Road to Net Zero: Magnas Weg zu nachhaltiger Produktion

Im Gespräch mit Jörg Grotendorst, Magna International

In der aktuellen Podcast-Folge hatte ich die Gelegenheit, mit Jörg Grotendorst zu sprechen, der als Verantwortlicher für die zentrale Entwicklung bei Magna International tätig ist. Jörg, der auf eine beeindruckende Karriere in der Automobilindustrie zurückblicken kann, ist ein ausgewiesener Experte für Elektromobilität und nachhaltige Technologien. Bevor er zu Magna kam, prägte sein Karriereweg Stationen bei namhaften Unternehmen wie Daimler, Continental und ZF – Erfahrungen, die er heute in Magnas Strategie für eine nachhaltige Zukunft einbringt.

Ein zentrales Thema unseres Gesprächs war die "Road to Net Zero" von Magna. Das Unternehmen verfolgt das Ziel, bis 2050 CO₂-neutral zu werden. Dabei setzt Magna auf klare, schrittweise Meilensteine, um die gesamte Wertschöpfungskette zu transformieren. Jörg erklärte eindrucksvoll: „Wir möchten bis 2025 in Europa ausschließlich CO₂-freien, emissionsfreien Strom nutzen, entweder selbst erzeugt oder hinzugekauft. Bis 2030 soll dies weltweit erreicht werden.“ Dies unterstreicht die Ernsthaftigkeit, mit der Magna den Klimaschutz angeht – nicht nur als Trend, sondern als fundamentalen Teil der Unternehmensstrategie.

Die Herausforderungen auf diesem Weg sind komplex, insbesondere aufgrund global unterschiedlicher Rahmenbedingungen. Während in Europa bereits vermehrt auf erneuerbare Energien gesetzt wird, bleibt der Zugang zu nachhaltiger Energie in Asien und anderen Regionen erschwert. Trotzdem sieht sich Magna in der Verantwortung, mit gutem Beispiel voranzugehen. So werden Fabriken umgestellt, Prozesse optimiert und energieeffiziente Lösungen in den Produktionsabläufen etabliert. Ein erwähnenswertes Beispiel ist der Übergang von klassischen Elektroschweißverfahren hin zu energieeffizienteren Laserschweißverfahren. Auch der Austausch von Dieselstaplern durch Elektrostapler ist ein weiterer Schritt hin zu nachhaltigeren Abläufen.

Wie Magna Nachhaltigkeit ganzheitlich denkt und umsetzt

Neben den Prozessen liegt der Fokus von Magna auch auf den Produkten selbst. Jörg erläuterte, wie das Unternehmen recycelte Materialien in den Karosseriebau einführt, etwa Aluminium, das zunehmend in die Fertigung einfließt. Hier betonte er jedoch, dass es dabei gilt, die Balance zwischen Energieverbrauch und Effizienz zu halten, da bestimmte Prozesse beim Recycling energiereicher sein können als bei der Primärherstellung. Besonders überzeugend ist der Einsatz von recycelten Kunststoffflaschen für Sitzschaum oder Lederersatzmaterialien aus Apfelgranulat – Innovationen, die zeigen, dass Nachhaltigkeit und technischer Fortschritt Hand in Hand gehen können.

Das Thema Nachhaltigkeit reicht bei Magna jedoch über CO₂-Emissionen hinaus. Wasserverbrauch und Abwärmenutzung sind weitere Felder, in denen das Unternehmen aktiv ist. Die Strategie zur Wärmerückgewinnung, bei der Abwärme gespeichert und wiederverwendet wird, zeigt, wie konsequent ressourcenschonende Ansätze verfolgt werden. Er machte deutlich, dass sich Magna auch auf die sogenannten Scopes 1, 2 und 3 konzentriert – von direkten Emissionen bis hin zur Reduktion entlang der gesamten Lieferkette - wenn es darum geht Nachhaltigkeit zu steuern. Hier zahlt sich die enge Zusammenarbeit mit Lieferanten aus, die ebenfalls zur Einhaltung von CO₂-Zielen motiviert werden.

Was in Erinnerung geblieben ist, war der kulturelle Wandel, den Magna anstrebt. Nachhaltigkeit ist nicht nur eine technologische Herausforderung, sondern eine Frage des Mindsets. Jörg betonte, wie wichtig es ist, die Belegschaft in diesen Wandel einzubeziehen und ein Bewusstsein für nachhaltiges Handeln zu schaffen: „Jeder Einzelne muss Verantwortung übernehmen, wenn wir unsere Ressourcen schonend nutzen und die Klimaerwärmung begrenzen wollen.“ Dieser Ansatz verdeutlicht, dass Nachhaltigkeit bei Magna ganzheitlich gedacht wird – technologisch, unternehmerisch und kulturell.

Die Projekte und Initiativen, die Jörg vorgestellt hat, zeigen, dass der Weg zu Net Zero nicht nur eine Vision, sondern ein klarer Fahrplan ist. Es gibt noch viele Herausforderungen, aber es gibt auch viele Fortschritte, die Mut machen. „Die Transformation der Industrie wird uns alle noch lange begleiten“, sagte er zum Abschluss, und ich bin gespannt, welche weiteren Schritte Magna auf dieser Reise gehen wird. Nun aber genug der Vorworte – lasst uns direkt ins Gespräch mit Jörg Grotendorst einsteigen!

Shownotes:

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Transcript

  1. Intro:

    Elektroauto News. Der Podcast rund um das Thema Elektromobilität. Mit aktuellen Entwicklungen, Diskussionen, Interviews und vielem mehr.

  2. Sebastian:

    Servus und herzlich willkommen bei einer neuen Folge des ElektroautoNews.net Podcast. Ich bin Sebastian und freue mich, dass du heute wieder eingeschaltet hast. In der aktuellen Folge habe ich Jörg Grotendorst zu Gast. Er ist bei Magna International für die Entwicklung im gesamten Konzern verantwortlich, hat daher auch starke Berührung mit dem Thema Nachhaltigkeit und genau damit haben wir uns auseinandergesetzt mit dem Thema Nachhaltigkeit. Nachhaltigkeit, Sustainability im Unternehmen von Magna und wie deren Road to Net Zero bis 2050 ausschaut, was die Herausforderungen auf dem Weg dorthin sind, aber auch die Chancen. Wir gehen direkt rein ins Gespräch mit Jörg. Hallo Jörg, vielen Dank, dass du dir heute die Zeit nimmst, hier bei uns im elektronischen News.net Podcast zu Gast zu sein. Wir wollen uns über Magna International unterhalten und eure Road to Sustainability mit dir im Austausch. Allerdings, bevor wir da einsteigen, würde ich natürlich gerne mehr über dich als Person erfahren, dass du dich kurz unseren ZuhörerInnen vorstellst und auch ein paar Worte über Magna International verlierst.

  3. Jörg Grotendorst:

    Hallo, lieber Sebastian. Hallo, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer. Ich freue mich, dass ich heute bei dir zu Gast sein darf. Stell dich kurz vor, Jörg Grotendorst. Ich bin bei der Magna verantwortlich für die Entwicklung im gesamten Konzern. Und dazu gehört natürlich auch eben das Thema Sustainability und Nachhaltigkeit unserer Produkte. Von Hause aus bin ich Elektroingenieur, bin damals bei Daimler angefangen in Entwicklung, heute würde man sagen als Stipendiat eingestiegen im Flugzeugbau und in der Flugzeugentwicklung. Das gehörte damals noch zum Konzern. Und der eine oder andere erinnert sich vielleicht an den Elchtest. So bin ich damals in die Bremssysteme im PKW, in die Taskforce eingestiegen. Bin dann beim PKW hängen geblieben, obwohl ich das eigentlich gar nicht wollte. Zunächst beim Thema Bremsen und Fahrwerk, war kurz bei Ford und bin dann zur Conti gekommen und habe damals das Thema Elektronik im Kontinentalkonzern mit aufbauen dürfen. Damals war Conti eigentlich nur ein Reifenlieferant und wir haben die ersten Luftwiederungs- und Dämpfungssysteme gemacht. In dem Konzern bin ich dann mit den Zukäufen gewachsen. Die T-Meg und Motorola haben wir damals dazu gekauft. Ich habe die Entwicklungsverantwortung für Fahrwerk und Antrieb damals übernommen und mit dem Zukauf damals Siemens VDO. In 2007 bin ich ins E-Mobility-Geschäft eingestiegen, denn wir haben damals das E-Mobilitätsgeschäft für die Conti aufgebaut. Das habe ich später nochmal gemacht bei Siemens im Konzern und an Valeo verkauft. Dann habe ich das nochmal auf größerer Ebene gemacht. Für die ZF eine Division Elektromobilität aufgebaut, war dann kurz bei der Rheinmetall im Vorstand, habe das Automobilgeschäft verantwortet. etwas aufgelöst haben und uns eher auf das Thema Defense fokussiert haben. Und so bin ich dann schlussendlich zum Magna gekommen, bin da zwei Jahre dort verantwortlich für das Thema Zentralentwicklung im Konzern, für die zukünftigen Technologien, rund um das Thema Produkte und Nachhaltigkeit.

  4. Sebastian:

    Spannende Entwicklung, spannender Lebenslauf auf jeden Fall. Vor allem einiges an Erfahrung, was du ja auch mitnehmen kannst und mit einbringen kannst jetzt in deine neue Aufgabe. Du hast schon gesagt, das Thema Nachhaltigkeit spielt bei der Entwicklung natürlich auch eine entscheidende Rolle. Das eine geht nicht ohne das andere. Vor allem muss man es natürlich im Blick behalten. War das auch der Anstoß für Magna's Road to Net Zero, Magna's Road to Sustainability oder wurde die schon vor deinem Eintritt eingeläutet?

  5. Jörg Grotendorst:

    Vielleicht darf ich noch mal eben kurz ein paar Worte zur Magna verlieren. Wir sind ein Konzern mit rund 40 Milliarden Euro Umsatz, 170.000 Mitarbeiter. Rund um den Globus haben wir ungefähr 350 Standorte und liefern Technologien und Produkte an die Fahrzeughersteller. Das Portfolio erstreckt sich von Karosserie-Teilen, Body-in-White, sitze Stoßfänger, Lichtsysteme, Elektroniken, Assistenzsysteme für automatisiertes Fahren und elektrifizierte Antriebe, wo wir aus der Verbrennungstechnologie auch kommen und das Thema elektrifizierte Antriebe dort aufbauen. Was unterscheidet uns von den anderen Zulieferern? Wir sind der einzige Zulieferer dieser Größe, der selbst auch konzeptionell Fahrzeuge komplett entwickelt im Kundenauftrag oder im Ort und diese eben auch baut. Und von daher berührt uns das Thema Nachhaltigkeit in vielfältiger Weise. Zum einen natürlich müssen die Fahrzeughersteller mehr und mehr auf ihren sogenannten CO2-Fußabdruck achten. Wir selber aber auch für die Produkte, die wir ausliefern, die bekommen heutzutage schon, ja man könnte fast sagen, einen CO2-Pass, einen Siegel, wie viel CO2 wir für die Produktherstellung verdienen. Und von daher sind wir gegenüber unseren Kunden und den Endkunden, die am Ende die Fahrzeuge abnehmen, natürlich dem Thema Nachhaltigkeit und CO2-Emissionen insbesondere verpflichtet.

  6. Sebastian:

    Danke für die Info nochmal. Das war jetzt, glaube ich, auch wertvoll für die Einordnung, warum ihr euch eben auch auf die Reise begebt, diese Road to Net Zero zu bestreiten. Das heißt aber, die ist auch nicht erst mit deinem Eintritt in das Unternehmen auf die Straße gebracht worden sozusagen, sondern bestand schon vorher. Ja.

  7. Jörg Grotendorst:

    Richtig, der Plan bestand schon vorher. Die meisten Zuhörer, denke ich, kennen das Pariser Klimaabkommen und natürlich die Anstrengungen rund um den Globus, das Ziel von 1,5 Grad maximal 2 Grad. Erderwärmung im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter auch zu erreichen. Und wir zugehören natürlich alle Branchen und Industrien. Auch unsere Kunden, die Fahrzeughersteller, peilen natürlich ihren entsprechenden Beitrag dazu an. Alle Regierungen, die meisten Regierungen rund um den Globus haben in verschiedenen Sektoren, ob das Transport, Energieerzeugung, Infrastruktur, Ziele dafür vergeben. Und so zahlt jede Industrie auf dieses Ziel ein. Und ein Teilnehmer in diesem Konsortium ist natürlich die Automobilindustrie und das Thema Transport.

  8. Sebastian:

    Für euch jetzt konkret habt ihr eben auch verschiedene Meilensteine. Ich habe ja eine Präsentation von dir im Vorfeld bekommen, festgelegt, die ihr erreichen wollt auf diesem Weg. Net Zero steht hier 2050 drin, wo ihr das über das gesamte Unternehmen erreichen wollt. Aber mit entsprechenden Zwischenzielen kannst du uns mal ein Stück weit mit auf die Strecke nehmen.

  9. Jörg Grotendorst:

    Also wir haben bis 2050 einen Plan entwickelt, wie wir für alle diese 350 Standorte rund um den Globus net zero sein möchten. Das heißt, dann möchten wir wirklich CO2-neutral sein. Und das müssen wir natürlich schrittweise machen. Das lässt sich nicht in einem ausrollen, sondern wir schauen uns dafür die Standorte und die Regionen und, müssen wir sagen, unsere Kundenanforderungen an. Mein Thema ist, Grüne Energieerzeugung, nachhaltige Energieerzeugung liegt im Aufbau und im Vergleich zu den anderen Energieformen als Primärenergie, die wir vorliegen haben, Europa ziemlich weit vorne. Deshalb treiben wir das Thema auch zunächst aus Europa heraus. Einige unserer Kunden haben sich zum Ziel gesetzt, schon 2035 CO2-neutral zu sein. Und die brechen dann dieses Ziel natürlich auf ihre Lieferanten herunter. Das heißt, wir müssen an einigen Standorten mehr Gas geben, als was an anderen können oder wollen. Man darf nicht vergessen, insbesondere im asiatischen Raum setzt die gesamte Industrie noch sehr stark auf Kohleverbrennung. Da wird es also gar nicht so einfach sein, CO2-neutrale Energie überhaupt zu beziehen. Und global gesprochen steigt der Energieverbrauch der Menschheit immer noch, obwohl wir nachhaltige Energien aufbauen. ist doch der Beitrag nicht ausreichend, um den Anstieg an zusätzlichem Energieverbrauch durch die Länder, die sich zukünftig entwickeln, zu kompensieren. Das heißt, die Menschheit hat tatsächlich noch ein Problem, was derzeit durch die vielen Unwetterkatastrophen vielleicht auch mehr in aller Munde ist als zuvor. Aber die Geschwindigkeit, mit der wir rund um den Globus die grüne und nachhaltige Energie ausbauen, reicht nicht aus, um das Wachstum zu kompensieren. Und deshalb müssen wir uns Schritte überlegen, die in erster Linie jetzt Wärmerückgewinnung für uns einbeziehen. An den Standorten kümmern wir uns vermehrt um unsere Abwärme. Die Abwärme nochmal wieder einzufangen, zwischenzuspeichern und an anderer Stelle für Prozesse, für Prozessvorbehandlungen einzusetzen. Ein ganz großes Thema, das wir uns gesetzt haben, ist das Thema CO2-neutralen Strom zu verwenden. 2025 haben wir uns als Ziel gesetzt, das ist schon nächstes Jahr, in Europa nur noch CO2-freien, emissionsfreien Strom zu verwenden. Entweder selbst erzeugt oder teilweise dazugekauft. 2030 haben wir gesagt, das wollen wir weltweit erreichen. 2030 klingt jetzt ein bisschen weit, aber dafür haben wir auf deine Frage bezogen auch wirklich genau einen Ausbauplan, wie viele PV-Anlagen wir auf unsere Fabrikwächer aufbringen wollen. Dann haben wir 2040 in Mainstein, wo wir dann sagen, welchen Prozentsatz wollen wir erreicht haben an nachhaltige Energie und 2050 wollen wir dann fertig sein.

  10. Sebastian:

    Vielen Dank schon mal für diese Einordnung und den Ausblick auch, der ja doch sehr sportlich ist, weil selbst 2030 ist ja dann auch gefühlt nur noch fünf Jahre weg. Also das muss man auch erst mal schaffen.

  11. Jörg Grotendorst:

    Richtig, ganz genau. Deshalb haben wir uns in Anführungszeichen noch mal sechs Jahre Zeit gelassen. Aber wie gesagt, wir haben genau verzielt, welche Fabrik, welcher Standort dann bei uns selber den Strom produzieren muss. Und ganz am Rande bemerkt, bezieht sich das Thema Nachhaltigkeit ja nicht nur auf CO2. Wir reden gerade fokussiert über CO2, aber es betrifft für uns ja auch Wasserhaushalt. Wir haben sehr hohen Verbrauch an Kühlwasser, an Frischwasser, wo wir jetzt sagen, das müssen wir noch reinigen, ehe wir das wieder dem Kreislauf intern zuführen. Dann wollen wir uns um Gebäudekühlung kümmern mit nachhaltigen Konzepten. Auch da kann man Wasser verwenden. Also es betrifft für uns das Thema Nachhaltigkeit in einem etwas weiteren Feld als rein Strom und CO2. Aber natürlich ist der Primärenergiebedarf, den man in der Fabrik braucht, erstmal unser stärkster Fokus, dass wir dort sozusagen saubere Energie einsetzen.

  12. Sebastian:

    Das ist wahrscheinlich auch der größte Hebel, den man zuerst mal bewegen kann und da muss man die anderen Themen natürlich mit angehen, gerade wenn Wasser für euch so eine schwere oder so eine starke Bedeutung hat. Vielleicht für unsere ZuhörerInnen nochmal, kannst du die Scope-Betrachtung da auch nochmal mit ins Spiel bringen, weil man spricht ja auch bei so einer Geschichte immer von Scope 1, 2 und 3, die da betrachtet wird, die ihr ja wahrscheinlich in eurer Innenbetrachtung anlegt, aber die wahrscheinlich auch von euren Kunden dann auf euch runtergebrochen wird.

  13. Jörg Grotendorst:

    Also es gibt ein bewährtes Verfahren, auf das sich die Industrie geeinigt hat, um CO2-Emissionen berechenbar und vergleichbar zu machen. SBTI ist die Abkürzung. Es steht für Science Based Target Initiative. Das ist eine Eine Art der Berechnung, wie man CO2-Emissionen berechnen kann von primären und sekundären Energieträgern, auf die sich jetzt international geeinigt wurde. Und so kann man dann erreichen, dass man den CO2-Fußabdruck von unterschiedlichen Unternehmen vergleichen kann und Eingangsgrößen verwenden kann, die bei anderen Unternehmen als Ausgangsgrößen gehen. Ich mache mal ein ganz einfach praktisches Beispiel. Es gibt in der sogenannten SBTI drei Klassen, mit denen man Industrieunternehmen vergleicht. Der erste ist der sogenannte Scope 1. Und der Scope 1 ist relativ einfach, beschreibt all die Emissionen, die wir produzieren, indem wir Primärenergieträger in einem Werk quasi verbrauchen. Also wie viel CO2 erzeugen wir, indem wir bei uns direkt in den Werken und an den Standorten Kohle, Benzin produzieren? direkt verbrennen und damit CO2-Emissionen emittieren. Der Scope 2 bezieht dann alles ein, was wir an Infrastruktur im Werk brauchen. Wenn wir zum Beispiel Fernwärme kaufen oder internen Lieferverkehr oder sonst was haben, auch da emittieren wir CO2. in die Atmosphäre. Das ist dann der sogenannte Scope 2, der sich unterscheidet von der Primärenergieverwendung auf alles das, was wir in der Infrastruktur, in einem Werk oder in einem Standort brauchen, um diesen zu betreiben und aufrechtzuerhalten. Und Scope 3 geht dann komplett außenrum, dann beziehen wir mit ein, Wo kommen unsere Waren her? Werden die mit dem LKW gebracht? Wie viel CO2-imitierte LKW, wie viel CO2-Rucksackgepäck bekommt ein Produkt überhaupt schon mit, ehe es mal bei uns am Werktor landet? Und diese drei Scopes sind eben wichtig. wenn wir ein Produkt von dem Lieferanten A, von dem Lieferanten B überführen, dass man genau sagen kann, wie viel CO2 gehört jetzt noch zu dem Herstellungsprozess des Ersten, zum Einkaufsprozess des Zweiten und dann zum Verteilprozess des Dritten. Und diese drei Scopes analysieren wir ganz genau. Und wir fokussieren natürlich zunächst mal den Scope 1. Das ist das ganze Thema Stromerzeugung im Werk. Das war gar nicht mehr viel. Oder besser, reduzieren den Umfang, den wir an Primärenergie von außen zukaufen müssen. Dann kommt der Scope 2 hinzu und schlussendlich dann auch der Scope 3.

  14. Sebastian:

    Wobei ja, ich sag mal, Scope 1 und 2 dementsprechend wahrscheinlich noch einfacher zu handeln sind, weil man es in der eigenen Hand, im eigenen Unternehmen zum größten Teil hat. Scope 3 wird ja dann für euch auch sportlicher, weil im Endeffekt müsst ihr eure Zulieferer ja auch heranführen, damit die euch entsprechend die Daten zur Verfügung stellen und selbst im Haus auch Reduktion betreiben.

  15. Jörg Grotendorst:

    Das funktioniert aber in der ganzen Industrie schon relativ gut, relativ zügig, da natürlich am Ende dann auch die Fahrzeughersteller, unsere Kunden, wissen möchten, mit welcher CO2-Vorbelastung sie Teile einkaufen. Und das ist genau einer der Vorteile dieser SBTI-Klassifizierung. Wir sehen ja selber, wenn wir mit einem Vorlieferanten bei uns diskutieren, sprechen wir tatsächlich über... Größe in Paletten über sogenannte Losgrößen. Wenn wir Standsteile, Eisenteile etc. bekommen, können wir vorher mit dem Vorlieferanten definieren, wie häufig soll der LKW fahren, das Schiff kommen, wie viele Teile sind auf einer Palette drauf, wie viel imitiert dann der LKW, fährt der nur für uns, fährt der für andere, dann kann man es wieder aufteilen. Aber das ist genau einer der Vorteile dieser Klassifizierung, dass man das dann relativ einfach schon vorklassifizieren kann und zwischen den Geschäftspartnern untereinander auch austauschen kann. Aber Es bezieht eben mit ein, dass man jetzt Mehrwert auf Logistik und Transport legt. Das war in den Generationen davor nicht so der Fall. Dort galt immer das Prinzip, wir produzieren irgendwo in Fernost, möglichst billig. Das wird sich jetzt nachhaltig wahrscheinlich ein bisschen adaptieren und anpassen, weil jetzt plötzlich die CO2-Emissionen, die durch ein Schiff, wenn gut transportiert wird, über die Weltmeere mit einbezogen werden. Und das ist auch gut so. Auch die Logistikunternehmen, auch die Reedereien haben jetzt plötzlich eine Motivation, schadstoffarme LKWs flächendeckend einzusetzen. Im Schiffsverkehr wird sich das ganze Thema wiederfinden, indem man eben nicht nur schweres Heizöl verbrennt, sondern eben auch die Schiffe mit Filteranlagen ausrüstet. Es gibt erste Ideen sogar auf Schiffen CO2 einzufangen. während einer Schiffsfahrt in Containern und dann quasi als Kalk weiterzuverwenden. Also es kommt was in Bewegung und das soll ja auch genau die Anregung und Motivation sein.

  16. Sebastian:

    Das ist ja schön, wenn man das aber dann, ich sag mal, als Anregung sieht und nicht als Herausforderung oder sich vor Problemen fürchtet sozusagen, sondern so wie ihr auch damit gut ein Beispiel vorangeht, eine Roadmap habt, die ihr abarbeiten könnt, die ihr bestreiten könnt, wahrscheinlich auch nochmal ein Stück weit anpassen auf dem Weg bis 2050, wie das immer so ist. Da vergeht ja auch noch einige Jahre bis dorthin, aber ihr habt ja auch schon entsprechende Projekte mit auf die Straße gebracht, auf die Strecke gebracht. die eben schon zur Reduktion von CO2 beigetragen haben. Kannst du da für uns vielleicht mal ein, zwei Beispiele nennen, die das Ganze greifbarer werden lassen?

  17. Jörg Grotendorst:

    Oh ja, wir kümmern uns also nachhaltig um das Thema CO2-Emissionen. Und zwar muss man da einmal unterscheiden für einen Zulieferer, wie wir es sind, in den sogenannten Prozessen. Prozesse sind für uns Abläufe, in denen wir im Prinzip Produkte herstellen, aber wir verändern irgendwas. Man schraubt, man schweißt. Und da kümmern wir uns natürlich darum, dass die Prozesse, die wir an sich verwenden, immer weniger Energie verbrauchen. Ein schönes Beispiel dafür ist zum Beispiel der Übergang von klassischem Elektroschweißen auf Laserschweißen, wo man dann in Summe für den ganzen Schweißprozess weniger Energie braucht. Das betrifft aber auch das Thema Innertransport in einem Werk, dass man ganz einfach von Dieselgabelstaplern auf Elektrogabelstapler umrüstet. Alles das gehört dazu. Wärmerückgewinnung ist ein ganz wichtiger Aspekt für uns. dass wir Abwärme, die an einer Stelle entsteht, nicht durch den Schornstein nach außen blasen, sondern versuchen wieder einzufangen, zwischenzuspeichern oder im Idealfall gleich umzulenken und für einen Vorheitsprozess zu verwenden. Also da gibt es bei uns zig Anwendungsbeispiele in den Werken, wie wir uns um die Prozesseffizienz kümmern. Das bedeutet aber auch, ein schönes Beispiel ist immer, Energy on Demand ist ein schönes Stichwort. Jeder zu Hause kennt das. Lasse ich das Licht an, wenn ich den Raum verlasse, Jeder zu Hause intuitiv greift zum Lichtschalter, wenn er den Raum verlässt. In der Fabrik kann sein, dass eine Bohrmaschine im Leerlauf weiterläuft, bis sie das nächste Mal verwendet wird. Eine CNC, ein Fräskopf sich weiter dreht und auch hier achtet man sehr darauf, dass die Energie nur dann eingesetzt wird und nur in der Form oder mit der Intensität, mit der man sie auch braucht. Das ist das eine. Das andere ist, ist dann unser Produkt. Wie kümmern wir uns um unser Produkt? Auch hier hat das Thema Leichtbau natürlich starken Einfluss, Nicht nur für uns, sondern natürlich für den Fahrzeughersteller, wenn ein Auto leichter ist. Er verbraucht es grundsätzlich weniger Energie. Aber es kann eben sein, dass man zum Beispiel beim Austauschen von Aluminium gegen Stahl, dass man in der Prozesskette beim Aluminium mehr Energie verbraucht als bei Stahl zuvor in dem Produkt. Deshalb muss man es sich ganzheitlich anschauen. Was natürlich in jedem Fall zu Schadstoff führt, die Reduzierung in der Emission führt, ist das Wiederverwenden von Material. Und auch da sind wir sehr aktiv. Wir haben einen sehr hohen Anteil im Karosseriebau von Aluminium. Da schauen wir uns jetzt gerade an, wie können wir bei bestimmten Produkten recyceltes Aluminium zuführen. Auch das mag der ein oder andere Zuhörer, Zuhörerin gut kennen, wenn man zum Wertstoffhof fährt und am Wochenende seinen Schrott wegbringt. Leider sortiert ja der Verbraucher das Aluminium und den Stahl nicht. Das heißt, das kommt irgendwie alles in eine Gesamtschmelze. Ist für die Automobilindustrie eine besondere Herausforderung, weil man hinterher die Güte wieder feststellen muss, wenn ich es eingeschmolzen habe. Und deshalb sind wir im Moment noch nicht so weit, dass wir 100% recyceltes Material verwenden können. Aber wir können es schon beimischen und sagen, wir füttern es zu. Innenraum, sehr viel Plastikmaterialien. Wir sind mit einer der ersten Zulieferer, die beim Thema Sitze Sitzschaum verwendet, der aus Kunststoffflaschen erzeugt wurde. Wir erzeugen mittlerweile Lederersatzmaterial, wo ich meine, dass der Endverbraucher, die meisten nicht erkennen, dass es tatsächlich aus Apfelgranulat gemacht wird, fühlt sich an wie Leder. Also es gibt unheimlich viele Produktthemen, wo wir direkt auf das Thema Nachhaltigkeit zielen. Andere, die indirekt einzahlen, ist natürlich, wenn wir Elektroantriebe bauen, dann gehen diese in ein Elektrofahrzeug, das grundsätzlich weniger Schadstoffe imitiert als ein Fahrzeug mit Verbrennungsmotor.

  18. Sebastian:

    Und Nachhaltigkeit ist ja jetzt aber auch nicht immer nur in Strom, Wasser, Abwärme und so weiter zu greifen, sondern du hast ein schönes Beispiel gebracht, Lichtschalter daheim ausschalten oder anschalten, wenn man es eben braucht und nicht einfach brennen lassen. Man muss ja auch diesen Menschen mit auf diese nachhaltige Reise nehmen. Wie geht ihr damit um? Wie geht ihr mit euren MitarbeiterInnen um? Wie nehmt ihr die mit auf diese Nachhaltigkeitsreise auch dort die Denkweise vielleicht ein Stück weit zu verändern zum Positiven?

  19. Jörg Grotendorst:

    Ich glaube, da erfahren wir leider, muss man sagen, durch die aktuellen Klimakapriolen ein bisschen Rückenwind. informiere die Mitarbeiter über neue Schritte, die wir einführen, neue Produkte, die wir einführen und erinnere dabei immer wieder gerne daran, dass seit 1980 sich der Energieverbrauch oder die CO2-Emissionen damit einhergehend der Menschheit verdreifacht hat. Jetzt muss man sich einfach mal überlegen, dass wir derzeit fossile Energieträger, ob es Erdöl oder Erdgas, aus der Erde ausbuddeln, Diese verbrennen und die wurden über Jahrmillionen eingelagert. Und wir holen die jetzt in kürzester Zeit wieder raus und verbrennen diese Energieträger und emittieren damit in kürzester Zeit das ursprünglich mal über Jahrmillionen eingelagerte CO2 wieder zurück in die Atmosphäre. Und das CO2 bildet gemäß der Treibhaustheorie ein Schutzschild quasi um die Erde, dass Erwärmung durch die Sonneninfrarotstrahlung nicht mehr rauskommt aus der Atmosphäre. Es bleibt also drin. damit einhergehend verdunstet mehr Wasser. Jeder, der zu Hause schon mal Spaghetti gekocht hat und plötzlich den Deckel aufgemacht hat und sein Gesicht darüber gehalten hat, der spürt, wie viel Energie, wie viel Hitze in so einem Wasserdampf steckt. Saunagänger kennen das Thema. Auf der Haut, das ist ja meist kein Schweiß, sondern es ist kondensiertes Wasser. Das heißt, wir bringen immer mehr Energie in unsere Atmosphäre, die da nicht rauskommt. Da sind immer mehr Wasserteilchen drin, Energie wird gespeichert und das führt jetzt zu Wetterkapriolen, die jeder im Augenblick ja spürt. Leider kann man jetzt in diesem Jahr eine Menge Beispiele nennen und ich glaube, das muss der Antrieb eines jeden Einzelnen von uns sein, wenn wir nachhaltiges Leben auf diesem Planeten ermöglichen wollen, müssen wir uns überlegen, unsere Ressourcen anders einzusetzen und anders zu verwenden. Wenn es immer nur mit fossilen Energieträgern sein sollte, die Bevölkerung auf dem Planeten noch weiter ansteigt und damit einhergehend der Energieverbrauch pro Kopf und immer mehr Menschen, dann kann es nicht funktionieren. Dann kann es am Ende nicht gut gehen. Deshalb müssen wir uns zwangsläufig was überlegen, um zu überleben quasi. Und das, glaube ich, geht jeden Einzelnen von uns an. Ganz unabhängig davon, in welcher Branche, in welchem Unternehmen man arbeitet.

  20. Sebastian:

    Das sind doch wunderbare Worte zum Schluss unseres Podcasts, die hoffentlich nochmal zum Nachdenken angeregt haben. Wir haben ja auch gesehen, ihr als Unternehmen gehtet voran, beschreitet den Weg eurer Road to Sustainability, to Net Zero. Vielen Dank, Jörg, für die Eindrücke, die wir hier von dir bekommen haben.

  21. Jörg Grotendorst:

    Sehr gerne. Vielen Dank, Sebastian. Ich kann nur alle Zuhörerinnen und Zuhörer ermutigen, macht mit und seid dabei. CO2 und Emissionseinsparung fängt im Kleinen, fängt im Einzelnen an. Vielen herzlichen Dank für deine Zeit.

  22. Sebastian:

    Das war es also auch mal wieder mit der aktuellen Podcast-Folge. Aus meiner Sicht konnten wir einiges mitnehmen aus dem Gespräch mit Jörg, konnten den Blick drauf lenken, warum es Sinn ergibt, Nachhaltigkeit zu praktizieren, nach vorne zu treiben und warum es einfach auch notwendig ist, um eben auch einen Unterschied in der Zukunft, Stichwort Klimawandel, zu machen. Ich fand das auch schön mit den Beispielen, wo er das Ganze nahbarer gemacht hat, greifbarer gestaltet hat für uns sozusagen am Kopfhörer. Ich hoffe, dir hat die Folge auch gefallen und freue mich, wenn du kommende Woche bei der nächsten Podcast-Folge wieder einschaltest. Mach's gut, bis dahin, ciao.