach merkt, jetzt kommt immer mehr Dynamik in diesen Markt rein. Und da sind wir einfach sehr glücklich drüber, dass wir jetzt schon ganz gut wissen eigentlich, was wir tun.

  10. Sebastian:

    Und ihr wisst, oder Sie sagen, ihr wisst jetzt schon ganz gut, was ihr tut. Spiegelt sich das jetzt auch wieder in eurer Flotte sozusagen? Spielen da E-Autos schon eine große Rolle? Werden die eine größere Rolle in naher Zukunft spielen? Dass man das Ganze auch mal ins Verhältnis ordnet, ich sage mal Verbrenner, E-Autos, alternative Antriebe, dass man da mal auch ein Gefühl dafür bekommt, von was wir da sprechen.

  11. Stefan Töllner:

    Ja, also der Anteil an Elektrofahrzeugen hat in den letzten Jahren bei uns deutlich zugenommen. Wie gesagt, angefangen von einzelnen Modellen von kleinen Versuchsreihen sind wir mittlerweile bei einem Anteil von ungefähr 10% rein elektrischer Fahrzeuge im PKW-Bereich. Also ich glaube, das ist schon eine ganz beachtliche Größenordnung, in der wir uns da bewegen. Und damit können wir eben auch eine sehr breite Modellvielfalt anbieten. Also wir können... Im Wesentlichen das, was wir im Verbrennerbereich, im Pkw-Bereich anbieten, auch im Elektrobereich anbieten. Das geht los bei Kleinwagen, das geht über Kompaktfahrzeuge, SUVs bis hin zu wirklich sehr, sehr hochwertigen Fahrzeugen. Auch im Sportwagensegment gibt es ja das ein oder andere Elektrofahrzeug. Und da sind wir einfach mittlerweile sehr breit aufgestellt und können, glaube ich, ein sehr großes Portfolio anbieten und vor allen Dingen auch mit einer sehr großen Verfügbarkeit. Also wir bieten die Fahrzeuge an allen unseren Standorten an. Natürlich gibt es hier und da immer mal Schwerpunkte, aber grundsätzlich haben unsere Kundinnen und Kunden die Möglichkeit, deutschlandweit an allen rund 70 SACA-Stationen das gewünschte Elektrofahrzeug eben auch zu mieten.

  12. Sebastian:

    Definitiv eine Ansage, vor allem wenn man 10% Flottenanteil hört. Das hätte ich jetzt persönlich ein Stück weit niedriger geschätzt. Zumindest wenn man auch eure Marktbegleiter da ein wenig betrachtet und vor allem dann noch die Verfügbarkeit. Hatte ich zumindest auch in der Vergangenheit die Erfahrung sammeln müssen, dass zwei E-Autos ausgelobt waren, aber die waren dann auch nur in Anführungsstrichen Berlin-Hamburg zu haben. Wenn ich dann mal ein bisschen mehr in die Walachei gekommen bin, wo es auch Filialen gab, war es dann doch schwieriger, auch an reine E-Autos zu kommen.

  13. Stefan Töllner:

    Ja, genau. Also das ist klar durchaus etwas, was ich auch wahrnehme, aber das ist für uns immer einfach ein Anliegen, wirklich die Elektrofahrzeuge auch auf das gleiche Level zu stellen. Ich glaube, sonst können Sie auch keine Aussage darüber treffen, ob das Produkt auch von den Kundinnen und Kunden angenommen wird, ob sie sich dafür interessieren. Also wenn Sie schon nicht ein gleichwertiges Angebot bieten, sowohl in Menge, in Auswahl, in Verfügbarkeit und vor allen Dingen auch, was das Preisniveau angeht, dann wird es natürlich auch schwierig, wirklich die Kundinnen und Kunden dafür zu begeistern einfach. Also das müssen sie schon aufs gleiche Level heben und dann können sie auch, glaube ich, eine Aussage darüber treffen, ob das Produkt als solches funktioniert oder nicht. Und da kann ich für uns, für StarCard im Moment sagen, das, was wir anbieten, das scheint zu funktionieren.

  14. Sebastian:

    Das heißt, ihr bekommt auch schon positive Rückmeldung vom Markt, von euren Kunden dann. Und sind es Kunden, die schon mit der E-Mobilität selbst in Verbindung stehen, also die vielleicht selbst ein E-Auto fahren und da einfach was anderes mal ausprobieren wollen? Oder sind es auch tatsächlich Neukunden, die sich dann, ich sage mal, daran tasten an die ganze Thematik? Können Sie das auch irgendwie bewerten?

  15. Stefan Töllner:

    Genau, es ist tatsächlich beides. Also es ist so, dass wir schon versuchen, dieses... Produkt, die Elektromobilität und auch insbesondere die Kundenwahrnehmung bei uns sehr regelmäßig auch durch Umfragen zu begleiten, weil es ist nichtsdestotrotz auch für uns noch neu. Wir sind der Meinung, dass wir lange gelernt haben und durchaus an einem sehr guten Punkt sind, aber das heißt natürlich nicht, dass wir alles wissen. Also wir versuchen uns sehr viel Input auch von unseren Kundinnen und Kunden zu holen und das, was wir eben feststellen, ist, dass wir zum einen, wie Sie das richtigerweise sagen, die Kundinnen und Kunden haben, die sich mit dem Thema schon auskennen, die Elektromobilisten sind, die vielleicht auch bei uns sehen, Starcar hat ein brandneues Fahrzeug und das möchte ich unbedingt mal fahren, weil ich habe Testberichte darüber gesehen etc. und das interessiert mich. Also das merken wir, dass wir, das sehe ich auch immer zum Beispiel an Einträgen, unseren Mietverträgen durchaus hier so ein bisschen auch Sherrypicking haben, also das wirklich ganz gezielte Fahrzeuge und auch Ausstattungsvarianten eben gerne gewünscht werden, um sich vielleicht mal ein Bild darüber zu machen. Aber, und das ist, glaube ich, auch das ganz, ganz Wichtige, wir haben einen ganz großen Anteil an Neukunden. Und die Gründe dafür, die sind, glaube ich, vielfältig. Das sind... Kunden, die zum ersten Mal überhaupt diese Erfahrung machen wollen, die mal schauen wollen, vielleicht über das Wochenende, wie funktioniert das denn, mit so einem Fahrzeug über das Wochenende zu verreisen. Das sind vielleicht auch Kunden, die notgedrungen etwas auf diese Fahrzeuge machen. Ich hatte das eingangs gesagt, wir sind auch sehr stark im Ersatzwagengeschäft. Wir arbeiten mit vielen Werkstätten zusammen. Da kann es durchaus auch mal sein, dass Sie ein Elektrofahrzeug bekommen, weil Ihr klassisches Fahrzeug in der Inspektion ist. Und wir merken, wir haben eben einen sehr großen Anteil an Kundinnen und Kunden, die zum ersten Mal ein solches Fahrzeug eben fahren. Und ja, die muss man auch so ein bisschen an die Hand nehmen einfach. Den muss man Elektromobilität noch ein bisschen erklären, aber man wird eben dadurch auch belohnt, dass es sehr positiv im Nachgang wahrgenommen wird.

  16. Sebastian:

    Jetzt sagen Sie, Sie müssen den Kunden ein wenig an die Hand nehmen, müssen das auch erläutern. Geht es dann da los bei Adam und Eva? Hallo, hier ist ein Auto, setz dich rein, so und so fährst du. Oder ist das dann eher eine andere Thematik? Also sprich eher um das Umfeld, Stichwort Thema Laden beispielsweise, Reichweite, Reichweitenängste, die ja vielleicht auch Neulinger mitbekommen, also jemand, der zum ersten Mal im E-Auto sitzt und sagt, okay, oder hört hier, du hast eine 300 Kilometer Reichweite sozusagen, nur in Anführungsstrichen und dann vielleicht Angst aufkommt, oh, wie geht es denn mit dem Laden, was mache ich da? Also ist das auch so Teil eurer Grundaufklärungsarbeit sozusagen?

  17. Stefan Töllner:

    Genau, also es ist wichtig natürlich, den Kunden so ein bisschen die, ja auch Vorbehalte zu nehmen. Natürlich gibt es immer noch viele, die Vorbehalte haben, die... teilweise begründet sind, häufig aber auch eben in der Praxis widerlegt werden können. Und unsere Aufgabe ist es hier, Aufklärungsarbeit zu leisten, zu erklären, was ist an Elektromobilität, an Elektrofahrzeugen anders, was funktioniert genauso und wo muss man eben keine Bedenken vorhaben. Ich glaube, es ist in dem Bereich gerade, wenn Sie eben wirklich Personen haben, die sich zum ersten Mal an dieses Thema herantasten, dann können Sie die nicht einfach sich selbst überlassen. Insofern versuchen wir eben mit umfangreichen Informationsmaterialien, wenn bei uns Reservierungen reinkommen, gibt es automatische Antworten, beispielsweise auch mit Anhängen, wo nochmal auf so die wesentlichen Unterschiede der Fahrzeuge eingegangen wird, wo verschiedene Dinge erklärt werden. Unsere Mitarbeiter werden immer weiter intern eben auch geschult, um natürlich auch vor Ort entsprechend die Kundinnen und Kunden am Fahrzeug einweisen zu können. Und das ist, glaube ich, ein ganz, ganz zentraler Punkt einfach, den Kunden, wie ich das gesagt habe, in die Hand zu nehmen, ihm zu erklären, so funktioniert das Fahrzeug, das ist anders und vor allen Dingen, davor musst du auch keine Angst haben. Und das Thema Reichweite wird bei den aktuellen Fahrzeuggenerationen und Autovermieter haben ja in der Regel sehr neuwertige Fahrzeuge immer weniger ein Thema. Insofern, man merkt es, wenn auch Erstnutzerinnen und Erstnutzer so ein Fahrzeug gefahren sind, dann stellen wir fest, dass sie häufig mit einer gewissen Skepsis an dieses Thema rangehen und im Nachgang sagen, sehr positiv der Elektromobilität gegenüberstehen. Und das geht dann eben so weit, dass sie uns eben auch in unseren Umfragen berichten und sagen, beim nächsten Mal würde ich ein Elektrofahrzeug vorziehen im Verbrenner.

  18. Sebastian:

    Das hört sich ja schon mal gut an, dass die Überzeugungsarbeit sozusagen Früchte trägt dann auch für die E-Mobilität an sich, für das Wachstum. Sie haben vorhin das Preisniveau auch angesprochen, dass man ja versucht, E-Mobilität und klassische Antriebe auf einen Level zu heben. Gibt es denn da tatsächlich Kaum bis keine Preisunterschiede zwischen einem Verbrenner im gleichen Segment wie ein E-Auto? Oder wie ist das gestaltet?

  19. Stefan Töllner:

    Also wir versuchen bei Starcar, so gut es geht, dasselbe Preisniveau anzubieten. Es gibt einzelne Tarife, da können wir es tatsächlich nicht ganz mitgehen. Das ist immer dann der Fall, wenn wir über ganz viele Kilometer in kurzer Zeit sprechen, zum Beispiel Wochenendtarife. Der Hintergrund ist der, dass wir bei Elektrofahrzeugen selber auch als Anbieter auf diese Fahrzeuge nicht so viele Kilometer fahren können, wie wir das bei klassischen Verbrennerfahrzeugen können. Das heißt, wenn wir diese Fahrzeuge selber am Ende der Laufzeit vermarkten oder auch an unsere Händler zurückgeben und die diese Fahrzeuge vermarkten, dann sind wir im Moment noch in der Phase, wo alle so ein bisschen Bauchschmerzen haben, Fahrzeuge umzusetzen. eben in die Gebrauchtwagenvermarktung zu geben, die viele Kilometer gelaufen haben. Und insofern sind diese Kilometer, die uns zur Verfügung stehen, leider deutlich geringer als bei klassischen Verbrennern und das ermöglicht uns nicht diesen gleichen Spielraum bei unseren Kilometer-Tarifen und bei dem Pricing, was wir dafür anwenden. Deswegen wird es immer da ein bisschen kritisch, wo wir wirklich über ganz viele Kilometer sprechen. Dort, wo es sich über etwas längere Zeiträume oder weniger Kilometer bewegt, ist es relativ unkritisch. Und da versuchen wir eben immer, Ein gleichwertiges Pricing hinzubekommen. Es gibt sogar Tarife, da sind wir günstiger als Elektrofahrzeuge. Da haben sie bei uns sogar noch den Strom mit inklusive. Den bieten wir ihnen auch noch mit an und dann sind sie immer noch günstiger als mit einem Verbrenner. Also da wird es dann ganz interessant und ganz spannend. Also ich glaube, wir bewegen uns aber immer auf einer ähnlichen Range wie die Verbrennerfahrzeuge. Und das müssen sie auch machen, weil sonst sind sie mit dem Produkt auch nicht attraktiv. Also es liegt ja auch an uns als Anbieter erstmal ein attraktives Angebot anzubieten. Ich kann das schon auch verstehen, wenn Sie als Interessent vielleicht ein-, zwei- oder dreimal im Jahr ein Fahrzeug mieten, um damit von A nach B zu fahren oder vielleicht auch in den Urlaub zu fahren und haben auch noch andere Kostenpunkte, dann schauen Sie natürlich schon auch auf den Preis für diese eine Anmietung. Und wenn Sie da mit dem Elektrofahrzeug einfach deutlich teurer sind wie mit einem klassischen Verbrenner, dann verwundert es dann eben auch nicht, dass sich die Kundinnen und Kunden da eben nicht für entscheiden.

  20. Sebastian:

    Definitiv. Das wird schon ein Knackpunkt sein. Aber wenn ihr da versucht, auf einem annähernd ähnlichen Niveau unterwegs zu sein, sinkt da ja die Einstiegsgrenze auch ein wenig. Ich möchte ganz kurz nochmal aufgreifen. Es ist tatsächlich ganz knapp zusammengefasst die fehlende Erfahrung im Wiederverkauf der genutzten Fahrzeuge. weil ich einfach nicht weiß, wie da die Preisentwicklung im Markt ist. Bei Verbrenner weiß ich es ja, da kann ich es allein durch die Erfahrung, durch die Jahrzehnte, die es ja die schon gibt, weiß ich, okay, so und so dürfte sich der Wiederverkaufswert ungefähr gestalten, wenn ich das Fahrzeug nach der Starcar-Phase in Anführungsstrichen auf den Markt bringe. Bei einem E-Auto ist es schwieriger einzuschätzen und deswegen wird es dementsprechend mit eingepreist, beziehungsweise Seid ihr dazu halt auch verpflichtet, die Kilometeranzahl niedriger zu halten als bei einem Verbrenner, wo das dann doch einfacher abzuschätzen ist?

  21. Stefan Töllner:

    Genau, also da ist es einfach so, dass das Restwertrisiko bei gebrauchten Elektrofahrzeugen im Moment noch ein bisschen unklarer ist. Insofern tut sich jeder schwer, Fahrzeuge zu vermarkten, die viele Kilometer gefahren haben, Stichwort Akku hier natürlich. Insofern ist es einfach so, dass versucht wird, möglichst viel Fahrzeuge in den Gebrauchtwagenmarkt zu geben mit einer geringen Laufleistung und dementsprechend können wir eben auch auf diese Fahrzeuge nicht so viel drauf fahren an Kilometern, wie wir das vielleicht gerne hätten oder auch bräuchten, um noch bessere Konditionen anbieten zu können.

  22. Sebastian:

    Vielen Dank nochmal für die Erläuterung. Ich denke, das ist auch eine Frage, die kommt auch bei uns immer wieder auf, Gebrauchtwagenmarkt. Und da sind auch ähnliche Erfahrungen aus anderen Geschäftsbereichen sozusagen, die ich schon mit auf den Weg bekommen habe. Aber nur, dass wir das auch nochmal klar herausgearbeitet haben, dass es ja in Anführungsstrichen weniger an euch liegt, sondern ich denke mal mit einer Weiterentwicklung des Marktes, mit Absehbarkeit von sinkendem Restwertrisiko eventuell, dürften ja dann auch die Preise dementsprechend sich in die andere Richtung in Zukunft noch entwickeln.

  23. Stefan Töllner:

    Ja, also das ist natürlich eine Momentaufnahme und es hat sich ja auch in den letzten Jahren schon so unheimlich viel entwickelt und genau so wird es ja in den nächsten Jahren auch weitergehen. Also ich habe gesagt, das Stichwort Reichweite ist immer weniger ein wichtiges Thema und auch was eben Haltbarkeit von Akkus angeht oder eben diese Angst vor hohen Fahrleistungen, das wird auch in den nächsten Jahren verschwinden. Das ist jetzt im Moment so, aber ich bin da relativ entspannt, was die Zukunft angeht.

  24. Sebastian:

    Wenn wir jetzt bei dem Thema Zukunft sind, Sie haben vorhin gesagt, ihr habt 10% Flottenanteil mit reinen E-Autos. Gibt es denn künftige Milestones, die ihr erreichen wollt? Habt ihr euch vorgenommen, bis 2030 40% rein elektrisch mal in den Raum gestellt? Gibt es da solche Kennzahlen, Ziele, die ihr euch gesetzt habt als Starcar?

  25. Stefan Töllner:

    Unser Ziel ist es, wirklich ganz konsequent dabei zu sein und dieses Thema eben auch zu fördern. Und das machen wir auch seit vielen Jahren. Wir sind der erste große Autovermieter, der jetzt Mitglied im Bundesverband Elektromobilität geworden ist im April. Und das unterstreicht, glaube ich, auch nochmal unsere Ambitionen und auch die Wichtigkeit, die das Thema für uns hat. Wir wollen konsequent in dem Bereich weiter wachsen. Wir wollen unser Angebot ausbauen, verbessern, größer werden und Das wird es natürlich auch automatisch. Es gibt ja auch durchaus auch externe Einflüsse, die auch auf uns als Vermieter einwirken und auch dazu führen, dass sich dieses Segment natürlich auch vergrößert. Und das ist jetzt erstmal unser Ziel. Es gibt natürlich auch verschiedene Abhängigkeiten, die auch damit einhergehen. Das Thema Ladeinfrastruktur beispielsweise ist ein ganz wichtiges Thema, wo wir dann natürlich auch einfach schauen müssen, Wie weit können wir tatsächlich dann eben auch, sage ich mal, wachsen mit dem Angebot, dass wir natürlich auch entsprechend noch wirklich Auslastung hinbekommen. Also Stand jetzt ist das bei uns, sieht das alles extrem gut aus und ich bin da auch, wie gesagt, entspannt für die Zukunft. Aber es gibt einfach auch noch einiges zu tun drumherum.

  26. Sebastian:

    Ja, das kann man von ausgehen oder das kann man bestimmt so unterstreichen. Das Thema E-Auto in der Vermietung hatten wir jetzt. Also Batteriebetrieb in das E-Auto spielt Wasserstoff für euch eine Rolle? Ich meine, das müssen wir fragen, das ist auch immer so eine Thematik bei uns. Es gibt ja diese zwei unterschiedlichen Antriebsarten in der E-Mobilität. Aber Wasserstoff ist ja, ich sage mal, auch so in der Masse nicht verbreitet. Habt ihr Fahrzeuge in der Flotte? Wollt ihr was aufnehmen oder ist das jetzt eher erstmal untergeordnet und man schaut, wie der Markt sich an sich entwickelt?

  27. Stefan Töllner:

    Also grundsätzlich ist es so, dass wir uns gar keiner Antriebsart verschließen, aber es ist für uns Stand heute kein Thema. Wir sind ja auch davon abhängig, natürlich auch welche Fahrzeuge wir auch entsprechend einkaufen können und auch zu entsprechenden Konditionen. Wir sind natürlich auch sehr davon abhängig, wie natürlich auch, Fahrzeuge nachgeladen oder nachgetankt werden können, wie hier entsprechend auch die Ladeinfrastruktur aussieht. Und wenn wir natürlich jetzt auch noch im Bereich der Elektromobilität an dem Punkt sind, dass wir alle über die Netzabdeckung von Ladeinfrastruktur meckern, dann... Sieht das natürlich im Bereich von Wasserstofftankstellen auch nochmal ganz anders aus. Insofern, das ist Stand heute kein Thema, aber wenn dort auch die Entwicklung entsprechend weitergeht und das Produkt dann eben auch nachgefragt wird, dann will ich mich davor grundsätzlich überhaupt nicht verschließen.

  28. Sebastian:

    Das war schon mal ein positiver Ausblick. Dann würde ich sagen, dann haben wir, glaube ich, einen ganz guten Einblick in Starcar oder hinter die Kulissen von Starcar bekommen, auch zu euren Ambitionen in Bezug auf die Elektrifizierung und möchte mich dann nochmal bedanken für Ihre Zeit, Herr Töllner, und für die Einblicke. Ja, sehr gerne. Vielen Dank. Dir zunächst vielen Dank dafür, dass du zugehört hast. Es war doch, denke ich, ein ganz interessantes Gespräch. Stefan Töllner hat mir im Nachhinein nochmal erklärt oder erläutert, dass Starcar auch generell bei seinen vermieteten E-Fahrzeugen eine Ladekarte mitgibt, welche deutschlandweit genutzt werden kann, ohne dass der Kunde sich sozusagen selbst in einer der Vielzahl von Apps anmeldet, um da das Thema Laden in den Griff zu bekommen. Er hat aber auch herausgekehrt, dass es hauptsächlich ein Thema für Tages- und Wochenmieten ist, also für Fahrer, die sich zum ersten Mal mit dem Thema E-Mobilität auch beschäftigen oder in Berührung kommen. Da möchte man einfach auch eine gewisse Hemmnis nehmen, um dann das Fahrerlebnis mit einem E-Auto so einfach wie möglich zu gestalten bei den Langzeitmieten. wir sprechen davon einen Monat oder mehreren Monaten, ist es dann schon so, dass der Fahrer sich selbst um entsprechende Ladelösungen oder Ladoptionen kümmern sollte, damit er da eben auch bestmöglich für seine Umgebung, für seinen Markt gerüstet ist. Das als Nachtrag. Wie gesagt, vielen Dank fürs Zuhören und ich würde mich auch freuen, wenn du kommende Woche wieder einschaltest bei der nächsten Folge des ElektroautoNews.net Podcast. Mach's gut, bis dahin, ciao.