Dr. Mario Herger: Autonomes Fahren - Deutschland gibt Regeln vor, spielt aber nicht mit

Im Gespräch mit Dr. Mario Herger über E-Mobilität und Autonomes Fahren

Dr. Mario Herger ist der Gründer des Beratungsunternehmens Enterprise Garage. Mit diesem hilft er seinen Kunden, den Mobilitätswandel zu verstehen und voranzutreiben. Dabei stets im Fokus seine zwei Kernthemen: Elektromobilität und Autonomes Fahren. Mit Schwerpunkt Vereinigte Staaten von Amerika.

Für den Elektroauto-News.net Podcast habe ich mich mit ihm über die Themen Elektromobilität sowie Autonomes Fahren ausgetauscht. Beides mit Blick auf die USA, in denen man schon einige Schritte weiter scheint, als es uns augenscheinlich bekannt ist.

Insbesondere beim Thema Autonomen Fahren geht man hier große Schritte nach vorne. Aber auch im Umfeld der E-Mobilität ist man mit Marken wie Lucid Motors, Faraday Future, Rivian, Canoo oder VinFast, vorne mit dabei. Mario hat die verschiedenen Marken und deren aktuellen Stand am Markt ein wenig für die Hörer:innen von Elektroauto-News.net eingeordnet.

Das Thema Autonomes Fahren wird in den USA eine ganze Nummer größer gedacht. Dabei seien alleine in Kalifornien 1.400 autonom fahrende Fahrzeuge unterwegs. In ganz Amerika seien es 2.500 laut Mario. Der Großteil davon rein elektrisch.

Zum Ende des Podcast zieht er eine überraschende Verbindung zum Fußball, wenn es um das Thema Autonomes Fahren geht. Deutschland sei laut ihm ganz vorne mit dabei, wenn es darum geht ein entsprechendes Regelwerk zu verabschieden. Beim Thema Technologie habe man es aber noch nicht geschafft eine Mannschaft auf die Straße zu stellen. Nicht die beste Ausgangslage für die Zukunft aus seiner Sicht. Aber hör doch selbst rein.

Shownotes:

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Transcript

  1. Intro:

    Elektroauto News. Der Podcast rund um das Thema Elektromobilität. Mit aktuellen Entwicklungen, Diskussionen, Interviews und vielem mehr.

  2. Sebastian:

    Servus und herzlich willkommen bei einer neuen Folge des ElektroautoNews.net Podcast. Ich bin Sebastian und freue mich, dass du diese Woche wieder eingeschaltet hast, wenn wir uns mit dem Thema E-Mobilität und in der heutigen Folge auch mit dem Thema Autonomen Fahren unterhalten oder darüber berichten. Im Gespräch habe ich Mario Herger zu Gast. Er ist Gründer des Beratungsunternehmens Enterprise Garage, wo er seinen Kunden hilft, den Wandel zu verstehen in der Mobilität. Im Rahmen dessen leitet er Workshops, gibt Einblicke, Ausblicke auf die Technologie, wie es sich eben entwickelt, nicht nur beim Antrieb selbst, sondern eben auch in dem ganzen technologischen Umfeld. Wir gehen direkt rein ins Gespräch mit Mario Herger, Schwerpunkt dieses Mal der amerikanischen Marktwirtschaft. Servus Mario, vielen Dank, dass du dir heute die Zeit nimmst, dass wir uns ein wenig im Elektroauto Newsnet Podcast über die USA unterhalten, Entwicklung auf dem dortigen Markt im Bereich der E-Mobilität, aber auch der Ausblick oder der Weiterblick auf das Thema autonome Fahren. Bevor wir da allerdings einsteigen, kannst du dich vielleicht selbst einfach kurz vorstellen.

  3. Dr. Mario Herger:

    Mein Name ist Mario Herger, ich komme ursprünglich aus Wien, wohne seit jetzt über 20 Jahren in der San Francisco Bay Area, dem Silicon Valley, war 15 Jahre lang insgesamt bei SAP, der deutschen Softwarefirma, die wahrscheinlich jeder kennt und bin seit 2013 selbstständig und ich forsche nach Technologie-Themen, Trends, die mich interessieren, unter anderem Technologie. Elektrische Autos und autonome Autos, zu denen ich dann auch Bücher geschrieben habe und große Blogs führe.

  4. Sebastian:

    Also eines der Bücher ist, glaube ich, hier ganz bekannt. Der letzte Führerschein Neuling ist schon geboren oder bin ich da richtig beim Titel?

  5. Dr. Mario Herger:

    Genau, ja. Schnelle These.

  6. Sebastian:

    Ja, aber ich glaube, wenn man da mittlerweile auf die Entwicklung am Markt blickt, ist die gar nicht mehr so steil. Du warst da wahrscheinlich deiner Zeit einfach ein Stück weit voraus, als das Buch rausgekommen ist. Können wir ja gleich dann auch nochmal drauf eingehen. Das hängt ja aus meiner Sicht mit dem Thema autonomen Fahren auch zusammen. Bevor wir da allerdings eintauchen, vielleicht magst du uns den Blick auf den Markt in den USA mal umreißen. Wir blicken jetzt mal extra nicht unbedingt auf Tesla direkt wieder, die da einem immer in den Sinn kommen, sondern es gibt ja auch noch so Firmen wie Lucid Motors, Faraday Future Rivian. die ja auch da bestimmt in deinen Blick immer rücken.

  7. Dr. Mario Herger:

    Ja, also ich wohne ja zehn Minuten südlich von der Tesla-Fabrik und gleich daneben bei der Tesla-Fabrik ist ja auch Lucid das Headquarter, obwohl deren Fabrik in Casa Grande ist, in Arizona. Und unsere Region ist natürlich Tesla-Land. Da hat man das Gefühl, jedes dritte oder vierte Auto ist schon ein Tesla. Wir haben auch zwei Teslas zu Hause. Die ganze Familie hat jetzt, glaube ich, umfassend sechs oder sieben Teslas. Also der Trend ist eindeutig da. Wir haben das jetzt auch in den Verkaufszahlen gesehen in den USA. Das sechstverkaufte Fahrzeug, das Model Y. Und so Firmen wie Lucid Motors, die ja jetzt vor knapp mehr als einem Jahr begonnen haben, ihre Fahrzeuge auszuliefern, den Lucid Air, der mit 1111 PS... Und auch für einen stolzen Preis von 170.000 Dollar. Im Vergleich aber zu einem Supersportcar, wie unter das er fallen würde, ein Zehntel von dem kostet, was ein Verbrennungsmotor Supersportcar kostet. Und diese Limousine ist schon sehr, sehr schön gearbeitet. Die ist auch Motortrendfahrzeug des Jahres 2021 und 2022 geworden. Also gleich bei der ersten Auslieferung wird das zum Auto des Jahres gewählt. Das ist schon etwas tolles. Wir haben auch Rivian, also Caligari Kalifornien ist so ein Hotbed von Elektroautoherstellern. Wir haben also Rivian beispielsweise dann im Süden, das ist dann so um die Los Angeles Area herum und da sind auch Niederlassungen im Silicon Valley. Dort sieht man halt diese ganzen Fahrzeuge herumfahren. Sie haben im ersten Jahr jetzt, wo sie ausgeliefert haben, fast 25.000 Stück erreicht, also knapp über 600 Stück weniger Fahrzeuge. Aber das sind Fahrzeuge und dann gleich drei Fahrzeugtypen. Einen Pickup, einen SUV und ein Lieferfahrzeug für Amazon. Amazon, muss man dazu wissen, ist ja mit 700 Millionen Dollar eingestiegen und hat 100.000 elektrische Lieferwagen bestellt. Die sieht man auch schon herumfahren. Es gibt also 1.000 Stück davon, die bereits ausgeliefert worden sind an Amazon. Das sind schon sehr schöne Autos und was man bei denen auch erkennt ist, dass sie plötzlich ganz andere Möglichkeiten bieten. Es fehlen ja das Getriebe und der Benzintank und all diese Dinge, die man vorher für ein Verbrennungskraftfahrzeug brauchte, erlaubt plötzlich die fehlen und damit ist der Innenraum und die Raumaufbauten sind ganz anders und da gibt es ja dieses bekannte Video, wo man eine Küche aus zwischen dem Ladebett und der Fahrerkabine ziehen kann, wo halt dann eine Kochnische ist mit Wasser, mit Abwaschspüle und mit Geschirr. Also da sehen wir schon erste Anzeichen. dass wir mit Elektroautos in Zukunft ganz andere Sachen machen werden können. Fahrer, die Future, auch die gibt es immer noch. Das ist ein Zombie, der nicht sterben will. Die haben immer wieder große finanzielle Schwierigkeiten. Dann glaubt man, die sind schon fast wieder gestorben. Dabei habe ich tatsächlich zwischen San Francisco und Los Angeles bei San Luis Obispo einmal ein solches Testfahrzeug von denen gesehen. Da war jetzt auch eines auf der Consumer Electronics Show in Los Angeles. Las Vegas ausgestellt, sehr schön, der FF91, ein Fahrzeug so ähnlich, würde ich sagen, wie ein Model S, obwohl doch ein anderes Design. Dann gibt es sowas wie Edison Future, das ist auch ein Elektroautohersteller, der so riesige Pickups macht. Das ist wirklich noch einmal eine Dimension größer, typisch amerikanisch. Dann hast du Canoe, die auch gezeigt haben mit ihrem Skateboard-Design, wie man Lenkräder, wo man die noch anbringen kann. Das heißt, die sind so flexibel mit dem Anbringen, dass man alles Mögliche auf diesem Fahrzeug aufbauen kann. Und das gibt uns eigentlich schon so einen gewissen Ausblick, nämlich auch... dass wir hier mit dieser Technologie und dann im Vergleich und in Kombination vielleicht mit dem autonomen Fahren auch völlig neue Fahrzeugtypen bekommen werden. Das Interessante ist hier vielleicht noch als Letztes, diese Unternehmen, die ich jetzt einmal aufgezählt habe, sind halt welche, die nur in Kalifornien sind. Also da gibt es dutzende Firmen, die Elektroautos herstellen oder daran arbeiten, die sich nur in Kalifornien befinden. Und schaut man dann nach China oder anderen Plätzen, natürlich gibt es noch mehr. Aber ich fokussiere mich auf Kalifornien und da habe ich genug zu tun und zu schreiben und zu verfolgen, um das zu sehen.

  8. Sebastian:

    Das kann ich mir vorstellen. Da passiert ja auch genug, so wie du es jetzt schon kurz umrissen hast. Aber jetzt haben wir einen ganz guten Abriss bekommen von den Hauptplayern dort am Markt. Für mich jetzt die Frage, du hattest jetzt beispielsweise Rivian als Hotbed, heißes Wetter in den Raum gestellt. Die erscheinen für mich als ziemlich sicheres Schuhbett irgendwo. Vor allem, wenn ich halt sehe, dass Amazon hintendran ist. Ob jetzt der R1S oder der R1T, wie der SUV und der Pickup heißen, wirklich sicher auf die Straße kommen werden. Also auch in größeren Stückzahlen wird man natürlich sehen müssen. Aber ich denke gerade mit der Verpflichtung oder dem Einstieg von Amazon werden wir vor allem die E-Transporter von denen dann wohl in absehbarer Zeit in größeren Stückzahlen auf der Straße sehen. Oder wie schätzt du das ein?

  9. Dr. Mario Herger:

    Ja genau, also die haben ja, wenn ich mich richtig erinnere, bislang durch die verschiedensten Investoren und den Börsengang oder diesen Free-Version-Börsengang über eine Spark haben sie aktuell, meines Wissens nach, wie ich das richtig recherchiert habe, 12 Milliarden US-Dollar, die sie damit eingenommen haben. Und da haben sie also genug auf der Kante, um jetzt einmal ein paar Jahre durchzukommen. Auch haben sie natürlich mit einem Investor wie Amazon da jemanden sehr finanzkräftigen dahinter, der sicherlich denen helfen wird. Das ist generell, wir sehen das bei diesen Unternehmen. bei diesen Elektroauto-Unternehmen, wie zum Beispiel auch Lucid Motors. Da ist halt ein saudi-arabischer Investor ursprünglich eingestiegen, dann haben sie noch Geld an der Börse eingeholt und dann kommen hier und da Investoren. Und da sieht man auch, da ist halt jetzt eine ganze Reihe von Geld da, die diese Unternehmer jetzt einmal die nächsten Jahre über die Gründen bringen werden. Also Lucid Motors beispielsweise hat 2 Milliarden US-Dollar aus Saudi-Arabien aus einem Großinvestor erhalten und dann noch einmal durch so einen Spark-Börsengang 4,5 Milliarden Dollar. Und Rivian ist, da habe ich jetzt die Zahlen, 12 Milliarden Dollar insgesamt. Also das reicht schon jetzt einmal aus, um da sattelfest zu sein. Faraday Future hatte da andere Probleme. Canoe hat, glaube ich, auch gekämpft. Die haben sich jetzt wieder stabilisiert. Dann hat ja Fisker begonnen, jetzt in Österreich bei Magna das Fahrzeug zu produzieren, obwohl die ja in den USA sitzen, also in Kalifornien ihre Niederlassung haben. Und da sieht man schon, das sind auch welche Zahl man braucht. Wir reden da von Milliardenbeträgen, während... Und teilweise andere Hersteller, von denen wir immer wieder hören, unter anderem aus Deutschland, geben das sicherlich bei den Geldern, die sie einsammeln, einen Null zu wenig, mindestens einen Null zu wenig daran. Und das zeigt auch den... den Liquiditätsgrad, den man in den USA hat, gerade auch natürlich in der San Francisco Bay Area, wo sich ja mehr als die Hälfte des amerikanischen Risikokapitals, also des Venture-Kapitals befindet. Und das hat sich sogar in den letzten zwei Jahren verdoppelt, während der Pandemie sozusagen. Und da sieht man dann natürlich, dass man da viel eher ein solches Automobilunternehmen gründen kann oder es sehr viel leichter fällt als in anderen Ländern und anderen Regionen.

  10. Sebastian:

    Nur um das kurz abzuschließen, du spielst auf Sono Motors ab. Darüber sind wir auch damals über LinkedIn ins Gespräch gekommen. Da haben wir auch eine ähnliche Meinung dazu, dass da natürlich wahrscheinlich eine Null definitiv zu wenig dran ist. Zudem fehlt da halt auch die Unterstützung von den entsprechenden Investoren. Damit können wir es aber auch, denke ich, dabei belassen. Das Thema ist ja zumindest hier in den deutschen Medien auf und ab besprochen worden. Wird hier ziemlich stark besprochen. Ich finde da auch den Blick über den Teich dann auch sehr interessant für uns. Weil ich ja auch davon ausgehe, dass gerade so diese Geschichte, wenn diese E-Transporter von Rivian oder jetzt auch die Plattform von Canoe sich durchsetzt, dass wir das dann auch vermehrt wahrscheinlich in Europa sehen würden.

  11. Dr. Mario Herger:

    Genau. Ja, also ich sehe das auch so. Ich kann mich noch erinnern an die Freude, als die ersten Teslas drüben angekommen sind und dann an das Interesse, als der erste Lucid Store jetzt in München geöffnet worden ist und dort ja auch eine Niederlassung ist. Und jetzt der zweite Lucid Store ist, glaube ich, in Genf, wenn ich mich richtig mitgeregt habe, noch im Dezember eröffnet worden ist. Und das Interesse an diesen neuen Fahrzeugen aus den USA ist schon gewaltig. Und natürlich auch, muss man dazusagen, es sind sehr viele chinesische Unternehmen, NIO, die jetzt auch auf dem europäischen Markt auftreten.

  12. Sebastian:

    Ja, da hast du ja vorhin schon gesagt, dass dein Fokus dann trotzdem mehr auf Amerika, Vereinigte Staaten liegt sozusagen, weil da hast du ja genug zu tun. Aber genau gerade diese chinesischen Marken, die sehen wir auch hier vermehrt, NIO, Xpeng. Ich war jetzt gerade die vergangenen Tage bei Aura unterwegs, eine Marke von Great Wall Motors, die auch hier in Deutschland jetzt Fuß fassen wollen, 2023. Sehr interessant, die Entwicklung dort. Und bin gespannt, wie sich unsere deutschen Automobilhersteller dagegen wehren oder aufstellen können künftig. Vielleicht magst du, bevor wir dann noch auf das Thema autonome Fahren überschwenken, mal ein paar Worte zur CES, wo du ja Anfang des Jahres in Las Vegas warst, verlieren, was man denn da so an Entwicklung im Umfeld der E-Mobilität, Elektroautos sozusagen wahrgenommen und gesehen hat.

  13. Dr. Mario Herger:

    Letzte Woche fand die CS statt, von Mittwoch bis Sonntag. Da war ich jetzt gleich zum vierten oder fünften Mal. Und dieses Jahr waren gleich einmal 40 Prozent mehr Automotive-Hersteller da als letztes Jahr. Man muss dazu wissen, die Consumer Electronics Show hat eigentlich begonnen als Unterhaltungsmedium, Elektronik-Show. Also man hat dort Radios verkauft und Fernseher. Und wie wir mitgekriegt haben, wandert immer mehr Elektronik in Fahrzeuge. Und das ist momentan vermutlich von den Automobilmessen die interessanteste, weil sie... die neuesten Entwicklungen und Disruptionen zeigt. Sie zeigt nicht die traditionellen Verbrennungskraftfahrzeuge und da noch größer und noch schönere, knalligere Wuchtbrumme oder das schnellere Sportauto mit Verbrenner, sondern dort werden halt dann vor allem Elektrofahrzeuge gezeigt. WinFast beispielsweise, ein vietnamesischer Hersteller, hat noch vor dem Jahresende 999 Autos, die ersten Autos, 999 Stück davon in die USA geliefert. Warum 999? Die Zahlen 8 und 9 zählen bei den Asiaten als Glückszahlen Und 999 ist ja dann noch dreimal so viel Glück, als wenn das eine andere Zahl ist. Und wenn man daran denkt und wenn man sich das jetzt überlegt und sagt, wie, Vietnam baut Autos? Ja, die bauen Autos und das sind ziemlich gut, das sind Elektroautos und das sind so die erste Charge, die sie da haben, noch ein bisschen limitiert. was die Reichweite betrifft. Sie sind auch so ein bisschen als Testfahrzeuge gedacht, die ja mal jetzt den amerikanischen Markt testen sollen, so wie das halt Toyota in den 70er Jahren gemacht hat. Da ist man auch einmal mit Fahrzeugen gekommen, die nicht dem entsprochen haben, was man als Standard oder Luxus sich damals bei den Amerikanern erwartet hat und jetzt kommen die Vietnamesen und machen das und die Fahrzeuge kann man aktuell leasen und wir sehen sogar, ich bin sogar Test gefahren, fährt sich sehr gut, fährt sich ganz nett, beschleunigt genauso. Wir haben sogar eine Software-Demo gesehen, wie Gesichtserkennung, also wohin der Blick des Fahrers geht, ob jemand ein Handy in der Hand hält, also abgelenkt ist, ob jemand isst im Auto oder Zigarette raucht. Also Fahrer-Monitoring, Fahrerüberwachung und auch so einen schönen Rundumblick ums Auto, also wodurch künstliche Intelligenz dann funktioniert. die Kamerabilder von Außenkameras zusammengestückelt werden. Das war eine Erfahrung, die ich hatte. Dann wurde sehr viel über Ladestationen gezeigt. Da war ja auch in München eine Messe zu der E-Mobilität, da sind sehr viele Ladestationen. Aber diesmal waren ja auch extrem viele Ladestationen auf dieser CES. Dann hat man verschiedenste Transportmöglichkeiten. Services, Fahrzeuge von LKWs, Elektro-LKWs bis runter zu den Lieferrobotern, die so Kühlboxen groß sind und herumfahren und alles, was dazwischen ist, Plattformen, auf denen man dann aufbauen kann, was man will, also Plattformen, Elektro-Plattformen, People-Mover, die gezeigt worden sind, unter anderem ZF aus Friedrichshafen hat zwei hingestellt, aber auch Hyundai und... Pininfarina, der italienische Designer, bekannte Designer, auch ItalDesign. Und da sieht man halt überall diese Fahrzeuge herumstehen. Interessant war, dass Lucid dort bei vielen Zulieferern in der Elektromobilitätsindustrie dort als Beispiel gestanden ist. Das war vorher die letzten Jahre immer wieder Tesla. Das sind alle zu den Teslas gestürmt, weil das natürlich Blickfänger sind. Und dieses Mal war der Blickfänger Lucid. Muss man sagen. Und das sind so die Sachen, die man hat. Es ist gewaltig. Man braucht sicherlich einen ganzen Tag nur, um den Automotivbereich sich anzuschauen. Und dann gibt es aber auch noch Automotivteile in den anderen Hallen. Man muss dazu wissen, es gibt hausnummerlich, ich glaube, sieben oder acht Hallen, die sich über ganz Las Vegas erstrecken. Man muss also da hin und her, um alles zu sehen.

  14. Sebastian:

    Also langweilig wird dir da vor Ort demnach auch nicht, was ja schon mal gut ist. teilweise schon eine wichtige Rolle spielt, weil einfach Platz geschaffen wird, weil es auch von der Instandhaltung und Wartung ein ganz anderes Thema ist. Aber auch hier kommt ja dann der Knackpunkt und das zweite Thema, was ich jetzt noch kurz anreißen möchte, autonomes Fahren mit rein, wo man ja glaube ich auch gerade in den USA, Tesla auch wieder als gutes Beispiel, schon deutliche Fortschritte sieht, wo man einfach auch merkt, wie sich Mobilität nicht nur im Antrieb verändert, sondern von dem ganzen Verhalten. Vielleicht magst du dazu auch ein paar Worte verlieren.

  15. Dr. Mario Herger:

    Also autonomes Fahren ist jetzt die nächste Disruption, die kommt. Da sind wir ungefähr bei dem Stand, wo Elektroautos 2017 waren, kann man so ein bisschen sagen. Noch immer gibt es viele, die nicht daran glauben. Elektromobilität hat nun jeder verstanden, wenn auch zähneknirschend, dass wir hier einen unumkehrbaren Trend haben. Autonomes Fahren, wie schaut das aus? Ich bin jetzt am Montag und Dienstag autonom gefahren. Das heißt, ich bin in einem fahrerlosen Robotaxi in der Nacht durch San Francisco gefahren. Ich habe also ein paar Gäste hier gehabt, denen habe ich das gezeigt, herumgefahren. Warum kann ich das? Weil Cruise, eine Firma, die zu General Motors gehört, schon seit einem Jahr fahrerlos in San Francisco eine mittlerweile 100-Fahrzeug-starke Robotaxi-Flotte herumschickt. Für Leute wie mich, die nicht bei Cruise arbeiten, aber die den Zugangscode für die App erhalten haben, es ist wie eine Uber-App, aber die ist halt von Cruise, kann ich zwischen 22 und 35 ein Fahrzeug bestellen und kann damit herumfahren und zahle dann so wie ein Uber-Fahrzeug. Und sitzt auf der Rückbank und vorne ist das Lenkrad, das dreht sich wie von Geisterhand getrieben und wir fahren dann halt durch die Stadt und er weicht allen Hindernissen aus. Die Basis ist übrigens ein Chevrolet Bolt, der wurde ja in Deutschland als Opel Ampera verkauft, also ein Elektroauto und die fahren herum. Und eine zweite Flotte ist auch in Betrieb und das ist Waymo, also die Google Firma, die fährt mit Jaguar I-Pace herum. Auch dort machen sie so ein Testprogramm mit Early Riders. Die habe ich leider noch nicht den Zugang bekommen. Beide fahren natürlich auch mit Passagieren und mit Mitarbeitern als Passagiere. Und die fahren dann vor allem auch tagsüber. Also beide dürfen schon 24 Stunden pro Tag fahren, die ganze Woche lang, sieben Tage die Woche. Auch bei leichtem Regen unter anderem. Autobahn ist ein bisschen heikel, da dürfen sie nicht fahren, ganz hohe Geschwindigkeiten noch nicht. Und das ist einfach nicht die einzige Stadt, wo autonome Robotaxi-Flotten, also fahrerlose Robotaxi-Flotten unterwegs sind. Auch in Phoenix sind Waymo und Cruise in Einsatz. Und dann noch einmal in Los Angeles hat jetzt Waymo begonnen und Austin, da hat Cruise begonnen, seine Fahrzeuge zu fahren. Das heißt, wir haben aktuell sechs fahrerlose Robotaxi-Flotten. Dazu muss man wissen, dass wir in Kalifornien aktuell 45 Unternehmen haben, die eine Testlizenz haben, um autonome Fahrzeuge auf öffentlichen Straßen zu testen. Also Kalifornien ist ungefähr 10% größer als Deutschland flächenmäßig, aber hat die Hälfte der Einwohner. Und diese 45 Unternehmen, das klingt jetzt viel, dabei waren das schon einmal viel mehr, wir hatten schon 76 Firmen, die gleichzeitig eine Lizenz hatten. Die betreiben um die 1400 Fahrzeuge, die viele von denen eigentlich Testfahrzeuge sind und die meisten müssen noch einen Sicherheitsfahrer dahinter haben. Wir haben aber hinterm Lenkrad, also der im Notfall eingreifen kann. Wir haben aber sieben Firmen aktuell, die fahrerlos fahren dürfen. teilweise mit Einschränkungen, aber es gibt bereits sieben und drei von denen dürfen sogar Vorgeld verlangen, also ein Fahrtentgelt sowie ein Taxi, das dürfen sie verrechnen. In den USA insgesamt haben wir zweieinhalbtausend Fahrzeuge, die unterwegs sind, da kommen noch einmal andere Gegenden dazu, Nevada, Arizona, wo gefahren wird, oder um Michigan, da der Detroit herum, natürlich wo die großen traditionellen Automobilhersteller sind, aber die Hersteller, die am erfolgreichsten sind, sind eigentlich so neue Startups und große Player wie die Googles, wie Google, also Waymo und teilweise, wo sich dann ein großes Unternehmen wie zum Beispiel General Motors bei Cruise eingekauft hat und das gleich einmal übernommen hat oder Zooks, das von Amazon übernommen worden ist, da ist beispielsweise auf der CES jetzt auch deren neues Fahrzeug dort gestanden und da muss man sich das so vorstellen, Wir haben die People Mover gesehen. People Mover sind ja, wir nennen das deshalb so, die sind eher so busartige oder straßenbahnähnliche Fahrzeuge, relativ groß, schauen und fühlen sich an, als ob ich in einer Straßenbahn stünde oder sitze. Während diese Robotaxis, die da geplant werden, diese neuartigen Fahrzeuge, kleiner sind, kompakter sind, mehr so... was wir Minivan, aber es gibt kein Vorn und Hinten. Der kann in beide Richtungen anfahren, die können hinter und vor der Achse, also die Räder drehen, man sitzt sich gegenüber, dazu gibt es noch keinen Namen. Und all diese Fahrzeuge, die People Mover, diese neuen Robotaxis, die Robotaxis, die noch auf einer traditionellen Plattform sind, mit Lenkrad fahren, also die Chevrolet Bolt oder die Jaguar I-Pace, sind alles Elektroautos. Oder zumindest Hybride. Wir haben tatsächlich in Kalifornien aber ein Gesetz, das hat der Gouverneur Gavin Newsom schon im Oktober 2021 unterzeichnet, das besagt, dass ab 2030 alle autonomen Fahrzeuge in Kalifornien Zero Emission sein müssen. Das heißt, das dürfen nur mehr zum Beispiel batterieelektrische Autos sein oder Autos, was für Brennstoffzellenfahrzeuge. Das heißt, das ist eine natürliche Verschmelzung dieser beiden Technologiedisruptionen. Das Robotaxi wird elektrisch sein.

  16. Sebastian:

    Ja, erscheint ja auch vollkommen sinnvoll, wenn wir ganz ehrlich sind, auch gerade im Hinblick darauf, wir sparen uns den Fahrer ein, warum sparen wir uns dann nicht auch gleich Wartung und Instandhaltung, was ja auch runtergeht. Und wenn wir dann bei den Ladezeiten, vielleicht auch gepaart mit induktivem Laden, Vielleicht gibt es ja auch da das Thema Batteriewechsel, wie wir es von NIO oder aus China jetzt kennen, was da eine Rolle mitspielt. Dann eröffnen sich da ja auch ganz neue Spielfelder für das autonome Fahren.

  17. Dr. Mario Herger:

    Ja, ich habe ja beispielsweise gesprochen mit Leuten natürlich am Waymo-Stand. Die hatten dort auch ihr neues Fahrzeug ausgestellt, das ohne Lenkrad ist und das Fahrzeug bei Sucs. Und die haben zum Beispiel gesagt, diese Fahrzeuge, also das Sucs-Fahrzeug beispielsweise, Das soll ja dann vor allem in der Stadt zum Einsatz kommen. Das kann zwar 175 Meilen pro Stunde, also knapp 120 kmh fahren, ist aber vor allem als Stadtfahrzeug gedacht. Das soll mit der Batterie, die drinnen ist, also mit der Kapazität 16 Stunden im ganz normalen Stadtbetrieb fahren können. Und dann steht es halt in der Wartung, auf der Sammelstelle, dort in der Nacht. Und wenn es nicht mehr in Betrieb ist, wird geladen, gereinigt, gewartet, wenn notwendig. Und dann wird es am nächsten Tag wieder auf die Straße geschickt. Also da wird man wahrscheinlich auch solche Sachen gar nicht brauchen, dass man da komplexe Sachen machen muss.

  18. Sebastian:

    Das ist ja schon mal sehr von Vorteil. Jetzt hattest du autonomes Fahren als nächste Disruption sozusagen nach dem reinen E-Antrieb beschrieben. Wir sind da jetzt 2017, also fünf Jahre der E-Mobilität in Anführungsstrichen hinterher, aber anscheinend in Kalifornien, insbesondere Deutschland um einiges voraus. Siehst du das, dass wir das auch... Ja, also zuerst einmal vielleicht noch als weiteres.

  19. Dr. Mario Herger:

    Ich habe tatsächlich auf meinem Tesla Model 3 ja die FSD Beta. Wir haben zwei Teslas, da haben wir auf beiden die FSD Beta, die Full Self-Driving Beta. Die ist ja in den USA und in Kanada auf 280.000 Autos jetzt drauf. Die ist ja in den USA und in Kanada auf 280.000 Autos jetzt drauf. Das sind die Leute, die das bestellt haben damals. Ich habe noch nicht diese 15.000 Dollar gezahlt, was es jetzt kostet, aber ich habe damals noch 3.000 gezahlt, das war 2019. Und auch die verwende ich jetzt hin und wieder, nicht immer, aber doch. Und vor allem bin ich ja mit einer Delegation hier unterwegs gewesen, dazu komme ich gleich noch einmal zur Delegation, weil die ist interessant für die Frage, die du ja eigentlich gestellt hast, nämlich wann kommt das nach Deutschland her. Und da bin ich mit denen gefahren, das ist ihnen gezeigt. In San Francisco beispielsweise bin ich damit gefahren, aber auch etwas in Vorstädten, also da in Mountain View herumgefahren. Und es ist sehr beeindruckend, was diese Technologie bereits kann. Also der einzige Fehler, den es macht bei so einer Strecke von 20 Minuten von Mountain View, also sofort mit vielen kleinen Straßen und einigen Hauptdurchzugsachsen bis nach Los Altos, war, dass er über die Speedbump, also seine Bodenwelle, statt mit den 15 Meilen pro Stunde, mit 25 Meilen pro Stunde drüber gefahren ist, weil die hat er noch nicht erkannt und da hat es uns ein bisschen geschüttelt, aber sonst biegt er ab, er kennt Leute, er kennt die Ampelsignale, auch andere Sachen. So, und die zweite Person, die ich hatte, stammten aus Hessen und vielleicht habt ihr mitgekriegt, dass ja jetzt der TÜV Süd Mobileye zertifiziert hat, also die Zertifizierung empfohlen hat, dass sie jetzt dieses Jahr eine Robotertaxi-Flotte, zwar noch mit Sicherheitsfahrer, aber doch eine Robotertaxi-Flotte in München und in Darmstadt betreiben dürfen. Und 15 dieser Fahrzeuge werden in Darmstadt sein, das ist ja schon Teil von Hessen, und wird eingebettet in die Eine App vom RMV, also von dem Verkehrsverbund dort. Und das waren zwei der Mitarbeiter von dort, die eben auf der Suche sind, wie man vielleicht noch weitere Robotaxi-Flottenhersteller, Betreiber nach Deutschland bringen kann, um das zum Beispiel im Verbund mit dem Verkehrsverbund zu testen. Und da sind sie gerade dran. Es gibt ja in Deutschland die Bundesverordnung, dass man autonom fahren darf. Und da aber natürlich sind sie die Ersten, die durch diese Lizenzierung, dieses Genehmigungsverfahren gehen. Und da ist halt noch nicht ganz klar, was beispielsweise die Behörden da ganz genau abfragen müssen, wie sie sicherstellen, dass die Bevölkerung sicher ist, was sie da testen müssen, was sie da können müssen, was sie verstehen müssen bei den Sachen. Und da ist eben der Plan, in einem Jahr, also 2024 herum, dann auch zum ersten Mal den Sicherheitsfahrer aus dem Auto zu nehmen. Und da könnte es sein, dass wir zum ersten Mal im nächsten Jahr einen ersten Hersteller haben, der zeigt, wie Fahrer, wirklich komplett fahrerlose Autos, und in diesem Fall sogar Elektroautos, nämlich das sind ja die NIO ES8, die Mobileye verwendet, auf deutschen Straßen ohne Fahrer, leer, durch den ganz normalen Straßenverkehr fahren. Was man hier nochmal sagen muss, ist, das ist alles keine deutsche Technologie. Also was wir hier sehen, sind vor allem amerikanische oder chinesische oder in diesem Fall eine israelisch-amerikanische Firma, Mobileye, die diese Technologien haben und eben da vorne sehen. Wir haben also mit unserer Bundesverordnung in Deutschland das schönste Stadion gestellt, den besten Schiedsrichter und Referee, der sich also die Regeln am besten kennt. Aber wir haben keine Mannschaften, um Weltmeister zu werden. Und das sollte uns zu denken geben, denn wir haben nämlich das Auto erfunden. Wir bauen die besten Autos der Welt. Es ist die wichtigste Industrie im Land. Wir sind die größten Exporteure von Automobiltechnologien weltweit. Und bei diesen neuen Sachen sind wir nicht dabei. Irgendwie sind wir zurückgefallen. Das ist nicht unsere Technologie. Da haben wir Angst. Und da müssen wir uns ein bisschen an der Nase nehmen und ein bisschen die Ärmel hochkrempeln, dass wir da vielleicht doch noch mitmischen.

  20. Sebastian:

    Wäre definitiv wünschenswert, wenn wir da auch eine Mannschaft auf den Platz bekommen, so schön wie du das eben beschrieben hast. Also vielen Dank für diese umfassenden Einblicke sozusagen, vor allem auf den kalifornischen E-Auto- als auch autonomen Fahrenmarkt, den wir da bekommen haben. Ich würde gerne mit dir auch künftig im Austausch bleiben, wenn du da Interesse daran hättest, weil ich glaube, da entwickelt sich einfach extrem viel. Und wenn ich jetzt schon höre, TÜV Süd ist da dran, dass wir in München und Darmstadt auch eine autonome Teilhabe haben. Testflotte zumindest mal drauf bekommt, 2024 vielleicht ganz ohne Fahrer unterwegs sind. Da steht uns ja doch einiges nochmal bevor. Von daher, vielen Dank für deine Zeit, Mario, für die Einblicke und ich bin mir sicher, wir bleiben weiterhin im Austausch.

  21. Dr. Mario Herger:

    Vielen Dank, Sebastian, hat Spaß gemacht.

  22. Sebastian:

    So schnell geht dann also wieder eine halbe Stunde vorbei. Das war das Gespräch mit Mario Herger. Ich denke, das war sehr interessant, ein bisschen mehr über E-Mobilität in Amerika zu erfahren oder von amerikanischen Marken, die dort eben zugegen sind, aber auch eben über das Thema autonome Fahren und wie das mit dem Wandel des Antriebs Hand in Hand geht und dass wir da ja in Deutschland auch gewisse Fortschritte bei der Einführung machen, aber natürlich noch nicht die Player mit am Start haben, wie Mario ausgeführt hat. Hoffen wir, dass sich das ändert und dass man da die Zeichen der Zeit immer noch ein Stück weit früh genug erkennt, um dann eben reagieren zu können, anstatt reagieren zu müssen sozusagen. Dir vielen Dank fürs Zuhören. Wenn du noch agieren magst, hinterlasse uns doch gerne eine positive Bewertung bei iTunes. Hilft uns, den Podcast noch ein Stück weit mehr in die Welt hinauszutragen. Vielen Dank. Bis dahin. Ciao.