Unternehmensberater: Grundregeln der Automobilindustrie gelten für jeden!

Im Gespräch mit Daniel Niederberger, Geschäftsführer der NewMobilityBusiness GmbH

Daniel Niederberger, Geschäftsführer der NewMobilityBusiness GmbH, ist als Unternehmensberater im Bereich der Automobilindustrie tätig. Dabei arbeitet er sowohl mit Automobilhersteller (OEMs), Mittelständler als auch Startups zusammen. An seinen Erfahrungen lässt er uns in diesem Gespräch teilhaben und zeigt auf, wie unterschiedlich traditionelle Automobilhersteller, wie z.B. Audi, BMW, Mercedes-Benz und Volkswagen sowie neue Player am Markt, wie z.B. NIO, Polestar, Xpeng und Co. „ticken“.

Allen gleich jedoch sei die Tatsache, dass es nicht möglich ist automobile Grundregeln außer Kraft zu setzen. Man könne diese dehnen, strecken und ein wenig verändern. Im Groß und Ganzen funktioniert es im Kern allerdings für alle gleich. Durch seinen breiten Einblick auf den Markt sowohl aus Sicht des Marktes als auch der Akteure ist es Herr Niederberger möglich ein Bild zu zeichnen, welches aufzuzeigen vermag, wie die unterschiedlichen Parteien ihren Weg gehen, um mit dem Wandel der Mobilität (Digitalisierung, E-Mobilität und Autonomes Fahren) Schritt zu halten.

Doch dazu und weiteren Themen mehr in dieser Folge unseres Podcasts. Viel Freude beim Anhören!

Shownotes:

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Transcript

  1. Intro:

    Elektroauto News. Der Podcast rund um das Thema Elektromobilität. Mit aktuellen Entwicklungen, Diskussionen, Interviews und vielem mehr.

  2. Sebastian:

    Servus und herzlich willkommen bei einer neuen Folge des Elektro-News.net Podcast. Ich bin Sebastian und freue mich, dass du diese Woche wieder zuhörst, wenn wir uns mit dem Thema E-Mobilität bzw. Wandel der Mobilität beschäftigen. In der aktuellen Folge habe ich Daniel Niederberger, seines Zeichens Geschäftsführer der NewMobilityBusiness GmbH am Start, der mit seiner Unternehmensberatung Automobil-Nahunternehmen eben auf den Wandel der Mobilität vorbereitet. Dabei hilft das eigene Unternehmen neu auszurichten, Produkte neu zu denken und auch das eigene Portfolio entsprechend zu erweitern in Bezug auf Produkte als auch neue Geschäftsfelder. Im aktuellen Gespräch mit Daniel Niederberger haben wir uns den klassischen alteingesessenen Automobilherstellern angenommen, wie beispielsweise Audi, Mercedes-Benz, BMW, Volkswagen, die eben eine gewisse Geschichte mit sich bringen, die ja überhaupt nicht von Nachteil sein muss, aber teilweise eben auch ist, wenn man den Wandel der Mobilität betrachtet. Und haben auch die Newcomer, die New Player am Markt, wie Polestar, Nio, Xpeng, Tesla betrachtet. Und auch aufgezeigt, welche Vorteile, aber auch welche Nachteile das weiße Blatt Papier, auf dem die Unternehmen anfangen können zu arbeiten, ebenso mit sich bringt. Ich denke, das war ganz interessant. Haben dann noch gegen Ende noch einen Schwenk zu Zulieferer und Startups gemacht, wo der Wandel eben auch Möglichkeiten und Chancen bietet, um das Ganze dann abzurunden. Von daher viel Spaß mit der aktuellen Folge. Hallo Herr Niederberger, vielen Dank, dass Sie heute die Zeit nehmen, dass wir uns ein wenig über den Wandel der Mobilität beschäftigen damit, mit dem Thema. Sie sind mit einer Unternehmensberatung im Bereich der Automobilindustrie aktiv, vor allem für die strategische Ausrichtung, wo Sie da eben auch Beratung vornehmen oder Beratung machen. Und haben da, denke ich, einen breiten Einblick und Blick von außen als auch von innen eben auf den Wandel in der Szene selbst. Aber bevor wir da tiefer einsteigen, stellen Sie sich doch gerne selbst mal vor und umreißen auch gerne nochmal, was Sie denn genau machen.

  3. Daniel Niederberger:

    Ja, Herr Henssle, vielen Dank für die Einladung. Ich freue mich, dass ich heute zu Gast sein darf. Genau wie bereits anmoderiert, Daniel Niederberger. Ich bin Geschäftsführer der NewMobilityBusiness GmbH. Das ist eine Unternehmensberatung mit Fokus Mobilität und Zukunftsausrichtung von mobilitätsassoziierten Firmen mit Standort in München. Wir kümmern uns hauptsächlich darum, dass die Unternehmen ihre strategische Ausrichtung der zukünftigen Anforderungen anpassen. Sei es Unternehmensstrategie, Produktstrategie. Sehr viele Anfragen kommen mittlerweile auch im Bereich neuer Geschäftsmodelle und datengetriebener. und da auch der Monetarisierungsmöglichkeiten über den Vertrieb.

  4. Sebastian:

    Hört sich sehr interessant an. Also da kriegen Sie auch einen breiten Einblick, so wie ich es ja auch schon angeteasert habe sozusagen, um Sie mit unterschiedlichsten Kunden zu tun. Also wir hatten im Vorgespräch darüber, Sie sind unter anderem tätig für klassische OEMs, also Automobilhersteller an sich, Zulieferer, Startups, also bewegen sich da auch in der vollen Bandbreite und kriegen nicht nur eben einen Teil des Feldes mit. Ist das so richtig?

  5. Daniel Niederberger:

    Ja, genau. Wir sind relativ breit da unterwegs und natürlich haben jetzt die Fragen, die jetzt ein etablierter OEM hat, sind natürlich etwas andere, auch durch ihre Legacy getrieben. Der Mittelstand hat erfahrungsgemäß die breitesten Möglichkeiten, sich da neu auszurichten und die Startups, die haben natürlich das Privileg, mit dem weißen Blatt Papier zu starten und natürlich sich nur auf meistens ein Zukunftsthema komplett zu fokussieren.

  6. Sebastian:

    Um das Ganze einzuordnen, wir hatten es auch darüber im Vorgespräch, Kunden können Sie natürlich nicht nennen, da gibt es Verschwiegenheitserklärungen sozusagen, die müssen eingehalten werden, aber dass wir das einfach mal für unsere Hörer, Hörerinnen unterscheiden. Wir sprechen einmal sozusagen von der klassischen Automobilindustriehersteller, wo wir jetzt beispielsweise, Audi, Mercedes-Benz, BMW, Volkswagen einordnen würden, die eben diese Legacy, diese Geschichte schon mitbringen. Und dann haben wir sozusagen in Anführungsstrichen auch die neuen Player am Markt, wo jetzt Polestar, Nio, Xpeng, Tesla, gut Tesla ist jetzt auch schon ein bisschen älter, aber die dann auch tatsächlich in diesem neuen Markt mit dem weißen Blatt Papier begonnen haben, drin sind. Nur damit wir da von der Einordnung klar sind. Ich denke, das passt auch zu dem, wie sie den Markt für sich sozusagen aufteilen.

  7. Daniel Niederberger:

    Ja, genau das kann man sagen. Also die etablierten Hersteller haben natürlich, ich sage mal, die Herausforderung, dass sie natürlich ihre aktuelle Plattformen noch weiter verkaufen. Die bringen ja auch immer noch das Geschäft und das Brot- und Butter-Umsatzgeschäft rein und gleichzeitig natürlich sich neu ausrichten müssen, sei es jetzt eben Richtung Elektromobilität, die Plattformen, die da dran sind. Weiteres Thema ist die Digitalisierung, aber natürlich auch der innere Wandel der Unternehmen. Das heißt, Richtung im Durchschnitt ist es mehr Innovationsfreudigkeit und Agilität, dass man da eben sehen kann. Und auf der anderen Seite eben, wie Sie es gesagt haben, die neuen Player, die natürlich mit klarer Kernkompetenz meistens an den Start gehen und Auch ein relativ intelligentes Partner-Netzwerk, meistens außenrum gruppieren, um hier eben auch die vielleicht nicht so großen Legacy-Erfahrungen auch versuchen zu kompensieren mit Lieferanten oder Partnern.

  8. Sebastian:

    Das heißt sozusagen, die Stärken der alten sind dann gefühlt die Schwächen der neuen umgekehrt. Könnte man es jetzt so ganz simpel vielleicht formulieren.

  9. Daniel Niederberger:

    Könnte man ein bisschen so sagen. Natürlich ist Automobilindustrie ein sehr komplexes und großes Unterfangen. Wir haben ja in den letzten 20, 30 Jahren viele Versuche gesehen, auch von neuen Playern am Markt. Und die allermeisten haben sich da eben sehr, sehr schwer getan. Jetzt ist natürlich durch das Thema Elektromobilität und der neuen Antriebswahl, die im Prinzip mehr oder weniger festgelegt ist, natürlich sind die Startchancen etwas neu gemischt. Damit ist dieser große Vorsprung im verbrennungsmotorischen Bereich, den manche Unternehmen eben hatten, nicht mehr so für Bedeutung und durch die Elektromobilität Und eben auch durch die digitalen Themen kommen natürlich auch andere Wettbewerber an den Markt, die vielleicht jetzt nicht originär vom Automobilgeschäft kommen, aber eben auf den neuen Feldern doch eine gewisse Erfahrung mitbringen, die man dann eben auf den Automobilbereich münzt. Und genau wie Sie sagen, natürlich braucht man dafür auch das Thema Qualität, Skalierbarkeit, Service-Netz weltweit. Das sind einfach so Grundthemen, die in der Autoindustrie die Kunden erwarten. Und das ist natürlich für Neueinsteiger im Regelfall eine relativ große Hürde.

  10. Sebastian:

    Jetzt hatten Sie ja zu Beginn gesagt, damit Sie da eben auch Unternehmen beraten, im Hinblick auf die strategische Ausrichtung, dass Unternehmen sind Gänse für Produkte, für neue Produktfelder, die man dann schließen kann. Wenn wir jetzt mal den klassischen OEM sozusagen betrachten, das wären ja dann eben Audi, BMW, Mercedes-Benz, Volkswagen sozusagen. Wie ist... da die Herangehensweise zu deuten oder wie gehen die aktuell vor, wie sind da die Entwicklungen, welche Schritte müssen da gegangen werden, um da auch mit dem Wandel der Mobilität, wo wir jetzt einfach mal die E-Mobilität und das autonome Fahren als eben auch die Digitalisierung mit einzuordnen wollen.

  11. Daniel Niederberger:

    Also man muss vielleicht nochmal unterscheiden, die etablierten, da gibt es ja auch noch einen Premium-Markt und einen Volumen-Markt. Die Volumenhersteller haben natürlich da im Regelfall einen etwas größeren Ansatz, mehr Dinge zuzukaufen und mehr auf Partnerschaften auch mit IT-Unternehmen zu gehen. Vielleicht auch, weil sie die eigene Leistbarkeit da vielleicht finanziell oder auch von den Fachkräften nicht so hoch einschätzen. Im Premium-Segment sehen wir ein bisschen eine Zweiteilung. Da gibt es einzelne Anbieter, die jetzt da auch stärker eben auf IT-Lösungen zurückgreifen, die jetzt von den großen IT-Firmen kommen. Und es gibt eben auch eine Bewegung im Markt, dass einige Player eben da sehr stark eigene Kompetenz aufbauen. Das ist dann meistens im Bereich zentrale Steuergeräte, Architektur und auch natürlich das Thema Betriebssystem und autonomes Fahren. Das ist auch so ein Thema, wo sehr, sehr stark eben auch auf Partnerschaften mit Lieferanten zurückgegriffen wird. Man muss natürlich sagen, dass diese Veränderungen mehr oder weniger zeitgleich kommen und natürlich für die ganze Automobilindustrie natürlich auch ein riesen Kraftakt ist. Also da kommen dann so Fragen auf den Tisch wie, wo ist mein Fokus? Wie viel Personal setze ich auf welche Themen? Wo habe ich auch den größten Differenzierungsfaktor in der Zukunft? Und wo kann ich eben vielleicht auch durch Partnerschaften vielleicht meine Kostenstruktur auch etwas verbessern?

  12. Sebastian:

    Das heißt, Sie haben jetzt Partnerschaften erwähnt, sowohl im Volumensegment als auch im Premiumsegment, unterschiedlich ausgeprägt sozusagen. Wenn man von draußen drauf blickt, habe ich jetzt aber beispielsweise eher das Gefühl, dass diese Partnerschaften, in Gänze eher am Abnehmen sind und dass auch die Volumenhersteller immer mehr versuchen, mehr Expertise ins eigene Haus zu holen. Also gerade VW als gutes Beispiel aus meiner Sicht, die mit der eigenen MEB-Plattform da eine Plattform über alle Unternehmensmarken hinweg an den Start gebracht hat und dann eben auch mit ihrer eigenen Komponenten Unternehmensstruktur sozusagen da in die Fertigung oder Bereitstellung entsprechender wichtiger Komponenten geht. Also aus meiner Sicht geht das mehr in die Richtung, wir holen uns auch da mehr Expertise wieder in-house und machen uns unabhängiger vom Markt.

  13. Daniel Niederberger:

    Ja, also für die VW Group, glaube ich, ist das so die strategische Zielrichtung. Die kann man ja auch in den Investment-News immer nachlesen. Die haben eben vor ein paar Jahren das Ziel gefasst, dort eben eine stärkere Eigenleistung und vermutlich auch mit einem Differenzierungsanspruch eben dann da hervorzutun und Für manche andere im Premium-Bereich ist das eben auch erkennbar, weil natürlich, wenn Sie mal anschauen, wie die IT-Industrie und auch die Software-Industrie heute funktioniert, dann sind natürlich da schon beträchtliche Gewinnchancen drin und bis hin eben zu monopolisierbaren Marktstrukturen. Das heißt, da erwartet man natürlich gerade im Premium-Bereich auch relativ viel Differenzierungsmöglichkeit und entsprechende Bepreisung, was dann natürlich leichter fällt, wenn ich dann natürlich stärker eigene Kompetenz habe Denken Sie auch daran, wenn Sie die Systeme updaten müssen und die Software überarbeiten oder eben dem Kunden auch digitale Features an die Hand geben, haben Sie natürlich dann auch alles aus einer Hand oder gewissermaßen auch Geschwindigkeitsvorteile in der Zeitschiene, wie Sie das eben dem Kunden anbieten können. Und genau, es wird aber sicherlich auch Firmen geben, die jetzt im Markt diese Ressourcen eher nicht haben, da jetzt diesen großen Ansatz zu machen. Und da wird es dann vielleicht auf einen Teil Eigenleistung und einen Teil Zulieferer hinauslaufen.

  14. Sebastian:

    Gibt es jetzt aus Ihrer Sicht dann klassisch betrachtet richtig oder falsch oder ist es dann tatsächlich von Hersteller zu Hersteller gezielt und einzeln zu betrachten?

  15. Daniel Niederberger:

    Ja, richtig oder falsch, glaube ich, gibt es nicht. Also natürlich sind die Marktveränderungen, die sind irgendwie, ich sage mal, gleich für alle. Aber der Impact ist für jeden anders natürlich. Und das hängt auch sehr stark davon ab, wo Sie eben herkommen. Ob Sie Volumenhersteller sind, Premiumhersteller, in welchen Märkten Sie präsent sind, was für eine Zielgruppe Sie haben. Die Frage auch, ob Sie viele Privatfahrzeuge verkaufen oder viele Firmenfahrzeuge, geht da auch mit rein. Daher gibt es auch, was wir im Markt sehen, nicht die eine Lösung und das kann man ja auch beobachten, dass die Unternehmen sich da sehr unterschiedlich aufstellen Richtung, wie bereits angesprochen, Kerneigenleistung, Differenzierungspotenzial, Plattformstrategie. Das rührt hauptsächlich eben aus den genannten Faktoren und auch natürlich aus der Leistbarkeit, was die Firma eben hat. Und natürlich auch aus angestrebter Wettbewerbsposition in der Zukunft, sage ich mal. Das ist sehr, sehr stark individuell, weil die Firmen eben auch heute schon bereits eine recht große unterschiedliche Aufstellung im Markt haben.

  16. Sebastian:

    Das leuchtet vollkommen ein. Sie haben ja auch vorhin gesagt, dass auch teilweise gerade bei diesen... Ich sage mal, Hersteller mit Legacy, also auch mit Geschichte, auch ein interner Wandel stattfinden muss. Jetzt nicht nur unbedingt bezogen auf das Produkt oder die Ausrichtung des Unternehmens, sondern auch wahrscheinlich von der Art und Weise, wie gearbeitet wird und wie Dinge vorangetrieben werden.

  17. Daniel Niederberger:

    Ja, das ist natürlich mit großer Unsicherheit in Zukunft, was auf uns alle zukommt. Und da muss man natürlich auch Rechnung tragen, dass man diese Unsicherheit, wenn man sie eben nicht genau abbilden kann, also Stichwort ist hier VUCA-Welt, dass dies eben von der Organisation auch dann darauf flexibel reagiert werden kann. Das ist so die Die Grundprämisse und natürlich war in der Vergangenheit oftmals ausreichend, wenn Sie Autos inkrementell weiterentwickelt haben, sicherer, leichter, sparsamer, diese gewissen Optimierungen, sage ich mal. Und in Zukunft geht es eben mehr darum, Dinge zu vernetzen, Produktentwicklung auch fachübergreifend zu machen mit Playern und anderen Lieferanten. vielleicht auch stärker in marktspezifische Entwicklungen und Kundenangebote zu gehen. Und da ist zu beobachten im Markt, dass sich die OEMs stärker Richtung Innovationsfreudigkeit und auch Agilität orientieren und zumindest Teilbereiche, meistens aus Entwicklung und Software getrieben, da auch die Organisationsstrukturen umbauen. Angenehmer Nebeneffekt ist natürlich, dass sie damit auch attraktiver für Fachkräfte werden und auch das Partnering mit externen Playern im Regelfall einfacher funktioniert.

  18. Sebastian:

    Leuchtet ein und dann, ja, kommen wir dann auch wieder, ich sag mal, das Gute aus der Geschichte, die Erfahrung mit den neuen Ansätzen zusammen, was ich dann auch vollkommen nachvollziehen kann, dass es eben auch für entsprechende Bewerber oder Mitarbeiter interessant wird, dort wieder anzufangen, nachdem gefühlt zumindest erstmal ein Wandel zu den neuen Playern am Markt stattgefunden hatte in der Vergangenheit.

  19. Daniel Niederberger:

    Ja, natürlich, sage ich mal, kriegen die Neuen, die haben natürlich diese Legacy auch im positiven Sinne nicht. Ja, die haben natürlich dann leichter Startchancen, müssen manche Altlasten, sage ich mal, jetzt in Anführungszeichen vielleicht auch nicht rumziehen, haben natürlich auch dieses gewisse Excitement aus Arbeitgebersicht. Und damit haben die natürlich auch eine gewisse Plattform bekommen und auch eine sicherlich auch zunehmende Marktrelevanz. Aber Autogeschäft ist natürlich jetzt kein 24-Stunden-Rennen, sage ich mal, sondern noch, noch länger. Da ist natürlich die kontinuierlich gute Arbeit gefragt und da müssen, glaube ich, viele von den Newcomern erstmal noch sich wirklich beweisen. Also man kann ja zum Beispiel am Tesla auch feststellen, dass es ja doch eine ganze Zeit lang gedauert hat, bis hier etablierte Automobilthemen wirklich auf dem Qualitätsniveau zum Beispiel waren, wie jetzt eben von den Kunden üblicherweise gewohnt.

  20. Sebastian:

    Definitiv, also die... mussten Hausarbeit machen, die haben mittlerweile ja schon gut abgeliefert, aber ich denke gerade die ganzen anderen neu aufkommenden E-Autohersteller, insbesondere jetzt so NIO, Xpeng, Polestar, die sich rein auf E-Autos fokussieren, haben es vielleicht einfacher mit dem Wandel vom Verbrenner zur E-Mobilität, weil sie eben diese Altlastverbrenner gar nicht mitbringen müssen oder bewältigen müssen, sondern direkt mit in der Anführungsstrichen vereinfachten Technologieform E-Mobilität durchstarten können. aber haben dann auch andere Herausforderungen. Was sind denn Herausforderungen, Aufgaben in dem Bereich, wo Sie auch beraten, wo Sie unterstützen dann bei solchen neuen Playern?

  21. Daniel Niederberger:

    Also das sind eigentlich, ich sage mal, die Fragestellungen sind etwas innovativer vielleicht, ein Stück weit auch kreativer. Hauptsächlich geht es darum, um neue Produktthemen, also welche Produktentwicklungsfeatures sind kundeninteressant. Das sind teilweise aber auch Relativ normale Tätigkeiten wie jetzt Portfolio-Strategie oder eben Entwicklungsprozesse mit Lieferanten zu steuern, das ist für die neuen Partner eher eine Herausforderung.

  22. Sebastian:

    Das heißt im Endeffekt, ich sage mal, dieses weiße Blatt Papier, das kriegt man schon gut gefüllt, aber diese standardisierten Prozesse, die alteingesessene, erfahrene Hersteller dann haben, die muss man halt von der Pike auf dann sozusagen auch erstmal wieder lernen oder auch in das Umfeld damit einbringen.

  23. Daniel Niederberger:

    Genau, genau, so wie Sie es sagen. Also natürlich hat das die Chance, eben manche Dinge zu vereinfachen und auch schneller zu sein, aber Sie können natürlich auch als Newcomer die automobilen Grundregeln, sage ich mal, jetzt nicht komplett außer Kraft setzen, dass da eben eine Lieferantenstruktur funktioniert, dass Sie da gewisse Tests und Validierung brauchen und am Ende eben auch das Service-Netz für den Kunden erfüllen. Das sind eben so Grundthemen, die auch von den Newcomern gemacht werden müssen. Und das kann man natürlich dann etwas kreativer und intelligenter vielleicht einbetten, weil eben die Legacy nicht da ist. Aber erfahrungsgemäß ist natürlich auch das Lehrgeld für diese neuen Themen dann nicht unerheblich.

  24. Sebastian:

    Wenn wir jetzt die zwei Sparten betrachten und gegenüberstellen, was können jetzt die Erfahrenen von den Newcomern lernen und umgekehrt? Haben Sie da zwei, drei Schlagworte?

  25. Daniel Niederberger:

    Ja, die Erfahrenen sind natürlich super gut in der Professionalität des Arbeitens und in der Skalierbarkeit. Das ist das, was in der Autobranche auch auf lange Sicht sehr wichtig ist, dass ich... sehr hohe Qualität in sehr großen Stückzahlen weltweit liefern und betreiben kann und damit auch einen Service sicherstellen kann. Das ist für viele Newcomer, glaube ich, noch ein relativ weiter Weg. Also da kann man sicherlich von den Prozessen einiges lernen. Bei den Etablierten, sage ich mal, ist vielleicht manchmal auch ein bisschen eine Abkehr von existierenden Prozessen ganz gut, um hier auch vielleicht neuen, etwas progressiveren Ideen mehr Chancen einzuräumen. Auch wenn das, muss man natürlich fairerweise dazu sagen, auch mal daneben gehen kann, wenn man sich da ein bisschen auf Neuland bewegt. Aber auch hier kann man ja mit agiler Produktentwicklung doch relativ rasch mit Kundentests auch Feedback bekommen und das Risiko damit dann auch wieder senken.

  26. Sebastian:

    Jetzt sind wir hauptsächlich auf der obersten Ebene das Ganze betrachtet. Brechen wir es nochmal runter, die Zuliefererindustrie, die so im Mittelfeld dann eben auch unterwegs ist, was für Herausforderungen hat die eben mit diesem Wandel der Mobilität? Worauf müssen die sich einstellen? Wie müssen die sich ausrichten?

  27. Daniel Niederberger:

    Ja, bei den Zulieferern kann man natürlich nochmal unterscheiden zwischen den ganz großen Playern, die jetzt alle uns auch namentlich einfallen. Die haben im Prinzip eine ähnliche Herausforderungsstruktur wie die OEM selbst, weil die haben ja auch eine sehr große Legacy und auch eine sehr große weltweite Lieferstruktur und auch dann ihrerseits eine Zuliefererstruktur. Also das sind relativ ähnliche Fragestellungen, die da kommen. Unternehmensorganisation, Produktfokus in der Zukunft, um mal zwei zu nennen. Der Mittelstand, der dann natürlich üblicherweise im Tier-2-3-Bereich beheimatet ist, seltener im Tier-1, aber eher 2-3. Der hat natürlich theoretisch relativ viele Möglichkeiten, sich auf neue Themen zu setzen und zu fokussieren. Hier muss man aber natürlich relativ stark betrachten, wo die Firma herkommt. Also wenn Sie jetzt aktuell im Bereich Kunststoffentwicklung eben unterwegs sind, dann werden Sie wohl nicht morgen Software für autonomes Fahren machen. Also dieser... Diese Brücke ist für die Firma meistens zu weit. Das heißt, man wird dann einfach die Legacy und die Kernkompetenzen stärker in Betracht ziehen, um das mit in die Zukunft zu transportieren und damit neue Geschäftsfelder für die Zukunft zu erreichen. Am Beispiel dieser Kunststoffthemen könnte das sicherlich ein großer Fokus im Bereich Interior sein, der bei autonomem Fahren auch unglaublich wichtig sein wird.

  28. Sebastian:

    Also dann eher auf die eigenen Stärken fokussieren, die man eben aus dem alten Geschäft, nennen wir es jetzt mal, schon mit sich bringt und die dann eben gegebenenfalls neu ausrichten auf die Herausforderungen, die so im Wandel der Mobilität auf uns warten.

  29. Daniel Niederberger:

    Ja, genau. Das ist für die meisten im Mittelstand die probate Lösung. Es gibt ja auch noch das Thema Ladeinfrastruktur, was als neues Thema mit dazukommt. Auch das ist für den Mittelstand sicherlich interessant. Elektronikthemen natürlich auch. Sie müssen dann schon ein recht großer Mittelständler sein, um da jetzt wirklich komplett neue Themen nochmal als zweites Standbein aufmachen zu können. Das ist aber auch ein Bereich, den wir beobachten. Da finden auch einige M&A-Transaktionen statt, wo man quasi sagt, okay, wir haben eine sehr solide laufende Firma im eher Altgeschäft und wir bauen parallel eigen oder mit M&A-Transaktionen eben ein neues Geschäftsfeld nochmal mit auf. Also das sieht man auch bei den größeren Mittelständlern, sieht man das auch.

  30. Sebastian:

    Da sind wir auf jeden Fall bei den größeren Mittelständern unterwegs, weil die Tier-3-Bereiche, jetzt würde ich das eher weniger sehen dann tatsächlich, weil die ja dann auch in ihren Nischen dann wahrscheinlich Spezialisten sind und da dürfte der Wandel eher schwieriger fallen. Aber sowas würde auch bei Ihnen in Ihr Geschäftsfeld reinfallen, dass Sie auch in solche Häuser gehen und Beratung anbieten bei der Neuausrichtung oder generell Überprüfung der eigenen Strategie?

  31. Daniel Niederberger:

    Ja, Mittelstand ist auch unser Kerngeschäft. Also M&E-Themen nicht. Da müsste man, glaube ich, dann Jura studiert haben und sowas. Due Diligence und so geht noch. Aber ja, der Mittelstand hat da natürlich auch relativ viel Bedarf. Und ja, dieses zweite Geschäftsfeld aufbauen, da müssen sie gar nicht riesengroß sein. Also wenn die Firma mal tausend Mitarbeiter hat oder so, dann können sie das schon in einem kleineren Umfang machen. Das geht.

  32. Sebastian:

    Dann wahrscheinlich auch durch Projektteams, die sich dann halt dem Thema annehmen und das dann erst beim kleinen versuchen voranzutreiben und dann eben entsprechend später auch wieder zu skalieren, wenn es vom Markt angenommen wird.

  33. Daniel Niederberger:

    Genau, also da haben sie dann die Herausforderung, dass eben das Altgeschäft weiterhin läuft, also der Mittelständler eben seine Komponenten zuliefert und parallel wird ein zweiter Bereich aufgebaut. aufgebaut. Das ist üblicherweise eine Mischung aus einigen Internen von der Hauptfirma als auch einigen neuen Mitarbeitern, die dann quasi dieses cross-funktionale Denken in der Tendenz vielleicht stärker mitbringen. Und das Hauptproblem bei sowas ist, dass eben sie am Ende die neuen Themen auch serienreif und skalierbar mit dem Erstunternehmen zusammenbringen. Das ist so die Die Hauptherausforderung, weil zu oft versandet das im Prototypen-Stadium und wird da nicht umgesetzt, was einfach sehr schade ist. Und optimalerweise können Sie das eben mit der Hauptfirma dann mit Synergien am Markt platzieren unter Nutzung auch deren Sales und sonstiger Strukturen. Wenn das nicht gehen sollte, dann haben wir sowas wie ein Company Building, dann bauen Sie halt parallel im Prinzip ein zweites Unternehmen auf. Das ist auch eine Möglichkeit, aber das hat natürlich dann nicht die Skalenvorteile vom ersten Unternehmen.

  34. Sebastian:

    Klar, wenn ich es mit reinbringen kann in mein Alltagsgeschäft und kann dann eben da auf die Vertriebskanäle schon setzen, hat das natürlich definitiv positivere Auswirkungen, als wenn ich dann mit einer Ausgründung sozusagen wieder neu starten muss dann. Sehr interessant. Wollen wir vielleicht zum Ende nochmal kurz auf Startups zu sprechen kommen. Wie seid ihr da tätig als Unternehmensberatung? Was sind da Schwerpunkte, wo ihr unterstützt am Markt?

  35. Daniel Niederberger:

    Also Startups sind jetzt ein relativ kleiner Teil, muss man sagen. Da geht es sehr oft um reine organisatorische Themen. Also wie baut man Businessstrukturen auf, Organisationsstrukturen, vielleicht auch Leadmanagement, das heißt Kontaktanbahnung zu etablierten Playern, das ist dann meistens auch im Lieferantenbereich. Das ist so dieser Part. Bei Startups kann man beobachten, dass natürlich unglaublich viel, also gerade in München ist unglaublich viel Software getrieben und Softwareentwicklung. Und das ist natürlich ein Thema, das auch bei den Lieferanten natürlich auf großes Interesse stößt und man dann eben sehr oft auch mit gemeinsamen Pilotprojekten oder Prototypen eben mal beginnt.

  36. Sebastian:

    Also gerade Software ist da, bietet es hier an, da müssen nicht teure Maschinen angeschafft werden und Werkzeuge oder sowas, wie ich es jetzt bei einem klassischen Mittelständler hätte, der eben im produzierenden Gewerbe unterwegs ist, sondern kann dann auch mit einem relativ simplen Ansatz auch einfach mal drauf losgehen. Das ist so das, was Sie jetzt auch gesagt hatten.

  37. Daniel Niederberger:

    Genau, genau. Also da ist im Prinzip die Vorgehensweise, dass man die Agilität und den Innovationsgrad der Startups im Prinzip nutzt. Und dann eben parallel das Ganze auch von den Strukturen so aufbaut, dass es eben, ich sag mal, automotive-tauglich ist, was das Thema Prozesse und Qualität und so weiter angeht. Und das ist natürlich für ein Startup meistens ein relativ großer Stretch, weil eben die Markteintrittsbarrieren relativ groß sind. Wie Sie sagen, im Bereich Software geht das einfacher und noch einfacher geht es eben, wenn man dann sich mit anderen Lieferanten da in Projekten zusammentut, weil dann kann auch ein größerer Lieferant oder ein etablierter Player kann zum Beispiel auch sowas wie ein Legal Framework oder sowas dann mit betrachten und übernehmen, wo ein Startup üblicherweise einfach auch die Ressourcen nicht dafür hat.

  38. Sebastian:

    Ganz klar. Und auch nicht seine Schwerpunkte und die Erfahrung wahrscheinlich, wie sie eben dann etablierter Hersteller, Zulieferer oder Unternehmen an sich haben.

  39. Daniel Niederberger:

    Genau. Aber das ist, glaube ich, in Zukunft eine sehr fruitful Opportunity, wie wir das sagen, diese etablierten Lieferanten auch mit den Startups zusammenzubringen. Kann auch der OEM natürlich direkt sein, aber da kommt wirklich eine Win-Win-Situation für beide im Regelfall raus.

  40. Sebastian:

    Hört sich vernünftig an. Dann sage ich erstmal vielen Dank, Herr Niederberger, für die Einblicke, die Sie uns gegeben haben aus Ihrer Unternehmensberatung mit Schwerpunkt Automobilindustrie. Bin mir sicher, wir konnten einiges mitnehmen und würde mich freuen, wenn wir das Ganze nochmal vertiefen, wenn dann entsprechende Rückfragen von unserer Community auch bei uns eintrudeln.

  41. Daniel Niederberger:

    Sehr gerne, Herr Heinzler. Hat Spaß gemacht. Besten Dank.

  42. Sebastian:

    Das war sie also auch mal wieder, die aktuelle Folge des elektronischen News.net Podcast. Ich freue mich, dass du zugehört hast, als wir uns mit Daniel Niederberger zum Wandel der Mobilität besprochen, beschäftigt, ausgetauscht haben. Und wenn du uns jetzt noch eine Freude machen willst, schau bei Spotify vorbei und hinterlasse uns eine positive Bewertung, damit wir den Podcast noch ein wenig mehr in die Welt der E-Mobilität, E-Mobilisten hinaustragen können. Vielen Dank, mach's gut, bis zur nächsten Folge. Ciao.