So will ChargeX jeden Stellplatz zum Ladeplatz umfunktionieren

Im Gespräch mit Tobias Wagner, Gründer und Geschäftsführer von ChargeX

Man wolle nicht weniger als jeden Stellplatz zum Ladeplatz umzufunktionieren. Zumindest gab dies Tobias Wagner, Gründer und Geschäftsführer von ChargeX, im Gespräch für den Elektroauto-News.net Podcast zu verstehen. Erreicht werden soll dies durch die sogenannte "Mehrfachsteckdose für E-Autos", welche fast ohne Elektriker auskommt und von jedermann in rund 60 Sekunden installiert werden kann. Hört sich zu gut an, um wahr zu sein? Wir haben die Fakten.

Zudem haben wir das Thema dynamisches Pricing aufgegriffen, welches ChargeX durch eine eigene App in den Griff bekommen möchte. Statt "Strafe" durch höhere Ladepreise wolle man E-Auto-Fahrer für netzdienliches Laden belohnen. Aber das erklärt dir am besten Tobias im Podcast. Also los, rein hören!

Shownotes:

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Transcript

  1. Intro:

    Elektroauto News. Der Podcast rund um das Thema Elektromobilität. Mit aktuellen Entwicklungen, Diskussionen, Interviews und vielem mehr.

  2. Sebastian:

    Servus und herzlich willkommen bei einer neuen Folge des ElektroautoNews.net Podcast. Ich bin Sebastian und freue mich, dass du diese Woche wieder eingeschaltet hast, wenn wir uns mit dem Thema E-Mobilität beschäftigen. In der aktuellen Folge habe ich Tobias Wagner, seines Zeichens Gründer und Geschäftsführer von ChargeX am Start. Vor drei Jahren gegründet, hat sich ChargeX zur Mehrfachsteckdose für E-Autos entwickelt. Was dahinter verbirgt? Eine Ladelösung, die relativ simpel zu installieren ist, wo in Anführungsstrichen nur einmal der Elektriker vorbeikommen muss, um das erste Modul zu installieren und danach können beliebig viele Ladepunkte ergänzt werden. Wie das im Detail ausschaut, wie es mit dem Lastmanagement funktioniert im Alltag und warum man künftig auch auf eine eigene App und sowie Drops als eigene Währung setzt, um priorisiertes Laden im Alltag zu managen, das erzählt uns alles Tobias in der aktuellen Folge. Viel Spaß damit! Servus Tobias, vielen Dank, dass du dir heute die Zeit nimmst, dass wir uns ein wenig über ChargeX, die Mehrfachsteckdose für E-Autos unterhalten. Bevor wir da tiefer eintauchen, wäre es mir recht, wenn du dich unseren Hörer, Hörerinnen einfach kurz vorstellst.

  3. Tobias Wagner:

    Gerne, Sebastian. Erstmal vielen Dank für die Einladung. Freut mich sehr, dass ich heute da sein darf. Ja, ich bin Tobias Wagner, Gründer und Geschäftsführer von ChargeX. Wir sind ein Münchner E-Mobility-Startup und haben die erste Mehrfachsteckdose für Elektroautos entwickelt. Und ich selber bin jetzt auch schon seit vielen Jahren in der E-Mobilität unterwegs, war halt schon seit sechs Jahren voll elektrisch, bin deswegen von der Thematik überzeugt und habe, wie gesagt, vor knapp drei Jahren damals das Startup ChargeX gegründet.

  4. Sebastian:

    Ja, vielen Dank für die Kurzvorstellung deinerseits. Sehr schön, Mehrfachsteckdose. Kann ich mir was im Haushalt darunter vorstellen sozusagen? Aber wie überträgt man dieses Prinzip auf die E-Mobilität? Und wie bist du oder wie seid ihr da überhaupt drauf gekommen?

  5. Tobias Wagner:

    Genau, vielleicht ist das ein ganz guter Aufhänger für die Ursprung der Idee, die wir eigentlich verfolgen. Ja, ich bin damals oder bin schon seit mehreren Jahren in der Branche auch unterwegs im Produktmanagement von Ladeinfrastruktur. Wir haben eben immer gesehen, dass es sehr, sehr aufwendig ist, Ladepunkte zu installieren. Da muss der Elektriker vorbeikommen, du musst einen Termin vereinbaren und dann hat er auch häufig Probleme mit dem lokalen Stromnetz. Und wir haben uns damals gedacht, dass es im Privatumfeld ja auch nicht so ist. Man hat zum Beispiel ein Laptop auf dem Tisch stehen und ein iPhone, das man laden möchte. Man hat zum Beispiel bloß eine Steckdose, was in dem Fall so der Stromanschluss in der Tiefgarage wäre. Und kein Mensch würde auf die Idee kommen, den Elektriker anzurufen und zu sagen, montiere mir doch bitte noch eine Steckdose daneben, damit ich mein zweites Gerät anstecken kann. Sondern jeder würde eine Mehrfachsteckdose verwenden und fast jeder hat eine unter dem Schreibtisch liegen. Und dieses einfache Prinzip, an das wir uns damals überlegten, würde doch in der E-Mobilität genauso Sinn machen, dass man aus einem einzigen Stromschluss, aus so einer 11 kW-Leitung, eben nicht nur einen Ladepunkt herausholen kann, sondern deutlich mehr Ladepunkte, weil man vielleicht mehrere Autos laden möchte. Genau, und an der Idee haben wir dann 2018 begonnen zu arbeiten, haben dann auch die ersten Prototypen gebaut und rausgekommen, dabei ist Aqueduct unsere Mehrfachsteckdose für Elektroautos und es ist quasi ein modulares System, das mit dem ersten Startmodul beginnt, das montiert der Elektriker. Das heißt, da braucht man eine 11 kW-Zuleitung, hat den ersten Typ-2-Ladepunkt, wie man ihn auch kennt. Aber das Besondere ist, auf der Rückseite hat man ein Plug-and-Play-Stecksystem und dort kann man mitgelieferte Verbindungskabel einfach anstecken und direkt daneben das zweite Modul montieren, das System neu starten und die beiden Module stimmen sich untereinander einfach ab und teilen die Energie so auf, dass eben der Stromanschluss vorne nicht überlastet wird. Das heißt, dadurch kann man sehr, sehr einfach viele Ladepunkte aufbauen. Aber das ganz Tolle ist, in Zukunft einfach flexibel nachrüsten, wenn der Bedarf steigt. Denn die meisten Elektroautos kommen ja auch noch. Und mit dem Aquaprodukt-System kann man da tiefer entspannt sein. Dann kommt ein weiterer Plug-in-Hybrid oder Elektroauto. Einfach das System dazustecken, neu starten. Das Modul wird erkannt, automatisch ins Backend angelegt. Und ja, wir sagen, dass der Aufbau von dem vollwertigen Ladepunkt weniger als 60 Sekunden dauert. Und das haben wir mit unserem Produkt bewiesen.

  6. Sebastian:

    In deinen Infos, die du vorher geschickt hattest, war ja sogar vom Rekord 15 Sekunden die Rede, aber da hat man bestimmt schon vorher ein paar von diesen Äquadukt-Ladepunkten sozusagen angestöpselt, dass man weiß, wo man da rangeht, damit das eben so schnell geht.

  7. Tobias Wagner:

    Tatsächlich nicht. Also das war auf der IAA dieses Jahr. Da haben wir die zweite Generation von unserem Ladesystem vorgestellt. Und wir haben quasi wirklich ganz wildfremde Menschen einfach gebeten, das zu installieren. Und das war quasi jemand, der, ich würde mal fast sogar sagen, zwei linke Hände hat und noch nie irgendwie was mit Elektrotechnik zu tun hatte. Und das waren 15 Sekunden. Das ist natürlich in der Realität... Da ist es schon ein bisschen länger, aber es zeigt einfach mal, wie einfach es doch sein kann, weil wir einfach alle Komplexität aus dem System rausgenommen haben und einfach uns bei dem Design, wie denn Ladepunkte installiert werden, einfach auf dem weißen Blatt Papier nochmal neue Gedanken gemacht haben und dann kommt sowas dabei raus.

  8. Sebastian:

    Das weiße Blatt Papier ist da manchmal dann doch ganz erfolgsversprechend, wenn man da zumindest ein bisschen Erfahrung mitbringt, so wie du ja gesagt hast. Bist ja schon länger voll elektrisch unterwegs, hast in dem Bereich gearbeitet, hast da bestimmt einiges an Wissen auch mitbringen können sozusagen und dann das eben vorantreiben. Jetzt hast du eben gerade gesagt, die zweite Generation von dem Equaduct-Ladesystem. Hattest du dich eben auf das erste bezogen bei der 11 kW Ladeleistung? Weil ich hatte auch schon was von 22 kW Ladeleistung gelesen von eurer Seite aus.

  9. Tobias Wagner:

    Genau, also das ist eine reine Konfigurationssache. Sowohl die erste als auch die zweite Generation konnte man bestellen, wie man wollte, mit 11 KW oder 22 KW. Das war eine reine Softwareanpassung. Aber wir sind quasi, 2019 haben wir unser Produkt vorgestellt und dann auch die ersten Pilotprojekte damit umgesetzt. Das war quasi die erste Generation, die auch schon diese Plug-and-Play-Installation hatte. Und jetzt haben wir uns quasi mit den Erfahrungswerten, wir haben jetzt knapp 1500 Ladepunkte schon im Feld installiert, hauptsächlich bei Flottenbetreibern, die quasi viele Dienstwerke oder Mitarbeiterfahrzeuge aufladen möchten oder eben in der privaten Wohnungswirtschaft, also dort, wo die Autos nachts überstehen, also in WGs oder auch Wohnanlagen, dort haben wir 1500 Ladepunkte aufgebaut. Und mit diesen Erfahrungswerten haben wir alle Erfahrungswerte jetzt in die nächste Generation einfließen lassen. Das heißt, wir haben ein komplett neues Gehäuse, das nochmal höherwertiger ist und nochmal besser von der Installation auf der Rückseite ist, dass es nochmal simpler wird. Und was wir jetzt auch neu integriert haben, ist quasi ein intelligentes Phasenmanagement. Man weiß es ja vielleicht, dass Elektroautos häufig dreiphasig laden, aber andere Autos wie zum Beispiel Plug-in-Hybride nur einphasig laden. Und das ist eine kleine Besonderheit, die man einfach bei dem System, das wir da integriert haben, dass man entweder ein Auto vollelektrisch mit 11 kW oder 22 kW in kurzer Zeit aufladen kann oder eben drei Plug-in-Hybride auch parallel aufladen kann, damit der Netzausstoß vorne immer maximal ausgelastet ist. Und dann am Schluss das System einfach die Energie so verteilen kann, wie die Leute auch geladen werden möchten. Das kam in der zweiten Generation dazu.

  10. Sebastian:

    Sehr interessant und sieht man ja, dass ihr da auch offen für die Entwicklung am Markt seid, darauf entsprechend reagiert und das dann auch mit einbringt in einem relativ kurzen Zeitraum, wenn ihr jetzt sagt, ihr seid erst 2018 gegründet. Ich würde jetzt nochmal zurückgehen, vielleicht auf diesen Ansatz, wo du gesagt hast, okay, die erste Installation des ersten Moduls wird durch einen Elektriker vorgenommen, danach können die einzelnen Module von Hand, also vom Hausmeister selbst beispielsweise installiert werden. wie viele Module kann ich denn an dieses erste Modul dann dranhängen sozusagen bei der Mehrfachsteckdose, weil die ist ja auch irgendwo begrenzt. Ich glaube, da gibt es die größten mit acht Steckern sozusagen. Gibt es da auch bei euch eine Begrenzung oder kann man da auch tatsächlich Open End dran stecken?

  11. Tobias Wagner:

    Genau, also grundsätzlich gibt es keine technische Begrenzung. Das heißt, man könnte so viele Module zusammenstecken, wie man möchte. Der begrenzende Faktor ist eher so der Use Case oder der Ort, wo der Ladepunkt aufgebaut wird. Denn am Schluss können wir an dem Netzanschluss vorne ja nichts ändern. Das heißt, man hat 11 oder 22 kW und auch generell die Gebäudelasten sind nicht beliebig erweiterbar. Das heißt, hat man mehr Last, würde man mehrere Akku-Drucksysteme aufbauen. Aber am Schluss haben wir quasi einfach die Effektivität. für ein System. Und da kann man sich ungefähr ausrechnen, dass irgendwie ab zehn Modulen einfach so wenig Reichweite in den Fahrzeugen ankommen würde, dass wir dann selbst sagen, beim normalen Use Case, wenn man über Nacht die Fahrzeuge aufladen möchte, dann sagen wir, aus einer Mehrfachstruktur kann man bis zu zehn Module eben rausholen. Hat man allerdings ein Use Case, wo man sehr lange Standzeiten hat, zum Beispiel übers Wochenende oder auch bei einem Flughafen, wo die Fahrzeuge tagelang rumstehen, dann könnte man sogar 10, 20 oder vielleicht sogar 25 Module zusammenstecken. Aber wir, die Empfehlung ist einfach, man beginnt häufig mit vier Modulen. Das ist so das Standardpaket, das Akkulut 4, dass man einfach, ja, einfach starten kann. Und dann kann man das auf bis zu zehn Ladepunkte erhöhen und somit kinderleicht erweitern und sehr entspannt in die Zukunft schauen.

  12. Sebastian:

    Vielen Dank für die Ausführung. Das heißt, jetzt mal davon ausgehend, ich würde diese vier Module da ranbringen, könnte ich dann quasi vier E-Autos parallel laden, allerdings eben nicht mit den vollen 11 kW pro Fahrzeug, sondern dann eben geviertelt in dem Fall.

  13. Tobias Wagner:

    Genau. Die spannende Frage ist quasi, wie geladen wird. Und das Besondere an unserem System ist auch, dass wir uns da sehr viele Gedanken gemacht haben, wie denn die Energie, die vorne reinkommt, auch auf die Autos verteilt wird. Das heißt, wir haben nicht klassisch First Come, First Serve, dass der, der als erstes kommt, irgendwie die volle Leistung bekommt, sondern wir haben einen lokalen Mobilitätsalgorithmus, der zwischen den Fahrzeugen differenziert. Und im ersten Schritt bekommt jedes Auto quasi eine Grundreichweite, die reingeladen wird. Das heißt, da wird quasi geschaut, was ist es für ein Auto, wie viele Phasen bedient es denn eigentlich? Und dann wird geschaut, dass in möglichst kurzer Zeit so eine Grundreichweite von so 50 bis 75 Kilo reingeladen wird. Und erst wenn alle Autos diese Reichweite geladen haben, dann wird quasi gleichmäßig weitergeladen. Wir machen da teilweise paralleles Laden, aber teilweise auch sequentielles Laden auf Zeitbasis, weil das das Startmodul dann einfach optimieren kann, damit die Energie optimal in die Fahrzeuge reinfließt.

  14. Sebastian:

    Das heißt aber, ich als E-Auto-Fahrer, der da sein Auto dransteckt sozusagen, der muss da nichts machen. Also ich mache tatsächlich auch wieder nur meinen Stecker rein. Ich muss keine Zeiten angeben, wann ich wegfahre, wann ich wieder starten möchte sozusagen, sondern das greift das System dann alles automatisch sozusagen. Das geht rein und liest über das Auto dann über die Fahrzeugdaten aus. Okay, man hat noch so und so viel Reichweite, dann wird das auf einen Stand gebracht. auf diese Grundreichweite, wie du es jetzt genannt hast. Und von da aus lädt dann die Logik des Systems.

  15. Tobias Wagner:

    Ganz genau. Also in der Vergangenheit haben wir auch nicht das Bedürfnis gehabt, dass irgendwie eine App notwendig wäre oder dass man da irgendwie nochmal individualisiert laden müsste, sondern jedes Auto wurde eigentlich nachts über dann auch vollgeladen. Das heißt, da musste man gar nicht so viel Hirnschmalz reinstecken, weil einfach die Standzeiten da auch lang genug waren. Aber du sprichst einen ganz spannenden Punkt an, Denn am Schluss entscheidet ja das Mobilitätsverhalten wirklich konkret darüber, welches Auto jetzt geladen werden müsste und welches Auto vielleicht noch ein paar Stunden Zeit hat. Und das ist jetzt ein Thema, das wir auch mit der zweiten Generation nochmal stärker verfolgen, weil wir jetzt quasi auch eine neuartige App entwickelt haben, die es kostenfrei zu unserem Ladesystem dazugibt, um eben dem System genau mitzuteilen, wie viel Reichweite benötigt denn eigentlich und zu welcher Abfahrtszeit möchte ich denn eigentlich wieder fahren, weil diese beiden Mobilitätspunkte eben für den Algorithmus unglaublich wichtig sind. Das heißt, wenn du es mal eilig hast und einfach in zwei Stunden wieder weg musst, dann hast du jetzt die Möglichkeit, dem System das mitzuteilen, damit dein Auto entsprechend auch geladen werden kann.

  16. Sebastian:

    Das heißt, ich stöpsel es dann doch ganz normal wieder an, gehe dann in meine App rein, kann dann sagen, okay, an dem Ladepunkt bin ich jetzt gerade aktuell und müsste in zwei Stunden wieder weiterfahren, habe deswegen Priorität. Unterbindet eure App dann auch, dass ich jedes Mal dorthin komme und sage, ich müsste jetzt wieder in zwei Stunden fahren sozusagen, weil ich sage mal so, könnte man sich ja auch immer diese Priorisierung erschweichen dann.

  17. Tobias Wagner:

    Ganz genau. Und das ist nämlich ein super spannender Punkt, mit dem wir uns da gerade beschäftigen, denn das wird nicht nur uns betreffen, sondern generell die Elektromobilität sehr stark beeinflussen, nämlich die Frage der Prioritäten. Wer bekommt denn eigentlich diese begrenzte Netzlast? Denn wie schon angesprochen, die Netzlast ist begrenzt, aber die Autos werden immer mehr. Das heißt, wir müssen uns viele Gedanken über die Verteilung machen. Und wir haben uns da viele Gedanken gemacht, weil du genau gesagt hast, also jeder möchte natürlich immer maximal flexibel sein und immer volle Reichweite haben, wie man sie auch kennt. Und das System würde dann eigentlich missbraucht werden. Und jeder würde natürlich immer priorisieren. Deswegen haben wir uns überlegt, wie wir das denn so gestalten können, wie wir diese begrenzte Ressource Ladestrom so verteilen können, dass am Schluss alle zufrieden sind. Und das Besondere an der App ist quasi, dass wir die sogenannten Drops erfunden haben. Das ist quasi unsere In-App-Währung, mit der gehandelt wird und das stellt ein Ladebudget dar. Das heißt, der Arbeitgeber, wenn du jetzt Mitarbeiter bist, gibt dir ein gewisses Ladebudget, was wahrscheinlich so die Pendeldistanz wäre, plus ein bisschen Puffer oder wenn du Dienstwagenfahrer bist, dann ein bisschen mehr. Und über dieses Ladebudget kannst du dann im Verlauf einer Woche verfügen. Und diese Drops sind quasi symbolisch für deine Flexibilität. Denn du kannst diese Drops einsetzen, wenn du priorisiert laden möchtest. Also weil du jetzt sagst, ich habe einen wichtigen Termin, ich brauche 200 Kilometer Reichweite. Aber wenn du flexibel bist und vielleicht eben keinen festen Termin hast, dann kannst du diese Drops auch sparen, sie nicht einsetzen und dann vielleicht über eine längere Zeit deine Reichweite bekommen. Und so haben wir eine gewisse spielerische Komponente in das System rangebracht, was eben nicht rein finanziell ist. Denn normal würde man immer sagen, ja, Dynamic Pricing oder wer schneller Strom braucht, zahlt einfach mehr. Aber wir haben einfach den Markt beobachtet und auch gesehen, wenn man sehr viel für schnellen Ladestrom verlangt, dann hat es nicht immer nur positive Effekte. Ich meine, man hat gesehen, was bei Ionity mit 79 Cent für ein Shitstorm durch die Medien gegangen ist. Wir mussten es auf jeden Fall mal entkoppeln, denn jeder hat einen anderen Bezug zu Geld. Und deswegen haben wir das einfach auf eine neutrale Ebene gehoben und diese Drops eingebaut. Und die ersten Pilotprojekte, die wir da gemacht haben mit diesem Ladebudget, funktionieren unglaublich gut. Und ja, die kann man dann zum priorisierten Laden am Akkulux-System einsetzen und das gibt es zum Akkulux-System mit dazu.

  18. Sebastian:

    Diese Drops, hast du jetzt gesagt, würden dann in dem Fall beispielsweise vom Arbeitgeber zur Verfügung gestellt werden. Wenn wir jetzt euer Ladesystem dann einsetzen würden bei einer WG, also bei einer Wohngemeinschaft, wäre das aber auch möglich, da über den Hausverwalter, dass der dann monatliches oder wöchentliches Budget ausgibt?

  19. Tobias Wagner:

    Genau, also in der WEG, vielleicht kennt das der eine oder andere, gönnt der eine dem anderen natürlich gar nichts. Und da ist natürlich eher der Case, dass diese Ladebudgets gleichmäßig verteilt sind, aber trotzdem dann natürlich individuell geladen werden kann, weil nicht jeder zum gleichen Zeitpunkt irgendwie weg muss. Und so kann man einfach diese Begrenztheit sehr gut verteilen und auch mit den Akkugrößen so ein bisschen spielen. Aber der spannendere Case ist, wie du angesprochen hast, eigentlich im Unternehmensumfeld, da hast du sehr unterschiedliche Mobilitätsbedürfnisse und dort kann man dann einfach den Leuten das zuweisen, was sie auch benötigen. Wir spielen sogar mit so Ideen, dass man in WGs, wo natürlich manche eine höhere Bereitschaft haben, für die Infrastruktur Geld auszugeben und manche vielleicht weniger, dass es dann natürlich auch an dieses Budget gekoppelt ist. Das heißt, wer mehr sich beteiligt an den Kosten, der hat auch eine höhere Flexibilität beim Laden. Und wer sagt, ich möchte bloß minimal einen Beitrag leisten, weil ich vielleicht eh noch kein Elektroauto habe, der verliert da ein bisschen Flexibilität. Das sind so Ideen, die wir haben, aber die sind durchaus denkbar, wenn dieses Drop-System einfach dann ausgerollt wird.

  20. Sebastian:

    Hört sich sehr spannend an, der Ansatz, muss ich sagen. Und auch die Tatsache, dass es dann eben in erster Linie erstmal von Kosten sozusagen entkoppelt, macht das Ganze dann noch spannender und auch einsatzfähiger für die breite Masse. So wie du sagst, dann ist nicht mehr Geld der limitierende Faktor, sondern eher das netzdienliche Ladeverhalten dann.

  21. Tobias Wagner:

    Genau, weil man muss sich um das Thema Lastmanagement einfach heute schon Gedanken machen. Denn jeder kennt es, wenn man an ein System fällt, sowohl zu Hause, irgendwie in so privaten Garagen oder auch beim Schnellladen, Lastmanagement verhagelt einem so ein bisschen die Kalkulation. Und man hat quasi eine gewisse Blackbox, man steckt sich an, weiß aber gar nicht, mit welcher Reichweite man eigentlich rechnen kann. Und unsere große Vision ist halt, mehr Transparenz in diese dynamische Laden mit unserem Stromnetz zu bringen und dass man einfach das Mobilitätsverhalten an das Stromnetz koppelt und dann einfach differenziert die Fahrzeuge aufladen kann. Und am Schluss haben wir einfach ein schön spielerisches System gebaut, damit man einfach die Leute zufriedener macht, auch an sehr großen Systemen. Denn es darf einfach nicht daran scheitern, dass der Netzbetreiber sagt, hier geht kein weiterer Ladepunkt, sondern es geht einfach darum, dass es in diesem Sachverhalt oder in diesen Nutzergruppen einfach gut funktioniert. Und das ist einfach unser Anspruch, dass bei uns wirklich jeder Ladeplatz oder jeder Stellplatz zu einem Ladeplatz wird, weil wir einfach sehr einfach installieren können und eben auch den Strom gut verteilen können. Und so ein Nebeneffekt ist halt eigentlich, dass wir so eine Art Netzdienlichkeitswährung gebaut haben, wo eben sehr nettschädliches Laden ein bisschen bestraft wird, wenn man eben sehr schnell laden möchte oder halt sehr netzdienliches Laden, wenn man einfach entspannt lädt, vielleicht länger dort steht und vielleicht gar nicht so viel Reichweite benötigt, dass man dann inzentiviert wird. Und das passt für mich sehr gut zusammen, denn ich... Man ist nicht ständig auf der Langstrecke unterwegs, hat nicht immer ständig einen hohen Bedarf, aber manchmal eben doch. Und deswegen passt das für uns wie die Faust aufs Auge. Und deswegen haben wir die App auch so gebaut. Und das bisherige Feedback mit den Nutzern, weil wir das quasi an alle unsere Bestandskunden jetzt ausrollen und natürlich auch an alle neuen Kunden, ist wirklich sehr, sehr positiv. Und wir sind ja sehr gespannt, wie es mit der App weitergeht.

  22. Sebastian:

    Ist die App abhängig davon, welche Generation ich von eurem System einsetze oder geht das auch für die Erstgeneration noch?

  23. Tobias Wagner:

    Das geht auch für die erste Generation. Das heißt, wir haben das alles modular aufgebaut, dass der Algorithmus auf beiden Systemen identisch ist. Wir haben quasi, wie schon angesprochen, hauptsächlich an der Lastverteilung und auch an Gehäuse gearbeitet. Aber die App ist sowohl rückwärts kompatibel mit allen Bestandssystemen, als auch natürlich für die neue Generation. weil wir schon immer darauf gesetzt haben, dass bei uns jeder Ladepunkt online ist. Das heißt, bei uns gibt es kein einziges Ladesystem, das irgendwie dumm ist oder nur einfach lädt, sondern bei uns ist alles mit der Cloud connected, dass man entsprechend auch abrechnen kann, wenn man möchte. Das heißt, Kilowattstunden wieder abrechnen an die Mitarbeiter und entsprechend sind natürlich auch so digitale Services wie die Drop-App dann auch Plug-and-Play nachrüstbar.

  24. Sebastian:

    Und gehen wir jetzt mal von dem Fall aus, ich wohne in einer WG oder in einem Haus mit mehreren Eigentümern oder Gemeinschaften sozusagen, wo ich euer System im Einsatz habe und bei meinem Arbeitgeber. Sind das dann zwei getrennte Drops, Währungen sozusagen, die ich dort einsetzen kann oder Geldbeutel, auf die ich zugreife sozusagen, um die Drops zu entnehmen oder ist das überhaupt nicht miteinander vereinbar? Wird wahrscheinlich eher die Ausnahme sein, dass tatsächlich euer System zu Hause und beim Arbeitgeber im Einsatz ist, aber könnte ja vorkommen mit steigendem Wachstum der E-Mobilität, dass das zum Thema wird.

  25. Tobias Wagner:

    Also vollkommen richtig. Der klassische Fall, ein Dienstwagenfahrer, der auch daheim eine Lademöglichkeit hat, wird natürlich in das Dropsystem integriert, weil der natürlich dann entsprechend weniger Ladebudget dann beim Laden vor Ort bekommt, weil er daheim eine Lademöglichkeit hat. Und dadurch kann man genau diese Ungereimtheiten ein bisschen glätten. Und da passt es auf jeden Fall. Also aktuell ist das Dropsystem für so geschlossene Nutzergruppen gedacht, also Mitarbeiter, die zu Hause laden können oder beim Arbeitsplatz und dann das beliebig auch mitnehmen können, diese Drops. Aber eine ganz, ganz spannende Frage ist natürlich, wenn wir unser System öffnen, Und der nächste große Schritt, an den wir uns heranwagen werden, ist natürlich auch, dass die Mitarbeiter auch mal öffentlich laden müssen und dann natürlich auch gezielt optimiert wird, wenn einer sagt, er ist sehr flexibel, er hat vielleicht ein bisschen Zeit, er möchte eh noch zum Supermarkt fahren, dass der dann auch mit Drops motiviert wird oder vielleicht bekommt er auch ein paar Drops geschenkt, um dann vielleicht woanders zu laden, damit der Ladestrom vor Ort für die Leute funktioniert. reserviert werden kann, die vielleicht nicht die Möglichkeit haben, woanders hinzufahren und vielleicht gerade im Meeting sitzen und einfach ihren Strom jetzt gleich benötigen. Also dass man auch mit den individuellen Flexibilitäten da ein bisschen spielen kann, das ist auf jeden Fall das große Ziel hinter diesem System, dass wir einfach das Maximale rausholen und am Schluss auch nur die Autos laden, die wirklich geladen werden müssen. Denn das Problem bei so pauschalen Lademanagementsystemen ist halt immer, dass man Autos auflädt, die gar nicht geladen werden müssen und andere in die Röhre schauen, die vielleicht dringend auf die Reichweite angewiesen werden müssen. Und das wollen wir auf jeden Fall ausmerzen, dass einfach der begrenzte Netzkapazität wirklich optimal eingesetzt wird. Denn das ist der begrenzte Faktor der E-Mobilität. Wenn wir nicht überall Ladepunkte aufbauen, dann wird es ein Problem. Und wenn die Autos nicht geladen sind, wie wir sie gerne hätten, dann haben wir relativ schnell keine Lust mehr auf die E-Mobilität. Und das müssen wir vermeiden. Und deswegen gehen wir das Thema jetzt auch an.

  26. Sebastian:

    Sehr schön. Also da ist auch euer Ansatz natürlich vollkommen nachvollziehbar. Die Frage ist jetzt nur, ihr begrenzt das jetzt im Moment oder natürlich aus dem Stand der Dinge auf euer System sozusagen. Wäre aber auch vorstellbar, dieses System generell dann einfach zu öffnen, weil ich sage mal, es wird ja nicht nur durch eure Ladestation sozusagen durchgeführt. E-Autos geladen, was natürlich ideal wäre für euch, aber da gibt es eine Vielzahl von Anbietern, Ladestationen und so weiter und so fort. Ist da vorstellbar, dass man dieses Drop-System dann eben auch weiter für den Markt öffnet, um dann eben diese Chancengleichheit beim Laden eben gerechter zu verteilen?

  27. Tobias Wagner:

    Du sprichst einen super spannenden Punkt an, denn im Endeffekt haben wir natürlich dieses Problem und lösen das entsprechend, weil wir einfach Lastmanagement machen. Aber eigentlich hat jeder andere Ladestationsbetreiber ganz genau das gleiche Problem. Und wenn es ihm vielleicht noch nicht bewusst ist, wird es aber die nächsten zwölf Monate passieren, weil einfach jetzt sehr viele Ladepunkte dazukommen werden und sehr viele neue Elektroautos auch geladen werden müssen. Das wundert mich eigentlich, dass da noch nicht viel mehr Dynamik in diesem Markt passiert und da Lösungen gibt. Wir sind bisher so einer der wenigen, die da neue Ideen mit reinbringen. Aber klar, also am Schluss ist die Vision auch wirklich diese Netzdienlichkeitswährung zu bauen, also quasi die Elektromobilität an unser Stromnetz zu koppeln und das macht natürlich nur Sinn, wenn es über uns hinauswächst und da haben wir auf jeden Fall schon große Ideen, aber wir sind natürlich prädestiniert dafür, weil wir diese AdWords und auch das ganze System dahinter haben. mit unseren ganzen Bestandskunden jetzt vertesten können. Wir werden die jetzt alle auf die 1500 Ladepunkte ausrollen und haben enorm viele Datenpunkte, enorm viele Erfahrungswerte, die wir jetzt sammeln können, ohne dass wir irgendwie Fünge holen müssen, sondern müssen quasi bloß auf den Update-Knopf drücken und sind einfach sehr gespannt, was passiert. Wo da die Reise hinführt, kann ich dir ehrlich gesagt gar nicht sagen, weil das kann riesengroß werden oder kann auch noch ein paar Monate dauern. Da sind wir jetzt einfach mal sehr, sehr gespannt, wie es läuft. Aber dass sowas benötigt wird, ich glaube, da sind wir uns alle einig, denn Es gibt zwei Optionen. Entweder man macht so ein System, wie wir es bauen, dass man da einfach Flexibilität managt, oder man geht mit dem Dampfhammer drüber und macht einfach dynamisches Pricing, wie es Tesla ja auch schon an den Superchargen macht, um die Auslastung zu steuern. Und eins von den beiden Sachen wird gewinnen und wir setzen eher aufs Erste hin.

  28. Sebastian:

    Ist auch das Sympathischere sozusagen, weil da hat der Luxus dann doch selbst in der Hand, die Kosten sozusagen zu bestimmen und kriegt es nicht vorgesetzt. Also von daher wäre das jetzt auch eher mein Favorite, den so zu verfolgen. Ja, vielen Dank für den Überblick von ChargeX, von eurem System. Ich glaube, da haben wir doch einiges jetzt schon mitnehmen können und erfahren können von eurem Angebot. Und ich würde sagen, wir sprechen einfach dazu nochmal ein paar Monate, wenn ihr noch ein paar mehr Erfahrungen mit eurer App sammeln konntet, auch die zweite Generation dann sozusagen am Markt in Projekte mit eingebracht habt und wir uns dann einfach nochmal über den neuen Stand der Dinge bei euch austauschen können.

  29. Tobias Wagner:

    Sehr gerne, Sebastian, auf jeden Fall. Vielleicht nochmal in einer kurzen Zusammenfassung. Also unser System ist halt speziell für die Orte geeignet, wo die Autos länger rumstehen. Das heißt, klassischer Fall ist ein Flottenbetreiber, Arbeitgeber, aber auch die private Wohnungswirtschaft. Und wenn dort quasi Bedarf besteht oder wenn die Zuhörer vielleicht irgendwie Probleme mit ihrem Netzbetreiber oder Stadtwerk haben, dass die Ladepunkte nicht genehmigt werden, dann sollen sie doch bitte mal bei uns anklopfen. Denn wir haben wirklich eine Lösung gebaut, wo man wirklich jeden Stellplatz zum Ladeplatz machen kann. Und an der Vision werden wir jetzt auch die nächsten Monate arbeiten. Und da freue ich mich sehr, wenn wir in so einem halben Jahr nochmal darüber sprechen können, wie das denn alles so geklappt hat im weiteren Wachstum unserer Firma.

  30. Sebastian:

    Sehr gerne. Und wenn es jemand bei mir meldet, gebe ich den Kontakt natürlich gerne weiter.

  31. Tobias Wagner:

    Super, vielen Dank.

  32. Sebastian:

    Bis dahin.

  33. Tobias Wagner:

    Ciao Sebastian, Servus.

  34. Sebastian:

    Das war sie also auch schon wieder, die aktuelle Folge des elektronischen News.net Podcast. Ich freue mich, dass du heute wieder zugehört hast und uns hoffentlich auch eine positive Bewertung hinterher bei iTunes oder Spotify hinterlässt. Und eins sei schon verraten, es ist nicht das letzte Mal, dass Tobias Wagner bei uns im Podcast zu Gast war. In zwei Wochen ist er wieder am Start. Dann sprechen wir über sein Unternehmen Zero Campers, welches elektrisches Camping mit einem Sharing-Abo verbinden möchte. Aber wie gesagt, dazu in zwei Wochen mehr. Mach's gut, bis dahin, ciao.