Formula Student: Zukunft der Mobilität fest im Fokus

Im Gespräch mit Tim Neugebauer, Fachbereichsleitung Marketing/ Head of Marketing des Formula Student-Team Ecurie Aix

Tim Neugebauer, Fachbereichsleitung Marketing/ Head of Marketing des Formula Student-Team Ecurie Aix, hat sich in dieser Folge des Elektroauto-News.net Podcast mit mir über Formula Student ausgetauscht und Einblicke hinter die Kulissen gegeben. Weltweit sind mehr als 500 Teams aktiv, wobei sich das Team der RWTH Aachen auf die Wettbewerbe in Europa fokussiert. Diese werden in den meisten Fällen am Regelwerk der Formula Student Germany (FSG) ausgerichtet.

Im Rennen selbst gibt es verschiedene Klassen (Verbrenner, Elektro und Autonom) sowie Disziplinen. Den Disziplinen stellt sich Ecurie Aix allen, bei den Klassen ist man nur noch vollelektrisch oder autonom unterwegs. Verbrenner lässt man seit 2014 außen vor; ab 2022 soll es gar keine Verbrenner mehr in der Formula Student geben.

Bei den Disziplinen wird zwischen statischen sowie dynamischen Disziplinen unterschieden. Im "Autocross" begibt man sich auf einen dynamischen Handling-Kurs, auf dem es gilt die schnellste Runde zu absolvieren, unter "Endurance" wird das eigentliche Hauptrennen gewertet. Und abseits der Strecke werden unter anderem Finanz- und Marketingkonzepte betrachtet. All diese Einzel-Disziplinen geben Punkte und führen in Summe zu bis zu 1.000 Punkten. Im Detail versteht dies Tim natürlich besser zu erzählen. Daher geht's nun auch direkt in die aktuelle Folge.

Shownotes:

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Transcript

  1. Intro:

    Elektroauto News. Der Podcast rund um das Thema Elektromobilität. Mit aktuellen Entwicklungen, Diskussionen, Interviews und vielem mehr.

  2. Sebastian:

    Servus und herzlich willkommen bei einer neuen Folge des elektronischen News.net Podcast. Ich bin Sebastian und freue mich, dass du diese Woche wieder eingeschaltet hast, wenn wir uns mit dem Thema E-Mobilität beschäftigen. In der aktuellen Folge habe ich Tim Neugebauer vom Formula Student Team Ecurie Aix aus der RWTH Aachen zu Gast. Tim erzählt uns in der aktuellen Podcast-Folge ein wenig von dem Formula Student Team der RWTH Aachen, was so hinter den Kulissen abgeht, worauf man achten muss und warum man sich entschlossen hat, seit 2014 nur noch elektrisch zu fahren. Bevor wir ins Gespräch mit Tim gehen, geht es kurz in die Werbung. Hörer und Hörerinnen unseres Podcasts wissen, es ist Zeit für Veränderung. Zeit für echte Veränderung. Dieser Meinung ist auch Klima West, der Impact-Fonds für ein lebenswerteres Morgen. Wie Klima West zu verstehen gibt, erkennen immer mehr Anleger, Anlegerinnen, dass sie mit ihren Investments sehr wohl etwas bewirken können. Auch gegen den Klimawandel. Denn mit Klima West ist es möglich, in die Themen der Zukunft zu investieren, unter anderem in das Thema erneuerbare Energien. Dabei ist es Klima West möglich aufzuzeigen, dass man mit echtem nachweisbaren Impact Investments sozusagen für eine grünere Zukunft anlegt. Klima West ermöglicht das, deine persönlichen Werte mit den finanziellen zu verbinden. Weitere Informationen zu Klima West und den Chancen und Risiken findest du auch unter www.klimawest.de. Schau doch gerne mal dort vorbei. Servus Tim, vielen Dank, dass du dir heute die Zeit nimmst, dass wir uns ein wenig über euer Formula Student Team Ecurie Aix unterhalten und über die Entwicklung von Elektro-Rennwagen als Student. Vielleicht magst du dich zu Beginn selbst vorstellen und dann auch ein paar Worte zu eurem Team verlieren.

  3. Tim Neugebauer:

    Ja, hi Sebastian, danke, dass ich da sein darf. Ja, ich bin Tim, bin 20 Jahre alt, studiere Wirtschaftsingenieurwesen Maschinenbau an der RWTH Aachen. Und bin im zweiten Semester dem Team beigetreten. Ecurie Aix, hast du schon ganz richtig gesagt, Rebound. elektrische Formelrennenwagen und das alles völlig freiwillig neben dem Studium. Ich habe letzte Saison Partnerschaften betreut bei uns im Team und habe jetzt zu dieser Saison die Fachbereichsleitung für Marketing übernommen. Ich kümmere mich also quasi um alles, was um das Team herum so passiert, um die Partnerschaften, um Public Relations mit meinem Team. Genau, das ist so meine Aufgabe, die Koordinierung der Gruppe.

  4. Sebastian:

    Und Equal Reacts ist dann quasi das Team oder euer Teamname. Der ist ja auch so ein bisschen bedeutungsschwanger aus dem Rennsport. Vielleicht magst du da auch was dazu sagen.

  5. Tim Neugebauer:

    Ja, klar. Ja, Ecurie Aix, für viele immer die große Frage, wie man unseren Namen eigentlich ausspricht. Equi kommt daher, es gab den Spa, das Renn-Team Equi-Francorchamps. Spa ist nicht unweit von Aachen entfernt. Equi, also einfach französisch für Rennstall und X wegen Aachen sind das Studententeam der RWTH Aachen. Genau, und sind dann eben hier mit unserer Garage vor Ort vertreten.

  6. Sebastian:

    Sehr schön. Vielleicht gehen wir jetzt mal darauf ein, was die Formel Student ist. Ich habe ja vorher im Vorgespräch schon so gefragt, ist es denn eine Formel E für Studenten, um es einfach auszudrücken? Da hast du schon gesagt, nee, das geht ein wenig in eine andere Richtung. Vielleicht magst du das auch unseren Hörer, Hörerinnen ein wenig näher bringen.

  7. Tim Neugebauer:

    Ja, sehr gerne. Grundsätzlich die Formula Student ist der größte Konstruktionswettbewerb für Studierende. Formel E ist dahingehend so ein bisschen unpassend, weil es eigentlich viel mehr ist. Also der Wettbewerb hat damit angefangen, dass Verbrennungsformelfahrzeuge gebaut wurden. 2010 wurde dann die elektrische Klasse eingeführt und 2017 die autonome Klasse. Es gibt quasi in einem Wettbewerb drei Klassen, Verbrenner, elektrisch und autonom, wo dann die Studierenden mit ihrem Fahrzeug antreten können. Der Wettbewerb ist weltweit. Es gibt über 500 Teams von Hochschulen und Universitäten. Wir treten bei Wettbewerben in Europa an, auf den großen Formel-1-Rennstrecken, die man so kennt. Sei es jetzt Hungaroring, Red Bull Ring in Österreich oder ehemals Formel-1 der Hockenheimring in Deutschland. Die Formula Student Germany ist dabei das größte Event in Europa, stellt auch das Reglement für alle anderen Events, weil größtenteils für alle anderen Events. Jetzt habe ich es quasi schon gesagt, also beim Bau unserer Fahrzeuge müssen wir uns nach einem allgemeinen Reglement richten, wonach wir unsere Fahrzeuge entwickeln. Das soweit erstmal zum Wettbewerb an sich. Nebenbei dient der Wettbewerb auch als Networking-Plattform für Studierende und Unternehmen. Also die Unternehmen haben einfach die Chance, uns Studierende für das Unternehmen zu inspirieren, zu begeistern. Und wir haben dann eben die Möglichkeit, nach unserem Studium möglicherweise den Weg in die Industrie zu finden.

  8. Sebastian:

    Vielen Dank, Tim, erstmal so für den Umriss oder Abriss davon sozusagen. Jetzt hast du gesagt, es gibt verschiedene Klassendisziplinen, wo Stück für Stück immer was Neues dazugekommen ist. Das heißt aber, ihr mit eurem E-Flitzer seid dann auch nur in der Elektro-Klasse unterwegs und die autonom fahrenden Fahrzeuge auch nur für sich. Oder wie ist das?

  9. Tim Neugebauer:

    Ja, also grundsätzlich bauen wir jedes Jahr ein neues elektrisches Fahrzeug und treten damit in der EV, in der Electric Vehicle Klasse an. Währenddessen haben wir aber noch ein zweites Fahrzeug, das DV-Fahrzeug, Driverless Vehicle. Das ist ein Vorjahresfahrzeug, was wir mit Komponenten ausstatten, damit es völlig autonom fahren kann. Und mit diesen beiden Fahrzeugen treten wir dann jedes Jahr in den Klassen EV und DV an.

  10. Sebastian:

    Und dann hattest du im Vorgespräch auch gesagt, es gibt verschiedene, also nicht nur die verschiedenen Klassen, sondern auch Disziplinen. Sind die Disziplinen dann eben dieses autonome Fahren und das selbstgesteuerte Fahren oder was versteht man darunter?

  11. Tim Neugebauer:

    Ich vergleiche das gerne immer so ein bisschen mit der Formel 1 so an sich, weil es gibt so ein paar Disziplinen, die damit so Überschneidungen finden. Aber eigentlich alles, was in einem Renn-Team vor sich geht, wird bei uns bewertet. Also es gibt fünf dynamische Disziplinen und drei statische Disziplinen. Ich würde einfach mal bei der statischen Disziplin anfangen.

  12. Sebastian:

    Gerne.

  13. Tim Neugebauer:

    Da gibt es das Engineering Design Event. Da müssen wir von einer Jury von Ingenieuren aus der Industrie, Alumni aus dem Wettbewerb, unsere Entwicklungen verteidigen. Welche Konzepte haben wir gewählt, warum haben wir sie gewählt und so weiter. Und dann wird auf dieser Basis eben das Fahrzeugkonzept bewertet. Die nächste statische Disziplin ist das Custom Manufacturing Event. Da werden quasi alle Kosten, die wir für das Fahrzeug haben oder in dem Fahrzeug stecken, aufgelistet und interpretiert, ausgeschmückt und das Ganze wird dann eben auch nochmal bewertet. Und die letzte statische Disziplin ist der Business Plan Event. Da betten wir die Fahrzeuge in ein fiktives Startup-Unternehmen ein und stellen das ähnlich wie bei Höhle der Löwen Investoren vor. Und das wird dann eben auch bewertet. Dann zu den dynamischen Disziplinen, also was findet eigentlich möglich auf der Rennstrecke statt? Gibt es einmal Skidpad, das kann man sich so vorstellen, das ist quasi eine liegende Acht, wo die Fahrzeuge durchfahren. Und in dieser Disziplin werden die Querdynamiken der Fahrzeuge getestet. Gilt dann eben auch, die schnellste Zeit zu haben. Dann gibt es einmal Acceleration, also ein klassisches Beschleunigungsrennen. Eine Strecke von 75 Metern wird von Stillstand hoch beschleunigt. Dann gibt es Autocross. Das ist so ein bisschen wie Formel 1 Qualifying. Also eine gezeitete Runde und die schnellste Runde zählt. Und ja, da die Zeiten gehen die Reihenfolge für den Start ins Langstreckenrennen vor. In der Endurance, das Langstreckenrennen, sind 22 Kilometer. Dort... wird diese Distanz absolviert, es ist ein Rundstreckenkurs mit Fahrerwechsel, ist die Königsdisziplin, gibt die meisten Punkte und zu guter Letzt gibt es dann die Efficiency, da wird die Effizienz der Fahrzeuge während der Endurance bewertet. Insgesamt ergibt das dann 1000 Punkte und die jeweiligen Disziplinen haben unterschiedliche Gewichtungen an diesen 1000 Punkten. Das ist soweit zum EV-Bereich. DV ist größtenteils das Gleiche. Dort werden die Punkte etwas anders gewichtet und die Endurance heißt dort Track Drive, aber so hat man schon eine grobe Vorstellung von Disziplin.

  14. Sebastian:

    Ja, vielen Dank. Für uns ist ja der EV-Bereich dann ja auch der interessantere sozusagen. Das heißt aber zum Einordnen, diese drei staatlichen Disziplinen sind dann eher so der Wirtschaftsteil dahinter sozusagen, wo dann eher auf Zahlen, Daten, Fakten geschaut wird. Und die fünf dynamischen Disziplinen, die blicken dann doch nochmal mehr auf die Technik dahinter und das Ergebnis, wo dadurch erbracht wird. So würde ich es jetzt zumindest mal für mich zusammenfassen.

  15. Tim Neugebauer:

    Kann man so sagen, ja. Also vor allem Business und Cost Report sind so typische Wirtschaftsdisziplinen, würde ich sagen. Beim Engineering Design Event an sich muss man ja seine technischen Konzepte vorstellen. Deswegen das vielleicht auch noch so ein bisschen mehr in den Ingenieursbereich rücken.

  16. Sebastian:

    Stimmt, da geht es auch dann Hand in Hand.

  17. Tim Neugebauer:

    Das heißt dann auch...

  18. Sebastian:

    Für euch als Student, wie ist das denn, darf da jeder, der an der RWTH Aachen unterwegs ist, dann mitmachen bei euch sozusagen und sich mit einbringen?

  19. Tim Neugebauer:

    Im Prinzip schon. Also um bei uns mitzumachen, muss man Student an der WTH oder FH Aachen sein, Bachelorant oder Masterant, was nach Reglement verboten ist, sind Doktoranden oder derweilige andere äußere Einflüsse, sage ich mal. Also wir können jetzt nicht zu einem Porsche gehen und sagen, hier entwickelt uns mal das Fahrzeug. Also es wird schon durch Studierende entwickelt. Aber wer Lust hat, sich neben dem Studium zu engagieren, kann mitmachen, wer Motorsport begeistert ist. Wir haben super viele Studiengänge im Team, also da sind eigentlich keine Grenzen gesetzt.

  20. Sebastian:

    Wie ist es denn bei euch so, wenn man da als aktiver Student mitmacht? Also vom Zeitfaktor her, was habe ich für Nutzen davon, wie kann ich mich da einbringen? Kannst du uns da ein bisschen das Ausführliche erklären?

  21. Tim Neugebauer:

    Also ich denke, man muss sich bewusst sein, dass, wenn man bei uns mitmacht, da schon eine große Zeit in der Woche hineinfließt in das Projekt, in das Team. Also ich sage mal, jedes normale Gruppenmitglied bei uns oder Teammitglied sollte sich darauf einstellen, ungefähr mindestens 20 Stunden die Woche zu machen. Wenn man dann, sage ich, führende Positionen im Team begleitet, wird das sehr, sehr schnell mehr. Da sind wir vielleicht so bei 40, 50 Stunden die Woche neben dem Studium. Also da braucht es ein gutes Zeitmanagement, dass man beides gut hinbekommt, dass das Studium nicht ganz auf der Strecke bleibt. Aber man kriegt es auf jeden Fall hin. Also zu meiner Person, ich bin im zweiten Semester dem Team beigetreten, nachdem ich das erste Semester so ein bisschen in den Sand gesetzt hatte. Und nachdem ich dem Team beigetreten bin, wurden meine Leistungsstudien auch direkt besser. Also habe viel mehr Struktur in meinen Tag bekommen. Zeitmanagement wurde besser. Man hat auch deutlich mehr Motivation, sich vielleicht mal in die Uni richtig reinzuhängen, weil man halt einfach sieht, was möglich ist, wo man hinkommen kann, was es für coole Möglichkeiten gibt. Das motiviert schon. Und ansonsten, das hat man davon, bei uns im Team zu sein, zu arbeiten. Das ist grundsätzlich das Arbeiten und Entwickeln von Technologie, was man einfach im Studium nicht hat. Also das, was wir bei uns im Team angeht, super über den Hörsaal hinaus, sage ich mal. Sei es jetzt das Konstruieren von Teilen, das Simulieren von Teilen, Software schreiben oder auch im Marketingbereich, wenn man jetzt mit Programmen wie Affinity Publisher, Foto oder Designer arbeitet. Das ist nicht unbedingt etwas, was man so typischerweise in seinem Studium macht, vor allem nicht, wenn man irgendwie Maschinenbau studiert. Deshalb hat man einfach die Möglichkeit, sich da weiterzubilden und wirklich Skills aufzubauen, die später in den Unternehmen gefragt sind. Also ich kann kurz vielleicht eine Geschichte erzählen von einem Bacheloren aus unserem Team, der mir erzählt hat, okay, ich konnte einfach zwei Monate Einarbeitungsphase überspringen im Unternehmen, weil ich einfach schon im Team so lange dabei bin, so viele Skills aufgebaut habe. Und das schätzen natürlich auch die Unternehmen bei den Leuten, die im Formulastunbereich gearbeitet haben.

  22. Sebastian:

    Ja klar, du zeigst ja schon mal, ich sage mal, durch die Initiative und dass du dich da einbringst, wenn wir jetzt hier von 20 bis 40 oder mehr Stunden die Woche reden, neben deinem Studium, dass du da äußerst belastbar bist. Und wenn du dann noch ein einigermaßen vorzeigbares Studium absolvierst, würde ich so einen Studenten natürlich auch bevorzugen als gegenüber jemand, der in Anführungsstrichen nur studiert hat. Und für euch ist ja auch besonders spannend, denke ich, das hast du jetzt eben gerade nochmal betont, dass man eben nicht nur diese Technologie in der Theorie sozusagen behandelt im Studium, sondern auch die Möglichkeit bekommt, das auf vielen verschiedenen Ebenen dann auch praktisch anzuwenden und da sozusagen auch ein Ergebnis zu sehen.

  23. Tim Neugebauer:

    Ja, genau. Also wenn man in der Werkstatt ist und das Auto raus sieht und auch wenn man da, keine Ahnung, einfach nur ein paar Schrauben anbringt, den Frontflügel montiert. Also es macht einfach Ultraschall und ist halt echt cool, da seine Erfahrungen zu sammeln.

  24. Sebastian:

    Das glaube ich dir. Also ich glaube, das hätte mich auch motiviert. Aber gut, dafür ist es ein bisschen zu spät. Aber schön, davon zu erfahren, dass es sowas gibt. Jetzt die Frage, die natürlich auch noch im Raum steht. Warum habt ihr euch 2014 entschieden, nur noch elektrisch unterwegs zu sein?

  25. Tim Neugebauer:

    Ja, ich würde da ein bisschen Feuer ansetzen im Zeitstrahl. 2010 wurde die elektrische Klasse im Wettbewerb eingeführt, haben da direkt entschieden, okay, wir möchten das machen. Was ist da der Hintergrund? Also der Wettbewerb orientiert sich schon sehr stark an den Trends in der Industrie. Liegt natürlich auch daran, dass die Form der Studenten grundsätzlich von den großen Playern im Automobilbereich investiert wird und die da so einen gewissen Takt vorgeben, okay, wohin geht die ganze Reise, was sollen die Studierenden grundsätzlich entwickeln. Wir haben uns dann 2010 dazu entschieden, elektrische Fahrzeuge zu bauen, weil wir einfach der Philosophie gefolgt sind, okay, das ist die Zukunft, das möchten wir gerne machen. 2013 war dann das letzte Jahr, nach zehn Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor. Einfach, weil es auch irgendwann nicht mehr möglich war, beide Fahrzeuge auf dem gleichen hochwertigen Stand zu entwickeln. Sei es jetzt durch Human Resources, also dass wir einfach nicht mehr Power haben, um beide Fahrzeuge von Grund auf zu entwickeln. Oder auch aus finanziellen Gründen. Also das Ganze muss natürlich auch irgendwie finanziert werden. Klar. Also haben wir uns entschieden, okay, was ist zukunftsträchtiger, elektrisch oder Verbrenner? Haben uns dann für elektrische Fahrzeuge entschieden, wo sich auch herausgestellt hat, okay, das elektrische Fahrzeugkonzept ist für die Anwendung im Formula Student Bereich. Also relativ kleine Kurse, kurvenreiche Kurse, deutlich performanter. deutlich schneller auf der Strecke. Und wenn man jetzt sich die Entwicklung des Wettbewerbs in den nächsten Jahren anschaut, nächstes Jahr werden die Verbrenner komplett aus dem Wettbewerb gestrichen, also nur noch elektrische Fahrzeuge, haben wir da auf jeden Fall die richtige Entscheidung getroffen, dass wir jetzt tatsächlich über die letzten zehn Jahre dann schon uns das Know-how aneignen konnten, elektrische Fahrzeuge zu bauen, wo jetzt andere Teams die Saison quasi vor dem Problem stehen. oder vor der Aufgabe stehen, besser so gesagt, ihr erstes elektrisches Auto zu bauen.

  26. Sebastian:

    Das ist definitiv ein Faktor, der dann für euch spricht, dass ihr da doch die Erfahrung für euch sprechen lassen könnt oder ausspielen könnt dann hoffentlich auch im Wettbewerb mit den anderen Studententeams. Wie ist denn das auch? Gibt es da so eine gewisse Konkurrenzsituation, Konkurrenzkampf dann auch untereinander oder ist man da eher auch freundschaftlich miteinander unterwegs?

  27. Tim Neugebauer:

    Ja, also grundsätzlich ist die Formula Student schon eine große Community, wo einfach Studierende zusammenkommen und sagen, hey, ich habe Bock neben dem Studium generell Formelfahrzeuge zu bauen. Aber natürlich wollen wir alle gewinnen. Wir stecken da viel, viel Zeit rein und wollen dann am Ende natürlich auch auf dem Podium stehen. Generell so zu Rivalitäten, die Top-Teams, die europäischen Top-Teams, da kann man sich eigentlich an den großen technischen Universitäten in Europa orientieren. Also sei es jetzt die TU München mit Too Fast, Karlsruhe mit Car Racing, wir aus Aachen, dann kommt die ETH aus Zürich, damit zu, dann gibt es halt immer auch noch Teams in Europa, die vielleicht mal eine Saison, so eine Ausnahmesaison haben, aber grundsätzlich sind das so die Rivalitäten, sag ich mal, wenn man sich um das Podium streitet, aber grundsätzlich alles auch irgendwie auf einer freundschaftlichen Basis.

  28. Sebastian:

    Das ist ja schön, wenn es dann so beides beinhaltet, dann... Wie ist es denn so, wenn so ein Event stattfindet? Du hast jetzt vorhin von diesen insgesamt acht Disziplinen gesprochen, drei statische, fünf dynamische. Kannst du uns mal durch so einen Tag da führen oder verteilst du es auf mehrere Tage dann dieses Event, dass wir da einfach mal ein Gefühl dafür bekommen, wie so ein Formula Student Rennwochenende oder Rennwoche ausschaut?

  29. Tim Neugebauer:

    Tatsächlich ist es mehr eine Rennwoche. Es überspringt sich über mehrere Tage. Die ersten beiden Tage sind hauptsächlich geprägt davon, dass man die Fahrzeuge durch die technische Abnahme bekommt. Es sind immer noch Prototypen, die von Studierenden gebaut werden. Und in zwei von drei Disziplinen sitzt da auch ein Mensch drin, der dieses Fahrzeug fährt. Also muss halt geschaut werden, okay, sind die Fahrzeuge sicher, inspekt in dem Reglement. Da gibt es verschiedenste Tests, sei es ein Mechanical Scrutineering, elektrisches Scrutineering, dann gibt es einen Bremstest, einen Rain-Test, also Kann das Fahrzeug auch wägen ab? Gerade bei elektrischen Fahrzeugen sehr interessant. Und dann Tilt-Test, wo das Fahrzeug einfach einmal geneigt wird auf offener Ebene. Wenn man alle diese technischen Abnahmen, die Scrutineering bestanden hat, wird man für die dynamischen Disziplinen zugelassen. Wir hatten zum Beispiel am Red Bull Ring in Österreich das Glück, dass wir alle Abnahmen bereits nach einem Tag bestehen konnten. Es gibt aber auch Events, wo das überhaupt nicht der Fall ist. Also wo man teilweise drei Tage, vier Tage versucht, durch die Abnahmen zu kommen, weil man immer wieder Anpassungen machen muss, damit die Prüfer da zufrieden sind und man dann doch letztendlich an den dynamischen Disziplinen teilnehmen kann. Dann sind es meistens zwei dynamische Disziplinen pro Tag. Skiphead und Acceleration machen da meistens den Anfang, also eine Disziplin am Vormittag und eine Disziplin am Nachmittag. Und der gründende Abschluss ist dann die Endurance am letzten Tag, am Nachmittag, weil das ja auch letztendlich die spannendste Disziplin für alle ist. Okay, kommt das Fahrzeug über die gesamte Distanz, wie schnell sind wir? Ist auch die einzige Disziplin, wo Fahrzeuge gleichzeitig auf der Strecke sind, mehrere Fahrzeuge gleichzeitig auf der Strecke sind. Und genau nach diesen vier Tagen kommst du dann noch zu einer Awards-Zeremonie, wo dann eben die entsprechenden Teams ausgezeichnet werden. Und meistens danach ist eine studentische Veranstaltung, gibt es eine große Abschlussparty und dann fahren alle Teams zufrieden wieder nach Hause in die Werkstatt und wollen vielleicht fürs nächste Event schon gleich die Fahrzeuge wieder optimieren.

  30. Sebastian:

    Vielen Dank für die Einblicke. Jetzt die Frage, wie war es denn in der Vergangenheit so bei euch? Dürftet ihr dann auch öfters mit gutem Gewissen mitfeiern sozusagen bei den Events im Anschluss oder wo treibt ihr euch da rum im Feld?

  31. Tim Neugebauer:

    Ja, also diese Saison 2021 war für uns schon eine sehr besondere. Es war die beste in der Vereinsgeschichte. Wir konnten in Österreich am Red Bull Ring das erste Mal overall den ersten Platz holen. War natürlich eine super Erfahrung für uns alle, eine Belohnung für viele, viele Stunden in der Werkstatt. Ich würde aber trotzdem einmal chronologisch durch die Events im Sommer durchgehen.

  32. Sebastian:

    Sehr gerne.

  33. Tim Neugebauer:

    Gestartet sind wir in den Niederlanden, das war das erste Event im Sommer, sprechen da so Anfang Juni im Zeitraum, auf dem TT-Circuit in Assen, also eigentlich MotoGP-Strecke. Dort hatten wir noch wirklich viele Anfangsprobleme, hatten da auch Probleme, wie schon gerade angesprochen, durch die technischen Abnahmen zu kommen, haben da dann overall den sechsten Platz gemacht. Danach ging es dann nach Österreich, nach Spielberg auf den Red Bull Ring. Da quasi komplette Kehrtwende am ersten Tag durch alle Skulpturnehmens durchgekommen. Was sicherlich auch darauf zu führen ist, dass wir aus unseren Fehlern oder durch die Skulpturnehmens in den Niederlanden lernen konnten, da nochmal Anpassungen getroffen haben zwischen den Events, konnten da dann den ersten Platz overall in Österreich holen. Dann ein Teil des Teams ist gleich unten in Österreich geblieben, weil wenige Tage später das Event in Ungarn auf dem Hungaroring stattgefunden hat. Dort dann auch das erste Event, was wir mit unserem autonomen Fahrzeug bestritten haben. Also es waren beide unserer Fahrzeuge dort im Einsatz. Mit unserem elektrischen haben wir da knapp das Podium verpasst, vierter Platz. Konnten aber mit unserem autonomen Fahrzeug in der DEV-Klasse auf den dritten Platz fahren. Dann ging es nach Deutschland zum größten Event, Hockenheim, FSG. Wir sind da leider mit beiden Fahrzeugen sehr, sehr knapp am Podium geschaltet, jeweils zwei vierte Plätze. Und zu guter Letzt waren wir dann in Italien bei der FS Arta mit unserem autonomen Fahrzeug. Haben es da geschafft, alle dynamischen Disziplinen zu gewinnen. Leider waren da die Leistungen in den statischen Disziplinen nicht so gut. Nichtsdestotrotz konnten wir overall da den zweiten Platz holen. Also zusammengefasst eine sehr, sehr erfolgreiche Saison für uns. In beiden Klassen gezeigt, dass wir Erfolge einfahren können, dass wir da in die richtige Richtung gehen und mit dem Rücken gewinnen, wo wir dann jetzt in der nächsten Saison starten.

  34. Sebastian:

    Also ein schöner Blick zurück und der Blick in die Zukunft. Was sind da so die Herausforderungen, die auf euch zukommen oder zukommen werden? Was habt ihr da so auf dem Schirm?

  35. Tim Neugebauer:

    Die größte Herausforderung, die wir haben, ist das neue Reglement oder die Umstellung im Formula Student-Bereich. Ich hatte die ganze Zeit von drei Klassen geredet. Das ist ab dieser Saison nicht mehr so. Die EV-Klasse und die DV-Klasse werden fusioniert und zu einer großen Merch-Klasse, wie man es auch nennen möchte, zusammengefasst. Was bedeutet das letztendlich? Einige Disziplinen oder es können einige Disziplinen sowohl autonom als auch mit Fahrer gefahren werden. Man muss sich aber bewusst sein, dass wenn man zum Beispiel die Acceleration Disziplin mit Fahrer fährt, dass man nicht mehr die volle Punktzahl bekommt. Also Acceleration und Skidpad, so als Beispiele, werden versucht von uns zum Beispiel autonom zu fahren, weil wir natürlich den Anspruch haben, okay, wir möchten die maximale Punktzahl erreichen. Da hilft es uns natürlich, dass wir in letzter Saison in beiden Klassen bereits so große Erfolge feiern konnten. Und wir sind da jetzt dann auch ganz zuversichtlich, dass wir nächstes Jahr diese Hürde nehmen können und sowohl autonom als auch mit Fahrer sehr, sehr performant fahren können.

  36. Sebastian:

    Vielen Dank, Tim. Ja, das hört sich aber gut an. Dann habt ihr da ja die ein oder andere Herausforderung, die ihr angehen könnt. Habt ihr aber auch genügend Rückenwind sozusagen aus der aktuellen Saison oder aus der vergangenen Saison. Und ja, bin gespannt, wie es denn läuft. Wenn du magst, können wir uns ja dann im kommenden Jahr nochmal darüber austauschen, wie es denn gelaufen ist, wie ihr von euren Erfahrungen aus diesem Jahr profitiert habt. Und möchte damit erstmal Danke sagen für deine Zeit und die Einblicke in die Formula Student bei eurem Team.

  37. Tim Neugebauer:

    Sehr gerne. Sehr cool, dass ich hier sein durfte, ein bisschen von unserem Wettbewerb und unserem Team erzählen konnte. kommen natürlich gerne wieder. Ein paar Erfahrungen aus der nächsten Saison zu berichten. Hoffentlich dann mit einem Podium in Deutschland, wo wir dieses Jahr ja knapp dran gescheitert sind und mindestens ebenso erfolgreich in der Saison.

  38. Sebastian:

    Das hoffen wir doch. Die Daumen sind gedrückt.

  39. Tim Neugebauer:

    Ja, vielen Dank.

  40. Sebastian:

    Mach's gut.

  41. Tim Neugebauer:

    Mach's gut, Sebastian. Ciao. Ciao.

  42. Sebastian:

    Das war es ja jetzt auch wieder, die aktuelle Folge von elektroautonews.net Podcast. Ich hoffe, du hast einiges für dich mitnehmen können und hast ein wenig mehr hinter den Kulissen der Formulas dutend erfahren. Ich fand es ganz interessant und würde mich freuen, wenn du nächste Woche bei der kommenden Folge unseres Podcasts wieder einschaltest. Mach's gut, bis dahin, ciao.