Gespräch mit Frequentum: "2021 wird das Jahr für Ladelösungen in WEGs"

Michael Koenig und Martin Amberger von Frequentum über Ladeinfrastruktur in WEGs

Ladelösungen insbesondere in Mehrfamilienhäuser sind gerade 2020 ein heißes Thema geworden. Ausschlaggebend hierfür war die Veränderung verschiedener Gesetze, welche den Einbau einer privaten Lademöglichkeit für Wohnungseigentümer und Mieter um einiges vereinfacht. Über dieses Thema habe ich mich in der aktuellen Podcast-Folge mit Michael König und Martin Amberger von Frequentum unterhalten. Denn diese sind in diesem Bereich mit ihrem Unternehmen beratend tätig und können einige hilfreiche Tipps mit auf den Weg geben.

In unserem gemeinsamen Gespräch lag der Fokus auf der Ladeinfrastruktur in Mehrfamilienhäuser mit all seinen Vorteilen, Nachteilen als auch Herausforderungen im Alltag sowie etwaigen Fördermöglichkeiten. Aber hör doch einfach selbst rein.

Shownotes:

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Transcript

  1. Intro:

    Elektroauto News. Der Podcast rund um das Thema Elektromobilität. Mit aktuellen Entwicklungen, Diskussionen, Interviews und vielem mehr.

  2. Sebastian:

    Servus und herzlich willkommen bei einer neuen Folge des ElektroautoNews.net Podcast. Ich bin Sebastian und freue mich, dass du diese Woche wieder eingeschaltet hast, wenn wir uns mit Themen aus der Welt der E-Mobilität beschäftigen. In der heutigen Folge steht das Thema Ladeinfrastruktur in Mehrfamilienhäusern im Fokus sozusagen. Wir haben uns beschäftigt mit all den Vorteilen, Nachteilen als auch Herausforderungen im Alltag, die eben damit zusammenhängen, wenn man eine Ladeinfrastruktur in Mehrfamilienhäusern mit einbringen möchte. Und zwar, wenn es dann eben nicht darum geht, nur ein oder zwei Ladepunkte an den Start zu bringen, sondern eben eine größere Partei an Einheiten, an Wohnungseinheiten mit Lademöglichkeiten zu versorgen. Fördermöglichkeiten standen da auch im Raum. Natürlich habe ich mir nicht alleine Gedanken zu dem Thema gemacht, sondern habe mir Experten an die Hand geholt, habe mich mit denen unterhalten. Das war zum einen Michael König als auch Martin Amberger, die gemeinsam die Frequentum gegründet haben, die sich eben darauf spezialisiert haben, als Dienstleister für Energieversorger, Wohnungswirtschaft, Bauträger und Wohnungseigentümergemeinschaften, WGs, Beratungsleistungen an den Start zu bringen. Wie man eben Ladelösungen in so einem Umfeld am besten aufbauen kann. Sie beraten rein objektiv, sind da vollkommen Hersteller und Betreiber unabhängig, also kriegen keine Provision dafür, dass sie ein spezielles Produkt empfehlen, was sie äußerst sympathisch macht. weil auch dann eben quasi Grundlage geschaffen wird für eine rein faktenbasierte Diskussion im Rahmen einer Wohnungseigentümergemeinschaft, wenn es um das Thema Ladeinfrastruktur geht. Also es schwingen dann weniger Emotionen mit bei der Diskussion darum, wie man das Ganze angeht, sondern man hat rein die Fakten, Zahlen, Daten auf dem Tisch und kann sich dann entscheiden, welche Ladelösung oder wie man das eben umsetzen möchte. Das soweit zur Einleitung und jetzt würde ich sagen, wir gehen direkt rein ins Gespräch mit Michael König und Martin Amberger von Frequentum und bin gespannt, was du dir aus dem Gespräch mitnimmst, was du lernst und ob das vielleicht selbst für dich auch ein Thema ist. Dazu dann bis zum Ende hören, da geben Herr König und Herr Amberger nochmal was mit auf den Weg, wenn man denn gezielt Fragen zu den eigenen Themen rund um die Ladelösung in Mehrfamilienhäusern an die beiden stellen kann. Mich würde es freuen, wenn du im Nachhinein noch eine positive Bewertung bei iTunes hinterlässt, weil uns das hilft, die E-Mobilität auch weiter unter das Volk sozusagen zu bringen. Schon mal im Voraus, vielen Dank fürs Zuhören. Und nun los geht's. Hallo Herr König, hallo Herr Amberger. Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für dieses Gespräch nehmen. Bevor wir uns jetzt gleich dem Thema Ladeinfrastruktur in Mehrfamilienhäusern mit all seinen Vorteilen, Nachteilen als auch Herausforderungen im Alltag widmen, sowie etwaigen Fördermöglichkeiten, würde es mich freuen, wenn Sie sich und Ihr Unternehmen Frequentum kurz vorstellen, dass wir einfach da einen Überblick darüber haben, wer Sie sind, was Sie machen.

  3. Michael König:

    Ja, grüße Sie, Herr Henssler. Machen wir natürlich gerne. Ich fange einfach mal an. Michael König ist mein Name. Ich komme so historisch aus der Verkehrs-, Mobilitäts- und Energieszene. War auch bei Stadtwerken tätig. Bin von Haus aus Raum- und Umweltplaner, also Stadtplaner. Mich hat schon immer interessiert, so mehrere Themen rund um die Stadt, rund um die Infrastruktur. Und ja, so seit Über drei Jahre habe ich mich da ein bisschen fokussiert, auch bedingt durch die Stadtwerke damals auf das Thema Ladelösungen für Mehrfamilienhäuser. Und ja, habe dann mit dem Martin Amberger begonnen, dort Produkte aufzubauen und dann haben wir ja Martin auch letztes Jahr die Frequentum gegründet.

  4. Martin Amberger:

    Ja, ein paar Worte zu mir, Martin Amberger. Ich bin von der Ausbildung her Physiker, war lange in der Halbleiterindustrie tätig, habe mich dann seit 2011 mit der Entwicklung eines Solardachziegels beschäftigt, komme eigentlich also aus dem Bereich Energie, Photovoltaik. Habe dann Mitte der 15er Jahre mit der Beratung von Stadtwerken begonnen. Und hier haben Michael König und ich uns da beruflich getroffen. Und seit dieser Zeit sind wir eigentlich gemeinsam unterwegs bei dem Thema Produktentwicklung. Als allererstes war es das Thema Photovoltaik, was wir dann auch vertrieblich weitergetrieben haben. Aber dann ging es immer mehr in das Thema Laden hinein. Das war tatsächlich eine Sache, eine Anforderung der Kunden, die mehr und mehr auf uns zukamen, wie man dieses Thema des Ladens denn lösen kann. Und nachdem wir bemerkt haben, dass es dort wirklich ein stark wachsender Markt sein wird zu dem Zeitpunkt, haben wir beschlossen, uns selbstständig zu machen, exklusiv mit diesem Thema und haben letztes Jahr die Frequentum gegründet.

  5. Sebastian:

    Ja, vielen Dank erstmal für den Überblick über Ihren Werdegang, die Herkunft sozusagen. Was verbirgt sich hinter der Frequentum? Wenn das jetzt ein Hörer von uns zum ersten Mal hört, was macht ihr, was bietet ihr jetzt explizit am Markt an?

  6. Michael König:

    Ja, die Frequentum ist seit zwei Jahren ein Dienstleister, speziell für Energieversorger, die Wohnungswirtschaft, Bauträger, Aber ich denke jetzt 2021 wird es auch ganz klar das Jahr der WEGs, der Privatleute, die in Mehrfamilienhäusern leben. Gibt es ja Neuerungen, wo wir später noch darauf eingehen, rechtlicher Art und Förderung und so weiter. Und wir als Frequentum sind hier insbesondere neutral tätig. Also neutral heißt auch herstellerneutral. Wir kriegen da keine Provisionen von irgendwelchen Herstellern von Ladeinfrastruktur oder Software. sondern machen für unsere Business-Kunden eher die Strategie und die Produktentwicklung, auch Vertriebsunterstützung. Aber für die Endkunden, also die Menschen, die in einem Mehrfamilienhaus leben und dort tatsächlich ihr E-Auto jetzt auch aufladen möchten, dort schauen wir uns diese Objekte an, planen dann die Ladeinfrastruktur, auch mehrere Varianten, wenn gewünscht. Und geben dann Empfehlungen, holen Angebote ein und kann auch so weit gehen, also mit Baubegleitung bis zur Inbetriebnahme.

  7. Sebastian:

    Okay, also ihr seid da schon relativ breit sozusagen aufgestellt, einmal von dem Kundenkreis, den ihr bedient, als auch von der Leistung, die ihr eben anbietet. So wie Sie jetzt ja schon gesagt haben, Herr König, ist es ja so, dass der Fokus Ende 2020, Anfang 2021 oder wahrscheinlich das gesamte Jahr 2021 dann eher auf die WGs, die Wohnungseigentümergemeinschaften rückt. Das ist jetzt auch der Fokus von unserem Gespräch heute, also mehr Familienhäuser, wo mehrere Parteien drin wohnen, drin leben, vielleicht auch als Investitionsobjekte sozusagen erworben haben und wo sich ja jetzt doch einiges auch geändert hat, dass die Installation von Ladeinfrastruktur einfacher wird oder zumindest möglich wird, vielleicht nicht ganz so einfach, sonst würde es euch nicht geben, aber vielleicht könnt ihr noch mal ein paar Worte dazu verlieren, was jetzt den Wandel aus eurer Sicht oder den Fokuswandel sozusagen in 2021 auf die WEGs aus eurer Sicht beschleunigt hat oder jetzt getrieben hat.

  8. Martin Amberger:

    Ja, es ist ganz klar zum allerersten natürlich, dass die Zulassungszahlen mittlerweile ja durch die Decke gehen. Wir haben ja heute Ende 20 über 500.000 E-Fahrzeuge, also auch Plug-in-Hybride, auf Deutschlandstraßen. Nächstes Jahr wird es wohl noch mal so eine Verdoppelung kommen. Also das Thema geht wirklich los. Es sind jetzt die Autos da, die zwingend sind, damit man überhaupt Ladekosten als Thema hat. Das ist das eine, die Zahlen. Das andere ist aber, dass tatsächlich die Gesetzeslage sich jetzt deutlich geändert hat, dramatisch fast kann man sagen. Das WMOG, das Wohneigentumsmodernisierungsgesetz, ist ja zum 1.12. live gegangen und das macht es für den Einzelnen, gerade in WGs, eben deutlich einfacher, überhaupt zu einer Ladelösung zu kommen. Weiterhin gibt es ja flankierend die Bundesförderung oder überhaupt generell Fördermöglichkeiten für die Elektromobilität und die ist doch auch recht großzügig. Das ist eine Gemengelage, die das Thema Mobilität doch deutlich anschiebt.

  9. Michael König:

    Ja, ich glaube, dieses Jahr 2021 wird die Merkel-Million, die eine Million Autos mit einer Steckdose erreicht werden. Oder relativ sicher kann man ja auch ganz gut hochrechnen. Und das macht das Thema doch deutlich sichtbarer, nicht nur auf den Straßen, sondern eben auch auf den Parkplätzen. Und diese Menschen wollen das Auto dann natürlich auch abends anstecken und soll morgens vollgeladen sein, nachgeladen sein.

  10. Sebastian:

    Also ist definitiv der Ansatz oder sollte auch sein. Ich meine, es gibt genügend Studien dafür, die eben auch sagen, dass das Laden meistens dann eben zu Hause oder auf der Arbeit stattfindet. Zu Hause war bisher halt gerade bei Mehrfamilienhäusern immer das Thema, wo es dann doch eher schwierig war. weil da doch viele Parteien, viele Meinungen, Emotionen aufeinandertreffen. Jetzt ist es eben so, Sie haben es angesprochen, Herr Amberger, es gibt das WMOG seit 1.12., das heißt, ich kann sowohl als Eigentümer einer Immobilie jetzt gegenüber der WG mein Recht einfordern, da Ladeinfrastruktur aufzubauen, Wenn ich als Investor sozusagen mir eine Immobilie gekauft habe oder eine Wohneinheit davon könnte, aber auch meine Mieter jetzt auf mich zukommen können, sagen, hör zu, ich würde gerne eine Ladelösung sozusagen haben für mein E-Auto, für mein Plug-in-Hybrid. Hört sich in der Theorie erstmal so ganz simpel an sozusagen, in der Praxis allerdings nicht. Da haben Sie wahrscheinlich wesentlich tiefere Einblicke. Vielleicht können Sie einfach mal aufzeigen, mit was für Herausforderungen Frequentum da eben so im Alltag zu tun hat, wenn man denn Wohnungseigentümergemeinschaften berät.

  11. Martin Amberger:

    Also in der Tat ist es da so, dass es im ersten Blick, auf den ersten Blick relativ einfach erscheint jetzt. Aber wenn man ins Detail geht, stellt man fest, es ist doch immer noch mit erheblichen Fragestellungen verbunden, das Ganze. Da hilft es, wenn man das Ganze ein bisschen segmentiert, zwar in Größen unterscheidet. Das ist etwas anderes, wenn eine kleine Wohneigentumsgemeinschaft das machen möchte, als wenn es eine sehr große machen möchte. Von einer kleinen Wohneigentumsgemeinschaft, wenn man bis zehn Eigentümern spricht, das wäre aus unserer Sicht eine eher kleine Wohneigentumsgemeinschaft. Dort lässt sich so etwas doch noch relativ gut durch einen Kauf einer Ladelösung stemmen. Die Investitionen sind dort einigermaßen überschaubar. Die Einigung kommt in kleinen Gruppen häufiger zustande. Also das ist etwas anders gelagert als wie bei großen Wohneigentumsgemeinschaften. Wenn man hier von 100 Kandidaten spricht, um diese 100 zu einer gemeinschaftlichen Lösung zu bringen, das ist doch ein erheblicher Aufwand. Auch sind die Kosten dort deutlich höher. Wir reden hier von mittleren fünfstelligen Beträgen, die hier investiert werden müssen, um überhaupt eine eine Lösung aufzubauen. Hier müssen andere ökonomische Lösungen her, zum Beispiel Mietlösungen. Also das ist ein Thema, das man abwägen muss. Dann gibt es eine andere Gruppe, die Gruppe der Vermieter, die wiederum ein anders gelagertes Interesse haben. Die Vermieter wollen generell oder können eigentlich generell keinen Mehrwert generieren, wenn sie eine Ladestation dem Stellplatznutzer anbieten. Hier müssen dritte Betreiber typischerweise mit ins Spiel kommen. Und wiederum eine andere Gruppe sind die Bauträger, die tatsächlich einen echten Mehrwert generieren können, indem sie das Gebäude e-mobil ready machen und vielleicht sogar noch eins draufsetzen, dass sie den Stellplatz e-mobil ready machen. Hier haben die Bauträger dann, wie gesagt, einen Mehrwert, weil sie das besser verkaufen können. Der Endkunde hat den Mehrwert, dass er sofort mit seinem Fahrzeug laden kann.

  12. Sebastian:

    Das hört sich auch vollkommen nachvollziehbar an, wenn man das gleich, sage ich mal, von Beginn an mit einplant, mit an den Start bringt. Da gibt es ja dann auch keine Diskussion, weil da muss nicht darüber diskutiert werden, machen wir das jetzt oder nicht. Es ist einfach schon vorhanden. Ich denke, schwieriger ist es dann tatsächlich, in bestehenden größeren oder mittleren WEGs zu einer Einigung zu kommen, weil Da wird ja dann auch meist nicht sachlich diskutiert oder wahrscheinlich nur bis zu einem gewissen Punkt. Dann werden da auf einmal Stichworte wie totaler Blackout im Wohnblock reingeworfen, Stromnetzüberlastung, was man denn alles schon so gehört hat. Also man kommt eher... Von der sachlichen Diskussionsgrundlage weg hin zu emotional geführter Diskussion, was dann natürlich auch weniger oder in den seltensten Fällen zu einem positiven oder generell eigentlich einem Ergebnis führt. Wie kann man da dennoch zu einer Lösung kommen? Da seid ihr ja auch sozusagen dann als Vermittler tätig mit eurer Dienstleistung und bringt euch da ja auch mit ein, wenn ich das richtig verstanden habe.

  13. Michael König:

    Ja, richtig. Also wir sind hier sozusagen dann die Schlichter, muss man fast schon sagen, bei manchen WEGs. Da ich lebe auch in einer WEG mit 13 Parteien, da gibt es immer auch schon unterschiedliche Meinungen. Aber wenn es dann noch mehr Parteien werden, da gibt es immer so kleine Scharmützel. Und genau wie Sie sagten, von den Vollverweigerern bis zu den Enthusiasten ist da alles anzutreffen. Wir versuchen dann einfach über auch mal Fakten fast schon wie ein Gutachten, Sachlichkeit reinzubringen in das Thema und machen eben, wie erwähnt, eine neutrale Begutachtung des Gebäudes. Gehen rein, schauen uns alles an, vom Hausanschluss über den Zählerraum, Flure, Brandschutz, Wände, Stellplätze, also Tiefgarage oder halt die Parkflächen. Und auf der Basis skizzieren wir dann mögliche Lösungen, Und ermitteln auch Kosten. Kann man auch noch eine Messung machen, also den Lastgang des Hauses mal zwei, drei Wochen messen, wenn da eine Unsicherheit besteht. Und auf der Basis kann man dann wieder sachlich diskutieren. Wir sind dann ja auch oft, werden dann vor die WEG-Versammlung hinzugezogen und stellen dann was vor, also das Ergebnis dieses Gutachtens, wo auch dann eben Eurozahlen genannt werden, wie das Ganze gehen könnte. Und natürlich sind es Lösungen, bei denen es kein Blackout gibt. Das ist ja das Ziel. Die Wohnungen bekommen weiterhin ihren Strom und die E-Autos werden eben parallel dazu oder ergänzend dazu dann geladen, zum Beispiel speziell nachts, wenn eben wenig Leistung am Hausanschluss anliegt. Die Endkunden brauchen dann manchmal auch zwei, drei Angebote, so ein bisschen auch aus, ja, Preisgründen oder Preisvergleichsgründen, auch das würden wir tun und der WEG zwei, drei Angebote einholen, auf den Tisch legen und dann können die auch wunderbar in der nächsten Versammlung entscheiden, wie sie das Thema angehen.

  14. Sebastian:

    Das heißt, ihr nehmt da sozusagen die Emotionen erstmal raus, bringt die Sachlichkeit rein und sorgt dann eben dafür, dass da auch zumindest mal rein theoretisch erstmal die Grundlage vorhanden ist, um das ja auch auf einer Faktenebene zu diskutieren. Was wäre denn jetzt, wenn man sagt, okay, wir sind jetzt eine mittlere bis große WG und wir lassen da jedem freie Hand. Jeder kann da erstmal machen, was er möchte sozusagen, also rein theoretisch. Mit welchen Problemen oder Herausforderungen hätte man denn da zu kämpfen?

  15. Martin Amberger:

    Ja, rein rechtlich wäre das in der Tat denkbar, dass sich jeder individuell seine eigene Ladestation genehmigen lässt von der Gemeinschaft. Aber das führt ganz schnell zu elektrischem Wildwuchs, wie wir das nennen. Es gibt dann einige Installationen, die die Leistung, die eigentlich für das Haus reserviert ist, mit abgreifen. Und nachdem die Ladeleistungen ja 3,7 kW Minimum sind und Standard AC Wallboxen bieten ja bis zu 22 kW ab, Da ist sehr schnell Schluss, was die Leistungsfähigkeit des Hausanschlusses angeht. Und da können tatsächlich nur einige wenige überhaupt davon profitieren. Und dann würde es tatsächlich zu der Problematik kommen, dass das gesamte Gebäude dunkel wird, wenn die Sicherung fällt, weil zu viele Wallboxen laden. Hier kann man tatsächlich, so kann man eigentlich auf Dauer nicht vorgehen. Das reicht eigentlich tatsächlich nur für die ersten paar Kandidaten. Außerdem wäre es so, dass tatsächlich die Netzbetreiber das auch so in dem Ausmaß gar nicht genehmigen würden. Sie würden der WEG vorschreiben, hier zusätzliche Leistung einzukaufen. Das klingt erstmal einfach, einfach etwas Leistung einkaufen. Das hätte aber den Effekt, dass man tatsächlich... zusätzliche Leitungen installieren müsste von den Trafos und das wäre extrem teuer und langwierig. Also das geht in der Tat nicht. Das große Stichwort hier oder zentrale Stichwort hier ist, um dieses Thema zu umgehen, dynamisches Lastmanagement. Das ist die Art und Weise, wie man auch in Mehrfamilienhäusern tatsächlich vernünftig die Leistung auf die Elektrofahrzeuge verteilen kann und trotzdem das Gebäude eben nicht stromlos wird.

  16. Michael König:

    Also bei WGs haben das eigentlich die Hausverwalter verstanden, dass es kein Weg ist, wenn jeder einzeln irgendwas reinbaut. Und noch eindeutiger ist es eigentlich sogar in Mietshäusern, weil ein Vermieter wird da immer auf eine Gesamtlösung abzielen, um sein Haus dort auch sauber oder elektrisch gut auszustatten und keinen Wildwuchs dort zu generieren. Also das ist immer der richtige Weg, eine zentrale Lösung denken. Man kann dann vielleicht mal übergangsweise eine einzelne Wallbox irgendwo machen, ja, aber es muss dann spätestens, wenn der zweite, dritte kommt, in die Gesamtlösung das Ganze integriert werden.

  17. Martin Amberger:

    Wir nennen das auch Köpfchen statt Kupfer. Also Intelligenz statt Kupfer. Das kostet tatsächlich einfach nur Geld und bringt am Ende des Tages nichts. Bringt noch nicht mal dem Netzbetreiber was. Der verdient zwar Geld damit, aber eigentlich will er das auch nicht. Nicht in dem Ausmaß.

  18. Sebastian:

    Ja klar, ich meine, so wie Sie eingangs erwähnt hatten, bei der Frage jetzt elektrischer Wildwuchs, das lässt ja schon gut drauf blicken, dass man das eigentlich nicht will. Das will man im eigenen Garten schon nicht, in der Garage dann überhaupt nicht oder in der Tiefgarage, wo mehrere E-Fahrzeuge dann stehen. Das muss ja schon mit Sinn und Verstand sein. Zudem ist es ja so, dass dann auch hintendran ein paar Prozesse zu regeln sind, wenn da mehrere Parteien laden, Backend-Abrechnung als Beispiel, Umlagen, Beschlüsse, Verträge und so weiter, wo ihr unterstützt, wie Sie ja schon gesagt haben. Auch hatte man kurz, oder Sie hatten es ja mit angesprochen, wir haben 11 kW Lader, wir haben 22 kW Lader. Also das heißt, man müsste ja rein theoretisch auch nicht einen Schnelllader jetzt erstmal da mit reinbringen wahrscheinlich, sondern gerade in dem, ja, wenn man zu Hause lädt, wo das Auto dann doch einen größeren Teil vom Tag oder vor allem von der Nacht steht, dürften ja in der Regel auch die 11 kW Lader ausreichend sein. Wie ist denn da Ihre Meinung, Einschätzung dazu? Kann man das denn so stehen lassen?

  19. Michael König:

    Ja, wir reden in solchen Wohnobjekten klassischerweise vom Schnarchladen. Schnarch heißt erstens langsam, ist auch akkuschonender, wenn man das Auto, was 10, 12 Stunden ja teilweise steht, langsam nachlädt. Und gleichzeitig auch Schnarch heißt über Nacht laden. Die allergrößte Zahl der Autos steht ja Nacht. Zu Hause rum, tags auch, tags manchmal auch. Aber gerade nachts hat man eigentlich genug Zeit. Dort ist auch wenig los am Hausanschluss, wo man das Auto nachladen kann. Rein statistisch nach Mobilität in Deutschland sind diese 40 Kilometer pro Tag, die verfahren werden, so circa 8, 9 Kilowattstunden. Je nach Fahrweise natürlich. Die gilt es nachzuladen. Also selbst wenn es 10 Kilowattstunden sind, die 10 Stunden, das ist eine sehr, im Durchschnitt natürlich über alle, eine sehr geringe Ladeleistung, die dort notwendig ist.

  20. Sebastian:

    Okay, also bestätigt das ja dann tatsächlich auch die Aussage oder die Vermutung, die wir haben, dass eben dieses Schnarchladen vollkommen ausreichend ist, gerade wenn es dann eben noch über ein vernünftiges Lastmanagement sozusagen abgebildet ist, dann mit ein bisschen Timing, dass man sagt, okay, man kann vielleicht noch einstellen, der eine muss morgens um sechs los, der andere kann es bis mittags um neun stehen lassen oder vormittags bis neun stehen lassen, kann man das Ganze ja auch nochmal timen. Ganz gut, eine Ergänzung.

  21. Michael König:

    Die Frage Schnellladen oder Schnarchladen, Stellt sich nur sehr kurz, also es geht dann ganz schnell aufs Schnarchladen. Die Varianten, die geprüft werden oder die diskutiert werden, das ist eher die Frage, wie macht man die Abrechnung? Ist das eher was Händisches oder mit Backend, mit einer Software und investiert die ganze WG oder nur eine Teilmenge, so eine Interessensgemeinschaft, Elektromobilität? Und wenn ja, wie regeln die das? Machen die dort Beschlüsse? Schreiben die alles in Beschlüsse rein, wie das Ganze gemacht wird? Oder werden auch Verträge geschlossen? Solche Sachen, das ist die eigentliche Diskussion. Das DC-Laden ist eigentlich technisch, finanziell keine Option für solche Wohnhäuser.

  22. Sebastian:

    Okay, vielen Dank für die Erklärung.

  23. Martin Amberger:

    Gerade finanziell muss man da wirklich das dick unterstreichen. Eine Dezillatung, da redet man pro Ladepunkt von fünfstelligen Beträgen, das ist weit außerhalb dessen, was man als Individuum finanzieren möchte und kann. Also das kommt tatsächlich eigentlich nicht wirklich zur Debatte.

  24. Sebastian:

    Ja, also ich denke, das ist schon mal ein ganz wichtiger Punkt, den Sie sagen, weil schlussendlich, wenn es dem Geldbeutel wehtut, ist ja auch die Entscheidungsrichtung dann sozusagen, eher vorgegeben und wenn wir da über fünfstellige Beträge oder ab fünfstelligen Beträgen für DC-Laden sprechen, brauchen wir nicht drüber reden, dass das dann nicht so sinnvoll ist. Da kann ich ja dann immer noch schauen, ob entsprechend eine Lademöglichkeit bei mir in der Nähe ist, die ich eben nutzen kann dafür. Und das sind ja aber auch all so Themen, die ihr dann quasi in dem Gespräch mit der WG oder mit dem Hausverwalter oder mit der Hausverwaltung auf den Tisch bringt zum Nachdenken, weil das ja doch in Anführungsstrichen eher Spezialwissen ist, was jetzt jemand, der nur in Anführungsstrichen Immobilien verwaltet, nicht unbedingt auf dem Schirm hat. Jetzt ist aber noch die Frage für mich. Ihr habt vorhin gesagt, ihr seid herstellerunabhängig, also sprecht da keine gezielten Empfehlungen aus, weil ihr da jetzt irgendwie eine Provision bekommt. Wie seid ihr denn generell aufgestellt? Verdient ihr in irgendeiner Art und Weise Profession von irgendeinem Meinungsbilder, von einem Hersteller, von einem Stromanbieter oder so oder seid ihr da äußerst objektiv und bezieht einfach nur euer, ich sag mal, euer Umsatz, eure Einnahmen durch die Beratung an sich, die eben auch vorher so entsprechend eingepreist wurde?

  25. Martin Amberger:

    Also es ist in der Tat so, es ist die Beratung, auf die wir abzielen. Damit verdienen wir unser Geld. Da gibt es aber zwei Schienen. Eine Schiene ist die Beratung direkt für WGs. Hier sind wir komplett... herstellerunabhängig, aber auch betreiberunabhängig. Das ist nämlich eine andere Situation. In den Wallbox-Herstellern, Materialherstellern gibt es eben auch Betreiber. Und auch hier sind wir dann komplett unabhängig. Die zweite Schiene ist aber die, dass wir im Namen von Energieversorgern auftreten. Und hier sind wir tatsächlich nicht mehr betreiberunabhängig, sondern hier unterstützen wir den jeweiligen Ladeinfrastrukturanbieter bei seiner Ladelösung in der jeweiligen Region. Also da haben wir tatsächlich zwei Hüte auf, kann man fast sagen. Aber innerhalb dieses sind wir wiederum neutral. Also gerade was das Thema Wallbox angeht, da sind wir komplett neutral. Das Einzige, was wir tatsächlich in keinem Fall empfehlen, ist das Setzen von Steckdosen, was nämlich typischerweise in einer Anfangsphase häufig zur Diskussion steht oder immer wieder aufgebracht wird. Ja, es könnte doch auch einfach mit einer Steckdose funktionieren. Das ist von unserer Seite ein Thema, dass wir immer versuchen, die Kunden dahin, in Anführungsstrichen, ein bisschen zu erziehen, dass das tatsächlich keine wirklich vernünftige Lösung ist, die im Einzelfall zwar eine Weile funktioniert, aber die Sicherheitstechnik ist einfach bei Steckdosen nicht so, dass man das auf Dauer nutzen kann und sollte.

  26. Michael König:

    Also die Hausverwaltung ist in der Regel sehr froh, wenn jemand wie wir eben dazukommen und das Thema übernehmen. weil die sich eh schon um viel kümmern muss und gerade so ein Spezialthema eigentlich nicht bedienen kann oder erklären kann. In kleineren Objekten gibt es dann so eine Variante, dass vielleicht die Hausverwaltung oder die Immobilisten selber die Zähler ablesen an den Wallboxen und den Immobility-Strom aufteilen. In der Regel ist das aber nicht gewünscht von den Hausverwaltern. Also die wollen diese Tätigkeit meistens nicht übernehmen. dann könnten das wir übernehmen oder wenn ein lokales Stadtwerk, wie der Herr Amberger sagte, die Betreiberrolle übernimmt, würde natürlich auch dieses Stadtwerk den Strom liefern und dann zum Beispiel mit einem Backend mit allen E-Mobilisten abrechnen.

  27. Sebastian:

    Okay, das hört sich erst mal gut an. Auch da diese klare Herausstellung der zwei Hüte, die ihr aufhabt oder aufhaben könnt, wo man ja aber auch dann, ich sage mal, allein schon durch die Auftragstellung oder von dem Auftraggeber her weiß, welchen Hut ihr dann eben tragt, dass es da auch zu keinen Überraschungen kommt. Und ich denke, gerade für eine WG ist es ja dann auch positiv zu deuten oder zu sehen, dass ihr jetzt nicht im Sinne von einem Hausverwalter, der vielleicht eben Mobilitätsfan ist, getrieben seid, sondern ihr gebt eine objektive Meinung dazu ab. Und dann darf die WG an sich ihr Urteil bilden sozusagen. Was ja auch interessant ist, wo ihr Unterstützung noch bietet, ist das Thema Förderung für Ladestationen, für solche Themen. Da beratet ihr auch dafür, wer es richtig weiß und bietet ja auch eigene Webinare an. Vielleicht könnt ihr dazu ein paar Worte verlieren und wie man an sowas eben auch teilnehmen kann, wann denn jetzt das nächste Webinar denn vielleicht auch stattfinden wird bei euch.

  28. Michael König:

    Ja, gerne. Man denkt zwar am Anfang zu Hause ein E-Auto laden, das ist einfach einfach, Stecker rein und wird es geladen. Da reden wir über den viel zitierten Scheinriesen und je näher man rankommt, desto größer wird das Thema. Und um all die jetzt heute auch ein bisschen durchgegangenen Themen zu klären, technische Themen, rechtliche Themen, finanzielle, organisatorische, da können wir, glaube ich, sehr gut unterstützen. Wir machen auch immer wieder Seminare und zurzeit vor allem Webinare für spezielle Gruppen, Hausverwalter, Energieversorger, Vermieter, aber auch für Endkunden, also für Menschen in einem Mehrfamilienhaus oder auch in anderen Häusern, die ihr Auto laden möchten. Und das nächste wäre am 20. Januar, 17 Uhr. Da kann man auf unseren Seiten singlinkedin oder auf der frequentum.com einfach draufgehen und sich den Link abholen. auch, glaube ich, im Podcast im Anschluss und sich einklinken. Das ist kostenfrei und dann seine Fragen stellen zu den heute besprochenen Themen.

  29. Sebastian:

    Genau, so würden wir das machen. Ich bringe den mit dem Podcast unter, auch mit in den Shownotes sozusagen der aktuellen Folge, damit sich da Interessierte einfach nochmal vielleicht nochmal aus erster Hand informieren können, ihre Fragen direkt stellen können, die dann eben doch vielleicht ein wenig spezieller sind. Und verweist auch gerne auf euch beziehungsweise den Link auf eure Webseite, damit da dann eben ja hoffentlich viele Wohnungseigentümergemeinschaften künftig mit entsprechender Ladelösung ausgestattet werden können, nachdem sie dann von euch beraten wurden. In dem Sinne erstmal vielen Dank von meiner Seite an Sie, Herr Amberger, Herr König, dass Sie die Zeit genommen haben für das doch sehr interessante Gespräch und würde mich freuen, wenn wir 2021 das Ganze vielleicht nochmal ein wenig vertiefen können, wenn Sie dann eben auch vielleicht feststellen können, ob tatsächlich der Fokuswandel hin zu Wohnungseigentümergemeinschaften sich so als starkes Wachstum herausgestellt hat.

  30. Michael König:

    Ja, gerne. Das können wir im Laufe des Jahres nochmal machen und weiter berichten.

  31. Sebastian:

    Gut, dann vielen Dank von meiner Seite. Bis dahin.

  32. Martin Amberger:

    Vielen Dank.