Was Renaults Ansatz für bezahlbares E-Auto-Fahren ist

In dieser Folge des Elektroauto-News-Podcast spreche ich mit Florian Kraft, CEO von Renault Deutschland, über die zentralen Stellschrauben für den Erfolg von Elektroautos in einem der anspruchsvollsten Automärkte Europas. Im Fokus steht weniger das einzelne Auto als vielmehr das Gesamtsystem aus Preis, Laden, Nutzung und Erwartungsmanagement.

Ein zentrales Thema ist der neue elektrische Renault Twingo. Kraft erläutert, warum Renault bei dem Modell bewusst an der ursprünglichen DNA festhält: Erschwinglichkeit, Einfachheit und Nähe zum Kunden sollen erhalten bleiben, kombiniert mit einer konsequent elektrischen Auslegung. Retro-Design ja, aber ohne technische Kompromisse. Trotz kleinerer Batterie im Vergleich zu Renault 4 und Renault 5 soll der Twingo alles bieten, was Kundinnen und Kunden im A-Segment erwarten – inklusive Konnektivität, variabler Rückbank und Alltagstauglichkeit. Der angepeilte Einstiegspreis von unter 20.000 Euro ist Teil einer klaren Kostenstrategie auf Basis der AmpR-Small-Plattform.

Darüber hinaus ordnet Kraft die strategische Ausrichtung von Renault ein. Der Konzern treibt die Elektrifizierung voran, hält aber bewusst an einem breiten Antriebsportfolio fest – von Elektroautos über Hybride bis hin zu Verbrennern. Für Renault ist das kein Widerspruch, sondern Ausdruck von Marktverständnis und Risikobalance. Mut zeigt sich aus seiner Sicht nicht nur bei neuen Elektroplattformen, sondern auch darin, klassische Modelle wie den neuen Clio weiterhin anzubieten.

Einen breiten Raum nimmt das Thema Laden ein. Kraft macht deutlich, dass aus seiner Erfahrung nicht die Verfügbarkeit von Ladesäulen das größte Problem ist, sondern die Kosten und die mangelnde Transparenz bei den Ladepreisen. Schnellladepreise von bis zu 1,20 Euro pro Kilowattstunde seien für private Vielfahrer kaum kalkulierbar. Elektromobilität scheitere daher oft nicht am Auto, sondern an der fehlenden Planungssicherheit im Alltag.

Als Antwort darauf stellt Renault unter anderem den Mobilize Charge Pass vor, mit dem Kundinnen und Kunden an Ionity-Stationen für 0,39 Euro pro Kilowattstunde laden können. Entscheidend sei weniger der niedrigste Preis als ein verlässlicher Rahmen. Gerade für urbane Elektroautos wie den Twingo denkt Renault zudem über stärker auf AC-Laden zugeschnittene Lösungen nach.

Auch die neue Elektroauto-Prämie wird eingeordnet. Kraft sieht sie als unterstützendes Instrument, nicht als entscheidenden Hebel. Der Markt habe sich weiterentwickelt, viele Menschen setzten sich heute aktiv mit Elektromobilität auseinander. Gleichzeitig spricht er offen über die Lernkurve beim Umstieg auf Elektroautos. Eine Anpassungsphase von zwei bis acht Wochen sei realistisch – Ehrlichkeit im Verkauf und Begleitung statt Belehrung seien daher entscheidend.

Abgerundet wird das Gespräch durch einen Blick auf die Rolle des Handels im Wandel. Händler bleiben das emotionale Bindeglied zum Kunden, stehen aber vor steigenden Erwartungen, etwa bei Fragen zu Wallboxen, Ladeinfrastruktur und digitalen Diensten. Elektromobilität wird damit zunehmend zu einem Gesamtsystem, das erklärt und begleitet werden muss.

Eine Folge für alle, die verstehen wollen, warum Elektromobilität weniger an Technik als an Rahmenbedingungen entscheidet – und welche Rolle Hersteller wie Renault dabei spielen.

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Transcript

  1. Intro:

    Elektroauto News. Der Podcast rund um das Thema Elektromobilität. Mit aktuellen Entwicklungen, Diskussionen, Interviews und vielem mehr.

  2. Sebastian:

    Servus und herzlich willkommen bei einem neuen Folge-Select-Route-News-Podcast. Ich bin Sebastian und freue mich, dass du heute wieder mit am Start bist. Auf der anderen Seite des Mikrofons habe ich Florian Kraft zu Gast. Er ist Managing Director der Marke Renault und ihm obliegt auch die Länderleitung der Renault Group in Deutschland. Wir haben uns über den neuen Twingo E-Tech unterhalten, was den Renault 4 und Renault 5 derzeit ausmacht, welche Rolle Retro-Design spielt, was der BAFA-Umweltbonus aktuell für die E-Mobilität bedeutet und warum weniger das Fahrzeug an sich als die ganze Struktur drumherum entscheidend ist, damit die E-Mobilität zum Erfolg wird. Das alles und noch viel mehr gibt es im Gespräch mit Florian Kraft. Wir gehen direkt rein. Viel Spaß damit. Wir haben uns heute den Twingo angeschaut, erste Generation, vierte Generation. Abseits vom Antrieb hat es hier doch einiges verändert, aber der Twingo stand ja schon immer mehr als für ein Auto da. Ich habe geschaut, er stand für Vereinfachung, Urbanität, Mut zur Andersartigkeit, damals wie heute. Welche dieser Werte können daraus auch noch in das Heute transportiert werden, wenn wir von der ersten zur vierten Generation blicken? Und was lässt sich davon auch noch auf Renault an sich adaptieren?

  3. Florian Kraft:

    Einer der Gründe, aus denen wir wieder so nah ans Original gegangen sind, was das Design des Fahrzeugs und auch den Ausdruck des Fahrzeugs betrifft, ist tatsächlich, dass wir uns wünschen, diese Werte auch in der vierten Generation mit zu übertragen. Das heißt nicht nur Erschwinglichkeit des Produkts, sondern tatsächlich auch diese Einfachheit, diese Nähe, diese Kundennähe, dieses Lächeln, Und dementsprechend würde ich behaupten, dass sehr vieles von der ursprünglichen DNA wieder aufgenommen wird, aber on top. Und das ist natürlich bei dem Twingo E-Tech mit dieser zusätzlichen Namensgebung der Fall, dass wir ein Fahrzeug auf den Markt bringen, das auch perfekt zur Elektromobilität passt. Also wirklich mit all den ursprünglichen Werten, aber on top eben absolut 100% elektrisch.

  4. Sebastian:

    Das sehen wir, der überzeugt ja auch, wir sind ja auch gespannt, wie er dann nach der Marktentführung wahrgenommen wird, aber gerade dieses Retro-Design wird ja gut angenommen, hat man beim R4, R5 bei euch gesehen. Ihr stellt euch jetzt aber nicht nur, ich sag mal, oder ihr nähert euch dann nicht nur vom Design von der Optik und so weiter, sondern es findet ja auch eine Veränderung statt in der Ausrichtung der Marke. Renolution als Stichwort, es fand eine Trennung zwischen Ampere, Horse und natürlich unter euren Marken der Renault Group statt. Wenn wir den elektrischen Twingo da jetzt verorten müssten in diesem Umfeld, als was wird da gesehen? Volumenhebel, Imageanker, Experimentierfeld, also wie kann man ihn da einordnen?

  5. Florian Kraft:

    Eins, was wichtig ist und was wir auch ein bisschen angesprochen haben, ist die Tatsache, Retro ja, was das Design betrifft und die Werte, aber was das Produkt betrifft, keine Kompromisse. Sprich, wir haben im B-Segment auf der Ampere Small Plattform, auf der auch der Twingo fußt, mit R4 und R5 Fahrzeuge, die tatsächlich einige Erinnerungen an die Vergangenheit wecken, aber absolut in die Zeit passen. Wir haben zum Beispiel gerade, was die Innenausstattung betrifft, Mit der Konnektivität und dem OpenAR Connect, also den zwei großen Bildschirmen, haben wir im B-Segment wirklich das Beste, was es zurzeit auf dem Markt gibt. Also keine Kompromisse bei den Produkten und das ist auch beim Twingo der Fall, dass wir sagen, wir haben all das, was der Kunde braucht. Wir haben auch darauf bestanden, dass wir die verstellbare Rückbank haben, sodass man, wenn niemand hinten sitzt, hat man auch einen entsprechend großen Kofferraum. Das heißt ja, erschwinglich, aber keine Kompromisse, was das Produkt betrifft. Und dementsprechend sind wir sehr guter Dinge, dass der genauso gut einschlagen wird wie seine zwei anderen Brüder. Wir nennen sie ja die drei Musketiere und das ist jetzt das dritte Musketier im Bunde.

  6. Sebastian:

    Das ist ein schönes Bild auf jeden Fall. Da sind wir auch gespannt, wann Data noch Einzug hält oder was da dann von eurer Seite kommt, um in dem Bild zu bleiben. Jetzt haben sie gesagt, keine Kompromisse. Das trifft jetzt meine nächste Frage, weil wie viel Freiheit räumt man denn diesen ikonischen Modellen tatsächlich ein? Weil schlussendlich hat man ja doch immer eine gewisse Plattform, auf die man sich einlassen muss. Und natürlich, Kosten spielen ja doch eine Rolle. Also wo seid ihr Kompromisse eingegangen beim Twingo? Und wo seid ihr bewusst aber auch keine Kompromisse eingegangen?

  7. Florian Kraft:

    Ampère ist die Struktur, die von Luca de Meo ins Leben gerufen wurde für das Thema Elektrofahrzeuge und auch Innovation gesamt in der Gruppe. Eine der Hauptaufgaben von Ampère war aber eben auch, die Kosten zu senken. Die Kosten der Fahrzeuge, die Kosten der Elektrofahrzeuge. Deshalb sind wir auch schon vor geraumer Zeit als Renault-Konzern ausgegangen und haben gesagt, den Twingo wollen wir unter 20.000 Euro anbieten. Und der kommt tatsächlich auf den Markt mit diesem Preis. Und ich sehe jetzt, was die Erwartungen im A-Segment betrifft für die Kunden, sehe ich eigentlich keine Produktabstriche. Das heißt, wir haben da wirklich alles, was jemand in dieser Größe bräuchte. Eine fünfköpfige Familie, die quer durch Europa fahren möchte, wahrscheinlich nicht, aber die ist ja auch nicht im A-Segment. Aber wenn ich mir so die Erfolge der letzten Jahre anschaue, die Fahrzeuge, die in dieser Größe Erfolg gehabt haben, wir achten darauf, dass jeder die Konnektivität hat, weil das ist die Erwartung natürlich, dass ich dann quasi meine... mein Handy etc., dass ich da weiterleben kann in dem Fahrzeug. Und wir haben auch, und ich glaube, das spielt heute auch eine Rolle, wir haben hier und da einige Gimmicks im Fahrzeug und die wir auch nach vorne bringen werden, damit auch so eine gewisse Sympathie da ist. Und das ist auch in der Werbung der Fall. Also die ist wirklich sehr, sehr sympathische. Aber ich würde sagen, produktmäßig hat das Fahrzeug alles, was es braucht. Eins muss man sagen, von der Reichweite her sind wir gegenüber R4 und R5, die ja bis zu 52 Kilowattstunden gehen für die Batterie und dementsprechend auch 407 und 411 Kilometer WLTP-Reichweite, die haben wir beim Twingo nicht. Das heißt, es ist dieselbe Plattform. aber mit einer kleineren Batterie und dementsprechend etwas weniger Reichweite als die anderen Fahrzeuge. Und was die Ladegeschwindigkeit betrifft, wird vielleicht Alex Albrecht da auch nochmal die Details zwischen AC und DC erläutern.

  8. Sebastian:

    Genau, da gehen wir dann noch mal im anderen Rahmen drauf ein. Wenn wir jetzt sagen, oder ich meine, die Einsparung bei der Akkugröße ist nachvollziehbar, weil Akku ist immer noch der größte Kostenblock schlussendlich, wenn man unter die 20.000 Euro kommen möchte. Wenn wir jetzt da gerade auf den Umweltbonus Elektroauto Kaufprämie, die jetzt gerade hier auch Mitte Januar verabschiedet wurde, blicken. Wie sehen Sie das? Ist das notwendig, um so ein Fahrzeug auch in die Masse reinzubringen? Hättet ihr das auch alleine geschafft?

  9. Florian Kraft:

    Also der Unterschied zu der damaligen Einführung der BAFA-Prämien in den 2010ern und 2020ern ist, dass der Elektromarkt heute bereits ein großer Markt ist. 2024 war ein Dämpfer. Wir waren von ca. 540.000 PKWs wieder runtergefallen auf 370.000. Bei einem PKW-Markt in Deutschland von ca. 2,8 bis 2,9 Millionen. Aber 2025 war trotz der Abwesenheit von BAFA-Prämien wieder ein starkes Comeback. Plus 50% bei den verkauften Elektro-PKWs in Deutschland. Sodass wir eigentlich der Ansicht sind, dass der Markt sich sehr gut entwickelt hat. Und er wird sich weiterhin gut entwickeln. Bei dieser Prämie ist halt etwas anders gemacht worden als bei den Vorgängern. Sie ist ja stark abhängig von der Situation des Kunden. Deshalb sind wir gespannt, wie das aufgenommen wird, weil natürlich auch die Werbeaussagen und die Preisaussagen dann immer nur unter gewissen Voraussetzungen gelten. Und da werden wir uns das anschauen. Ich hatte gestern bereits ein längeres Gespräch mit unserem Renault Dacia Händlerverband, um so ein bisschen zu spüren, wie die Kunden auf sie zugehen. Und das werden wir in den kommenden Wochen beobachten, um eben zu gucken, was braucht denn der Kunde, was erwartet er. Und wir werden davon auch unsere Werbemaßnahmen abhängig machen. Stand jetzt denken wir, dass diese Prämie einfach eine zusätzliche Unterstützung ist für einen Markt, der bereits sich gut etabliert hat. Man hört es auch im Umfeld, dass sich kaum einer mehr ein Fahrzeug kauft, ohne sich zumindest mit dem Thema auseinanderzusetzen. Und ich glaube, das ist für mich der Beweis, ab dem Moment, wo die Leute sich erstmal damit auseinandersetzen, vielleicht dann erst nochmal einen Verbrenner kaufen, aber dann beim nächsten Mal soweit sind oder weil sie in ihrer Umgebung schon jemanden haben, der elektrisch fährt. Also ich sehe da wirklich schon einen sehr guten Trend, der sich aber durch die Unterstützung da nochmal dieses Jahr nochmal zusätzlichen Schwung holen wird.

  10. Sebastian:

    Wenn wir jetzt darauf blicken, jetzt kann man sagen, okay, der Anschaffungspreis ist das eine Thema. Ich habe natürlich im Vorfeld auch ein Stück weit mich über Sie schlau gemacht. Da haben Sie auch das Thema Ladeinfrastruktur, wo Sie auf LinkedIn darüber berichtet haben, wo man ja auch, ich sage mal, öffentlich sieht, oder das nimmt auch jeder E-Autofahrer wahr, es herrscht eine gewisse Intransparenz, Ladepreise. Was fließt mit ein? Was kostet Strom? Was kostet Roaming? Wer verdient am Ende was daran? Wäre es nicht sinnvoller gewesen, hier eine Lösung herbeizuführen, zu sagen, anstatt das im Fahrzeug zu koppeln, wo man eben, Sie haben es gesagt, unterschiedlichste Ausgestaltung hat, dann lieber zu sagen, okay, wir geben einen gewissen Rabattnachlass auf den Ladepreis und tun den Menschen was Gutes, die eh schon rein elektrisch fahren und lassen die das direkt am eigenen Geldbeutel spüren?

  11. Florian Kraft:

    Also ich bin Vorstandsvorsitzender von Renault Deutschland und darüber hinaus auch im Vorstand des VDK, das ist der Verband der internationalen Kraftfahrzeughersteller. Und wir hatten uns schon in den letzten Monaten tatsächlich dazu geäußert, dass wir jede Prämie und jede Unterstützung willkommen heißen. Aber nichtsdestotrotz tatsächlich bei den Kunden, die überlegen, am ehesten noch die Sorge zum Thema Ladepreise sehen. Das heißt, Ladeinfrastruktur, muss ich sagen, auch aus Umfragen, die wir machen und aus Gesprächen mit den Händlern und auch einfach, wenn man sich da im Umfeld ein bisschen rumhört, ist eigentlich das Thema Infrastruktur selbst selten ein Thema. Und ich Ich fahre seit zwölf Monaten ununterbrochen elektrisch über 40.000 Kilometer und hatte noch nie in Deutschland, in der Deutschen Bundesrepublik oder auch sonst unterwegs irgendwo ein Thema, um eine Ladesäule zu finden. Was aber in Deutschland tatsächlich weiterhin sehr problematisch ist, das sind die Kosten. Und da verstehe ich die Sorge der Personen, die nicht unbedingt Dienstwagenfahrer sind, dass sie sich damit auseinandersetzen. Und die Kosten, die ja bis zu 1,20 Euro pro Kilowattstunde bei Schnellladesäulen gehen können, sind natürlich nicht zu stemmen für einen Vielfahrer, der das privat zu zahlen hat. Also das ist dann wirklich, wirklich sehr teuer. Und deshalb war tatsächlich unser Wunsch als VDK, Aber ich kann sagen, dass ich da einer der starken Befürworter war, zu sagen, nehmen wir dem Kunden die Sorge, die er heute hat. Diese erste Sorge ist vor allen Dingen nicht der Anschaffungspreis, sondern eben das Thema Transparenz bei den Ladepreisen. Deshalb werben wir A. für eine klare Preisaussage an den Ladesäulen. An jeder Ladesäule steht ja auch die Ladegeschwindigkeit, die Leistung etc. Also die Infos sind dran. Es ist fast immer ein Display da. Also wirklich Transparenz, was die Preise betrifft. Damit einfach diese Planungssicherheit da ist. Und warum? Weil ich wirklich sehe, dass zurzeit die Kundschaft, die sich Gedanken macht und die eine trockene, strukturierte Preisanalyse macht und zu Hause nicht laden kann, Die wird je nach Größe des Fahrzeugs und je nach Verbrauch und je nach Preissituation, wird sie sehen, dass Elektrofahren halt zu teuer sein kann. Und das liegt nicht an den Anschaffungspreisen, sondern wirklich an den Ladepreisen.

  12. Sebastian:

    Guter Punkt, kann man so direkt unterschreiben natürlich. Jetzt ist die Frage, inwiefern muss sich oder sollte sich Renault als Hersteller damit auseinandersetzen, in dieses Ladeerlebnis aktiv einzugreifen, Stichwort eigene Tarife, Partnerschaften vielleicht oder auch integrierte Preismodelle, die man direkt mit dem Fahrzeug verkauft, um dem Kunden auch diese Transparenz und Sicherheit zu geben, zumindest zu sagen, okay, das ist vielleicht nicht der günstigste Preis, aber du hast deine Sicherheit, du hast deinen Rahmen, in dem du dich bewegst.

  13. Florian Kraft:

    Also wir haben die Möglichkeit über unseren Mobilize Charge Pass, den bieten wir an über die Struktur Mobilize in Deutschland, die Renault gehört. Da haben Sie eine, also dieser Charge Pass ist eine Ladekarte, mit der Sie für 4,99 Euro pro Monat deutschlandweit an jeder Ionity-Station inklusive Schnellladesäulen, und davon gibt es viele, 39 Cent pro Kilowattstunde statt heute zahlen. Also 39 Cent pro Kilowattstunde für, wie gesagt, 4,99 Euro im Monat Abo. Und das ist ein Angebot, das wir bereits seit geraumer Zeit auf dem Markt haben, dass wir auch vielen Neuwagenkunden dann auch mitgeben. Nicht jeder nimmt es wahr, vor allen Dingen, wenn er selbst Ladekapazität zu Hause hat. Aber das war so unsere Lösung, um zu sagen, gut, dann musst du natürlich gucken, wo Ionity ist. Aber Ionity gibt es viele. Und mit den 39 Cent pro Kilowattstunde, die wir zurzeit haben, wie gesagt, bei 4,99 Euro pro Monat Abo-Preis, ist aber auf jeden Fall die Betriebswirtschaftlichkeit des Fahrzeugs gesichert. Das war unsere Aussage dazu. Das zum Thema Kosten, zum Thema Lademöglichkeiten hat die Gruppe im Dezember angekündigt, dass Mobilize Beyond Automotive, was es früher gab, abgebaut wird. Das heißt, dass diese Struktur, die unter anderem auch die Aufgabe hatte, eventuell Ladekapazitäten selbst aufzustellen, dass das runtergefahren wird. Das wird jetzt wieder aufgenommen in die Gruppe, in den Renault-Konzern. Also gerade die Hardware selbst wollen wir nicht mehr selbst anbieten. Aber preislich sind wir auch dabei, gerade noch diese Woche haben wir mit den Kollegen gesprochen oder ich mit meinem Team, wie wir diesen Charge-Pass etwas mehr platzieren könnten, weil ich leider sehe, dass er noch nicht angekommen ist. Ich freue mich über die Frage und gerne, wenn auch darüber berichtet wird. Aber mit 39 Cent zurzeit pro Kilowattstunde auch an Schnellladesäulen haben wir wirklich ein sehr schönes Angebot und das wollen wir nochmal ausbauen.

  14. Sebastian:

    Was jetzt aber widersprüchlich zu dem neuen Modell, zu dem Twingo steht, dem wäre ja aufgrund Akkukapazität erst als Urban Car gedacht sozusagen. Ionity ist ja eher an der Autobahn fortzufinden, wo ich jetzt davon eher wieder profitieren könnte von diesem Vertrag, von dem Pass, den ihr da anbietet. Müsste man da nicht in die Richtung denken und sagen, okay, wir müssen auch den urbanen Raum ein Stück weit nach vorne treiben und dort das Laden ermöglichen? Weil das ist ja eher das Problem, dass wir an den Autobahnnetzen gut versorgt sind. Das glaube ich ganz klar an jedem, der fährt. Aber in der Stadt drin das Thema?

  15. Florian Kraft:

    Ja, ich schmunzle, weil wir tatsächlich jetzt gerade überlegen waren, welchen Charge-Pass wir für Twingo-Kunden anbieten können. Wo wir das Thema AC laden, also mit eigenem Kabel in der Regel und dann mit Leistung bis zu 22 Kilowatt, das würden wir da erschwinglicher machen wollen. Also mehr mit Fokus auf AC laden. Wobei ich auch denke, wenn man sich so die Verteilung der Schnellladesäulen anschaut, gerade an Tankstellen, wenn ich so an eine Großstadt wie Köln denke, hat man auch sehr gut die Möglichkeit, an Aralschenkelstellen etc. auch schnell zu laden. Aber auf jeden Fall, also diese Thematik, gerade beim Twingo wollen wir auch Kunden, die eben nicht daheim laden und deshalb ist das Thema Kostenpunkt. Wenn ich mir die Leasingraten anschaue, das ist das eine, das ist planbar und eigentlich muss man es vor allen Dingen planbar machen. Man muss nicht unbedingt billig machen, aber planbar. Und ich glaube, bei den Spritpreisen muss man ja sagen, dass die Kunden das gewohnt sind. Auch da ist die Planungssicherheit nicht immer gegeben, je nach geopolitischer Situation. Aber das kennt jeder. Und ich glaube, da haben wir wirklich viel zu leisten. Und ich glaube, das wurde jetzt auch bei der neuen Maßnahme wenig angesprochen. Wie gesagt, wir freuen uns, dass es sie gibt. Aber wir sind der Meinung, dass da wirklich ein ganzer Teil der Sorgen noch nicht beantwortet wird. Da kann ich die Fahrzeuge noch so günstig machen, wie ich möchte. Wenn am Ende des Tages der Kunde die Befürchtung hat, dass die Stromrechnung unbezahlbar ist, dann haben wir nichts erreicht.

  16. Sebastian:

    Sehr guter Punkt, das schließt meine nächste Frage direkt dran an, weil die Wahrnehmung, die wir haben, auch als Portal, wir kriegen ja auch Rückmeldungen von Erstkäufern oder potenziellen Erstkäufern, die es mit dem Thema beschäftigen und das Gefühl, das wir haben, unabhängig der Marke, dass es in der Regel gar nicht an dem Auto an sich scheitert, was auf die Straße gebracht wird, sondern eben an dieses ganze System drumherum, Laden jetzt als ein Thema. Wir haben das Thema Laden jetzt schon als Frustrationsquelle genannt sozusagen. Wo gibt es weitere Risiken, Frustrationsquellen, denen Renault vielleicht auch aktiv begegnen kann, eventuell auch schon aktiv begegnet, um eben auch diese Hemmschwelle zurückzubauen und dieses Vertrauen in das Thema E-Mobilität und damit ja auch zukünftigen Absatz für euch abbaut bzw. steigert?

  17. Florian Kraft:

    Also was wir von den Kunden hören und wir haben tatsächlich auch jahrelang schon Erfahrung mit Elektrofahrzeugen, weil wir eine Zeit lang mit dem Renault Zoe in Deutschland fast 20 Prozent des Marktanteils im Elektromarkt hatten als Renault. Die meisten, die ein Fahrzeug elektrisch über zwei, drei Jahre gefahren sind, tendieren sogar dazu zu sagen, ich nehme mir eine kleine Batterie, weil ich damit umgehen kann und haben dann auch wirklich schnell dieses Know-how. Was man aber anfangs sieht bei den Kunden, ist durchaus das Thema, dass ein Elektrofahrzeug anders als ein Verbrenner auch witterungsabhängig ist im Verbrauch und dass da Man muss sich halt damit auseinandersetzen. Und ich glaube, das ist aber etwas, worauf man sich einlassen muss. Das ist ja auch bei anderen Erfahrungen, die man macht im Leben, wenn man ein Land bereist, das man noch nicht kannte oder einen neuen Job angeht. Das ist halt erstmal etwas Neues. Und tatsächlich, und ich glaube, da muss man auch dem Kunden gegenüber ehrlich sein, der Umstieg auf Elektro bedeutet für einen eingeschränkten Zeitraum, ich würde sagen von zwei bis acht Wochen, schon ein bisschen Anpassung. Und ich glaube, bei dem Thema muss der Verkäufer auch ehrlich sein. Viele Kunden kommen mit dem Interesse und dem Wunsch nach was Neuem. Aber inzwischen muss man sagen, es ist für jeden etwas. Im Gegensatz zu früher kann man auch sagen, Vielfahrer braucht man nicht mehr auszuschließen. Wie ich es vorhin sagte, ich fahre über 40.000 Kilometer pro Jahr, habe zu Hause keine Lademöglichkeit und komme trotzdem über die Runden. Es ist für jeden etwas. Aber diese Bereitschaft muss da sein, zu sagen, okay, die ersten zwei bis acht Wochen wirst du die eine oder andere Erfahrung machen, die du sonst nicht gemacht hättest und dann vergisst du irgendwann zu laden und fährst frühmorgens los. Das macht man ein-, zweimal. Ich glaube, da muss man auch ehrlich sein und ich finde, dass man da dem Markt auch ein bisschen Zeit lassen muss. Die Elektromobilität ist seit ca. 2019, 2020 verbreitet mit fast allen Marken, inzwischen mit Fahrzeugen. Und wir sind jetzt schon bei einer Marktpenetration von 25%. Das ist eigentlich, wenn man es vergleicht mit anderen Innovationen, ist das enorm. Und deshalb, glaube ich, muss man da auch ein bisschen Zeit lassen und den Leuten jetzt auch nicht so sehr die Botschaft vermitteln, es ist ein Elektrofahrzeug oder nichts. Und wir versuchen den Kunden auch als Werkstattersatzwagen ein Elektrofahrzeug mitzugeben. Ich bin immer der Meinung, dass es besser ist, die Fahrzeuge zwei, drei, vier Wochen zu haben, weil ein Tag, ohne dass man lädt, ist halt super einfach, bringt das Fahrzeug zurück, hat die Erfahrung nicht gemacht. Aber ich glaube, da haben wir auch ein bisschen einen Auftrag, das den Kunden etwas besser zu erklären und nicht zu kommen und zu sagen, hör mal, Elektro ist die Zukunft und wenn du jetzt kein Elektrofahrzeug kaufst, dann bist du altmodisch. Das ist falsch. Der Durchschnittskunde in Deutschland, Neuwagenkunde, ist 57 Jahre alt über alle Marken und auch bei uns zwischen 57 und 58. Und deshalb muss man eben auch berücksichtigen, dass nicht jeder erst einmal Lust hat, neue Erfahrungen zu machen. Also ich glaube, da müssen wir die Kunden wirklich mit begleiten.

  18. Sebastian:

    Lust hat, neue Erfahrungen zu machen, auch gewisses Erwartungsmanagement, das muss nicht nur zum Kunden gemacht werden, das findet ja dann auch bei euren Händlern, bei eurem Vertrieb statt sozusagen. Wie verändert sich da die Rolle eurer Händler, gerade in dieser zunehmend elektrifizierten und auch digitalisierten Welt? Also welche Schritte geht ihr dort, um eben auch euren Handel auf euren Kunden vorzubereiten?

  19. Florian Kraft:

    Das ist eine sehr gute Frage tatsächlich, weil der Händler wirklich das Bindeglied ist mit dem Kunden und für den Kunden ja eigentlich auch fast als Hersteller wahrgenommen wird. Wenn der Kunde sagt, ich kaufe bei Renault, dann kauft er bei einem Renault-Händler. Wir haben zwar die Renault-Niederlassung in Deutschland von Renault Retail Group, aber ansonsten kauft er beim Händler. Ich glaube, dass man da durchaus sagen kann, dass unser Handel schon seit Jahren die Transformation gut mitgeht. Ich würde aber zwei Themen trennen. Das eine ist das Thema Elektro und das andere ist das Thema Digitalisierung, weil beide vorangehen und weitestgehend unabhängig voneinander. Die Digitalisierung haben wir auch bei Verbrennerfahrzeugen. Und Elektro kommt auch gegebenenfalls ohne Digitalisierung im Autohaus. Deshalb würde ich beide trennen. Das Interesse grundsätzlich dem Kunden, das richtige Fahrzeug zur Verfügung zu stellen, das ist grundsätzlich beim Händler da. Und dementsprechend sehen wir auch beim Thema Elektro eine große Begeisterung. Als wir den Twingo vorgestellt haben, waren die Händler aus dem Häuschen, die sind den Weg mit R5 sehr gut mit uns gegangen, obwohl wir bei diesem Produkt auch eine sehr hohe Erwartung hatten, was eben Markenaufbau angeht, sprich preislich nicht aggressiv an den Markt gegangen sind. Das heißt, die Händler haben auch gelernt, vielleicht mit dem Kunden nicht direkt beim ersten Mal zu unterschreiben, sondern vielleicht beim nächsten Mal eher. Das heißt, ich sehe da produktmäßig eine große Bereitschaft. Da, wo sich der Handel schwer tut, Das muss man aber auch einräumen, ist nicht einfach. Der Kunde erwartet zum Teil dann wirklich eine 360-Grad-Begleitung und kommt dann eben auch mit Fragen, von denen ich verstehe, dass sie für den Händler nicht einfach zu beantworten sind. Sprich, wo kaufe ich mir eine Wallbox? Ich habe zu Hause keinen Starkstrom. Geht das oder geht das nicht? Ich habe die Garage, die ist aber nicht direkt an meinem Haus, sondern die klebt am Haus des Nachbarns. Also da ist es natürlich toll, dass wir im Handel zum Teil begeisterte Verkäufer haben, die auch selbst elektrisch schon lange fahren und Tipps geben können. Aber die Erwartungen der Kunden sind hoch und nicht jede Erwartung kann auch der Händler füllen. Deshalb muss ich sagen, insgesamt haben wir ein Netz, das da sehr gut funktioniert. mitzieht, größtenteils. Aber eben Kunden, die dadurch, dass ein Elektrofahrzeug eben mehr ist als eben nur ein Bewegungsmittel, sondern wirklich eine Art Ecosystem im Haus, manchmal vor schwierige Situationen stellen. Wir haben jetzt gerade auch das Thema Vehicle to Grid, Vehicle to Home und so weiter. Also diese Themen sind nicht ohne und ich kann nicht von jedem Verkäufer erwarten, dass er da auch alle Fragen beantwortet. Das Thema Digitalisierung würde ich ein bisschen davon trennen. Weil wir tatsächlich sehen, wir müssen digitaler werden. Der Händler hat auch da große Erwartungen der Kunden. Das gesamte Erlebnis fängt fast immer digital an. Inzwischen haben wir über 90 Prozent der Kunden, die ins Auto rauskommen und bereits im Internet sich sehr gut erkundigt haben, dass das stimmt. Aber ich würde beide trennen. Und ich meine, dass auch da viele Verkäufer fit geworden sind. Wir sehen aber, dass gerade die Kunden manchmal sich schwer tun. 40 Prozent der Kundenanrufe bei der Kundenbetreuung bei uns über die Telefonnummer, über die Hotline, sind zum Thema Connected Services, Digitalisierung des Fahrzeugs. Viele Info-Anfragen, jetzt keine Beschwerden, sondern einfach, wie geht das? Wie verbinde ich das Fahrzeug mit der MyRenault-App, wo ich den Ladestand sehen kann und so weiter. Viele, viele Fragen. Und da lernen wir alle gemeinsam.

  20. Sebastian:

    Gut, zum Ende des Gesprächs möchte ich nochmal zum Anfang kommen. Wir hatten ja gesagt, der Twingo stand auch immer für Mut. Wenn wir das im Hinterkopf behalten, wo müsste Renault heute mutiger sein, als es der Markt eben auch gerade zulässt?

  21. Florian Kraft:

    Wo müsste Renault mutiger sein? Ich glaube, wir haben als Konzern und als Marke mit der Renolution, und die hieß ja auch nicht umsonst Renolution, weil Revolution, französische Revolution, ist ja auch ein bisschen Veränderung und Mut mit dabei, hat auf jeden Fall Mut bewiesen, indem man gesagt hat, wir setzen auf neues Design, wir sind ambitioniert auch für die Marke. Und parallel behalten wir, was natürlich auch durchaus eine teure Angelegenheit ist, behalten wir unsere sogenannte Tool-X-Strategy. Wir haben voll elektrifizierte Plattformen, also Ampere Small, sprich Twingo R4, R5 und Ampere Million mit Scenic E-Tech und Megane E-Tech und haben darüber hinaus ein gesamtes ICE, also Verbrenner-Hybrid-Portfolio. Mutig ist es zum Beispiel jetzt im Januar zurzeit den Clio, neu rauszubringen. Es gibt ganz wenig Hersteller, die noch Kleinwagen, also Verbrenner, Kleinwagen neu auf den Markt bringen. Und wir kommen jetzt gerade mit der sechsten Generation des Clios. Also ich glaube, da, wo der Konzern viel Mut beweist, ist eben zu sagen, ich rede nicht nur davon, dass ich für den Kunden alles anbieten möchte, sondern ich habe es tatsächlich. Und wir haben eben auch jetzt gerade Verbrenner erneuert. Und jetzt müssen wir aber auch beweisen, dass dieser Mut sich in Deutschland auch in Stückzahlen dann wiederfindet. Wir hatten ein sehr erfolgreiches Jahr 2025, sind sehr, sehr gut gewachsen, sind auch sehr zufrieden, aber müssen das in 26 mit Clio und mit Twingo wiederbeweisen, sowohl bei den Verbrennern, Schrägstrich-Hybriden, als eben auch bei den Elektrofahrzeugen.

  22. Sebastian:

    Vielen Dank für das Gespräch.

  23. Florian Kraft:

    Gerne.

  24. Sebastian:

    Wer jetzt nicht die ganzen 26 Minuten durchgehört hat, der kann im Portal bei uns natürlich auch das Interview nochmal nachlesen oder Auszüge zumindest davon. Ich würde es dir noch empfehlen, nicht nur durchzuskippen, sondern das ganze Interview hier gehört zu haben. Dafür war es einfach zu spannend und man hat doch einiges erfahren hinter den Kulissen von Renault. Wir bleiben auch weiterhin dran. Dir vielen Dank fürs Zuhören. Schalte auch bei der nächsten Podcast-Folge wieder ein. Mach's gut. Bis dahin. Ciao.