Mobilitätswandel: Vom Auto zum Schuh

Im Gespräch mit Dr. Matthias Brendel, Gründer und CEO von Footprint Technologies

In der aktuellen Elektroauto-News.net-Folge spreche ich mit Dr. Matthias Brendel, Gründer und CEO von Footprint Technologies, über seinen beruflichen Werdegang und seine aktuelle Arbeit. Er begann seine Karriere in der Automobilindustrie, wo er sich auf Verbrenner und deren Effizienzverbesserung konzentrierte. Später wechselte er in den Bereich der neuen Geschäftsmodelle und baute die Audi Denkwerkstatt in Berlin auf, eine Einheit für neue Geschäftsmodelle im Bereich Nachhaltigkeit.

Ende 2020 gründete er Footprint Technologies, um mehr Nachhaltigkeit in den Online-Schuhhandel zu bringen. Das Unternehmen hat eine Software entwickelt, die aus jedem Smartphone und einem Blatt DIN-A4-Papier ein hochpräzises Fuß-Messgerät macht. Dies reduziert die Retourenquote im Online-Schuhhandel erheblich und spart dadurch Kosten und CO₂-Emissionen.

Brendel spricht auch über die Herausforderungen und Unterschiede zwischen der Automobil- und der Schuhindustrie. Er betont die Bedeutung von Innovation und ermutigt dazu, über den Tellerrand zu blicken und die Branche zu wechseln, um neue Perspektiven und Lösungen zu finden. Wir gehen direkt rein ins Gespräch mit Matthias.

Shownotes:

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Transcript

  1. Intro:

    Elektroauto News. Der Podcast rund um das Thema Elektromobilität. Mit aktuellen Entwicklungen, Diskussionen, Interviews und vielem mehr.

  2. Sebastian:

    Servus und herzlich willkommen bei einer neuen Folge des elektroauto-news.net Podcast. Ich bin Sebastian und freue mich, dass du diese Woche wieder eingeschaltet hast, wenn wir uns mit dem Thema E-Mobilität beschäftigen. Allerdings nur am Rande, vielmehr geht es heute um das Thema CO2-Vermeidung, wie kann ich es einsparen und das Thema Innovationskultur. Im weitesten Sinne geht es um dich als Person, aber eben auch wie CO2 im Alltag anfällt, wo man es gar nicht so arg wahrnimmt. Hierfür habe ich Dr. Matthias Brendel zu Gast, der mit seinem Unternehmen Footprint Technologies einen ganz anderen Ansatz geht, um eben Retouren zu senken, wo die Verbindung zur E-Mobilität oder zu den Automobilherstellern ist. Matthias war lange Zeit für Audi in Audis Denkwerkstatt tätig, hat eben auch darüber Einblicke gegeben, wie man frühzeitig sich auf neue Geschäftsmodelle eingestellt hat, weil man eben bereits 2010 gemerkt hat, dass E-Mobilität kommt, nicht aufzuhalten ist und dafür Geschäftsmodelle vorhanden sein müssen. Im Detail war es natürlich besser zu erklären, zu erläutern und wird im Nachgang auch noch erläutern, wie eben eine massive CO2-Reduktion im Alltag möglich ist. Das Thema Innovationskultur kam auch nicht zu kurz, haben wir auch mit reingebracht, also sprich, wie kann ein alteingesessener OEM sich verändern, wie können Denkweisen verändert werden, sowohl in der Automobil- als auch in der Schuhindustrie. Bisschen anderer Podcast mit einem bisschen anderen Twist, aber bestimmt genauso interessant. Wir gehen direkt rein. Dir vielen Dank schon mal vorab fürs Zuhören. Hallo Matthias, freut mich, dass du heute hier zu Gast bist beim elektroauto-news.net Podcast. Wir unterhalten uns über das Thema Mobilität, wie sagt man, auch klassisch kommend aus der Automobilindustrie bis jetzt hin zur Mikromobilität in Anführungsstrichen. Das werden wir dann nachher aufklären, warum das in Anführungsstrichen ist. Bevor wir da allerdings tiefer einsteigen, stell dich gerne mal selbst vor, verliere ein paar Worte zu deinem aktuellen Unternehmen und dann nehmen wir unsere Hörer, Hörerinnen mit auf den Weg dorthin.

  3. Dr. Matthias Brendel:

    Ja, super. Vielen lieben Dank, Sebastian, dass ich heute bei dir zu Gast im Podcast sein darf. Ja, ich bin Matthias, ich bin 40 Jahre alt. Ich habe vor vielen Jahren schon, 2002, habe ich Umweltingenieurwesen studiert, weil es mir schon immer ein Anliegen war, mit Technologie Nachhaltigkeit zu ermöglichen. Und mit diesem Wunsch bin ich dann als allererstes in die Autoindustrie gegangen, weil mich Mobilität schon immer fasziniert hat. Und nachdem ich aus einer ländlichen Region komme, war dann Auto so der Inbegriff der Mobilität. Wenn du zweimal am Tag einen Bus fährst, dann brauchst du halt ein Auto, um von A nach B zu kommen. Ja, und das hat mich dann letztendlich zu Audi geführt. Ich habe 2007 bei Audi begonnen und war dann in Summe 14 Jahre im Unternehmen und Und ja, habe begonnen als Doktorand im Bereich Verbrennungskraftmaschinen. Das heißt, ich habe mich um Technologien wie variable Verdichtung gekümmert, um einfach die Effizienz zu verbessern, den Kraftstoffverbrauch zu verringern. Und das habe ich in Summe achteinhalb Jahre gemacht, bevor ich dann das Angebot bekommen habe, mich um neue Geschäftsmodelle zu kümmern. Und dafür bin ich dann nach Berlin gewechselt und habe hier die Audi Denkwerkstatt aufgebaut. Also eine Einheit für neue Geschäftsmodelle, auch immer im Bereich Nachhaltigkeit, aber weit über das Auto hinaus. Ja, und dann schließlich Ende 2020 war für mich die Zeit gekommen, selbst zu gründen. Also ich hatte zum ersten Mal schon mal mit 17 gegründet und hatte so ein Unternehmen während des Studiums nebenbei. Aber dann bin ich wirklich Vollzeitunternehmer geworden und habe Footprint Technologies gegründet, um mehr Nachhaltigkeit herzustellen. in den Online-Schuhhandel zu bringen. Und dann sind wir natürlich mittendrin in der Mikromobilität, weil die beginnt mit zwei Füßen, die in zwei passenden Schuhen stecken.

  4. Sebastian:

    Das vergisst man immer, dass es das noch gibt und dass es nicht immer nur die großen SUVs gibt, die auf der Straße unterwegs sind. Das muss man ja fairerweise auch dazu sagen. Bevor wir da allerdings auf dieses interessante Thema auch eingehen und auch so ein bisschen die Brücke schlagen, wo es dann doch Verbindungen gibt, was man besser machen kann in der einen oder anderen Welt, würde mich natürlich noch ein Stück weit interessieren, deine Vergangenheit in der Audi-Denkwerkstatt. Was waren denn da so Herausforderungen, Aufgaben, mit denen du da betreut warst, dass wir das Ganze ein bisschen greifbarer bekommen? Vielleicht auch gerade auf diese Richtung Nachhaltigkeit, die dich ja auch von Anfang an schon getrieben hat aus deinem ursprünglichen Job heraus.

  5. Dr. Matthias Brendel:

    Also die Audi Denkwerkstatt war damals eine Initiative des Audi Vorstands, die sich damals schon sehr wegweisend damit beschäftigt haben. wie muss sich ein Autohersteller verändern und was braucht es alles, um wirklich zum Mobilitätskonzern zu werden und wie kann man die ganzen Megatrends wie Nachhaltigkeit, Digitalisierung etc. nutzen und das mit dem Spirit der Startup-Szene kombinieren, um die Dinge eben nicht klassisch wie so ein Konzern zu entwickeln, sondern Speedboat-mäßig in einer kleinen Organisation. Ja, und wir haben bei der Audi Denkwerkstatt dann ein Intrapreneurship-Programm draus gebaut. Das heißt, Mitarbeiter konnten sich bewerben, eine gewisse Zeit an einer gegebenen Challenge arbeiten und die dann schlussendlich auch ausgründen. Und das ist auch einige Male passiert. Und so haben wir zum Beispiel 2017 den ersten Ladeservice für E-Fahrzeuge in der Stadt ausgegründet, die also damals... die Autos entweder umgeparkt haben oder den Strom sogar zum Auto gebracht haben mit einem speziellen Fahrradanhänger und natürlich auch noch jede Menge Mikroservices außenrum erledigt haben. Also es waren eigentlich immer Themen rund um Enabling von Elektromobilität, was natürlich damals so on the rise war. Es war klar, das kommt, aber braucht ganz viele kleine Bausteine drumherum, insbesondere rund um Ladeinfrastruktur, aber auch ganz viel schon in Richtung CO2-Tracking und Mikromobilität.

  6. Sebastian:

    Vielen Dank, dass du uns dann ein Stück weit in diese Welt mit abgeholt hast und auch spannend, also gerade an dieses Radprojekt nenne ich es jetzt mal mit dem Ladeinfrastruktur vor Ort, erinnere ich mich noch, da haben wir auch mal was dazu gepublished bei uns auf der Webseite. Spannend, dass dann nochmal so eins zu eins zu hören von jemand, der da mit dran beteiligt war, der das mitbekommen hat. Jetzt kann ich mir halt vorstellen, ich komme selbst aus der Automobilindustrie, Zulieferer, Audi war auch Kunde oder ist Kunde von dem Unternehmen, wo ich tätig war. Automobilindustrie ist ja immer ein bisschen schwierig, sage ich mal, in dem Wandel. Man erkennt Megatrends, man weiß, man muss sich darauf einstellen, aber es ist nicht immer so ganz einfach. Hat ja auch ein Stück weit mit einer Kultur zu tun, die sich verändern muss, die sich verändern sollte, wenn man dann eben auch vorne mit dabei sein will. Ich glaube, das ist ja auch so ein Thema, was dich ein Stück weit begleitet hat, diese Innovationskultur, wie du sie zu Beginn genannt hast. Vielleicht kannst du ja auch dazu ein paar Worte verlieren, ob das Herausforderungen, Chance, Risiko, wie man es dann eben ein Stück weit einordnen will und wie das dich auch dann geprägt hat.

  7. Dr. Matthias Brendel:

    Ich glaube, dieses Muster, dass man Innovation auf der einen Seite vorantreiben will, auf der anderen Seite dann irgendwann doch davor zurückschreckt, wirklich all in zu gehen, wenn man dann konkrete Projekte hat, das kann man in nahezu allen Branchen beobachten. In der Autoindustrie ist es deswegen so gravierend, Wenn man sich jetzt die letzten Jahre anschaut, es war eigentlich schon Anfang der 2010er Jahre klar, dass das E-Auto definitiv einen festen Marktanteil erobern wird. Aber es hat dann ja letztendlich bis zu 2016, bis zum Dieselskandal 2015 gedauert, bis dann wirklich so ein Umschwung reinkam. Und bei vielen anderen Autoherstellern jetzt jenseits vom VW-Konzern hat es ja noch länger gedauert. Und Das Grundproblem war, dass das Basisgeschäftsmodell einfach zu gut funktioniert hat und du kannst noch so auf jeder Managementkonferenz können die Vorstände erzählen, dass wir was ändern müssen, dass wir umsteuern müssen, dass es neue Themen braucht, solange jedes Quartal der Umsatz steigt und die Tantiemezahlung jedes Jahr höher wird. haben die Menschen auch einfach gar nicht diesen Sense of Urgency, dass sich wirklich was verändern muss. Und ich glaube, das ist der deutschen Autoindustrie so ein bisschen zum Verhängnis geworden, weil andere Länder, wie jetzt zum Beispiel China, natürlich eine wahnsinnige Chance erkannt haben, dass ein Technologiewechsel stattfindet. Und in Deutschland hat man das so ein bisschen verschlafen, auch weil das Bestandsgeschäftsmodell einfach noch zu gut funktioniert hat.

  8. Sebastian:

    Kann man ja sozusagen auch ein Stück weit nachvollziehen oder kennt man von sich selbst im Alltag dann, wenn was gut funktioniert, warum soll ich es ändern? Never change running team ist ja auch so ein beliebtes Stichwort oder Sprichwort in dem Sinne. Von daher kann ich das schon nachvollziehen, aber nichtsdestotrotz, wenn man weiß, der Wandel kommt, 2010 war er schon absehbar. Ich muss mich eigentlich darauf einlassen, ich muss es vorantreiben. Das habt ihr ja auch mit der Audi Denkwerkstatt gemacht. Dann hast du aber für dich erkannt, das ist vielleicht dann doch noch nicht genug für dich und du wolltest deinen Wandel, deine Innovation selbst vorantreiben und bist dann nochmal einen ganz anderen Weg gegangen, wo wir jetzt auch zu Footprint Technologies vielleicht den... Bevor wir da allerdings einsteigen und wie du da deine Innovation dann ja auch selbst gesteuert vorantreiben kannst auf einem anderen Level, magst du vielleicht unseren ZuhörerInnen dann auch erläutern, was ihr eigentlich macht oder was du machst, was so dein Thema ist, dem du dich annimmst?

  9. Dr. Matthias Brendel:

    Also vielleicht nochmal geradezu zu dieser Übergangsphase, nachdem ich dann einige Jahre eben die Audi Denkwerkstatt aufgebaut habe und da auch viele tolle Intrapreneur-Teams begleiten durfte, die dann auch ihren Weg mit ihren Themen gefunden haben. ist mir irgendwann klar geworden, dass ich es jetzt nicht beliebig weiter skalieren kann. Weil es war klar, dass es unrealistisch ist, dass jetzt riesige Summen in diese neuen Themen reinfließen. Und das wäre aber das gewesen, was mich gereizt hätte. Und deswegen habe ich mich dann entschieden, ein eigenes Thema voranzutreiben, was ich schon über die Jahre immer wieder so im Hinterkopf hatte und was mich immer wieder umgetrieben hat. Und das war tatsächlich, passende Schuhe zu finden. Also Mikromobilität quasi basic. Ich habe selber relativ breite Füße und dadurch hatte ich häufig die Schwierigkeit, wenn ich zwei Paar online bestellt habe, habe ich beide wieder zurückgeschickt, weil beide zu schmal waren. Und ich dachte mir, das darf doch nicht wahr sein, 21. Jahrhundert und wir haben immer noch keinen besseren Prozess als den, zu Zeiten des Quelle-Katalogs, also aus den 30er- oder 40er-Jahren des letzten Jahrhunderts und dachte mir, da muss man doch was ändern können. Und ich habe dann relativ viel recherchiert und habe viele Lösungen gefunden, aber keine, die wirklich funktioniert haben. Und das war dann der Grund, dass ich mir ein Team gesucht habe, zwei ehemalige Kollegen angerufen habe, also Carolin Kleinert und Mohamed Ketze. Und mit den beiden bin ich dann nochmal tiefer eingestiegen und dann haben wir festgestellt, okay, da draußen gibt es einige Teams, die sowas machen, aber wir glauben, die gehen noch nicht ambitioniert genug ran, die denken es nicht groß genug und die haben noch nicht alle Features drin, die man braucht. Und deswegen haben wir dann selber gegründet und heute sind wir der führende Anbieter für smartphonebasierte Fußvermessung und Schuhgrößenempfehlungen, die wirklich passen.

  10. Sebastian:

    Da könnte man sich jetzt natürlich fragen, was sucht es bei uns hier im Podcast? Da mag ich vielleicht mal unsere Zuhörerinnen auch ein Stück weit abholen, weil du hast es eben schon schön erklärt. Man bestellt sich zwei, drei Paar Schuhe, um dann ein Paar vielleicht zu finden, was eben passt, was richtig ist. Schön und gut, es kostet mich ja nichts. Ich kann es kostenlos rückversenden. Das ist ja immer die Denkweise, die man hat, die wir auch teilweise hier im Haushalt ab und an mal diskutieren sozusagen. Nichtsdestotrotz, wenn man die ganzen Prozesse hintendran betrachtet, Logistik in den Versandhäusern drin sozusagen. Wir konnten letztens bei Amazon Blick auch drauf werfen. Das wird alles besser, da wird auch CO2 eingespart, aber jedes Produkt, was nicht versenden muss, spart natürlich noch mehr ein und von daher finde ich das schon sehr interessant, auch diesen Weg da einzuschlagen und auch mal auf solche Prozesse oder Produkte wie jetzt eures zu gucken, um eben auch mal aufzuzeigen, CO2 ist halt eben nicht nur immer im PKW-Bereich oder im Nutzfahrzeugbereich einzusparen, jeder von uns kann das im Alltag auch ein Stück weit vorantreiben, einsparen und dann glücklicherweise auch mit solchen Services wie von euch nutzen. Kannst du uns, wenn das jetzt unsere ZuhörerInnen eben auch nutzen wollen, mal abholen, wie das dann im Alltag funktioniert? Du hast eben schon gesagt, smartphonebasiert. Ist das dann mit bestimmten Online-Plattform-Händlern zusammen oder ist das unabhängig von Händlern? Einfach, dass wir da einen Einblick drauf bekommen.

  11. Dr. Matthias Brendel:

    Ich würde erst nochmal kurz einordnen, wie der Online-Schuhhandel heute funktioniert. Das ist für viele vielleicht auch ganz spannend. Heute ist es im Durchschnitt so, dass die Retourenquote durchschnittlich 50% beträgt. Das heißt, jeder Schuh wird mindestens zweimal verschickt, bis er behalten wird. Jetzt kann man sich natürlich vorstellen, dass das eine wahnsinnige Flut von Paketen ist. Allein in Europa entstehen dadurch bei den Händlern Kosten von 10 Milliarden pro Jahr und es geht um 330.000 Tonnen CO2-Emissionen in Europa. Also schon ist jetzt noch nicht vergleichbar mit Mobilitätsemissionen, aber es ist schon eine ganz ansehnliche Menge. Und was man auch nicht vergessen darf, Allein ein durchschnittlicher User verbringt 32 Minuten mit einer Retoure. Das heißt, allein wenn ich das mit der Zahl der Retouren in Europa multipliziere, sind es über 30.000 Jahre menschliche Lebenszeit, die wir mit dem Thema verschwenden. Ja, und wir lösen dieses Problem, indem wir eine Software entwickelt haben, die aus jedem handelsüblichen Smartphone funktioniert. und einem Blatt DIN A4 Papier ein hochpräzises Fußmessgerät macht. Das heißt, stellt euch vor, ihr wollt ein paar Schuhe online kaufen, seid auf eurem Smartphone in dem entsprechenden Shop unterwegs, dann findet ihr dort auf der Produktdetailseite direkt unseren Knopf, messt deinen Fuß und findet die richtige Schuhgröße. Wenn man da draufklickt, kommt man direkt in den Messprozess, kriegt erklärt, was man alles machen muss, Socken ausziehen, vorher natürlich Schuhe ausziehen, aufs Blatt Papier stellen, zwei Fotos von jedem Fuß machen und der Rest wird von unserem Algorithmus, der vorwiegend auf Bilderkennung und künstlicher Intelligenz beruht, ausgewertet und mit den Schuhdaten verglichen, also mit der Maschine, mit den Schuhleisten warten und daraus können wir dann genau sagen, der Schuh ist für dich geeignet und wenn ja, in welcher Größe. Und dann kannst du ihn direkt in den Warenkorb legen und bist quasi einmal fertig.

  12. Sebastian:

    Das heißt, um das dann nochmal abzuholen, das ist schon eingebettet dann auch bei einem Online-Händler in deren Prozess sozusagen und läuft nicht unabhängig davon, dass ich jetzt sagen kann, ich mache das einfach mal für mich und gehe dann alles durch, sondern es muss in diesem Prozess eingebettet sein.

  13. Dr. Matthias Brendel:

    Genau, also wir sind ein B2B-Service-Anbieter. Das heißt, wir verkaufen unsere Lösung an den Online-Shop, der es bei sich anbietet, weil dort sucht der Endnutzer oder die Endnutzerin ja auch danach. Das heißt, wir sind seamless in den Kaufprozess eingebaut. Und das Besondere bei unserer Technologie ist, dass es ohne App funktioniert. Also alles, was wir tun, passiert direkt im Browser. Und dadurch kann man die User Journey natürlich auch sehr flexibel von der Produktdetailseite in unseren Messprozess und wieder zurück in Warenkorb erstellen. Und dadurch wird es eine wirklich einfache Experience, die die Menschen dann auch nutzen. Und die Nutzer, die unseren Service nutzen, verursachen im Schnitt zwischen 26 und 41 Prozent weniger Retouren als User, die das nicht tun. Und das ist natürlich der Game Changer im Online-Schuhhandel, weil eine durchschnittliche Retoure bis zu Ja, durchschnittlich 15 bis 19 Euro kostet und das ist natürlich ein richtiger Profitabilitätsboost für den Händler.

  14. Sebastian:

    Das auf jeden Fall, dann kann man das auch schon mal nachvollziehen, warum ihr da eben direkt von dessen Seite aus eingebettet werdet und es bietet es ja natürlich auch von der Datenseite her an, weil wenn ihr in dem Prozess mit drin seid, die Daten für die Schuhe, die man ja kaufen möchte, müssen ja vorhanden sein, damit ich das gegen die eigenen Füße eben sozusagen messen kann. Und den Vorteil ohne App verstehe ich auch vollkommen, weil so wie du sagst, das Wichtige ist ja immer, dass du keinen Absprung da unnötig mit reinbringst in diesen Prozess, sondern dass der Kunde eben auch durchkommt. Seid ihr denn auch schon bei in Anführungsstrichen gängigen Anbietern jetzt hier in Deutschland mit drin? Wo kann man euch schon nutzen, wenn man diese Erfahrung einfach auch mal selbst erleben möchte?

  15. Dr. Matthias Brendel:

    Also wir sind mit 13 Marken momentan unterwegs. Darunter zum Beispiel der führende Kinderschuhhersteller in Deutschland, Costa. Aber wir arbeiten auch mit großen Arbeitsschuhherstellern bis hin zu Streetwear-Labeln oder zum Beispiel Babouk aus der Schweiz. Die machen so Wollsneaker. Auf unserer Website footprinttech.de findet ihr immer die aktuelle Liste und die Links zu den Online-Shops und könnt es dort sehr gerne ausprobieren.

  16. Sebastian:

    Das hört sich auch gut an. Dann können wir das da mal mitnehmen. Und wie ist es denn bei euch? Also wir hatten vorhin das Thema Innovationskultur, was dich ja auch so ein Stück weit für deinen Wandel, für deinen Weg bewegt hat, weg vom Automobilhersteller, vom OEM. Ist die Schuh-Szene, nenne ich es jetzt mal, einfacher auf den Fortschritt vorzubereiten oder gibt es da auch Herausforderungen, mit denen man zu kämpfen hat?

  17. Dr. Matthias Brendel:

    Also für mich hat es sich tatsächlich so angefühlt, als ob ich in der Zeit so ein bis zwei Jahrzehnte zurückgehe, als ich von der Autoindustrie in die Schuhindustrie gewechselt bin. Weil die Schuhindustrie halt lang nicht so automatisiert, nicht so datengetrieben, nicht so digital ist, wie das in der Autoindustrie schon der Fall ist. Und das kann man auch nachvollziehen, weil die Schuhindustrie letztendlich ein skaliertes Handwerk ist. Das heißt, es kommt irgendwie aus einem Handwerk, was halt industrialisiert wurde, aber viele Prozesse laufen dann nach wie vor sehr manuell. Und deswegen war gar nicht so die Möglichkeit oder die Notwendigkeit, alles zu digitalisieren. Das kommt jetzt alles, aber gefühlt hinkt das alles noch ziemlich hinterher im Vergleich zur Autoindustrie. Was ich total spannend finde, ist, Innovation in der Branche passiert ja meistens nicht durch die Player in der Branche selbst, sondern durch die, die von außen neu reinkommen. Und das war für mich auch Motivation, durchaus mal in eine neue Branche wie jetzt die Schuhbranche zu gehen, weil ich dort dieser Outside Disruptor sein kann. So ähnlich wie das ja Tesla in der Autoindustrie war und allen gezeigt hat, dass das, was alle für unmöglich gehalten haben oder versucht haben, totzureden, dann auf einmal doch ging. Und damit hat sich die komplette Industrie gedreht. Und ich glaube, aus so einer Außenperspektive erkennt man immer schneller die Möglichkeiten und hat nicht so viele Grenzen im Kopf, die man erst überschreiten müsste, um das zu tun. Weshalb es total natürlich ist, dass Innovation häufig von der Seite in eine Branche reinkommt und die Branche dann verändert. Und deswegen kann ich alle nur ermutigen, durchaus mal die Branche zu wechseln, weil man doch viele Muster, die man aus einer anderen Industrie kennt, übertragen kann. Und dann ist Innovation nicht mehr so weit weg, wenn man einfach was, das schon woanders existiert, überträgt. Und dort ist es dann eine vollkommene Neuigkeit. Also das... ist für mich ein ganz wichtiger Teil der Innovationskultur, eben über den Tellerrand zu gucken, in andere Branchen zu gucken und dann auch wirklich mit Vehemenz versuchen, die Themen zu übertragen.

  18. Sebastian:

    Was soll man da noch sagen? Also bessere Schlussworte hätte ich jetzt auch nicht finden können, einfach über den Tellerrand zu schauen, das dann auch mal mitzunehmen, mitzutransferieren und dann davon zu profitieren. Vielen Dank für deine Zeit, für die Einblicke und freue mich, wenn wir da in Kontakt bleiben, dass wir dann doch eben deinen Weg auch ein Stück weit verfolgen können, ob du denn dann eben zum Tesla der Schuhszene wirst. Mach's gut, bis dahin, Matthias.

  19. Dr. Matthias Brendel:

    Vielen lieben Dank.

  20. Sebastian:

    Spannende Folge aus meiner Sicht, die wir da mit Dr. Matthias Brendel durchgeführt haben über Footprint Technologies, die die Retourenquote im Online-Versand von Schuhen maßgeblich nach unten bringen wollen, dadurch Kosten, aber auch vor allem CO2 sparen. Und spannender Side-Fact am Rande, wo ich im Nachgespräch dann erfahren habe, man arbeitet unter anderem mit dem Mannheimer Startup Snox zusammen, das zumindest den ZuhörerInnen aus der LinkedIn-Bubble begriff sein dürfte durch die Sichtbarkeit von Johannes Kliech, finde ich immer wieder spannend, wie eben auch Startups miteinander zusammenarbeiten können, um dann ein großes Ganze nach vorne zu tragen. Von daher, wenn dir die Folge gefallen hat, hinterlasse eine positive Bewertung bei iTunes oder Co. und schalte nächste Woche wieder ein, wenn die nächste Folge des elektronischen News.net Podcasts online geht. Mach's gut, bis dahin, ciao.