M. Wiecher, über Eons Innovations- und Testlabor in Essen

Im Gespräch mit Mathias Wiecher, CCO Eon Drive

Das Energieunternehmen Eon hat in Essen ein neues Test- und Innovationszentrum für Elektromobilität eröffnet. Ladeinfrastruktur aller Art wird dort auf Herz und Nieren getestet. Mit Mathias Wicher, Chief Commercial Officer (CCO) von E.ON Drive, habe ich mich über das Test- und Innovationszentrum für Ladeinfrastruktur, im Elektroauto-News.net Podcast, ausgetauscht.

Im gemeinsamen Gespräch erläutert er ausführlich die Funktionen und Ziele des Zentrums. Dieses diene der Untersuchung und Weiterentwicklung von Ladetechnologien für Elektroautos und deren Integration in das Energie-Ökosystem. Hierfür verfügt das Testlab über spezielle Klimakammern, die Temperaturen zwischen -40 und +50 Grad Celsius simulieren können.

Hauptaugenmerk liegt auf der Entwicklung und dem Testen verschiedener Ladeinfrastrukturen für Elektrofahrzeuge, wobei insbesondere die Funktionalität, Qualität, Sicherheit und Interoperabilität im Fokus stehen. Das Zentrum erstreckt sich über 10.000 Quadratmeter und beinhaltet verschiedene Stationen/ Abteilungen für umfangreiche Tests. Ein wesentlicher Aspekt ist das Zusammenspiel von Technologien im "Future Energy Home", das Photovoltaikanlagen, Heimspeicher und Wärmepumpen umfasst. Mathias spricht über spezifische Herausforderungen wie das Laden von Elektroautos unter wechselhaften Sonnenbedingungen und die Notwendigkeit, die Technologien entsprechend anzupassen.

Hierfür arbeitet das Labor eng mit Partnern und Kunden zusammen, um gemeinsam Innovationen voranzutreiben. Dabei werden neue Technologien für bidirektionales Laden und die Elektrifizierung des Schwerlastverkehrs entwickelt. Von Beginn an habe man darauf geachtet, dass Testlab zukunftssicher zu konzipieren.

Im Gespräch selbst erläutert Mathias die Bedeutung von realen Tests gegenüber reinen Simulationen, auch wenn künstliche Intelligenz und Vorhersage-Tools genutzt werden. Aber das hörst du dir am besten selbst an.

Shownotes:

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Transcript

  1. Intro:

    Elektroauto News. Der Podcast rund um das Thema Elektromobilität. Mit aktuellen Entwicklungen, Diskussionen, Interviews und vielem mehr.

  2. Sebastian:

    Servus und herzlich willkommen bei einer neuen Folge des Elektroauto-News.net Podcast. Ich bin Sebastian und freue mich, dass du diese Woche wieder eingeschaltet hast, wenn es mal wieder um das Thema E-Mobilität geht. In der aktuellen Folge habe ich Mathias Wicher zu Gast, seines Seichens CCO von E.ON Drive und wir unterhalten uns gemeinsam über das neue Test- und Innovationszentrum in Essen, welches auf über 10.000 Quadratmetern Wallboxen, DC-Lader, HPC-Charger und Megawatt-Charger auf Herzen ihren Testen. Wir gehen direkt rein ins Gespräch mit Matthias. Servus Matthias, vielen Dank, dass du dir heute die Zeit nimmst, dass wir uns ein wenig über das Test- und Innovationszentrum für E-Mobilität in Essen unterhalten von E.ON, was ihr eben ins Leben gerufen habt Mitte Januar 2024. Bevor wir da allerdings eintauchen und du ein bisschen mehr darüber erzählst, stell dich doch gerne mal selbst unseren ZuhörerInnen vor.

  3. Mathias Wicher:

    Hallo Sebastian, danke für die Einladung. Schön, dass ich hier sein kann und etwas erzählen kann über unser Testing Lab. Mein Name ist Matthias Wicher. Ich bin Chief Commercial Officer der E.ON Drive und in der Rolle verantwortlich für alle Aktivitäten rund um Elektromobilitätslösungen für unsere Kunden in allen europäischen Ländern, in denen Aeon vertreten ist. Das Ganze mache ich jetzt seit bald sieben Jahren, also auch schon eine ganze Weile in der Industrie unterwegs. Viele Sachen ausprobiert und eine Sache, die immer wieder klar wird, ist, dass es am Herzen ist es Technologie. Es sind Dinge, die miteinander kommunizieren und arbeiten müssen. Und unter anderem deswegen haben wir das Testing Lab in Betrieb, arbeiten da mit verschiedensten Partnern an den Lösungen, sodass es wirklich einfach ist für Kunden zu laden.

  4. Sebastian:

    Das heißt, in eurem Testing-Lab prüft ihr Ladestationen auf Herzen und Nieren gemeinsam mit euren Partnern und euren Kunden zusammen. Kannst du dazu noch ein paar Worte verlieren, was denn jetzt genau die Produkte sind, die ihr dort vor Ort in euren Prüfkammern habt?

  5. Mathias Wicher:

    Das Testing-Lab, das wir jetzt gerade eröffnet haben, eigentlich ist es so, dass wir ein Testing-Lab dieser ähnlichen Art und Weise schon seit einigen Jahren hatten. Aber jetzt hatten wir aus verschiedenen Gründen die Chance, das neu und auch größer und auch zukunftssicherer auszustatten. Kommen wir gleich nochmal drauf, was das alles bedeutet vielleicht. Uns geht es im Wesentlichen darum, die Technologie, die es am Ende braucht, um ein Elektrofahrzeug zu laden, in den verschiedensten Situationen, in den verschiedensten Konfigurationen und auch in den verschiedensten Zusammenspielen mit anderen Komponenten auf Funktionalität, auf Qualität und auf Sicherheit, auf Interoperabilität zu testen. Denn letztlich ist es so, dass Ladeinfrastruktur, sei das jetzt die Warbox zu Hause oder der Ultraschnelllader im öffentlichen Raum, muss ja unter verschiedensten Bedingungen, in verschiedensten Situationen, mit verschiedensten Fahrzeugen, mit verschiedensten anderen Dingen im Umfeld funktionieren. Und da geht es uns in diesem Testlab und in den Prozederen, die wir da haben, darum, sukzessive mögliche Fehlerquellen, möglichst Irritationen zu entdecken und dann abzustellen oder Strategien zu entwickeln, das abzustellen, bevor es ein Kunde merkt und da in Nutzung der Elektromobilität eingeschränkt ist.

  6. Sebastian:

    Das heißt, euer Test- und Innovationszentrum in Essen, was ihr jetzt neu eröffnet habt, das wird nicht einfach nur ein Raum sein, in dem da mal ein paar Wallboxen an der Wand hängen, sondern wir denken ja schon in einem größeren Spektrum. Kannst du uns da mal ein Stück weit abholen, was für eine Größe, was dort vor Ort geboten wird, was man da erwarten kann, wenn man das jetzt auch noch nicht selbst live sehen konnte?

  7. Mathias Wicher:

    Also das ganze Lab hat in Summe 10.000 Quadratmeter Fläche und hat dementsprechend eine ganze Reihe an verschiedenen Stationen und Testbereichen. Das fängt an, vielleicht fangen wir damit an, mit der Box zu Hause und mit all dem, was damit einhergeht. Was wir da testen, ist erstmal verschiedene Wallboxen-Typen und auch in Verbindung mit verschiedenen Fahrzeugen, aber dann insbesondere als Aeon, die ja nicht nur Wallboxen zum Kunden bringt, sondern auch Photovoltaikanlagen und Heinspeicher, Wärmepumpen und all die Dinge, die im Zuhause sind. Da testen wir und entwickeln auch daran, wie funktioniert das alles zu Hause zusammen und bringt das Beste für den Kunden. Also wir nennen das das Future Energy Home. Das heißt, da geht es darum zu schauen, wie funktioniert ein gewisser Wechselrichter mit einer gewissen Ladebox in verschiedensten PV-Stromerzeugungsszenarien. Inwiefern stellen wir sicher, dass das solare Laden, also das Laden im Fahrzeug immer genau dann, wenn PV Strom erzeugt wird, auch genau dann funktioniert. Wie verhalten sich die verschiedenen Komponenten, um dann sicherzugehen, dass das, was der Kunde erwartet, auch genau passiert. Da vielleicht mal eine Story aus der Anfangszeit des Ganzen. Als wir anfingen mit Solarem Laden, das ist jetzt zugegebenermaßen schon ein paar Jahre her. Und wir haben simuliert, wie Sonne im schönen Essen im Ruhrgebiet scheint, nämlich in der Regel oft nicht stetig, sondern immer unterbrechend, weil ständig Wolken sozusagen durchs Bild ziehen, was letztlich für das Auto dafür gesorgt hat, dass das Laden ständig anfing und gestoppte, weil der Algorithmus war, ich lade nur, wenn die PV-Anlage Strom erzeugt. Und zum damaligen Zeitpunkt hat das Auto irgendwann gesagt, Moment, hier stimmt irgendwas nicht, ich fange gar nicht mehr wieder an mit dem Laden. So, wenn wir das nicht gefunden hätten und dann für eine Lösung gefunden hätte, wäre der Kunde am Ende da gestanden, Sonne hat gescheint, vielleicht nicht den ganzen Tag, aber durchaus genug, aber der Ort ist trotzdem nicht voll. Und dann sind wir mit unserem Partner unterwegs, auch mit dem dann besagten OEM, um zu schauen, okay, warum ist das so? Ist das gewollt? Was gilt es da dann zu tun, damit dann die Funktionalität wirklich auch Ende zu Ende funktioniert?

  8. Sebastian:

    Im Endeffekt ist es aber so, ihr nehmt da schon die Rolle von einem Partnerunternehmen auch ein, ihr macht da Auftragsprüfungen, euch können dann Firmen, können sich quasi einbuchen und können dort ihre Wallboxen, egal ob wir jetzt AC, DC, HPC sprechen oder auch Megawatt-Charging im LKW-Truckbereich dort testen.

  9. Mathias Wicher:

    Das geht, wobei auch ehrlich gesagt in den meisten Fällen ist es so, dass wir jetzt gerade testen und gemeinsam entwickeln mit Unternehmen, mit denen wir auch zusammenarbeiten. Das heißt, es sind dann Wallbox-Hersteller oder auch andere Technologieunternehmen, die auch dann im E.ON-Portfolio sind. Das heißt, da geht es darum, dass wir letztlich auch dann das Produktangebot, das wir unseren Kunden anbieten, sich durch diese Tätigkeiten stetig verbessert und weiterentwickelt.

  10. Sebastian:

    Und wir haben jetzt eben schon diesen Klassenfall eben, wo du gesagt hast, AC, Wallbox, Batterie, PV-Anlage, daheim. Gibt es denn noch weitere Fälle? Also ich habe das Ganze schon mal bei Webasto gesehen, die haben dort Dächer getestet, auch mit Dauerregen sozusagen. Solche Extreme, spielt das auch eine Rolle bei Ladeinfrastruktur für euch bei den Tests?

  11. Mathias Wicher:

    Also eine Sache, die wir auch testen, das ist ein anderes Prüf-Szenario, das machen wir sowohl für Warboxen zu Hause, als auch für DC, also Gleichstrom-Lade-Infrastruktur. Da geht es darum, dass wir sicherstellen können und wollen, dass Lade-Infrastruktur in allen klimatischen Bedingungen funktionieren, in denen E.ON unterwegs ist. Nordkap Norwegen bis Sizilien Italien. Das heißt, letztlich haben wir Klimakammern in den verschiedenen Ausfertigungen im Lab, mit denen wir alles testen können von minus 40 bis 50 Grad. um auch all diese Integrationstests und Technologiezusammentests auch unter solchen verschiedensten klimatischen Bedingungen genau durchzuführen, um dann da auch verschiedene Verhaltensmuster abzulesen, um dann sicherzustellen, dass wir auch da letztlich das möglichst einfach machen und möglichst massentauglich Elektromobilität zu nutzen. Was wir auch machen, ist auch eine spannende Sache, eine große Herausforderung. Dialekte Mobilität ist ja nicht nur das Nutzen, sondern auch das Installieren. Das heißt, was braucht es letztlich und welche Schritte sind erforderlich, was sind auch mögliche Herausforderungen, die man hat im Installationsvorgang für eine Wallbox oder für auch eine DC-Ladesäule. Und auch das testen wir dort. Das heißt, wir testen die Installation selbst, holen uns dann auch meistens die Hersteller der Hardware mit dazu, um direkt Feedback zu geben. Wir passen basierend auf diesen Erfahrungen die die Manuals an und wir holen uns auch unsere Installationspartner und Kollegen in das Lab, um sie dann direkt sozusagen am lebenden Objekt in diesem Umfeld zu schulen, um auch da sicherzugehen, dass es sukzessive massentauglich und möglichst einfach wird, für alle Beteiligten das Ganze zu nutzen.

  12. Sebastian:

    Mit welchen Situationen für alle Beteiligten, so wie du es jetzt eben schon ausgeführt hast, weil man ja am lebenden Objekt testen kann. Das heißt, wenn ich bei euch aber auch im Testlabor, im Testlab unterwegs bin, da sehe ich dann auch tatsächlich Ladestationen aus dem Handel im Einsatz, als auch dann tatsächliche Fahrzeuge, Trucks, die dort stehen und getestet werden?

  13. Mathias Wicher:

    Genau so ist es. Also wir haben auf der einen Seite... Dann haben wir eine Reihe an Fahrzeugen, die wir quasi selbst in der Flotte haben. Da wird in der Regel jeder Kollege mal gebeten, weil wir gerade das Fahrzeug vom Typ X brauchen, dann muss der das mal vorbeibringen. Wir haben natürlich auch Fahrzeugsimulatoren, wenn wir nicht immer ein Fahrzeug selbst haben, weil nicht immer ist die Batterie auch genau richtig leer, dann kann man das sozusagen dadurch simulieren. Und es ist in der Tat so, dass eine ganze Menge an Ladeinfrastruktur dort vorhanden ist, indem wir da immer wieder arbeiten und testen. Aber einen weiteren Punkt, den wir in diesem Umfeld tun, ist, jetzt wissen wir ja, Ladeinfrastruktur hat auch relativ viel mit IT und Software zu tun. Und auch da ist es so, dass sich das ständig weiterentwickelt und wie wir sie auch vom Telefon kennen, regelmäßige Firmware-Updates kommen. Und auch da hat die Praxis gezeigt, dass nicht jedes Firmware-Update alles besser macht. Und da machen wir es auch so, dass wir in diesem Lab, wenn einer unserer Hardware-Partner gesagt, wir haben hier ein Update, das soll das und das verbessern, dann testen wir das in dem Laborumfeld, bevor wir es auf unsere Hardware ausrollen. Um auch da wieder sicherzugehen, dass wir die Nutzung und Leistungsfähigkeit der Technologie sicherstellen können. Das bedeutet unter anderem, dass sich im Labor jeder Hardwaretyp, den wir irgendwo betreiben, als physisches Beispiel befindet. Um halt genau diese Firmware-Tests zu machen. Also da hängt eine ganze Menge an den Wänden.

  14. Sebastian:

    Was ja auf der anderen Seite die Größe von über 10.000 Quadratmeter auch schlussendlich erklärt, wo du eingangs erwähnt hast, dass du all das ja auch dort vor Ort unterbekommst. Du hast auch vorhin das Schlagwort zukunftssicher untergebracht. Ergänzend zu dem bisherigen Standort, den ihr ja schon am Start habt, magst du das mal ausführen, warum der Standort in Essen jetzt zukunftssicherer ist?

  15. Mathias Wicher:

    Das sind zwei Dinge und da geht es insbesondere auch darum, da haben wir jetzt noch gar nicht gesprochen, du hattest eingangs gesagt, der Standort ist ein Test- und Innovationszentrum. Jetzt haben wir viel über Testen gesprochen. Der Innovationsteil ist halt einer, wo wir an diesem Standort eine Plattform bieten wollen, dass verschiedene Marktteilnehmer zusammenkommen können und gemeinsam innovieren und gemeinsam an der Lösung arbeiten können. Und da ist es deswegen jetzt erstmal zukunftssicher, dass wir anders als das Labor, das wir zuvor hatten, haben wir dafür jetzt den Raum und auch die Vorrichtungen, um das zu tun. Das sind halt dann Dinge wie Das in aller Munde befindliche Vehicle-to-Grid und bidirektionale Laden, da geht es um Plug-and-Charge, da geht es um verschiedene andere Flexibilitätsanwendungen, die dann in der Regel immer in längerer Form eine neue Technologie bedingen, die wir da dann gemeinsam entwickeln und gemeinsam auch testen können. Und der zweite Teil, den wir da jetzt sozusagen haben unterbringen können und da sozusagen nach vorne denken können, ist ein weiterer Bereich der Elektromobilität, der sich noch sozusagen in den Kinderschuhen in Entwicklung befindet, nämlich die Elektrifizierung des Schwerlastverkehrs und der LKWs. Da haben wir jetzt sowohl räumlich als auch, und das ist einer der großen Dinge im Sinne von Netzanschluss und Kapazität des Stroms und der Leistung, die Chance genutzt, mit diesem neuen Standort das so zu dimensionieren, dass wir auch in der Lage sein werden, all die Tests, von denen ich eben sprach, Klimakamera, Interoperabilität und Zusammenspiel von verschiedenen Technologien, auch für einen Megawattcharger testen zu können. Das heißt, die Klimakammern, die wir da jetzt für den Bereich sozusagen im Lab haben, die sind so groß, dass da die Leistungseinheiten und die User-Unit für einen Megawatt-Charger reinpasst und wir dementsprechend dort dann auch genau diese Tests werden durchführen können. Und das sind im jetzigen Stand noch nicht wirklich Tests, sondern das ist erst nochmal gemeinsame Entwicklung mit den verschiedenen, insbesondere Hardware-Partnern, aber auch verschiedenen LKW-Herstellern, die da mit uns gemeinsam daran arbeiten zu schauen, dass wir auch die Technologie hinbekommen.

  16. Sebastian:

    Sehr spannend auf jeden Fall diese Ausführung auch, dass ihr da eben schon eine Spur größer denkt oder deutlich größer natürlich denkt in einem Thema, was uns ja auch beschäftigen wird in nächster Zeit. Wie ist denn das Thema bidirektionales Laden? Wird das auch vor Ort getestet? Nehmt ihr euch dem auch an? Weil das ist auch immer sowas, was bei unseren LeserInnen und ZuhörerInnen auch ein Thema ist und immer wieder zur Sprache kommt.

  17. Mathias Wicher:

    Genau, genau. Also auch da, das ist jetzt wieder in dem Bereich, über den wir zu Beginn gesprochen hatten, also das Future Energy Home, das gleiche Setting. Auch da haben wir dann Wallboxen, die bidirektionalitätsfähig sind, ein Fahrzeug und machen da die gleichen Entwicklungen und auch Tests. Das ist jetzt nicht besonders relevant, aber witzig. An der Testlab-Eröffnung hatten wir auch ein V2G, aber das hieß dann Vehicle-to-Glühwein. Also wir haben aus einem direktionalen Fahrzeug Glühwein erwärmt und dann da trinken können für unsere Gäste. Wobei das jetzt kein Marketing-Stunt war, sondern die Energie kam in der Tat wirklich aus dem Fahrzeug. Also das ist halt eine der Dinge, es ist eher ein Energieunternehmen. Es liegt uns natürlich sozusagen im Blut, dass wir über die Möglichkeiten, ein Fahrzeug als große Batterie zu nutzen, nachdenken und auch da in dem Kontext, in dem Labor arbeiten und Dinge testen und entwickeln.

  18. Sebastian:

    Das spielt ja auch eine Rolle für die Zukunft mit Netzstabilisierung, Lastspitzenkappung, all die ganzen Themen, die wir ja dafür nutzen können mit diesem Speicher, mit dem fahrenden Speicher, wie es mal genannt wurde. Kann man das ja nicht außen vor lassen und ist ja eine gute Verwendung dafür. Und wenn es zu warm war, hätte man ja auch in die entsprechenden Kühlkammern wahrscheinlich bei euch gehen können, um den Glühwein da auch zu genießen, oder?

  19. Mathias Wicher:

    Ja, so ist es, so ist es.

  20. Sebastian:

    Das heißt, ihr seid da wahrscheinlich ziemlich gut ausgelastet mit euren Tests, mit den verschiedenen Innovationen, die vorangetrieben werden. Wie kann ich mir das denn vorstellen? Gibt es einen festen Rhythmusablauf, wie lange es dauert, wenn eine Wallbox bei euch jetzt reinkommt, bis sie dann auch vollgetestet wieder rausgeht? Oder kommt das immer auf verschiedene Anforderungen drauf an?

  21. Mathias Wicher:

    Erstmal, wie arbeiten wir da? Auch das macht man ja heutzutage so, folgt in der Sprintlogik, in diesen agilen Backlogs. Das heißt, Da ist dann das Team vor Ort, das sind auch in Summe ungefähr zehn Mitarbeiter, die da in dem Lab arbeiten und da testen. Nehmen sich sozusagen gewisse Testrhythmen vor. In der Regel, um all die Sachen durchzudrehen, sind das einige Tage an Tests. die dann da durchlaufen und wenn alles gut läuft, war es das auch, ja, aber oft gibt es halt dann eben, okay, wir testen, wir haben jetzt das Finding, das heißt, wir passen da mal was an und testen es dann nochmal, ja, sodass das jetzt, also sozusagen den einen Zeitraum gibt es nicht wirklich, den man da irgendwie sagen kann.

  22. Sebastian:

    Jetzt ist es ja so, dass wir uns aktuell, wenn man in die Welt hinausschaut, fallen ja auch immer so Begriffe wie künstliche Intelligenz, Computer, das von auch selbst gesagt dann Tests, die eben mit Software durchgeführt werden oder auch simuliert werden. Jetzt könnte man ja auf die Idee kommen, warum brauche ich denn jetzt noch eine 10.000 Quadratmeter große Testlab sozusagen. Die Notwendigkeit besteht aber weiterhin, weil eben genau diese Thematik wahrscheinlich wie Klima und so weiter ja auch nicht alles immer astrein simuliert werden kann am Computer.

  23. Mathias Wicher:

    Genau so ist es. Gleichzeitig nutzen wir ja auch, das ist auch eines der Dinge, die wir unter anderem auch dort getestet haben, es mag ein Zuhörer bekannt sein, das Produkt Evercharge, das ist ja ein basierend und nutzend von künstlicher Gänze, um vorherzusagen, im Sinne eines Predictive Maintenance Tools, vorherzusagen, wann unter Umständen in einer Ladeinfrastruktur ein Fehler passieren könnte, um dann eingreifen zu können, bevor es tut. Das heißt, wir arbeiten natürlich mit den verschiedenen Möglichkeiten, die künstliche Intelligenz uns anbietet, aber gleichzeitig halte ich es nach wie vor für notwendig, dass wir die wirkliche Technologie in der Hand haben und testen und schauen, wie die da funktioniert unter der Zunehmung, unter der Zuhilfenahme von solcher künstlichen Intelligenz und allen Dingen, die damit einhergehen. Aber ich sehe jetzt nicht, dass das ersetzen kann.

  24. Sebastian:

    Vielen Dank für deine Ausführungen, Matthias. Da haben wir dann doch einen guten Einblick bekommen auf euer Test- und Innovationszentrum in Essen. Vielen Dank für deine Zeit und ich werde bestimmt demnächst mal vorbeischauen.

  25. Mathias Wicher:

    Einladung steht. Danke, Sebastian.

  26. Sebastian:

    Auf über 10.000 Quadratmeter Charger aller Art zu testen, ist dann doch eben eine ganz andere Herausforderung, die sich E.ON angenommen hat. Ich werde mir das Ganze vor Ort natürlich auch mal anschauen. Ich fand den Einblick mit Matthias hinter die Kulissen des Test- und Innovationszentrums von E.ON in Essen interessant. Aber ja, ultraspannend, sehr interessant und bin mir sicher, vor Ort wird das Ganze nochmal eine Spur beeindruckender sein. Dir vielen Dank fürs Zuhören. Schalt gern kommende Woche bei der nächsten ERM-Podcast-Folge wieder ein. Mach's gut, bis dahin, ciao.