„Electrify the ocean“ – Michael Josts neue Vision

In der dritten und letzten Podcast-Folge mit Michael Jost, dem ehemaligen Chefstrategen des Volkswagen-Konzerns und Gründer von eD-TEC, ging es um die Zukunft der Mobilität – auf der Straße und auf dem Wasser. Wir sprachen darüber, wie sich Besitz, Nutzung und Emotion im Wandel der Branche neu sortieren und warum Markenidentität dabei weiterhin eine zentrale Rolle spielt.

Michael betonte, dass das Auto auch in Zukunft mehr bleiben wird als ein reines Fortbewegungsmittel. „Autos sind Antworten auf die Sehnsüchte der Menschen – sie stehen für Identität und Emotion, nicht nur für Funktionalität.“ Der Wandel hin zu flexiblen Nutzungsmodellen wie Pay-per-Use oder Abo-Tarifen sei zwar unausweichlich, doch dürfe dabei die emotionale Bindung zur Marke nicht verloren gehen. Die Zukunft liege für ihn in intelligenten Kombinationen aus Eigentum und Nutzung – mit modularen, tarifbasierten Angeboten, ähnlich wie wir sie bereits vom Smartphone kennen.

Ein weiterer Schwerpunkt war die Rolle der Software. Hier zeigte sich Jost realistisch, aber optimistisch: Die europäische Autoindustrie habe Nachholbedarf, müsse aber ihre Architekturen konsolidieren, um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben. „Software ist einfach gesagt und schwer gemacht“, fasste er treffend zusammen. Der Weg hin zu einheitlichen, skalierbaren Systemen sei zwar schmerzhaft, aber notwendig, um die Digitalisierung des Autos wirklich zu meistern.

Besonders spannend war Michaels Blick auf den nächsten Transformationsschritt – weg von der Straße, hin aufs Wasser. Mit eD-TEC arbeitet er an der Elektrifizierung des maritimen Bereichs. Sein Ziel: „Electrify the ocean.“ Gemeinsam mit einem internationalen Team hat er ein eigenes Antriebssystem für Hochleistungsboote entwickelt, das durch Effizienz und technologische Raffinesse überzeugt. Der eigens patentierte „Surface Piercing Drive“ ermöglicht hohe Geschwindigkeiten bei vergleichsweise geringem Energieverbrauch. Das erste Boot, ein rund acht Meter langes Performance-RIB mit zwei 200-kW-Motoren, soll bei 30 Knoten lediglich 100 kW Leistung benötigen – genug, um mit einer 100-kWh-Batterie rund eine Stunde vollelektrisch zu fahren.

Doch eD-TEC steht für mehr als Technik. Michael verbindet seine maritime Vision mit einem ganzheitlichen Ansatz. In Kroatien entsteht aktuell die erste grid-free Villa – energieautark durch Solaranlage und Batteriespeicher. „Wenn ich ein Haus CO₂-neutral betreiben kann, warum sollte das auf dem Wasser nicht auch funktionieren?“ fragte er rhetorisch. Sein Ziel ist es, eine kleine, aber inspirierende Bewegung anzustoßen, die zeigt, dass nachhaltige Mobilität auch im Luxussegment funktionieren kann.

Dabei sieht er die Parallelen zwischen Auto- und Bootsbranche klar: Während Autos in Zyklen von wenigen Jahren gewechselt werden, behalten viele ihr Boot jahrzehntelang. Transformation brauche hier also mehr Geduld – und Pioniergeist. Jost positioniert sich mit eD-TEC bewusst in einer Nische oberhalb von Porsche, um Innovation und Exklusivität zu vereinen. „Wir wollen kein Bootsbauer sein, sondern ein Technologielieferant für die maritime Industrie,“ erklärt er.

Am Ende unseres Gesprächs spürte man, dass Michael Jost nicht nur Visionär, sondern auch Realist ist. Seine Projekte zeigen, wie tiefgreifend Mobilität gedacht werden kann – jenseits von Antrieben, hin zu Erlebnissen und Systemen, die Energie, Technik und Emotion verbinden.

Nun aber genug der Vorrede – tauchen wir ein in die dritte und letzte Folge mit Michael Jost, in der es um nichts Geringeres geht als die Zukunft der Mobilität auf Straße und Meer.

Edit speaker mapping

Change displayed names for speaker IDs in this transcript.

Transcript

  1. Intro:

    Elektroauto News. Der Podcast rund um das Thema Elektromobilität. Mit aktuellen Entwicklungen, Diskussionen, Interviews und vielem mehr.

  2. Sebastian:

    Servus und herzlich willkommen zu einer neuen Folge des Elektro-Auto-News-Pro-Net-Podcasts. Ich bin Sebastian und freue mich, dass du heute wieder eingeschaltet hast. In der aktuellen Folge habe ich zum aktuell dritten und letzten Mal Michael Jost, Ex-VW-Chef-Stratege und Gründer von eD-TEC, einem Unternehmen, welches im maritimen Bereich unterwegs ist und darüber werden wir uns heute schwerpunktmäßig austauschen. Die Vision dahinter, die Ansätze, die man verfolgt und wie man das Ganze eben auch ganzheitlich im Sinne der Energiewende denkt. Wir gehen direkt rein ins Gespräch mit Michael. Viel Spaß damit. Jetzt würde ich gerne mit dir, Michael, noch das Thema Neumobilität, Geschäftsmodelle und eben auch der Wandel abseits der Straße ein Stück weit betrachten, weil das betrifft dich ja jetzt aktuell mehr denn je, kann man doch sagen. Wir hatten im einen der vorigen Abschnitte schon mal über die Veränderung von Geschäftsmodellen gesprochen. Wir kommen weg vom einmaligen Kauf hin zu Veränderung. PayPal-Usage pro Kilometer dicht gefahren bin, gerade wenn wir auf autonomes Fahren blicken. Aktuell ist es aber auch so, greifbarer ist Leasing, Abo-Sharing als Geschäftsmodelle, die, ich sag mal, schrittweise immer mehr etabliert sind oder etabliert werden. Was glaubst du, wo werden wir in den nächsten Dekaden stehen? Wird der Kauf überhaupt noch ein Thema sein? Werden wir dazu übergehen, Fahrzeuge nur noch nach Kilometer, nach Anwendungszweck zu holen, wo ich sage, okay, ich gehe jetzt mit der Familie aus München heraus, Ausflug machen, ich bezahle jetzt einen größeren Kilometerpreis, weil ich eben den Van nehme, mit dem ich unterwegs sein werde. Wie siehst du da die Entwicklung und was ist auch notwendig für die Hersteller, damit sie überleben können?

  3. Michael Jost:

    Also ich glaube, sollte es so sein, dass Mobilität völlig markenfrei, designfrei, identitätsfrei erfolgt, spätestens dann wäre die deutsche und europäische Automobilindustrie am Ende. Das ist so. Glaube ich, dass das passiert? Nein. Weil mein Statement eben war zum Thema, was zeichnet Marken aus? Und dann sind Marken die Antwort auf die Sehnsucht von uns Menschen. Und eine Sehnsucht da drin ist immer das Thema Identität. Und das Thema Marken auch für junge Menschen ist bedeutend. Da muss Hugo draufstehen, da muss Boss draufstehen, da muss Gucci draufstehen. Das heißt... Das macht ja im Produkt noch gar keinen Wert. Aber die Fantasie, diese Community, die sich damit positioniert und so ist das Auto. Was steht von meiner Garage? Was steht von meinem Haus? Mit was komme ich gefahren? Natürlich ist das nicht 100 Prozent, weil 20 Prozent sagen, ich brauche kein Auto, weil ich lebe in einer Megatown München, Hamburg. Wozu brauche ich ein Auto? Weil ich habe gar keine Möglichkeit, dass mein Auto jemand sieht. weil ja keiner dran vorbeikommt. Aber in dem Moment, wo man ein bisschen aus diesen Mega-Zentren rauskommt, ist Auto sicherlich ein bisschen der Maßanzug, den ich als Kleidung habe. Ich glaube auch nicht, dass wir alle demnächst graue Kleidung tragen, sondern ich glaube, dass wir immer mit unserer Kleidung, mit unserem Behavior, mit unserer Brille, mit unseren Schuhen, da sagen wir ja was aus, was ich bin. Und das wird beim Auto auch meine Überzeugung sein. Aber muss das Auto deswegen klassisch gekauft sein und der Hersteller hat aus der Grossmargin seinen Profit geholt? Oder sagen wir, was wäre denn, nehmen wir jetzt mal ein Golf GTI, so ein Emotionsprodukt, oder ein ID GTI, wenn wir in dieser neuen Nomenklatur sprechen wollen, dann ist da schon mal eine jede Menge Emotionen drin. Und wenn dieses Auto eben nicht 50.000 Euro kostet, sondern nur 25.000 Euro kosten würde, dann könnte ich das schon mal haben. Und wenn ich dann sage, damit habe ich schon mal einen Monat, kann ich frei fahren. Und wenn ich wieder fahren will, muss ich wieder ein paar Euro dazu werfen. Und dann ist es unterschiedlich. Ist es Kilometer mit Versicherung? Ist es Kilometer mit Service? Ist es Kilometer mit Navigation? Also diese Subscription, diesen Tarif, den wir alle mit unserem Smartphone gelernt haben. Da ist Flatrate ja auch nicht mehr flat. Da ist Flatrate ziemlich flat, aber nicht überall. Das heißt, ich muss wegkommen von diesen ganz anderen Themen und das schauen, was da passt. Und vielleicht dann auch noch bundlen mit anderen Leistungen, mit Energieleistungen. Nach dem Motto, okay, ich habe da noch einen Energievertrag, weil ich wohne auch noch irgendwo, habe noch mein Balkonkraftwerk oder dies oder das oder jenes. Also da bedarf es ein bisschen Kreativität. Da muss ein neues Produktpackage geschnitten werden. Da tut sich die Autoindustrie total schwer mit, weil einfach nur Sitzheizung verkaufen ist vielleicht noch nicht clever genug, weil die Leute suchen dieses Interessante und das muss alles seamless sein. Das muss ganz geschmeidig passieren. Da poppt hoch, willst du heute 20 kmh schneller fahren können? Dann drücke ich da drauf, kostet 3,50 Euro, drücke ich da drauf. Oder ich habe eine bessere Route für dich. Soll ich die wählen? So 10 Cent. Also ich muss ja in so eine Geschichte kommen. Und dann muss das cool, dann muss es ein Erlebnis gewesen sein. Dann sage ich, was war das für eine Scheißstrecke? Dann war es halt nicht richtig, das Produkt. Und dann, glaube ich, wird ein Mix aus Besitz, Eigentum und Nutzung. Und der, der den besten Mix schafft, das beste Produkt. Und ich finde, das ist einfach eine schöne Zeit, wo sich eine Marke eigentlich jetzt damit auseinandersetzen kann. Und da kann ich nur noch an die Marken alle appellieren. Das muss ja auch nicht gleich auf die gesamte Marke. Ich kann ja ein Sondermodell machen, was nur über so ein Modell geht. Dann ist das das Modell sexy, das Modell fresh, das Modell future, das kann ich ja nennen, wie ich bin und dann weiß jeder, wow, das ist ein anderes Geschäftsmodell dahinter, der hat einfach frontendmäßig gar nicht so viel Geld ausgegeben, aber der lebt jetzt aus diesem. Dann muss ich natürlich in der gleichen Zeit ein Stück weit aufhören, weil wenn ich ein 60.000 Euro Auto für 250 Euro flat leasen kann, dann passt die Welt nicht zusammen. Und deswegen ist wahrscheinlich die Autoindustrie, weil sie sich auf der einen Seite ein Stück weit ins Absurdum positioniert hat, tut sich jetzt total schwer, sich daraus wieder zurück zu befreien. Aber dafür muss man mal drei Tage nachdenken. Und ein hochinteressantes Produkt, was nicht physisch, sondern 50% physisch und der Rest ist Subscription oder Tarif oder wie wir es dann auch nennen wollen.

  4. Sebastian:

    Und die Basis dafür, die ist ja auch vorhanden schlussendlich. Das Beispiel, was du eben genannt hast, 20 kmh schneller, ist ja wunderbar greifbar, weil wenn ich jetzt nur von zu Hause zum Arbeitsplatz fahre, brauche ich das nicht. Wenn ich jetzt aber in den Urlaub fahre und gebe meine Route ein von München nach Berlin hoch, dann weiß ich ja, vielleicht möchte derjenige, welche auch schneller am Ziel sein, ist dann bereit, eben diesen Aufpreis zu zahlen. Die Daten sind im System vorhanden, weil ich gebe es in mein Navi mit ein. Also ich kann ja den User, den Fahrer dann auch dementsprechend abholen. Da stelle ich mir bloß die Frage, Die deutschen Automobilhersteller haben es in der Vergangenheit nicht so, auch die, nennen wir es mal europäischen Hersteller, noch nicht so bewiesen, damit sie das Thema Software 1A können. Sie sind besser geworden. Wie will man dann Subscription verstehen? Also das ist ja noch ein längerer Leidensweg.

  5. Michael Jost:

    Gut, ich meine, es ist natürlich tatsächlich so, dass das Thema Elektroarchitektur, Software einfach gesagt und schwer gemacht ist. Und wir haben ja im VW-Konzern mit Cariat ja auch, aus meiner völligen Überzeugung, würde ich auch heute immer wieder sagen, richtiger Weg. Aber es muss uns klar sein, es dauert mindestens zehn Jahre leiden, weil wenn ich aus heute sechs, sieben Elektroarchitekturen, die wir in den verschiedenen Fahrzeugen haben und pflegen, auf eine zurückkommen will, dann ist es ein langer, schmerzhafter Weg. Leider haben wir den Karyats auch die Gegenwart umgehängt, nämlich das Tagesgeschäft. Und damit sind die natürlich untergegangen wie ein Stein. Wir werden am Ende an einer Architektur nicht vorbeikommen, weil wir uns mehrere Architekturen in der Pflege ja nicht leisten können. Und das Geld, was ich in Software, in Brain, muss ja am Ende auf eine Menge Autos umgelegt werden. Das hat ja nichts mehr mit dem einzelnen Auto zu tun. Das muss ja wie so eine Lizenz, muss das ja am Ende umgelegt werden. Deswegen ist auch entscheidend, wie viele Autos pro Architektur du überhaupt kannst. Kann ich eine Summe an Investitionen auf 2 Millionen Autos pro Jahr verteilen oder kann ich es auf 14 Millionen pro Jahr verteilen? Das ist die Challenge, die den ein oder anderen Wettbewerber noch ereilen wird. Von daher ja, aber Repetition is a mode of skill. Also wenn wir es nicht tun, werden wir es nicht lernen, wenn wir es nicht lernen, sind wir nicht mehr dabei. Also müssen wir es tun und müssen wir es trainieren und hoffen, dass wir unsere Kunden dabei nicht zu lange und zu intensiv quälen.

  6. Sebastian:

    Jetzt wollen wir mal von hier aus den Schwenk, der nicht so ganz einfach ist, aber wir versuchen es trotzdem mal. Auch Thema Mobilität bleiben wir. Thema, was dich jetzt aktuell beschäftigt, ist fernab der Straße, ist jetzt eher auf dem Wasser unterwegs. Wir sehen es auf deinem Shirt, eD-TEC steht mit drauf. Du treibst den Mobilitätswandel jetzt noch in einem anderen Bereich voran, nachdem du aus dem VW-Konzern ausgetreten bist. Magst du uns da mal ein Stück weit abholen, was dich aktuell beschäftigt in deinem Tagesgeschäft dann auch?

  7. Michael Jost:

    Ja, also jetzt, wie kommen wir zum Meer? Ich bin nicht auf dem Meer geboren. Also ich musste auch relativ alt werden, um mit dem Meer zusammenzukommen. Und ich bin immer ein Freund von großen Herausforderungen. Und ich habe irgendwann mal durchaus mit meinem früheren Arbeitgeber, der übrigens BMW heißt, war ich mal als einer etwas Erfolgreicheren eingeladen auf so eine Regatta irgendwo bei schön blauem Wasser, einer Segelregatta und habe gelernt, Durchaus über rund 25 Jahre habe ich gelernt, Mensch, wenn man so ein Segel richtig einstellt, dann kannst du schneller fahren als die anderen. Und das war dann eigentlich gar nicht so kompliziert. Da habe ich gesagt, das ist doch mal was für unsere Familie. Und ich bin leidenschaftlich Familie. Und dann haben wir gesagt, okay, das ist was. Ich habe kein Boot, ich kann es nicht fahren und mir wird immer schlecht. Und so ging es fast der gesamten Familie an. Da haben wir gesagt, und das schaffen wir. Als erstes haben wir natürlich das Boot angeschafft, erst das Objekt der Begierde. Dann haben wir den Segelschein gemacht am Bodensee und dann haben wir geschaut, wie wir das Thema Seekrankheiten ein Stück weit in den Griff kriegen. Ich glaube, wir haben es nur ein Stück weit in den Griff gekriegt. Wir fahren halt bei ganz schwerem Wetter nicht raus. Und ich sage immer, das Thema Wasser, Meer, Crew ist für mich die höchste Form der Verantwortung. Und ich glaube, ich habe in meinem Leben schon Verantwortung in einem VW-Konzern und auch anderen Themen, wo man wirklich für viele Menschen verantwortlich ist, für mein Unternehmen verantwortlich ist. Aber die höchste Form der Verantwortung ist, bei einem bestimmten Wetter zu entscheiden, ob du den Hafen verlässt oder nicht. Weil da draußen kommt kein ADAC. Da draußen bist du auch alleingestellt. Du kannst natürlich eine Rettungsboje rauswerfen, aber das willst du nicht. Das heißt, du bist für eine Crew wirklich so verantwortlich, dass du gut überlegst und wenn du dann noch das Kreuz hast und bist rausgefahren, stellst du fest, das war eine schlechte Entscheidung und fährst wieder rein und musst den Spott aller anderen anhören. Aber dann ist das Größe. Und deswegen sind wir dem Meer sehr verbunden und waren dann auch parallel zu meiner Welt VW immer relativ schnell auf dem Meer und dann für uns, und wir haben glaube ich fast alle großen Weltmeere gesehen, und haben für uns festgestellt, dass die Welt in Kroatien, also direkt vor der Haustür, gut erreichbar ist, mittlerweile in der EU integriert ist, in dem Euro integriert ist, in den ganzen rechten Welten integriert ist und mit einer Inselwelt versehen wurde von Gott, die nicht vergleichbar ist. Und dann haben wir uns mit dem Thema Meer beschäftigt und als dann diese Zeit Elektro und VW, dann habe ich gesagt, ich sage jetzt wollen wir das Thema Elektromobilität, Electrify the Ocean. Und jetzt bin ich immer ein Freund, der redet zwar durchaus, weil es gibt auch regelmäßig Hinweise, aber ich habe auch einen eigenen Track Record. Und da haben wir gesagt, okay, wir entwickeln einen eigenen Technologie-Stack für ein Antriebssystem, und zwar für ein performantes Antriebssystem. Haben dazu ein internationales Team, Familie und internationales Team. Und leider hatte ich mit meinen Junioren keine Sandburg gebaut. Aber weil ich die Zeit und auch die Muße nicht hatte. Aber mit den Jungs haben wir zusammen die Strategie für einen Technologie-Stack gemacht. Den haben wir auch dann komplett entwickelt. Einen kompletten Surface-Piercing-Antrieb entwickelt. Also einen Antrieb, der energetisch bei hoher Geschwindigkeit sehr vernünftig ist. Also erheblich vernünftiger als Unterwasser-Propeller. Haben dazu auch eine Patentanmeldung, haben dazu auch das Patent bekommen. Also es ist durchaus ein geistiger Mehrwert entstanden. Haben dazu sogar eine Bundesforschungszusage bekommen. Also es ist auch dort anerkannt, dass das ist. Und wir haben natürlich gesagt, wir können natürlich nicht nur einen Antrieb, auch wenn wir uns auf die Technologie konzentrieren, hilft es nicht, eine Technologie in den Koffer zu zeigen, sondern wir brauchen auch ein Boot. Wir haben dann dazu mit einem Partner am Bodensee ein Vollkarbonboot gebaut und entwickelt. Und das ist auch in diesem Jahr in den Performance-Bereich gekommen, den wir wollen, weil wir wollen ja nicht nur ganz viel Leistung haben, sondern wir wollen eigentlich ganz wenig Leistung pro Kilo, also pro nautische Meile brauchen. Also auch da muss man wieder diese Rechenalgorithmen haben und wir haben dort ein Boot, das muss man sich als 10 Meter Rip vorstellen. Das hat 2x2 Kilowatt Spitzenleistung, was aber gar nicht wichtig ist. Es geht darum, wie wenig Leistung brauche ich. Und dieses Boot ist auf eine Cruising Speed von 30 Knoten ausgelegt, was schon sehr schnell auf dem Wasser ist. Und bei diesen 30 Knoten soll es einfach nur 100 Kilowatt benötigen. Weil dann kann ich mit einer 100 Kilowattstunden Batterie eine Stunde fahren, also 30 Meilen erreichen. Und 30 Meilen ist nach unserer Einschätzung, was du problemlos auf dem Lago Maggiore rauf runterfahren kannst, was du auf allen großen Seen fahren kannst, was aber auch, wenn man das Haus am See hat, rausfährt oder auf einer großen Superjacht hat, als Beiboot, also einen gewissen Markt. Es ist aber Die Nische in der Nische. Also wenn ich sage, electrify the ocean, wird das einfach... im Wesentlichen für die Fans sein. Das wird für eine kleine Zielgruppe sein, das ist in der Positionierung oberhalb von Porsche, weil es einfach deutlich teurer ist, das zu tun und dort noch mehr Herausforderungen bezüglich Reichweite und Charging. Aber wir haben es dieses Jahr geschafft, an unser eigenes Ziel ein Stück weit ranzukommen. Es fehlt noch ein bisschen, aber wir haben einen guten Plan fürs nächste Jahr.

  8. Sebastian:

    Das hört sich ja schon mal sehr gut an und du kannst jetzt auch die Parallelen zielen bei diesem Transformationsprozess vom maritimen Bereich zum Automobilsektor. Wo unterscheidet es sich, wo ist es gleich, wo kann der eine von dem anderen Bereich vielleicht was lernen?

  9. Michael Jost:

    In dem Bereich, wo wir jetzt gerade unterwegs sind, ist es ja der Leisure-Bereich. Also der Bereich, den die Welt nicht braucht, aber wir als Emotionsbooster natürlich haben. Und in vielen Bereichen, auch wenn es um Thema Naturschutzgebiete, Fjorde etc. sich durchsetzen wird. Es wird aber noch länger dauern, weil... die Bedeutung, die Investitionsbereitschaft einfach nicht so hoch ist. Die Summe an Booten, die verkauft werden, die Summe an Autos, die verkauft werden, die Menschen sind dort noch traditioneller. Ein Boot fährt man 10, 20 Jahre, das gleiche Boot, ein Auto fährt man maximal drei Jahre, zumindest in der Welt, wo ich so, in der Leasing-Welt. Also in der Dienstwagenwelt, ich kenne keine Dienstwagenwelten, die länger als drei Jahre überhaupt laufen. Das heißt, dann tauscht man das Auto, hat das nächste. Das heißt, es ist noch ein viel längerer Zyklus und damit ist auch die Veränderungsgeschwindigkeit viel, viel langsamer. Aber deswegen ist es uns wichtig, hier es zu zeigen, dass es geht, einen Impuls zu setzen. Und das kombinieren wir ja nicht nur damit, dass es geht, sondern sind jetzt selbst dabei, natürlich relativ regional, aber da schauen auch schon einige hin, dass wir in einen Lokalbereich anfangen, auch jetzt grid-free Villen zu bauen. Das heißt also, das Thema Immobilität kombinieren. Das heißt, wir bauen dort auch in Kroatien, auch als Editec-Resort, die erste grid-free Villa. Das heißt, diese Villa ist natürlich sehr nett zum Wohnen, mit allem, was da an Luxus möglich ist, ist aber gleichzeitig energieneutral. Das heißt also, auch diese Villa hat 40 Kilowatt Peak Solar, hat 120 Kilowattstunden Speicher, damit ein Pool reuefrei warm ist, die Innenräume klimatisiert, beheizt und ventiliert werden. Also das heißt, gridfree. Und die Menschen, die sowas haben, die wollen dann auch sage ich mal, CO2-neutral auf dem Wasser unterwegs sein, weil die Wasserstraße ist kürzer als die Straße mit dem Auto. Und jetzt geht es ganz logisch von da weg, wie weit kann ich denn damit kommen, wenn ich in die Inselwelt rausfahre. Also sind wir dort wieder mit verschiedenen Restaurantbesitzern, ob wir dann nicht da draußen auf den Inseln einen Energiespeicher hinstellen, Weil die haben natürlich auch ein Energieproblem, aber auch die unterstützen wir jetzt, dass die so ihre Solarflächen kriegen und Speicher. Das heißt also auch Speicherpacks. Und ich hatte es ja eben schon gesagt, wir haben jetzt hier gerade selber zwei Systeme privat in Betrieb genommen, wo wir große Solar und große Speicher, weil die Verfügbarkeit und die Preise dafür sind ja zurzeit charmant. Und damit bauen wir praktisch eine eigene kleine Infrastruktur Step-by-Step auf. Und so führt das dann nach und nach dazu, dass auch bei Seefahrern, und ich sage, wenn die Seefahrer, also nicht die Kapitäne, sondern sehr häufig ja die Crew, also die Menschen, die die Owner oder die Gäste sind, wenn die alle elektrisch fahren, werden die es dann noch aushalten, einen großen Diesel anzuwerfen. Oder wenn sie irgendwo sind, einen Dieselgenerator zu betreiben, damit die Eiswürfel auch kommen. Also ich glaube, dass wenn die Welt erst mal elektrisch auf der Straße ist, relativ schnell nicht mehr aushalten, dass die Boote noch verbrennerisch sind. Und dann kommen natürlich gerade in der Seewelt Bereiche, wo einfach Naturschutzbereiche sind oder Seen, wo man einfach kein Geröhre, keine Emissionen, mehr haben möchte. Also von daher, da sind wir sicherlich sehr, sehr weit vor der Welle, aber es macht uns total Spaß und wir sehen, wie viele Emotionen da sind, wenn die Leute sehen, wow, ihr seid voll elektrisch, yeah, wow. Also du hast total viele Fans an der Stelle.

  10. Sebastian:

    Was du ja auch wieder aufzeigst in dem Beispiel, Mobilität geht hier auch nur mit der Energiewende Hand in Hand.

  11. Michael Jost:

    Ja, das ist so. Aber wenn ich ein Haus... CO2-neutral durch, sagen wir mal, Solar und Speicher schaffen kann. Zumindest mal, wenn ich es von Grund auf plane. Es gibt natürlich viele Häuser, die einfach aufgrund der, sagen wir mal, des Ist-Zustandes, der Ausrichtung, vielleicht mitten im Wald oder was auch immer, da gibt es ein paar. Aber der Mainstream, Nach allem, was ich jeden Tag, wenn ich so durch die Welt fahre und sage, das wäre ja cool, wenn da Solar und so. Und Kroatien ist total auf dem Vormarsch. Die wollen, sagen wir mal, in zwei Jahren muss jedes Haus, muss jedes neue Haus energieneutral sein. Ja, also die sind dabei. Was natürlich in Kroatien auch ein Stückchen leichter ist, weil dort weniger Nebel ist, als wir gerade hier in München erleben. Aber Die können natürlich viel schneller durchtransformieren als wir. Aus der Lokalität, aus der Sonnenstunde und so weiter. Aber wir haben hier einfach auch mehr Kapital. Wir könnten also einfach etwas mehr Fläche auf den Bedarf auslegen.

  12. Sebastian:

    Also es geht. Gen tut das natürlich. Jetzt nimmt er auch bewusst diese Vorreiterrolle ein, treibt das Ganze voran, sei es jetzt in der Technik. die ja spürbar Fortschritte gemacht hat dann in dem Bereich vor allem, für eine sehr nischige Zielgruppe, aber man kann trotzdem was daraus lernen. Auch dort kann Transformation funktionieren schlussendlich. Was meinst du, wie kannst du das für euch entwickeln und was sind die Pläne dahinter? Weil schlussendlich treibt jetzt erstmal Technik. Wollt ihr aber, wenn wir jetzt bei dem Bild von vorhin bleiben, dann auch die Marke sein, die das Ganze vorangetrieben hat, damit man euch damit verbindet mit dieser Vorreiterrolle, so wie das vielleicht Tesla jetzt im Pkw-Bereich war. Wie habt ihr euch da strategisch aufgestellt?

  13. Michael Jost:

    Ja gut, wir adressieren natürlich aktuell Wie alle großen Transformationen startest du in dem Gesellschaftscluster postmoderne Menschen. Ich bin ein Freund von dem Sigma-Gesellschaftsmilieu-Modell, wo du oben rechts die Postmodernen und unten links die eher Funktionalausrichtung haben und oben links die Dominanten. In meinem Weltbild ist es oben links immer sind die Mercedes-Menschen, oben rechts sind die BMW, Porsches, Audis, die auf dieser Welt sind. Und dann in dem Funktionalen kommst du dann eher an die, die im Volumengeschäft unterwegs sind. So ganz grob. Wir starten also in den postmodernen Menschen. Also Menschen, die bereit sind, mehr Mut, mehr Risiko für eine neue Technologie auszugeben. Diese Menschen adressieren wir. Wir gehen bewusst, natürlich, du hast ja gesehen, Editec, wir haben die Namensrechte für die Idee, wir machen immer wieder Editec, auch das Ressort ist Editec-Ressort, weil wir wissen, was Marke kostet. Ist es schon eine Marke? Vermutlich nicht, aber es dauert seine Zeit. Und wir haben die Hoffnung, je mehr man zeigen kann. Deswegen haben wir gesagt, wir müssen so ein Boot haben, um die Technologie zu zeigen. Weil am Ende wollen wir nicht Boote bauen, sondern wir wollen ja Zulieferer für die Bootsindustrie werden. Oder am Ende jemand finden, der sagt, das ist so eine coole Story, können wir da einen Share von haben. Oder können wir viel Share davon haben. Für sowas sind wir bereit. Ich bin jetzt in einem Alter, wo meine Risikobereitschaft eine gewisse Übersicht bekommt, weil meine Runway läuft halt nur noch begrenzt. Also ich kann meine Fehler nicht mehr gut korrigieren. Also sind wir dort mit Bedacht, also eher auf einer Marathon-Schiene und nicht auf einer Sprint-Schiene. unterwegs. Wir haben Junioren, die das natürlich auch ein Stück weit mit betreiben, aber die auch ihr eigenes Geschäft, also wir bringen da keinen mehr in Gefahr. Jetzt zeigen wir als nächstes eine Villa, eine Grid-Free-Villa. Wir haben für fünf Villen die Flächen gekauft, so das heißt also, wenn da der Weiße Ritter kommt und sagt, ich möchte ein Boot, ich möchte einen Antrieb, ich möchte eine Villa, dann haben wir das. Wenn diese Ritter nicht kommen, brauchen wir immer eine Villa für uns, ein Boot für uns, ein Auto für uns und wollen dann als Familie reuefrei das Leben genießen.

  14. Sebastian:

    Wunderbare Schlussworte. Vielen Dank für deine Zeit, Michael, für die Einblicke, die ich bekommen habe hier. Ich habe doch einiges mitnehmen können. Danke dir.

  15. Michael Jost:

    Ja, gerne. War mir eine große Freude. Ich hoffe, es war viel Sinn dabei.

  16. Sebastian:

    War auf jeden Fall spannende Einblicke, die uns Michael mitgegeben hat in dieser dritten von drei Podcast-Folgen, die wir eben hier in den letzten Wochen auf Elektroauto News veröffentlicht haben. Ich hoffe, du konntest einiges mitnehmen, hast ein bisschen was gelernt. Und mich würde natürlich interessieren, möchtest du öfter solche Podcast-Reihen, wo man mehr in die Tiefe geht, ein Stück weit mehr dann auch über die Person erfahren kann und die Vision, Mission und Philosophie dahinter. Dir auf jeden Fall vielen Dank fürs Zuhören bei der aktuellen Folge und schalt gerne kommenden Sonntag wieder ein, wenn die nächste Folge des ERN-Podcasts online geht. Mach's gut, bis dahin, ciao.