Florian Lüft: "E-Mobilität braucht Mut es zu tun"

Im Gespräch mit Florian Lüft, Director of Business Development and Marketing bei Univers

Im Gespräch mit Florian Lüft, dem Director of Business Development and Marketing bei Univers, haben wir die aktuellen Herausforderungen und Perspektiven der Elektromobilität in Deutschland, im EAN-Podcast, diskutiert. Unser Gespräch begann mit einer kurzen Vorstellung von Florian für unsere Zuhörer, und wir gingen direkt auf die oft negative Darstellung der Elektromobilität in den Medien ein.

Florian betonte, dass trotz negativer Berichterstattung Alternative Antriebe weiterhin notwendig sei. „Wenn man sich die aktuellen Medienlandschaften anschaut, könnte man denken, dass Elektromobilität nur ein kurzes Phänomen war“, sagte Florian. Er kritisierte die Zielsetzungen der Regierung, die beispielsweise 15 Millionen Elektrofahrzeuge bis 2030 anstrebt, und erklärte, dass der Ausbau der Ladeinfrastruktur nicht im erforderlichen Tempo vorankomme. Zudem äußerte er sich kritisch über die Förderpolitik, die seiner Meinung nach durch unvorhersehbare Änderungen den Fortschritt behindert. Alles Bremsen beim Wachstum der E-Mobilität, die entsprechend von Medien aufgegriffen werden.

Probleme wie Reichweitenangst und unzureichende Ladeinfrastruktur dominieren die Diskussionen seit Jahren, obwohl sich die Technologie weiterentwickelt hat. Alexander Junge von Aral Pulse meinte, dass 200.000 bis 300.000 Schnellladepunkte ausreichend seien, was deutlich unter der ursprünglich angestrebten Million liegt.

Florian erklärte weiter, dass die Elektromobilität vor allem über den Unternehmenssektor vorangetrieben werden müsse, da viele Unternehmen ihre Flotten auf Elektorautos umstellen, um ihre Emissionen zu reduzieren. „Über 70 Prozent der verkehrsbedingten CO₂-Emissionen in der EU stammen aus dem Straßenverkehr, und 61 Prozent davon entfallen auf Pkw“, hob Florian hervor. Unternehmen spielen hier eine Schlüsselrolle, da zwei Drittel der Neuzulassungen in Deutschland Firmenwagen sind, die eine Leasingdauer von drei bis vier Jahren haben. E-Autos, die zu einem späteren Zeitpunkt ihren Weg in den Gebrauchtwagenmarkt finden werden.

Ein weiterer wichtiger Punkt unseres Gesprächs war die Notwendigkeit, Firmenstandorte mit Ladeinfrastruktur auszustatten, insbesondere weil viele Mitarbeiter:innen in Mehrfamilienhäusern wohnen, wo das Laden von Elektroautos oft schwierig ist. „An Firmenstandorten haben wir meistens größere Kapazitäten, und mit Photovoltaik und Batteriespeichern könnten wir eine effiziente Lösung schaffen“, fügte er hinzu.

Eine stärkere Fokussierung auf erschwingliche Elektroautos sei notwendig, um eine breitere Akzeptanz zu erreichen. „Die deutschen Automobilhersteller machen ihren Job nicht richtig, da viele ihrer Modelle weiterhin teuer und für die breite Masse unerschwinglich sind“, stellte Florian fest. Hingegen sieht er, dass gerade im europäischen Umfeld Stellantis einiges richtig macht, wenn es darum geht, leistbare Stromer auf die Straße zu bringen.

Zum Schluss des Gesprächs zitierte Florian den ehemaligen Bundespräsidenten Roman Herzog, der in seiner berühmten "Ruck-Rede" betonte, dass Deutschland einen Innovationsschub brauche und bereit sein müsse, Risiken einzugehen und neue Wege zu beschreiten. „Uns fehlt der Schwung zur Erneuerung, die Bereitschaft, Risiken einzugehen, eingefahrene Wege zu verlassen, Neues zu wagen“, zitierte Florian. Diese Worte, so Florian, seien auch heute noch relevant und Deutschland müsse den Mut aufbringen, Innovationen konsequent voranzutreiben, um die Elektromobilität aus der aktuellen Stagnation zu befreien und auf die Überholspur zu bringen. Hör es dir aber doch gerne selbst an.

Shownotes:

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Transcript

  1. Intro:

    Elektroauto News. Der Podcast rund um das Thema Elektromobilität. Mit aktuellen Entwicklungen, Diskussionen, Interviews und vielem mehr.

  2. Sebastian:

    Servus und herzlich willkommen bei einer neuen Folge des Elektroauto News ProNet Podcast. Ich bin Sebastian und freue mich, dass du heute wieder eingeschaltet hast. Wenn wir uns mal wieder über das Thema E-Mobilität unterhalten, so wie wir es eigentlich jede Woche machen, aber auch heute werden wir einen spannenden anderen Ansatz mit reinbringen. Hierfür habe ich mir Florian Lüft eingeladen, seines Zeichens Director of Business Development and Marketing bei Universe. Und wir haben uns gemeinsam über die aktuellen Herausforderungen und Perspektiven der E-Mobilität vor allem in Deutschland unterhalten. Und warum wir aktuell eher sinnbildlich in der Boxengasse und nicht auf der Überholspur unterwegs sind, haben wir auch ein Stück weit herausgearbeitet, wie wir dann eben aus der Boxengasse auf die Rennstrecke und dann eben auf die Überholspur zurück können. War ein sehr spannendes Gespräch mit einem bisschen anderen Ansatz. Ich hoffe, du hörst zu und wir gehen direkt rein in die aktuelle Folge mit Flo. Viel Spaß damit. Servus Florian, vielen Dank, dass du dir heute die Zeit nimmst, dass wir uns ein wenig über E-Mobilität unterhalten oder eher stockende E-Mobilität. Wir hatten es ja im Vorgespräch schon ein Stück weit drüber. Bevor wir da allerdings tiefer drauf eintauchen, stelle ich auch gerne nochmal unsere ZuhörerInnen vor, die dich eben noch nicht kennen.

  3. Florian Lüft:

    Ja, mein Name ist Florian Lüft, bin verantwortlich für das Business Development bei Univers, so einem klassischen Green-Tech-Unternehmen, das eben mit allen Lösungen unterwegs ist, die man eben braucht, um in Richtung Digitalisierung, Klimaziele zu agieren und sind natürlich auch spezialisiert auf den Bereich Flottenladelösungen für die Elektromobilität und das ist das Thema, das uns beide ja immer wieder zusammenbringt. Vielen Dank, dass ich mal wieder da sein darf.

  4. Sebastian:

    Sehr, sehr gerne. Du bist ja auch immer ein gut und gern gesehener Gesprächspartner, nicht nur bei mir, sondern in dem gesamten Umfeld, das muss man ja ganz klar sagen. Die Frage, die sich mir natürlich jetzt auch stellt, wenn wir die aktuellen Medienlandschaften hier gerade insbesondere in Deutschland betrachten, Muss Univers überhaupt noch Ladeinfrastruktur künftig machen oder baut man doch lieber Tankstellen auf?

  5. Florian Lüft:

    Also ich glaube schon, dass wir die Ladestationen brauchen. Aber es ist natürlich ein absolut wichtiger Punkt, den du ansprichst, wenn man so gerade unsere liebsten Boulevardmedien des Landes so anschaut. Da könnte man ja wirklich denken, dass dieses eh so ein kurzes Pflänzchen war, das mal irgendwie jetzt draufgegangen ist. Wobei man natürlich schon einfach sagen muss, also... Wenn ich mir mal diesen Plan, wir beide haben uns schon öfter darüber unterhalten, der Regierung 15 Millionen Fahrzeuge oder Elektrofahrzeuge bis 2030 nachdenken. Ich glaube jetzt mittlerweile sind wir nicht mehr bei diesen 5.000 Neuzulassungen pro Tag, die die Agora da mal irgendwie prognostiziert hatte. Ich habe es jetzt nicht ausgerechnet, aber wahrscheinlich sind wir bei 10.000, die wir bräuchten. Bei den Ladepunkten finde ich es eigentlich auch ganz spannend. Eine Million Öffentliche, hat man glaube ich mal gesagt, brauchen wir irgendwie. Da hat der ehemalige CEO eines deutschen Automobilherstellers aus Ingolstadt, kurz bevor er dann nicht mehr in Amt und Würden war, mal gesagt, naja, wenn wir mit der Geschwindigkeit weiter ausbauen, wie wir es momentan machen, dann sind wir irgendwann im Jahr 2077, bis wir das hingekriegt haben. Wobei, da mache ich auch immer so einen kleinen Disclaimer dran. Brauche ich wirklich so viel Öffentliche oder sind es ganz andere Dinge? Und was mich halt am meisten stört im ganzen Kontext, runterreden. Wir reden über denselben Schmarrn, den wir eigentlich schon die ganze Zeit gehört haben. Lückenhafte Ladeinfrastruktur, mangelnde Reichweite. Die Hauptprobleme werden in meinen Augen eigentlich noch nicht wirklich angesprochen. Ich glaube, ein letzter Sargnagel für die schnelle Adaption war, wie wir dann letztes Jahr die Förderungen über Nacht einfach mal kurzerhand irgendwie gekillt haben. Also schon ein bisschen schwierig, deswegen spreche ich immer ganz gern davon, sind wir so bei einem kleinen Boxenstopp und was sind die Lösungsansätze, wo wir vielleicht aus dieser Box gestärkt und vielleicht auch mit einer geschärften Strategie im gesamten Land nach vorne gehen können.

  6. Sebastian:

    Da bin ich mal gespannt, was wir da beide rausbekommen. Aber gerade das Thema Ladeinfrastruktur, was du eben schon gesagt hast, Reichweitenangst, diese ganzen Themen, die uns ja schon gefühlt seit 2012, 2015 rumtreiben, die gehen nicht weg, obwohl die Entwicklung entsprechend schon weitergeht oder weitergegangen ist auch. Und gerade das Thema Schnellladepunkte noch, da hatte ich mit Alexander Junge schon mal gesprochen von Aral Pulse. Der hat gesagt, 200.000 bis 300.000 Schnellladepunkte öffentlich reichen vollkommen aus. Ja. Ob das jetzt 100.000 mehr oder weniger sind, aber wir sind deutlich weg von der Million dann schlussendlich. Und es gibt andere Themen, wo wir auch gleich nochmal drauf zu sprechen kommen, wo Ladeinfrastruktur wesentlich relevanter ist. Vielleicht gehen wir einfach auch mal auf diesen Punkt ein, Boxenstopp oder Überholspur. Wir sind jetzt in diesem Boxenstopp, so würde ich es aktuell zumindest nennen. Wir haben immer noch die Chance, wieder auf die Strecke zu kommen und Gas zu geben. Aber wieso sind wir überhaupt in diese Situation gekommen, dass wir jetzt in der Box stehen?

  7. Florian Lüft:

    Einmal zu dem Thema Aral, das würde ich an seiner Stelle auch sagen. Also ist ja klar. Ich meine, legitim. Absolut nachvollziehbar. In meinen Augen sind wir In der Box, weil wir einfach auch das Thema, glaube ich, ein bisschen falsch aufgezäumt haben. Wenn du dich am Anfang erinnerst, hatten wir diese wunderbare KfW-Förderung, haben gedacht, dass wir über den B2C-Markt Elektromobilität und die damit verbundene Ladeinfrastruktur im Markt pushen. Wenn ich mir jetzt das Ganze mal anschaue, hätte man damals eigentlich auch schon ein bisschen anschauen müssen oder verstehen können, Der Weg in den Massenmarkt führt für mich eindeutig über die Unternehmen, weil wir ja immer wieder das Thema haben, das sehe ich auch mit den Flottenkunden, mit denen ich tagtäglich arbeite, Klimaziele ohne Transformation der Flotte in Richtung E, kannst du vergessen, wird nicht funktionieren. Unternehmen müssen die Emissionen reduzieren. Und wenn du mal so ein bisschen in die Zahlen reinguckst, ich meine, das sind auch die Statistiken, die kennt eigentlich jeder, aber ich finde es trotzdem immer wieder interessant, über 70 Prozent der verkehrsbedingten CO2-Emissionen in der EU sind basieren auf dem Straßenverkehr und davon 61% der PKW und nicht nur die Heavy Trucks, wie jeder immer denkt. Also insofern, ich glaube, da haben wir schon einen guten Hebel. Und gerade Deutschland müssen wir halt eins uns immer wieder vor Augen führen, auch wenn es immer heißt, keiner will mehr ein Auto. Zwei Drittel der Neuzulassungen in Deutschland sind Firmenwagen. Firmenwagen haben eine Leasingdauer von drei bis vier Jahren. Und im Endeffekt ist da in meinen Augen ja auch in puncto nicht nur Fahrzeug und Fahrzeugtausch. Ich meine, da habe ich eine klare Planbarkeit, wie schnell ich eine Flotte auch in Richtung E umbauen kann, wenn ich natürlich meine Policy auch dementsprechend anpasse. Ich habe ein paar Kunden, die haben wirklich auf 100% E gesetzt, was ich mega finde. Aber auch Ladeinfrastruktur ist da eine spannende Geschichte. Wir reden immer über entweder... schnell laden sollen, egal ob die jetzt an der Aral-Tankstelle oder irgendwo auf einem Ladepark stehen. In der Regel aber mit sehr, sehr hohen Kilowattstundenpreisen, weil irgendeiner muss ja die Refinanzierung auch mit beibringen. Oder wir sprechen vom Laden zu Hause. Was in meinen Augen oft viel zu sehr untergeht, ist das Laden an den Firmenparkplätzen. weil ich glaube, dass uns das auch viele Probleme, die ja dann auch wieder durch die Blume mit reinkommen, lösen würde. Kleine Geschichte, rund 60% der Mitarbeiter unserer Kunden leben in einem Mehrfamilienhaus. Ladeinfrastruktur im Mehrfamilienhaus, wissen wir alle, kann funktionieren, muss nicht funktionieren und wenn es funktioniert, meistens ein bisschen komplex. An Firmenstandorten habe ich natürlich auch das Thema, nicht immer ist das Unternehmen auch der Eigentümer, aber gewerbliche Immobilieneigentümer haben nochmal ein anderes Interesse, so ein Thema zu machen. Und ich hätte natürlich in dem Moment, wo ich Firmenstandorte präferiert mit ausbaue, auch das Thema, dass ich auch Leuten, die im Mehrfamilienhaus leben, die Möglichkeit geben kann, dass sie eben außerhalb der Schnellladeparks irgendwo sehr, sehr convenient laden können. Also eigentlich wären wir wieder bei diesem Thema Nutzbarkeit für alle. Und der Hausanschluss und die damit verbundene Kapazität ist meistens auch ein bisschen größer. wenn ich dann noch Batterien und Photovoltaik mit dazu klemme, dann hätte ich eigentlich eine ziemlich geile Offensive, wo ich glaube, da kommen wir schon mal einen ordentlichen Schritt aus unserer Boxengasse raus.

  8. Sebastian:

    Das würde ich auch erstmal so unterschreiten und dann hast du ja auch noch einen ganz klaren Punkt, du hast eben gesagt, zwei Drittel der Fahrzeuge, die auf den Straßen unterwegs sind, sind Unternehmensfahrzeuge, Zyklus drei bis vier Jahre, da kommt ja noch ein riesen Vorteil mit rein, die E-Autos sind dann ja auch, ich sag mal, gebraucht, gehen auf einen gebrauchten Markt und können von da aus ja dann auch wunderbar in den Privatbereich rüber gehen, wo du ja dann auf den zweiten Schritt das Ganze auch nochmal stärkst, was man nicht vergessen darf.

  9. Florian Lüft:

    Absolut, weil ich meine, das war das, wenn ich es richtig erinnere, unser Verkehrsminister Wissing hat doch mal genau dieses Thema. Wir brauchen eben auch mehr Gebrauchtwagen. Ja, aber die werden erst kommen, wenn der erste, zweite Zyklus in dem gewerblichen, also beim Firmenwagen irgendwo durch ist. Also insofern hat es alles dann für und wieder. Ich glaube, der Charme auch an dem Thema Firmenstandorte weiter ausbauen ist natürlich, dass ich in der Verbindung mit der PV natürlich auch diesen, sagen wir mal, diesen Tipping Point, wo das Elektroauto dann insgesamt auch mit der grünen Energie, die deutlich bessere Bilanz aufweist, natürlich von der Kilometeranzahl signifikant nach unten bringe. Und ich habe natürlich immer die Möglichkeit, dass ich Batteriespeicher nicht nur nutze dafür, um eben erneuerbare Energie zu speichern, die überschüssig ist, bevor ich es von kleckerles Betrag ins Netz einspeise, sondern ich kann natürlich dann auch darüber hinaus wie ich dieses Bottleneck Hausanschlusskapazität eventuell auch damit löse, indem ich halt einfach kontinuierlich das, was durchgeht an Energie, in den Speicher sauge und dann über den Speicher die Ladeinfrastruktur bediene. Also ich glaube, da gäbe es schon sehr, sehr wichtige Punkte, Und natürlich dieses Laden zu Hause ist nach wie vor für mich auch, ich muss ehrlich gesagt sagen, am Morgen einzusteigen und zu sagen, ich habe mal per se 100% Batterie, ich kann da locker flockig mit 11 kW oder mit noch weniger über Nacht laden, das hat natürlich schon auch seinen Charme.

  10. Sebastian:

    Definitiv. Also ich glaube, da brauchen wir nicht drüber diskutieren, dass es Freude macht, wenn man da morgens reingeht, einfach losfahren kann, gerade im Winter dann noch die Möglichkeit des Vorheizens dann sozusagen nutzen kann. Eine Thematik, die mich jetzt natürlich beschäftigt, wenn das denn so einfach ist, warum hat man das nicht erkannt oder warum erkennt man es jetzt erst?

  11. Florian Lüft:

    Du, ich glaube, das ist auch immer so ein Thema, alle entwickeln einen natürlichen Aktionismus, dann basteln wir mal schnell. Wir wissen auch alle, und da möchte ich keinem Politiker zu nahe treten, dass manchmal die Nähe zur Realität vielleicht ein bisschen... diplomatisch ausbaubar ist, sagen wir es mal so. Und da muss ich halt auch nach wie vor sagen, ich glaube, ein großes Manko liegt natürlich auch darin begründet und dazu stehe ich auch, dass ich einfach glaube, dass unsere Automobilhersteller ihren Job nicht gemacht hatten. Wenn ich immer wieder reinschaue, das wäre für mich auch so ein bisschen, wenn wir an diese Punkte kommen, wie kriegt man weiter Gas? Wir brauchen einfach endlich diese leistbaren Fahrzeuge für eine breitere Masse, die auch in eine Car Policy von einem Unternehmen reinpassen, wo wir nicht immer weiter den geldwerten Vorteil für die Bemessungsgrenzen immer weiter nach oben schrauben. Jetzt, glaube ich, gehen wir auf 70.000. Nächste Stufe ist dann 90.000, damit wir irgendwie eine Chance haben mit den 0,25. Also das ist ein Thema. Und dann, glaube ich, haben wir auch viel zu lange gedacht, dass Elektroauto halt einfach ein Austausch der Antriebsart ist und dass da nichts anderes weiter durchdacht werden muss. Und ich glaube, das wissen wir beide, viele Zuhörer auch. Es ist halt einfach eine komplett andere Art zu fahren, eine andere Art zu zu laden, Schrägstrich zu tanken und deswegen, ich glaube auch nicht, dass dieses Thema, ich nehme mal einfach nur die Tankstellen von heute, rüste die irgendwie aus und dann habe ich alles gelöst, das glaube ich einfach nicht. Das wird die Reichweitenangst nicht lösen und wird dem Thema nicht gerecht.

  12. Sebastian:

    Das bringst du, glaube ich, ganz gut auf den Punkt, weil das Thema Ladestationangst kommt jetzt mittlerweile mit auf, dann sozusagen, weil wenn wir eben nur noch diese Schnelllader überall rumstehen haben, dann werden die auch irgendwann voll sein, weil so schnell kann es gar nicht ausgebaut werden, denn da auch steht die Bürokratie im Weg sozusagen, also wenn ich da schon hört, dass da zig hundert Schnelllader mehr am Start sein könnten, wenn da dementsprechende Regularien mal freigegeben werden. Sehen wir da das nächste Bottleneck dann schlussendlich. Du hast wichtige Punkte eben auch mit reingebracht. Diese leistbaren Fahrzeuge, die kommen jetzt vor allem von den deutschen Herstellern, ich sag mal halt auch nicht morgen, sondern gefühlt auch erst wieder in drei Jahren. Spielt Deutschland, spielen die europäischen Hersteller dann überhaupt noch eine Rolle oder ist da mittlerweile China so weit, dass wir sagen müssen, ja, dann lasst es doch einfach sein.

  13. Florian Lüft:

    Also ich glaube, dass das Thema China ist natürlich eine Variante. Ich glaube aber, dass es auch ein bisschen zu kurz gesprungen ist. Wenn du dir manch andere Hersteller anschaust, ich habe auch immer ein Stellantis-Grupp ganz, ganz massiv auf dem Schirm. Ich glaube, die machen da... ohne zu weit drin zu stecken. Kann auch eine Fehleinschätzung sein, aber aus meiner Warte einen sensationellen Job, weil die genau in diesem mittleren Segment jetzt Vollgas geben. Die deutschen Automobilhersteller gefühlt werden immer teurer. Letztens habe ich ein wahnwitziges Angebot gesehen von einem Oberklasse-Modell eines deutschen Herstellers aus München, voll ausgestattet, wo ein Listenpreis von 225.000 Euro irgendwo stand. Es war kein Rolls-Royce, der auch irgendwo, glaube ich, in dem Konzern rumgeistert. Das sind halt so ein bisschen schwierige Geschichten. Klar, das ist jetzt auch nicht das klassische Firmenfahrzeug, aber ich glaube, wir müssen insgesamt eben wirklich dahin kommen, dass man diesen Realitätscheck auch irgendwo macht. Was sind denn die Fahrzeuge, die vor allem in den Firmenfuhrparks irgendwo auch, sagen wir mal, gefahren werden. Da hat man ja früher immer so gesagt, das klassische Außendienstler-Auto etc. Ich glaube, da müssen wir ran. Und wenn ich momentan die Nachrichten verfolge und sehe, dass letzte Woche, glaube ich, kam in die News vom Bodensee, dass eine ZF 14.000 Mitarbeiter abbauen muss, An den Zulieferern merkst du relativ schnell, wie es eigentlich so bestellt ist um das ganze Thema. Und ich mache mir schon ein bisschen Sorgen. Also mit lauter neuen Modellen, die alle mega teuer sind, wird das Ganze noch nicht besser. Also das ist eine Geschichte. Zeit ist nicht mehr viel. Und ich habe manchmal den Eindruck, und das ist ein Eindruck, dass der Zug schon so ein bisschen die Station verlassen hat, weil wir immer noch denken, wir können auch in Ruhe einsteigen. Das glaube ich definitiv nicht. Und das sage ich jetzt mal für mich auch ein bisschen die Verpflichtung natürlich auf Vorstandsebene in verschiedenen Unternehmen. Es gibt nicht nur Rechte, darauf zu verweisen, was ist Schlüsselindustrie und womit soll ich bitte unterstützt werden, sondern es gibt auch Pflichten. Und da gehört die Pflicht zur Innovation dazu und auch die Pflicht dazu, das zu schützen an Werten, der von vorherigen Manager-Generationen oder den Familien, die irgendwann mal dahinter standen oder immer noch stehen, letztendlich geschaffen wurde. Und ich glaube, wir müssen Gas geben. Wir müssen ganz, ganz gewaltig Gas geben, damit wir eben irgendwie noch eine Chance haben, diese Themen wieder einzufangen. Und dazu kommt, glaube ich, auf operativer Ebene, wir müssen endlich dieses Change-Management begreifen, dass wir die Leute, die Elektroautos fahren sollen, an die Hand nehmen. Wir müssen es denen erklären. Wir müssen es denen zeigen. Ich sage immer dann so etwas flapsig, eh tut nicht weh. Ja, die meisten denken aber, boah, oh Gott, ich komme ja nicht bis zum nächsten Supermarkt und erzähle mir, was sie nicht alles brauchen. Also ich glaube, es ist so ein Potpourri an verschiedensten Geschichten. Aber auch das Thema Förderungen, weißt du, wir haben jetzt, glaube ich, alle Förderungen durchgemacht, so ganz durchsteigen, was gerade aktuell und was gerade nicht und was wie geht, tut eh keiner mehr. Aber ich glaube auch, abseits der Förderungen, man bräuchte einfach ein paar Impulse. Ich war letztens in Österreich unterwegs, bin da in Tirol über die Intel-Autobahn gefahren. Es ist doch einfach schön. Da ist 100 für alle Verbrenner. Und wenn du ein Elektroauto hast, darfst du 130 fahren. Das ist doch schon mal ein super Impuls. Brauche ich nicht unbedingt eine Förderung oder eine klassische Subvention. Das alleine ist schon ein Mehrwert. Das zweite Thema, wo ich immer sage... In den USA überall diese Carpool-Lanes in den großen, sagen wir mal, Metropolen. Warum können wir sowas nicht in Richtung E bauen? Und du wirst sehen, wie schnell plötzlich die Fahrzeuge da auch nochmal Mehrwert drin haben, wenn du eben nicht eine Stunde im Stau irgendwo verschwendest. Oder eben noch einen krasseren Unterschied bei der Besteuerung irgendwo eben. Nimm Firmenwagen. Momentan haben wir... Den Unterschied mit 1% versus 0,5 oder 0,25. Man kann auch die Schere noch weiter aufmachen. Ich glaube, wir müssen Anreize schaffen. Wir müssen einfach dahin kommen, dass wir die Leute mitnehmen. Und am Ende des Tages muss uns allen bewusst sein, Mobilität ist irgendwo das trojanische Pferd in Richtung Emissionen nach unten und zwar schnell.

  14. Sebastian:

    Sehr, sehr gut auf den Punkt gebracht, also ich finde gerade bei Stellantis würde ich gerne nochmal kurz einhaken, das war auch so ein Punkt, da hatte ich auch ein Zitat mit rausgenommen, da ging es eben auch darum, wo jemand aus dem Hörermanagement befragt wurde, warum man denn keine Premium-Fahrzeuge sieht und da kam eben genau die Aussage, Premium brauchen wir nicht, das versucht jeder andere, wir machen... leistbare Fahrzeuge für die Masse. Und das ist, glaube ich, auch der Ansatz, der gut funktioniert. Vor allem spielen sie halt über ihre 12, 14 Marken die Stärke von klarer Plattformstrategie aus, die eben entsprechend angepasst werden kann. Die machen da einiges richtig. Was aber auch der Punkt ist, den du jetzt angesprochen hast, in hinsichtlich Förderung oder positiver Verstärkung. Es würde ja wahrscheinlich auch einfach schon mal reichen, wenn die Regierung sagt, Das ist der Pfad, den wir gehen. An dem rütteln wir jetzt auch die nächsten 15 Jahre nicht mehr dran. Und dann sind ja auch Unternehmen in der Lage, ihre Investments zu tätigen. Aber das wird ja kein Unternehmen derzeit machen, egal ob Zulieferer aus der Peripherie, aus dem Umfeld oder OEM selbst, wenn man nicht weiß, wie geht es im nächsten halben Jahr weiter, geschweige denn übernächste Woche.

  15. Florian Lüft:

    Und das ist, glaube ich, auch so ein bisschen das Thema Commitment zu einem Plan, zu einer Strategie. Ich meine, ich muss am Anfang gestehen, war ich auch immer, ja, Verbrenner aus, super, toll. Ich glaube, mittlerweile sehe ich das auch ein bisschen, zumindest differenziert. Du wirst das Thema nicht einfach mal per order dem Mufti irgendwie ausblenden und entscheiden können. Das ist wahrscheinlich auch falsch. Ich glaube aber, dass wir vielmehr in Richtung eben, wir haben ein klares Ziel, wir schaffen die Voraussetzungen, dass das Ziel umsetzbar ist. Da kommt auch mit rein die Aufklärung über verschiedene Themen. Bei den Flottenkunden merke ich immer wieder, alleine die Geschichte, wenn wir mal in die Gesamtthematik einsteigen, wie schaut so eine TCO-Rechnung aus, Elektroauto versus Verbrenner. Wir sind im Betrieb deutlich günstiger, wir sind im Service deutlich günstiger. Das Einzige, was man sieht, dass die Reifen können durchaus mal, wenn man nicht den richtigen Reifen hat, ein bisschen teurer werden durch den Verschleiß. Aber da kommst du schon mal deutlich besser weg. Das Thema CO2-Bepreisung, die wird in den nächsten Jahren auf unkalkulierbare Höhe Stück für Stück steigen pro Tonne. Ist ja auch ein Kostenfaktor. Je besser ich hier aufgestellt bin mit E, desto besser komme ich weg. Und dann natürlich auch dieses Thema Energiekosten in diesem Land. Wir diskutieren darüber, wir sehen, was mit der Industrie passiert. Ich glaube, wir müssen einfach klipp und klar sagen... machen wir weiter mit den Erneuerbaren, aber volle Lotte und nicht immer ein bisschen. Und dann bremsen wir wieder und dann können wir dies nicht und dann können wir das nicht. Wir müssen dieses ganze Thema, sagen wir mal, in Kombination bringen. Wir müssen endlich verstehen, dass Ökonomie und Ökologie hier wirklich Hand in Hand gehen müssen. Und ich glaube, das größte Problem, das wir haben, das zieht sich aber durch alle Zeiten, durch alle Dekaden durch, ist, dass wir in Deutschland einfach ein Problem damit haben, Innovation konsequent voranzutreiben.

  16. Sebastian:

    Und das ist ja eigentlich bitter, wenn wir mal ganz ehrlich sind, weil die Basis ist ja dafür vorhanden. Wir haben ja Fachkräfte, Fachleute, die hier sind. Wir haben gute Ausbildung, die wir bieten und ja auch eine starke Industrie und zahlreiche Hidden Champions bei uns in der gesamten Industrie, wo ja eine gewisse Grundlage dafür vorhanden ist. Jetzt ist von daher auch die Frage, was müsste man aus deiner Sicht, also was brauchen wir jetzt tatsächlich, um E-Mobilität aus der Boxengasse endgültig auf die Überholspur hier in Deutschland zu holen? Hast du da Ansätze nochmal?

  17. Florian Lüft:

    Also für mich braucht es einmal natürlich auch den Mut, das zu tun. Das Zweite ist eben die Fahrzeuge, aber ich glaube, da haben wir dann halt von anderen Herstellern auch die Möglichkeit. Ich glaube, jetzt aus meinem Bereich gesprochen, du brauchst sowohl in den Unternehmen als auch in den Immobiliengesellschaften Menschen, die verstehen, dass mit diesem Thema eben... Dinge umsetzbar sind, dass da auch ein Business Case draus werden kann und die das konsequent gehen. Also ich ziehe den Hut vor jedem Kunden, der heute sagt, wer einen Dienstwagen will, muss eh fahren. Aber es ist, glaube ich, der einzige Weg, in so eine Richtung vorwärts zu gehen. Und dann denke ich schon, dass es an uns, an unseren geschätzten Kollegen von Marktbegleitern ist, eben wirklich, ich habe ja früher viel Digital Retail gemacht, da war es immer die nahtlose Customer Experience, ich spreche jetzt immer gerne von einer nahtlosen Charging Experience, dass du eben wirklich als Nutzer dein Auto lädst, ohne groß über Komplexitäten nachzudenken. Das heißt für mich einmal eine Karte für alle Ladeorte, das heißt für mich, dass das Roaming komplett mitgekoppelt ist, das heißt für mich, dass ich keine, jetzt im Fall der Dienstwagen, keine Auslagenerstattung abrechnen muss, sondern dass das alles automatisiert läuft und dass ich eben die Möglichkeit habe, an allen Orten, die mir jetzt persönlich möglich sind, zu Hause, in der Firma, unterwegs, eben wirklich auch laden zu können. Und dann bin ich einen Riesenschritt weiter. Und abseits davon, Du kennst mein Faible für Zitate. Habe ich mal in den Zeiten gekramt und bin fündig geworden im Jahr 1997 bei unserem ehemaligen Bundespräsidenten Roman Herzog, der in seiner, glaube ich, meistbeachteten Rede oder vielleicht der meistbeachteten Rede, die jeden Bundespräsident gehalten hat, Dinge gesagt hat, die ich eins zu eins auf die heutige Zeit übertragen würde. Und das fand ich etwas frappierend, als mir das mal irgendwie aufgefallen ist. Und zwar sagt er... Uns fehlt der Schwung zur Erneuerung, die Bereitschaft, Risiken einzugehen, eingefahrene Wege zu verlassen, Neues zu wagen. Ich behaupte, wir haben kein Erkenntnisproblem, sondern ein Umsetzungsproblem. Am Ende steht meist die Vertagung dieses Problems. Der Status Quo setzt sich durch. Alle warten auf das nächste Thema. Aber es ist auch noch nicht zu spät. Durch Deutschland muss ein Ruck gehen. Ich erinnere mich, die Ruckrede war ein fester Begriff. Und wenn man sich diese Sätze mal auf der Zunge zergehen lässt, und ich kann es jedem Hörer nur empfehlen, lest die Ruckrede im gesamten Wortlaut. Es ist faszinierend zu sehen, dass Roman Herzog auch heute in sehr, sehr großen Teilen absolut den Nagel auf den Kopf treffen würde.

  18. Sebastian:

    Besseres Schlusswort können wir jetzt hier gar nicht mit auf den Weg geben, Flo. Also von daher vielen lieben Dank für dieses Zitat, was du uns zum Ende nochmal mit auf den Weg gegeben hast. Ich bin mir sicher, es war nicht die letzte Folge, die wir gemeinsam aufgenommen haben. Danke für deine Zeit.

  19. Florian Lüft:

    Das hoffe ich sehr. Und Sebastian, ich werde dann gerne, wenn du es teilst und postest, den Link zur Rückrede vielleicht in die Kommentare packen, weil eben wäre mit Sicherheit für jeden mal eine gute Nachtlektüre, die Mehrwert stiftet.

  20. Sebastian:

    Das machen wir auf jeden Fall. Bis dahin, Flo.

  21. Florian Lüft:

    Super. Danke dir.

  22. Sebastian:

    Was meinst du jetzt am Ende von der Folge? Kommen wir von der Boxengasse wieder zurück auf die Überholspur für deutsche, europäische Automobilhersteller? Oder ist das Feld schon zu weit vorweg gefahren sozusagen, um in diesem Bild zu bleiben? So oder so, vielen Dank fürs Zuhören heute. Hinterlassen Sie gerne positive Bewertungen bei iTunes und Co., damit eben die Welt der E-Mobilität sich noch ein Stück weit verbreitet. Mach's gut, bis zum nächsten Mal. Ciao.