THG-Quote: Fake-Biodiesel sorgt für massiven Preisverfall

Im Gespräch mit Marc Schubert, Gründer und CEO von Elektrovorteil

In der aktuellen Podcast-Folge diskutiere ich mit Marc Schubert, dem Gründer und CEO von Elektrovorteil, die derzeitige Krise der Treibhausgasminderungsquote (THG-Quote) in Deutschland und Europa. Schubert, der seit 2021 im Bereich der THG-Quoten-Vermittlung tätig ist, bietet wertvolle Einblicke in die massiven Herausforderungen, die dieses Klimaschutzinstrument aktuell durchläuft. Der Preisverfall der THG-Quote, der um bis zu 80 Prozent eingebrochen ist, hat schwerwiegende Auswirkungen auf die E-Mobilität und den Ausbau der Ladeinfrastruktur.

Schubert macht unter anderem den Import von Fake-Biodiesel und zweifelhaften UER-Projekten aus dem Ausland für diesen Kursverfall verantwortlich. Diese Projekte tragen oft nicht die versprochenen CO₂-Einsparungen bei, was die Glaubwürdigkeit des Systems untergräbt. Trotz der alarmierenden Lage sieht Schubert kaum entschlossene Maßnahmen der Politik und fordert dringend Reformen, um die Verkehrswende voranzutreiben.

Er bleibt jedoch vorsichtig optimistisch und glaubt, dass ab 2026 erste Verbesserungen möglich sind, wenn die notwendigen Änderungen umgesetzt werden. Schalte ein, um zu erfahren, wie Schubert die Situation bewertet und welche Lösungsansätze er vorschlägt.

Shownotes:

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Transcript

  1. Intro:

    Elektroauto News. Der Podcast rund um das Thema Elektromobilität. Mit aktuellen Entwicklungen, Diskussionen, Interviews und vielem mehr.

  2. Sebastian:

    Servus und herzlich willkommen bei einer neuen Folge des Elektroauto News 100 Podcast. Ich bin Sebastian und freue mich, dass du heute eingeschaltet hast. Heute geht es auch an deinen Geldbeutel. Ja, eher indirekt. Es geht um die THG-Quote, die sich ja dann bemerkbar macht, wenn E-Autofahrer diese abführen oder anmelden für sich und dafür profitieren können. Zu Beginn 2021 mit mehreren hundert Euro, mittlerweile im Bereich unter hundert Euro. Warum das so ist, wo die Reise da künftig hingeht und was das alles mit Klimaschutz zu tun hat, das erklärt uns Marc Schubert von Elektrovorteil. Wir gehen rein ins Gespräch. Servus Marc, vielen Dank, dass du dir heute die Zeit nimmst, dass wir uns ein wenig über THG-Quote unterhalten, ob die denn überhaupt noch Bedarf hat sozusagen, das werden wir jetzt mal erörtern, weil in einem deiner letzten Interviews hast du ja gesagt oder die Aussage getroffen, verschmutzen lohnt sich wieder, also wir müssen gar nicht mehr so darauf achten, was da eben aus dem Auspuff schlussendlich rauskommt, aber das wollen wir gemeinsam erörtern. Bevor wir darauf eingehen, stell dich doch unseren ZuhörerInnen gerne mal vor und verlier ein paar Worte über dein Unternehmen Elektrovorteil.

  3. Marc Schubert:

    Servus, danke für die Einladung. Schön, dass ich hier sein darf. Gerne ein paar kurze Worte zu mir. Marc Schubert ist mein Name und seit dem Jahr 2021 Gründer, Gesellschafter, Geschäftsführer der EcoTurn GmbH und dann dementsprechend auch der Marke ElektroVorteil. Und da kümmern wir uns um die komplette THG-Quotenabwicklung. Also unsere Kunden sind dann ganz klassisch Elektroautofahrer beziehungsweise Unternehmen, die eine E-Auto-Flotte haben oder öffentliche Ladeinfrastruktur betreiben. Und als Pooling-Dienstleister kümmern wir uns um die komplette Abwicklung von der Beantragung der THG-Quote beim Umweltbundesamt, der Vermarktung an Mineralölkonzerne und dann letztlich auch wieder das Ausschütten der THG-Prämie an die entsprechenden Kunden.

  4. Sebastian:

    Da hast du uns jetzt schon mal ein Stück weit abgeholt. Was uns aber auch noch wichtig ist zu verstehen, was ist die THG-Quote? Was können jetzt auch Neulinge, neue Autofahrer überhaupt darunter verstehen?

  5. Marc Schubert:

    Ja, ich sage immer, das ist so eine Art Umverteilungsmechanismus. Also im Prinzip ein Bonus-Malus-System. Und zwar diejenigen, die einen großen CO2-Fußabdruck haben. In unserem Fall sind das dann eben die Mineralölkonzerne. Die müssen entweder eine Strafe zahlen dafür, dass sie eben CO2 in Umlauf bringen bzw. können Quoten kaufen, THG-Quoten, Treibhausgasquoten, um diesen Ausstoß zu substituieren und compliant zu werden. Und auf der anderen Seite gibt es dann eben die Quotenerzeuger. In Österreich sagt man zu den Begünstigten, das finde ich eigentlich auch ganz treffend. Letztlich sind es E-Mobilisten, sprich ich fahre ein Elektroauto und im Vergleich zum Verbrenner spare ich damit natürlich CO2 ein und genau diese Einsparung wird dann eben bonifiziert in Form der THG-Prämie, die dann letztlich ausgeschüttet wird für die THG-Quote, die ich vermarkten kann.

  6. Sebastian:

    Bist du ja auch schon länger oder eigentlich von Beginn an mit dabei, hast du gesagt 2021 mit Elektrovorteil. Damals gab es noch mehrere hundert Euro für die THG-Quote pro E-Auto sozusagen. Aktuell befinden wir uns glaube ich so in der Range von 50 bis 80 Euro, je nachdem wo man da landet dann. Vielleicht auch mal ein paar Euro mehr, ein paar Euro weniger, also schon ein deutlicher Unterschied. Jetzt geht man ja eigentlich davon aus, dass der CO2-Preis steigt und damit dann eben ja auch der Vorteil auf Seiten des E-Auto-Fahrers, Fahrerin. Das Bild der Markt zeichnet da aber was ganz anderes ab. Warum ist das denn so?

  7. Marc Schubert:

    Ja, das... War mir am Anfang ehrlich gesagt auch nicht so ganz klar. Es gibt nicht diesen einen CO2-Kurs oder wie auch immer. Ich kann natürlich irgendwo online schauen, da gibt es offizielle Börsenkurse, da kann ich mir auch so irgendwie ECTS und alles mögliche, verschiedene CO2-Kurse gibt es da. In unserem Fall der THG-Quotenkurs, der ist nicht öffentlich. Das ist ein ganz, ganz kleiner Markt. Da gibt es natürlich einige Quotenerzeuger. Da gibt es nicht nur die E-Quoten, sondern auch physische Quoten, zum Beispiel aus Biokraftstoffen oder aus Biogasen kann ich genauso Quoten erzeugen. Die E-Quoten, die sind jetzt erst 2022 mit dazugekommen. Also es ist schon ein Multimilliardenmarkt. Das soll jetzt nicht so rüberkommen, als wäre der klitzeklein. Aber auf der Käuferseite gibt es wirklich wenige verpflichtete Mineralölkonzerne und davon eben auch nur ein paar wenige ganz, ganz große Mineralölkonzerne. die ein Interesse an diesen Quoten haben. Und dementsprechend ist es, sag ich mal, es gibt keine Aufsichtsbehörde oder ähnliches, es gibt keine BaFin. Ein paar wenige große Käufer, das ist ziemlich oligopolistisch und freier und fairer Markt- Ist dann, wie wir wissen, bei solchen oligopolistischen Strukturen dann teilweise schwierig. Das kann schnell zu Marktverzerrungen führen und zusätzlich hat es starke Verzerrungen auch in den letzten anderthalb Jahren gegeben. Das war ja auch das Thema THG-Quotenkrise jetzt kürzlich nochmal, was da in verschiedenen Artikeln online erschienen ist. Da geht es darum, dass massiv Quote aus dem Ausland nach Europa importiert wurde. Aber da kommen wir mit Sicherheit dann nochmal später ein bisschen ins Detail, was eigentlich da der Hintergrund ist und was dann zu dem ganzen Crash jetzt letztlich geführt hat. Also um da nochmal auf deine Frage zurückzukommen. Ja, müsste man eigentlich annehmen, dass der Kurs einfach steigt in den nächsten Jahren, dass noch viele von... Wir gehen an bei dem THG-Quotenkurs, sovon ausgegangen, wir sind auch ordentlich gestartet. Allerdings, genau, seit 1,5 Jahren geht es massiv nach unten, 75 bis 80 Prozent ist der Kurs jetzt eingebrochen.

  8. Sebastian:

    Da interessiert jetzt natürlich, was war der Hintergrund dafür? Also kann man das an einem Punkt festmachen? Ist es die Summe verschiedener Dinge, die dazu geführt haben? Kannst du es uns ein Stück weit einordnen?

  9. Marc Schubert:

    Also ich sage mal, der mittlerweile seit über anderthalb Jahren Anahunterpreiskollaps wird hauptsächlich ausgelöst durch mutmaßliche Fake-Biodiesel und Fake-UER-Projekte. Also Biodiesel ist klar, da kann ich dann eben fortschrittliche, nachhaltige Kraftstoffe bei mir produzieren. im Tank einfüllen und dann wird eben auch weniger CO2 ausgestoßen, anstatt dass ich jetzt fossile Kraftstoffe irgendwie reinpumpe. Das sind dann zum Beispiel sogenannte Agrokraftstoffe, die kommen dann eben aus der aus nachwachsenden Rohstoffen oder aus Abfallstoffen, da gibt es auch das sogenannte Frittenfett, was letztes Jahr ja auch dann ziemlich das Schlagwort gewesen ist. Oder es gibt Upstream Emission Reduction Projekte, zum Beispiel in China gibt es da einige. Zumindest in der Theorie sollte es so aussehen, dass ich bei der Ölförderung CO2 einspare, indem ich neue Anlagen installiere, indem ich weniger abfackel, solche Geschichten dann eben. Aber das Unlogische dabei ist, dass diese Quoten aus dem Ausland auf die deutschen Verkehrsklimaziele angerechnet werden können. Also die Brücke, die ist nicht so ganz zu schlagen. Allerdings ist es seit ein paar Jahren gängige Praxis. Das wurde auch gesetzlich so eingeführt. Jetzt wurde es ja wieder kurzfristig gestoppt, weil man ja festgestellt hat, da waren ja... Viele Beiträge von Teil 21 hat er ja auch groß berichtet, aber die komplette Medienlandschaft eigentlich, dass zum Beispiel anstatt einer ordentlichen CO2-Einsparungsanlage ein Hühnerstall in China zu finden war oder chinesische Steppe oder alles andere. Da stellt sich natürlich die Frage, wie kann das sein? Wo hat da die Aufsicht und das System versagt? Da ist man gerade in der Aufarbeitung. Also das ist ein ganz klar massives Versagen. Lemke spricht von schwerer Umweltkriminalität, der Präsident vom Ober spricht von einem massiven Betrugsgeflecht. Das, sag ich mal, Umweltministerium... Das vermittelt gerade so ein bisschen den Eindruck, als wollten die das Ganze runterspielen. Da gab es ja auch letztens nochmal eine Stellungnahme von denen auf der Seite, ist noch auf der Startseite zu finden, in den FAQs. Da sagt man zum Beispiel, ja, also der Schaden für den Autofahrer, der ist ja eigentlich gar nicht da, weil der Sprit ist ja billiger geworden. Dann fragt man sich nur, was ist das für eine Logik, weil... ich zahle für etwas, das nicht existiert, dann zahle ich ein bisschen weniger für den nicht existierenden Klimaschutz und dann soll das besser sein. Also die Absurdität sticht einem da irgendwie ins Auge. Und da sind noch so ein paar andere Punkte, wo man das Gefühl hat, die versuchen das Ganze irgendwie zu verschleiern. Und ja, es wird so ein bisschen Ping-Pong einfach gespielt. Und das ist super schade. Und da machen wir natürlich auch entsprechende Lobbyarbeit und versuchen das... öffentlich zu machen, was da eigentlich passiert oder was das für eine kapitale Niederlage ist. Und die Bundesregierung schaut irgendwie handlungsunwellig zu. Das ist gerade eine etwas schwierige Situation und da sind wir echt mal gespannt, wie es da weitergeht. Aber eins ist klar, also der Klimaschutz muss weitergehen. nachgeholt werden. Die ganzen Fake-Projekte, die da jetzt im Umlauf waren, die müssen, die sind ja eingebucht, die stehen jetzt auf dem Papier, also die Einsparung steht ja da irgendwo, aber real ist die nicht entstanden und da muss konsequent gehandelt werden und da sind wir jetzt gerade mit dabei, das Ganze nochmal anzustoßen von unserer Seite. Genau, und das ist das eine Thema. Und das andere Thema war ja auch mit dem Biodiesel-Skandal. Der hat ein halbes, dreiviertel Jahr früher in den Medien gestartet. Da geht es im Prinzip darum, auch wieder ausländische Quote zu Du kannst Biokraftstoffe zum Beispiel aus Palmöl erzeugen, was, wie wir alle wissen, super schädlich für die Umwelt ist, Monokultur und so weiter. Palmöl-Kraftstoffe sind auch in Deutschland und anderen EU-Ländern mittlerweile verboten. Aber dafür gibt es zum Beispiel Förderungen für besonders nachhaltige, fortschrittliche Kraftstoffe. Dann kann ich zum Beispiel aus Altöl Biodiesel herstellen, aus Frittenfett. Das kann ich dann wirklich in Großküchen, in den Fettabscheidern, in asiatischen Ländern wird das gesammelt, wird prozessiert, noch in Asien und dann importiert in die EU. Und da hängt dann eben auch eine Quote dran. So, und jetzt gab es aber massive Importe von diesem Frittenfett-Diesel, wo man sich gar nicht erklären konnte, wo kommt der eigentlich her. Und dann hat man irgendwann herausgefunden, dass ich eigentlich gar nicht wirklich nachvollziehen kann, was war ursprünglich mit drin. War es Palmöl, war es Frittenfett? Aber die Marge ist natürlich zigfach höher, wenn ich einfach nur billiges Palmöl als fortschrittlichen Kraftstoff irgendwo verkaufe. Und Du konntest ganz klar nachvollziehen, Importe von eben diesen Mengen und Quotenverfall, das ist eins zu eins, lassen sich die Kurven übereinander legen und das Problem ist, Audits sind dort vor Ort nicht möglich. Das muss man sich mal vorstellen. Die Chinesen lassen deutsche Prüfer, deutsche Ämter und Behörden nicht vor Ort sich mal anschauen, was ist da eigentlich. Wie wird das irgendwie erzeugt? Wie wird das prozessiert? Wenn du in Deutschland irgendwie ich sag mal, Biokraftstoffquote erzeugen willst oder Biogasquote irgendwie, dann du musst alles von die ganze Prozesskette, das sind Prüfer da vor Ort, das ist alles mit einer Plombe irgendwie versehen. Du musst zigfach irgendwelche Protokolle ausfüllen, dies und das alles nachweisen. Das ist ein Riesenaufwand, aber da beschwert sich auch keiner, weil es... Ist sinnvoll, ja. Und auf der anderen Seite machen wir beide Augen zu, wenn irgendwelche Quote aus China kommt, wo wir überhaupt gar nicht nachvollziehen können, was ist da eigentlich drin. Also auch absurd.

  10. Sebastian:

    Absurd trifft es da, glaube ich, ganz gut. Und im Endeffekt geht es jetzt auch nicht drum um die eingangs erwähnte THG-Quote für E-Autofahrer, Fahrerinnen, wo man das zwar im eigenen Geldbeutel, im privaten sozusagen merken würde, wenn man jetzt selbst E-Auto fährt und eigentlich was Gutes fürs Klima tun möchte. Sondern es geht ja auch um die Botschaft dahinter. Die THG-Quote sollte ja auch ihren Teil dazu beitragen, damit sich Investments in Erneuerbare, in alternative Antriebe sozusagen rechnen. Auch an dem schönen Beispiel der Ladeinfrastruktur, wo das ja gerade zu Beginn auch ein tolles Element war, um Ladestrom oder um Ladeinfrastruktur nochmal quer zu finanzieren. Vielleicht kannst du das da auch ein Stück weit greifbar machen. Das hattest du auch in deinem ZFK-Interview zuletzt mit drin gesehen. Inwieweit diese Auswirkung jetzt eben auch ein Stück weit den Ladeinfrastrukturausbau dann in Deutschland spürbar aushebelt?

  11. Marc Schubert:

    Klar, also ich meine, die THG-Quote ist eines der wichtigsten Instrumente für die Verkehrswende in Deutschland, insbesondere nachdem auch die Förderung, abgelaufen ist und die schafft einfach für Privatpersonen und Unternehmen finanzielle Anreize, sich für ein E-Auto zu entscheiden. So viel ist schon mal klar. Dadurch, dass ich dann eben die Prämie bekomme, die THG-Prämie für Fahrzeuge beziehungsweise auch für Ladeinfrastruktur, ist es ja genau dasselbe. Ich muss ja auf der einen Seite, wenn ich den Hochlauf der E-Fahrzeuge habe, genauso die Infrastruktur irgendwie mit hochlaufen lassen und deswegen gibt es dann eben auch die Förderung auf beiden Seiten und damit lenkt die THG-Quote eben ganz klar Investitionen in Richtung alternative Antriebe und hilft einschlägig dabei, den Verkehr zu dekarbonisieren. Und das Interessante dabei ist, die Förderung kommt ja eben nicht von Steuergeldern, sondern von den Mineralkonzernen. Und jetzt haben wir seit anderthalb Jahren diesen Preiskollaps, der dann eben durch diese FEC-Biodiesel- und UER-Projekte ausgelöst wird. Und das schwächt natürlich den Hochlauf der Immobilität in Deutschland und Und da gräbt die Erreichung der Klimaziele, das ist ganz klar. Der Quotenkurs ist um 75 Prozent plus eingebrochen. Und genau dadurch ist durch diesen Preisverfall ist Umweltschutz aus wirtschaftlicher Sicht uninteressant geworden. Und da ist dann eben auch so ein bisschen der reißerische Satz Verschmutzen lohnt sich wieder entstanden. Ist einfach so. Du musst dir mal überlegen, eigentlich müsste... Mineralölkonzern 600 Euro die Tonne Strafe zahlen, die sogenannte Pynale, für CO2-Treibhausgase, die durch das Inverkehrbringen von Mineralöl entstehen. Jetzt war mal der Kurs bei 400, 450 Euro die Tonne. Sprich, ich bin ja schon wesentlich günstiger compliant geworden. Also 150 Euro unter der Penale zum Beispiel. Das ist ja schon mal ordentlich was. Und aktuell liegt der Kurs bei 100 Euro die Tonne. Das heißt, ich kann für einen Bruchteil von dem, was ich eigentlich an Strafe zahlen müsste, auf dem Papier substituieren und compliance erreichen und das ist einfach das passt nicht mehr irgendwo zusammen ja dann überlegt man sich natürlich schon ja was Lohnt sich der Umstieg noch? Muss ich noch in Infrastruktur investieren? Muss ich noch weniger Mineralöl irgendwie in den Verkehr bringen? Oder machen wir einfach so weiter wie bisher? Und das ist das Traurige daran. Allein letztes Jahr beträgt der direkte E-Mobility-Schaden laut unseren Berechnungen ca. 415 Millionen Euro. Also wir haben hier einen direkten Betrug am Klima und an der Energiewende. Zudem schadet es einfach massiv der deutschen Wirtschaft. Du hast es ja schon angesprochen. Was bedeutet das in ganz konkreten Zahlen, damit du mal nochmal ein Gefühl bekommst? Statt eben diesen 400 Euro THG-Prämie für ein E-Auto vorletztes Jahr gibt es heute nur noch ca. 80 Euro. Oder ein Stadtwerk, mit dem wir uns da täglich unterhalten. Für einen Bus, für einen Elektrobus, Omnibus, Personenbus gab es mal 18.000 Euro, die wir ausgezahlt haben. Da gibt es heute maximal 3.000 Euro noch für. Und das gibt es ja jährlich. Wenn ich das jetzt mal hochrechne, 10 mal 18.000, ja 180.000 im Vergleich zu 30.000 Euro über Laufzeit. Die überlegen sich auch zwei oder dreimal, ob sie dann noch doppelt so viel für einen E-Bus als einen Verbrennerbus dann irgendwo zahlen. Oder auch Ladeinfrastruktur. Heute bekomme ich für eine Kilowattstunde drei, vier, ja, ich habe mal dieses Jahr fünf Cent die Kilowattstunde als Betreiber von öffentlicher Ladeinfrastruktur bekommen. Aber das Geschäft ist nicht hoch profitabel. Wir haben es ja gesehen. Letztlich sind da wieder ein paar insolvent gegangen und die haben richtig, richtig fettes Funding dahinter gehabt. Über 100 Millionen, die sind jetzt pleite. Ja, also das ist wirklich spitze auf Knopf gerechnet, der Business Case. Und da machen ein, zwei, drei Cent, machen da enorm viel aus. Ja, vorletztes Jahr haben wir noch 15 Cent die Kilowattstunde ausgezahlt, mehr sogar. Ja, und da haben sich auch viele darauf verlassen und auch investiert in den Hochlauf. Ja, und Wenn das jetzt nicht irgendwo der Return on Invest kommt, dann ist es richtig kritisch, richtig dramatisch, dann funktioniert der ganze Hochlauf nicht mehr.

  12. Sebastian:

    Das glaube ich auch. Also auf der anderen Seite ist es natürlich auch, ich fand das damals schon sportlich und hatte ja auch mit mehreren Leuten zu tun, die dann eben Ladeinfrastruktur mit der THG-Quote gerechnet haben. Und da war es dann halt auch immer so, wenn du die mit reinrechnest und die gibt es safe, aber die Garantie konnte dir halt damals schon keiner geben, dann klappt das und da kannst du Geld reininvestieren. Das ist gefühlt wie wenn du Immobilien rechnest, die auf Blatt Papier schon im Minus sind und dann, ja, über die Steuer kriegst du das wieder zurück und dann holt sich das. Das ist auch so eine Herangehensweise, kann man natürlich drüber diskutieren. Aber bleiben wir bei der THG-Quote an sich. Ich sag mal, das Problem ist ja jetzt sozusagen erkannt. Wir wissen jetzt frittenfett die Thematik, das ist ja alles aufgekommen. Man sieht, man darf in China nicht hin, man kann das nicht vor Ort betrachten. Was ist die Lösung? Wo kann es hingehen? Und hat die Politik vor allem die Lösung dafür parat oder macht ihr das mit Lobbyarbeit und treibt das ein Stück weit aktuell voran?

  13. Marc Schubert:

    Also aktuell hat man ehrlicherweise den Eindruck, dass gar kein richtiger Wille zum Klimaschutz da ist. Also die Bundesregierung... steckt sich sehr, sehr hohe Ziele, aber sorgt nicht wirklich dafür, dass die ernst genommen und eingehalten werden. Das merken wir in unserer täglichen Praxis und verschiedenen Aussagen leider immer wieder. Deswegen bilden wir auch gerade Interessengemeinschaften mit anderen geschädigten Unternehmen, Verbänden und versuchen da einfach, die Position noch mal klarer hervorzuheben und auch direkte Maßnahmen vorzuschlagen. Wir sind ja auch im Bundesverband THG-Kurte zum Beispiel und machen da seit dem letzten Jahr sehr, sehr viel Lobbyarbeit und versuchen, politische Einflussnahme irgendwo zu üben und versuchen natürlich auch in den Diskurs zu gehen und das jetzt nicht konfrontativ unbedingt, sondern auch wirklich auf eine konstruktive Art und Weise, dass wir da konkrete Vorschläge und Maßnahmenpläne auflegen, was jetzt eigentlich passieren muss, damit das System irgendwie wieder stabilisiert wird. Aber das ist aktuell nicht wirklich aussichtsreich, weil die nächste geplante Änderung ist Anfang 2026 zur Implementierung der Red 3 und Das Problem gibt es aber schon seit Anfang 2023 und auch seitdem weisen wir konsequent auf die Problematik hin und nicht wir, sondern auch ganz viele andere Einzelunternehmen und Verbände. Klar, es wurden jetzt kürzlich Strafzölle auf das Thema Biodiesel-Importe erhoben, aber die haben keine signifikante Auswirkungen auf den Quotenkurs gehabt. Einfach aus dem Grund, weil sich die Mineralölkonzerne schon mit billiger Quote bis oben hin zugedeckt haben. Ja, das ist ein Spekulationsobjekt. Ich spekuliere darauf, dass der Quotenkurs aktuell sehr, sehr niedrig ist und der in Zukunft perspektivisch eher wieder steigen könnte. Und deswegen kaufe ich jetzt massiv billigste Quote ein und um mich auch schon überzuerfüllen. Das geht nämlich in Deutschland. Ich kann mich auch schon für die nächsten Jahre übererfüllen. Das heißt, ich kaufe jetzt schon Quote für meine Verpflichtung 25, vielleicht sogar 26 ein. Ja, das ist der sogenannte Carry-Over-Effekt. Das heißt, die Quotensilos sind für die nächsten Jahre schon gefüllt. Das heißt, auch wenn ich jetzt irgendwelche Änderungen vornehme an der Gesetzes- oder Verordnungslage, hat es überhaupt gar keinen... besonderen Einfluss mehr auf den Quotenkurs. Und das ist echt das Traurige. Das Kind ist quasi schon jetzt in den Brunnen gefallen. Und ja, dennoch müssen die Maßnahmen jetzt unbedingt so schnell wie möglich umgesetzt werden. Da wird es in nächster Zeit auch noch sage ich mal, weitere Aufschläge in der Medienlandschaft geben, wo wir da auch nochmal mit anderen zusammen klarere Forderungen stellen werden. Also das Thema Quotenziele ist natürlich eins davon. Man sieht es ja aktuell, die Ziele sind viel zu einfach zu erfüllen beziehungsweise zu über, die werden die ganze Zeit übererfüllt. Das heißt, die müssen auf jeden Fall angehoben werden. Ja, es dürfen nur noch Quoten zugelassen werden, wo ich auch ganz klar sogenannte Witness Audits ermögliche. Das heißt, im Ausland vor Ort auch prüfen kann, was da eigentlich los ist. Der Klimaschutz muss nachgeholt werden. Also auch diese ganzen Fake- Quoten und Zertifikate, die jetzt in den Büchern stehen, die müssen auch nachgeholt werden. Es kann nicht einfach sein, dass es jetzt irgendwie in die Erfüllung mit eingeht und dann nichts mehr damit passiert. Ja, und es muss jetzt schnellstmöglich gehandelt werden und die Aufklärung muss vorangetrieben werden. Solche Geschichten, die stehen da ganz vorne mit dabei. Und das ist natürlich mühselig, aber wir setzen uns trotzdem dafür ein, um da einfach eine zukunftsorientierte Politik hinzubekommen und gemeinsam sicherzustellen. Ja, und Damit die Verkehrswende eben irgendwie gelingt und die Emissionen im Verkehrssektor dann auch wirklich signifikant reduziert werden können.

  14. Sebastian:

    Das hört sich auf jeden Fall nach einem erstrebenswerten Ziel an, das ihr verfolgt und was uns ja auch in der Allgemeinheit dann sozusagen nach vorne bringt. Aber im Endeffekt, du hast es eben schon gesagt, das Kind ist in den Brunnen gefallen. Wir haben die letzten anderthalb plus die nächsten zwei, zweieinhalb Jahre, also in Summe, wir haben ja rund vier Jahre verloren, wo wir ja schon was hätten richtig machen können eigentlich. Wie zuversichtlich bist du jetzt, dass man zumindest nach diesen vier Jahren, die jetzt schon irgendwo festgeschrieben sind, wieder in den positiven Bereich kommt, um dann eben auch die THG-Quote als Treiber des Klimawandels wieder nutzen zu können?

  15. Marc Schubert:

    Ja, ich will natürlich irgendwie einen optimistischen Spin-off hier nochmal in die Runde bekommen und jetzt nicht so ganz depressiv aus der ganzen Sache rausgehen. Ja, ich meine grundsätzlich, es ist ein wirklich interessantes und wirksames Steuerungsinstrument, das muss man schon dazu sagen und Das erkennen eigentlich auch alle und wissen auch alle, egal mit wem du sprichst. Ja, auch mit dem Mineralkonzern, natürlich auch mit einem Umweltministerium, wo die Grünen drin sitzen, natürlich auch mit unserer ganzen Wirtschaft. Also es gibt schon irgendwo den Konsens, das ist klar. Natürlich versucht man sich trotzdem die ganze Zeit irgendwo zu optimieren und diese... Diese Anfälligkeit zur Destabilisierung von dem ganzen System, die muss eben ausgemerzt werden. Das Ganze muss resilienter werden und ich bin da schon zuversichtlich, dass man das ab 2026 irgendwie hinbekommt, zumindest Stück für Stück. Ja, das ist eben ein neues Instrument und das muss sich weiterentwickeln. Das ist ganz klar und da arbeiten wir auch alle dran. Aber ich gehe jetzt nicht davon aus, dass die nächsten anderthalb Jahre irgendwie, dass sich da besondere Optimierungen auftun oder der Kurs irgendwie sich nochmal ordentlich entwickelt. Also wir werden da jetzt weiter rumdümpeln, schätzungsweise, und Ende 2025, Anfang 2026 dann die ersten Erholungen sehen. Es ist auch im Gespräch das Thema Quote zu verlängern, mindestens 2035, eher 2040, weil auch da gibt es eigentlich nur Fürsprecher, egal aus welcher Lobby du da was hörst. Das ist schon so. Das Thema soll erweitert werden, verlängert werden. Weil eins ist klar, bis 2030 ist auch die komplette Verkehrs- und Klimawende nicht gepackt. Und von daher, es muss sich was tun. Und da bin ich einfach optimistisch, dass wir das gemeinsam schon irgendwie stemmen werden.

  16. Sebastian:

    Das sind doch dann schöne, zumindest zuversichtliche Schlussworte zum Ende, nachdem wir doch eine sehr realistische und ja nicht so ganz optimistische Einschätzung bekommen haben. Aber weil es einfach auch so ist im Markt und die Entwicklung natürlich auch alles andere als positiv war, wie das abgelaufen ist. Ich bin mir sicher, wir haben hier nicht zum letzten Mal von dir gehört, Marc. Und du hältst uns auf dem Laufenden und wir tauschen uns einfach wieder aus, wenn es um die nächsten Schritte bei THG-Quoten, THG-Quoten-Entwicklung geht. Danke dir für deine Zeit.

  17. Marc Schubert:

    Sehr, sehr gerne. Danke dir.

  18. Sebastian:

    Die Aussichten sind also alles andere als eigentlich positiv oder zumindest für die nächsten ein, zwei Jahre noch nicht, weil da ja alles festgeschrieben scheint. Danach hat aber auch Marc, ja, doch optimistische Stimmung bekommen und hoffe doch, dass wir die THG-Quote und auch die Folgen für den Klimawandel dann wieder ins Positive drehen können. Wir werden es auf jeden Fall von Seiten Elektroauto News weiterhin stark beobachten und halten dich darüber auf dem Laufenden. Ich freue mich, wenn du bei der nächsten Podcast-Folge wieder einschaltest. Mach's gut, bis dahin. Ciao.