AUDI-Insider spricht Klartext über China-Strategie

Im Gespräch mit Pirmin Reimeir, Lead Product Manager bei AUDI in China

In der aktuellen Podcast-Folge hatte ich das Vergnügen, mit Pirmin Reimeir zu sprechen. Pirmin ist Lead Product Manager bei Audi im Kooperationsprojekt mit SAIC Motors – und das für die neue Marke AUDI, die in China bewusst mit vier Großbuchstaben geschrieben wird. Gemeinsam mit einem kleinen Team arbeitet er daran, eine eigenständige Audi-Schwester auf dem chinesischen Markt zu etablieren, die jüngere, technikaffine Kund:innen anspricht – und sich damit ganz klar von der klassischen Premium-Marke mit den vier Ringen abgrenzt.

Was sofort klar wird: Das Projekt ist mehr als ein weiterer Marktentritt. Es ist ein Paradigmenwechsel. „Früher haben wir Technologien aus Deutschland nach China gebracht und sie lokal adaptiert. Jetzt entwickeln wir direkt vor Ort – mit dem Ohr am chinesischen Kunden.“ Der Fokus liegt auf einem radikal lokalisierten Ansatz: Produkte werden in China für China entwickelt, mit lokaler Plattform, Softwarearchitektur und Design. Und das ist kein Zufall: Zwei Drittel aller weltweit verkauften Elektroautos rollen in China vom Band. Wer hier mithalten will, muss anders denken.

Ein Beispiel für diesen neuen Ansatz ist der Audi Assistant – ein digitaler Avatar im OLED-Display, der mit den Nutzer:innen interagiert. „So ein Feature würde ein durchschnittlich 20 Jahre älterer europäischer Kunde vielleicht als Spielerei empfinden – in China trifft es den Nerv der Zielgruppe,“ so Pirmin. Gleichzeitig bleibt die technische DNA erhalten: das Premium-Fahrerlebnis, das sich durch die Audi-typische Abstimmung von Fahrwerk und Quattro-Antrieb auszeichnet, wird weiterhin maßgeblich in Europa entwickelt.

Spannend ist, wie sich das neue China-Audi bewusst vom traditionellen Joint Venture mit FAW und der globalen Audi-Marke unterscheidet – und gleichzeitig Verbundenheit signalisiert. Beide teilen sich den Leitsatz „Vorsprung durch Technik“, doch die Interpretation unterscheidet sich je nach Zielgruppe. Die neue Marke spielt stärker mit mutigem Design, digitalen Features und jugendlicher Bildsprache. Dennoch ist sie tief in der Audi-Heritage verwurzelt. „Auch die ersten Audis trugen zunächst vier Buchstaben, bevor die Ringe kamen“, erinnert Pirmin.

Was mich beeindruckt hat, ist der kollaborative Spirit, den Pirmin beschreibt. In China herrsche eine andere Offenheit – man denke in Win-win-Szenarien, arbeite transparenter zusammen, auch über Unternehmensgrenzen hinweg. „In Europa zeigt jeder, was er kann, aber keiner lässt den anderen reinschauen. Hier versucht man gemeinsam, den Kuchen größer zu machen.“ Auch organisatorisch agiert das China-Team agiler, mit flachen Strukturen und schnellen Entscheidungen – oft per WeChat.

Diese Geschwindigkeit – der berühmte „China Speed“ – ist für Pirmin kein Nachteil, sondern täglicher Antrieb. „Hier passiert gerade die spannendste Entwicklung der Automobilindustrie weltweit.“ Er schätzt den digitalen Alltag, das Tempo, die Dynamik – beruflich wie privat. Das Projekt ist für ihn mehr als ein Job. Es ist Teil einer grundlegenden Transformation, die Audi in China gerade durchlebt – und vielleicht bald auf andere Märkte abstrahlen wird.

Nun aber genug der Vorworte – hör am besten selbst rein und erfahre aus erster Hand, wie Audi mit vier Buchstaben den vielleicht wichtigsten Automarkt der Welt neu denkt.

Shownotes:

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Transcript

  1. Intro:

    Elektroauto News. Der Podcast rund um das Thema Elektromobilität. Mit aktuellen Entwicklungen, Diskussionen, Interviews und vielem mehr.

  2. Sebastian:

    Servus und herzlich willkommen bei einem neuen Folge-Selektronik-News.net-Podcast. Ich bin Sebastian und freue mich, dass du heute wieder mit am Start bist. In der aktuellen Folge habe ich einen alten Bekannten mit am Start. Alt passt in dem Fall ganz gut, weil die erste Folge mit Pirmin liegt knapp vier Jahre zurück. Im April 2021 haben wir zum ersten Mal gesprochen. Damals war er noch Head of Product für den Q4 Sportback e-tron bei Audi. Er ist immer noch für Audi unterwegs, mittlerweile allerdings für die Schwestermarke mit den vier Buchstaben, nicht zu verwechseln mit den gewohnten vier Ringen in China und baut dort eben eine dynamischere, jüngere Marke von Audi in China für China auf. Genau darüber haben wir uns unterhalten. Wir gehen direkt rein ins Gespräch mit Pirmin. Pirmin, du bist Lead Product Manager im SAIC Audi Kooperationsprojekt, was den gleichen Namen Audi trägt, anders geschrieben. Was genau umfasst deine Rolle dort im Alltag? Was verbirgt sich hinter Audi, was komplett in Großbuchstaben mittlerweile in China geschrieben wird?

  3. Pirmin Reimeir:

    Ich meine natürlich ein großer Anteil auch an meiner Arbeit ist einerseits natürlich die neue Brand mit dem Anfüttern, was wir sagen, dass aus der bisherigen oder aus der Unser Schwestermarke Audi mit den vier Ringen. Wir reden immer von den vier Ringen und den vier Lettern sozusagen, den vier Buchstaben. Und eine wichtige Rolle ist auch, warum wir auch hier sind. Also ich im Rahmen eines Projekthauses sind ich und einige weitere Audi-Experten oder auch andere Experten aus nicht nur Audi, sondern es gibt auch Porsche, Volkswagen, Leutena, ich sage mal aus dem VW-Konzern. Und unsere Rolle ist es natürlich sicherzustellen, dass Audi-Anforderungen und Audi-DNA in den Projekten enthalten ist, die wir jetzt hier in China mit unseren chinesischen Partnern machen, auf Basis von Technologien und Plattformen, die wir gemeinsam mit ihnen entwickeln. Das heißt, ein bisschen anderer Ansatz wie vorher, wo wir hauptsächlich Technologien aus Deutschland transferiert haben und dort dann lokal adaptiert haben, sondern jetzt andersrum gedacht, wesentlich besser. Und fokussiert auf China, nämlich dort vor Ort die Technologien, die dort auch am Puls der Zeit liegen und die wichtig sind und dementsprechend auch der Markt sich daran orientiert, direkt zu machen, mit unseren Partnern quasi am Ohr den Kunden zu hören, was er braucht und dementsprechend die Produkte zu anzeigen.

  4. Sebastian:

    konsequent folgende Aussage in China für China gedacht? War das auch der Beweggrund dahinter, warum man jetzt eine eigene Schwestermarke geschaffen hat mit vier Buchstaben anstatt vier Ringen?

  5. Pirmin Reimeir:

    Ich sage mal, die Schwestermarke ist aus zwei Beweggründen. Einerseits natürlich muss man, wenn man sich die Entwicklung vom speziellen Elektromarkt der letzten fünf Jahre in China anschaut, natürlich maximal auch gepusht. aus dem Plan, den die Regierung hat, von Öl oder Verbrennungskraftmaschinen wegzukommen, weil das eine Ressource ist, die China nicht hat als Land. Aber sie haben Strom und Energie. Das heißt natürlich eine gewisse Autarkie. Deswegen ungefähr vor fünf Jahren hat die chinesische Regierung angefangen, stark Purchase Tax Example, also quasi keine Mehrwertsteuer zu verlangen für E-Fahrzeuge. Und es ist natürlich unzufrieden vorzustellen, wie die Incentivierung, die wir in Deutschland mal eine Zeit lang hatten, aber noch in einem wesentlich größeren Umfeld, Ausmaß. Und dementsprechend ist dort dieser NEF-Boom, wir reden immer von NEVs, das sind unter anderem EVs, auch PHEVs, also auch Plug-in-Hybride oder natürlich Range Extender, die gerade auch eine interessante Rolle spielen im Markt. Also der Marktanteil ist innerhalb von vier, fünf Jahren auf 50 Prozent angestiegen. Also der Verbrenner ist massiv runtergegangen, getrieben durch eben diese Incentivierung. Und dieser super schnell sich entwickelte Markt, der auch immer noch weiter wächst, China ist mittlerweile der... ein Drittel des Weltmarkts im Automobil, also alle Segmente und Bauformen sozusagen, ein Land. Europa, USA ist ein weiteres Drittel und das dritte Drittel ist dann alle anderen Ländern. Das heißt, man sieht, wie massiv dieser eine Einzelmarkt ist und China ist Zwei Drittel jeder E-Fahrzeuge werden in China verkauft. Man sieht diese Signifikanz und die Größe des E-Marktes in China. Und durch diesen Mega-Push, wo ja auch sehr viele neue Brands entstanden sind, man kennt alle jetzt Xiaomi, Li Auto, die ganzen Huawei-Brands, die in einer super Geschwindigkeit natürlich auch gepusht, inzentiviert werden. dort neue Produkte auf den Markt bringen und speziell die letzten ein, zwei Jahre einen massiven Preiskampf ausgebrochen ist. Das heißt, der Kunde kriegt immer mehr Content, immer mehr Fahrzeug, weniger Geld. Und es hat natürlich uns in unserer bisherigen prozessualen Herangehensweise Fahrzeuge zu entwickeln, eher langfristig gedacht. Eher kommen natürlich aus unserem Headquarter in Europa, gedacht über einen europäischen Kunden, der auch schon mal im Schnitt 20 Jahre älter ist als der chinesische Kunde, weil der meistens im Premium-Markt schon mehrere Fahrzeuge besessen hat. In China ist es immer ein Erstkäufer. Das heißt, das erste Auto, das der diejenige kauft mit Anfang 30. Und aus dem geben sich natürlich ganz unterschiedliche Bedürfnisse, auch aus der Lebenssituation heraus. Dass wir gesagt haben, wir wollen einerseits nicht unsere komplette Brand in zwei Dinge aufspalten, weil wenn du natürlich viele Enden bedienst, dann ist es auch schwer. Was ist deine Identität? Deswegen, was die Vierringe oder auch Audi in China auch weiterhin wichtig ist, ist das Thema Status, Sophistication und dieser Brand Value, den Audi, aber auch die anderen Premium-Marken aus Deutschland weiterhin in China genießen, ist nicht zu unterschätzen, gilt aber vor allem im Verbrennungskraftmarkt. Also dort gibt es auch eigentlich nur die drei deutschen Hersteller. Aber jetzt gibt es diesen explodierenden NEV-Markt mit ganz vielen neuen Playern, die sehr schnell und mit hoher Schlagzahl und mit tollem Content Produkte auf den Markt werfen. Und wir haben gesagt, okay, wir machen jetzt diesen mutigen Ansatz, zu sagen, wir entkoppeln uns ein bisschen, schaffen uns auch ein bisschen Freiheiten, um entsprechend einerseits von unserem Zielkunden jüngere Kundenschichten anzusprechen, weil wir auch ein bisschen von den Technologien, die wir einsetzen, sagen, unsere Zielkunden für die Audi 4-Letter-Brand sind tech-savvy, ein bisschen pioneering, also sind einfach jüngere, ganz tech-affine Kunden, die auch vom bisher, wie man es kennt, Audi im Sinne von Perfektionismus, Premium, Qualitätsversprechen. Natürlich haben wir den gleichen Qualitätsanspruch, aber wir dürfen ein bisschen mehr probieren. Wir dürfen ein bisschen weitergehen, vielleicht ein bisschen noch Sachen, die noch nicht so breit im Markt bekannt sind, die der Kunde jetzt noch nicht so akzeptiert hat, in unsere Produkte bringen und da eben versuchen, diese frühere, diese jüngere Schicht an Kunden anzusprechen, die jetzt eben auch in diesen NEV-Markt so stark heranwächst und wo wir einfach bisher mit unseren, wie alle anderen internationalen Hersteller, muss man sagen, in China, am Elektromarkt nicht signifikant mitgespielt haben.

  6. Sebastian:

    Das leuchtet auf jeden Fall schon mal ein, dass man da eben seine eigene Identität auch entwickeln muss, wenn man denn mitspielen will. Vor allem, wenn man da auch ein Stück weit vielleicht die jüngere Schwester dann sozusagen sein möchte auf dem chinesischen Markt. In die Richtung scheint es ja auch zu gehen, von der Zielgruppe getrieben, als auch beim Design ein bisschen mutiger. Man darf mehr probieren, das hast du schon ausgeführt. Wie ist es dennoch so, dass sich Audi die vier Buchstaben abgrenzt von Audi FAW, was ja quasi Kooperations- oder Gemeinschafts- gemeinsamer Partner sozusagen für die Produktion in China ist, als auch der globalen Audi-Marke mit den vier Ringen. Also wie findet da eine Abgrenzung statt? Wie positioniert ihr euch? Weil das kann ja auch ein Stück weit verwirren. Das hatten wir auch schon bei Berichterstattung gesehen. Audi vier Buchstaben gegenüber vier Ringen. Ähnlich und doch unterschiedlich sozusagen. Also wie kommuniziert ihr das intern und wie geht ihr auch extern an den Markt damit heran?

  7. Pirmin Reimeir:

    Also vielleicht erst mal abgeleitet von der Marke. Also wichtig ist, wir reden immer von den beiden Marken, der gleiche Markenkern. Also Vorsprung durch Technik bleibt erhalten, zielen beide. Und dann kommt dieser kleine Movement zu zwei Seiten, nämlich wie gesagt in die andere Richtung, die klassischeren Disziplinen und eher aus dem Prestige und Status kreieren und das andere ein bisschen aus Technologien und den jungen Kundenschichten. Was aber unser Vorstand eigentlich recht schnell am Anfang gesagt hat, also wir machen bitte alles gleich, was Sinn ist gleich zu machen und das anders, was sinnvoll ist anders zu machen. Und deswegen haben wir natürlich gesagt an den Erwartungshaltung, was auch geht. Der jüngere chinesische Kunde hat an die deutsche Premium-Brand und es ist sehr wichtig, dass wir uns auch positionieren als deutsche Premium-Brand, die halt sehr stark jetzt in China für China ist, weil du kannst ja nicht wieder nur eine von irgendwelchen Marken sein. Also vielleicht ein wichtiger Satz, das ist nicht falsch verstanden, wir haben ja seit einigen Jahren eine Zwei-Join-Venture-Strategie oder mittlerweile eigentlich Drei-Join-Venture. als Audi AG in China. Das heißt, wir haben FVW als Partner mit eigentlich zwei Joint Venture. Unter anderem jetzt die neue Joint Venture, die die E-Fahrzeuge bringt, wie einen A6 e-tron, Q6 e-tron. Und unsere Audi Brand, das heißt die Audi mit dem V-Buchstaben, ist ja ein Shanghai-Fahrzeug mit unserem Süd-Joint Venture, also Shanghai-Volkswagen. Das ist die SVW oder SAIC-Audi, wie man sie gerne nennt. Deswegen wichtig das vielleicht als kurzer Einwand. Das heißt, produziert werden unsere Fahrzeuge hier in Shanghai eben bei Shanghai Volkswagen als OEM sozusagen, als unser Partner. Was ist jetzt der Unterschied? Ich habe ja schon viel gesprochen von diesen jungen Kunden. Also ein simples Beispiel. Ein Centerpiece vom EFM Sportback, wie man vielleicht schon gesehen hat, ist ja zum Beispiel unser Audio Assistant, der jetzt als Avatar, wie wir es auch gerne nennen, in einem speziellen Gehäuse, also ein gebogenem OLED, dort lebt und mit dem ich dann interagiere, der ein bisschen spielerisch auch quasi mit dem Kunden zusammenarbeitet. Und das ist etwas, wenn wir das ableiten oder wie ich es kenne, wie wir Produkte gestaltet haben, von Europa her kommend, Und dann adaptiert für den chinesischen Markt, wo wir sagen, der europäische Kunde, der auch dann wesentlich älter ist, der würde mit so einem Feature, könnte ja nicht viel anfangen, du würdest von dem her nicht kommen, der würde das eher störend empfinden, würde sagen, was ist das? Und das ist ein Thema, wo wir sagen, da brechen wir bewusst mit bisherigen Konventionen, wenn wir die Produkte gestaltet haben, ohne ganz klar diese andere Zielgruppe anzusprechen. Anderes Beispiel, wo man sagt, da muss man maximal gleich bleiben, ist zum Beispiel das Thema Fahrerlebnis oder Fahrperformance. Weil, wie schon gesagt, das ist auch eine Erwartungshaltung, die die Kunden in China haben an deutsches Premium, dass dort die Abstimmung vom Fahrwerk, die Dämpfung... Das Kufenverhalten entsprechend diesem Heritage und dieser Erfahrung, die ja unsere Techniker mitbringen, auch diese neue Brand, diese Schwestermarke hat, um eben klar identifiziert zu werden als Premium.

  8. Sebastian:

    Das heißt im Umkehrschluss aber auch, ihr bringt auch dort das Beste aus beiden Welten quasi zusammen. was man bei Plug-in-Hybride immer so auch in die Wiege gelegt hat, zumindest so vom Antrieb her. Man hat die Vorteile von Verbrenner und E-Antrieb. Bei euch hat man jetzt eben die Vorteile der Technik der Verabstimmung aus Europa mit dem Zusatz von Software, Unterstützungssystem, Design aus China.

  9. Pirmin Reimeir:

    Genau, richtig. Also unser Tagline auch, ich nenne es mal unsere Corporate Tagline vom Kooperationsprojekt, was wir auch immer kommunizieren, ist the best of both worlds, das Beste aus beiden Welten. Und das ist genau das. Also Software-Themen sind sehr stark hier lokal. Entsprechend auch mit der Geschwindigkeit und der Softwarekompetenz, auch im Sinne von Update-Strategien aus chinesischer Sicht getrieben. Und wenn es dann darum geht, das Fahrzeug fahrerisch abzustimmen, dann kommen unsere Experten zum Beispiel für den Quattro-Antrieb oder auch für Dämpfung Fahrwerk aus Ingolstadt explizit hierher oder wir bringen das Fahrzeug nach Europa. Wir waren unter anderem in Schweden mit dem E5 Sportback, um eben dann dort diese anderen Tugenden, weil da die Kompetenz vorhanden ist, zu machen. Und eben aus dem sozusagen auch klar abzugrenzen, was andere New Forces, wenn du hier mit chinesischen Kunden sprichst, dann sagen die oft immer zum Beispiel, ja, das Fahrzeug ist immer sehr hochtechnologisch, du bekommst viel für das Geld, aber sie fahren sich immer noch nicht so gut, wie eure Fahrzeuge es fahren. Also dort sieht man auch nur einen gewissen Kompetenzvorsprung, der, glaube ich, wichtig ist. dass man sich auch bewusst ist, dass wir den noch haben und dementsprechend muss man den noch einbringen. Und du hast es ja gesagt, dass das teilweise auch nicht ganz klar ist oder speziell in der Wahrnehmung der internationalen Presse oder europäisch-amerikanische ein bisschen vielleicht komischer wirkt. Hier in China mit der Erklärung, was unser Ansatz ist, wen wir ansprechen wollen und warum wir das gemacht haben, wird eigentlich sehr wertgeschätzt, dass man sagt, okay, die haben sich jetzt mal Gedanken gemacht, haben verstanden, Man muss auch ein bisschen sich jetzt, ich würde jetzt sagen, dem neuen Gegenüber offenen, also offen sein, ein anderes Zusammenarbeitsmodell zu fahren, um eben entsprechend an diesem hyperkompetitiven Markt, speziell bei E-Fahrzeugen, noch eine Rolle zu spielen.

  10. Sebastian:

    Du hast eben auch gerade diesen Kompetenzvorsprung angesprochen, den wir teilweise eben in Europa auch noch haben. wo ja doch auch immer wieder zu hören ist, wir hinken doch schon hinterher, Fahrverhalten. Unter dem Punkt würde ich es jetzt mal kurz zusammenfassen oder zumindest aufgreifen, das war jetzt ja das Prägnante. Was ist leichter? Ist es einfacher für die Chinesen, chinesische Hersteller, an dieses Fahrverhalten ranzukommen, das auch zu meistern? Oder sind wir uns als europäische Marken in der Lage, eben diese Softwarekompetenz zu meistern oder an die heranzukommen?

  11. Pirmin Reimeir:

    Sagen wir jetzt mal, die Wahrheit würde wahrscheinlich irgendwo in der Mitte liegen. Ich Speziell Fahrverhalten oder natürlich auch Anspruchverhalten und so vieles ist halt sehr viel Expertenwissen lang antrainiert. Es gibt auch nicht so viele Leute in unserer kompletten Audi AG, die dort die Experten sind, die diese Fahrzeuge abstimmen und die stimmen meistens jeden Audi ab. Also Das ist ein kleines Team an Spezialisten, die dort eben dann abstimmen, was heißt Kartrofahrverhalten. Und das zu replizieren, das ist nämlich teilweise nicht beschreibbar in KPIs oder irgendwelchen Requirements, sondern das ist halt das Gefühl des Ingenieurs. Jetzt könnte man sagen, die können sich das einkaufen. Ja, geht zu einem gewissen Teil. Man merkt es ja, so viele früher in Europa tätige Designer sind jetzt in China, deswegen wird das Design dort auch ein bisschen europäischer. Bleibt aber chinesisch natürlich, weil sie dort den lokalen Markt ansprechen. Aber es ist nicht ganz so einfach, selbst wenn du die Leute holst. Auf der anderen Seite beim Thema Softwarekompetenz oder auch wie natürlich ein Softwareunternehmen arbeitet. Also wir als Automobilhersteller mit 100 Jahren Geschichte sind halt auch organisatorisch nicht konzipierter Softwareunternehmen. Deswegen ein neuer Hersteller, ob das jetzt früher Tesla war oder jetzt, keine Ahnung, China Lixiang oder Xiaomi, die kommen ja von der Software. Das heißt, die denken das Fahrzeug erstmal prima über Software oder haben das immer nur so gedacht. So kennen wir ihn auch. Tesla, das war ihre große Stärke am Anfang. Jetzt gefühlt sind sie auch ein bisschen normaler Autohersteller geworden. Das ist etwas, ja, das kann man weiterlernen, aber es ist vor allem, was ich auch feststelle, wenn man immer so von dem Thema Lessons Learned und natürlich übertragen wir die Kenntnisse, die wir hier führen, idealerweise drückt noch irgendwo statt, um dort auch Speed aufzunehmen und auch schneller zu werden und ein bisschen adaptiver am Markt. Aber das sind natürlich auch große organisatorische Änderungen, Transformationen, die da mitgehören. Deswegen ist es nicht einfach, beide Dinge. Und ich glaube, du musst bei beiden Dingen Stück für Stück arbeiten. Also idealerweise und was ich finde, was in China eigentlich generell gilt, egal mit wem du arbeitest, man weiß ja hier gibt es sehr viele Kooperationen, sehr viele Joint Venture und in ihrem Mindset ist es auch immer so, dass eher gesagt wird, wir gewinnen zusammen, also lieber Win-Win, beide haben was davon, also wir machen den Kuchen größer und haben beide ein Stück. als wie ich habe die Kompetenz hier und ich lasse dich nicht reinschauen, was meine Kompetenz ist und du hast deine Kompetenz und lässt mich nicht reinschauen und wir arbeiten irgendwie zusammen, aber auch nicht ganz transparent. Das ist hier auch, was ich so erlebt habe im letzten Jahr von der Offenheit, auch was die Lieferanten oder auch andere Hersteller, natürlich besuchen wir auch andere Unternehmen wie zum Beispiel Huawei und so weiter, die auch teilweise in unseren anderen Projekten Lieferant für uns sind, Und die sprechen mit dir offener, als wie das ich jemals gewohnt war, wie man in Europa mit anderen Wettbewerbern, Lieferanten usw. sprechen. Also du hast ja grundsätzlich ein kooperatives Umgangsfeld, weil irgendwie alle das Gefühl haben, wenn wir zusammenarbeiten, haben wir irgendwie die größere Chance, dass wir gemeinsam überleben.

  12. Sebastian:

    Ist ja auch ein schöner Gedanke oder ein schönes Beispiel dafür, dass Kooperationen gemeinsam den Kuchen größer macht. Finde ich ein tolles Bild, was du da gezeichnet hast, vor allem wenn es der Realität entspricht. Das heißt aber auch, dass die Produktentwicklung nicht nur im Hinblick auf Hardware und Software neu gedacht werden muss, sondern ja auch grundsätzlich wahrscheinlich von euch neu erlernt werden muss in China, wenn man das ganze Thema auch ein Stück weit anders angeht.

  13. Pirmin Reimeir:

    Ja, ich sage, wir müssen uns anders aufstellen. Auch etwas, was jetzt natürlich speziell ist in unserer Situation, die wir aktuell haben mit unserem Projekthaus, also das, was wir jetzt hier sind als Audi und Audi China. Ein kleines Team, interdisziplinär, mit natürlich ganz wenig Strukturen, wenig, einem kleinen Governance-Modell, also direkten Entscheidungswegen. Grundsätzlich ist ja hier auch der Vorteil in China, hier funktioniert alles über WeChat, also selbst die Produktentscheidung kann über WeChat funktionieren, weil auch das Thema von Data Security nicht im Vordergrund steht, muss man auch ehrlich sagen. Deswegen kommuniziert man da einfach viel direkter. auch im privaten Umfeld quasi mit seinen Kollegen, hat aber auch dann den Vorteil, dass du halt einfach viel schneller agieren kannst, weil du theoretisch ständig mit jedem im Austausch bist und einfach auch mal schnell eine kurze Message schicken kannst und sagen, machen wir das so, ja passt, okay, setzen wir es um und dann wird es umgesetzt. Das ist Natürlich auch, weil wir auch in unserem aktuellen Produktportfolio und aktuell als neue Brand natürlich auch noch einen kleinen Skop haben. Wir müssen natürlich nicht so viel verwalten, wie aktuell das gesamte Audi-Konzern verwalten muss. Aber genau das ist auch das Learning, was wir dann daraus ziehen. Was können wir übertragen und was funktioniert gut? Was sind Dinge, die dann jetzt in Deutschland nicht funktionieren würden? Wie zum Beispiel natürlich auch Arbeitszeitgesetze und so weiter. Da muss man auch ganz klar abgrenzen, was da nicht geht. Aber man kann viel lernen und man kann viele Schlüsse ziehen und dadurch auch Positives mitnehmen, selbst wenn man dann nicht weiter die Kooperationen in China für China macht, sondern natürlich auch Fahrzeuge jetzt für USA oder Europa oder welchen Markt auch immer entwickelt in Ingolstadt.

  14. Sebastian:

    Das ist ja dann auch dieser typische China-Speed, von dem man ja auch liest und hört, den ihr dann eben auch ein Stück weit adaptieren könnt, soweit ich das jetzt verstanden habe. Was mich natürlich auch noch interessieren würde, ihr tretet jetzt als eigenständige Schwestermarke in China auf. mit den vier Buchstaben, was ja schon mal ein deutlicher Schritt in den Markt ist. Du hast es eben auch gesagt, das wird gewertschätzt, man nimmt es an. Könnt ihr euch vorstellen oder ist auch geplant, dass man sich noch ein Stück weiter von der Schwestermarke aus Europa wegentwickelt, sprich in puncto Software, Design oder Services, die man anbietet, dass man eben noch dezidierter auf dem chinesischen Markt agiert und die europäischen, im Speziellen vor allem deutschen Wurzeln, auch ein Stück weit noch hinten anstellt?

  15. Pirmin Reimeir:

    Ich würde sagen, noch weiter nicht. Man muss auch dazu sagen, dass natürlich auch jetzt die Fahrzeuge, die unter der Ringelmarke Inkin auf den Markt kommen, schon sehr adaptiert sind auf die Bedürfnisse des Marktes, speziell auch was Software und Services angeht. Deswegen, du hast eigentlich ein Movement im Gleichschritt von diesen beiden Marken. Nur bei uns ist es so, dass wir jetzt halt ein bisschen schneller die Pace aufgenommen haben und recht kurzfristig ein Produkt gebracht haben. Was schon der Fall ist, dass wir Zwar gehören die beiden Ökosysteme zusammen, aber wir haben dann schon nochmal ein eigenes, sozusagen auch Social Media Auftritte und so weiter, alles was man, auch die Bildsprache, wenn man die Marketing oder auch die Social Media Clips anschaut, ist halt anders daherkommend, weil wir halt auch andere Kunden ansprechen wollen, deswegen du bewegst dich da schon auch ein bisschen auseinander, bewusst. Auch speziell wie die Ansprache ist und wie die Bildsprache ist. Aber ich würde sagen, dass speziell wenn man auf Produktinhalte denkt oder auch was die Fahrzeuge können müssen, dann müssen sich eigentlich beide gleich entwickeln, weil du musst ja auch mit den, egal ob Ringe oder Buchstaben, ja webwerbsfähig sein. Und jetzt aktuell haben wir die Situation zum Beispiel, was dieses Jahr auf den Markt kommt, also jetzt bei unserem Saig Audi, also im Shanghai John Venture ist ja der A5L, also unsere B Sedan und der E5 Sportback, also der eine ICE, der andere BEV, aber eigentlich Bruder, Schwester, passt ziemlich gut, beide ungefähr im gleichen Segment im Interieur, aber anders vom Design her, von der Designsprache her. Im Exterieur auch ein bisschen, aber man kann beiden immer ihren Ursprung ansehen, weil Design für beide Fahrzeuge ja komplett in Ingolstadt entstanden ist. Also unser Design ist komplett in Ingolstadt, Interior wie Exterieur und natürlich vor allem Licht. Das ist immer ein großes Thema für Audi in China, egal ob Ring oder Buchstaben. Und deswegen hast du da immer so gleichen Heritage und auch du siehst immer gewisse Ansinnen an ehemalige Audi-Fahrzeuge. Und man muss dazu sagen, es gab ja schon mal Audis, wo vier Buchstaben drauf waren. Das sind nämlich sogar die ersten Audis. Da waren die Buchstaben auf den Fahrzeugen, bevor dann der Zusammenschluss mit den Ringen kam. Dementsprechend ist es auch ein Thema, was wir spielen und viel Heritage daraus ziehen, was auch wichtig ist, um nicht zu sagen, ich bin jetzt einfach eine neue Marke und mache halt irgendein Design, sondern wir ziehen schon sehr viele Analogien In der Designsprache, auch in der Technologie natürlich, sei es zum Beispiel Quattro als großes Wort, um dort beide Marken zusammenzuhalten. Und das ist auch ganz wichtig.

  16. Sebastian:

    Die Meinung teile ich auch, weil ich sage mal, das will man ja nicht abgeben, sonst hätte der auch gar nicht unter den vier Buchstaben auftreten können, sondern hätte eine komplett neue Marke dort platzieren, positionieren können sozusagen, wenn er diese Verbindung eben nicht spielen wollte. Was mich natürlich jetzt auch noch interessieren würde zum Ende von unserem Gespräch. Du bist ja selbst jetzt auch schon einige Jahre im Premium-Elektrobereich unterwegs. Das letzte Mal haben wir uns in deiner deutschen Rolle unterhalten, was jetzt schon ein Stück weit her ist. Jetzt bist du ein gutes Jahr in China unterwegs, unterstützt dort eben den Marken-Marktaufbau mit den vier Buchstaben. Was reizt dich persönlich an deiner Arbeit in China? Was sind so die Herausforderungen, die du im Alltag mitnimmst und wie gehst du damit um?

  17. Pirmin Reimeir:

    Gut, ich sage jetzt mal, eine Herausforderung ist natürlich die Geschwindigkeit, die haben sie nicht nur in der Arbeit, sondern die gilt auch generell ein bisschen in der Gesellschaft. Beispiel, also wie hier teilweise ganze Häuserblöcke weg und entstehen oder Restaurants öffnen und schließen. Man hat gerade ein neues Lieblingsrestaurant gefunden, in zwei Wochen ist wieder ein anderes da. Das ist einfach die Geschwindigkeit, die ein bisschen crazy ist, weil auch die Pace interessant ist. Das finde ich spannend und das ist etwas, was so komplett anders ist als das alles, was man jetzt in Deutschland gerade so erlebt. Es ist auch sehr digital. Das heißt, ich meine, ich bin ja auch so Millennial, würde mich so als Digital Native bezeichnen. Das heißt, wenn man in diesem chinesischen App-Ökosystem mit Online-Bestellung, Ordering und man kann ja alles mit dem Smartphone machen. Also ich verlasse eigentlich meine Wohnung ausschließlich nur, ich baue nur mein Handy, ich baue sonst nichts. ich kann dort alles machen, du kannst damit alles bezahlen, alles ordern und so weiter, alles connecten und das ist halt spannend und ist halt ein großer Convenience-Faktor, also was wir merken, was die Chinesen sehr gerne sind, sie setzen auf Komfort und auf Convenience und dementsprechend ist alles drumherum ein bisschen so aufgebaut und das ist mega spannend zu sehen, vor allem wenn man sich ein bisschen so auch von die Digitaltechnologie interessiert und gleichzeitig ist es halt für mich hochspannend. Ich habe ja gesagt, als ich mich entschieden habe, die Rolle anzutreten, es ist jetzt aktuell dort, wo es passiert als Automobilindustrie. Also klar, es gibt immer mal wieder interessante Entwicklungen in den USA und so weiter, aber wo gerade die Pace vorgegeben wird und einfach teilweise auch ganz neue Konzepte herkommen und viel ausprobiert wird, weil halt auch teilweise nicht erstmal die Profitabilität im Vordergrund steht von einigen, sondern erstmal am Markt ankommen. Und dementsprechend siehst du halt viele Experimente und kannst da auch viel miterleben. Sie ist interessant auch natürlich, wie sich das Land entwickelt, wie jetzt dort eine sehr junge, gut ausgebildete Bevölkerung natürlich auch ein bisschen offen ist für die Welt. Also das kann ich nur jedem empfehlen, mal nach China zu kommen und sich das anzuschauen. Sie sind ja immer ein bisschen geschlossener, auch rein durch die Firewall, wenn man immer hört, Internet und so weiter. Aber so gut wie alle jungen Chinesen, die keine haben, haben Ausland studiert. Das heißt, die wissen schon, was draußen und drinnen los ist. Das heißt, sie sehen auch ihr eigenes System, entsprechend können sie das einordnen. Und das ist halt sehr spannend, ein bisschen diesen verschiedenen... Seiten der Medaille zu sehen und dass es halt alles ein bisschen nicht schwarz und weiß ist, sondern ganz viele Schattierungen von Grau, was alles so passiert.

  18. Sebastian:

    Vielen Dank, dass du uns auch einen Blick hinter die privaten Kulissen sozusagen noch ein Stück hast blicken lassen. Und das Private spiegelt ja jetzt auch genau diese Erfahrung oder die Eindrücke, die du ja auch im beruflichen Alltag jetzt mitbekommen hast, wieder. Wir sind auf jeden Fall gespannt, was wir da aus China für China noch sehen werden. Danke. Und nach einem solchen Einblick soll man auch noch sagen, dass wir deutschen Herstellern nicht dafür gewappnet sind, eben auch in China einen Unterschied zu machen. Man scheint dafür offen zu sein, man scheint neue Wege gehen zu wollen, um eben auch einen Unterschied am Markt zu machen. Ob das fruchtet, das wird die Zeit zeigen, aber der eingeschlagte Pfad scheint zumindest richtig zu sein, wenn man dem Gespräch mit Pyramin gelauscht hat und das eben auch mitnehmen konnte. Ich bin gespannt auf deine Meinung dazu. Hinterlassen Sie auch gerne eine positive Bewertung bei Apple Podcast. Und schalt gerne kommende Woche wieder ein, wenn die nächste Folge des ER in den Podcast online geht. Mach's gut. Bis dahin. Ciao.