Yanfeng: So denkt man über die Zukunft der Mobilität

Im Gespräch mit Dr. Andreas Haslbeck, und Andreas Deubzer

Premiere. Zwei Gäste im Elektroauto-News.net Podcast. In diesem Fall Dr. Andreas Haslbeck, Manager, User Experience Research bei Yanfeng Technology (YFT) und Andreas Deubzer, User Interface Global Design Director bei YFT. Zu dritt haben wir uns über das Yanfeng Konzeptfahrzeug XiM23 unterhalten, welches einen Blick darauf gewährt, wie der Automobilzulieferer die Zukunft der Mobilität sieht. So viel sei bereits verraten, Luxus spielt dabei eine große Rolle.

Wie uns Dr. Haslbeck und Herr Deubzer zu verstehen geben, entwickelt der Zulieferer alle zwei Jahre ein Konzeptfahrzeug, welches einen Ausblick auf die Zukunft der Mobilität, aus Sicht von Yanfeng gewähren soll. Mit dem Konzeptfahrzeug „Experience in Motion 2023“ (XiM23) präsentiert das Unternehmen seine Vision eines ganzheitlichen Luxuserlebnisses nun greifbar in Form eines Elektroautos. Hierzu habe man fünf global gültige Faktoren (Aspekte) identifiziert, mit denen Automobilhersteller bei der Ausstattung ihrer Fahrzeuge für ein ganzheitliches Luxuserlebnis sorgen können.

Vier unterschiedliche Erlebnismodi: Calm-, Rich-, Rich+- und Immersive-Mode gestatten es dem Fahrer die Aspekte in unterschiedlicher Gewichtung/ Ausprägung zu erleben. Hierzu bereits jetzt der Verweis auf den Podcast, da Herr Deubzer das Ganze sehr gut darstellt und greifbar erläutert.

Spannend für mich war in diesem Zusammenhang auch die Aussage von Herr Dr. Haslbeck, dass man sich mit den Entwicklern der Automobilhersteller ausgetauscht hat. Diese ähnliche Aspekte und Schwerpunkte ermitteln konnten und dementsprechend mit vergleichbaren Ansätzen in die Zukunft schreiten. Viel mehr als ein Technologieträger wird das XiM23 Konzept nicht werden. Zeigt aber ganz gut auf, welche „neue und überzeugende Erlebnisse für die Automobilindustrie und die zukünftige Mobilität“ geliefert werden.

Im Detail verstehen es die beiden Herren von Yanfeng den XiM23 und die Bedeutung für deren Unternehmen und die Automobilindustrie an sich besser einzuordnen. Daher gilt, einfach Mal reinhören in die aktuelle Folge.

Shownotes:

Edit speaker mapping

Change displayed names for speaker IDs in this transcript.

Transcript

  1. Intro:

    Elektroauto News. Der Podcast rund um das Thema Elektromobilität. Mit aktuellen Entwicklungen, Diskussionen, Interviews und vielem mehr.

  2. Sebastian:

    Servus und herzlich willkommen bei einer neuen Folge des Elektroautonews.net Podcast. Ich bin Sebastian und freue mich, dass du diese Woche wieder eingeschaltet hast, wenn wir uns mit Themen aus der Welt der E-Mobilität beschäftigen. In der aktuellen Woche ist das nicht unbedingt so ganz der Fall. Diese Woche haben wir eher ein Thema aus der Zuliefererindustrie auf dem Schirm, die aber natürlich auch eine wichtige Rolle spielt dafür, dass wir überhaupt die Fahrzeuge vor die Tür bekommen. Und zwar habe ich diese Woche gleich zwei Gäste von Yanfeng, einem weltweiten Automobilzulieferer, der auch für alle deutschen OEMs oder für einen Großteil der deutschen AMs als Zulieferer gilt, zu Gast. Und zwar ist es Dr. Andreas Haslbeck und Andreas Deubzer, die beide am XIM 23, ich hoffe, ich habe es richtig ausgesprochen, mitgewirkt haben. Ein Konzeptfahrzeug, was Luxus in der Zukunft eben betrachtet. Und da gibt uns Dr. Haslbeck direkt zu Beginn zu verstehen, Ja, die Einordnung von Luxus ändert sich dann doch wohl mit dem Alter. Aber das sollen die zwei Experten selbst zum Besten geben, auch was das Thema autonome Fahren dann eben für die Mobilität der Zukunft bedeutet. Und ich bin mir ganz sicher, du nimmst einiges Wissenswertes aus der aktuellen Folge mit. Viel Spaß damit. Hallo Herr Haslbeck, hallo Herr Deubzer, heute haben wir Premiere bei Elektroautonews im Podcast, gleich zwei Interviewteilnehmer. Wir unterhalten uns heute ein wenig über Yangfong und über eure Konzeptstudie XIM23. Bevor wir da allerdings drauf eingehen sozusagen, können Sie sich vielleicht selbst kurz vorstellen. Vielleicht beginnt mit dem Herrn Haslbeck, dann der Herr Deubzer und dann vielleicht noch ein paar Worte einer von Ihnen über Yangfong verlieren, damit auch unsere Hörer und Hörerinnen wissen, über was für ein Unternehmen wir denn heute sprechen.

  3. Dr. Andreas Haslbeck:

    Hallo, ich grüße Sie. Ich stelle mich kurz vor. Mein Name ist Andreas Haslbeck. Ich bin grundsätzlich Maschinenbauingenieur und Ergonomie-Experte hier bei der Firma. Bin seit Anfang letzten Jahres, also Januar 2022, bei Anfang und mache hier Ergonomie- und Nutzerforschung.

  4. Andreas Deubzer:

    Mein Name ist Andreas Glopzer, ich bin bei Yanfeng für den Bereich User Interface Design verantwortlich. Wir sind Teil von einem größeren Design-Team, das sich auch mit Industriedesign, Farb- und Materialdesign und auch Konsumentenforschung beschäftigt, wo auch der Herr Haslbeck Teil davon ist. Vielleicht ein paar Worte zu Jan Fang selbst. Wir sind ein weltweit führender Automobilzulieferer, der sich auf die Bereiche Interior, Exterior, Sitze, Cockpit, Elektronik und auch passive Sicherheit fokussiert. Das Unternehmen beschäftigt global ungefähr 67.000 Mitarbeiter an über 240 Standorten. Das technische Team von über 4.200 Experten ist in zehn Forschungs- und Entwicklungszentren und anderen regionalen Büros tätig. Wir verfügen Kompetenzen im Bereich Engineering, Softwareentwicklung, Design und auch Testvalidierung. Jan Fang ist auf Smart Cabin Konzepte und Leichtbautechnologien spezialisiert und unterstützt damit global fast alle Automobilhersteller.

  5. Sebastian:

    Spannend. Vielen Dank erstmal für die Vorstellung Ihrer Person und auch für die Kurzvorstellung von Jan Fang. Jetzt kommen wir heute zusammen nicht wegen eurer Fähigkeiten im automobilen Interieur, im weitesten Sinne wahrscheinlich schon, sondern wollen uns eben über das Konzeptfahrzeug XIM 23, ich hoffe, ich habe es richtig ausgesprochen, wenn nicht, darf mich gleich einer verbessern, unterhalten. Das habt ihr jetzt ja entwickelt, um eben auch einen Ausblick auf eure Vision von einem ganzheitlichen Luxuserlebnis bei zukünftigen Mobilitätsanwendungen zu geben. Wobei da, um das gleich vorwegzunehmen für unsere Hörerin, der Antrieb weniger die Rolle spielt, sondern es geht quasi um das Konzept, wie kann so ein Fahrzeug von innen eben auch ausschauen, was bringt das mit in Zukunft, um da dann eben auch die Mobilitätsbedürfnisse der Nutzer, Nutzerinnen zufriedenzustellen. Vielleicht können Sie da das Deluxus-Forschungsstudio einfach mal kurz umreißen, worum es geht, was da die Schwerpunkte sind, bevor wir dann eben auf verschiedene Aspekte davon eingehen. Das war, glaube ich, das Thema von dem Herrn Haslbeck. Genau, richtig.

  6. Dr. Andreas Haslbeck:

    Wir sprechen das Fahrzeug XIM23 aus und das steht für Experience in Motion, das Kürzel. Genau, bezüglich Luxus und das ist mein Part gemeinsam in meinem globalen Team gewesen hier. Wir wollten ein Fahrzeug, das Luxus widerspiegelt, das luxuriöse Erlebnisse bereitstellt, konzipieren. Und ganz generell im Bereich Luxus, wir beobachten über natürlich längere Zeiträume, dass sich die Vorstellung, was ist Luxus und die Erwartungen von Menschen ändern. Eine eher traditionelle Vorstellung von Luxus ist, dass es um Reichtum, um Status und auch der Zerschaustellung davon geht. Wenn man aber eher mit jüngeren Menschen spricht, dann sehen wir, was die als luxuriös empfinden. Das sind soziale Erlebnisse, das ist Individualität und auch die Zerschaustellung, das Ausleben von Individualität. Wir sehen schon, dass die jungen Menschen auch Exklusives wollen, aber damit weniger Aufmerksamkeit erzeugen wollen. Und dieser Wandel in dem Luxusempfinden war für uns ausschlaggebend, dass wir eine Forschungsstudie, eine Nutzerbefragung gestartet haben vor zwei Jahren. wo wir in fünf Ländern, drei europäische, Deutschland, England, Spanien, sowie die Vereinigten Staaten und China, intensive Interviews geführt haben. Und dabei haben wir über 200 Luxuserlebnisse uns berichten lassen in den Interviews, viel nachgefragt, um das zu verstehen und das dann mal für uns analysiert. Also was macht für diese Personen ein luxuriöses Erlebnis aus? Und wir haben fünf Aspekte oder Faktoren festgestellt, die da immer wieder vorgekommen sind. Das waren Service, Vereinfachung, Personalisierung, Komfort und Kontrolle. Ich will es mal ganz kurz auf alle fünf ein bisschen eingehen, was sich hinter diesen Begriffen versteckt. Wir haben bei Service festgestellt, es geht um eine zuvorkommende Behandlung oder Interaktion. Wir wünschen uns, dass Bedürfnisse vorhergesehen und erfüllt werden und wollen uns umsorgt und wertgeschätzt fühlen. Bei der Vereinfachung geht es darum, etwas mühelos handhaben zu können. Die Interaktionen sollen vereinfacht und reduziert sein und wir wollen einfach vom Alltag abschalten und uns entspannen können. Die Personalisierung bezieht das Verständnis über unsere Vorlieben und Präferenzen ein und Und wir wollen, wenn ein Produkt, eine Dienstleistung oder eine Marke das widerspiegelt und ansprechen kann, dann können wir dieser auch vertrauen, Kontrolle abgeben und entspannen. Beim Komfort geht es darum, dass wir zum Beispiel unser Zuhause erweitert fühlen, also wie wir es uns zu Hause eingerichtet haben und den Komfort, den wir dabei empfinden. so ein bisschen als einen persönlichen Kokon mitnehmen können. Wir wollen uns wohlfühlen und vom hektischen Alltag ein bisschen entfernen und abschalten können, um ein Erlebnis genießen zu können. Und bei der Kontrolle geht es darum, dass wir in der Lage sind, Kontrolle auszuüben, jetzt mal sprichwörtlich auszuüben. den Kurs, das Tempo bestimmen können, aber wenn wir uns sicher und vertraut fühlen, auch wieder diese Kontrolle an jemanden oder ein technisches System abgeben und bei Bedarf und Vorliebe auch wieder zurücknehmen, an uns ziehen können. Das sind also diese fünf verschiedenen Faktoren luxuriöser Erlebnisse. Und es ist ganz spannend, dass wir festgestellt haben, bei all diesen luxuriösen Erlebnissen in der Forschungsstudie kamen diese fünf Faktoren alle vor, aber in unterschiedlicher Ausprägung. Das bedeutet... Nicht alle Teilnehmer hatten dasselbe Bedürfnis zum Beispiel an Service oder Komfort in der gleichen Ausprägung. Aber wir haben über all diese Interviews gesehen, dass diese fünf Faktoren schon ausgeprägt da sein müssen. Also wenn einer dieser Faktoren komplett verschwindet, dann wird ein Erlebnis nicht mehr als luxuriös empfunden. Und das ist jetzt ein Wissenschatz, eine Sammlung an Einblicken, die wir an unsere Design- und Ingenieurskollegen übergeben haben, um die für dieses Konzeptfahrzeug zu inspirieren, zu motivieren, das aufzugreifen und zu adressieren.

  7. Sebastian:

    Ja, sehr spannend. Vielen Dank, dass Sie da so ausführlich geantwortet haben. Jetzt ist für mich die Frage auch noch, weil Sie haben das ja jetzt weitergegeben, haben es wahrscheinlich damit beantwortet, der Ansatz hinter dem XiM23, ich muss noch lernen, war dann eben der, ich sage mal, dieses den Luxus der Zukunft in das Fahrzeug zu bringen. Geht es euch denn darum, mit diesem Wissen, das ihr gesammelt und jetzt auch umgesetzt habt, künftige Produkte für eure OEMs, für eure Automobilhersteller, die ihr beliefert, dann eben zusammenzutragen und zu entwickeln? Oder was war überhaupt der Anlass, dass ihr gesagt habt, ihr geht jetzt dein eigenes Konzeptfahrzeug an?

  8. Andreas Deubzer:

    Wir machen diese Konzeptfahrzeuge regelmäßig im Abstand von zwei Jahren und das ist für uns natürlich eine exzellente Plattform, unsere neuesten Innovationen und Ideen auch mit unseren Kunden zu testen. Und wir haben Innovationen, die sind schon sehr weit fortgeschritten, die wir im Prinzip jederzeit verkaufen können an unsere Kunden. Wir haben aber auch Aspekte, die eher ein bisschen so die Zukunft abklopfen, würde ich sagen, wo wir gerne Feedback von unseren Kunden haben wollen. ob es sich lohnt, da weiterzuentwickeln. Und das ist so der Grund, warum wir diese Konzeptfahrzeuge aufbauen. Und wir haben im Großen und Ganzen einen extrem tollen Austausch mit unseren Kunden, mit sehr viel Interesse und sehr viel Feedback.

  9. Sebastian:

    Das heißt, Entwicklungen, die ihr dann tatsächlich da auch in dem Konzeptfahrzeug oder in vorherigen Konzeptfahrzeugen umgesetzt habt, umgesetzt werdet sozusagen, die können dann auch, wie gesagt, in einer späteren Ausbaustufe vielleicht tatsächlich in Serienfahrzeuge von Herstellern einfließen.

  10. Andreas Deubzer:

    Genau, das ist unser Wunsch und unser Ziel natürlich. Und aus diesen Konzeptfahrzeugen ergeben sich oft Vorentwicklungsprojekte mit OEM-Kunden und die dann eben auch später in Serie gehen können.

  11. Sebastian:

    Vielen Dank, Herr Deupzer. Vielleicht bleiben wir auch direkt bei Ihnen, weil Sie zeichnen sich ja auch für einen besonderen Part sozusagen im Fahrzeug zusammen für die unterschiedlichen Erlebnismodi in dem Konzeptfahrzeug zusammen. Welche Erlebniserfahrungen werden dem Nutzer denn eben geboten? Vielleicht können Sie uns das ja auch ein Stück weit einordnen, was wir darunter eben verstehen können, mit was das Fahrzeug eben für die Fahrer, Fahrerinnen dann später auch aufwarten kann.

  12. Andreas Deubzer:

    Genau, für uns war es erstmal nicht wichtig, ein Luxusprodukt zu entwickeln, sondern luxuriöse Erlebnisse zu erzeugen. Das war uns sehr wichtig. Dazu haben wir verschiedene Erlebnismodi gestaltet, die dann auch darstellen sollen, wie digitaler Luxus in Zukunft aussehen kann. Und jetzt auch für meinen Bereich User Interface Design, auch wie unterschiedlich Nutzer in diesen Experience-Modi mit dem Fahrzeug interagieren. Wir haben vier Modi entwickelt. Das ist der Calm-Mode, der Rich-Mode, der Rich-Mode Plus und der Immersive-Mode. Und die muss ich wahrscheinlich etwas genauer erklären, weil sich sonst wahrscheinlich keiner was dritter vorstellen kann.

  13. Sebastian:

    Wäre gut.

  14. Andreas Deubzer:

    Genau. Dann würde ich mal mit dem Calm-Mode oder entspannungsruhigen Mode anfangen. In diesem Modus haben wir nur ein sehr minimales User-Interface. Das Fahrzeug soll dem Nutzer einen perfekten Service und Einfachheit bieten oder auch damit überzeugen. Wie wir ja schon gelernt haben von Herrn Haslbeck, Service und Einfachheit sind zwei wichtige Aspekte, sich luxuriös im Fahrzeug zu fühlen. Die Idee ist hier, dass das Fahrzeug den Nutzer und auch seine Vorlieben kennt. Das heißt zum Beispiel Sitze, Kopfstützen, aber auch das Lenkrad werden automatisch so eingestellt, wie das aus Komfort- und Sicherheitsaspekten am besten zum jeweiligen Nutzer passt. Und auch zum Beispiel unser digitaler Assistent Jan begrüßt den Fahrer persönlich mit seinem Namen. In diesem Car-Mode sind die digitalen Aspekte auch eher im Hintergrund. Wir haben nur einen sehr dünnen Displaystreifen auf der Instrumententafel, der sich über die komplette Breite der Instrumententafel erstreckt, aber in dem Fall nur 50 mm hoch ist. Während der Fahrt können sich die Passagiere dann hauptsächlich über den digitalen Assistenten mit dem Fahrzeug interagieren. Wir haben aber auch zum Beispiel funktionale Oberflächen- oder Gestensteuerung. Ganz wichtig ist auch das Ambiente Licht. Da haben wir uns hier im Calm Mode entschieden, ein sehr gedämpftes Licht mit einem warmen Cremeton zu zeigen. Das wäre dann der Calm-Mode.

  15. Sebastian:

    Da würde ich mal ganz kurz einhaken. Also wir haben den Ruhemodus sozusagen, haben Sie jetzt ja erläutert, was uns da erwartet sozusagen vom Sitzen, vom Display, vom Licht, das ja eine wichtige, relevante Rolle spielt, wie Sie mitgeteilt haben. Bedeutet das bloß zur Einordnung, auch wenn der Antrieb oder die Steuerung erstmal eine untergeordnete Rolle spielt, ist der Gedanke dahinter, dass der Nutzer dann selbst fährt in diesem Ruhemodus oder dass das Fahrzeug eher autonom tatsächlich auch unterwegs wäre?

  16. Andreas Deubzer:

    Das ist ein sehr guter Punkt und genau das hätte ich auch erwähnen sollen. Im Car-Mode fahren wir selbst. Trotzdem ist die Fahraufgabe ja sehr wichtig. Wir wollen aber trotzdem eine Interaktion mit dem Fahrzeug ermöglichen oder die ist ja auch notwendig. Wir wollen sie nur in einer sehr dezenten Art und Weise darstellen. Nicht um zu sagen, der Nutzer wäre überfordert, aber es gibt eben verschiedene Möglichkeiten, sehr einfache User-Interfaces zu gestalten oder komplexere User-Interfaces. die dann auch mehr Kontrolle erlauben. Und das wäre dann auch der Übergang zum Ridge-Mode. Wenn sich der Fahrer entscheidet, im Ridge-Mode zu fahren, verändert sich der Innenraum sehr dramatisch, würde ich sagen. Die Displays fahren weiter heraus, von 50 mm auf 100 mm. Aber auch die Grafiken auf den Displays werden opulenter, farbiger. Das Ambiente-Licht passt sich auch an, wird sehr viel intensiver. Und jetzt hat der User den Zugriff auf ein, ich würde mal sagen, komplettes User-Interface, wie wir das heute in Fahrzeugen kennen. Wir haben zusätzliche Funktionen und können auch zusätzlich mit weiteren Interaktionsmöglichkeiten interagieren. Dreh-Drücksteller fährt aus in der Mittelkonsole und wir können auch mit dem Lenkrad, dem User-Interface, interagieren.

  17. Sebastian:

    Aber auch in diesem Ridge-Mode, Ridge-Mode Plus, den Sie ja auch genannt hatten, bin ich immer noch als Fahrer aktiv, kriege jetzt quasi aber nur ein Stück weit mehr Unterstützung, Steuerungsmöglichkeiten noch beiseite gestellt, wie es im Car-Modus der Fall war.

  18. Andreas Deubzer:

    Genau, im Bridge-Mode fahren wir auch weiterhin selbst. Das Ziel ist hier, dass die Nutzer mehr Kontrolle übernehmen können und auch Funktionen personalisieren können. Also Kontrolle und Personalisierung sind ja auch zwei sehr wichtige Aspekte, sich luxuriös zu fühlen. Und dafür können wir das User Interface individuell an den User anpassen. Wir zeigen dafür beispielhafte Konfigurationen, die darstellen, was für ein User Interface hätte ich vielleicht gerne, wenn ich einen Ausflug mache oder wenn ich wandern gehe. Wenn ich eine Stadtfahrt mache oder auf dem Weg zur Arbeit.

  19. Sebastian:

    Ja, sehr spannend. Und jetzt haben wir quasi den Calm- und den Rich-Modus abgefrühstückt, in Anführungsstrichen, die wir hatten. Sie hat noch einen vierten Modi genannt, Modus, der auch zum Tragen kommt. Der geht jetzt aber dann meines Wissens nach schon mehr in diese autonome Richtung, wo ich dann eher Mitfahrer bin, anstatt selbst fahrend unterwegs zu sein.

  20. Andreas Deubzer:

    Genau, wir haben den Ridge-Plus-Mode, so haben wir das genannt. Das ist dann der Teil, wo wir wirklich automatisiert fahren. Wir haben da an ein Level 4 gedacht. Und um da hinzukommen, haben wir erstmal eine schrittweise Übergabe der Fahraufgabe vom Fahrrad zum Auto. um dann auch in diesen Genuss zu kommen, sich chauffieren zu lassen quasi. Und in dem Fall fährt das Display noch weiter aus. Also wir waren ja bei 100 Millimeter, jetzt fahren wir das Display auf 200 Millimeter aus. Und da der Fahrer oder die Passagiere ja eigentlich nichts mehr tun müssen, können sie sich jetzt auf Entertainment oder auch Spaßfunktion konzentrieren. Ich muss nicht mehr auf die Straße gucken können, deswegen kann ich auch das Display so weit ausfahren. Wir können also Videos schauen, wir können Karaoke singen zum Beispiel oder auch mit Kameras, die wir im Auto verbaut haben, Bilder von uns als Reisegruppe quasi aufnehmen und die dann mit Freunden über Social Media zum Beispiel teilen.

  21. Sebastian:

    Ja, sehr spannend. Aber ich sage mal, ihr bietet wahrscheinlich diesen Ausbau oder die verschiedenen Modi, den OEMs in Stufen an sozusagen. Ich sage mal, die Stufe Calm und Ridge Mode, also der normale, könnte ich mir jetzt vorstellen, dass man das heute schon umsetzen kann. Beim Ridge Plus sind wir ja alleine schon beschränkt durch die Regulierung im Bereich autonomes Fahren.

  22. Andreas Deubzer:

    Genau, da sind wir natürlich wie alle anderen Zulieferer und auch OEMs auf die Gesetzgebung angewiesen, uns diese Möglichkeiten zu erlauben in der Zukunft. Da wir aber mit den Konzeptfahrzeugen in die Zukunft schauen, gehen wir davon aus, dass das möglich sein wird in einem absehbaren Zeitraum. Und für uns ist es wichtig, auch unsere Produktangebote schon jetzt quasi darauf vorzubereiten. Und in diesem Rich Plus Mode, wie wir gesagt haben, stehen dann eben wieder andere Aspekte des wahrgenommenen Luxus im Vordergrund. Das ist jetzt zum Beispiel Service. Das Auto fährt für mich. Aber auch Kontrolle, aber in dem Zusammenhang diese Kontrolle abzugeben. Im normalen Ridge-Mode habe ich selbst die Kontrolle. Im Ridge-Plus-Mode kann ich sie abgeben an das Fahrzeug, da ich mich in einem vertrauenswürdigen Umfeld des XAM23 befinde. Damit kann ich dann auch Kontrolle quasi loslassen.

  23. Sebastian:

    Sehr schön, jetzt haben wir das verstanden. Gab es jetzt noch einen vierten Modus oder hatte ich das jetzt falsch aufgeschnappt?

  24. Andreas Deubzer:

    Nein, es gibt sogar noch einen vierten Modus und das ist der, wie wir ihn nennen, Immersive Mode. Das ist interessant. Wir fahren weiterhin autonom, aber der Nutzer muss gar nicht mehr mit dem Fahrzeug interagieren und kann sich komplett jegliche Kontrolle abgeben. Was wir uns da ausgedacht haben, ist ein quasi multisensorisches Erlebnis. Wir wollen also möglichst viele Sinne der Nutzer ansprechen. Zum Beispiel visuell werden die Displays nicht mehr mit Funktionen gespielt, sondern wir zeigen einfach eine entspannende Wolkenanimation. Auch das ambiente Licht passt sich an. Wir haben zusätzlich eine Projektion im Dachhimmel, die quasi auch eine entspannende Animation zeigt. Wir haben Wir spielen Entspannungsmusik ein, also der akustische Aspekt. Und der Fahrzeuginnenraum wird auch beduftet, also der olfaktorische Aspekt kann man sagen. Zusätzlich für die taktile Wahrnehmung fahren wir die Sitze in eine quasi schwere, lose Position. Zero Gravity nennen wir das im Fachjargon. Das ist so etwas wie eine Liegeposition. die ein sehr entspanntes Gefühl ermöglicht und on top auch noch eine Sitzmassage. Und hier reden wir jetzt vor allem über Komfort und Service als die wichtigen Aspekte, um ein luxuriöses Gefühl zu erzeugen.

  25. Sebastian:

    Das wäre dann sozusagen das Rundum-Sorg-Plus-Paket, so hört sich zumindest an für mich bei dem Modus. Wie wird das Ganze denn von den Herstellern OEMs aufgenommen? Haben die sich da schon teilen bedient oder haben die da auch schon Interesse an unterschiedlichen Themen geäußert?

  26. Andreas Deubzer:

    Ich muss sagen, sehr positiv. Für uns als Design- und auch Innovationsteam ist das immer so ein großer Punkt, der erste Kundenkontakt mit unseren Innovationen, unserem Showcar. Wir hatten schon einige Meetings oder Besprechungen, Events mit unseren Kunden und haben eigentlich durchweg sehr positives Feedback erhalten und auch gelernt, dass unsere Kunden sich mit genau den gleichen Themen beschäftigen und das gerade eine große Herausforderung ist, in den nächsten Jahren die richtigen Produkte zu entwickeln. Von dem Punkt selbst zu fahren bis zu dem Punkt, ich kann mich fahren lassen und was mache ich dann in dem Fahrzeug? Eher aktiver, zum Beispiel Filme gucken, Gaming und so weiter, aber eben auch bis zu dem Punkt, sich einfach nur zu entspannen, was wir eben in dem Immersive Mode darstellen.

  27. Dr. Andreas Haslbeck:

    Genau, und ich habe als Forscher natürlich auch mit anderen Forschern von den Firmen, den OEMs, gesprochen. Und das Interessante ist, dass auch die in ihrer Forschung sehr, sehr ähnliche Aspekte, wenn sie in Richtung Luxus blicken, finden. Also wir haben in den in den Einblicken Richtung Luxus sehr große Übereinstimmung und somit sind, wie es der Herr Dolbser sagt, natürlich dann auch die kreativen Abteilungen schon mal auf sehr ähnlichen Pfaden wie wir unterwegs und so ist das eigentlich immer eine sehr gute Passung, was die OEMs sich überlegen und vielleicht auch von einem Zulieferer erwarten und was wir dann auch adressieren und womit wir versuchen zu inspirieren.

  28. Sebastian:

    Ja, ich denke, das ist ein wichtiger Punkt, dass das dann auch in die gleiche Richtung geht, so wie Sie sagen, und dass es dann eben nicht nur, sage ich mal, in der Theorie zusammenpasst, das Ganze, sondern dass es dann auch ein Stück weit wiedergespiegelt wird von euren Kunden, weil dann seht ihr auch tatsächlich, okay, wir haben da was richtig gemacht oder richtig gedacht sozusagen und dann wird ja der nächste konkrete Schritt sein, einzelne Elemente da rauszunehmen und dann gemeinsam mit dem Endkunden wahrscheinlich auch weiterzuentwickeln.

  29. Andreas Deubzer:

    Zum Beispiel die ganze Thematik ambientes Licht und funktionales Licht sind für uns als Firma sehr wichtig, aber eben auch für unsere Kunden. Nur als ein Beispiel haben wir sehr viele Anknüpfungspunkte und muss man vielleicht auch sagen, das positive Feedback von unseren Kunden macht uns natürlich auch etwas stolz. Da wir über zwei Jahre sehr intensiv an diesem Showcast arbeiten, sind wir dann immer sehr froh, wenn wir das präsentiert haben und dieses positive Feedback bekommen.

  30. Sebastian:

    Das kann ich mir sehr gut vorstellen. Also für uns war das jetzt auch ein sehr interessanter Einblick, wie denn eben solche Entwicklungen in der Automobilindustrie auch vonstatten gehen können. Wie ihr dann ja auch in Anführungsstrichen gezwungen oder gefordert seid, weiter in die Zukunft hineinzuschauen, um dann eben auch entsprechende Lösungen anzubieten, von denen wir dann vielleicht alle mal profitieren können hoffentlich. Und von daher vielen Dank von meiner Seite für die interessanten Einblicke, Herr Dolpze, Herr Haslbeck. Und ich bin gespannt, was wir denn dann später aus dem XEM 23 in Serie sehen werden.

  31. Andreas Deubzer:

    Sehr gerne.

  32. Sebastian:

    Gerne. Inhaltlich fangen wir diesmal, wie gesagt, ein Stück weiter weg vom batteriebetriebenen Elektroantrieb oder auch vom wasserstoffbetriebenen E-Antrieb. Aber war trotzdem, glaube ich, ganz interessant, da mal so einen Einblick zu bekommen, wie denn eben Entwicklung auch bei einem Automobilzulieferer funktionieren kann, worauf man sich einstellen muss und dass man eben auch entsprechend Vorleistung gehen muss, um dann auch... die Zukunft in der Automobilindustrie mitzuprägen. Wird nicht das letzte Mal gewesen sein, dass ich mit Yangfong gesprochen habe. Ein Besuch vor Ort steht auch aus hier im Entwicklungscenter in Deutschland. Und schauen wir einfach mal, was daraus wird. Dir vielen Dank fürs Zuhören diese Woche. Ich würde mich freuen, wenn du eine positive Bewertung bei iTunes hinterlässt, damit wir den Podcast eben noch ein Stück weiter raus in die Welt der E-Mobilität tragen können oder generell in die Welt. Einfach, dass mehr Leute von E-Autos und E-Mobilität erfahren. Mach's gut. Bis dahin. Ciao.