Was Kreislaufwirtschaft für Batterien wirklich ermöglicht

Im Gespräch mit Jan Born, CTO und Co-Founder Circunomics

In dieser Podcast-Folge habe ich mit Jan Born gesprochen, CTO und Mitgründer von Circunomics. Das Start-up aus Mainz arbeitet seit 2019 daran, Batterien entlang ihres gesamten Lebenszyklus sinnvoll zu nutzen – vom ersten Einsatz im Elektroauto über Second-Life-Anwendungen bis hin zum Recycling. Die Mission: eine funktionierende Kreislaufwirtschaft für Lithium-Ionen-Batterien.

Gleich zu Beginn des Gesprächs hat er betont: „Unser Fokus liegt auf der Kreislaufwirtschaft von Batterien. Wir wollen technologisch die gesamte Wertschöpfungskette abbilden, um das Maximale aus der Batterie herauszuholen.“ Der Ansatz von Circunomics ist klar datengetrieben. Millionen von Batteriedaten helfen dem Team, den Gesundheitszustand einer Batterie zu bestimmen, Anomalien zu erkennen und die Lebensdauer vorherzusagen.

Um diese Modelle zu verifizieren, hat Circunomics ein eigenes Testlabor in der Nähe von Darmstadt aufgebaut. Dort werden Batteriezellen unter realistischen Bedingungen geprüft – von minus 20 bis plus 60 Grad, mit schnellen Ladezyklen oder langen Belastungstests. „Wir wollten nicht nur Modelle entwickeln, sondern sie auch überprüfen. Im Labor lassen wir Batterien altern und gleichen die Ergebnisse mit unseren Analysen ab“, erklärt der CTO des Unternehmens gegenüber Elektroauto-News.

Auf dieser Datenrundlage wurde eine Plattform entwickelt, die verschiedenste Marktteilnehmer zusammenbringt – Automobilhersteller, Energieunternehmen, Recycler und Speicherentwickler. „Unsere Hauptaufgabe ist es, Transparenz zu schaffen. Nur wenn Käufer und Verkäufer die relevanten Daten haben, entsteht Vertrauen“, so Jan. Auf der Plattform selbst werden bereits heute Batterien für den Second-Life-Einsatz, Recyling sowie Black Mass - schwarze Masse für künftige Batterieproduktion - gehandelt.

Wir haben auch über die Marktentwicklung gesprochen. Ursprünglich war der Markt von einer schnelleren Verfügbarkeit gebrauchter Batterien ausgegangen. Jan schätzt, dass wir heute zwei bis drei Jahre hinter diesen Prognosen liegen. Ein Grund: Batterien halten länger, als viele erwartet hatten. Gleichzeitig gibt es große Überkapazitäten an ungenutzten Batterien - da weniger E-Autos als geplant verkauft werden. „Diese Zellen einfach zu schreddern, wäre ein Albtraum. Sie müssen sinnvoll eingesetzt werden“, meinte er deutlich.

Strategisch sieht Jan Circunomics als „One-Stop-Shop für Analyse, Second Life und Recycling“. Ziel ist es, alle Phasen des Batterielebens abzudecken. Positiv bewertet er die neue EU-Batterieverordnung und den Batteriepass, wünscht sich aber mehr Klarheit für Second-Life-Anwendungen: „Da sind wir regulatorisch noch im Graubereich. Hier brauchen wir verlässliche Rahmenbedingungen.“

Im Gespräch hat er gezeigt, wie datengetrieben und praxisnah die Kreislaufwirtschaft gedacht werden kann. „Die Batterie bietet mehr Potenzial, als sie nur zu nutzen und dann zu recyceln“, fasste er zusammen. Damit genug der Vorrede – hören wir rein ins Gespräch.

Shownotes:

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Transcript

  1. Intro:

    Elektroauto News. Der Podcast rund um das Thema Elektromobilität. Mit aktuellen Entwicklungen, Diskussionen, Interviews und vielem mehr.

  2. Sebastian:

    Servus und herzlich willkommen bei einem neuen Voice-Elektronik-News-Podcast. Ich bin Sebastian und freue mich, dass du heute mit am Start bist. In der aktuellen Folge habe ich auch Jan Born zu Gast. Besser gesagt war ich bei Circunomics zu Gast, habe mir deren Unternehmen angeschaut und wenig hinter die Kulissen geblickt, was man in puncto Datenanalyse bei der Batterie macht und wie man dieses ganze Wissen, was man gewinnt, unter anderem eben auch auf eine Plattform überträgt, um dort die Batterie für das Second Life bzw. Recycling dann auch auf den Markt oder in den Markt zu bringen. Die Details dazu hat Jan selbst ausgepackt auf den Tisch gelegt und da hören wir am besten einfach mal direkt rein. Jan, heute kann ich euch bei euch hier hinter die Kulissen von Circunomics ein Stück weit schauen. Für unsere Zuschauer, was macht Circunomics, wie stellt ihr euch auf, was bietet ihr dem Markt der E-Mobilität an?

  3. Jan Born:

    Wir haben Circunomics 2019 gegründet und unser Fokus liegt vor allem in der Kreislaufwirtschaft von Lithium-Ionen-Batterien. In der Kreislaufwirtschaft gibt es einen Herstellungsprozess, einen Mining-Prozess. Es gibt dann irgendwann Batterien, die dann in Betrieb genommen werden in der Lebensphase. Es gibt eine potenzielle zweite Lebensphase von Batterien und dann auch in der letzten Lebensphase sicherlich das Recycling von Batterien. Und wir bei Circunomics wollen technologisch die gesamte Kreislaufwirtschaft dieser Wertschöpfungskette abbilden im Sinne der Automatisierung, der Digitalisierung dieser Prozesse, um das Maximale aus der Batterie rauszuholen im Sinne von ökonomischen, ökologischen Aspekten.

  4. Sebastian:

    Das Maximale aus der Batterie herausholen, dafür muss man die Batterie erstmal verstehen und da sind wir ja auch bei dem ersten Pfeiler Analytics bei euch, mit dem ihr auch alles begonnen habt, soweit ich das verstanden habe. Kannst du das ein Stück weit ausführen, was ihr mit Batterien macht und welche Daten ihr da erfasst?

  5. Jan Born:

    Ja, Analytics ist eine Produktkomponente. Analyse heißt bei uns erstmal überhaupt die Batterien zu verstehen. Verstehen heißt überwachen der Batterie, verstehen heißt bestimmen des Gesundheitszustandes der Batterie. neben anderen wichtigen KPIs, die während des Betriebs anfängt, in SOC zu bestimmen, Temperaturen zu überwachen, Anomalien zu erkennen, vorherzusagen, wie die Lebensdauer sich entwickelt auf Basis von Batteriemodellen und dann eben eine Empfehlung auszusprechen, was zu tun ist. Da kommt dann die zweite Komponente, die Plattform mit ins Spiel. Aber in der Analyse ist es wirklich die Analyse, die Batterie wirklich in Tiefe zu verstehen, basierend auf Daten, um unseren Kunden Transparenz zu geben, wie sie mit der Batterie umgehen sollen und was eben gegebenenfalls zu tun ist im Anschluss.

  6. Sebastian:

    Dafür nutzt ihr zum einen die Datenerfassung, die ihr macht. Ihr habt aber auch ein eigenes Testlabor mit aufgenommen. Indem ihr eben nicht nur, ich sag mal, in Excel-Tabellen, übertrieben gesagt, Zahlen von A nach B schubst, sondern ihr schaut euch Batterien auf unterschiedlichen Ebenen an, um da in die Auswertung zu gehen. Aber es ist eben nicht so, wie ich gelernt habe, dass ihr jede Batterie, jedes Modul einzeln dort reinlegt, sondern ihr nehmt euch einzelne Partszellen da raus und nutzt diese Daten dann, um wieder auf die ganze Batterie das zu übertragen schlussendlich.

  7. Jan Born:

    Korrekt. Also ich glaube, die wichtige Erkenntnis ist, Batteriemodelle zu entwickeln im Sinne der Zustandsbestimmung ist das eine, aber auch zu verifizieren, wie gut dein Modell dann letztendlich und wie akkurat dein Modell ist, ist das andere. Dafür haben wir relativ früh auch gesagt, okay, nicht nur Modellentwicklung, sondern auch die Validierung und die Verifizierung unserer Modellentwicklung ist wichtig. Und dafür haben wir eben selbst ein Labor aufgemacht, wo wir mittels Lifespan, also Zyklen-Tests Batterien Tag und Nacht verstehen, wie sie altern in unterschiedlichen Konditionen, altern lassen, um diese Daten quasi gegen unsere Modelle zu halten, um zu sehen letztendlich, okay, wie genau sind wir denn da dran? Wie genau ist unsere Analyse? Wie genau sind unsere Modelle? Und das ist die Aufgabe von unserem Lab, Das eben zu machen und das machen wir hier in Darmstadt.

  8. Sebastian:

    Und das war schon der Gedanke bei der Gründung in 2019 oder hat sich das seitdem auch euer Geschäftsfeld sowie der Markt dynamisch ein Stück weit verändert?

  9. Jan Born:

    Das hat sich dynamisch entwickelt. Man startet erst mal mit einer Idee und a, verändert sich der Markt, b, durchdringt man den Markt viel tiefer, Technologie entwickelt sich weiter. Da müssen wir als Startup sehr flexibel darauf reagieren können und da, wo nötig ist, eben Dinge machen. Inhouse machen oder eben über Third Party im Fall von der Validierung und der Datenbasis, die wir für uns selber aufbauen wollen, um die Batterie zu verstehen, haben wir das eben beschlossen, inhouse zu machen.

  10. Sebastian:

    Ihr nehmt ja diese Daten, die ihr gewinnt, ist ja, ich sag mal, in der Vielzahl der Daten, in dem Detailgrad, das ist ja so ein großer Mehrwert für euch über die Erkenntnisse, die ihr dann ja auch wieder nutzt, um die euren, ich sag mal, Marktteilnehmern, Partnern auf eurer Plattform zur Verfügung zu stellen, dass die in den Austausch miteinander kommen.

  11. Jan Born:

    Ich glaube, das war ja schon unsere Grundvision, ist quasi Transparenz über die Batterie zu geben. Transparenz kann ich nur all unseren Marktteilnehmern geben. Und die kommen ja eben aus der Automobilindustrie, aus der stationären Speicherentwicklung, aus der Recyclingindustrie, aus Remanufacturing-Industrien, wenn ich denen eben Transparenz über die Daten gebe. Um Transparenz zu geben, muss ich A, Transparenz oder Daten sammeln, Daten analysieren, Daten transformieren und dann eben Daten wieder zur Verfügung stellen. Ansonsten eben schaffe ich es nicht in diesem komplexen Umfeld. all die Marktteilnehmer zusammenzubringen. Und da sitzen wir eben in der Mitte und das ist unsere Hauptaufgabe, eben dort diese Daten, Drehscheibe und die Transparenz eben zu bringen.

  12. Sebastian:

    Jetzt hast du eben auch schon verschiedene Player auf eurer Plattform genannt. OEM angefangen, Energieunternehmen, Recycler. die ganze Kette hinweg. Wer ist der wichtigste Part zum aktuellen Stand für euch? Ist es derjenige, der die Batterien verkauft, den er erstmal braucht sozusagen, um überhaupt ein Angebot zu schaffen? Ist es dann auch der Käufer, der Recycler hinten raus tut? Oder ist es eben so, das eine bedingt das andere, wir müssen alles auf einmal auf die Plattform bringen?

  13. Jan Born:

    Also im Grunde bedingt das eine immer das andere. Ohne Angebot keine Nachfrage, ohne Nachfrage kein Angebot. Aber wir wissen natürlich auch in so unserer jungen Historie, Märkte können sich verändern. Es gibt vielleicht ersten seitens des angebotsgetriebenen Markt. Das kann sich verändern zu einem Nachfragemarkt. Letztendlich ist es für uns beides wichtig. Es ist mehr wichtiger oder unwichtiger. Dort müssen wir eben die Balance schaffen, die Quantität erhöhen, umso mehr Angebot wir haben. umso mehr Nachfrage wir haben, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit natürlich, dass wir Käufer und Verkäufer zusammenbringen und das ist unsere Hauptaufgabe.

  14. Sebastian:

    Ihr seid seit 2019 mit einer gewissen Annahme dann auch gestartet im Hinblick auf Verlauf, Second Life, Recycling, wann welche Stückzahlen da aufkommen. Wir haben es jetzt schon mehrmals, du hast es auch schon mehrmals erwähnt, der Markt reagiert dynamisch, es gibt Verschiebungen sozusagen. Wenn du das ein Stück weit einordnen kannst, wie viele Jahre sind wir jetzt dem angepeilten Markt voraus, hinterher sozusagen? Gibt es da eine Aussage eurerseits?

  15. Jan Born:

    Also ich würde sagen, wir sind ein paar Jahre hinterher. Wir sind gestartet mit anderen Annahmen, dass sich die Elektromobilität sicherlich schneller durchsetzt. Wir glauben fest daran, dass sie sich durchsetzt. Das ist für uns klar. Aber wir sehen natürlich auch, wenn wir uns die Industrien beachten, Automobilindustrie, die Entwicklung der letzten Jahre in der Elektromobilität, Und da sprechen wir ja über ein zukünftiges großen Anteil, was die Batterienutzung, den Batteriebetrieb betrifft, dass natürlich das nicht so gekommen ist wie gedacht. Ich glaube, unsere Kunden gerade oder selbst die Automobilindustrie als solches hatte viele Themen zu lösen, Software, Defined Vehicle. Sie mussten das Thema Batterie machen, sie müssen digitalisieren, all das gleichzeitig. Das ist komplex. Das dauert wahrscheinlich ein bisschen länger als gedacht. Und dadurch verschieben sich natürlich gewisse Märkte oder Erwartungen und Potenziale ein bisschen nach hinten. So denke ich, ohne jetzt irgendwie eine spezifische Zahl zu nennen, sind wir da sicherlich zwei bis drei Jahre, habe ich jetzt auch eine genannt,

  16. Sebastian:

    Was ja auch im Blick auf das große Ganze sind ja zwei bis drei Jahre auch ein Stück weit zu vernachlässigen, würde ich jetzt sagen. Es sind ja an anderen Stellen auch schon durchaus größere Zahlen jenseits der zehn bis zwanzig Jahre gefallen. Du hast gesagt, zum einen ist es natürlich der Absatz der E-Autos, aber was glaube ich auch unterschätzt wurde, dass Batterien auch länger im Fahrzeug leben, bevor sie überhaupt in dieses Second Life bzw. Recycling reinkommen. Das werdet ihr wahrscheinlich auf Grundlage eurer Daten auch gesehen haben.

  17. Jan Born:

    Ja und nein. Es ist ja meistens so. Ich glaube, es gibt die Batterie auch in der Nutzung ist komplex, je nachdem, wie du die Batterie eben nutzt im Leben, in welchen Umgebungen sie nutzt und mit welcher Nutzungshandhabe. Also nutzt du Supercharger, nutzt du sie nur im Stadtbetrieb? Hast du da eine eigene Wallbox zu Hause, lädst immer zwischen 20 und 80 Prozent. Gibt es unterschiedliche Cases? Ich denke, es wird die Autos geben, die halten weit länger oder Batterien, die weit länger als 15 Jahre halten. Es gibt genauso welche, die werden nach sieben bis acht Jahren schon da sein. Ich gehe nach wie vor von der Nutzung im Durchschnitt aus von 12, 13 Jahren, was wahrscheinlich schon ein bisschen länger ist als frühere Annahmen, wo man gedacht hat, okay, die halten vielleicht nur 8 bis 10 Jahre.

  18. Sebastian:

    Wenn die Batterien dann eben nicht mehr genutzt werden, wenn sie ja Second Life zugeführt werden können oder Recycling, je nachdem, was bei euch in den Tests auch rauskommt, bietet ihr euren Marktplatz dafür an? Eure Plattform ist der wichtige Begriff, den ich heute gelernt habe, nicht Marktplatz, weil das geht ja weit darüber hinaus. Aber wie baut ihr dieses Vertrauen auf der Plattform für Käufer, Verkäufer, die verschiedenen Marktteilnehmer da dann auch auf, dass man sagt, okay, Circunomics ist für uns der Platz, wo wir aktiv sein wollen, wo wir agieren möchten mit unserem Angebot oder Nachfrage?

  19. Jan Born:

    Naja, das hat wieder was mit Daten zu tun. Da hattest du vorhin schon drauf angesprochen. Unsere Plattform und ein Teil ist eben auch die Batterien handelbar zu machen, lebt natürlich davon, dass ich Transparenz biete für Verkäufer und für Käufer von Batterien oder auch für Recycler. Jeder Prozess ist da anders und nicht vergleichbar. Ein Recycler muss andere Daten wissen als ein potenzieller Käufer aus dem stationären Energiespeicherbereich. Der braucht wieder ganz andere technische Spezifikationen. Und dadurch, dass... wir dieses Haugaugenmerkmal legen, diese Datentransparenz zu schaffen, versuchen wir natürlich dort über Technologien beide Seiten zusammenzubekommen. Im Sinne ein Matchmake zu machen. Käuferseite mit Verkäufer, sei es im Recycling als auch im Second Life Bereich zu sein, das ist unser Hauptaugenmerk. Wenn wir diese Transparenz schaffen, ist die Wahrscheinlichkeit eben hoch und auch Das Vertrauen dahinter sehr hoch, dass sie das bekommen, was sie nach was sie suchen und welche ihre Anforderungen erfüllt.

  20. Sebastian:

    Und wenn wir jetzt auf den Markt an sich blicken, was sind derzeit aus deiner Sicht so die größten Herausforderungen, um den Second Life Markt da auch ins Laufen zu bekommen?

  21. Jan Born:

    Also größte Herausforderung ist natürlich eine gewisse temporäre Verschiebung. Die große Masse, die große Quantität an echten Second-Life-Batterien ist so heute noch nicht gegeben. Durch eben temporäre Verschiebung auch von Verkäufen von Sales im EV-Markt. Was wir klar wahrgenommen haben, ist eine temporäre Entwicklung. Es ist unwahrscheinlich viel Überkapazität im Markt an Batterien. Wir nennen sie Second Chance Batterien, die eben nicht rechtzeitig verbaut werden konnten zum Beispiel. Batterien altern aber auch organisch etc. pp. Und natürlich jetzt geschaut werden, okay, macht ja vielleicht Sinn, diese noch in einen anderen Use Case zu bringen, ohne dass jetzt ein Verkäufer dieser Batterien sagt, okay, die sind nagelneu und die schredder ich jetzt, was persönlich für uns ein Albtraum wäre, weil so eine Batterie, Lithium-Ionen-Batterie, kommt mit einem relativ hohen ökologischen Fußabdruck durch die Tür. Ungenutzt sie wieder zu schreddern, wäre jetzt nicht unbedingt sinnvoll.

  22. Sebastian:

    Das stimmt. Und diese Überkapazität, um das kurz einzuordnen für unsere ZuschauerInnen, kommt daher, dass man eben mit einer höheren Nachfragekurve gerechnet hat, dementsprechend vorproduziert hat bei den Herstellern, bei deren Zulieferern. Die Nachfrage ist leider doch nicht so eingetroffen, wie es aktuell der Fall ist und wir eben das Thema temporäre Alterung haben und dem entgegnen müssen.

  23. Jan Born:

    Ja, ich glaube, da kommen ganz viele. Also zum einen das, was du gesagt hast dazu. Da kommt natürlich auch die Transformation unserer Automobilindustrie dazu. Es ist nicht nur, ich baue ein E-Auto, ich muss auch digitalisieren, ich muss effizienter produzieren, ich muss meine Entwicklungszyklen reduzieren. Ich glaube, da kommen ganz viele Komponenten dazu. Ich glaube, das hat die Automobilindustrie auch erkannt und ist da auch auf einem guten Weg. Aber sowas macht man halt eben nicht in einem Jahr, sondern das dauert ein bisschen und da befinden wir uns jetzt. Insofern ist es für mich eine Verschiebung.

  24. Sebastian:

    Wenn wir jetzt zum Blick in die Glaskugel wagen, die du ja auch immer musst sozusagen, wenn du strategische Ausrichtung eures Unternehmens angehst mit deinem Geschäftspartner gemeinsam oder mit eurem Team. Wenn wir jetzt in den Blick in die nächsten fünf Jahre schauen, wo vielleicht ein Stück weit absehbarer ist, wo seht ihr Circunomics? Seid ihr dann mehr dieses Technologieunternehmen, Technologielösungsanbieter mit der Datenvielfalt, die ihr anbietet? Seid ihr mehr auf der Plattform unterwegs oder siehst du noch ein Feld, was darüber hinaus sich entwickelt oder wo ihr schon angepeilt habt?

  25. Jan Born:

    Naja, je nachdem, wie man das immer definiert. Also Plattform ist für mich schon das richtige Stichwort. Ich denke, unser USP liegt vor allen Dingen dabei, dass wir tatsächlich alle Lebensphasen abdenken mit unserer Technologie. Ein Erstleben, ein potenzielles Zweitleben, die Analyse von Batterien, die Überführung ins Recycling, die Dokumentation und Digitalisierung dieser Prozesse. Wir nennen es immer so einen One-Stop-Shop für gerade diese unterschiedlichen Lebensphasen der Lithium-Ionen-Batterie. Ich glaube, da steckt schon sehr viel drin, wo auch unser Fokus nach wie vor drauf liegen wird in den nächsten Jahren. Und da sehe ich uns auch.

  26. Sebastian:

    Wenn wir jetzt dann eben auch ein Stück weit außerhalb von Circunomics blicken, sagt man gerade Automobilindustrie, wünscht man sich von Seiten der Politik dann mal einen festen Rahmen, man wünscht, dass der Markt sich ein Stück weit fertigt. Wenn wir auf euch jetzt blicken als Lösungsanbieter, Plattformanbieter in dieser Kreislaufwirtschaft, von welcher politischen Ausrichtung oder äußeren Gegebenheit würdest du dir was wünschen, um das Ganze eben auch zu stabilisieren, um die Kreislaufwirtschaft auf das nächste Level zu heben?

  27. Jan Born:

    Das ist eine gute und richtige Frage. Natürlich würde ich mir von der Regulatorik wünschen, Und da gibt es ja jetzt unterschiedliche, es gibt die EU-Regulatorik, es gibt eine nationale wie in Deutschland, ist eine gewisse Konsistenz. Ich denke, die EU hat da einen ganz guten ersten Rahmen geschaffen mit der Batteriedirektive. was auch den Batteriepass enthält, der schafft Transparenz, der soll Transparenz schaffen für unterschiedliche Industriepartner, aber auch für den Endkonsumenten über die Batterie als solches. Die Regulatorik sollte aber vor allen Dingen auch im Bereich Second Life mit betrachtet werden. Wenn die Direktive sich momentan so betrachtet, dann finde ich, mein persönlicher Eindruck ist im Second Life noch so ein bisschen im Graubereich. Für uns heißt eben nicht Kreislaufwirtschaft Regulatorik. Leben, Recycling oder Herstellen, Leben, Recycling. Die Batterie als solches bietet eben dann auch mehr Potenzial. Das sollte eben auch regulatorisch mit berücksichtigt werden und klassifiziert werden. Ich denke, an dem Bereich Elektromobilität geht es nicht mehr vorbei. Schnell werden ja Diskussionen oder aktuell auch zum Thema Verbrenner aus. Ich bin eher ein Freund, ich sage es immer, von Technologieoffenheit. Auch wenn ich meine persönliche Meinung habe zu Verbrenner, zu synthetischen Kraftstoffen und zu Elektromobilität. Für uns hängt es ja nicht nur in der Automobilindustrie, bei uns hängt die Energiewende hat auch einen wesentlichen Faktor, den wir gleichermaßen sehen und auch als wichtig empfinden, weil es geht nur Hand in Hand. Und da wünsche ich mir natürlich von der Regulatorik, dass sie das ganzheitlich betrachten und nicht nur, ich möchte es jetzt nicht überleiben, aber nicht nur immer aus dem Lobbyismus-Hass.

  28. Sebastian:

    Schöne Schlussworte. Vielen Dank für deine Zeit, für die Einblicke, Jan.

  29. Jan Born:

    Danke dir.

  30. Sebastian:

    In dem Gespräch hat man doch deutlich gesehen, was für einen Unterschied Daten bzw. die richtigen Daten und vor allem der korrekte Umgang damit machen können. Ich fand es ultra spannend, was Jan hier aufgezeigt hat. Vor allem, was ich in dem Hintergrundgespräch davor und danach noch mitnehmen konnte. Dazu eben auch bald mehr auf ERN. Dir erstmal vielen Dank fürs Zuhören bei der aktuellen Folge. Würde mich freuen, wenn du bei der kommenden Folge wieder einschaltest. Was nächsten Sonntag der Fall ist, wie gewohnt eben. Und hinterlass uns gerne 5-Sterne-Bewertung bei Spotify. Danke fürs Zuhören. Mach's gut. Ciao.