Microlino: Kampf für faire Regeln in der Mikromobilität

Im Gespräch mit Merlin Ouboter, Microlino

In der aktuellen Podcast-Folge hatte ich das Vergnügen, mit Merlin Ouboter, Mitgründer von Microlino, über die Zukunft der Mikromobilität und die Herausforderungen in der Automobilindustrie zu sprechen. Microlino setzt mit seinen leichten Elektrofahrzeugen auf eine Alternative zum klassischen Pkw und sieht sich als Vorreiter in der L6E- und L7E-Kategorie. Seit Ende 2022 wird der kleine City-Flitzer produziert und erfreut sich wachsender Beliebtheit.

Ein zentrales Thema unseres Gesprächs war die politische Vernachlässigung der Mikromobilität. „Es kann nicht sein, dass ein Zwei-Tonnen-SUV von Emissionscredits profitiert, während wir mit unseren effizienten und ressourcenschonenden Fahrzeugen nicht einbezogen werden,“ betonte Merlin. Microlino kämpft dafür, dass leichte Elektroautos in die Berechnungen der Flottenemissionen aufgenommen werden. Ein solcher Schritt würde nicht nur für faire Wettbewerbsbedingungen sorgen, sondern könnte auch den Preis für Endkunden senken.

Auch das Thema Kaufprämien war ein Diskussionspunkt. In Deutschland wurde die Fahrzeugklasse von Microlino bisher nicht gefördert, während in Frankreich, Italien, Spanien oder Österreich bereits angepasste Fördermodelle existieren. „Wenn Förderungen auf EU-Ebene kommen, dann bitte nicht nach deutschem Vorbild, wo wir komplett ausgeschlossen sind,“ so Merlin. Denn neben finanziellen Vorteilen geht es auch um die Anerkennung von Mikromobilität als ernsthafte Alternative.

Die Effizienz von Microlino überzeugt: „Unser Fahrzeug wiegt inklusive Passagiere weniger als die Batterie eines Elektro-SUVs. Das zeigt, wie viel Ressourcen und Energie wir sparen,“ erklärte Merlin. Mit einem Verbrauch von 7,5 kWh auf 100 km liegt der Microlino in einem Bereich, der mit dem Energieverbrauch eines Bahnreisenden vergleichbar ist.

Ein weiteres Thema war die Stärkung europäischer Produktion. Statt höherer Importzölle auf chinesische Fahrzeuge setzt Microlino auf eine gezielte Förderung für in Europa gefertigte Autos. „Wenn chinesische Marken hier Standorte aufbauen, sollten sie genauso profitieren. Das wäre ein fairer Ansatz,“ so Merlin. Der Blick in die Zukunft zeigt, dass Microlino weiterhin für eine faire Behandlung der Mikromobilität kämpfen wird. Sollte das Thema beim anstehenden EU-Autogipfel erneut ignoriert werden, ist sogar eine Petition in Planung. „Am liebsten wären uns eigentlich keine Subventionen für niemanden – dann wäre es wirklich fair. Aber solange es sie gibt, sollte Mikromobilität nicht außen vor bleiben,“ betonte Merlin abschließend. Nun aber genug der Vorworte, lasst uns direkt in das Gespräch einsteigen.

Shownotes:

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Transcript

  1. Intro:

    Elektroauto News. Der Podcast rund um das Thema Elektromobilität. Mit aktuellen Entwicklungen, Diskussionen, Interviews und vielem mehr.

  2. Sebastian:

    Servus und herzlich willkommen bei einer neuen Folge des Elektroauto News ProNet Podcast. Ich bin Sebastian und freue mich, dass du heute wieder eingeschaltet hast, wenn es mal wieder um das Thema E-Mobilität geht. In der aktuellen Folge geht es um das Thema Mikromobilität, wo der Microlino wohl eines der Fahrzeuge ist, welches... am sinnbildlichsten für dieses Segment steht. Und warum gerade heute zu dem Thema? Ja, ganz einfach. Morgen will die EU ihren Aktionsplan für die Automobilindustrie bekannt geben, wie man eben Elektromobilität künftig fördert, gegebenenfalls auch Strafzölle gegen China erhebt und welche anderen Pläne man eben auf den Weg bringen möchte, um die Automobilindustrie in Europa zu stärken. Ein Thema, was bisher dabei hinten runtergefallen ist, ist das Thema Mikromobilität. Darüber habe ich mich mit Merlin Ouboter, einem der Mitgründer von Microlino, ausgetauscht. Wir gehen direkt rein ins Gespräch. Servus Merlin, schön, dass du dir heute die Zeit nimmst, im elektroauto-news.net-Podcast zu Gast zu sein. Heute in einer Sonderfolge, die man nicht sonntags, sondern am Dienstag rauskommt, auch aus aktuellem Anlass. Dazu gleich mehr. Bevor wir da allerdings tiefer einsteigen, stelle ich auch unseren ZuhörerInnen gerne nochmal vor und verliere auch ein paar Worte über Microlino, das Unternehmen, für das du tätig bist.

  3. Merlin Ouboter:

    Ja, hallo Sebastian, vielen Dank für die Einladung. Ich war ja schon mal im Podcast, aber vielleicht nochmal kurz über mich und die Firma. Ich bin der Merlin Ouboter und Mitgründer von Microlino. Die einen oder anderen kennen das Produkt, das wir machen, den kleinen City-Flitzer, den Microlino, der den wir jetzt eigentlich Ende 2022 mit der Produktion gestartet haben und jetzt im Fokus vor allem Europa im Verkauf jetzt eigentlich relativ gut gestartet sind. Ein Produkt, das ein Leicht-Elektro-Fahrzeug, also Leicht-Elektro-Mobilität geht es hier in dem Bereich L6E und L7E. Und ja, ich würde sagen, da gehören wir sicher auch zu den Vorreitern ein bisschen dazu. Wir haben nämlich auch die Microcar Coalition mitgegründet, wo auch ein paar andere Hersteller in unserem Segment mit dabei sind. Und genau, so viel zu mir.

  4. Sebastian:

    Über Mikromobilität sind wir auch zusammengekommen. Ich bin den Micro Lino ja auch schon des Öfteren gefahren und immer wieder ein schönes Gefühl, da natürlich einzusteigen. Ist aber auch ein krasser Kontrast zu dem, was man sonst auf der Straße sieht und das war jetzt auch der Anlass für unser Gespräch. Wir wissen jetzt am 5.3. Mittwoch EU-Autogipfel, da soll so der Fingerzeig gegeben werden, wohin geht es mit der Automobilindustrie in Europa. In Gänze ein wichtiger Tag für uns alle, denke ich, also auch gerade aus wirtschaftlicher Sicht. Aber das Gefühl schwingt schon mit, dass der eine oder andere Part hinten runterfallen könnte, Stichwort Mikromobilität, weil eben doch immer eher größer, schwer weiterzusehen ist, das aber nicht unbedingt den Bedarf im Alltag dann ebenso auch eintrifft. Vielleicht magst du mal da deine Einordnung geben zur Bedeutung Mikromobilität aktuell und wo könnte man vielleicht dahin, wenn man das denn eben auch mit Sinn und Verstand ein Stück weit nach vorne bringen würde.

  5. Merlin Ouboter:

    Ja, ich meine, wir haben uns natürlich so ein bisschen politisch positioniert, weil wir gesagt haben, jetzt gerade zum Anlass dieses Aktionsplans wollten wir einfach sicher gehen, dass das Thema Mikromobilität nicht komplett vergessen wird. Gerade im Bereich, wo wir tätig sind, also L7E-Fahrzeuge, weil wir halt da wirklich glauben, das ist wirklich eine Alternative zum normalen PKW und dass es von dem her eigentlich auch Sinn macht, dass man das auch mit inkludiert. Und der Status Quo ist ja eigentlich momentan immer noch so, dass wir in dieser Kategorie zum Beispiel nicht inkludiert sind, wenn es um die Flottenemissionsberechnungen geht. Und die hat natürlich auch maßgeblich, trägt die dazu bei, Hersteller zu fördern indirekt über den Emissionszertifikatshandel. Und eben so ein Beispiel, Tesla hat da natürlich über die Jahre auch massiv davon profitiert, mit über 9 Milliarden Euro, die sie so einnehmen konnten über diesen Emissionszertifikatshandel. Und ich sage Das ist halt etwas, wo wir sagen, für uns als kleiner, neuer Hersteller davon zu profitieren, das wäre natürlich ein riesen Push, weil das könnte man natürlich auch im Fahrzeugpreis sozusagen mit einfließen lassen. Und das ist etwas, wo wir sagen, es kann ja nicht sein, dass ein 2-Tonnen-SUV von diesen Credits profitieren kann, aber wir eigentlich überhaupt nicht, weil wir halt nicht in dieser Kategorie sind. Das ist ein Beispiel davon. Da gibt es auch noch viele weitere. Ich glaube, man wird jetzt auch über direkte Förderung sprechen, also Kaufpreisförderungen von Fahrzeugen, die eben in Europa produziert werden. Und da haben wir halt auch gesagt, ja, also wenn ihr das anplant, dann bitte inkludiert uns auch, weil wir produzieren in Europa und sind natürlich auch irgendwo durchfahrlässig, wenn man das dann halt jetzt wieder nur für gewisse Produktkategorien machen würde, weil das dann wirklich den Markt halt massiv verzerrt. Aber das ist so ein bisschen der Blickpunkt, den wir momentan sehen und haben da natürlich probiert, mit all unseren geballten Kräften uns da irgendwie so ein bisschen mit einzubringen. Man muss natürlich aber schon auch sagen, es ist ein sehr, ja, it's a political game, oder? Also da hast du natürlich viel Einfluss von Lobbyisten etc. Und da sind wir natürlich ein sehr, sehr kleiner Spieler darin.

  6. Sebastian:

    Das ist ja auch eine Herausforderung, dann in so einem Umfeld sich zu bewegen. Die eine Sache ist ja die, wenn ihr Experte für eure Fahrzeuge seid und könnt die auf die Straße bringen und auf einmal begibst du dich aufs politische Parkett und musst da dann natürlich auch immer der gute Miete zu bösem Spiel machen, dass du da eben noch mitsprechen kannst oder dass sie überhaupt mal zuhören dann am Ende vom Tag. Vielleicht gehen wir gerade noch mal kurz auf die Flottenemissionen-Berechnung oder Berücksichtigung mit ein. Nur noch mal Abgold für unsere ZuhörerInnen, die das vielleicht noch nicht kennen. Die Hersteller sind angehalten, ihren CO2-Flottenwert in der Flotte, also alle zugelassenen Fahrzeuge, entsprechend zu senken auf entsprechende Vorgaben. Wenn das nicht aus eigener Kraft gelingt, hat man eben die Möglichkeit, du hast es eben mit Tesla gesagt, da dann eben deren Überschuss, weil die sind ja nur rein batterieelektrisch unterwegs, einzukaufen und bei sich anrechnen zu lassen. Und da wäre jetzt der Vorschlag eurerseits, wenn ich es richtig verstanden habe, dass dann eben auch das Thema Mikromobilität, also rein Batteriebetrieben, auch eben entsprechend angerechnet wird, was euch zum einen Einnahmen generieren würde, wo ihr auch quersubventionieren könnt, wo ihr sagen könnt, okay, dann kriegen wir unseren Fahrzeugpreis ein Stück weit runter, wovon dann potenziell wieder mehr Kunden profitieren. Und zum anderen wäre es eben auch so, dass die Fahrzeuge, die ja auch eben mit diesem Nachhaltigkeitsgedanken kleiner, leichter, eh schon im Ressourcenverbrauch dann auch positiv noch angerechnet werden.

  7. Merlin Ouboter:

    Genau, richtig. Und ich meine, es ist natürlich irgendwie, finde ich, ein bisschen an... Ein schwieriges Spiel, wenn man da rund um Sustainability spricht, aber dann halt wirklich die, ich sage jetzt mal, die nachhaltigste Form der Mobilität auf der Strasse, abgesehen vielleicht vom Fahrrad oder sonstigen Mobilitätsformen, wirklich auf vier Rädern, dass man die überhaupt nicht in die Berechnung mit einspielt. Und das ist halt wirklich so etwas, wo wir wo wir uns wirklich stark machen möchten und es ist natürlich auch so ein bisschen ein Thema, wenn es dann auch Richtung Finanzierung geht für den Endkunden oder ich sage so diese Flottenemission, da kriegt ein Kunde grundsätzlich nichts mit über, sondern das findet halt alles ein bisschen im Hintergrund statt, aber trotzdem hätte das auch einen Einfluss auf den Kunden, weil eben wie du vorhin gesagt hast, kann man das natürlich auch in den Kaufpreis mit einspielen, oder? weil es eine indirekte Subvention ist. Und andererseits wäre natürlich klassische Kaufpreisförderung, die kriegt natürlich der Kunde massiv mit, oder? Und da hatten wir natürlich auch Beispiele in der Vergangenheit. Ich sage jetzt mal, gerade in Deutschland waren wir mit unserer Kategorie eigentlich nie, ich sage jetzt mal, in der Förderung inkludiert und das hat für mich, sind es eigentlich zwei Aspekte, die natürlich da, die das natürlich extrem schwierig machen. Einerseits hast du natürlich Fahrzeuge, die dann von der Förderung profitieren und natürlich dann für den Kunden irgendwie schwer nachvollziehbar ist oder weil er sieht sich das Fahrzeug an, ja, es ist voll E, es hat vier Räder etc., warum kriege ich für das 0 Euro und für ein anderes Fahrzeug kriege ich 6000 Euro, oder? Und das ist halt wirklich so ein bisschen auch wo ich sage, einerseits macht es so ein bisschen eine Ungleichheit im Markt und auch für den Kunden. Es ist natürlich schwieriger, das irgendwie zu erklären, weil ich meine, wir haben eigentlich auch keine Erklärung dafür, warum das so ist. Und das Zweite ist auch so ein bisschen der Punkt, dass ich sage, das ist... so ein bisschen ein offizieller Stempel, um zu sagen, ja, nee, das würden wir nicht als Mobilitätsform empfehlen, oder? Weil deswegen ist es nicht in der Förderung inkludiert, oder? Es ist ein bisschen ein, ja, ein Apparaten vom Startweg hin, hey, das ist nicht, it's not an approved solution in der Mobilität, um CO2 einzusparen und das Das finde ich ist eigentlich noch fast der grössere Fehler, weil ich sage jetzt mal, mit dem Preis haben wir uns immer gut rumgeschlagen. Ich glaube, wir haben immer Leute gehabt, die gesagt haben, hey, ich finde das cool, ich verstehe das Konzept, stehe 100% dahinter. Und auch wenn ich jetzt keine Förderung bekomme, okay, ist halt so, ich will das unbedingt haben. Aber eben dieser zweite Effekt lässt so ein bisschen einen fahlen Nachgeschmack. Und das wollen wir auf jeden Fall vermeiden in Zukunft, weil es gibt eben auch sehr viele gute Beispiele, wo man eben die L-Kategorie, also L6 und L7-Kategorie mit in die Förderung aufgenommen hat. Nicht zu den gleichen Werten, aber zumindest um zu sagen, hey, das ist auch eine valide Solution. Vielleicht kriegst du nicht 4'000 Euro, aber 2'000 Euro, dass man das so ein bisschen ausbalanciert. Und das war so der Fall zum Beispiel in Frankreich. In Italien wurde auch stark gefördert, in Österreich oder Spanien. Und das ist eigentlich so etwas, was wir, wenn jetzt was auf EU-Ebene kommt, wollen wir sicher nicht das Modell wie in Deutschland, wo wir komplett ausgenommen sind, sondern eher so ein bisschen eine Mischform.

  8. Sebastian:

    Das ist ja auch nachvollziehbar. So wie du sagst, das wird ja auch schlussendlich nicht darum gehen, ob 2.000 oder 4.000 Euro, sondern ich meine, seit kleineres Fahrzeug unterwegs, der Einstiegspreis ist ja auch kleiner als bei einem normalen E-Auto sozusagen. Also wäre es ja auch nur fair, das ein Stück weit abzustufen. Aber zumindest diese Kredibilität, okay, es ist eine Lösung bei dem Weg oder auf dem Weg zum Klimawandel ein Stück weit zu stoppen. Natürlich kann man jetzt auch sagen, ist euer ureigenstes Interesse, weil ihr verkauft Fahrzeuge in dem Segment, habt dann natürlich Interesse, dass angenommen wird. Aber da vielleicht auch nochmal die Einordnung deinerseits. Reicht denn auch ein Microlino jetzt in dem konkreten Beispiel aus, um Alltagsfahrten zu absolvieren? Also ist es dann auch wirklich ein Fahrzeug, was zu einer Lösung beiträgt? Oder wird es immer nur als Zweit-, Dritt- oder Viertfahrzeug, also Viertfahrzeug reden wir über ganz andere Themen dann sozusagen, aber ist das dann eher mal so ein Ersatz oder kann man auch damit eigenständig in Städten unterwegs sein?

  9. Merlin Ouboter:

    Ja, also ich würde sagen, gerade im urbanen Bereich ist es absolut möglich, eigentlich 90% der normalen Strecken zu ersetzen. und das ist eigentlich auch etwas, nicht nur, dass wir das glauben, sondern wir sehen es eigentlich auch wirklich von Kunden, also wirklich extrem viele Kunden, die sagen, hey, ich habe eigentlich noch ein grösseres Auto zu Hause, aber der Microlino ist so ein bisschen mein Daily Car, mein Daily Cruiser, oder, weil es halt einfach praktisch ist zum Parken und weil man eigentlich oftmals wirklich alleine im Auto sitzt, oder, für die meisten Strecken und auch die durchschnittlichen Strecken eben, die liegen ja auch pro Tag bei 35 Kilometer. Also von dem her, klar, es kommt nicht mehr auf den Einsatzzweck darauf an. Also ich glaube, den Aussendienstler werden wir nicht erfolgreich abdecken können, aber das wollen wir auch nicht, oder? Aber für sehr, sehr, sehr viele Strecken ist es eigentlich das perfekte Auto. Also nicht nur unser Auto, sondern ich würde sagen generell die Kategorie per se. Also das können wir absolut bestätigen und ich denke, unsere Vision auch in die Zukunft ist, dass wir sagen, Und man soll eigentlich, da sind wir jetzt noch nicht, das ist ganz klar von der Philosophie, aber wir glauben, dass in Zukunft die Leute das Fahrzeug besitzen, das sie wirklich eigentlich die meiste Zeit nutzen oder das sie wirklich auf einer täglichen Basis wirklich nutzen. Das macht Sinn, es zu besitzen. Dass aber ein Fahrzeug, wo du wirklich, sag ich jetzt mal, für ein paar Mal im Jahr für die Langstrecke brauchst, für die Ferien etc., das macht eigentlich viel mehr Sinn, das zu sharen oder zu mieten etc. und nur dann einzusetzen, wenn es auch wirklich notwendig ist. Und nicht umgekehrt, ja okay, ich gehe einmal im Jahr nach Frankreich, ich brauche irgendwie einen Bus, damit alle meine Kinder da reinpassen oder was weiss ich, sondern dass man sich halt mehr dem anpasst, was man wirklich auf einer täglichen Basis braucht. Und ich denke, wir sind da schon noch ein Stück weit davon entfernt. Aber ich denke, es gibt da einige Vorreiter, die das jetzt schon sehr, sehr gut vormachen. Und von dem her, um deine ursprüngliche Frage zu beantworten, ich glaube, es ist eine absolut valide Lösung und valide Alternative zum normalen Pkw.

  10. Sebastian:

    Das denke ich auch und ich habe es auch schon im Alltag selbst erleben und testen dürfen gerade mit eurem Fahrzeug dann das im Alltag zu sehen, okay, das reicht dafür vollkommen aus. Langstrecke würde ich jetzt auch nicht mitfahren wollen, aber das ist ja auch gar nicht der Anspruch und das muss man ja auch immer ganz klar sagen, dass man eben darauf achtet, wofür braucht man es und dann muss eben vielleicht auch dieser Gedanke, dass nicht nur Antriebs-, sondern Mobilitätswandel auch stattfinden, dass man sagt, okay, Mobilität muss an sich ein Stück weit anders gedacht werden und wenn man alleine schon den Ressourcenverbrauch jetzt mal unabhängig, ob Klein-Elektro, oder nicht unabhängig, sondern gerade wenn man sieht, Klein-Elektro, den typischen SUV, der jetzt so letztens ja über 60% des Absatzes in Europa ausgemacht hat, sieht, da könnt ihr gefühlt, ich sag mal, vier bis fünf eurer leichten Elektrofahrzeuge auf die Straße bringen, rein vom Gewicht her, wenn ich das gegenüber so einem typischen SUV da gegenüber stelle. Und dann sieht man ja eigentlich schon, was für ein Mehrwert dahinter steckt, wenn man eben doch in dieser kleinen Einstiegsklasse irgendwo unterwegs ist.

  11. Merlin Ouboter:

    Also ich bringe immer den Vergleich, weil, oder man... Man spricht dann schnell mal um Zahlen und so und das ist immer so ein bisschen schwierig, das zu fassen, was das bedeutet. Aber deswegen bringe ich immer gerne das Beispiel, dass eigentlich der Microlino inklusive zwei Passagiere und voller Kofferraum immer noch weniger wiegt als die Batterie eines Elektro-SUVs. Das ist für mich ein sehr starkes Bild, das sich jeder vorstellen kann. Und von da kommt eigentlich auch die Effizienz des Fahrzeugs. Durch das, dass es wirklich viel, viel leichter ist, braucht es viel weniger Energie auf 100 Kilometer. Wir sparen rund zwei Drittel der Ressourcen einerseits in der Produktion, aber auch im Gebrauch. Und auch ein Vergleich, den ich interessant finde, obwohl man Verkehrsmittel natürlich immer schwierig miteinander vergleichen kann, aber vom Energieverbrauch auf 100 Kilometer liegen wir so bei etwa 7,5 Kilowattstunden. Das ist in dem Sinne etwa so viel, wie man mit der Schweizer Bahn auf 100 Kilometer als Passagier an Energieverbrauch hat. sogar ein bisschen höher und klar, schwierig das alles zu vergleichen, aber einfach um es mal so ein bisschen festzuhalten, weil eben 7,5 Kilowattstunden, das ist etwa die Hälfte vom Standard Elektro-Pkw oder sogar noch mehr und das ist doch eine Ansage und zeigt halt schon auch, dass man wirklich extrem effizient unterwegs sein kann und Ich denke gerade die Elektromobilität in dieser Form, ich glaube, da gibt es ganz, ganz wenige Argumente, warum das keinen Sinn macht. Ich denke, es gibt natürlich immer noch viele, die sagen, ja, aber eben diese schweren Batterien und all das hat auch irgendwie einen Teil der Wahrheit, den gibt es, den kann ich auch nachvollziehen. Aber ich glaube, bei uns muss man da gar nicht mehr darüber diskutieren, weil das macht einfach nur Sinn. Und ja, das... Das sind immer so zwei Beispiele, die ich gerne verwende.

  12. Sebastian:

    Also gerade das Beispiel mit dem Akku-Gesamtgewicht gegenüber Marco Lino und zwei Personen, das leuchtet vollkommen ein. Das kann man sehr gut nachvollziehen. Du hast vorhin auch noch den Punkt genannt, hier das Thema Produktion in Europa. Gibt es ja auch zwei Thematiken. Man hört immer mehr, also gerade aus den USA kommt Strafzölle für Fahrzeuge aus China. Europa diskutiert darüber. Da ist ja auch die Frage, man kann zwei Wege wählen. Entweder ich... Hebstrafzölle und erschwere das Ganze dann, dass es hier reinkommt? Oder ich stärke die europäische Wirtschaft und sage dann selbst, okay, jetzt haben wir hier Unternehmen wie Microlino, die eben hier in Europa fertigen und die stärken wir dann. Wäre das eher der korrekte Weg aus eurer Sicht jetzt, dann zu sagen, eher stärken, stärken, anstatt da Zölle hochzuziehen? Oder wie sollte man damit umgehen, dass wir eben... in Anführungsstrichen die Flut an E-Autos aus China, die schon über uns hereingebrochen ist oder so, immer wieder erwartet wird, dass die nicht auch im Mikromobilitätssektor auf einmal kommt und uns da vielleicht auch einen Markt wegnimmt, den wir aktuell auch noch selbst bestreiten oder aufbauen können?

  13. Merlin Ouboter:

    Ja, also ich glaube, es ist schwierig zu sagen, was abschließend die bessere Lösung ist. Ich meine, grundsätzlich Fakt ist, es gibt ja eigentlich schon Zölle von chinesischen Produkten nach Europa. Die liegen ja bei 10 Prozent. Und jetzt eben die ganze Diskussion, diese anzuheben, Ich finde, es macht das Ganze nicht einfacher. Ich finde, es macht es eher ein bisschen komplex. Ich glaube, smarter ist es eben, wie jetzt eigentlich überlegt wird, um zu sagen, hey, ja, es gibt eine Förderung, aber die Förderung, die gibt es dann halt eben nur für Produkte, die in der EU hergestellt werden. Und ich meine, man muss sich wirklich bewusst sein. Wir sind ja auch selber in China unterwegs mit unseren Tretrollern, die wir auch bauen. Also wir kennen das Land, wir kennen sehr gut, was da abläuft. Muss ich halt einfach auch im Klaren sein, dass einige tausend Euro in jedem chinesischen Auto auch drinstecken und zwar vom chinesischen Staat. Diese Konkurrenz, die ist halt irgendwo durch auch nicht ganz fair, wie sie momentan geführt wird. Und deswegen verstehe ich natürlich auch so ein bisschen beide Seiten. Andererseits hast du natürlich auch viele Hersteller, vor allem die deutschen Hersteller, die natürlich in China einen grossen Markt haben. Die wollen natürlich auch nicht, dass ihre Fahrzeuge dann irgendwie mit Zöllen auferlegt werden. Deswegen, ich glaube, das ganze Thema rund um Kaufpreisförderung je nach Produktionsstandort, ich glaube, das ist wahrscheinlich der sinnvollste Weg, der gangbarste Weg. Weil ich meine, es soll doch auch fair sein, wenn eine chinesische Brand sich in Europa ansetzt und eine Produktion in Europa aufzieht, dass die dann auch davon profitieren sollte. Das finde ich auch völlig okay, oder? Und so soll es Man kann nie 100% fair sein, das ist klar. Aber ich glaube, das ist wirklich so, wie wir die Wirtschaft, würde ich sagen, am besten erhalten können schlussendlich.

  14. Sebastian:

    Auf jeden Fall ein guter Ansatz von dir zu sagen, wir stärken dann auch, wenn jemand bereit ist, hier Geld zu investieren aus China in Europa, dass wir das dann aber auch fördern. Und dann ist es auch für beide Seiten wieder offen. Dann macht man die Tür ja auch auf und sagt, ihr könnt ja auch davon partizipieren, aber macht das dann bitte auch hier bei uns. sehe aber den anderen Punkt genauso, wo du sagst, natürlich muss irgendwo ein Stück Chancengleichheit hergestellt werden am Ende vom Tag, weil sonst kannst du ja noch das beste Produkt auf den Markt bringen, aber du kriegst es über den Preis halt einfach nicht abgesetzt. Und da wird halt auch drauf geschaut, gerade in der aktuellen Zeit kann es ja auch, da muss man ja auch gucken, wofür das Geld investiert wird schlussendlich. Das heißt, unser Ausblick ist hoffentlich eher positiv. Wir sind gespannt, was ja dann am morgigen Tag rauskommt, am 5.3., was wir da hören. Wir hoffen, dass Mikromobilität berücksichtigt wird, berücksichtigt wurde. Sollte das nicht der Fall sein, ihr macht euch weiterhin dafür stark, gehe ich von aus.

  15. Merlin Ouboter:

    Ja, auf jeden Fall. Also wir machen uns natürlich weiterhin für die Thematik stark. Wir sind auch so ein bisschen in der Vorbereitung, eine Petition zu starten, wenn das nicht der Fall sein sollte, dass wir da inkludiert werden. Also wir werden weiterhin kämpfen und eben nochmals, ich meine, was ich immer erwähnen muss, Oder klar, solche Subventionen etc., das ist alles wichtig und das hilft. Aber eigentlich muss ich sagen, mir am liebsten wäre eigentlich, wenn es gar nichts geben würde, weil dann bist du sicher mal sicher, dass es für alle fair ist, oder? Weil jetzt mit diesem System ist immer eben, irgendjemand fällt immer irgendwie durch dieses Raster durch, oder? Und in dem Fall sind jetzt wir es. Und das ist halt eigentlich ein bisschen das Schade an der ganzen Geschichte. Aber wir werden uns weiterhin stark machen. Ich denke... Ja, am Ende des Tages ist auch nicht immer nur der Preis, der entscheidet, sondern eben auch halt das Produkt. Und ich glaube, da sind wir sehr gut aufgestellt, weil wir ein sehr differenziertes Produkt haben. Und nicht, sage ich jetzt mal, ein Elektro-SUV, den es in zigfacher Ausführung auch von anderen Brands auch gibt, wo vielleicht dann der Preis schlussendlich der wichtigere Faktor ist, sozusagen. Aber ja, von dem her, wir sind zuversichtlich und werden uns weiterhin für die Thematik natürlich einsetzen.

  16. Sebastian:

    Vielen Dank für die Schlussworte, Merlin. Vielen Dank für den Einblick und ich denke, das wird nicht das letzte Mal gewesen sein, dass du hier im Podcast zu Gast warst. Danke für deine Zeit. Danke dir. Vielen lieben Dank, dass du zugehört hast bei dieser Sonderfolge des Detektor-Auto-News.net Podcast, der nicht an einem Sonntag erschienen ist, sondern am Dienstag aus einem wichtigen Grund. Wir erinnern uns EU-Autogipfel und wie geht es weiter mit Förderung, Strafzahlen und so fort, auch im Bereich der Mikromobilität. Und ich glaube, ich hätte mir keinen besseren Gesprächspartner als Merlin-Aubruder hierfür wünschen können. Ich hoffe, du konntest einiges aus der Folge mitnehmen und beobachtest dann auch mit uns am morgigen 5.3., was die EU denn so vorschlägt, um Mobilität hier in Europa wieder nach vorne zu bringen. Mach's gut, bis demnächst. Ciao.