PANION: Flottenbetreiber müssen keine Angst vor Elektrifizierung haben

Im Gespräch mit Markus Kröger, CEO von PANION

Das Berliner Startup PANION, unter der Leitung von CEO Markus Kröger und CTO Weston Hankins, will Flottenbetreiber die Angst vor der Elektrifizierung der eigenen Flotte nehmen. Dabei verstehe man sich selbst als COMPANION (im Deutschen "Begleiter") auf dem Weg hin zur E-Mobilität. Im Oktober 2020 entstanden als 100 Prozent Tochter von ABB eMobility setzt man auf Zahlen, Daten und Fakten, um den Weg zu ebnen.

PANION konzentriert sich hierbei stets auf die individuellen Probleme/ Herausforderungen der Kunden. Lernt aber natürlich auch Kundenübergreifend, um weitere Unternehmen an der eigenen Erfahrung teilhaben zu lassen. In diesem Zusammenhang führt Markus aus, wie man von Amazon einiges lernen konnte. Die allein aufgrund der eigenen Flottengröße die ein oder andere Herausforderung zu bewältigen hatten.

Im Detail ist es aber natürlich am besten, wenn Markus uns dies alles selbst erläutert. Denn wer weiß es besser, als der CEO von PANION. Viel Spaß mit der aktuellen Folge.

Shownotes:

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Transcript

  1. Intro:

    Elektroauto News. Der Podcast rund um das Thema Elektromobilität. Mit aktuellen Entwicklungen, Diskussionen, Interviews und vielem mehr.

  2. Sebastian:

    Servus und herzlich willkommen bei einer neuen Folge des Elektroautonews.net Podcast. Ich bin Sebastian und freue mich, dass du diese Woche wieder eingeschaltet hast, wenn wir uns rund um das Thema E-Mobilität ja wieder mit beschäftigen. In der aktuellen Folge habe ich Markus Kröger, seines Zeichens CEO von der Firma Panion, einer 100%-Tochter von ABB E-Mobility am Start. Und er erzählt uns und gibt uns ein bisschen Einblick hinter die Kulissen, was PANION denn so macht. Im Hauptthema geht es darum, Flotten zu elektrifizieren und diese dann im Flottenmanagement auch zu unterstützen. Beginnt ja von der simplen Beratung auf Grundlage von Daten, Fakten. welche Art der Elektrifizierung für das eigene Unternehmen eben sinnvoll ist, bis hin dann zur Planung von Routen unter Berücksichtigung von Themen wie Akkukapazität, Ladestand, Stromverfügbarkeit zum Aufladen, als auch Wetter- und Umgebungsbedingungen. Ein sehr spannender Einblick, den wir da bekommen haben und viele Faktoren, die da doch zu berücksichtigen sind, die man so im ersten Blick nicht auf dem Schirm hat. Aber im Detail soll euch das am besten Markus selbst erklären. Von daher vorab erstmal vielen Dank fürs Zuhören und jetzt viel Spaß mit der aktuellen Folge. Servus Markus, vielen Dank, dass du dir heute die Zeit nimmst, dass wir uns ein wenig über Panion unterhalten. Ihr seid im Bereich Flottenmanagement, Elektrifizierung von Flotten unterwegs. Bevor wir da allerdings einsteigen und wenig mehr über euch erfahren, kannst du dich ja vielleicht mal selbst kurz vorstellen, dass wir einfach wissen, mit wem wir heute das Gespräch führen.

  3. Markus Kröger:

    Prima. Ja, hallo Sebastian. Vielen Dank für die Einladung. Ich bin Geschäftsführer bei Panion, ABB eMobility Digital Venture GmbH. Ein Unternehmen, das wir im Oktober 2020 gegründet haben. Meine Vergangenheit geht zurück auf 2020. Ich war also vor ABB bei Haker, CEO von dieser Plattform und habe zusammen mit VW Financial Services und den dann zusätzlich dazu gewonnenen Investoren die Plattform aufgebaut und das Team aufgebaut und das Geschäft aufgebaut. Habe also so ein bisschen Erfahrung mitbringen können, was das Thema Corporate Startup angeht. Und auch was das Thema Mobilität angeht. Davor in verschiedenen anderen Kapazitäten gearbeitet, immer im digitalen Umfeld, vor allen Dingen Online-Payments, aber jetzt tatsächlich mit Herz und Seele bei der E-Mobilität.

  4. Sebastian:

    Das hören wir doch gerne mit Herz und Seele bei der E-Mobilität. Bessere Grundvoraussetzungen hier für unseren Podcast gibt es ja fast nicht. Jetzt hast du gesagt, du bist bei Panion Geschäftsführer. Magst du uns ein paar Worte zu Panion auch darüber noch verlieren, was ihr denn so macht? Wie würdet ihr das Produkt oder was ihr im Markt anbietet, kurz und knapp quasi unseren Hörer, Hörerinnen näher bringen?

  5. Markus Kröger:

    Genau, also Panion baut Software für Flottenmanagement und zwar mit einem speziellen Fokus auf elektrische Flotten. Wir sind eine hundertprozentige Tochter von ABB eMobility, ein weltweiter Marktführer im Bereich Ladeinfrastruktur, insbesondere was Schnellladung angeht und haben das Mandat, diese Software jetzt zu entwickeln, unter anderem, weil eben auch viele Kunden von ABB eMobility nicht nur Hardware brauchen, sondern auch Software. Interessant jetzt in dem Zusammenhang ist, dass wir aber ein unabhängiges Mandat haben, das heißt unsere Software funktioniert nicht nur mit Hardware von ABB, sondern auch mit allen anderen Herstellern. Also wir haben uns von vornherein unabhängig positioniert und das drückt sich auch so ein bisschen in dem Namen aus, den wir uns gegeben haben, Panion, quasi der Companion für Flottenbetreiber, wenn es darum geht, elektrische Flotten zu managen und dort überhaupt hinzukommen, zu elektrifizieren, weil wir eben am Markt eben auch so ein bisschen unabhängig gesehen werden wollen.

  6. Sebastian:

    Ist ja wahrscheinlich auch vernünftig, dass man sich da von vornherein dann auch ein wenig breiter aufstellt sozusagen, öffnet, macht ja auch das Geschäftsumfeld für euch dann interessanter, sage ich mal, weil es ja auch potenziell mehr Kunden dann gibt oder mehr Möglichkeiten, eure Software wahrscheinlich zu integrieren und damit zu arbeiten.

  7. Markus Kröger:

    Genau, und vor allem ist es die Realität bei Kunden. Also es gibt kaum Kunden, die sich im Zweifel für alle Ewigkeit auf einen Hersteller festlegen wollen. Und insofern, wir versuchen halt kundenzentriert und kundennah zu arbeiten. Und uns insofern dann auch auf alles einstellen zu können, was der Kunde entsprechend an Voraussetzungen mitbringt.

  8. Sebastian:

    Und was ist so euer typischer Kunde? Reden wir da tatsächlich schon von den Kunden, von den Flotten, die E-Autos bei sich in der Flotte drin haben und die einfach nur gemanagt haben wollen? Geht es da um Kunden, die neu im Bereich der Elektrifizierung unterwegs sind und da quasi Hilfestellung brauchen in verschiedensten Ausprägungen? Oder wird das so eine Mischung von all dem sein?

  9. Markus Kröger:

    Also zunächst mal, als Start-up muss man sich ja so ein bisschen fokussieren. Und wir haben uns, also zunächst mal ist unser ganz klarer Fokus betriebliche Flotten. Also wir sprechen jetzt erstmal nicht von Privatfahrzeugen, sondern betrieblichen Flotten, weil wir da auch einen der größten Hebel sehen, wenn es um die Entkarbonisierung von Fahrzeugen geht. Flotten machen sogar, oder sagen wir mal, Nutzfahrzeuge ganz generell und betriebliche Flotten machen über 40 Prozent der Verkehrs-CO2-Ausstöße aus. Und man hat natürlich, wenn man betriebliche Flotten elektrifiziert, mit wenigen Ansprechpunkten einen wesentlich größeren Hebel. So, darüber hinaus konzentrieren wir uns tatsächlich vornehmlich auf depotbasierte Flotten, sprich Flotten, wo die Fahrzeuge an unternehmenseigene Standorte zurückkehren, weil wir nämlich als Teil unseres Konzeptes eben natürlich Lademanagement mitverstehen. Und Lademanagement kann man nur mit Software vernünftig unterstützen, wenn man Zugriff auf die Ladeinfrastruktur hat. Und das ist die Voraussetzung dafür, Die Voraussetzung ist gegeben bei Depot-basierten Flotten. Und hier insbesondere im Bereich Logistik, Last-By-Delivery, Distribution, aber auch Serviceflotten, die Depot-basiert sind. Und da gibt es offensichtlich jetzt schon einige, die in Erscheinung getreten sind, auch mit relativ ehrgeizigem Bekenntnissen und Versprechungen im Markt, dass sie halt bis zu einem bestimmten Zeitpunkt ihre Flotte komplett umstellen wollen. Viele haben noch nicht angefangen, machen sich darüber Gedanken und wissen aber noch nicht genau, wie sich das tatsächlich dann auch ausgeht, wenn die Flotte dann elektrifiziert ist, inwiefern sie ihre Geschäftszwecke weiterhin entsprechend optimieren können oder optimiert betreiben können. ihre Ziele weiterhin erfüllen können, Profitabilität erzielen können etc. Es ist immer noch sehr, sehr viel Unsicherheit am Markt, auch gerade bei diesen großen Flotten, wo ja unglaublich viel von den richtigen Entscheidungen abhängt. Und zunächst mal ist es für diese Flotten ganz wichtig zu wissen, wenn wir den elektrifiziert haben, gibt es Tools, gibt es Möglichkeiten, diese Business Continuity, Operational Excellence aufrechtzuerhalten bzw. vielleicht sogar noch zu verbessern. Also das ganze Thema Total Cost of Ownership zum Beispiel, wahnsinnig wichtiger Indikator im Bereich Flottenmanagement, dass Total Cost of Ownership perspektivisch im Zweifel nicht über den totalen Kosten von einer herkömmlichen motorisierten Flotte liegt beim Flottenbetrieb, sondern im Zweifel gleichauf beziehungsweise darunter. und dass man sich eigentlich weiterhin auf sein Kerngeschäft konzentrieren kann. Was viele Flotten, mit denen wir sprechen, heute beschäftigt und irritiert, ist die Vorstellung, dass es jetzt ganz viel Ablenkung gibt und dass im Zweifel Mitarbeiter umgeschult werden müssen beziehungsweise dass man sich eben auch im Wettbewerb im Zweifel, wenn man jetzt schnell Entscheidungen trifft, eventuell einen Nachteil verschafft. Und wenn man diesen Flottenbetreibern mehr oder weniger auch datengestützt zeigen kann, das muss nicht sein. Im Gegenteil, ihr könnt im Zweifel günstigere Kosten erwirtschaften, beziehungsweise euch einen Wettbewerbsvorteil erarbeiten, wenn ihr im Zweifel sogar früher rumschaltet. dann kann man diese Entscheidungsprozesse beschleunigen. Und das ist so ein bisschen unser Ziel mit unserer Software. Was wir darüber hinaus festgestellt haben, ist, dass wenn die Kunden dann tatsächlich mal diese Entscheidung getroffen haben, jetzt ist es soweit, wir wissen, wir sind safe quasi, wenn wir die Umstellung vollzogen haben, kommt die nächste Frage, aber wie geben wir die Umstellung überhaupt an? Was sind die Fragen, die wir jetzt stellen müssen? Wie kommen wir dahin, dass wir die entsprechenden Fahrzeuge anschaffen? dass wir die entsprechende Ladeinfrastruktur anschaffen etc. Und das haben wir festgestellt, als wir unsere Flottenmanagement-Software im Pilotbetrieb installiert haben, dass ganz viele von diesen Fragen bei unseren Partnern im Zweifel noch gar nicht gestellt oder beantwortet sind. Und insofern haben wir uns entschlossen, auch da unseren Partnern unter die Arme zu greifen, wie gesagt im Sinne des Companions, um ihnen auch wieder hier datengestützt mit Simulationen zu zeigen, wie kann denn an deinem spezifischen Standort so eine Elektrifizierung aussehen? Was musst du tun? Und das Ergebnis ist dann mehr oder weniger eine To-Do-Liste und ein indikativer Zeitplan, wie so eine Elektrifizierung ablaufen kann.

  10. Sebastian:

    Hört sich ja sehr spannend an. Vielen Dank schon mal da für den größeren Einblick drauf sozusagen. Das heißt aber, ihr als Unternehmen seid jetzt nicht nur klassische Software, die ihr anbietet, um dann eben auch so eine Flotte im Nachhinein zu managen, sondern ihr schafft ja jetzt erstmal das Verständnis dafür, welche Chancen bietet sozusagen die Elektrifizierung für die Flottbetreiber, Welche Schritte muss ich konsequent dafür gehen, um dann, wenn die Schritte gegangen wurden oder gegangen sind, dann eben auch zu sagen, okay, und damit habt ihr noch ein Tool an der Hand, der jetzt mit eurer Flotte umgehen könnte.

  11. Markus Kröger:

    Habe ich das so richtig verstanden? 100% richtig, genau. Es gibt ja, also die Landschaft der Flottenmanagement-Software-Anbieter ist ja relativ heterogen und relativ groß. Da gibt es ganz viele Player und die kümmern sich ja auch um operativen Betrieb der Flotten, aber vor allen Dingen auch mit großer Fokus auf diese ganze Asset-Diskussion. Vertragsmanagement, Schadensmanagement, etc. So, und dann gibt es auf der anderen Seite, wenn man sich das ganze Thema E-Mobilität anguckt, die Software-Provider, die Ladeinfrastruktur managen, da gibt es Backend-Provider, die halt sich mit den entsprechenden Ladesäulen verbinden, messen, inwiefern Ladesäulen tatsächlich funktionieren, funktionsfähig sind, wie viel Energie da durchläuft, im Zweifel auch diese Ladesäulen steuern, aber Letztendlich ist es mehr oder weniger auch hier so eine Art Asset Operations Tool für Ladeparks. Und was wir versuchen, ist quasi diese beiden Sachen miteinander zu verbinden. Das heißt, wir wissen, dass der Flottenbetreiber gar kein so großes Interesse per se daran hat, ob die Ladesäule funktioniert. Der hat ein Interesse daran, dass das Fahrzeug funktioniert. Und selbst wenn eine Ladesäule funktioniert, heißt das noch lange nicht, dass das Fahrzeug tatsächlich auch, was es auch immer jetzt in der nächsten Fahrt machen soll, erreichen kann. Und insofern schaffen wir mehr oder weniger die Integration von gegebenenfalls zusätzlichen Herausforderungen durch die E-Mobilität, was Lademanagement angeht, was Batteriemanagement angeht, das zu integrieren in normale betriebliche Abläufe und manageable zu machen und sichtbar zu machen. Und insofern heben wir uns da tatsächlich sowohl von der einen Seite als auch von der anderen Seite ab. Uns ist darüber hinaus auch klar, dass wir nicht von heute auf morgen, ich meine, wir sind jetzt anderthalb Jahre alt, mehr oder weniger, dass wir nicht von heute auf morgen irgendwelche Ecosystem-Player verdrängen können. Also unser Ziel ist gar nicht, die existierenden Fuhrparks-Management-Software-Anbieter aus dem Markt zu drängen. Das werden die wenigsten Fuhrparks-Betriebe machen. Die haben sich im Zweifel auch auf einen Partner eingeschossen, Und da zu wechseln, das ist eine riesengroße Hürde. Insofern setzen wir eigentlich eher auf Integration, Zusammenarbeit, Partnerschaften, sodass wir im Zweifel das, was darüber hinauskommt, was diese Kollegen, Marktbegleiter quasi schon machen, dass wir da die Lücken füllen können und den Kunden da helfen.

  12. Sebastian:

    Schlussendlich ist es aber schon so, dass ihr... doch mehr sein wollt als der Lückenfüller soweit, sondern ihr wollt da schon diese All-in-One-Lösung dann auch für die Flotten sein, aber habt auch das Verständnis für den Markt zu sagen, okay, es gibt natürlich Marktbegleiter auf dem Markt an sich und da muss jetzt nicht das Ziel sein, die auf Teufel komm raus zu trinken, sondern dann vielleicht auch zu sagen, wie kann ich erstmal unterstützen und dann kann man ja quasi vielleicht auch durch die Hintertür da das Geschäft weiter ausbauen.

  13. Markus Kröger:

    Genau, also Hintertür klingt so ein bisschen komisch, aber es gibt auch genügend Kunden, die sagen, nee, wir möchten eigentlich das gesamte System von euch haben. Und insofern, daran arbeiten wir, das im Zweifel auch zu entwickeln, aber wir machen es nicht zur Bedingung. Also man kann mit uns zusammenarbeiten, auch wenn man nicht das gesamte System von uns kauft, sondern wir helfen dort, wo es notwendig ist und wo es Sinn macht. Und insofern sind wir da, glaube ich, auf beiden Seiten.

  14. Sebastian:

    Das wäre wahrscheinlich auch der bessere Ansatz. Also nur damit man das nochmal dann auseinandernehmen kann. Es könnte der Kunde kommen, der sagt, okay, wir brauchen jetzt mal Hilfe, eure Unterstützung, eure Beratung, Expertise in Bezug auf Elektrifizierung von Flotten, wo ihr dann quasi auch mit den Daten, die ihr aus dem Unternehmen bekommt, Entscheidungen herbeiführen könnt. Sag mal, den und den Schritt müsstet ihr gehen, wenn ihr elektrifizieren wollt. Und oder könntet ihr dann natürlich auch unterstützen, diese Flotte zu managen? Dann hinterher natürlich mit der Integration der Ladeinfrastruktur und auch den Blick darauf.

  15. Markus Kröger:

    100 Prozent. Ich hätte es nicht besser sagen können. Also auch gerade das Thema Flottenmanagement, da gibt es ja auch Unterschiede. Also wenn man jetzt zum Beispiel das Thema Routing nimmt oder Monitoring, da würde man bei einer elektrischen Flotte auf andere Dinge schauen als bei einer herkömmlichen Flotte. Also gerade das Thema Routing, dass man halt energieeffiziente Strecken aussucht, dass man sich im Zweifel auch spontan, falls halt der Ladestand der Batterie unerwartet niedrig sein sollte, kurz umplanen kann etc. Das sind Sachen, die wir auch anbieten möchten, beziehungsweise an denen wir jetzt gerade arbeiten und insofern wird es da Elemente geben, die man vielleicht durch unsere Software ersetzen kann, Und dann wird es andere Elemente geben, wie zum Beispiel Asset Management, für die man halt seine angestammte Lösung beibehalten möchte.

  16. Sebastian:

    Also ihr gebt dem Kunden quasi die Wahl an die Hand. Du kannst alles haben, das Rundum-Sorglos-Paket von Pendian oder eben auch nur die einzelnen Elemente, wo im Moment dann eben auch der Schuh drückt. Jetzt hast du gesagt, Thema Routenplanung. Klar, spielt eine Rolle, weil du hast ja auch erwähnt, ihr konzentriert euch auf Flotten, die eben in Depots oder depotladende Flotten. Können wir jetzt beispielsweise vielleicht mal einen Lieferdienst, dann wäre das so ein typischer Kunde für euch. der dann in dem Segment unterwegs ist.

  17. Markus Kröger:

    Ganz genau. Also diese Last-Mile-Delivery-Companies. Also vielleicht auch nochmal ganz interessant. Wir haben auch durch freundliche Vorstellungen von ABB relativ früh mit Amazon Kontakt gehabt. Und Amazon Hat ja nun mal offensichtlich eine große Flotte und hat auch relativ öffentlich ehrgeizige Pläne verkündet, dass man halt entsprechend jetzt in Richtung CO2-neutrale Flottenbetreibung, Betrieb unterwegs ist. Und da auch mit rasanten Schritten vorangeht. Und die haben jetzt genau das Problem oder die Herausforderung, dass sie sagen, naja, aber wir dürfen auf keinen Fall riskieren, dass unsere Servicequalität darunter leidet. Wir müssen mehr oder weniger Sicherheit haben, dass unser operativer Betrieb weiter funktionieren kann und weiter optimiert werden kann. Lass uns doch mal gemeinsam überlegen, wie so eine Software aussehen kann. Und darauf basierend haben wir dann also gerade dieses Flottenmanagement von elektrischen Flotten-Thema begonnen. Und das ist ganz interessant, was wir tun. Wir verbinden uns auf der einen Seite mit den Fahrzeugen über die Telematik, die gegebenenfalls im Fahrzeug bereits vorhanden und verbaut ist oder durch nachträglich eingebaute Telematik. Wir sind mit der Ladeinfrastruktur verbunden. Wir kennen die Dispatch-Pläne, also die entsprechenden Tourenpläne für die nächste Tour, sprich die Distanz. Wir kennen im Zweifel sogar die Zuladung. Wir können offensichtlich auch noch weitere Informationsquellen benutzen, was Wettervorhersage etc. angeht. Und dann können wir einen optimalen Ladeplan erstellen. Das heißt, wir wissen, was sollte denn ein optimaler Zielladestand jedes einzelnen Fahrzeuges sein. Wir kennen den aktuellen Ladestand, wir können das Delta ausrechnen. Und wir können dann gemäß dem, was dann in die Batterie quasi eingeladen werden muss, einen Ladeslot auf einer bestimmten Ladesäule festlegen. Und wenn irgendwas dazwischen kommt, Ladesäule fällt aus oder Fahrzeug kommt zu spät quasi auf den Hof, kann man Ad-Hoc-Ruhmen planen. Und das war das Problem, was Amazon uns geschildert hat, was man gemeinsam lösen wollte. Und das haben wir tatsächlich genommen und sind jetzt also mit einigen auch Marktbegleitern von Amazon Langsmile im Probebetrieb, haben auch mittlerweile sogar den Mittelmalbetrieb angefangen, sprich also die Lastwagen, die im Zweifel von Lagerhaus, zu Lagerhaus fahren oder zum Supermarkt fahren. bei denen das Problem ja im Zweifelsfall sogar noch gravierender ist. Weil wenn man sich den letzten Meilbereich anguckt, da ist es ja häufig so, dass die Fahrzeuge dann über Nacht auf dem Hof stehen und eigentlich geladen werden können. Auch da ist es wichtig, dass man das effizient betreibt, damit man nicht zu viel Infrastruktur kauft, dass man zu günstigen Zeiten lädt. Wenn der Strom günstig ist, da gibt es ja entsprechende Tarifunterschiede, dass man eben auch schaut, dass man... eine Maximalabnahme von Energie nicht überschreitet, um die entsprechenden Strafgebühren dann zu umgehen. Aber letztendlich ist Zeit nicht der große Faktor. Im Mittelmalbereich ist das anders. Da hat man wesentlich kürzere sogenannte Turnaround-Zeiten. Im Zweifel fahren die im 24-Stunden-Betrieb. Da ist es wesentlich wichtiger, extrem akkurat zu planen, sowohl was die Energiemengen angeht, aber auch was das Zeitmanagement angeht. Und dann im Zweifel auch, akut umplanen können. Und was auch noch interessant ist, diese Fahrzeuge haben natürlich größere Batterien und da geht es um wesentlich mehr Energie. Da geht es um wesentlich mehr Kosten, die da im Zweifel gespart werden können, wenn man das vernünftig macht. Und insofern lernen wir da jetzt gerade von den Besten quasi, wir suchen uns die kniffligsten Probleme und können dann aber das, was wir da lernen, eben auf ganz viele andere Nutzer-Cases anwenden und auch optimieren, wo es Spaß macht zu optimieren, aber wo es nicht lebensnotwendig ist. Und insofern stellen wir uns da glaube ich ganz gut auf gerade.

  18. Sebastian:

    Hört sich auf jeden Fall sehr interessant, herausfordernd an und dass da auch ja doch immer wieder neue Herausforderungen mit auf den Weg kommen. So habe ich es zumindest verstanden. Jetzt spielt ja aber der Faktor Mensch bei der ganzen Geschichte ja dennoch eine Rolle. Ich meine, ihr könnt ja da schon alles planen, auch mit Wetter hast du jetzt gesagt, mit den Umgebungen, Umweltfaktoren, die vielleicht mit einspielen, Stromverfügbarkeit. Aber der Faktor Mensch könnte doch oder wird doch wahrscheinlich auch immer ein Thema sein, der das Ganze dann auch dazu führt, dass ihr da doch... häufiger umplanen müsst oder ist der Mensch, der Fahrer an sich nur noch ausführender Faktor?

  19. Markus Kröger:

    Ja, auch ein ganz spannender Faktor. Also zum einen ist es ja so, dass der Fahrer mit einbezogen werden muss, wenn es darum geht, dass ein Fahrzeug zu einem bestimmten Ladeplatz gefahren werden muss, dann muss der Fahrer darüber natürlich Bescheid wissen. Zweitens, falls tatsächlich mal auf der Strecke der Ladestand unerwartet niedrig sein sollte, das kann sein, dass der Fahrer das mitbekommt, aber im Zweifel gibt es da einen Dispatcher, der das auch sieht über sein Kontrollbord. Und dann den Fahrer informieren kann. Und auch da ist es wichtig, dass wir im Zweifel auch Mittel an die Hand geben, dass dieser Fahrer informiert werden kann. Und das Dritte, was ja spannend ist, gerade im E-Mobilitätsumfeld ist die Fahrweise eines Fahrers ja noch wesentlich entscheidender, wenn es um Reichweite etc. geht als im Diesel-Kontext. Und da muss man natürlich aufpassen, dass man entsprechend datenschutzrechtliche Voraussetzungen erfüllt. Man muss natürlich auch den Fahrer fragen, ob man seine Daten letztendlich verwenden darf. Aber es ist schon auch im Interesse des Unternehmens, Fahrerverhalten zu messen. Und zu beurteilen und dem Fahrer auch Hilfestellungen zu geben, wie er effizienter fahren kann. Um nochmal die Verlässlichkeit des Fahrzeugs bzw. der Fahrt eben zu unterstützen und im Zweifel eben auch Geld zu sparen, wenn es um Energie geht. Und auch das ist etwas, was wir auf dem Zettel haben. Das wissen wir noch nicht, das möchten wir aber gerne mit untersuchen. Vielleicht noch ein ganz kurzer Kommentar. Ich hatte ja so vorher gesagt, man kann sich Wetterdaten und Verkehrsdaten und sowas angucken. Das machen wir auch und wir schauen da, dass wir da auch die Zusammenhänge verstehen. Aber jeder, der sagt, der hat das schon verstanden und das wird alles schon 100% berücksichtigt, der sagt, glaube ich, nicht immer die Wahrheit. Also das ist jetzt der Anfang und wir berücksichtigen diese Faktoren und versuchen uns mit... dem Live-Betrieb, den wir jetzt tatsächlich angefangen haben, auch die entsprechenden Daten zu sammeln, um diese Zusammenhänge besser zu verstehen und das dann alles einzubeziehen.

  20. Sebastian:

    Ich denke, gerade dieses Lernen aus Erfahrung, wie man es jetzt ja bezeichnen könnte, wird für euch dann auch richtungsweisend sein, um dann auch für die Zukunft ein Produkt anzubieten. Und so wie die Flotten sich ja selbst bei den Herstellern, Amazon, Marktbegleiter usw. entwickeln, müsst ihr natürlich auch mit den Herausforderungen wachsen, die sich dann ja auch vielleicht erst in einem Jahr oder zwei damit auftun. Wenn auf einmal die Akkus vielleicht in ihrer Reichweite abnehmen, weil sie dann eben täglich auf der Straße unterwegs sind, Das wird ja auch nochmal Veränderungen auf den Algorithmus, auf das Management der ganzen Flotte dann eben wahrscheinlich einzahlen.

  21. Markus Kröger:

    Ja genau, also sowohl im negativen als auch im positiven. Also die Technologie entwickelt sich ja weiter und entsprechend kann es natürlich sein, dass Batterien wesentlich leistungsfähiger werden. Und das wird dann quasi im laufenden Betrieb permanent angepasst. Ein anderer Aspekt, der sehr, sehr spannend ist, ist diese ganze V2G beziehungsweise V2Grid-Diskussion, dass die Möglichkeit besteht in der Zukunft auch für große Flottenbetreiber, im Zweifel gerade für große Flottenbetreiber, diese Flotten einzusetzen, um quasi Energy Broker zu werden. Also wenn man dann zu Zeiten, wenn die Fahrzeuge nicht benutzt werden, die entsprechenden Batterien mit günstigem Strom befüllt und dann zu Zeiten, wenn der Strom teuer ist, entsprechend wieder abgibt und man darüber noch Geld verdienen kann, dann kann das tatsächlich sehr lukrativ sein. Und auch das ist ein Aspekt, den wir uns dann anschauen müssen. Und das sind wir noch nicht, ja. Wir müssen uns fokussieren als Startup auf die Sachen, die jetzt wichtig sind, denen wir jetzt möglichst viel Wert schaffen können. Aber das ist zum Beispiel ein Aspekt, der wird kommen und den müssen wir uns jetzt genau schon angucken. Und das ist wiederum zum Beispiel ein großer Vorteil, den wir haben bei aller Unabhängigkeit von unserem Mutterkonzern AWB eMobility. dass wir da natürlich an der Quelle sind. Also HBW Immobility definiert die wichtigsten Standards in der Industrie mit, im Zweifel federführend, und entwickelt die entsprechenden Technologien. Und wir haben natürlich da privilegierten Zugriff auf Wissen, auf Technologie, auf entsprechende Ressourcen und können das relativ zeitnah vor unseren Mitbewerbern im Zweifel auch umsetzen und entsprechend verarbeiten.

  22. Sebastian:

    Macht ja auch Sinn, dass man dann diese Synergie nutzt sozusagen, wenn man dann drauf zugreifen kann und hilft ja dann auch wieder allen am Markt, wenn das dann vorangetrieben wird. Natürlich jetzt nicht in erster Linie euren Markt begleiten, aber die sehen es ja dann spätestens bei euch, was man anders besser machen kann. Von daher sehr spannend. Ich glaube, wir haben da jetzt einen ersten guten Überblick bekommen, was ihr da so in den ersten anderthalb Jahren dann doch schon abgeliefert habt oder noch abliefern werdet. und würde einfach vorschlagen, dass wir uns vielleicht in einem halben, dreiviertel Jahr nochmal hören, weil von dem Tempo her wird da wahrscheinlich schon einiges wieder passiert sein bei euch und dann kannst du uns ja nochmal ein Update dazugeben, wie ihr denn vorangeschritten seid mit eurem Angebot, mit euren Produkten und auch wie es denn am Markt ankommt.

  23. Markus Kröger:

    Super gerne, hat mir großen Spaß gemacht.

  24. Sebastian:

    Vielen Dank für deine Zeit, bis dahin. Bis dann. So kann die Zeit wie im Flug vergehen. Also zumindest ging es mir so, als ich im Gespräch mit Markus Kröger, seines Zeichens CEO von PANION, war. Ich denke, wir haben einiges gelernt über die Elektrifizierung von Flotten, worauf es zu achten gilt. Und ja, so vermeintliche Kleinigkeiten, die man im Tag dann doch oder im Alltag hinten runterfallen lässt, hat er uns dann aufgezeigt, die aber wichtig sind, um E-Mobilität eben auch im Flottensektor voranzutreiben. Markus wird bestimmt mal wieder bei uns zu Gast sein und wird dann über kommende Schritte oder gegangene Schritte berichten im Umfeld der Elektrifizierung von Flotten. Bin gespannt, was sich da so tut und freue mich, wenn du nächste Woche wieder einschaltest bei der kommenden Folge des Elektroautonomies.net Podcast. Mach's gut, bis dahin, ciao.