SQM: Lithium für die Welt – Chiles Rolle im globalen Markt

Im Gespräch mit Denise Kirschner, Koordinatorin für auswärtige Angelegenheiten bei SQM

In meinem Gespräch mit Denise Kirschner, Koordinatorin für auswärtige Angelegenheiten bei SQM, hatten wir die Gelegenheit, tief in die Welt der Lithiumproduktion und ihre Bedeutung für die Elektromobilität einzutauchen. Denise, die gebürtig aus Berlin stammt und seit fünf Jahren in Chile lebt, ist seit zweieinhalb Jahren Teil des Teams von SQM, einem der führenden Lithiumproduzenten weltweit. Bereits zu Beginn unseres Gesprächs hob sie die Rolle des Unternehmens hervor: „Wir sind seit mittlerweile knapp 30 Jahren im Salar de Atacama im Norden von Chile tätig, wo wir Lithium und auch Kalium aus Sole fördern. Lithium war lange ein Nebenprodukt der Kaliumproduktion, aber in den letzten Jahren hat sich unser Fokus deutlich auf Lithium verlagert, da die Nachfrage für die Energiewende massiv gestiegen ist.“

Besonders spannend war, als sie über die Bedeutung von Lithium für die Energiewende sprach: „Die Lithium-Ionen-Batterie ist eine Schlüsseltechnologie, um die Dekarbonisierung des Verkehrssektors zu ermöglichen.“ In diesem Zusammenhang erwähnte sie auch, dass der Bedarf an Lithium in den letzten Jahren stark gestiegen ist, da die weltweite Elektromobilität Fahrt aufnimmt. SQM hat sich in diesem dynamischen Markt als einer der Top-Produzenten weltweit positioniert und hält etwa 20 Prozent des globalen Marktanteils.

Ein zentraler Aspekt unseres Gesprächs war das Thema Nachhaltigkeit. Denise betonte, dass SQM großen Wert auf eine umweltfreundliche Produktion legt: „Unser Ziel ist es, der nachhaltigste Lithiumproduzent der Welt zu sein. Es gibt zahlreiche Analysen und Studien, die zeigen, dass unser Lithium aus dem Salar de Atacama einen der niedrigsten CO2- und Wasserfußabdrücke der gesamten Industrie hat.“ Diese Aussage untermauerte sie mit Verweisen auf unabhängige Bewertungen, wie die von Benchmark Minerals und Irma, die SQM als führend im Hinblick auf Nachhaltigkeit eingestuft haben.

Ein weiterer Höhepunkt war die Diskussion über die Herausforderungen der globalen Versorgung mit Lithium. „Die geologischen Reserven sind grundsätzlich vorhanden, aber der Abbau und die Entwicklung neuer Projekte dauern ihre Zeit,“ erklärte sie. Hinzu kommen regulatorische und wirtschaftliche Hürden, die solche Projekte beeinflussen können. Dennoch ist sie optimistisch, dass der weltweite Bedarf gedeckt werden kann: „Es werden stetig neue Lagerstätten entdeckt und erschlossen.“

Besonders interessant war ihre Einschätzung zur Rolle Chiles im globalen Lithium-Markt. Sie betonte, dass Chile als einer der größten Lithiumproduzenten eine zentrale Rolle spielt, vor allem aufgrund der lokalen Weiterverarbeitung des Rohstoffs: „Anders als in Australien, wo das Lithiumkonzentrat erst nach China verschifft wird, verarbeiten wir unser Lithium direkt hier in Chile zu Lithiumcarbonat und Lithiumhydroxid in Batteriequalität.“ Das gibt Chile einen enormen Wettbewerbsvorteil, wenn es um die Produktion von hochqualitativem Lithium geht.

Einen großen Teil des Gesprächs widmeten wir den politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen in Chile. Unter Präsident Gabriel Boric wurde eine nationale Lithiumstrategie vorgestellt, die die staatliche Beteiligung an der Lithiumproduktion erhöhen soll. In diesem Kontext berichtete Denise von der Zusammenarbeit zwischen SQM und Codelco, Chiles staatlichem Kupferunternehmen: „Ab 2025 werden wir gemeinsam mit Codelco im Rahmen eines Joint Ventures den Betrieb im Salar de Atacama führen. Diese Partnerschaft sichert die Lithiumproduktion bis 2060.“

Interessant war auch ihre Sicht auf die Zusammenarbeit zwischen Chile und Deutschland, die sie als sehr positiv einordnete: „Es gibt eine solide Grundlage und vertrauensvolle Beziehungen zwischen beiden Ländern, insbesondere im Bereich der nachhaltigen Rohstoffförderung.“ Sie hob hervor, dass Deutschland ein wichtiger Handelspartner für Chile sei und beide Länder bereits in gemeinsamen Forschungsprojekten, wie dem European Lithium Institute, eng zusammenarbeiten. Am Ende unseres Gesprächs teilte Denise noch persönliche Eindrücke von ihrer Arbeit und den deutsch-chilenischen Beziehungen. Besonders interessant fand ich ihre Schilderung eines Projekts, bei dem indigene Frauen aus der Atacama-Region nach Deutschland reisten, um sich über die Lithium-Wertschöpfungskette zu informieren. „Es war mir ein Herzensprojekt, diesen Frauen zu zeigen, wie unser Lithium in Elektrofahrzeugen verwendet wird und welche Rolle sie dabei spielen.“

Mit diesen umfassenden Einblicken schloss Denise unser Gespräch ab und versprach, in einer weiteren Podcast-Folge noch tiefer auf einige der Themen einzugehen. „Es gibt noch so viel zu besprechen, und ich freue mich, bald wieder dabei zu sein.“ Nun aber genug der Vorworte – lasst uns direkt in das spannende Gespräch einsteigen!

Shownotes:

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Transcript

  1. Intro:

    Elektroauto News. Der Podcast rund um das Thema Elektromobilität. Mit aktuellen Entwicklungen, Diskussionen, Interviews und vielem mehr.

  2. Sebastian:

    Servus und herzlich willkommen bei einer neuen Folge des Elektroauto-News-Podcasts. Ich bin Sebastian und freue mich, wenn du diese Woche wieder eingeschaltet hast. In der aktuellen Folge habe ich Denise Kirschner zu Gast von der SQM, mit der ich mich über das Thema Lithium aus Chile unterhalten habe, genauer gesagt aus dem Salat der Atacama, wo wir selbst zugegen waren von Elektroauto-News und vorbeischauen konnten. Das ganze Thema vertiefen wir heute nochmal in der gemeinsamen Folge mit Denise. In diesem ersten Teil, der tatsächlich kommt, es wird auch noch ein zweiterer folgen. Wir haben es ein Stück weit aufgeteilt, weil einfach so viel geballtes Wissen da zusammenkommt und wir wollten dich heute nicht mit überladen, aber für den ersten Einstieg ist die Folge ganz gut. Davon bin ich auf jeden Fall überzeugt, aber lass uns doch direkt reingehen in die Folge. Viel Spaß damit. Hallo Denise, vielen Dank, dass du dir heute die Zeit nimmst, dass wir uns ein wenig über SQM und Lithium aus Chile unterhalten. Bevor wir da allerdings tiefer einsteigen, stell doch dich gerne mal unseren ZuhörerInnen vor und verliere auch ein paar Worte über SQM.

  3. Denise Kirschner:

    Sehr gerne. Vielen Dank erstmal für die Einladung zu dem Podcast und die Gelegenheit, heute mit dir zu sprechen, quasi vom anderen Ende der Welt, aus Santiago de Chile. Und ja, einen kleinen Einblick zu geben in meine Arbeit und die Bedeutung für dein und letztendlich unser zentrales Thema, die Elektromobilität. Aber gerne ein paar kurze Worte zu mir. Also ich bin gebürtige Berlinerin, lebe seit mittlerweile knapp fünf Jahren in Chile und seit zweieinhalb Jahren bin ich Teil des External Affairs Team bei SQM. SQM ist einer der bedeutendsten Lithium-Produzenten heutzutage mit seinem Betrieb im Salar de Atacama und der Weiterverarbeitungsanlage in der Stadt Antofagasta in Chile. Von dort aus liefern wir in die ganze Welt den so wichtigen Rohstoff, der die Energiewende vorantreibt. Und ich meine, du hattest ja Anfang des Jahres selbst die Möglichkeit, uns zu besuchen, dir die Produktion und alles drumherum vor Ort anzuschauen. Also es ist wirklich ein faszinierendes Arbeitsumfeld, es macht viel Spaß und es ist auf jeden Fall immer was los. Ja, noch ein paar Worte vielleicht zu SQM, also der Sociedad Química y Minera de Chile. Wie schon gesagt, wir sind ein chilenisches Unternehmen, haben aber auch Vertretungen in der ganzen Welt. Wir sind seit mittlerweile knapp 30 Jahren im Salar de Atacama im Norden von Chile, wo wir Lithium und auch Kalium aus Sole fördern. Interessanterweise war das Lithium sogar lange Zeit eher ein Nebenprodukt der Kaliumproduktion, also Düngemittel letztendlich im Salar. Dort lag lange Zeit auch unser Schwerpunkt. Noch weiter im Norden produzieren wir auch Jod und Nitrate. Aber genau, in den letzten Jahren hat sich der Fokus insbesondere auf die Lithiumproduktion verlagert, was natürlich zusammenhängt mit den Entwicklungen der letzten Jahre, der Notwendigkeit, weltweit die CO2-Emissionen zu reduzieren, wegzukommen von fossilen Treibstoffen im Transportsektor. Und in diesem Zusammenhang stellt dann natürlich die Elektromobilität und die Lithium-Ionen-Batterie als Schlüsseltechnologie einfach ein zentrales Element in der Dekarbonisierung dar. was dann wiederum dazu geführt hat, dass der Bedarf und die Nachfrage nach Lithium seit einigen Jahren so sehr gestiegen sind. Und wir konnten uns mit SQM als einer der Top-Lithiumproduzenten weltweit positionieren, mit einer globalen Marktbeteiligung von ca. 20%. Wir sind außerdem der größte Lithium-Refiner weltweit, denn, und das ist eben wichtig zu erwähnen, wir verarbeiten das Lithium auch direkt weiter in Thiele zu Lithiumcarbonat und Lithiumhydroxid in Batteriequalität. Das heißt, unsere Lithium-Produkte können dann auch direkt in die Kathoden und die darauf folgende Batterieproduktion gehen.

  4. Sebastian:

    Vielen Dank, dass du uns das schon mal ein Stück abgeholt hast, Denise, und die Einblicke gegeben hast, so wie du gesagt hast. Wir waren gemeinsam Anfang Januar, Februar 2024 in Chile unterwegs. Ich konnte in Salar de Atacama die Lithiumgewinnung vor Ort betrachten, auch weißes Gold genannt, wie wir das eben in unserer gemeinsamen Reportagenreihe da festgehalten haben. Und du hast uns ja eben auch schon ein Stück weit in die Bedeutung für SQM mitgenommen. Jetzt interessiert uns natürlich noch, welche Rolle nimmt der Rohstoff aktuell in der Weltwirtschaft ein? Gibt es überhaupt genug Lithium? Und wie und wo wird quasi Leasium auch gefördert und welches sind die wichtigsten Förderländer? Ich weiß, viele Fragen, aber die gehen einfach ineinander über und ihr seid da ja auch die Top-Experten dafür. Also ich freue mich auf deine Antworten.

  5. Denise Kirschner:

    Ich meine klar, die Bedeutung von Lithium als so definierter kritischer Rohstoff für die Energiewende ist unbestreitbar. Die Regierungen auf der ganzen Welt müssen und sind zum Teil ja auch schon dabei, Strategien und Anreize zu entwickeln, um die Lithium-Lieferkette von den Ressourcen bis zum Recycling von Batterien aufzubauen und auszubauen. Wir haben eben mit der Elektromobilität wirklich die Chance, auch eine Kreislaufwirtschaft zu schaffen, wodurch das ganze Thema Nachhaltigkeit eben auch holistisch angegangen werden kann. Aber ja, dafür ist es eben auch wichtig, dass alle relevanten Akteure der Lieferkette zusammenarbeiten. Derzeit gibt es natürlich immer noch mehrere Hürden, gar keine Frage. Also zum Beispiel in der Ladeinfrastruktur, in der Wirtschaftlichkeit und Logistik von Batterierecycling und Grundsätzlich wertbewerbsfähige Preise für Lithium-Batterien bzw. Elektrofahrzeuge. Aber ich denke, wir sind auf einem guten Weg. Die Batterietechnologie wird stetig verbessert. Also die Entwicklungen sind positiv. Zu deiner Frage, ob es genug Lithium gibt. Also grundsätzlich sind die geologischen Reserven vorhanden und wir sehen ja auch, dass stetig neue Rohstofflager und Quellen entdeckt und erschlossen werden. Aber klar, der Abbau und die Entwicklung neuer Abbauprojekte dauert eben auch seine Zeit und wird auch durch regulatorische, wirtschaftliche, zum Teil auch technologische Faktoren beeinflusst und zum Teil limitiert. Zudem sind natürlich auch Fragen der Nachhaltigkeit und Umweltauswirkungen zu berücksichtigen. Also ja, hier und in der Erschließung und im Anlauf neuer Produktionen sehe ich eher die Herausforderungen. Sowas kann bei einem Greenfield-Projekt schon mal so fünf bis zehn Jahre dauern. Deine letzte Frage war, glaube ich, die geologische Konzentration. Was die geologische Konzentration betrifft, so ist Australien der größte Lithiumproduzent. Hier im Gegensatz zu Chile mit einer komplett anderen Abbaumethode aus Festgestein, also Spodumen. Darauf folgt dann Chile als zweitgrößter Lithiumproduzent, China, Argentinien, USA etc. Wobei man hier auch sagen muss, dass im Fall von Australien das Lithium als Lithiumkonzentrat erst noch nach China geschickt wird und dort weiterverarbeitet wird zu Lithiumhydroxid. Da haben wir also in Chile ganz klar den Vorteil, dass das gesamte Lithium bereits hier raffiniert wird. Und wenn ich von Chile spreche, dann bezieht sich das letztendlich Stand heute auf SQM und das US-amerikanische Unternehmen Albemarle. welche heute die einzigen zwei Lithiumproduzenten in Chile im Salar de Atacama sind.

  6. Sebastian:

    Du hast eben auch schon gesagt, es ist auch dann eine Frage der Nachhaltigkeit, wenn wir eben über unterschiedliche Gewinnungsmethoden dann sprechen. Hat das dann eben auch einen Einfluss auf unterschiedliche ökologische Fußabdrücke im Prozess der Lithiumgewinnung, also in dem fertigen, ich sag mal Batterierohstoffprozess?

  7. Denise Kirschner:

    Auf jeden Fall. Und da gibt es auch zahlreiche Analysen und Studien, die verschiedene Abbaumethoden und Abbauorte in Bezug auf ihren ökologischen Fußabdruck analysieren. Insbesondere Wasserverbrauch, CO2-Emissionen und nicht nur das, also auch was das Sozialengagement, die Zusammenarbeit mit den lokalen Gemeinden angeht, also die sogenannte Social License to Operate. All das sind Fragen, die heutzutage kritisch evaluiert werden und für jeden öffentlich zugänglich sind. Und da sind wir in Chile und mit SQM ist echt gut aufgestellt. Also nicht nur, wenn es darum geht, zur Versorgungssicherheit, großes Stichwort in Deutschland und Europa, beizutragen als langjähriger und stabiler Partner, sondern auch wenn wir uns genauer mit dem ökologischen Fußabdruck der Produktion auseinandersetzen, dann sehen wir, dass das Lithium aus dem Salar de Atacama einen der niedrigsten Kohlenstoff- und Wasserfußabdrücke der gesamten Industrie hat. Und wenn man sich da zum Teil die Berichterstattung in Deutschland anschaut, dann wird das leider oftmals anders dargestellt, auch sehr pauschalisiert und unhinterfragt zum Teil. Aber tatsächlich ist die Vision, der nachhaltigste Lithiumproduzent zu sein, in unserer Unternehmenskultur wirklich fest verankert. Und ja, jetzt mag der ein oder andere Zuhörer, Zuhörerin vielleicht sagen, ja, das muss ich ja jetzt natürlich so sagen als Unternehmensvertreterin. Aber ja, das sage eben nicht einfach ich als Denise Kirschner, sondern es gibt da entsprechende Standards und Audits, die bei uns durchgeführt werden. Nachhaltigkeitsbewertungen, wie zum Beispiel die von Benchmark Minerals, die uns zum Beispiel als Industrieführer im Bereich Nachhaltigkeit eingestuft haben. Der Abbaustandort im Salar de Atacama hat die bisher höchste Auszeichnung in der Lithiumindustrie von Irma bekommen. ist die Initiative for Responsible Mining Assurance. Das ist der aktuell anerkannteste und umfassendste Standard, wenn es um die Bewertung verantwortungsvoller Bergbaupraktiken geht. Der Bericht ist für jeden Nachvollzieh einsehbar. Also wir versuchen da auch wirklich Transparenz zu schaffen. Also ja, lange Rede, kurzer Sinn. Es gibt da genug Quellen, die die Nachhaltigkeitsvorteile von chilenischem Lithium aufzeigen. Und dazu brauchen wir gar nicht so weit schauen. Also in Deutschland haben wir zum Beispiel den Michael Schmidt Lithium-Experte bei der Deutschen Rohstoffagentur. der in einem Tagesspiegel-Interview vor ein oder zwei Jahren gesagt hat, dass das nachhaltigste Lithium heute aus Südamerika, nämlich aus Chile, kommt. Und verstehe mich da nicht falsch, Sebastian, ich will damit gar nicht sagen, dass die Arbeit getan ist oder die Verantwortung von uns weisen, also ganz und gar nicht, im Gegenteil. Also genau solche Analysen zeigen uns auch klar auf, in welchen Bereichen es Verbesserungspotenzial gibt. Wir arbeiten daran, die Ressourceneffizienz weiter zu verbessern, den Wasserverbrauch, soweit es geht, zu reduzieren. SQM hat seine Wasserentnahme bereits um 50 Prozent reduziert in den vergangenen Jahren, die Sohlextraktion um 30 Prozent. Weitere Innovationen sind vorgesehen. Also es ist ein Prozess, bei dem es, glaube ich, immer noch Potenzial zur Verbesserung gibt. Und ja, daran arbeiten wir.

  8. Sebastian:

    Davon konnte ich mich ja auch tatsächlich vor Ort überzeugen und natürlich könnte man jetzt auch sagen, so wie du gesagt hast, ihr habt das dann für die Medien dargestellt, aber das war gar nicht der Fall. Ich habe mich da ja wirklich auch gut aufgehoben gefühlt, konnte dann auch ein Stück weit über die Produktion hinaus ins Land reinblicken, was ihr macht auch gemeinsam mit Chile, also mit der staatlichen Regierung. Das waren sehr spannende Einblicke, die wir auch in den Stories of Salade Atacama aufgearbeitet haben. Der verweist da gerne auch nochmal auf unseren sogenannten Lithium-Hub, beziehungsweise auf das kommende Buch, was da auch noch dazu erscheinen wird. Aber was ja auch spannend für mich dann eben war, dass das eben zum Teil durch euch, durch SQM getrieben wird, dieser Wille zur Nachhaltigkeit, zum nachhaltigen Abbau, aber eben auch durch das Land Chile, das wohl anscheinend auch die Bedeutung des Lithiums für den Weltmarkt erkannt hat. Wie ordnest du das ein?

  9. Denise Kirschner:

    Auf jeden Fall. Vor allem in den vergangenen zwei Jahren waren die Staatseinnahmen aus der Lithiumproduktion unglaublich relevant für die chilenische Wirtschaft und haben sogar die Einnahmen aus der Kupferproduktion übertroffen. In dem Zusammenhang ist es eben wichtig zu verstehen, dass der Salar de Atacama, wo eben SQM und Albemarle Lithium abbauen, Eigentum des Staates ist und über die chilenische Wirtschaftsförderungsbehörde Corfo quasi gemanagt wird. Was heißt das konkret? Das heißt, dass beide Unternehmen, sowohl Albemarle als auch SQM, Pachtverträge geschlossen haben mit Corfo, welche ihnen die Betriebsgenehmigung über Lizenzen erteilt und gleichzeitig aber eben auch Zahlungsbeiträge festlegt, die an den Staat aus dem Lithium-Business gezahlt werden und im Rahmen dieser öffentlich-privaten Partnerschaft quasi zahlt SQM zum einen progressive Royalties, also die direkt in die Staatskassen fließen und direkt an den Lithiumpreis und die Produktion gekoppelt sind. Zusätzlich zahlen wir aber auch Festbeträge an indigene Gemeinden, an Lokalverwaltungen im Abbaugebiet und Forschung und Entwicklung. Und wenn man sich das Ganze in Zahlen anschaut, dann haben wir allein in den vergangenen zwei Jahren über 5 Milliarden US-Dollar an Pachtbetrag gezahlt. Also hier ist noch nicht mal die übliche Unternehmenssteuer berücksichtigt. Das heißt, Wir haben hier eine unglaublich einzigartige Wertebeteiligung. Und die chilenische Regierung unter Präsident Gabriel Boric hatte das Thema Lithium bereits bei Regierungsantritt vor zwei Jahren auf die politische Agenda gepackt. Und dann Anfang vergangenen Jahres wurde als wichtiger Meilenstein die chilenische Lithium-Strategie bekannt gegeben. Zu den Kernelementen der Strategie gehört, dass die staatliche Beteiligung an der Lithiumförderung erhöht werden soll. Darauf kann ich vielleicht gleich nochmal genauer eingehen. Aber auch die Diversifizierung der Lithiumquellen und Steigerung der Produktion durch die Identifizierung und Bewertung weiterer Salare in Chile, die Wertschöpfungskette im Land weiterzuentwickeln, sprich Weiterverarbeitungsprozesse im Land zu entwickeln und zu fördern. Und grundsätzlich internationale Allianzen zu stärken, insbesondere mit Fokus auf Nachhaltigkeit in Verbindung mit neuen Technologien. Stichwort hier DLE, also Direct Lithium Extraction. Also genau, da kann man ganz klar die Bedeutung von Lithium für Chile, für die chilenische Wirtschaft erkennen. Zum ersten Punkt vielleicht nochmal der staatlichen Beteiligung. Hier wurde im Fall vom Salar de Atacama das staatliche Kupferunternehmen Codelco mit dieser Rolle beauftragt. Also während SQM ja, ich habe es ja eben schon erläutert, quasi schon Teil einer öffentlich-privaten Kooperation mit dem chilenischen Staat war und ist, soll eben nun Codelco auch direkt in den Betrieb mit einsteigen. Die Gespräche zwischen den Unternehmen haben dann also gestartet Anfang vergangenen Jahres und im Mai dieses Jahres wurde letztendlich eine Vereinbarung unterschrieben, die festlegt, dass SQM und Codelco eben ab 2025 den Lithiumbetrieb als Joint Venture führen, wobei SQM 50% minus eine Aktie und Codelco 50% plus eine Aktie entspricht. an Beteiligung haben soll und gleichzeitig sichert die Allianz eben auch die Fortsetzung des Lithiumbetriebs bis 2060. Also SQMs aktuelle Lizenz würde 2030 eben enden und die Idee ist, dass dann Codeco ins Management einsteigt, den Pachtvertrag mit Corfo schließt und SQM eben als Partner mit einsteigt. Das heißt, somit wäre hier auch die Produktion für die nächsten Jahrzehnte gesichert.

  10. Sebastian:

    Da würde ich gerne dann mal direkt ansetzen. Du hast es jetzt eben schon mal aus der Sicht von Chile eben sozusagen gesagt oder wiedergegeben, euren Blick darauf, wie ihr das jetzt wahrgenommen habt, wie es sich entwickelt hat eben auch. Wie kann man denn die langfristige Perspektive jetzt aus Sicht von Experten, Expertinnen, die ja natürlich auch beobachtet, einsehen für den Lithiumabbau in Chile? Und wie könnte sich das eben auch auf die globale Marktstellung Chiles im Lithiummarkt eben auswirken?

  11. Denise Kirschner:

    Also ich kann das letztendlich aus meiner Perspektive vielleicht kommentieren. Also Chile und speziell SQM gehören auf jeden Fall zu den Lithium-Produzenten mit der meisten Erfahrung im Bereich Lithiumförderung aus Sole. Und das bezieht sich auf den kompletten Produktionsprozess. Also angefangen von den knapp 30 Jahren Erfahrung und Erkenntnissen, die im Salar der Atacama selbst gesammelt werden konnten. Ein Experten-Team von Hydrogeologen, die den Salar über all diese Jahre hinweg studiert haben. bis eben hin über das ganze Know-how in der Weiterverarbeitungsanlage in Antofagasta. Also SQM hat es geschafft, in nur vier Jahren die Produktionskapazität von 50.000 Tonnen auf knapp 200 Tonnen zu erweitern, also quasi vervierfacht, bei gleichzeitiger Reduzierung der Sohlextraktion durch effizientere Prozesse, Innovationen. Das heißt, diese ganze Erfahrung ist meines Erachtens nicht zu unterschätzen, genauso wie die Rolle Chiles im Bereich Raffinerie, Weiterverarbeitung. Die Lithium-Produktion im Salat der Atacama wird durch die neue Allianz mit Codelco eben bis 2060 durchgeführt. Das heißt, man hat hier eben auch wirklich einen stabilen Lieferpartner für die Zukunft. Und bei der Erschließung neuer Salare in Chile, da gibt es sicherlich einige bürokratische Hürden zu meistern. Ich glaube, die ganzen Auflagen und Genehmigungen, die man in Chile aktuell braucht, sind da nicht zu unterschätzen. Aber ich denke auf jeden Fall, dass Chile vor allem in den kommenden zehn Jahren weiterhin seine bedeutende Marktstellung halten und auch weiter ausbauen kann.

  12. Sebastian:

    Da ist natürlich von uns jetzt auch Interesse, welche Rolle spielt dann diese Entwicklung auch für den globalen E-Auto-Markt beziehungsweise eben speziell natürlich auch für Deutschland?

  13. Denise Kirschner:

    Ein wichtiges Stichwort ist hier sicherlich die deutsche Rohstoffstrategie, die ja eine sichere und zugleich verantwortungsvolle Versorgung mit kritischen Rohstoffen für die Energiewende gewährleisten soll. Darin sind verschiedene Maßnahmen geknüpft. Also die heimische Rohstoffproduktion soll angekurbelt werden. Wir sehen hier anlaufende Lithiumförderung im Oberrheingraben zum Beispiel. Man möchte die Importabhängigkeit verringern und insbesondere die Abhängigkeit von einzelnen Ländern und durch die Förderung und den Ausbau von Batterierecycling die Kreislaufwirtschaft und Ressourceneffizienz begünstigen. Tatsache ist aber eben auch, dass der Ausstieg aus dem Verbrennungsmotor ab 2035 beschlossen ist und Lithium nicht erst in mehreren Jahren benötigt wird, sondern bereits heute. Und Tatsache ist auch, dass zunächst mehr Batterien, mehr Rohstoffe in Umlauf gebracht werden müssen und die Infrastruktur ausgebaut werden muss, bis Recycling die gewünschten und benötigten Erträge letztendlich erbringen kann. Das heißt, man braucht... Heute zuverlässige Lieferpartner und die Tatsache ist auch, dass die einzige Weiterverarbeitung von Lithium außerhalb Chinas heute in Chile stattfindet. Und so nebenbei, wir haben in Chile die größte Raffinerie, also Weiterverarbeitungsanlage weltweit. Das ist vielen gar nicht bewusst. Das heißt, ich meine, mit Chile hat Deutschland langjährige bilaterale Beziehungen in Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur mit gemeinsam Werten. Chile ist Mitglied der OECD und innerhalb Europas ist Deutschland der wichtigste Handelspartner Chiles. Scholz reiste 2023 nach Chile und erneuerte die Rohstoffpartnerschaft mit Chile. Boric reiste dieses Jahr nach Deutschland, wo auch Gespräche im besonderen Bereich Rohstoff und Lithium stattfanden. Also Ich denke, es gibt eine gute Grundlage und vertrauensvolle Beziehungen zwischen Chile und Deutschland. Und wir als SQM, als wichtigster Lithium-Produzent und chilenisches Unternehmen, sehen uns natürlich als Teil davon und wollen zu den positiven Handelsbeziehungen beitragen.

  14. Sebastian:

    Da vielleicht direkt dran anknüpfen, die Frage, welche Möglichkeiten bestehen dann eben auch für Deutschland und Chile gemeinsam in die Erforschung und Entwicklung von umweltfreundlicheren Lithium-Abbau-Technologien zu investieren, die ihr ja als Unternehmen eh schon auf dem Schirm habt, aber wie kann das durch die beiden Länder an sich dann nochmal ein Stück weit nach vorne getrieben werden?

  15. Denise Kirschner:

    Also ich denke, Deutschland und Chile können auf Augenhöhe voneinander lernen. Es gibt bereits verschiedene, auch europaweite Forschungsprojekte, in die wir mit SQM eingebunden sind und in der auch deutsche Universitäten und Forschungseinrichtungen eingebunden sind, sei es zur Entwicklung eines Batteriepasses, also der sogenannte Battery Passport, ein wichtiges Thema derzeit, zur Förderung von Transparenz und Nachhaltigkeit in der kompletten Batteriewertschöpfungskette, aber auch Initiativen zum Wissensaustausch über die komplette Wertschöpfungskette hinweg. Hier wurde zum Beispiel das European Lithium Institute ins Leben gerufen, mitbegründet unter anderem von Fraunhofer, dem Helmholtz-Institut. Wir sind Teil des LICON-Projekts, welches wiederum darauf abzielt, die erste Lithium-Lieferkette in Europa zu etablieren und die europäischen Verarbeitungskapazitäten zu erhöhen. Also auch hier sind deutsche Forschungseinrichtungen und Unternehmen einbezogen. Also es tut sich einiges bereits jetzt im Bereich Forschung und Entwicklung. Es gibt europäische Fördermöglichkeiten, zum Beispiel über Horizon Europe. In Deutschland stellt das Bundesministerium für Bildung und Forschung Fördermittel zur Verfügung, aber ich bin da auch keine Expertin, muss ich sagen. Ich sehe es eben vor allem anhand der Projekte, die auch bei uns eingehen, denen wir uns beteiligen und unterstützen. Wir haben selbst vor zwei Jahren eine Innovationsroadmap auf den Weg gebracht, die in Chile unter dem Namen Salar Futuro läuft und die Evaluierung und Einführung von DLI-Technologien und auch erweiterte Verdunstungstechnologien vorsieht. Das heißt natürlich auch, in solchen Bereichen sehe ich viel Potenzial für eine Zusammenarbeit mit Deutschland als wichtiger Technologiezulieferer. Und klar, wenn es dann um konkrete Investitionen in Innovation, Technologieentwicklung geht, dann ist das im nächsten Schritt bei uns, bei SQM, im Nichts um Corporate Venture angekoppelt. Und da werden Startups aus aller Welt bei der Entwicklung vielversprechender Technologien unterstützt. Wobei ich sagen muss, dass ich mir gerade hier wünschen würde, dass die Beteiligung deutscher Startups noch größer wäre.

  16. Sebastian:

    Jetzt haben wir sozusagen die faktengesteuerte Antwort auf das Ganze gehört. Jetzt wollen wir natürlich auch den Vorteil nutzen zum Ende unseres Gesprächs, dass du als Deutsche, die in Chile lebt, vielleicht mal so aus erster Hand berichtet, wie so eine chilenisch-deutsche Partnerschaft, wie du die erlebst, wie du die einordnen kannst und was du für Erkenntnisse aus den letzten Jahren vor Ort gezogen hast.

  17. Denise Kirschner:

    Ich glaube allein die Tatsache, dass ich zum Beispiel als Deutsche bei SQM im Bereich External Affairs arbeite, um eben auch insbesondere die Beziehung zu Deutschland, zu deutschen Stakeholdern aus der Batteriewertschöpfungskette zu pflegen, sei es aus dem Bereich Politik, Wissenschaft, Medien, NGOs und so weiter. Das Spektrum ist groß. Das zeigt ja auf jeden Fall schon mal, dass Deutschland ein wichtiger Partner auch für SQM ist. Ich hatte... In den vergangenen Jahren die Freude, wirklich viele Akteure aus Deutschland zu betreuen bzw. auch zu begleiten in unseren Anlagen im Norden, zu den Gemeinden. Im vergangenen Jahr haben wir ein besonders schönes Projekt auf die Beine gestellt, das insbesondere mir sehr am Herzen lag und liegt. Und zwar sind wir mit indigenen Frauen aus der Atacama-Region die komplette Lithium-Wertschöpfungskette entlanggereist, wo die Frauen unter anderem die Möglichkeit hatten, eine Volkswagen-Fabrik für Elektroautos zu besuchen, ein Recyclingcenter von Yumicore in Hanau. am Deutsch-Chilenischen Rohstoffforum in Berlin teilzunehmen. Wir haben Meetings organisiert, um eben auch ein Verständnis für das Thema und seine Implikationen auch für lokale Einwohner zu schaffen. Also abgesehen von der Bedeutung der politischen und wirtschaftlichen Kooperation zwischen beiden Ländern, geht es für mich und in meiner Arbeit auch einfach ganz viel um Austauschinstanzen, aufklären, wer SQM ist, was wir machen, Mythen rund um die Lithium-Produktion aus Chile aus dem Weg zu räumen. Und in diesem Zusammenhang eben auch Möglichkeiten für Kooperationen in den verschiedenen Bereichen zu identifizieren.

  18. Sebastian:

    Vielen Dank, dass du uns zum Ende des Gesprächs da eben nochmal deine persönlichen Einblicke mit auf den Weg gegeben hast. Und den ZuhörerInnen können wir ja schon mal verraten, dass du demnächst nochmal bei uns vorbeischaust für eine zweite Folge. Wir wollten jetzt unsere ZuhörerInnen da auch nicht komplett überladen mit dem ganzen Input, was wir haben. Wie gesagt, ich war eine Woche bei euch vor Ort und hätte wahrscheinlich in zwei Wochen vor Ort noch mehr lernen können. Und daher haben wir uns ja entschlossen, dass wir das ein bisschen splitten. Vielen Dank für deine Zeit, Denise, und bis bald.

  19. Denise Kirschner:

    Vielen Dank, Sebastian. Bis zum nächsten Mal.

  20. Sebastian:

    Da hatte ich doch nicht zu viel versprochen mit der aktuellen ERN-Podcast-Folge zum Thema Lithium aus Chile. Der zweite Teil folgt in naher Zukunft schon. Dir vielen Dank fürs Zuhören und mach's gut. Bis zur kommenden Folge. Ciao.