Warum Kreislaufwirtschaft beim Rohstoffabbau beginnen muss

Im Gespräch mit Konstantin Born, Forscher an der University of Oxford

In der aktuellen Podcast-Folge habe ich mit Konstantin Born gesprochen. Er arbeitet beim Bergbaukonzern Anglo American im Bereich Kupfer und forscht parallel an der University of Oxford zu Kreislaufwirtschaft im Rohstoffsektor. Sein Fokus liegt darauf, wie man Abbauprozesse nachhaltiger gestalten und Nebenprodukte sinnvoll nutzen kann – gerade bei Lithium, das für die Energiewende so wichtig ist.

Ein zentrales Thema im Gespräch war das sogenannte Value Sharing. Wie Konstantin erklärt, geht es darum, dass der Nutzen des Rohstoffabbaus nicht nur global verteilt wird, sondern auch in den Regionen bleibt, in denen gefördert wird: „Wir brauchen die Rohstoffe für die Energiewende, aber wir müssen sicherstellen, dass auch die lokalen Gemeinschaften profitieren und ökologische Standards eingehalten werden.“

Besonders spannend fand ich seine Einschätzung zur Kreislaufwirtschaft. Viele setzen hier erst am Ende des Produktlebens an – beim Recycling oder bei der Wiederverwendung. Konstantin plädiert dafür, früher anzusetzen: schon beim Abbau. Denn beim Lithiumabbau, ob in den Solebecken Chiles oder in den Spodumenminen Australiens, besteht über 98 bis 99 Prozent des geförderten Materials nicht aus Lithium. Diese riesigen Nebenströme werden bislang kaum genutzt. „Da steckt viel Potenzial – sowohl ökologisch als auch wirtschaftlich“, sagt er.

Wir haben auch über konkrete Beispiele gesprochen. So produziert SQM in Chile neben Lithium auch Magnesiumchlorid, das inzwischen zur Staubunterdrückung auf unbefestigten Straßen eingesetzt wird. Eine Lösung, die nicht nur ein neues Produkt für das Unternehmen schafft, sondern auch Wasser spart und die Lebensqualität in der Region verbessert. Solche Initiativen zeigen, dass Kreislaufwirtschaft Mehrwert schaffen kann, wenn Politik, Industrie und Abnehmer zusammenspielen.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die direkte Lithiumextraktion (DLE). Konstantin sieht darin großes Potenzial, auch wenn die Technologie noch nicht marktreif ist. Sie basiert auf Verfahren aus der Wasserentsalzung und könnte helfen, Salze gezielter zu trennen und Abfall zu reduzieren. Gleichzeitig betont er aber: „DLE funktioniert nur bei Soleprojekten. Für den Hartgesteinsabbau in Australien braucht es andere Lösungen.“

Zum Schluss ging es um strukturelle Hürden. Viele Bergbauregionen sind isolierte Enklaven mit wenig Infrastruktur und wenigen Abnehmern für Nebenprodukte. Hier braucht es Industriepolitik, die Koordination übernimmt, Unternehmen unterstützt und neue Industrien ansiedelt. Für Konstantin sind Politik, Unternehmen und Märkte gleichermaßen gefordert, um Kreislaufwirtschaft im Rohstoffsektor Realität werden zu lassen. Nun aber genug der Vorrede – hör am besten selbst rein in das Gespräch mit Konstantin Born.

Shownotes:

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Transcript

  1. Intro:

    Elektroauto News. Der Podcast rund um das Thema Elektromobilität. Mit aktuellen Entwicklungen, Diskussionen, Interviews und vielem mehr.

  2. Sebastian:

    Servus und herzlich willkommen bei einer neuen Folge des Elektronischen News.net Podcast. Ich bin Sebastian und freue mich, dass du heute mit am Start bist. In der aktuellen Folge mit am Start ist auch Konstantin Born, Forscher an der University of Oxford. Er beschäftigt sich seit Jahren mit Fragen der Kreislaufwirtschaft im Rohstoffsektor und hat intensiv zu Chile und Australien geforscht. Zwei Länder, die beim Thema Lithium eine Schlüsselrolle spielen. Sein Schwerpunkt liegt darauf, wie man Rohstoffgewinnung von Anfang an nachhaltiger gestalten und auch Nebenprodukte sinnvoll nutzen kann. Am besten im Gehen wir direkt rein ins Gespräch und erfahren mehr von Konstantin selbst. Servus Konstantin, vielen Dank, dass du heute bei uns hier im Podcast zu Gast bist. Und wir wollen ja über ein Thema sprechen, was mich oder vor allem auch unsere Community in der letzten Zeit wieder sehr beschäftigt hat, ist das Thema Lithium. Du hast da auch Berührungspunkte mitgehabt, weswegen wir hier zusammengekommen sind. Aber was treibt dich aktuell an in der Forschung, in der Praxis und wie hast du die Berührung dazu bekommen? Stell dich doch gerne mal selbst vor.

  3. Konstantin Born:

    Ja, erstmal danke, dass du dir die Zeit genommen hast, Sebastian. Sehr schön, hier zu sein. Ja, über mich selbst. Ich bin sowohl in der Forschung als auch in der Praxis tätig. Auf der einen Seite arbeite ich bei einem großen Bergbauunternehmen, Anglo American, das in London sitzt. Wir selber bauen kein Lithium ab, aber ich arbeite vor allem im Kupferbereich. Aber gleichzeitig bin ich auch tätig an der Universität in Oxford, wo ich mich vor allem mit dem Thema Kreislaufwirtschaft im Bergbau befasse. Und spezifisch dazu, vor allem im Lithium- und im Kupferbereich, mache ich mir dazu Gedanken, wie wir die Abbauprozesse ökologischer gestalten können und mehr Nebenprodukte auch nutzen können, die im Bergbauprozess anfallen.

  4. Sebastian:

    Da jetzt auch direkt die Frage, also in der Zusammenhang damit und auch mit der Vorbereitung, Vorgespräch, was wir hatten, ist ja auch immer so das Stichwort Value Sharing gefallen, was so eines deiner Steckenpferde ist. Was verbirgt sich denn da konkret dahinter, gerade jetzt im Rohstoffsektor, wo du unterwegs bist? Weil ich glaube, das spielt ja auch eine wichtige Rolle im Rahmen deiner Arbeit und Forschung.

  5. Konstantin Born:

    Ja, also Value Sharing ist erstmal natürlich verschiedene Ebenen, die dazu kommen. Ich glaube, wir müssen natürlich anfangen mit dem Bereich, dass der Bergbau Hat natürlich auch seine Einflüsse, sowohl positiv als auch negativ. Natürlich spielt es eine große ökonomische Rolle in vielen Bereichen der Welt. Also wenn wir beispielsweise den Norden von Chile nehmen als Beispiel. Da lebt vor allem vom Kupferbergbau als auch vom Lithiumsolenabbau. Treibt viel Arbeitsplätze etc. und Einnahmen natürlich auch für die Regierung. Gleichzeitig aber auch hat man natürlich da auch ökologische Einflüsse, die natürlich auch im Abbausozess anfangen, sowohl natürlich was Hartgestein angeht, als auch Abbau oder Abpumpen von Sohlen in der Salar de Atacama, in dem Fall im Norden von Chile. Und hier geht es natürlich darum, sich zu überlegen, wie... Wie kreieren wir einen Bergbausektor, der sowohl die Rohstoffe produziert, die wir auch brauchen für die Energiewende, wie viele Leute jetzt auch, glaube ich, sich bewusst sind, in den letzten fünf Jahren ist das natürlich auch ein größeres Thema geworden, ist Rohstoffsicherheit ein wichtiges Thema. Wir brauchen die Rohstoffe auch für die Energiewende, für die Elektrifizierung. Aber gleichzeitig müssen wir natürlich auch schauen, dass diese Rohstoffe abgebaut werden auf eine Art und Weise, die natürlich auch mit lokalen ökologischen Standards funktioniert. Und natürlich auch in die genen Bevölkerung etc., dass sich das sozusagen alles zusammenkommt und dass wir am Ende auch deswegen dieser Value Sharing, dass wir natürlich die Rohstoffe hier brauchen für unsere Produkte, aber wir gleichzeitig auch schauen müssen, dass natürlich auch der Value, der Wert in den Abbaugebieten selbst bleibt.

  6. Sebastian:

    Also um es einfach zu sprechen, dass wir eine Win-Win-Situation für alle Parteien dann sozusagen erzielen.

  7. Konstantin Born:

    Ganz genau, ganz genau. Und das Thema Kreislaufwirtschaft für mich kommt dazu. Das ist natürlich etwas, was jetzt im Bergbaubereich eigentlich, wo die Leute, glaube ich, wohl nicht eher mehr an Kreislaufwirtschaft denken. Da denken Leute vielleicht eher an Recycling oder neuer Design von Produkten oder Repariermöglichkeiten von Produkten. Meine Forschung zeigt aber relativ klar, dass wir auch diese was wir gelernt haben in den letzten 10, 20 Jahren über Kreislaufwirtschaft und diese Prinzipien, die wir haben in der Kreislaufwirtschaft, auch gut auf Bergbau anwenden können. Und da können wir gleich noch ein bisschen mehr drüber sprechen, über die verschiedenen Themen, wo das theoretisch möglich ist. Aber ich glaube, und ich glaube, da gibt es auch, beziehungsweise wir haben auch gute Fakten schon mittlerweile und auch gute Beispiele, wo so Kreislaufwirtschaftsansätze auch dazu helfen können, wie gesagt, mehr Wert auch in den Abbauregionen zu lassen. sowohl durch weniger ökologischen Einfluss oder negativen ökologischen Einfluss als auch positiven ökonomischen Einfluss auf die lokalen Regionen.

  8. Sebastian:

    Und in dem Zusammenhang, da kannst du mich auch gerne korrigieren, wenn ich da jetzt falsch bin von der Einordnung her, aber das ist eben auch das Thema bei der Kreislaufwirtschaft, wo du sagst, okay, man denkt da auch vielleicht einfach schon zu spät in den Prozess, man muss frühzeitiger in diesen Prozesskreisläufen sich reindenken, um dann eben auch frühzeitig eine Veränderung oder eine positive Ausrichtung sozusagen zu nehmen, als wenn ich jetzt einfach erstmal dann so hinterher bei Recycling oder Reuse ansetze.

  9. Konstantin Born:

    Ganz genau. Das ist natürlich auch ein ganz wichtiges Thema. Was passiert am Ende, wenn ein Produkt dann das Ende der Lebenszeit erreicht? Da müssen wir natürlich auch weiter daran arbeiten. Und da gibt es natürlich auch schon viele gute, aus der Politik als auch der Wirtschaft, kommen da gute Ansätze in Europa. Genau, was ich aber, wo ich ein bisschen dahinterstehe und versuche, das ein bisschen voranzutreiben, ist, dass wir uns nicht nur am Ende des Lebens darüber Gedanken machen, sondern auch sagen, wie können wir diese Ansätze auch nutzen, um schon im Prozess, in Industrieprozessen selbst, Industrieprozess selbst ökologischer zu gestalten und auch die ökonomischen Benefits davon wahrzunehmen, wie beispielsweise bessere Ansätze, was Nebenprodukte angeht. Und ich kann hier mal ein Beispiel nennen. Im Bergbaubereich, also wenn wir von Lithium sprechen, gibt es natürlich zwei Arten von Abbauprozessen. Das eine ist Sohle, das ist ein salzhaltiges Sohle, salzhaltige Flüchtigkeit, die abgepumpt wird. Und in der Sohle haben wir normalerweise einen Lithium-Mineralgehalt von etwa 0,05% bis 0,15%. Also mehr als 99% von dem, was wir letztendlich dort abbauen, abpumpen aus diesen Sohleblasen, ist kein Lithium. Und das sind natürlich auch ganz viele andere interessante Sachen in dieser Flüssigkeit, die wir auch benutzen können. Aber momentan fokussieren wir uns sehr stark darauf, nur das Lithium. Und das können wir uns natürlich darüber überlegen, dass wir 99 Prozent Abfall kreieren. Das klingt natürlich erstmal nicht so gut. Und das Gleiche, wenn wir über Spodumen, also sozusagen Hartgestein-Lithium reden, das vor allem in Australien abgebaut wird, haben wir auch nur einen Mineralgehalt von etwa ein bis zwei Prozent. Das heißt, da sehen wir in meiner Forschungsgruppe in Oxford ganz viel Potenzial, auch diese anderen 99 Prozent sozusagen zu nutzen für wichtige andere Prozesse, Industrieprozesse etc.

  10. Sebastian:

    Vor allem, wenn man jetzt auch bedenkt, du hast jetzt zwei gute Beispiele angesprochen, einmal Chile, einmal Australien. Wenn die Sohle dann eben verdampft, Lithium am Ende des Tages zurückbleibt, was ja alles innerhalb von Chile passiert, dieser Prozess, das konnten wir uns ja beide auch bei SQM vor Ort mal anschauen. Aber in Australien hast du ja die Problematik auch, dieses Sodum, wie du es genannt hattest, äh, Spodum, sorry, mein Fehler, wie du es genannt hattest, das muss ja auch in der Regel dann noch zur Weiterverarbeitung gebracht werden. Da reden wir ja von einer ganz anderen Masse, die ja auch noch weitergebracht werden muss, wo am Ende vom Tag diese 99% Prozent Abfall auch von A nach B, in dem Fall von Australien nach China geschifft werden, um dann dort eben auch einfach Waste-Abfall zu sein. Also deswegen ergibt es ja einfach schon Sinn, so wie du sagst, dann diesen Abfall zumindest noch so gut wie möglich zu nutzen, um da auch entsprechend die Natur, dieses Value Shared da wieder zurückzugeben, oder?

  11. Konstantin Born:

    Definitiv. Also ich meine, die Logistik ist erstmal, und das ist die ökologische Seite da, ist natürlich da, dass wir versuchen wollen, so viel wie möglich, weil wir betreiben den Abbauprozess. Wir graben ein großes Loch letztendlich, also was Spodumene angeht. Das Gestein muss alles ausgefahren werden aus der Grube mit riesigen LKWs. Die verbrauchen natürlich auch ganz viel Diesel beispielsweise. Also das ist darüber natürlich, wie... Die Logistik ist ein wichtiges Thema. Ich denke, generell in Kreislaufwirtschaft ist Logistik immer ein Hauptthema, weil viele der Nebenprodukte natürlich auch nicht den gleichen Preis besitzen, wie beispielsweise Lithium, was natürlich einen sehr hohen Preis hat und die Nebenprodukte haben meistens einen weniger hohen Preis. Das heißt, dadurch ist immer ein logistisches Thema dahinter auch. Aber definitiv wäre es natürlich ökologisch besser, die Sachen vor Ort zu raffinieren, beziehungsweise in einen Industrieprozess zu geben, aus dem ein höherwertiges Lithiumprodukt herauskommt. Gleichzeitig ist es aber auch eine ökonomische Frage und ich denke, da sitzen wir stark dahinter zu sagen, okay, es ist eine ökologische Frage. Natürlich hilft es für die Ökologie, aber am Ende des Tages sind es Privatwirtschaftsunternehmen natürlich, die das abbauen. Wir sehen aber auch einen ganz klaren Benefit, was die ökonomische Seite angeht. Wenn man natürlich diesen Abfall, der auf einmal zu einem Produkt wird, den man theoretisch verkaufen kann, das hilft natürlich auch für die Bilanz und da sehen wir auch wiederum Win-Win-Situationen hier, dass man sowohl auf der ökologischen Seite etwas besser tut, aber gleichzeitig, dass die Unternehmen davon auch profitieren können und am Ende natürlich auch der Konsument davon profitiert, weil letztendlich die Abbaukosten in dem Fall besser abgedeckelt werden.

  12. Sebastian:

    Welche Rolle spielen dann die verschiedenen Unternehmen, wie beispielsweise SQM in Chile, aber auch andere große australische Produzenten, die eben dann eben Lithium auf ihre Art und Weise abbauen? Wie können die konkreter Einfluss auf diese Ansätze nehmen, um da eben auch das Bestmögliche rauszumachen sozusagen? Muss man da grundsätzlich, ich sag mal, eine Neuausrichtung anstreben und wenn ja, besteht da überhaupt die Möglichkeit dazu?

  13. Konstantin Born:

    Ja, ich denke, es ist natürlich immer, vor allem Kreiswaldwirtschaft, es ist immer so eine systemische Frage. Es ist natürlich nicht nur, dass ein einzelner Produzent, es ist natürlich, wie eine Wertschöpfungskette funktioniert, wie ein Markt funktioniert, ist natürlich etwas, was erstmal extern ist, meistens für einen Produzenten. Das heißt, da ist natürlich schon eine Anpassung, die auch passieren muss an die Gegebenheiten, die momentan existieren. Das heißt, da ist es immer ein bisschen schwierig, muss man auch drum herum arbeiten. Aber trotzdem sind da schon viele verschiedene Möglichkeiten und ich würde mal sagen, kann man theoretisch in drei Kategorien eigentlich einmachen. Auf der einen Seite ist natürlich die Politik wichtig. Und das sehen wir in Chile relativ gut. Ich habe dort relativ viel Forschung getrieben die letzten drei, vier Jahre und da hat die Regierung beispielsweise einen Kreislaufwirtschaftsplan aufgesetzt, in dem der Bergbausektor auch mehr und mehr, weil er natürlich ein wichtiger Teil der Wirtschaft ist, mehr und mehr gesehen wird als etwas, wo man auch Kreislaufwirtschaft auch anwenden kann. Eine der Dinge, die die Politik tun kann, ist beispielsweise erweiterte Herstellerverantwortung. Das bedeutet, dass der Hersteller oder jemand, der sozusagen den Müll kreiert, ihn am Ende natürlich auch wegnehmen muss, ja. Und das hat natürlich einen Einfluss dann darauf, auch wie man damit umgeht, was man mit den Nebenprodukten macht. Wenn es natürlich ökonomisch günstig ist und man wenig Geld dafür zahlen muss, den Müll irgendwo letztendlich abzuladen, ist natürlich weniger ökonomische Incentive da, auch sich darum zu kümmern. Das heißt, da macht die Regierung viel in verschiedenen Bereichen und vor allem auch in Bereichen wie beispielsweise Maschinenteile, wie ich schon eben vorhin angesprochen habe. Wenn wir uns riesige Gruben angucken, also vom Lithium habe ich jetzt keine Daten dazu, aber beispielsweise ein durchschnittliches Kupferbergwerk in Chile verbraucht etwa 1000 Tonnen an Reifen jedes Jahr. Können wir uns mal überlegen, also welche Quantität wiederum auch an Abfällen da anfallen und da gibt es jetzt eine neue Regelung, die sich darum kümmert, wo die Regierung sagt, am Ende diese Reifen können nicht mehr einfach nur irgendwo abgeladen werden auf einer Müllhalde, sondern die müssen... recycelt werden, wiederverwendet werden. Und das ist beispielsweise ein sehr gutes Thema, auch nicht nur die Nebenprodukte direkt vom Erz, sondern auch Nebenprodukte, die anfallen im Abbauprozess selbst, Maschinenteile etc., wie man damit umgeht. Das zweite Thema, also das war jetzt sozusagen die Politikseite, das zweite ist natürlich aber auch die Firmen selbst, wie die Firmen selber sich natürlich auch überlegen können, wie man damit umgeht. Und da gibt es ein gutes Beispiel, also Beispielsweise SQM, die Sohle abbauen, haben Nebenprodukte, die sie sowieso herstellen. Also es sind Dinge wie Kaliumchlorid, Kaliumsulfat, Bohrsäure, verschiedene Salzarten letztendlich, die man auch für andere Dinge in der Industrie verwenden kann. Und vor etwa zehn Jahren haben sie auch ein neues Produkt entwickelt, und zwar Magnesiumchlorid. Das ist ein relativ großer Anteil, also wesentlich größer als der Lithiumanteil. Und das kann auch verwendet werden, um Staub zu unterdrücken auf nicht geteerten Straßen. Und Chile, im Norden von Chile, ist sehr trocken und es gibt sehr, sehr viele nicht geteerte Straßen dort. Und es ist tatsächlich jetzt sehr interessant zu sehen, wie allein in den letzten fünf Jahren sich... Ich habe öfters diese Region besucht, wie man sieht, dass mehr und mehr der Straßen mit diesem Magnesiumchlorid letztendlich behandelt werden, was natürlich auch super ist für die Firma. Wie gesagt, ökonomische Möglichkeit, hier Opportunity, ein neues Produkt herzustellen und gleichzeitig hilft es letztendlich der gesamten Region, die Straßen besser befahrbar zu machen, weniger Staub zu produzieren und dadurch auch weniger Wasser aufzuverwenden, was oft vorher benutzt wurde, um die Straßen letztendlich fahrbar zu machen. Also das sind zwei der Sachen. Und das dritte ist natürlich auch der Markt selbst und die Konsumenten, wer am Ende das Lithium kauft. Und ich denke, da ist nochmal ein interessanter Faktor. Weil die Batteriehersteller selbst haben natürlich auch Macht im Markt. Man kann natürlich auch fragen, was ist letztendlich der Footprint von diesem Lithium? Nicht nur, was den CO2-Footprint angeht, sondern wir können natürlich auch angucken, was ist der Wasser-Footprint, was ist, wie gesagt, die Müllproduktion, die anfällt. Das sind verschiedene Themen, wo, glaube ich, auch die Lithiumverwender, die Batteriehersteller selbst, Und auch die Autohersteller selbst, glaube ich, nochmal Macht haben, näher dran zu gucken und auch von den Produzenten zu erfragen, wie geht ihr eigentlich um mit diesen ganzen verschiedenen Dingen? Und da sozusagen auch Standards zu kreieren. Und das ist sicherlich auch etwas, wo zumindest die deutschen Autohersteller auch aktiv sind und versuchen auch dort neue Standards zu erstellen. Nicht nur was Kreislaufwirtschaft anzugehen, sondern generell was Bergbaustandards angeht. Aber da ist sicherlich das Kreislaufwirtschaftsthema auch ein wichtiges, was mit behandelt werden kann.

  14. Sebastian:

    Jetzt hast du gerade die Hersteller dann auch als Beispiel gebracht, die das natürlich auch vorantreiben können. Im Endeffekt müssten die ja aber auch dann wieder politisch dazu angehalten werden, sozusagen auch in der Kette, was SQM oder die australischen Gegenparts machen müssen. In ihrem Bereich müsste bei den Herstellern verlangt werden, dass das idealerweise dann halt auch für chinesische Hersteller gilt, um da eben auch einen großen Hebel zu bekommen, oder?

  15. Konstantin Born:

    Ja, definitiv. Ich meine, die Autohersteller sind ja meistens dann auch nur wiederum Kunden der Batteriehersteller. Und das meiste Lithium- und Batterieherstellung passiert natürlich in China. Das heißt, da ist sozusagen ein Zwischenschritt, was natürlich auch wichtig ist. Ja, ich denke aber trotzdem, dass es auch ein wichtiger Faktor ist, was den Verkauf im Verkauf angeht. Natürlich Elektroautos, es ist ja auch oft eine Kritik manchmal an Elektroautos, also es kommt ja manchmal von manchen Seiten, dass man sagt, oh ja, aber hier wird ganz viel im Abbau, wird ja ganz viel CO2 auch wieder produziert und in der Herstellung der Batterie etc., Das heißt, da hat man natürlich auch nochmal einen Hebel zu sagen, ja, das stimmt, da wird was am Anfang produziert, aber am Ende des Tages, natürlich über die Lebensspanne des Autos, ist es natürlich viel weniger. Aber wenn man natürlich diesen Anfangs-Footprint nochmal niedriger kriegt, ist das natürlich auch ein wichtiger Ansatz, der sicherlich auch nochmal wichtig sein kann, für die Hersteller im Markt zu punkten, weil Konsumenten sind sich dem schon auch bewusst mittlerweile, ich denke vor allem, was Lithium in Deutschland angeht, Natürlich auch viel berichtet worden über die letzten Jahre in der Presse, wie die Abbauprozesse funktionieren, auch kritisch darüber berichtet worden.

  16. Sebastian:

    Teilweise leider, aber auch nicht so faktengestützt, wie man sagen muss und wie du wahrscheinlich auch weißt. Aber gut, das ist ja nicht Standpunkt der Diskussion hier. Das wäre auch schon anderweitig bei uns auf dem Portal oder im Podcast aufgeklärt. Was für mich spannend ist in dem Zusammenhang, du hast jetzt gesagt, hier der Anfangs-Footprint, den man niedriger bekommen soll, wenn wir jetzt bei Lithium als Ausgangsstoff für die Batterie an sich sind, dann einer der wichtigsten Bestandteile aktuell. Noch und wahrscheinlich auch noch für die nächsten paar Jahre. Wie schätzt du dann neue Prozesse wie beispielsweise DLE ein, um dann eben auch diese Kreislaufwirtschaft noch ein Stück weit auszureifen, zu optimieren? Ist das einer der Fortschritte, die so ein Unternehmen wie SQM oder auch Marktbegleiter von denen an den Start bringen können, um hier eine noch positivere Ausgangslage zu schaffen?

  17. Konstantin Born:

    Ich denke, die Möglichkeit besteht auf jeden Fall. Natürlich ist DLA, direkte Lithium-Extraktion, ist natürlich noch nicht marktreif und es sind natürlich auch ganz viele verschiedene Technologien da, die da momentan ausprobiert werden. Verschiedene Produzenten, auch verschiedene natürlich Ingenieurs, wissenschaftliche Büros versuchen natürlich verschiedene Techniken auszuprobieren. Aber ich denke, wir können schon sagen, und das kommt natürlich auch, weil es ist ja keine komplett neue Technologie, das ist natürlich basiert schon auch Entsalzungstechnologien etc., die schon seit Jahrzehnten genutzt werden, Wasserentsalzung, Wasserentsalzungstechnologien. Und ich denke, dass es natürlich dazu führen wird, dass man natürlich viel spezifischer, und da kommt es auch auf die Technologie an, die man am Ende benutzt, aber viel spezifischer verschiedene Salze trennen kann. Momentan ist natürlich, was die Sola angeht, eine eher rudimentäre Technologie, Art und Weise, wie man das jetzt nicht abbaut, ich meine, du hast das ja sicherlich auch gesehen in Chile, es sind halt große Teiche sozusagen, wo diese Sohle hineingeleitet wird und dann benutzt man natürlich die Energie der Sonne, um das sozusagen zu verdunsten. Da am Ende kommt natürlich dann Salz raus, was ja nicht alles enthält, was dann wiederum in ähm, in einem Prozess, äh, herausgenommen werden muss. Und was natürlich, ähm, DLE angeht, hat man es natürlich noch immer nach wie vor in der Lösung und die Salze nach wie vor gelöst und kann dann natürlich spezifischer angehen, welche Salze zieht man raus, welche lässt man drin, etc. Also ich denke schon, dass DLE da viel machen kann, ähm, Was natürlich aber auch klar ist, was die Sohle angeht, ist jetzt, wir haben jetzt von 0,05, 0,015 Prozent an Mineralgehalt geredet, aber natürlich viel davon ist natürlich auch Flüssigkeit, die dann auch verdampft. Das heißt an sich, was die strukturelle Abfallproduktion angeht von den Prozessen, ist Hartgestein Lithium, natürlich reden wir von viel, viel größeren Quantitäten. Und da hat natürlich DLE am Ende des Tages keinen Einfluss darauf, wie Sputomen letztendlich abgebaut wird. Und ich denke, das ist auch wichtig zu verstehen, dass DLE natürlich nur spezifische Lithiumabbauweisen oder spezifische Lithiummineralvorkommen letztendlich helfen kann.

  18. Sebastian:

    Ja, es ist definitiv wichtig, da den Unterschied eben nochmal hervorzukehren und eben auch ganz klar zu sagen, es gibt, so wie du es ja auch eingangs gesagt hast, zwei unterschiedliche Arten und Weisen, wie Lithium abgebaut wird. Und wir können halt den Hebel DLE nur an der Sole-Geschichte ansetzen, in Chile beispielsweise und eben nicht in den australischen Bergwerken dort. Vielleicht machen wir aber auch hier nochmal einen neuen Weg auf sozusagen hin zu deinen Studien, wo du ja auch dann, ich nenne es jetzt mal räumliche und institutionelle Hürden nennst. Ich werfe mal ein paar Schlagworte in den Raum und du wirst mir ein bisschen was dazu erklären. Inklavenlogik fällt da, wahre regionale Linkages, fehlende Infrastruktur und ein Punkt, der glaube ich ganz wichtig ist, begrenzte Kollaborationsbereitschaft. Vielleicht kannst du das für unsere ZuhörerInnen und auch für mich gerne ein Stück weit ausführen, was sich dahinter verbirgt und was für Auswirkungen das eben auch hat.

  19. Konstantin Born:

    Ja, ich denke, was mich vor allem viel umtreibt in der Forschung, ist sich auch zu überlegen, wir haben natürlich viel Daten, was Kreislaufwirtschaft angeht, aber meistens sind natürlich diese Daten kommen aus räumlichen Bereichen, wie beispielsweise Nordeuropa oder China, wo wir letztendlich sogenannte Industriecluster haben. Wir haben verschiedene Industrietypen, die relativ nah beieinander sind. Wir haben gut ausgebaute Straßennetze, gut ausgebaute Infrastruktur. Wir haben ja vorhin im Kurs schon angesprochen, Logistik ist immer sehr wichtig in der Kreislaufwirtschaft. wo man natürlich auch diese Ressourcen sozusagen teilen kann, beziehungsweise wenn jemand ein Abfallprodukt hat, das beispielsweise von jemand anderem verwendet werden kann, ist das wesentlich einfacher, das logistisch darzustellen. Und natürlich ist auch diese Komponente des Austauschs einfach viel mehr da. Wenn wir uns jetzt Bergbauregionen angucken, sind diese meist strukturschwach. Ich meine, es ist in Deutschland ja auch so gesehen, traditionell die Bergbauregionen in Deutschland auch eher strukturschwacher als die Nicht-Bergbauregionen. Und das haben wir eigentlich das Gleiche. Global ist es ein ähnliches Prinzip. Und im Norden von Chile beispielsweise gibt es nur, also gibt es ganz wenig andere Industrie. Das heißt, man hat eigentlich keine Abnehmer für diese Nebenprodukte. Ich hatte jetzt das Magnesiumchlorid, Bischofit genannt vorher, was natürlich ein interessantes Produkt ist. Das ist jetzt aber kein Massenprodukt, wo Millionen von Tonnen letztendlich da logistisch verarbeitet werden müssen. Und da ist natürlich das Problem, wenn du fehlende, schwache regionale Linkages hast, wenig Infrastruktur, kannst du einfach viele dieser Produkte nicht verwenden. Also ein Beispiel, was ich noch nennen kann, aus der Sohle beispielsweise, ganz viel der Nebenprodukte ist Speisesalz, was anfällt. Du hast sie sicherlich gesehen, wenn du in Chile warst, diese großen weißen Berge und da ist tatsächlich davon 60 bis 70 Prozent, ich hoffe, ich kriege die ungefähr 60 Prozent Speisesalz tatsächlich. Jetzt ist Speisesalz aber nicht sehr werthaltig, das heißt, es lohnt sich eigentlich nicht, diesen Speisesalz aus dem Norden von Chile beispielsweise zu verschiffen oder selbst in den Süden von Chile zu bringen, wo die meisten Leute leben und das sind halt diese Themen, die hervorkommen, vor allem im Bergbaubereich und da braucht man einfach nochmal verschiedene Hebel und als im Bereich, wenn wir uns jetzt Kreislaufwirtschaft angucken in Nordeuropa und da müssen wir nochmal anders herangehen. Das ist so ein bisschen einer der Hauptdinge, die aus der Forschung kommen von meiner Seite. Ja, und da geht es halt natürlich dann auch darum, und da kommt die Politik wiederum ins Spiel, zu sagen, wenn wir sozusagen diese Nebenprodukte verwenden müssen, müssen wir eigentlich auch uns nicht nur auf Bergbau fokussieren oder auch die Weiterverarbeitung von Lithium. Davon wird ganz oft auch weiter gesprochen, Value Edition. Wir müssen uns auch überlegen, was für andere Industrien wollen wir auch ansiedeln, die theoretisch diese Nebenprodukte nutzen können. Im Hartgestein Lithium beispielsweise können wir auch... Viele der Nebenprodukte können theoretisch als Baustoffe genutzt werden oder selbst Keramikrohstoffe. Aber wenn natürlich keine Bauindustrie oder Keramikindustrie dort existiert, relativ räumlich nah, dann wird es sehr, sehr schwierig, auch diese Nebenprodukte zu verwenden. Also da geht es ganz viel auch darum, wie bauen wir andere Industriezweige auf und wie kuppeln wir verschiedene Industriezweige, die letztendlich dann voneinander auch profitieren können.

  20. Sebastian:

    Das wäre, glaube ich, auch ein ganz wichtiger Punkt. Dann nennen wir es mal Transparenz und eben auch Politik, die Einzug halten muss oder da was bringt. Und da geht es ja dann schon um so einfache Themen wie, ich sage mal, Daten bereitstellen zu Nebenströmen, zu Nebenmaterialien, die dort anfallen, um dann eben auch potenziell in anderen Unternehmen aufzuzeigen. Hör mal zu, hier könntest du dein Produkt X, Y und Z in nächster Nähe fertigen, weil eben aus diesem Materialnebenstrom hier aus dem Hartgestein etwas rauskommt, was du wieder weiterverarbeiten kannst. Ich glaube, das wäre wahrscheinlich auch ein Hebel, so wie du ihn jetzt benannt hattest, oder?

  21. Konstantin Born:

    Also definitiv und ich meine die Transparenz ist eine, ich glaube aber auch das Wissen erstmal, was überhaupt in dem Abfallstoff sitzt und ich denke da, das hat mich auch überrascht, als ich diese Forschung zum ersten Mal angefangen habe in diesem Bereich, wie wenig eigentlich selbst die Bergbaufirmen darüber wissen, was eigentlich in ihrem Nebenprodukt ist, ja. Es macht natürlich von der wirtschaftlichen Perspektive Sinn. Also man konzentriert sich darauf, man sieht sich als Lithiumproduzent. Das heißt, das Wichtigste ist, wie viel Lithium, wie hoch ist der Mineralgehalt an Lithium, den ich produziere und wie effizient tue ich das? Das ist sozusagen die Produktionslogik, wenn man sich das überlegt. Und da ist das Nebenprodukt erstmal nebensächlich. Und ich denke aber, da kann natürlich viel passieren. Und da muss man sich erst mal überlegen, wenn wir uns SQM wiederum als Beispiel angucken, oder nicht nur SQM, aber auch die andere große Firma Albert Mahle im Norden von Chile, ist natürlich auch ganz alte. Seit den 1960er Jahren wird dort Lithium von Sohle abgebaut. Und da haben wir natürlich alte Wirkstoffe. alte Abraum halten beispielsweise, wo auch niemand mehr weiß, was überhaupt da wirklich drin ist. Das heißt, da ist schon auch ein bisschen Arbeit noch, die gebraucht ist, um sich zu überlegen, was sitzt, was liegt hier überhaupt. Und ich denke, das ist auch ein interessantes Thema, was auch in dem letzten Monat in der Presse, vor allem in den USA, auch stark thematisiert wurde. Es wurde ein neues Gesetz auf den Weg gebracht, in den USA wird es gerade auf den Weg gebracht, Dinge zu fördern, um kritische Rohstoffe aus Abraum, von altem Minenabraum letztendlich zu gewinnen. Weil schon jetzt auch immer stärker, wenn es um Rohstoffsicherheit geht, man schon versteht, dass natürlich da auch viel Wertiges noch in diesen alten Abraumhalden liegt. weil natürlich auch die Effizienz, die wir früher hatten, was die Prozesse angeht, um letztendlich den Mineralgehalt aus dem Erz zu gewinnen, war wesentlich niedriger. Das heißt, wir haben zum Teil im Kupferbereich, haben wir zum Teil in Abraumhalden, haben wir drei-, viermal höheren Mineralgehalt, den wir jetzt momentan im Erz finden an neueren Werkwerken. Also das ist im Lithium noch nicht so ein großes Problem, weil wir Lithium nicht so stark abgebaut haben in den letzten 20, 30 Jahren. größeres, wichtigeres, ähm, ähm, Mineralprodukt geworden ist. Ähm, aber das sind, das sind sicherlich auch Themen, wo man sich, äh, wo man rangehen muss und wo wir jetzt auch schon sehen, dass, ähm, aufgrund dieser, dieser neuen, ähm, Wichtigkeit der Rohstoffsicherheit sich, ähm, äh, Regierungen darüber Gedanken machen, wie man das auch inzentiviert. Übrigens auch was, was wir in Deutschland auch tun können. Ähm, Lithium haben wir jetzt noch nicht abgebaut in Deutschland, aber natürlich andere Mineralstoffe auch. Und da wird auch, weiß ich, auf Bundesebene auch diskutiert darüber.

  22. Sebastian:

    Was ja auch einfach Sinn ergibt, dass man da dementsprechend ansetzt und das was man schon gemacht hat, eben einfach vielleicht nochmal ein Stück weit gerade ziehen kann und ja auch als Firma dann trotzdem davon profitiert, weil ich meine, das sind ja auch in dem Sinne nicht gehobene Rohstoffe, mit denen man ja auch dann wieder monetär unterwegs oder aktiv sein kann. Wenn wir jetzt aber nochmal vielleicht hier zum Ende des Gesprächs den Blick nach vorne werfen und sagen, okay, Chile mit der Sole, Australien mit Hartgestein und die zwei Länder können jetzt von sich aus frei darauf hinarbeiten, dass wir eben Kreislaufwirtschaft oder eben auch die Prozesse davor sozusagen positiv beeinflussen. Was siehst du für Hebel oder wie siehst du die Chance, dass man sich da auch in diesen Bereichen als Vorreiter am Markt positionieren kann, um eben auch einen Unterschied zu machen, sei es jetzt über Politik, Unternehmen oder eben auch der Markt, der entsprechenden Einfluss darauf nimmt?

  23. Konstantin Born:

    Ja, wie ich vorhin schon angesprochen habe, ist natürlich eine systemische Frage. Das heißt, da sind immer verschiedene Sachen, die zusammenkommen müssen, damit sowas auch funktioniert. Ich denke, auf der Politikseite, wie ich schon gesagt habe, ganz wichtig ist Industriepolitik, dass man sich vor allem in den Bergbauregionen, die meist strukturschwächer sind, dass sich Regierungen überlegen, wie können wir auch als Koordinierungspartner letztendlich, denn die meisten Firmen, privatwirtschaftlichen Firmen, reden nicht so viel miteinander, beziehungsweise du brauchst da schon jemanden, der dazwischen sitzt und sagt, hey, wie können wir das hier koordinieren? Hier liegt was, kann das theoretisch was da sein? Und natürlich auch mit finanzieller Hilfe dann erstmal so eine Produktion zu starten. Das ist sicherlich ein wichtiger Hebel, diese Koordinierungsrolle, die die Politik auch spielen muss, beziehungsweise auch über finanzielle Hilfen natürlich auch Anreize setzen kann, um neue, diverse Industriestrukturen aufzubauen. Das Zweite ist natürlich auch von der Herstellerseite. Ich denke, es ist oft, und ich denke, dass im Bergbau ist es auch eine sehr traditionelle Industrie. Das heißt, es ist keine Nicht-Tech-Industrie, wo man sich immer darüber Gedanken macht, wie können wir neue Produkte kreieren, wie können wir über neue Dinge nachdenken. Es geht sehr viel darum, wie kreieren wir mehr Effizienz für die Industrieprozesse, die wir schon benutzen. Ich denke, da ist auch noch ganz viel Spielraum für die Produzenten selbst, sich zu überlegen, was haben wir hier eigentlich für Möglichkeiten. Ich habe gerade vorhin gesagt, was theoretisch im Abraum liegt, dass die meisten sich gar nicht darüber bewusst sind. Das heißt, da sind schon mal relativ einfache Dinge, die man tun kann, sich zuerst mal überhaupt zu überlegen, was ist überhaupt hier die Möglichkeiten. Wo sitzen diese ökonomischen Möglichkeiten? Und ich glaube, die werden jetzt klarer. Und wenn die dann klarer werden, dann wird sich auch was bewegen und dann wird man sich natürlich auch neue Business-Modelle sehen und neue Produkte sehen, die man theoretisch aus diesem Abraum oder aus dem Abfall, der letztendlich anfällt in der Lithium-Herstellung, etwas zu tun hat. Ja, das sind so, glaube ich, die zwei Sachen, die wichtig sind. Und drittens natürlich Infrastruktur. Ich denke, Infrastruktur, und das ist generell, aber auch jetzt nicht nur auf Kreiswirtschaft bezogen, in strukturschwachen Regionen, je mehr Infrastruktur man hat, desto einfacher wird es logistischer und günstiger natürlich auch, die Produkte zu bewegen. Dadurch kriegt man oft neue Möglichkeiten, neue Abnehmer für Nebenprodukte etc. zu finden.

  24. Sebastian:

    Vielen Dank, Konstantin. Du hast uns, glaube ich, ganz gut abgeholt. Was heißt, glaube ich, sondern das weiß ich. Ich habe auf jeden Fall einiges gelernt. Ich denke, unsere ZuhörerInnen auch. Und wir beide wissen ja auch schon, der nächste Austausch ist schon terminiert zwischen uns. Und dort tauchen wir auch nochmal ein bisschen tiefer in eine Studie von euch ein. Da geht es dann um das Thema Recycling von Batterien. Das Thema greifen wir dann auch nochmal auf. Ich freue mich auf jeden Fall auf das kommende Gespräch und bedanke mich schon mal für dieses Gespräch. Danke dir, Konstantin. Danke. Es war doch jetzt echt ein spannendes Gespräch, dass wir hier mit Konstantin zuhören durften oder ich zumindest führen durfte. Ich habe wieder einiges gelernt und wie schon angekündigt, wird es ein zweites Gespräch geben mit ihm. Aber dazu zu einem späteren Zeitpunkt mehr. Dir vielen Dank fürs Zuhören bei der heutigen aktuellen Folge. Hinterlass gerne positive Bewertungen bei iTunes, Spotify und Co. Das hilft uns natürlich auch, die Welt der Immobilität noch ein Stück weit mehr nach außen zu tragen. Mach's gut, bis zur nächsten Folge. Ciao.