E-Mobilität: Veränderung findet im Kopf statt

Ein Gespräch mit Ralph Schmidt-Mixner, Unternehmensberater bei C•D•E Beratung

In der aktuellen Podcast-Folge habe ich mit Ralph Schmidt-Mixner, einem erfahrenen Unternehmensberater bei C•D•E Beratung, über die vielen Facetten der Elektromobilität gesprochen. Ralph ist seit über 40 Jahren im Automotive- und Leasingbereich tätig und kennt die Branche in- und auswendig. Im Gespräch ging es um die aktuellen Herausforderungen und Chancen im Bereich der Elektromobilität, und es wurde schnell klar, dass Ralph nicht nur fachlich, sondern auch persönlich sehr engagiert ist.

Ein zentrales Thema war die Frage, ob Elektromobilität tatsächlich die "eierlegende Wollmilchsau" ist, die alle Mobilitätsprobleme löst. Ralph brachte hier eine differenzierte Sichtweise ein. Er betonte, dass Elektromobilität aus energetischer Sicht die effizienteste Form der Energieumwandlung ist und somit in vielen Fällen die erste Wahl darstellen sollte. Gleichzeitig verwies er auf die großen Herausforderungen, die auf dem Weg zur flächendeckenden Nutzung von E-Autos noch bestehen. Dazu gehören vor allem die mangelnde Transparenz und Beratung durch die Hersteller und Autohäuser, die oft unzureichend auf die Bedürfnisse der Kund:innen eingehen.

Positiv hervorzuheben sind jedoch auch die Entwicklungen im Bereich der Ladeinfrastruktur. Ralph, der selbst einen Hyundai Ioniq 6 fährt, hat berichtet, dass seine jährliche Fahrleistung von 40.000 bis 60.000 km trotz fehlender privater Lademöglichkeiten problemlos zu bewältigen ist. Hier zeigt sich, dass die Ladeinfrastruktur, gerade durch zentrale Schnellladestationen und attraktive Tarife, immer besser wird. Besonders für Unternehmen sieht Ralph großes Potenzial, ihre Flotten auf Elektromobilität umzustellen - damit Geld zu sparen. Fördermöglichkeiten für Schnellladestationen gibt es bereits, und diese sind nicht nur für Großunternehmen, sondern auch für Mittelständler eine interessante Option.

E-Mobilität als ein Baustein in einem ganzheitlichen Mobilitätskonzept

Ralph betonte auch, dass es im Bereich der Elektromobilität nicht nur um die Fahrzeuge selbst geht, sondern um ein ganzheitliches Mobilitätskonzept. Dazu gehört die Entwicklung und Förderung von Ladeinfrastruktur, aber auch die Integration von Photovoltaikanlagen und Batteriespeichern, um den Eigenverbrauch zu maximieren - auch im Unternehmensumfeld. In seiner beratenden Funktion hilft er Unternehmen dabei, ihre Mobilitätsbedürfnisse umfassend zu analysieren und entsprechende Konzepte zu entwickeln. So soll die Betriebskostenstruktur verbessert und die CO₂-Bilanz optimiert werden. Dabei geht es nicht nur um die kurzfristigen Anschaffungskosten, sondern um eine langfristige Gesamtkostenbetrachtung (Total Cost of Ownership), die oft deutlich günstiger ist. Nicht nur im Unternehmensumfeld, wie er im Gespräch betont.

Für die Zukunft sieht Ralph einen klaren Bedarf an mehr Begeisterung und Leidenschaft für die Elektromobilität, sowohl bei den Herstellern als auch bei den Endkunden. Elektromobilität sollte nicht nur als notwendige Veränderung betrachtet werden, sondern als eine spannende und positive Entwicklung, die Freude bringt und neue Möglichkeiten eröffnet. Um das zu erreichen, plädiert er für eine bessere Kommunikation und innovative Modelle, die mehr Kunden für die Elektromobilität begeistern können. Ein Beispiel dafür sind spezielle Tarife oder Zusatzleistungen, die das Laden attraktiver und kostengünstiger machen. Am Ende ist er aber vor allem davon überzeugt, dass man über E-Mobilität nicht nur sprechen, sondern diese erleben sollte. Also los einsteigen. Oder zumindest mal zuhören, in der neuen EAN-Podcast-Folge.

Shownotes:

Edit speaker mapping

Change displayed names for speaker IDs in this transcript.

Transcript

  1. Intro:

    Elektroauto News. Der Podcast rund um das Thema Elektromobilität. Mit aktuellen Entwicklungen, Diskussionen, Interviews und vielem mehr.

  2. Ralph Schmidt-Mixner:

    Servus und herzlich willkommen bei einem neuen Folge-Selektoren-News-Podcast. Ich bin Sebastian und freue mich, dass du heute mit am Start bist. Wir haben Ralph Schmidt-Mixner zu Gast, mit dem ich mich in der aktuellen Folge über das Thema E-Mobilität unterhalten habe. Wer hätte es gedacht, mal wieder. Im genaueren haben wir uns über die Thematik Antriebs- oder Mobilitätswandel, was brauchen wir wirklich unterhalten. aber auch das Thema Ladeinfrastruktur, die dafür zugrunde liegende Förderung und wie Flotten, Logistiker, vor allem aber auch Unternehmen einen Unterschied machen können, wenn sie denn eben ihren Fuhrpark auf E-Mobilität umstellen und das Laden vielleicht sogar noch öffentlich machen. Wir gehen direkt rein ins Gespräch mit Ralf. Viel Spaß damit. Servus Ralf, vielen Dank, dass du dir heute Zeit nimmst, dass wir uns ein wenig über E-Mobilität unterhalten. Im Schwerpunkt später dann auch zum Thema Ladeinfrastruktur. Bevor wir allerdings auf die verschiedenen Themenblöcke eingehen, stell dich doch unseren ZuhörerInnen gerne mal selbst vor und was du eigentlich mit der E-Mobilität am Hut hast.

  3. Sebastian:

    Leasing-Fuhrparkmanagement-Thema unterwegs seit 2006 mit eigenen Firmen, 2017 jetzt die Salve Solutions, die sich vornehmlich um Finanzierungsthematiken kümmert für mittelständische Unternehmen. Und in dem Kontext hatten wir uns ja auch kurz ausgetauscht über das Thema Ladeinfrastruktur und was es da zum Beispiel jetzt gerade aktuell gibt. Was mich antreibt, um hier den Podcast mit dir zu besprechen, ist halt eben das Thema, dass wir uns immer wieder in LinkedIn-Artikel hin und her schreiben und auch Kommentare abgeben. Und wir hier einen gemeinsamen Fundus haben, den wir einfach mal im Austausch ein bisschen vermitteln.

  4. Ralph Schmidt-Mixner:

    Das stimmt, das hast du gut auf den Punkt gebracht. Und ein Thema, du hast ja jetzt eben schon gesagt, du bist leidenschaftlicher Unternehmer, aber du bist auch, wie du mir im Vorgespräch gesagt hast, leidenschaftlicher Automobilist, unabhängig vom Antrieb. Das heißt, nicht nur in der Automobilwelt beruflich tätig, sondern eben auch natürlich entsprechend mit den Fortbewegungsmitteln.

  5. Sebastian:

    Ja klar. Also ich habe sowohl einen Verbrenner, wie man so schön sagt, ich habe sogar zwei. Ich habe einen 32 Jahre alten Jaguar Daimler und einen BMW Cabrio. Das ist halt eben meine andere Leidenschaft. Ich fahre gerne offen. Und ich fahre einen Hyundai Ioniq 6, den ich jetzt für ein Jahr hier im Test Drive habe, um zu gucken, wie ich mit meiner persönlichen Situation, nämlich ich kann nicht zu Hause laden, ich habe keine Wallbox am Büro, Ich muss also unterwegs lagen, wie ich damit zurechtkomme und meine jährliche Fahrleistung von 60.000 bis 60.000 Kilometer absolvieren kann ohne Probleme. Bis jetzt gelingt das sehr gut und ich bin total begeistert.

  6. Ralph Schmidt-Mixner:

    Das hört sich gut an. Da vielleicht mal ganz kurz eingehakt. Wo lädst du dann? Lädst du dann an Schnellladern, die da sind? Oder gehst du in deiner Stadt? Habt ihr da Ladeinfrastruktur, wo du anstöpseln kannst?

  7. Sebastian:

    Also wir haben bei mir in der Straße zwei Ladepunkte mit jeweils zwei Anschlüssen mit 11 kW von der EZE. Aber das ist jetzt für mich nicht unbedingt so satisfying, weil ich viele Nachbarn habe, die halt eben dann ihre Autos da auch laden. Ich habe das Vergnügen, dass ich mich relativ nah an der EnBW-Zentrale hier in Stuttgart befinde. Da ist ein schöner Ladepark. Und ansonsten nutze ich HPCs unterwegs. Also ich habe einen Ladetarif von EnBW und einen von Unity.

  8. Ralph Schmidt-Mixner:

    Vielen Dank, dass du uns das schon mal abgeholt hast. Was mich natürlich auch interessieren würde, unabhängig vom Antrieb bist du unterwegs, aber ist denn die E-Mobilität, so die eierlegende Wollmilchsau, die Lösung für alle Probleme? Oder müsste man da eigentlich noch einen ganz anderen Ansatz verfolgen?

  9. Sebastian:

    Also ich sage jetzt mal, wir müssen das vielleicht von zwei verschiedenen Seiten der Medaille betrachten. Das eine Thema ist unternehmerische und private Mobilität bei der Neubeschaffung. Da würde ich immer sagen, die vorderste Möglichkeit, die man einsetzen sollte, wäre tatsächlich Elektromobilität zu nutzen. Einfach deswegen, weil sie tatsächlich von dem energetischen Umwandlungsprinzip der Energie die effizienteste Form ist. Das ist auch unbestritten. Wenn wir es aber von der gesamten Mobilisierungsthematik betrachten, also wir haben hier einen bestehenden Bestand, nicht nur in Deutschland, sondern auf der ganzen Welt, dann haben wir da andere Herausforderungen, die wir schaffen müssen. Und ich glaube, wenn man dieses letzte Zitat von einem BMW-Vorstand nutzen darf, dann heißt das, es kommt ja nicht, das Ziel muss sein, CO2-neutral so schnell wie möglich zu sein und die zu defunzivieren. Und dann ist der Weg eigentlich egal. Das ist immer ein bisschen so kontrovers diskutiert und das macht ja auch immer ein bisschen das aus, wo ich sage, da klemmt auch die Mobilitätswende ein bisschen von der Argumentationsseite, weil sich hier immer nur gebasht, geframed, genudged, geshamed und gesilenced wird, statt einfach einen konstruktiven Dialog zu führen und zu sagen, was ist hier das Richtige und da fängt auch das Thema an, Wo ich sage, es klemmt unter anderem natürlich auch daran, dass wir den Setback gehabt haben durch den Wegfall der Förderung. Das ist ein Thema. Das andere Thema, was ich viel gravierender halte, ist das Thema mangelnde Beratung, Transparenz und das Stiften und Erklären von Mehrwert und Nutzen. Und das ist auch ein Thema, breites Band, was sowohl für Unternehmen ein Thema ist, als auch eben natürlich für den Privathaushalt, da umso mehr und da sehe ich die Aufgabe vielmehr bei den Herstellern, hier etwas besser zu argumentieren und besser den Kunden abzuholen. Insbesondere mit einer kundenorientierten, spezifisch auf die Situation abbestimmten TCO und Gesamtkostenbelastung, damit er weiß, was er für Vorteile hat, wenn er mit einem Elektroauto unterwegs ist, welche Einschränkung, die gegebenenfalls in Kauf gehen muss. Wenn wir uns das angucken, Autonormalverbraucher fährt 38 Kilometer One-Way im Schnitt in Deutschland. Das sind 70 Kilometer am Tag. Da kannst du mit einem normalen Elektroauto nach fünf Tagen einmal und bist wieder eine Woche unterwegs. Das ist alles machbar und das ist auch nicht dramatisch. Und du sparst natürlich auch, wenn du einen richtigen Tarif hast oder die Möglichkeit hast, zu Hause zu laden mit einem entsprechenden Tarif oder noch zusätzlich eine PSO-Anlage hast, dementsprechend dein Geld. Das ist viel wichtiger, auch weil du keine Wartungskosten oder geringe Wartungskosten hast und kaum Verschleiß im Auto.

  10. Ralph Schmidt-Mixner:

    Das sind alles sehr valide Punkte, die du da natürlich mit auf die Waagschale wirfst jetzt sozusagen. Ich glaube, die Problematik ist aber halt vor allem, die Händler scheinen das Gefühl zumindest noch nicht verstanden zu haben. Ich habe es gestern gerade mit jemandem darüber gehabt, der auch mal verschiedene Autohäuser zuletzt besucht hat und da wollte man von eh natürlich wieder nichts wissen. Aber wenn es gerade an dieser ersten Schnittstelle zum Endkunden hin dann schon hängt, wie soll es denn überhaupt funktionieren?

  11. Sebastian:

    Ja, da muss man aber wieder unterscheiden, wo kommt denn die Sprache her, die ein Autohändler benutzt. Also entweder haben wir so einen netten Menschen wie den Wolf Ranke, der natürlich sehr etabliert ist in dem Thema oder auch der eine Junda-Händler hier unten im Süden, der schon seit Jahren nichts anderes macht als Kunden zu begeistern für das Thema Elektromobilität. Das ist der eine Punkt, die Begeisterungsfähigkeit. Also wenn ich nicht selber brenne, kann ich niemand anderes entfachen, klassischer Spruch. Aber die Hauptursache liegt tatsächlich darin, dass das Kommunikationsmanagement eines Händlers in der Regel über das Händlermarketing des Herstellers gesteuert wird. Und da muss man einfach beachten, dass da viel zu wenig getan wird und natürlich auch eben dieses Thema, Wie mache ich datentransparent so, dass ich halt eben eine Gesamtbelastung einmal aus TCO-Kostensicht habe und auch CO2-Belastungsthematik. Also ich meine, wir wissen alle, ein Auto, das eine Batterie hat, kommt mit einem Rucksack. Was ist beim Otto-Normalverbraucher der Zeitraum, den ich anseitende Kosten einsparen kann? Auf der anderen Seite, wie verändert sich mein CO2-Abdruck, mein persönlicher dadurch? Und das sind Dinge, die in die Beratung mit einfließen müssen. Da fehlen auch vonseiten der Hersteller interessante Incentives, die so ein Auto attraktiv machen. Wir wissen alle, Leasingraten sind das A und O, aber nicht alles. Autohersteller neigen dazu, über irgendwelche Marketingmaßnahmen spontanen Absatz zu generieren, aber nicht kreativ das Thema Elektromobilität zu unterstützen, zu begleiten. Ich habe hier mal so eine Idee gehabt, mach den Leuten Easy Access, gib den für jemanden, der 10.000 Kilometer fährt, einfach ein vergünstigtes Charging-Tarif oder sogar kostenfrei, dass er tatsächlich ein Added Value hat und dann macht es abhängig davon, wie viel er mehr fährt als die 10.000 Kilometer, was er ihm berechnet. Das wären halt Modelle, mit denen man auch Leute hinterm Ofen herholen kann. Wenn ich meine monatliche Belastung reduziere, in Form von ich zahle keinen Sprit mehr, dann habe ich natürlich ein Riesenargument. Und dann mache ich es halt eben auch toll. Und das andere Thema ist halt, wir haben leider zu wenig Elektroautos im Gebrauchtwagen-Segment. sodass wir halt eben da den durchschnittlichen Gebrauchtwagenkäufer, der sein acht Jahre altes Auto mit 15.000 Euro bezahlt, nicht abholen können.

  12. Ralph Schmidt-Mixner:

    Was natürlich dann auch wieder in der Kette vorne anfängt, weil wir müssen ja erstmal neue Fahrzeuge auf den Markt bringen, um die Gebrauchtwagen dann später zu haben, das ist auch klar. Und gerade bei dem Thema Laden hast du noch ein schönes Beispiel gebracht, das kann ich auch noch mit reinwerfen. Dacia hat in Dacia Spring die Neuauflage jetzt auch auf die Straße gebracht oder zumindest wieder in den Vorverkauf und bietet da auch für eine bestimmte Käufergruppe oder Käuferanzahl Freikilometer für die ersten ein, zwei Jahre, soweit ich das noch im Hinterkopf habe, was echt ein schönes Thema ist, weil zum einen hast du einen relativ... Ich nenne es mal preisgünstigen Stromer, den du auf die Straße bringst und vergünstigst dann noch die monatlichen Unterhaltskosten durch diesen Ladevorteil oder durch diesen Preisvorteil, den du damit auf die Strecke bringst. Also das ist dann schon so ein Argument, wo ich sage, da denkt man wirklich zweimal darüber nach, ob man das dann nutzt.

  13. Sebastian:

    Wir haben natürlich ein Problem, was die Hersteller halt alle facen. Momentan ist immer noch das Thema, dass die Herstellkosten eines Benzines günstiger sind als die eines Elektromobils. Das ist nach wie vor leider noch so. Das wird sich halt eben auch dann, wenn die Skalierung weiter hochläuft, erst verbessern. Aber die Margen sind halt ziemlich eng. Ich will jetzt nicht sagen sehr eng, aber ziemlich eng. Deswegen können die da nicht so viel Kreativität walten lassen. Auf der anderen Seite sage ich, Wenn wir alle gesellschaftlichen Wandel wollen, müssen wir auch vielleicht allen eine Kontribution bringen. Die einen, die akzeptieren, dass ein Auto ein bisschen teurer ist in der Anschaffung und die anderen, die akzeptieren, dass sie weniger Geld darin verdienen. Das ist der Mittelweg, den man vielleicht gehen muss. Plus halt eben besseres Erklären von Nutzen und Mehrwert. Und die individuelle, also wirklich situationsbedingt individuelle Beratung. Ich sehe viel zu viele Verkäufer draußen rumlaufen, die sich mit wenig Engagement bewegen und dann auch noch relativ wenig Kenntnis haben.

  14. Ralph Schmidt-Mixner:

    Das ist schon eine sehr gefährliche Kombo dann schlussendlich. Aber jetzt vielleicht auch da nochmal den Weg zu öffnen hin zu deinem täglichen Doing sozusagen oder wo du auch unterwegs bist, du hast es ja vorhin gesagt, Förderung und Finanzierung im Thema Ladeinfrastruktur, weil Ladeinfrastruktur ist ja neben der Verfügbarkeit der Fahrzeuge schon mal ein Thema, weil ich sage mal, wenn du nicht laden kannst und vielleicht auch nicht so flexibel bist, wie du es ja jetzt auch selbst bist, um da dann eben die Möglichkeit vor Ort zu suchen, dann ist das ja auch ein Thema. dann wirst du auch kein E-Auto nehmen. Aber wir brauchen ja Ladeinfrastruktur, dass E-Autos auf die Straße kommen und wir brauchen die Autos, damit Ladeinfrastruktur aufgebaut wird. Aber das kostet natürlich alles Geld. Also wie schätzt du das denn da ein?

  15. Sebastian:

    Jeder weiß, dass man eine Wallbox günstig für sich, für privat zu Hause kriegen kann, dass es da auch teilweise kleine Förderungen für die Privaten noch gibt. Das sind jetzt nicht unbedingt die weltbewegenden Beträge. Wir wissen auch, dass Unternehmen teilweise sich Ladeinfrastruktur hinstellen, um halt eben ihre E-Mobilität abzusichern. Aber was die wenigsten wissen, dass es halt eben auch für Schnellladesysteme mittlerweile Förderungen gibt, Juni wieder beantragt werden können, wo man eben einen nicht öffentlichen Raum abgeschlossen bei sich auf dem Betriebsgelände Schnellladeinfrastruktur aufbauen kann, die ab 50 kW Ladeleistung dann auch gestapelt in unterschiedlichen Beträgen gefördert wird und dass man die halt eben dann auch entsprechend finanziert. besser finanziert bekommt. Und das Thema ist halt für Unternehmen, gerade mit Logistik-Thematiken, ein Riesenthema. Also Speditionen, Last-Mile-Delivery-Unternehmen, die halt eben auf Elektromobilität umstellen wollen, mit ihren Sprinter auf Sprinter E oder Maxus oder wie auch immer. Und da schnell eine Infrastruktur bei sich auf den Hof stellen können. Das macht natürlich auch ein Stück weit flexibler, weil du dann auch solche Themen bedienen kannst, wie jemand, der multiple an den Spot zurückkommen muss, um seine Ladung wieder neu aufzunehmen und dann der zweite oder dritte Tour zu fahren an dem Tag. Und das sind Dinge, die halt eben auch für generell Unternehmen, Unternehmer wichtig und interessant sind. Da wird halt unterschieden zwischen kleinen, mittelständischen Unternehmen und den größeren KMUs und die entsprechenden Fördergruppen. Thematik abgestellt auf die Leistungsfähigkeit eben der Schnellladestation.

  16. Ralph Schmidt-Mixner:

    Das heißt aber im Endeffekt, eigentlich gibt es ja kein Hindernis dafür, selbst Ladeinfrastruktur in Betrieben aufzubauen. Natürlich ist das auch wieder eine Kostenfrage, aber im Endeffekt rechnet es sich wahrscheinlich schon, wenn ich das komplett betrachte, auch wieder TCO-Betrachtung, Fahrzeugladeinfrastruktur und das gegengerechnet zur üblichen Route, die ich eben zurücklege.

  17. Sebastian:

    Klar, also wir haben natürlich so ein paar Bedingungen dranhängen. Du musst dann die Ladeinfrastruktur über Ökostrom, also grünen Strom bedienen. Aber das sind ja alles Dinge, die man über entsprechende Betreiber und Verträge auch entsprechend regeln kann. Oder halt eben noch besser ein Gesamtkonzept packen für ein Unternehmen mit einer Photovoltaikanlage, mit der Batteriestreiker-Thematik und mit einer Ladinfrastruktur auf der anderen Seite, wo ich dann halt eben ein Gesamtkonzept für meinen Unternehmensstandort dementsprechend entwickeln kann. Und da gibt es halt eben viel zu wenig Ambitionen. Die wenigsten wissen das. Selbst die Ladehersteller sind in dem Feld relativ schwach unterwegs und deswegen kommen dann so Unternehmen wie wir oder auch unsere Leasing-Partner dann auf die Thematik, wo wir halt eben die Gespräche führen. Auch gerade, weil wir halt eben ja auch in Fuhrparks reingehen und das gesamte Mobilitätskonzept versuchen, neu auf neue Beine zu stellen und dann dementsprechend die Begleiterscheinungen mit abzufedern.

  18. Ralph Schmidt-Mixner:

    Das heißt aber, ihr betrachtet, du sagst ja, ihr geht in Fuhrparks mit rein, betrachtet das dann und gebt dann auch individuelle Empfehlungen, die dann eben auch in puncto E-Mobilität oder Antriebswandel gehen, aber auch eben in das Thema Ladeinfrastruktur, PV, Batteriespeicher, also dieses Gesamtkonzept dann schlussendlich.

  19. Sebastian:

    Hängt natürlich immer von der individuellen Situation ab. Du hast natürlich auch Unternehmen, die sind eingemietet in irgendein Bürogebäude, wo dann die Infrastruktur nicht unbedingt so machbar ist, wie man es vielleicht gerne hätte, weil man wieder an städtische Netze und sowas dran hängt. Das sind natürlich alles diese Unwägbarkeiten, mit denen man dann teilweise arbeiten muss. Aber im Grundsatz ist der Ansatz mehr der, wir begleiten dich in der Aufstellung und der Umstellung deines Fuhrparks, in dem Mobilitätsbedürfnis im Unternehmen. über Mobilitätsbudgets-Thematiken, wo man eben Abo, Bike, Roller, Auto öffentlichen Nachverkehr mit einbauen kann über klassisch außendienstgetriebene oder serviceorientierte Unternehmen, die halt eben tatsächlich eine One-to-One-Beziehung zwischen Auto und Nutzer haben und das halt eben auch abstimmen. Dann haben wir noch so andere Spielereien wie diese Gehaltsumwandlungsmodelle, die ja auch noch teilweise immer wieder da sind. Da geht es dann eben darum, tatsächlich auch wirklich an dem Bedarf orientiert, des jeweiligen Mitarbeiters eine entsprechende Fahrzeugselektion zu betreiben Und dergleichen mehr, weil es spricht ja nichts dagegen, wenn der Arbeitgeber auf dem eigenen Parkplatz eine Ladeinfrastruktur hat, dass das Auto dann eben über 4, 5, 6, 7 Stunden lädt, weil er halt eben während der Arbeitszeit mit einer 11 kW Ladenleistung zurechtkommt. Wenn du aber einen Außendienstler hast, der eben heute Morgen zwei Stunden reinkommt, aber dann wieder 400 Kilometer fahren will, dann braucht der einen HPC, wenn sein Auto nicht entsprechend vollgeladen ist. Und das sind dann so Dinge, wo man dann abstimmen muss, was ist der echte Bedarf,

  20. Ralph Schmidt-Mixner:

    Und wie reagieren eure Kunden darauf? Sind die da offen dafür? Nehmen die das dann auch an, wenn ihr jetzt sagt, okay, E würde sich rechnen bei euch für eure Außendienstler, für eure Mitarbeiter? Oder ist da viel Überzeugungsbedarf? Beziehungsweise was ist das Argument, was schlussendlich überzeugt? Ich könnte mir vorstellen, dass es auch wieder mit dem Geldbeutel zu tun hat, aber ich kann es uns ja mal ein Stück weit in die Praxis vielleicht abholen.

  21. Sebastian:

    Es hängt natürlich sehr stark davon ab, von welcher Größenordnung wir uns hier unterhalten, was das für ein Unternehmen ist. Also alle Größenunternehmen, gerade die, die halt eben auch als Kapitalgesellschaft am Markt sind, bestimmte Größenordnungen, also mehr als 250 Mitarbeiter haben etc. pp., sind ja demnächst gehalten, über eine CSRD-Richtlinie ein entsprechendes Nachhaltigkeitsreporting aufzubauen. Da zählt halt eben die Mobilität im Unternehmen mit dazu, mal unabhängig von den Produkten oder Dienstleistungen, die ich hier bringe, die ja in verschiedenen Stages bewertet werden müssen. Und da hast du natürlich eine ganz andere Affinität zu dem Thema, wie kriege ich meinen Fuhrpark clean ab, als bei einem kleinen Mietgeständler, der hier drei Malerautos und zwei Pritschen betreibt. Der hat eine ganz andere Idee davon. Zumal er vielleicht auch nicht unbedingt die finanziellen Mittel immer hat. Also das sind so dann die Dinge, wo man dann unterscheiden muss. Aber vom Grundsatz her ist der Tenor schon da, das Fuhrpark, Betreiber, egal welcher Größenordnung, durchaus mobilitäts-, e-mobilitäts-affin sind. Während größtes Problem ist aktuell tatsächlich die Finanzierungskosten, die deutlich über denen von klassischen Verbrennern liegen. Und da macht natürlich dann irgendwann mal die Budgetthematik einen Strich durch die Rechnung, weil der Controller oder der Finanzchef da sitzt und sagt, ja, macht ja keinen Sinn. Ja, hier, zack, zack, zack. Da muss man dann die Argumente abwägen und entsprechend beraten und reingehen. Es gibt verschiedene Modelle, die man fahren kann, von klassischen natürlich über die Hersteller abgebildeten Kilometer-Leasing-Thematiken oder über offene Abrechnungsmodelle oder Vertragsarten, die halt eben das Risiko ein Stück weit mir wegnehmen, aber dafür die höchstmögliche Flexibilität gewährleisten in der Nutzung, wo ich halt eben dann Verträge habe, die natürlich bei mir im Anlagevermögen sind, aber ich am Ende einen Partner im Starken habe, der auch die Vermarktung macht von den Autos und ich hinterher das Risiko abbekommen, wenn der nach vier, fünf Jahren ausgesteuert werden muss. Und dann darf man auch eins nicht vergessen, so ein Elektroauto verschleißt wesentlich weniger als ein Benziner. Das heißt, ich kann auch mit so einem Auto durchaus 200.000, 300.000 Kilometer fahren, was natürlich dann die Nutzungsdauer durchaus verlängert, was dann auch meinen Investitionszeitraum ein Stück weit wieder steckt. Und wenn wir bei den klassischen Außendiensten sind, dann schreibst du einen, der 45.000 Kilometer Jahresfahrleistung hat, über vier Jahre ab und einen, der weniger hat, über sechs. Und dann bist du halt eben auf der sauberen Seite.

  22. Ralph Schmidt-Mixner:

    Das sind wahrscheinlich aber genau diese kleinen Fallstricke oder Kniffe, die man eben als Unternehmen auch kennen muss, damit die Rechnung am Ende auch mehr Sinn ergibt.

  23. Sebastian:

    Ja, das größte Problem, was wir bei Unternehmen einfach sehen, ist, dass nach Personal der Fuhrpark in einem personalintensiven Unternehmen in der Regel der zweitgrößte Kosten ist. Und dass man dem immer noch in vielen Unternehmen stiefmütterlich begegnet waren, vielleicht jemand, der für den Fuhrpark verantwortlich ist, aber der hat entweder nicht die richtige Qualifikation, trotz hoher Haftungsthematik, die auf dessen Schultern geladen werden, oder es wird von der schwebischen EDA gemacht, die Ehefrau ist sowieso da, deswegen macht sie es mit, Da fehlt die Qualifikation, da fehlt die Beratung, da sind wir wieder bei dem Thema Autohaus. Viele haben diese klassischen Golf-Club-Mitgliedschaften oder Tennis-Club und dann wird halt beim Heinz nebenan das Auto gekauft oder beim Josh gegenüber. Und wenn du dann da keinen Betreuer hast, der sich mit dem Thema gut auskennt, dann wird es natürlich auch wieder eng. Plus halt, du musst in jemanden die Leidenschaft erwecken, E-Mobil unterwegs sein zu wollen. Gerade wenn er in der Regel verbönt war, hochmotorisiert, rein Sechszylinder, V8 oder was immer gefahren ist, dann wird das schwierig. Ich kann mich noch an Diskussionen erinnern, Einführung E-Mobilität in einem pharmazeutischen Unternehmen in Deutschland, wo die Management-Ebene, das waren so rund 300 Autos, alle so klassisch Fünfer-BMW, E-Klasse A6 verbönt waren. Und dann kommen die und sagen, meine Elektrode fährt 180 kmh, das ist ja scheiße. Und dann sitze ich da und sage, ihr müsst irgendwann mal aufwachen. Irgendwann muss man mal wach werden und das eigene Ego vielleicht vor das Gesamtwohl stellen. Und das ist dann wieder ein anderer Blickwinkel und Das bespricht aber kaum einer. Das sagt auch keiner ganz offen, so wie ich es gerade gesagt habe.

  24. Ralph Schmidt-Mixner:

    Da haben wir einen guten Bogen und da hast du einen guten Bogen gespannt zum Anfang dann auch wieder. Im Endeffekt fängt es bei den Herstellern an. Das muss in der ersten Schnittstelle schon mal eher... faktenbasiert und auch trotzdem irgendwo emotional abgeholt werden, das Thema dann von den Händlern, von den Personen, mit denen man eben im Austausch ist. Und dann braucht man natürlich so Personen wie dich, die da auch mal Tacheles reden und dann eben auch mal sagen, hier, Veränderung fängt auch bei euch im Kopf an und nicht nur im Geldbeutel oder auf dem Balance-Sheet sozusagen, sondern ihr müsst euch da auch öffnen und wenn ihr was besser machen wollt, dann müsst ihr halt gegebenenfalls auch mal ein Stück weit verzichten.

  25. Sebastian:

    Ich muss immer entscheiden, ob ich eine kurzfristige oder eine langfristige Erfolgskurve produzieren möchte. Und das Thema Mobilitätswende ist eine langfristige Thematik. Die muss bei mir natürlich im Kopf anfangen mit dem kleinen Samenkorn, was dann langsam immer größer wird. Da muss die Leidenschaft, die Begeisterung dazu kommen und da muss ich meine Mitarbeiter und meine Kollegen und Nachbarn wie auch immer anstecken. Ich mache es ein bisschen so vergleichbar zum aktuellen Wahlkampf in den USA. Das eine ist der Traditionalist, der gerne seinen V12 Biturbo fahren will, und das andere ist die Joyful, wie man so schön sagt, die freudeausstrahlende, lebendige andere Kandidatin, die die Menschheit begeistert und mitreißt. Und genau das ist, was fehlt. Und das hängt von der gesamten Kommunikationskette, von der Politik angefangen, über die Hersteller, bis hin natürlich auch zu uns, die wir uns hier mehr oder weniger publizistisch betätigen. Und das ist das, was ich wirklich sage. Wir brauchen tatsächlich mehr Freude im Gespräch und den Transport von Spaß. Elektroautofahren macht Spaß. Ich bin schwerhörig, ich habe Ölgeräte, ich habe es noch nie so gelassen, leise Auto zu fahren. Wirklich, das entspannt total tief. Ich fahre hier 1000 km am Tag, wo ich mir vorher bei meinem BMW gesagt habe, es ist zwar schön, weil ich gerne offen fahre, ich habe auch kein Problem, von Stuttgart nach Hamburg offen durchzufahren, kein Thema, aber ich komme ganz anders an, wenn ich mit dem Elektroauto fahre. Und ganz ehrlich, wenn ich die richtige Auswahl bei dem Auto treffe, wie wir bei dem Thema Beratungsqualität sind, Dann stehst du an der Ladesäule zwischen, ich sage mal in meinem Fall, 15 Minuten, 17 Minuten und in einem etwas anderen Fall wie einem Skoda Enyaq oder ID.7 stehst du halt 20 bis 30 Minuten, um mal wieder auf deine 80 Prozent zu kommen. Und jetzt sind wir mal ganz ehrlich, ich habe meine erste Ladung im Harz gemacht, als ich mein Auto in Hamburg geholt hatte. Bin raus, habe das Ding angesteckt, habe Toiletten gegangen, mir was zu essen bestellt, ich hatte das Essen gerade auf dem Tisch, da hat mein Auto schon gesagt, herzlichen Glückwunsch, du bist fertig. Das waren 17 Minuten. Da habe ich gesagt, so schnell sind 17 Minuten rum? Also hier, Essen schnell rein, dann nix, wir ab ins Auto. Es geht viel schneller in der Realität, und jetzt ist das nächste Thema, was ich immer sage, setzt euch rein, fahrt. Und dann habt ihr das erste Erlebnis, und dann werdet ihr diesen Aha-Effekt haben, von wegen, okay, Und klar ist die Beschleunigung von so einem Auto teilweise gigantisch und abberaubend und was immer. Natürlich rasen man die Dinger nicht 240, obwohl es da auch welche gibt. Aber ganz, ganz ehrlich, die durchschnittliche in Deutschland gefahrene Geschwindigkeit liegt bei 112 kmh auf deutschen Autobahnen. Ob mit oder ohne Beschränkung. Deswegen, wir brauchen diese Diskussion nicht. Was wir brauchen, ist neue Verkehrsleittechnik, Autos, die sich miteinander unterhalten können und Staus zu vermeiden. Das ist das, was wir brauchen. Und weniger Speditionen auf der Straße, weil das ist der größte CO2-Killer.

  26. Ralph Schmidt-Mixner:

    Das sind sehr, sehr schöne Schlussworte. Ich finde diese Freude im Gespräch, die hatten wir zwar auf jeden Fall, muss ich sagen, und E-Auto fahren macht auch Spaß. Und so wie du sagst, einsteigen, losfahren und selbst davon überzeugen. Vielen Dank für deine Eindrücke, Ralf, und danke für den Austausch.

  27. Sebastian:

    Gerne, Sebastian, gerne.

  28. Ralph Schmidt-Mixner:

    Persönlich hoffe ich ja, dass du die Freude am Gespräch von mir im Gespräch mit Ralf eben auch gespürt hast, dass ich gerne E-Auto fahre. Das weißt du mittlerweile natürlich nach über 300 Folgen, weiter über 300 Folgen, die wir hier im Elektroauto-News.net-Podcast anstatt gebracht haben. Damit es auch auf die nächsten 300 bis 400 Folgen klappt, würde ich mich natürlich freuen, wenn du eine positive Bewertung bei iTunes, Spotify und Co. hinterlässt, damit wir da dementsprechend auch ausgespielt werden. Dir vielen Dank fürs Zuhören. Bis zur kommenden Folge. Mach's gut. Ciao.