eSYSTEMS: Intelligentes Laden im Smart Home

Im Gespräch mit Jochen Paukert., Geschäftsführer eSYSTEMS

Alle wollen E-Autos. Doch das Laden kann auf Dauer die Stromrechnung ziemlich belasten. Immer mehr Menschen wollen diese Kosten zukünftig daher senken. Das ist auch möglich. Z.B. indem sie entweder ihren eigenen PV-Strom nutzen oder günstige Stromtarife des Energieversorgers. Die AC-Ladelösungen von eSYSTEMS machen genau das möglich. Was sie alles können, vermittelt Geschäftsführer Jochen Paukert, in dieser Folge des Elektroauto-News.net-Podcast. Ab kommendem Jahr wird auch das bidirektionale AC-Laden technisch möglich. Dann scheitert es nur noch an der Bürokratie.

Als junges Start-Up beschäftigt man sich heutzutage mit dem Hochlauf der E-Mobilität, welcher gerade von der ersten in die zweite Phase übergehen zu scheint, wie Herr Paukert im Gespräch ausführt. Derzeit befinde man sich noch im Run auf Elektroautos. Die Entwicklung am Markt schreitet voran, Fahrzeuge halten immer was sie versprechen und auch die Reichweitenangst nimmt ab. Um das Thema Laden machten sich die E-Auto-Besitzer derzeit nur am Rande Gedanken. Doch das wird sich in der zweiten Phase ändern.

Paukert zeigt sich überzeugt davon, dass die Zeit kommen wird, in der intelligente Ladesysteme benötigt werden, die das Laden günstiger machen. Schneller als gedacht, wie er in der Podcast-Folge ausführt. Wer also darüber mehr erfahren möchte, der hört nun zu.

Shownotes:

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Transcript

  1. Intro:

    Elektroauto News. Der Podcast rund um das Thema Elektromobilität. Mit aktuellen Entwicklungen, Diskussionen, Interviews und vielem mehr.

  2. Sebastian:

    Servus und herzlich willkommen bei einer neuen Folge des ElektroautoNews.net Podcast. Ich bin Sebastian und freue mich, dass du diese Woche wieder eingeschaltet hast, wenn wir uns mit einem Thema aus der Welt der E-Mobilität beschäftigen. In der aktuellen Folge habe ich eSYSTEMS am Start, besser gesagt Jochen Paukert, den Geschäftsführer oder einen der Geschäftsführer von eSYSTEMS. Und wir haben uns über das Thema intelligentes Laden, bidirektionales Laden und das E-Auto im Smart Home unterhalten. eSystems an sich bietet ja die Anbindung zum Laden an in Form eines intelligenten Ladekabels, intelligenter Wallboxen, die man eben schon am Start hat bzw. an den Start bringen wird. Aber im Detail solltet ihr das ja auch ein paar Jahre am besten selbst erläutern. Von daher geht es direkt rein ins Gespräch. Viel Spaß bei der aktuellen Folge. Hallo Herr Paukert, vielen Dank, dass wir die Zeit nehmen, dass wir uns ein wenig über eSYSTEMS unterhalten können und über das Thema intelligente Ladelösungen, denn da seid ihr ja ganz vorne mit dabei. Bevor wir da allerdings in die Produktwelt einsteigen oder über Ihr Unternehmen sprechen, verlieren Sie auch gerne erstmal ein paar Worte über sich. Wo kommen Sie her und was verbindet Sie mit der Welt der E-Mobilität?

  3. Jochen Paukert:

    Ja, hallo Herr Henssler, auch von meiner Seite ganz herzlichen Dank für die Möglichkeit, heute sprechen zu dürfen. Ich freue mich sehr auf das Gespräch. Ja, mein Name ist Jochen Paukert, ich bin einer der Geschäftsführer der eSystems. Ich komme aus dem Automobilbereich, seit 25 Jahren tätig im Bereich Elektronikentwicklung rund ums Automobil. Ich habe da viel erlebt, viel mitgemacht und tatsächlich, wir haben jetzt vor sechs, sieben Jahren einen Blick nach vorne getan und gesagt, was ist denn interessant in der Zukunft im Automobil, wo entwickelt sich denn das Fahrzeug hin, wo entwickelt sich die Infrastruktur hin und haben damals schon in Anführungszeichen den richtigen Riecher gehabt, indem wir das Thema Elektromobilität als Priorität dann gesehen haben und haben uns dann auf die Fahne geschrieben, Fahrzeuge intelligent zu laden und sind dann tatsächlich reingestartet mit der eSYSTEMS von Grund auf, haben die aufgebaut, sozusagen als Start-up, sind dann auch relativ schnell in die Kartik-Gruppe gekommen, haben mittlerweile jetzt 2800 Mitarbeiter in der Kartik-Gruppe, in der eSystems sind es etwas mehr als 70 und entwickeln intelligente Ladesysteme für die Automobilindustrie und auch für alles andere, was da draußen intelligentes Laden benötigt.

  4. Sebastian:

    Vielen Dank, dass Sie uns da schon abgeholt haben. Wenn wir jetzt zu dem Thema intelligentes Laden kommen, vielleicht erstmal für Automobilindustrie, hatten Sie im Vorgespräch erwähnt, dass ihr unter anderem bei Porsche, Audi, Bentley vertreten seid. Sind das dann die Ladesysteme, die dann in den Fahrzeugen selbst schon verbaut sind oder wie können wir uns das vorstellen?

  5. Jochen Paukert:

    Genau, wir sind aktuell der Serienlieferant für die Porsche AG, für die Audi AG und für Bentley, für die intelligente Ladesysteme, das sind sogenannte mobile Ladeeinheiten, also Ladekabel mit einer intelligenten Steuereinheit, ICCBDs, In-Cable Control and Protective Device, heißt das übersetzt oder abgekürzt. Im Prinzip sorgen wir dafür, dass das Fahrzeug nicht nur sicher mit der Infrastruktur verbunden ist beim Laden, sondern tatsächlich auch intelligent verbunden ist. Und da haben wir insbesondere mit der Porsche AG bereits Ende 2015 begonnen, die Systeme zu entwickeln. Und weil das damals auch ein ganz neues Thema war, haben wir nicht wie jetzt so klassisch ein Produkt in der Automobilindustrie entwickelt wird, rein nach Vorgabe gearbeitet, sondern wirklich sehr interaktiv mit Porsche zusammen, mit dem Entwicklungsstandort Weissach die Systeme praktisch definiert, konfiguriert und dann auch entwickelt. Und wir als eSystem sind ja auch kein reiner Entwickler, Entwicklungsdienstleister, sondern wir sind wirklich ein Produktentwickler. Das heißt... Wir entwickeln Produkte von Konzept bis zur Serienreife und produzieren diese Produkte dann auch innerhalb unserer KTEC-Gruppe.

  6. Sebastian:

    Das heißt, ihr bildet ja sozusagen die ganze Kette dann Produkt oder Entwicklung, Produktion, Vertrieb dann sozusagen in einem Haus ab.

  7. Jochen Paukert:

    Exakt, exakt. Wir sitzen in Wendlingen, bilden die komplette Kette ab, bis auf die Produktion, die dann aber eben in unserem Mutterkonzern KTEC stattfindet. Und das ist natürlich für uns als eSystems Wirklich eine sehr, sehr gute Situation. Wir können immer noch agieren als Schnellboot, als Startup, haben kurze Wege, können wirklich mit Startup-Charakter voranschreiten. Das bringt uns eine extreme Geschwindigkeit. Wir haben nicht die Lasten eines Konzerns sozusagen, haben aber trotzdem den Konzern im Hintergrund, der dann letztendlich die ganzen Themen mit Serienentwicklung, Auslieferung etc. macht. Aber die eSystems ist da einfach auch ein wichtiger Teil in der Schnittstelle zwischen dem Automobilhersteller und der Produktion. Und wir sind letztendlich auch der Vertragspartner zu den Automobilherstellern. Also es läuft wirklich alles aus der Hand von der eSystems raus dann.

  8. Sebastian:

    Um es vereinfacht auf den Punkt zu bringen, ihr habt quasi das Beste aus beiden Welten, habt dann die Vorteile Startup schnell, könnt schnell was entwickeln, auf die Straße bringen oder auf den Markt bringen, habt aber im Hintergrund diese Energieeffekte, die Lieferketten und auch wahrscheinlich die Finanzierungsmöglichkeiten von der Karte Gruppe, um da stabil agieren zu können, auch gerade in den aktuell herausfordernden Zeiten.

  9. Jochen Paukert:

    Genau, genau so ist es und wir sind auch sehr dankbar, dass wir ein Teil der Kartik-Gruppe sind, gerade in diesen jetzigen Zeiten. Wir sind mit der Kartik momentan die Nummer drei in Europa, was das Thema Elektronikfertigung anbelangt, also wirklich ein globaler, großer Player. Und das hilft uns natürlich an allen Ecken und Enden momentan, auch unsere Kunden zu versorgen. Und das ist auch das, was wir zurückgespielt bekommen. Wir haben viele, viele Wettbewerber, die in der Lieferkette weit hinter der Kartik stehen und da natürlich auch benachteiligt sind ein Stück weit. Und da sind wir sehr dankbar. Auch wir haben große Herausforderungen. So ist es nicht. Also es fliegt uns jetzt nicht zu. Wir haben auch Taskforces gebildet. Wir haben Teams gebildet. Wir sind rund um die Uhr im Einsatz um Materialien. Aber wir haben bis jetzt mit sehr, sehr großem Erfolg das auch hinbekommen und unsere Hauptkunden auch zu jeder Zeit bedienen und beliefern können. Und das ist wirklich in der heutigen Zeit auch ein sehr, sehr großer Asset und sehr wertvoll. Vor allem auch in der Automobilindustrie merkt man, dass sich da auch eine gewisse Awareness dafür bildet, auch bei den Automobilherstellern, wo jahrelang das Thema Pricing sehr, sehr relevant war, wird es neben dem Thema Pricing natürlich auch das Thema Verfügbarkeit immer mehr relevant und das sind wir wirklich mit der Kardex sehr gut aufgestellt.

  10. Sebastian:

    Das wird sicherlich eine Chance, wie Sie es gesagt haben oder auch ausgeführt haben. Das ist, glaube ich, ganz wichtig, dass man sowas auch mal transportiert als Nachricht und das weitergibt, wie wichtig es denn doch ist, auch eine gewisse Stärke im Hintergrund zu haben, egal wie schnell man jetzt als Startup ergehen kann. Gehen wir nochmal kurz auf die Produkte ein. Sie haben gesagt Porsche Audi Bentley, da sind sie eben mit den Kabeln unterwegs. Jetzt nochmal vielleicht für die Laien unter unseren Hörerinnen, sind das dann die klassischen Ladekabel, die das Fahrzeug, also die Energie von der Wallbox oder von der Ladestation in das Fahrzeug einspeisen oder bewegen wir uns da innerhalb des Fahrzeuges?

  11. Jochen Paukert:

    Nein, das sind wirklich die klassischen Ladekabel. In der Regel gibt es die Fahrzeuge mit dem sogenannten Notladekabel, die nicht wirklich intelligent sind. Das ist das Kabel, was Sie benötigen, wenn Sie eine öffentliche Ladesäule fahren und da einfach connecten müssen und da kein Kabel vorhanden ist. Wir machen die intelligenten Kabel. Wenn Sie zum Beispiel den Porsche Taycan kaufen, dann liegt da eine ganz, ganz schicke Tasche im Kofferraum in dieser Tasche. Für die sind wir zuständig. In dieser Tasche ist einmal unser Ladekabel. verschiedene Bedienungsanleitungen, verschiedene Zusatzkabeladapter, um einfach für alles kompatibel zu sein. Und dieses System nutzt letztendlich der Kunde dann einmal, um das Auto zu Hause zu laden, aber auch flexibel und mobil an jedem anderen Standort laden zu können, im Ferienhaus oder im Hotel, wo auch immer. er intelligent und vor allem auch schnell laden können muss. Und tatsächlich sind die Systeme eigentlich eine komplette Wallbox, die wir da entwickeln, nur eben, dass sie mobil sind, viel kompakter sind und können selbstverständlich auch mit einer Wandhaltung an die Hand geschraubt werden. Aber man hat eben diesen Vorteil, dass die Geräte mobil sind und tatsächlich auch bis 22 kW laden können. Also es ist jetzt nicht zu vergleichen mit einem Notladekabel, dass die Fahrzeuge irgendwie mit 3,6 kW lädt, sondern wir können, wenn es das Fahrzeug auch kann, mit bis zu 22 kW die Fahrzeuge laden.

  12. Sebastian:

    Aber ich benötige als Endnutzer trotzdem noch den Gegenpart, wo ich den Strom herbekomme. Ich kann das dann nicht nur in die Steckdose stecken, sondern wenn ich diese 22 kW ausnutzen will, brauche ich wahrscheinlich einen anderen Gegenpart auf der Seite oder wie ist das?

  13. Jochen Paukert:

    Sie benötigen eben eine Steckdose, keine Schuko-Steckdose, sondern eine Starkstrom-Steckdose in Ihrer Garage. Entweder haben Sie die schon oder aber der Elektriker legt Ihnen die Und im Prinzip können Sie da ganz normal einstecken und los geht das Laden. Also das muss nicht fest angeschlossen sein. Das ist ein Stück weit der Nachteil bei der Wallbox. Da kommt der Elektroinstallateur, schließt Ihnen die Wallbox fest an die Wand. Bei unserer Einheit ist es so, dass man einfach connecten kann an die Starkstromsteckdosen.

  14. Sebastian:

    Ich glaube, jetzt haben wir das Produkt auch verstanden und können das nachvollziehen. Also jetzt ergibt das mobile Wallbox, wie Sie es genannt hatten, auch Sinn. Dazu noch die Frage, oder jetzt haben wir schon öfters von dem intelligenten Laden sozusagen gesprochen, von dem intelligenten Ladekabel in dem Sinne. Was macht ein Kabel intelligent? Also was trägt dazu bei, dass wir das als intelligentes Kabel bezeichnen können?

  15. Jochen Paukert:

    Was macht das Kabel intelligent? Das sind vielschichtige Funktionen und das ist eine gute Frage. Tatsächlich ist es so, dass wir uns viele Gedanken gemacht haben, nicht nur wie entwickelt sich das Fahrzeug, sondern auch wie entwickelt sich die Infrastruktur und wir sind an einem Punkt, wo wir wo wir uns überlegt haben, letztendlich, wenn tatsächlich die Elektrofahrzeuge Erfolg haben werden und das hat sich jetzt eingestellt, dass es scheinbar so sein wird, dann muss auch die ganze Infrastruktur drumherum dafür bereit sein und dann wird es Themen geben, wie zum Beispiel, dass ganz, ganz viele plötzlich ihr Fahrzeug laden möchten und dann muss man irgendwo das regulieren, dass in der Straße nicht die Lichter ausgehen oder im Haus nicht die anderen Verbraucher runterfahren. Das sind bestimmte Dinge, die wir sehr früh schon reingedacht haben, aber auch Themen wie Vernetzung oder aber auch Themen wie PV-Eigenbedarfsladen. Wir sehen auch das ganze Business eigentlich so in zwei Stufen. Momentan befinden wir uns aus unserer Sicht in der ersten Stufe. Was bedeutet das? aufgrund von den CO2-Anforderungen, die nicht nur in Deutschland, sondern europaweit jetzt festgelegt wurden, für heute, aber auch schon für die Zukunft, sind die Automobilhersteller im Prinzip dazu vertonnert, jetzt die Elektrofahrzeuge zu produzieren in großen Mengen und Massen. Und tatsächlich ist es ja auch so, wir erleben das alle, dass es auch gut angenommen wird. Es wird gefördert, es wird gut angenommen. Die Fahrzeuge sehen mittlerweile auch toll aus, haben eine vernünftige Reichweite. Und der Markt füllt sich, die Akzeptanz steigert sich, es gibt immer mehr Fahrzeuge und das ist die Phase, die jetzt stattfindet. Viele Menschen kaufen sich jetzt so ein Fahrzeug, ohne großartig darüber nachzudenken, was passiert denn da damit, wie ist denn mit meinem Stromverbrauch, wie kann ich das später am besten einbinden in mein Haus, sondern Hauptsache, Ich habe jetzt mal ein Elektrofahrzeug, weil es schick ist, weil es bezuschusst wird und weil es einfach auch mittlerweile ganz cool ist, so ein Ding zu fahren. Das ist die Phase 1 aus unserer Sicht. Die Phase 2, die kommt jetzt in den nächsten Monaten, im nächsten Jahr, wenn wirklich mal viele dieser Fahrzeuge auf dem Markt sind und wenn sie mal das Fahrzeug ein Jahr lang geladen haben, dann merken sie doch auch, dass tatsächlich ihre Stromrechnung auch ganz ordentlich nach oben geht, wenn so ein Fahrzeug dann tatsächlich irgendwo 40, 60, 80 kW Batterie geladen werden muss. Das ist dann schon ganz ordentlich. Und da kommt genau dann das Thema, wollen Sie vielleicht intelligent laden? Also wollen Sie vielleicht Ihren PV-Eigenstrom lieber laden? Wollen Sie in die Richtung gehen, dass sie die Möglichkeit haben, zu Zeiten zu laden, wo der Strom günstiger ist. Wollen sie vielleicht mit ihrem Energieversorger sogenannte Tarifpläne austauschen, intelligent über ein System wie eine Wallbox, wie ein intelligentes Ladekabel. Und da kommen einfach die Themen zum Vorschein, die in der nächsten Phase aus unserer Sicht wichtig sind. Einmal tatsächlich netzdienlich zu laden und dann auch kostengünstig und vor allem auch CO2-neutral zu laden. Das sind die Dinge, auf die wir uns von Anfang an vorbereitet haben.

  16. Sebastian:

    Vielen Dank dafür das Abholen. Ich glaube, das macht da jetzt auch ein rundes Bild und würde da auch ihren Phasen sozusagen zustimmen. So sehen wir das aktuell auch. Ihr habt da natürlich noch mehr die Produktbrille sozusagen auf und könnt da Erfahrungen sammeln. Das intelligente Daten, da fällt ja dann auch ab und zu, wenn man sich ein wenig tiefer mit beschäftigt, Auto, Wallbox, Haus, sollen miteinander kommunizieren, Haus in dem Sinne, die PV-Anlage. Da gibt es ja auch eine entsprechende ISO-Norm dafür. Vielleicht möchtest du die auch in dem Zusammenhang mal kurz erwähnen und was sich da dahinter verbirgt und warum. Ja, dass es da auch schon gewisse Vorschriften bzw. Entwicklungen gibt.

  17. Jochen Paukert:

    Ja, unbedingt. Das ist die ISO 15118. Das ist ein Standard, der recht früh geschaffen wurde, was das ganze Kommunikationsverhalten, die Schnittstelle anbelangt. Man kennt den hauptsächlich heute vom Thema Plug and Charge. Also in dem Protokoll von der 15118 ist das Thema Plug and Charge sehr genau beschrieben. Was bedeutet Plug and Charge? Das bedeutet letztendlich, dass man sich automatisch mit dem Auto identifiziert und keine keine RFID-Karte oder keine Freischaltung benötigt. Also es ist dann wirklich ein sehr einfaches Laden. Man steckt einfach nur das Ladegerät ein, die reden miteinander und merken, ich bin authentifiziert und ich kann sofort losladen. Plug-and-Charge ist aber nur ein sehr, sehr kleiner Teil von der 15118. Da gibt es auch viele weitere Themen, die wir letztendlich auch in der Entwicklung mit Porsche zusammen für den Taycan bereits umgesetzt haben. Und wir glauben, wir sind der Einzige, der wirklich das komplette Protokoll der 15118 umgesetzt hat. Und genau da sehen wir den Mehrwert auch in der Zukunft, weil viele dieser Dinge einfach auch in der Schnittstelle sehr sauber definiert sind. Und da ist es auch wichtig, dass man sich an den Standard hält, weil nur so können auch die verschiedenen Teilnehmer in diesem Systemverbund auch miteinander sprechen. In so einem Haus hat man dann, heute hat man einfach nur das Stromnetz und das Fahrzeug, die dann miteinander reden, die das Fahrzeug laden. Vielleicht hat man aber auch irgendwann mal eine PV-Anlage, vielleicht hat man dazu einen Wechselrichter, einen Speicher im Haus. Das sind alles Module, Systeme, die miteinander reden müssen in diesem Verbund und dafür gibt es die 15F8 und das sind wir sehr gut vorbereitet. Wir merken jetzt, wir reden ja mit sehr, sehr vielen Automobilherstellern, dass die alle auch exakt in diese Richtung gehen und die Protokolle danach ausrichten. Die Fahrzeuge sind danach ausgerichtet. Wir wissen, im Fahrzeug gibt es immer einen sogenannten OBC, einen Onboard Charger, der letztendlich unser Gegenpart ist. Und die OBCs, zumindest mit allen namhaften europäischen OEMs, richten sich jetzt momentan nach dem 15F8-Standard.

  18. Sebastian:

    Jetzt haben Sie ja aufgeführt oder haben erwähnt, dass Sie, wir haben es genannt, dass Sie quasi das Protokoll so komplett umgesetzt haben oder so gut wie es ging eben. Wo unterscheidet sich denn das? Also was für mich klar ist, ist wieder diese intelligente Kommunikation. Auto, Kabel erkennen sich, leiten die ganze Geschichte weiter. Ich brauche keine RFID-Karte mehr. Da verstehe ich den Vorteil davon oder kann das nachvollziehen. Was wären denn noch so ein, zwei Punkte, die Sie jetzt beispielsweise mit umsetzen, die etwaige Marktbegleiter eben noch nicht so auf die Strecke, auf die Straße bringen?

  19. Jochen Paukert:

    Ja, im Prinzip ist es genau, wie ich vorher schon gesagt habe, wir können, wir sind in der Lage zum Beispiel von den Energieversorgern, sogenannte Anreiztabellen zu erhalten und die auch zu verarbeiten. Was bedeutet das? Das bedeutet, dass letztendlich der Energieversorger Zeiten zur Verfügung stellen kann, wo er merkt, da habe ich keine Lastspitzen. Zum Beispiel nachts, da wird der Strom dann auch günstiger. Und letztendlich können wir das intelligent einstellen. Das heißt, Sie können als Endkunde dann dem Auto eine Priorität vergeben, dass es einfach kostengünstig oder netzdienlich laden soll. Und das Auto bzw. wir steuern dann, das Auto im Verbund mit dem Energieversorger, wann denn die beste Zeit ist, das Fahrzeug zu laden und tun dann interaktiv diese Tabellen miteinander austauschen und da danach die Fahrzeuge laden. Genauso das PV-Eigenbedarfsladen ist auch ein Thema, wo wir komplett umgesetzt haben nach dem 15F8 und wir haben auch noch einen zweiten Standard drin, das ist der E-Bus, der sogenannte E-Bus-Standard. Die sind da auch mit verheiratet sozusagen und können da wirklich in der Kombination dann den bestmöglichen Ladecase herausfinden für den Nutzer am Ende des Tages. Natürlich ist es so, wenn Sie Ihr Auto einstecken und Sie brauchen ganz schnell Strom, dann kann man da auch überpriorisieren und dann sagen, egal welcher Strom jetzt zur Verfügung steht, die Mobilität steht im Vordergrund. Aber tatsächlich ist es ja so, wenn Sie jetzt mal das eigentliche Nutzerverhalten anschauen, in der Regel fahren wir 40, 50, 60 Kilometer am Tag und ganz sicher nicht die komplette Batterie leer. Und da kann man dann ganz viel damit machen und atmen. Man muss nicht immer das Auto ab dem Zeitpunkt des Einsteckens komplett vollladen, sondern man hat Zeit die Nacht über, vielleicht sogar die Woche über, und kann damit einigermaßen Intelligenz wirklich gute Effekte erzielen, auch vor allem was das Thema CO2-neutrales Laden natürlich an.

  20. Sebastian:

    Sehr spannend, da auch nochmal den Einblick zu bekommen, was sich denn dahinter noch mehr verbirgt. Und das sind, glaube ich, auch alles Beispiele, mit denen unsere Hörerinnen was anfangen können. Das geht ja aber auch schon dann in die Richtung, dass ich wahrscheinlich dann auch mit Hilfe eurer intelligenten Ladekabel oder Ladelösungen auch eine gewisse Anbindung an Smart Home, schaffen kann sozusagen. Also auch diese Verbindung verschiedener Geräte, Module, wie Sie es genannt haben, ist das auch so ein Hintergedanke, Ausblick, den ihr da vielleicht auch angeht in die Richtung?

  21. Jochen Paukert:

    Genau, wir sind auch da mittlerweile an einem Punkt, wo wir auch das sogenannte Smart Charging machen. Viele Systeme, die heute auf dem Markt sind, haben das noch nicht beinhaltet. Zum Beispiel sind da Themen verankert wie, viele können zwar Eigenbedarfsladen, also PV-Eigenbedarfsladen, schalten dann aber in der ab, wenn nur noch 4 kW zur Verfügung stehen von der PV-Anlage und jetzt sind 4 kW ja eine relativ hohe Grenze und steigen dann wieder um auf den Netzbedarf und da habe ich ja am Ende des Tages nicht wirklich viel davon, von meiner PV-Anlage, wenn ich ab 4 kW abwärts schon wieder Netzbezug habe und das sind solche Themen, die wir beinhaltet haben in unseren Produkten, das heißt, man kann mit unseren Produkten ganz tief runterladen, wenn wirklich nur noch sehr, sehr wenig Leistung auch von der von der Solaranlage zur Verfügung steht, ziehen wir die immer noch. Und das sind natürlich Themen, die dann am Ende auch wieder Geld sparen, dem Endkunden auch Spaß machen, weil er wirklich dann auch seine PV-Anlage vollumfänglich nutzen kann.

  22. Sebastian:

    Und dann fällt ja in dem Zusammenhang mit dem Thema Laden und Sie haben es ja vorhin auch genannt, mit der Versorgung sozusagen, dass das Netz stabil bleibt, auch immer wieder das Thema bidirektionales Laden, also dass die E-Autos auch als Energiespeicher sozusagen fungieren können, um dann eben in, ich sage mal, guten Zeiten sich vollzuladen. und in Schlechtes eben sozusagen ein wenig abzupuffern, damit da kein Netzausfall stattfindet. Ist bidirektionales Laden da auch ein Thema, was ihr schon unterstützt oder in das die Richtung dann eben auch geht in Zukunft?

  23. Jochen Paukert:

    Ja, das ist genau ein Thema, mit dem wir uns beschäftigen. Diese mobilen Einheiten, die wir jetzt, wie vorhin gesagt, für Porsche und Audi entwickelt haben, die können das noch nicht. Aber wir sind jetzt momentan gerade an der Next Generation, an einem High-End-Charger, also an einer Wallbox in der Entwicklung, die wird abgeschlossen sein am Ende des Jahres und wir werden dann ab Januar auf den Markt gehen mit dieser sogenannten White-Label-Wallbox und da ist das Thema bidirektionales AC-Laden vorbereitet. Wenn Sie mich fragen, die technischen Hürden sind da relativ gering, das hinzubekommen, dafür sind wir präpariert, das sind eher die bürokratischen Hürden, das heißt die Gesetzgebung, die dann letztendlich auch regulieren muss, was bedeutet denn das, wenn das Fahrzeug wirklich auch als tragbarer Energiespeicher zur Verfügung steht. Beispiel, Sie haben dann wirklich ein Auto, Sie laden das in der Firma, laden den Akku voll und nutzen dann daheim den Strom, um Ihr Haus damit zu bedienen. Dann gibt es gleich ganz, ganz viele Fragezeichen. Ist das überhaupt rechtens? Ist das ein geldwerter Vorteil? Welche Regularien muss es denn da dafür geben? Und ich glaube, das ist die größte Hürde, das mal durchzudenken und vor allem auch vernünftige Lösungen zu schaffen. Die Technik, die gibt es heute schon. Wir sind vorbereitet und Und sobald es da auch die Möglichkeit gibt, da können wir auch den Hebel umlegen.

  24. Sebastian:

    Also tatsächlich, das spiegelt auch die Erfahrung wider, die wir am Markt bekommen haben oder aus Gesprächen. Die Hürde beim bidirektionalen Laden ist weniger das Fahrzeug an sich, noch die Ladeinfrastruktur, sondern tatsächlich eher wieder das bürokratische Umfeld dann.

  25. Jochen Paukert:

    Ja, aus unserer Sicht auf jeden Fall. Und wir sind der Meinung, das muss man wirklich ganz schnell aus dem Weg räumen, weil das ist eigentlich die perfekte Symbiose letztendlich, wenn Sie dann das Auto wirklich einbinden können. Sie brauchen dann gar nicht mehr diesen teuren Speicher oder dieses Hauskraftwerk im Keller. Das ist ja wirklich was, was heute noch nicht jeder hat und was auch von den Kosten her sehr teuer ist. Sie haben ja im Prinzip in einem Elektroauto 40, 60, 80 kW Speicher mit sich rumfahren. Und das ist ja ein super tolles Szenario, das Auto tagsüber mit der Sonnenenergie zu laden und dann nachts das Haus praktisch vom Auto aus zu bedienen und dann am nächsten Tag wieder aufzuladen. Also es ist wirklich ein Szenario, was ein toller Use Case ist, was wirklich einen Mehrwert bringt, was dann wirklich auch CO2-neutral passieren kann. Und deshalb sind wir auch sehr bedacht darauf, dass es da natürlich schnell Regularien gibt, die das auch ermöglichen, weil wir absolut an diesen Use Case glauben und es einen riesen Mehrwert für die Nutzer geben kann.

  26. Sebastian:

    Da gehe ich auch stark von aus und das ist auch viel, was wir von unseren Leserinnen und Lesern auch nachgefragt bekommen. Wie können wir das bidirektional anbinden? Was ist der Weg? Wie kriegen wir das abgebildet? Also das wird auch immer ein stärkeres Thema sein. Und in dem Zusammenhang erstmal vielen Dank für das Gespräch, das wir jetzt hier miteinander geführt haben. Ich würde sagen, vielleicht können wir das im Januar, haben sie gesagt, kommt die Wallbox auf den Markt oder soll auf den Markt kommen, dass wir im Januar, Februar vielleicht nochmal sprechen, um uns dann mal auszutauschen über erste Erfahrungen, die ihr mitgesammelt habt, Kundenfeedback sozusagen, weil ich glaube, das interessiert unseren Zuhörerkreis dann noch ganz stark, wie denn da die Entwicklung voranschreitet, auch im Bereich bidirektionales Laden, intelligentes Laden und wie man das dann auch zu Hause sozusagen mit euren Lösungen umsetzen kann.

  27. Jochen Paukert:

    Sehr, sehr gerne. Da würde ich Ihnen gerne ein Update geben. Da sind wir ein halbes Jahr später und dann haben wir hoffentlich einen sehr erfolgreichen Start hingelegt mit diesem neuen Charger.

  28. Sebastian:

    Die Daumen sind auf jeden Fall gedrückt und dann hören wir uns einfach im Januar, Februar nochmal. Vielen Dank für Ihre Zeit, Herr Bauchert.

  29. Jochen Paukert:

    Danke Ihnen, Herr Henssler. Danke Ihnen.

  30. Sebastian:

    Das war doch mal wieder eine recht spannende Folge. Ich finde, wir haben einiges gelernt über das Thema intelligentes Laden, was man darunter versteht, welche Möglichkeiten das Ganze eben auch bietet, jetzt und auch in der Zukunft. Und für mich besonders interessant war die Tatsache, dass bidirektionales Laden gar nicht mehr ein Thema der Technik ist, das da begrenzt, sondern vielmehr ein bürokratisches Thema. Kann man nur hoffen, dass da auch ein bisschen Drucker auf den Kessel bekommt. und sich das Thema dann möglichst von alleine löst. Wird, glaube ich, noch ein wenig mehr dauern als die paar Monate bis zur Markteinführung der neuen, hochmodernen Wallbox von eSystems, aber lassen wir uns mal überraschen. Vielleicht nimmt die Bürokratie da sich auch ein Beispiel dran und entwickelt sich entsprechend schnell weiter. Dir vielen Dank fürs Zuhören und ich freue mich, wenn du kommende Woche wieder einschaltest bei der nächsten Folge des Elektroautonius.net Podcast. Mach's gut, bis dahin, ciao.