Einblicke in die Kartause Ittingen: Nachhaltigkeit in vielen Facetten

Valentin Bot, Hoteldirektor der Kartause Ittingen über Nachhaltigkeit im Hotel-Alltag

Die Kartause Ittingen darf man durchaus als ein bezauberndes Kleinod der Schweiz bezeichnen. In verschiedensten Facetten hat man sich dort der Nachhaltigkeit verschrieben. Ein Highlight ist hierbei sicherlich der eigene Bio-Landwirtschaftsbetrieb. Dieser zeichnet sich durch seine sorgfältig umgesetzten nachhaltigen Anbaumethoden aus und ermöglicht es, dass die Kartause Ittingen eine Auswahl von Produkten anbieten kann, die lokal und direkt vermarktet wird. Dies fördert nicht nur den ökologischen, sondern auch den ökonomischen Aspekt der Nachhaltigkeit.

Das ehemalige Kloster und heutige Kultur- und Seminarzentrum zeichnet sich zudem durch seine soziale Nachhaltigkeit aus. Sie bietet Arbeitsplätze und Wohnmöglichkeiten für Menschen mit Behinderungen, was ein klares Zeichen für inklusiven und integrativen Praktiken setzt.

Denn wie viele andere Elektroautofahrer:innen wollen wir nicht nur nachhaltig in der Wahl des Antriebs unterwegs sein. Sondern auch nachhaltigem Reisen einen Raum auf Elektroauto-News.net geben. Mit dem 3-Sterne-Hotel in der Kartause Ittingen haben wir ein Reiseziel gefunden, welches es wert ist aufgesucht zu werden.

Gemeinsam mit Hoteldirektor Valentin Bot ermöglichen wir einen Blick hinter ide Kulissen.

Shownotes:

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Transcript

  1. Intro:

    Elektroauto News. Der Podcast rund um das Thema Elektromobilität. Mit aktuellen Entwicklungen, Diskussionen, Interviews und vielem mehr.

  2. Sebastian:

    Servus und herzlich willkommen bei einer neuen Folge des Elektroautonews.net Podcast. Ich bin Sebastian und freue mich, dass du diese Woche wieder eingeschaltet hast, wenn wir uns mit dem Thema E-Mobilität beschäftigen. Wobei, in der aktuellen Folge ist das nicht so ganz korrekt. Hier geht es eher um das Thema Nachhaltigkeit. Nachhaltigkeit beim Reisen. Natürlich idealerweise entweder mit dem Zug oder mit dem Rad zu Fuß oder, wenn es gar nicht anders geht, mit dem E-Auto. Tausendmal lieber als mit Verbrenner oder Dieselfahrzeug. Dass das funktioniert, habe ich mit meiner Lebensgefährtin unter Beweis gestellt. Wir sind in die Schweiz gefahren, war auch nur eine Fahrt von 3,5-4 Stunden. Nichtsdestotrotz, auch die sollte gemeistert werden, idealerweise mit einem nachhaltigen Ziel im Ausblick, wo man eben hinreisen kann. Für uns war das die Ketause-Eting nahe des Bodensees und da haben wir zwei, drei Tage, zwei Nächte verbracht in einem ehemaligen Kloster, was umgebaut wurde zu einem Hotel, wo ziemlich viel nachhaltig geschieht. Und darüber habe ich mich mit Hoteldirektor Valentin Bott unterhalten. Er hat uns ein Stück weit eingeführt, wie man Nachhaltigkeit dort eben denkt, lebt. Und da als Stichwort eben nur die Null-Kilometer-Philosophie aus dem eigenen Restaurant aufgegriffen, wo bei vereinzelten Gerichten alle Zutaten aus nächster Nähe, eben aus Null-Kilometer-Distanz genutzt werden, um diese auf den Tisch zu bringen. Und das heißt nicht oder geht nicht mit Verzicht einher, denn auch dort gibt es alles, was Mann oder Frau eben benötigt. Aber wir gehen jetzt direkt rein ins Gespräch mit Valentin und lernen mehr über die Katause-Eating und wie man eben dort Nachhaltigkeit lebt und auch den Gästen darbietet.

  3. Sebastian Henßler:

    Hallo Valentin, vielen Dank, dass du dir heute die Zeit nimmst, dass wir uns ein wenig unterhalten können über die Carthauser Ittingen. Bevor wir da allerdings einsteigen und du uns ein paar Sätze zur Carthauser Ittingen erzählst, worum es sich dabei handelt, stell dich doch gerne selbst vor.

  4. Valentin Bot:

    Guten Morgen Sebastian, ja. Mein Name ist Valentin Bott. Ich bin der Hoteldirektor der Carthauser Ittingen hier im Thurgau in der Nähe des Bodensees. Ich darf die Gastronomie und Hotellerie der Carthauser Ittingen leiten seit elf Jahren und Seit letztem Jahr bin ich Gründungsmitglied und auch Präsident der neuen Hotelvereinigung Responsible Hotels of Switzerland. Wir sind schon fast 40 Hotels und das ist eine gute Sache.

  5. Sebastian Henßler:

    Das ist es definitiv. Über die Responsible Hotels of Switzerland sind wir auch auf euch aufmerksam geworden. Vielleicht, bevor wir dann tiefer auf die Kathause Intingen eintauchen, magst du mal die Organisation oder euer Begehren, sage ich mal, für die Schweiz, für die nachhaltigen Hotels in der Schweiz, kurz zusammenfassen, was denn eigentlich der Anlass war für die Gründung?

  6. Valentin Bot:

    Ja, wir haben gemerkt, wir Gründungsmitglieder, dass es ein wachsendes Bedürfnis gibt, nachhaltig zu reisen. Wenn man das auf dem Internet sucht, googelt, findet man wenig oder keine Plattform, die die nachhaltigen Hotels bündelt. Das haben wir wahrgenommen, diese Lücke zu füllen. Wir haben mit sechs Hotels begonnen, uns zu positionieren, mit dem Fokus eben unsere Nachhaltigkeit, unser Engagement zu zeigen und Unser Ziel ist es, die besten Hotels in der ökologischen und sozialen Nachhaltigkeit zu bündeln, eben für die Gäste auffindbar zu machen und auch voneinander zu lernen und zu wachsen. Das ist auch ein ganz zentraler Punkt.

  7. Sebastian Henßler:

    Das ist ja auch schön, dass ihr euch da gegenseitig unterstützt. Gerade dieses gegenseitig Lernen, das Nachhaltigkeit ist ja in so vielen Aspekten, wo man da lernen kann eben. Und ich glaube, da geht ihr auch als Katharose Etingen mit gutem Beispiel voran. So konnte ich das jetzt zumindest innerhalb der letzten zwei Tage wahrnehmen. Vielleicht magst du euch dann in diesem Verbund nochmal sozusagen vorstellen. Was erwartet uns hier? Das ist ja kein klassisches Hotel in diesem Sinne, sondern ihr seid ja, ihr bietet, ich nehme jetzt gerade Kieserei an, ihr habt eine Null-Kilometer-Philosophie im Restaurant. Vielleicht magst du uns da in ein paar Sätzen einfach die Catarse-Eating ein Stück weit näher bringen.

  8. Valentin Bot:

    Ja, das mache ich gerne. Ja, du sagst es richtig, die Hotels sind sehr unterschiedlich und das ist auch richtig so. Die einen sind technisch hervorragend aufgestellt, da gibt es ein Hotel, das bezieht die ganze Energie aus einem eigenen Eisspeicher. Das können wir natürlich so nicht machen, aber es ist ein tolles Projekt. Wir haben uns so ein bisschen auf die klösterlichen Werte fokussiert, Bildung, Kultur. Selbstversorgung und Spiritualität. Das passt natürlich zu uns, weil wir ein ehemaliges Kartäuserkloster sind. Und da steckt auch sehr viel Nachhaltigkeit drin, auch wenn man es auf den ersten Moment so nicht versteht. Aber wenn wir von sozialer Nachhaltigkeit sprechen, wir haben 60 Menschen, die bei uns arbeiten, mit einem psychischen oder geistigen Handicap. Die Hälfte von 30 Personen wohnen auch bei uns, die anderen 30 kommen jeden Morgen und extern dazu. Das sind Leute, die eben ein Handicap haben, aber bei uns in den Teams mitarbeiten können. Und so tragen wir einen wichtigen Beitrag bei für das gesellschaftliche Zusammensein. Das ist so ein klösterlicher Wert. Dann, wenn ich von Selbstversorgung spreche, heute nennen das viele Nose-to-Tail oder Farm-to-Tail, bei uns heißt es immer noch Selbstversorgung. So zwei, drei Beispiele, was das für uns bedeutet. Wir haben einen Gutsbetrieb, wir haben circa 50 Milchkühe. Die Milch wird bei uns jeden Morgen verarbeitet zu allem, was wir eigentlich brauchen im Bereich der Milchprodukte, sprich Käse, Joghurt, Butter, Rahm sind wir ein fast hundertprozentiger Selbstversorger. Und wenn man Milchwirtschaft betreibt, dann hat man ab und zu eine alte Kuh oder auch mal ein männliches Kalb, darum haben wir eine eigene Metzgerei, sprich wir schlachten rund 140 Tiere pro Jahr für unsere Gastronomie. Da wird natürlich vom Tier auch alles verwendet, was man verwenden kann. Da gäbe es noch viel. Wir haben eine Regenbogenforellenzucht. Wir haben rund 30 Hektar Ackerfläche, wo wir Weizen produzieren. Wir backen jeden Morgen unser eigenes Brot. Bei uns wächst der Hopfen für das bekannte Ittinger Amberbier. Wir produzieren Wein auf 10 Hektar Rettfläche. Auch da für jeden Geschmack den richtigen Wein.

  9. Sebastian Henßler:

    Ja, sehr schöne und sehr viele Beispiele. Ich fand gerade diese Integration der Menschen mit Handicap, das ist ja auch was, was im Vorhinein, natürlich habe ich mal kurz drüber gelesen auf der Webseite, habe es aber hier vor Ort dann eben auch wahrgenommen, die sind ja auch tatsächlich integriert hier in dem System. In der Location, in dem ganzen Gebiet, also es ist greifbar für dich als Gast, wenn du hier bist, aber nicht im nachteiligen Sinne, sondern es ist einfach ein schönes Zeichen von Nachhaltigkeit eben auf sozialer Ebene dann, dass wir da haben und auch diese ganzen Selbstversorgungsthematik, die du jetzt ja angesprochen hast, das wird ja erlebbar gemacht. Das ist ja nicht so, dass ich mein Gästehaus habe, ich habe mein Restaurant und dann sage ich, okay, da ist dein Wanderweg, wo du hingehen kannst als Gast, im Gegenteil. Von der Kathause Itting ermöglicht es ja dann auch zu sagen, okay, wir haben hier beispielsweise unseren grünen Pfad und dann kannst du diese Nachhaltigkeit, diese Selbstversorgung selbst erleben. Du siehst die Bienenvölker, die ihr dann auch da stehen habt. Ihr habt ein mobiles Hühnerhaus, wie ich gelesen habe. Das habe ich leider noch nicht gefunden, ja, auf dem Grundstück. Aber auch die Forellenzucht ist uns natürlich begegnet. Und ihr macht das ja schon greifbar in der Nachhaltigkeit, in der natürlichsten Form sozusagen. Und das Ganze wird ja wahrscheinlich auch Berührt ja eure Betriebsabläufe, wie du eben gesagt hast. Aber ich sage mal, da hört es ja wahrscheinlich nicht für euch auf, sondern auch gerade zu Themen wie Abfallvermeidung, Recycling könnte ich mir vorstellen, spielt eine Rolle. Zumindest sehe ich entsprechende Behältnisse hier auf dem Grundstück auch, wo dann auch sauber getrennt wird. Vielleicht mag es auch einfach da mal ein Stück einen Einblick geben, wie es denn mit Energie, Wasserverbräuchen, Recycling, Abfallvermeidung, also all dies, was man als Gast dann auch hinter den Kulissen eigentlich erst nicht sieht, aber ja auch relevant ist dann.

  10. Valentin Bot:

    Also du sagst richtig, das Thema Nachhaltigkeit hat ganz viele Facetten. Und wenn man sich in dem historischen Setting bewegt, wo wir uns bewegen mit einer über 900-jährigen Geschichte in einem alten Kloster, ist natürlich die Energie ein zentraler Punkt. Und da haben wir sicherlich auch noch Hausaufgaben zu machen. Es ist etwas schwieriger... Putzenfenster mit einer Dreifachverglasung zu ersetzen oder eben gar nicht möglich. Oder unsere Dächer, die wir momentan sanieren. Wir sind daran, 10.000 Quadratmeter der historischen Dachfläche zu sanieren. Und wenn wir von sanieren sprechen, dann wird das natürlich auch immer gleich gedämmt. Dann kommen oben wieder die alten Ziegel drauf. Also das ist bei uns ein bisschen eine größere Herausforderung als in einem normalen Hotel. Selbstverständlich versuchen wir so gut wie möglich, Abfall zu trennen. Das beginnt bereits im Hotelzimmer. Der Gast hat einen Bag, einen Sack, den er mit den Abfällen füllen kann, die nicht in den normalen Kirch gehören. Wird dann vom Hauskippen getrennt. Es gibt auch Stationen im Korridor, wenn er trennen möchte. Das ist uns wichtig, dass der Gast hier selber Initiative ergreifen und zeigen kann. Dann natürlich auch im rückwärtigen Bereich trennen wir, wir in der Schweiz sowieso, wir trennen sehr gerne, trennen wir eigentlich alles, was man trennen kann. Energie, wir haben einen eigenen Wald, darum auch eine eigene Holzschnitzelheizung. Wir heizen hauptsächlich mit der Holzschnitzelheizung. Wir haben eine Photovoltaikanlage, die ca. 10% und das sind immerhin 110.000 Gigawattstunden Strom pro Jahr produzieren. Das reicht nicht ganz aus, wir brauchen sehr viel Strom, aber es ist doch ein Beitrag. Nachhaltigkeit ist ein stetiger Prozess, der hört nie auf und das ist auch richtig so und auf diesem Weg sind wir.

  11. Sebastian Henßler:

    Das ist schön und ich finde auch gut, dass es so ein Ort ist, dass man sagt, Nachhaltigkeit ist ein Prozess, der muss irgendwo begonnen werden, dann wird er gelebt. Der verändert sich dann natürlich auch in Form von dem Prozess, gerade auch wieder in dem Zusammenspiel mit den Responsible Hotels of Switzerland, wo ihr voneinander lernt, wo du ja auch sagen kannst, okay, ich kann, das Hotel hat das so gemacht, das kann ich übernehmen, die lernen vielleicht von der Kathause Itting, was haben die denn gemacht, dass man da eben auch Hand in Hand geht. Wie ist denn das von der Zusammenarbeit mit der Region, die Einbindung hier in die Region? Ist die gegeben? Seid ihr eher so, sagen wir, die Aussiedler, die dann so ein Stück weit da von außen sitzen oder ist da auch eine gewisse Verbindung sozusagen, ihr euch unterstützt gegenseitig.

  12. Valentin Bot:

    Also die Carta City ist etwas zwischen Geheimtipp und auch sehr gut bekannt. Wir aus verschiedenen Gründen. Wir sind ein beliebtes Ausflugsziel. Wir haben wahrscheinlich die größte historische Rosensammlung in der Schweiz. Das bringt ganz viel Publikum. Wir haben klassische Konzerte, das auch sehr viel Publikum anzieht. Das heißt, man kennt uns sehr gut. Man schaut uns auch sehr gut auf die Finger. Das finde ich auch noch spannend, auch von den Gästen, die bei uns sind. vorbeischauen, die spüren unser Engagement für die Nachhaltigkeit und die treiben uns auch voran. Also wenn wir auf dem Hotelmenü Krövetten als Tagesmenü hätten, dann hätte ich ganz bestimmt am nächsten Tag viele Reklamationen. Also auch so die Einbindung vom Publikum mit den Mitarbeitern zusammen treibt eigentlich einen immer voran, da diesen Weg auch weiter voranzugehen.

  13. Sebastian Henßler:

    Ja, das ist ja auch schön, wenn man dann darauf verpflichtet wird und beim Wort genommen wird sozusagen für das, für was man stehen will. Und gerade beim Menü hast du es ja jetzt gut angesprochen, da kommen wir vielleicht auf diese 0 oder 10 Kilometer-Philosophie zu sprechen, die man ja auch da ganz deutlich sieht. Man muss sich das jetzt als Hörerin so vorstellen, dass ich meine Menükarte fürs Restaurant von mir liegen habe. Dann gibt es ein grünes Pflänzchen oder zwei grüne Pflänzchen, wenn vegetarisch oder vegan. Und dann ist nebendran noch so eine blaue Batch, wo dann eben steht, okay, 0 Kilometer-Philosophie. Und da hatte ich jetzt am ersten Abend Ich glaube, Ittinger Burger hieß es, wo quasi komplett hier im Umkreis von 0 Kilometer alle Zutaten dafür herkamen, wo ich auch als Gast ein schönes Zeichen bekomme und sage, okay, wenn du ganz nachhaltig unterwegs sein willst, jetzt auch beim Essen, kannst du dich dafür entscheiden. Und ich denke, das ist ja auch zum einen Marketing, zum anderen natürlich auch so, damit ich den Gästen das präsentieren kann, zu sagen, okay, wir machen auch relativ viel selbst und das wird ja wahrscheinlich auch gut angenommen von euren Gästen.

  14. Valentin Bot:

    Ja, du hast jetzt mein Lieblingsmenü genommen, weil wir da sehr viel darüber erzählen können, was wir alles machen, der 0-Kilometer-Burger. Wir haben, wie gesagt, immer Fleisch, mal eine alte Kuh, das gibt die besten Patties für den Burger. Wir backen jeden Tag Brot, also auch das Brot können wir selber machen. Dann legen wir im Sommer die Gurken ein. Es gibt Sauerrahm aus der Käserei, aus dem Kürbis machen wir einen Ketchup, dann kommt eine Scheibe Speck dazu und natürlich der Käse aus der eigenen Käserei und dann hat man diesen 0 Kilometer Burger. Eine wirklich coole Sache, ist auch einer der Bestseller im Restaurant. Und wir haben mit diesem Null-Kilometer-Menü gestartet und dann kam dann die Erdbeersaison und die besten Erdbeeren wachsen nicht bei uns, sondern bei unserem Nachbarbauern. Und er ist halt ein bisschen, so zwei Kilometer von unserem Pferd, da haben wir das Fünf-Kilometer-Label lanciert und dann kam die Spargelsaison. Und die waren eben 8 Kilometer von uns entfernt und haben gesagt, okay, jetzt machen wir noch einen dritten Stempel, den 10-Kilometer-Stempel. Und jetzt versuchen wir immer, um die Köche auch in diesen Kilometern zu denken. Und hier wieder eine schöne Geschichte, unser Lieferant, der ruft mich ab und zu an, schickt mir einen Google-Auszug mit den eingezeichneten Wegen und sagt, wahnsinn, ich habe ein neues Produkt gefunden, schau, das ist nur 8 Kilometer von dir entfernt, das könnte ich dir liefern. Und so ist auch der Lieferant sensibilisiert und macht diesen Weg mit. Und das bringt uns eigentlich alle weiter voran.

  15. Sebastian Henßler:

    Und da sind wir wieder bei dem Ansatz, wo du vorhin gesagt hast, es zieht sich einfach durch diese gesamte Kette durch. Begonnen bei euch hier drin im Betrieb, dann über euer Vorlieferant bis hin zu den Gästen, die das wahrnehmen. Also da wird ja dann die Nachhaltigkeit eben auf den unterschiedlichsten Wegen dann auch gelebt und spürbar. Wenn ich hierher komme, dann ist das aber nicht das klassische Wellnesshotel, wo ich vielleicht erwarte, weil du hattest es ja auch gesagt, das ist ein ehemaliges Kloster, was jetzt zu einem Hotel gewandelt hat, eben mit all diesen Möglichkeiten zur Selbstversorgung. Aber wenn ich als Gast hier bin, kann ich ja dennoch viel erleben. Vielleicht kannst du uns da mal abholen, was eure Gäste am Angebot wahrnehmen. sei es jetzt Spaziergänge, Wanderungen oder selbst angelegte Wege hier in der Kathause Ittingen, dass wir einfach auch unseren Hörerinnen und Hörern ein Bild vermitteln können, was sie denn hier vor Ort erleben können, wenn sie möchten.

  16. Valentin Bot:

    Ja, also ich glaube, die Kathause Ittingen ist schon fast eine eigene Destination. Allein das Klosterareal mit den Ländern ringsum ist 100 Hektar groß. Wir haben zwei Museen auf der Anlage, das Ittinger Museum, das eben das Leben und Wirken der Mönche zeigt, die hier früher einmal gelebt haben. Dann haben wir noch das Kunstmuseum des Kanton Thurgau, auch im alten Kloster angesiedelt, auf drei Etagen. Da könnte man locker schon zwei Tage in den Museen verbringen. Dann sind wir eingebettet zwischen dem Fluss der Thur und den Rebbergen, also ganz eine schöne Strecke. anziehende Landschaft, die einen hier erwartet, super zugänglich zu Fuß oder auch mit unseren E-Bikes. Dann die Rosen in unseren Gärten, die ich angesprochen habe, gerade im Mai, Juni, Juli ist das wunderschön. Selbst ich als Nicht-Rosen-Fan komme jedes Jahr wieder ins Staunen, wenn ich die Gärten sehe. Dann gibt es eine Schnitzeljagd, ein spielerisches Erkunden der ganzen Anlage. Und, du hast es schon erwähnt, den grünen Pfad. Den gibt es seit zwei Jahren, weil wir einfach auch auf eine sympathische Art und Weise unseren Gästen zeigen wollten, Was machen wir schon? Und das ist ein Postenlauf, spielerisch über 15 Orte, wo wir eben über unser Engagement sprechen, das Soziale, die Stellen, die wir haben für die Leute mit einer Behinderung oder auch, was es mit sich bringt, wenn man ein Baudenkmal von nationaler Bedeutung pflegt. Das hat ja per se eigentlich auch schon mit Nachhaltigkeit zu tun. die Bienenvölker und so weiter. Auf diesem Rundgang lernt man sehr viel. Also ich glaube, man kann locker zwei, drei Tage hier bei uns verbringen im Hotel. Und das Hotel ist eben einfach ein Teil des Ganzen. Und ich glaube, unsere Gäste, die hier anreisen, oder wie mir oft so erzählt, die fühlen sich so wie in einem kleinen Dorf. Man kann zuschauen, man kann Teil davon sein. Wir sind kein Wellnesshotel. Oder eben doch, wenn man Wellness auch als geistige Erholung sieht, kann man bei uns schon auch gut abschalten und tanken.

  17. Sebastian Henßler:

    Das ist schön, die Akkus aufladen. Und das kann man auch mit dem E-Auto. Also ihr habt ja auch Ladestationen aus dem Parkplatz stehen, die genutzt werden können, um das auch noch kurz mit einzubringen für die E-Auto-Fahrer unter uns, weil wir sind ja auch elektrisch angereist. Ich fand aber auch schön, du hast vorhin... Ganz zu Beginn gesagt, der Gast kann sich auch selbst mit einbringen. Das war bei der Mülltrennung. Aber er kann auch im Rahmen von dem Projekt My Climate in dem Unterprojekt Cosmic Care auch seinen Teil dazu beitragen, nachhaltig hier unterwegs zu sein. Vielleicht nehmen wir das einfach als Abschluss mit auf, dass du uns da auch noch ein paar Worte zu verlierst, was es mit diesem Projekt auf sich hat und wie ihr das integriert habt und wie es dann auch angenommen wird, wenn du dazu was sagen kannst.

  18. Valentin Bot:

    Ja, das Cosmic Care ist ein tolles Programm, das von Hotellerie Suisse initiiert wurde. Es ist so, dass wir den Gast einladen, seinen Aufenthalt sich dafür zu engagieren, klimaneutral zu gestalten. Mit zwei Franken pro Nacht kann er sich an der Kompensation beteiligen. Wir verdoppeln diesen Beitrag auf vier Franken. Und ja, ich kann es auch gleich erklären, aus diesen vier Franken bleiben drei Franken bei uns für weitere Projekte im Haus. Einen Franken geht an My Climate für internationale Projekte. Und so beteiligt sich der Gast und das Hotel bei jeder Übernachtung eben, um hier auch im Bereich Nachhaltigkeit einfach weiterzukommen.

  19. Sebastian Henßler:

    Und das Programm wird auch angenommen von euren Gästen? Also ihr habt das jetzt vor drei, vier Jahren gestartet. Also ist da eine steigende Akzeptanz oder Annahme des Programms zu sehen auch?

  20. Valentin Bot:

    Auf jeden Fall, also wir haben klein begonnen, wir haben die Beiträge schon fast verdreifacht in den letzten drei Jahren und unsere Gäste legen eigentlich auch schon Wert darauf, respektive fragen bereits schon danach. Mir scheint es ein Bedürfnis zu sein, sich engagieren zu wollen. Man kann nicht nur die Übernachtung klimaneutral gestalten, bei uns gehen auch die Tagungen oder Hochzeiten oder Geburtstagsfeiern und das machen Leute sehr gerne.

  21. Sebastian Henßler:

    Das ist ja auch eine relativ simple Hürde. Ich sage mir jetzt zwei Franken die Nacht ist jetzt ein überschaubarer Betrag, wenn ich eh unterwegs bin und kann meinen Teil dazu beitragen, ihr verdoppelt das noch und dann wird da auch eine schöne Geschichte draus. Und vor allem, wenn ich dann im nächsten Jahr wiederkomme, kann ich vielleicht sagen, okay, hier die zwei Franken haben schon dazu beigetragen, dass hier ein nachhaltiges Projekt ein Stück weit vorangetragen wurde.

  22. Valentin Bot:

    Genau. Uns helfen diese Beiträge. Wir können so wirklich mehr Projekte realisieren, die wir ansonsten vielleicht ohne diesen finanziellen Zustupf vielleicht nicht machen würden. Das gibt uns einfach so ein bisschen Backup und der grüne Pfad ist eigentlich auch so entstanden. Wir haben das Geld genutzt, um eben wieder in die Kommunikation zu investieren.

  23. Sebastian Henßler:

    Das ist ja sehr schön. Dann vielen Dank für die Einblicke, Valentin, dass wir da einen Blick hinter die Kulissen der Kathause Ettingen bekommen haben und das Ganze ein Stück weit mehr greifen konnten.

  24. Valentin Bot:

    Sehr gerne. Danke dir, Sebastian.

  25. Sebastian:

    Spannende Einblicke, die uns Valentin da eben vor Ort in der Kathause Ettingen gegeben hat. Und ich kann es nur weiterempfehlen, zu dieser Podcast-Folge gibt es einen umfassenden Hotelbericht, wo wir das Ganze auch nochmal mit vielen Fotos aufgreifen, euch nochmal vermitteln wollen, wie das Ganze eben vonstatten geht, wie man dort Nachhaltigkeit im Alltag leben kann und das eben schon seit längerer Zeit. Dir vielen Dank fürs Zuhören. Mach's gut. Bis zur nächsten Folge. Ciao.