Total Energies über den Weg hin zur Multi-Energie-Tankstelle

Im Gespräch mit Mathias Knauer, Head of Sales & Solutions TotalEnergies Charging Solutions Deutschland GmbH

In der aktuellen Folge beschäftigen wir uns mit dem Thema Ladeinfrastruktur, Ladeinfrastrukturausbau hier in Deutschland. Zu Gast habe ich Mathias Knauer, seines Zeichens Head of Sales & Solutions bei der TotalEnergies Charging Solutions Deutschland GmbH, die 2022 gegründet wurde. Gemeinsam unterhalten wir uns über die Entwicklung hin zur Multienergietankstelle und darüber hinaus.

Denn genau damit beschäftigt sich Matthias, mit den Ladeaktivitäten außerhalb von Tankstellen. Das heißt zum einen Ladaktivitäten beim Arbeitgeber, zu Hause, in Städten, im urbanen Alltag. Und da tauchen wir direkt rein ins Gespräch mit Mathias – viel Spaß damit.

Shownotes:

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Transcript

  1. Intro:

    Elektroauto News. Der Podcast rund um das Thema Elektromobilität. Mit aktuellen Entwicklungen, Diskussionen, Interviews und vielem mehr.

  2. Sebastian:

    Servus und herzlich willkommen bei einer neuen Folge des Elektroautonews.net Podcast. Ich bin Sebastian und freue mich, dass du diese Woche wieder eingeschaltet hast, wenn wir uns mit dem Thema E-Mobilität beschäftigen. In der aktuellen Folge beschäftigen wir uns mit dem Thema Ladeinfrastruktur, Ladeinfrastrukturausbau hier in Deutschland. Zu Gast habe ich Mathias Knauer, seines Zeichens Head of Sales & Solutions bei der TotalEnergies Charging Solutions Deutschland GmbH, die 2022 gegründet wurde, um sich eben hauptsächlich mit den Ladeaktivitäten außerhalb von Tankstellen zu beschäftigen. Und das heißt eben zum einen Ladeaktivitäten beim Arbeitgeber, zu Hause, in Städten, im urbanen Alltag. Und da tauchen wir einfach direkt rein ins Gespräch mit Mathias. Viel Spaß damit. Servus Mathias, vielen Dank, dass du dir heute die Zeit nimmst, dass wir uns ein wenig über das Thema E-Mobilität, insbesondere im Hinblick auf die Ladeinfrastruktur, austauschen. Du vertrittst hier heute Total Energy, das ist ein Energieunternehmen, was eben auch in dem Bereich arbeitet. Fuß fast Fuß gefasst hat und natürlich da auch in Zukunft noch weitere Anstrengungen und Bemühungen unternimmt, um den Markt der E-Mobilität auch ein Stück weit mit zu prägen. Bevor wir da allerdings in das Gespräch eintauchen, stelle ich doch gerne mal unseren Hörer, Hörerinnen vor, dass wir auch wissen, mit wem wir es hier zu tun haben.

  3. Mathias Knauer:

    Ja, super. Danke, Sebastian, dass du mich eingeladen hast, dass du uns eingeladen hast zu mir. Ich bin Mathias, bin verantwortlich bei TotalEnergies Charging Solutions Deutschland, einer neu gegründeten Organisation in den letzten Jahren. in Deutschland verantwortlich für zwei Themenbereiche. Einmal ich bin für den Markt verantwortlich, für den Rollout der Stationen und zwar einmal im Eigeninvest außerhalb der Tankstellen und aber auch im Verkaufsmodell an unsere Kunden, denen wir die Ladelösung dann zur Verfügung stellen. Zum anderen bin ich auch für die Produkte verantwortlich, die wir dann am Ende bei den Kunden als auch bei den interessanten Standorten aufbauen.

  4. Sebastian:

    Das heißt, du bist an sich ja schon prägend verantwortlich für den Ausbau der Ladeinfrastruktur bei TotalEnergies in Deutschland eben. Prägst das mit? Du hast gesagt, ihr unterscheidet da zum einen zwischen eigenen Ladeparks, die ihr errichtet und andere, die ihr dann eben über eure Kunden errichten lasst. Kunden, um das kurz klarzustellen, sind das dann die klassischen Tankstellenbetreiber, die das unter eurer Brand machen, nur dass wir das da auch eingeordnet haben sozusagen? Oder was verstehst du darunter?

  5. Mathias Knauer:

    Ne, super Frage. Ne, das sind Unternehmen, die für ihre eigene Flotte Ladeinfrastruktur benötigen. Ich nehme mal ein Beispiel, was auch durch die Medien ging, die Firma IFM Electronics, wo wir dort an deren Standorten bundesweit oder an einigen, die bundesweit verteilt sind, Standorte, Ladeinfrastruktur-Lösungen aufgebaut haben und diese dann dort auch betreiben. Also das ist auch Teil, da kommen wir vielleicht auch im Laufe des Gesprächs nochmal dazu, aber das ist ja Teil der neuen Ladeverhalten-Strategie von den Kunden. Nicht nur, ich sage jetzt mal wie früher oder im Bekannten, an den Tankstellen zu tanken, dort die Energie zu bekommen, sondern am Ende wird ja an viel, viel mehr Stationen in Zukunft geladen am Arbeitsplatz, zu Hause, beim Supermarkt, an der Tankstelle natürlich auch und, und, und. Also da gibt es ganz viele Use Cases, Ladeverhalten und das ist natürlich ein ganz wesentlicher, weil zur Arbeit fahren viele, auch viele Unternehmen haben dort die Möglichkeit, Ladestationen auch aufzubauen. Nicht jeder natürlich, aber es gibt doch da schon großes Potenzial. Das wird auf jeden Fall einer der Bausteine der Zukunft werden.

  6. Sebastian:

    Definitiv. Und das zeigt uns ja auch schon wieder auf, dass es eben nicht nur damit getan ist, irgendwo schnell Lader hinzustellen und damit hat man das Problem der Ladeinfrastruktur gelöst, sondern es muss ja mit Sinn und Verstand angegangen werden, die ganze Geschichte. Und ich denke gerade für euch als Energieunternehmen, hat das ja auch starke Auswirkungen auf euer Geschäftsmodell an sich, weil ihr müsst ja jetzt auch komplett anders denken sozusagen, denke ich mal, wie es bei einer klassischen Tankstelle der Fall ist oder war bisher auf Verbrennerebene. Jetzt dann nochmal unterstrichen durch das Verbrennerverbot ab 2035. Da ist ja jetzt auch Ein Ende ersichtlich irgendwo und es muss ja jetzt Zug auf die Geschichte drauf kommen, damit ihr dementsprechend auch euer Geschäft in 10, 11, 12 Jahren gesichert habt dann sozusagen. Vielleicht magst du dazu mal auch ein paar Worte verlieren, was das für euch bedeutet zu einer Umstellung, weil ich sage mal Automobilhersteller haben an sich schon mit zu kämpfen, für euch ist das glaube ich schon nochmal auf einer anderen Ebene dann zu betrachten, ne?

  7. Mathias Knauer:

    Ja, absolut. Also ein super Beispiel mit dem Automobilhersteller. Das ist natürlich für einen Automobilhersteller sicherlich auch eine Herausforderung, aber die packen in ihre Karosserie einfach einen Elektromotor statt Verbrenner rein und eine Batterie dazu. Und dann kann die Produktionskette relativ gleichmäßig weiterlaufen. Das ist natürlich viel schwieriger, das ist mir schon klar, aber um es mal einfach zu machen. Für uns jedoch hat das doch schon auch größere Herausforderungen und größere Aufwände, die dahinter sind, weil das hat einen riesen Impact auf unser Geschäftsmodell. Wir können nicht einfach an den Tankstellen einfach 1 zu 1 Ladeinfrastruktur hinstellen und dort die Zapfsäulen rausreißen. Das wollen wir auch gar nicht. Das ist auch im Moment noch nicht angedacht. Das ist auch ganz klar. Aber wir sehen einfach, dass das für uns heute, wir müssen heute die Weichen stellen für das Geschäft von morgen. Und wir einfach auch jetzt investieren müssen und uns die tollen Locations sichern, die Marktposition dort, was Elektromobilität angeht, natürlich auch sichern. Auf der anderen Seite wissen wir auch, dass Elektromobilität, und das muss ich halt der Vollständigkeit dazu sagen, nicht das Einzige ist, also batterieelektrische Mobilität, was in Zukunft oder in den nächsten Jahren, Jahrzehnten attraktiv ist. Also wir bauen beispielsweise heute schon an unseren Tankstellen, wir nennen das Multienergietankstelle. Das heißt, dort bauen wir Wasserstoff, CNG, LNG, aber auch Elektromobilität auf. Und das gehört natürlich dann zu einem Mix dazu, der in Zukunft relevant wird. Und kleine Anekdote, der Verbot von Neuzulassung von Verbrenner ab 2035 passt total zu unserer CO2-neutralen Strategie. Wir wollen 2050 CO2-neutral sein und da sind wir wirklich auf hartem Kurs. Und das bedeutet natürlich für uns als Unternehmen tiefgreifender Wandel, wo wir wirklich auch Eigeninteresse haben, dort auch hinzukommen. Und Elektromobilität, letzter Satz, Elektromobilität ist an der Stelle da sicherlich aus meiner Perspektive ein ganz wesentlicher Baustein. Das sehen vielleicht die Kollegen in den anderen Bereichen sicherlich auch so, aber das ist nicht der einzige. Aber das ist das Wichtige.

  8. Sebastian:

    Das ist mir schon klar. Wenn du deinen Kollegen aus dem Wasserstoffdepartement fragst, dass er da seine Präferenzen hat und wenn du in den Gas reingehst, wird das auch nochmal anders sein. Aber das ist ja der Natur der Sache oder des Jobs dann geschuldet. Was ja auch nicht verkehrt ist, dass man breit denkt und dass man da auch je nach... Nutzungskonzept schlussendlich dann auch dementsprechend die ein oder andere Strategie verfolgt und es ist ja auch für euch, sag ich mal, eher positiv oder für uns positiv zu sehen, dass ihr breiter denkt und sagt, okay, wir versteifen uns nicht nur auf diese eine Geschichte, weil eins ist ja auch klar, 2035 gibt es keine neuen Pkw mehr als Verbrenner oder Diesel. Aber wir haben ja auch einen riesigen Altbestand, der ja auch noch vorhanden ist, der ja auch noch betankt werden möchte. Und deswegen verstehe ich auch, dass ihr nicht eins zu eins da eben den Austausch aktuell vornehmen könnt, weil ihr müsst ja auch sowohl die alte Generation versorgen, als auch die Zukunft dann schlussendlich. Und das wird ja auch eine Herausforderung sein. Und zwei Herausforderungen, die du jetzt sozusagen... auch schon benannt hattest. Da zählt das, glaube ich, darauf ein, ist eben dieser Erhalt der kritischen Infrastruktur, eben von dem aktuellen Geschäft und auch der Ausbau, der Einstieg in das morgige. Und da seid ihr jetzt auch dran, eben ein breites Energieangebot zu schaffen. Wie geht ihr das denn aktuell an? Was ist denn der aktuelle Stand der Dinge jetzt, ich sage mal, bezogen auf den deutschen Markt? Was sind da aktuell eure Pläne? Was habt ihr schon kommuniziert? Was könnt ihr kommunizieren? Dass wir einfach mal so einen Eindruck davon bekommen, wie ihr das ganze Thema dann eben auch treibt.

  9. Mathias Knauer:

    Also ein ganz wichtiger Punkt. Das eine ist natürlich, wir haben einfach einen Auftrag hier. Wir betreiben kritische Infrastruktur. Jeder möchte am Ende, der noch kein Elektrofahrzeug fährt, an eine Tankstelle fahren und sicher sein, dass er da morgen auch noch tanken kann, Otto oder Dieselkraftstoff. Das ist klar und das bleibt auch erstmal da. Und um es auch mal ganz einfach zu machen, das ist das, was auch im Moment dieses Neuaufbaugeschäft, wo wir sehr, sehr viel Geld in die Hand nehmen, auch bezahlt. Also das heißt, das wird auch noch bleiben und das ist auch gut so. Und es gibt ja auch noch viele Hürden in der Elektromobilität, das ist auch klar. Ich glaube, jeder hat da schon seine eigenen Storys. Aber nichtsdestotrotz, das muss erstmal bleiben und das müssen wir weiter betreiben. Das Zweite ist, wir müssen halt wirklich gucken, dass wir in Zukunft an relevanten Orten sind, wo später geladen wird. Also da, wie gesagt, ich hatte eben schon angesprochen, die User-Story, das Ladeverhalten wird sich verändern. Und das geht halt dahin, dass es nicht mehr nur an den Tankstellen ist, sondern es ist ganz konkret, es ist an vielen Orten. Überall dort eigentlich, wo das Auto steht, kann es ja auch theoretisch geladen werden. Das ist zu Hause, das ist am Arbeitsplatz, das ist am Supermarkt, also während des Einkaufens. Natürlich aber auch im Transitbereich, wo ich dann schnell mal Energie nachladen muss an der HPC-Ladestation. Und im Grunde genommen sind wir an all den Orten heute schon unterwegs und haben Projekte. Ich nenne mal ein paar Beispiele. Wir bauen jetzt mit dem Berliner Senat in Berlin Ladeinfrastruktur, AC-Ladeinfrastruktur aus. Da haben wir uns Dazu entschlossen, dass wir dort auch mit einsteigen. In anderen Ländern machen wir das schon sehr prominent. In Paris, Amsterdam, London, Singapur, in Brüssel. Also da haben wir schon tolle Projekte. Und in Deutschland jetzt auch in Berlin. Das machen wir. Wir gehen aber auch zu Supermärkten. Das kann ich noch nicht ganz erklären. bestätigen, aber da haben wir eine ganz große Aktivität auch vor und weil es einfach ein relevanter Ort ist, Supermärkte überall, wo man einkaufen kann, ist einfach interessant. Aber auch natürlich, und das hatte ich eben schon gesagt, bei Unternehmen, wo wir Ladelösungen auch verkaufen und dort halt die Elektromobilität für Flotten auch möglich machen. Und also im Grunde genommen an allen Orten und natürlich allen voran an unseren Taxstellen, dass ich das nicht vergesse. Und da geben wir in den nächsten Jahren hunderte Millionen Euro aus, in Deutschland alleine, weltweit mehrere Milliarden Euro, um einfach da relevant zu sein und da die Elektromobilität, also die CO2-neutrale Mobilität auch zur Verfügung zu stellen.

  10. Sebastian:

    Ja, sehr spannend. Vielen Dank schon mal für diese Einblicke und bleiben wir vielleicht mal bei eurem, ich nenne es mal Kerngeschäft jetzt aktuell erstmal noch bei den Tankstellen, weil es wird sich ja nicht nur ändern, dass ihr jetzt anstatt einer Benzintanksäule eine Schnellladesäule beispielsweise hinstellt, sondern ihr müsst ja wahrscheinlich auch dieses ganze Konzept Tankstellen ein Stück weit anders rechnen oder anders betrachten, sage ich jetzt mal, weil... beim Tank bin ich fünf Minuten vielleicht maximal vor Ort, wenn ich jetzt mit einem Schnelllader lade, bin ich halt trotzdem auch eine Viertelstunde bis 20 Minuten da, wo ich ja eventuell als E-Auto-Fahrer-Fahrerin auch ein Stück weit mehr Angebot mir wünsche, erwarte, also ich nutze das beispielsweise, wenn wir längere Touren haben und wir machen dann Stopp, gehen wir halt immer einen Kaffee trinken, essen eine Kleinigkeit, wollen da ein bisschen verweilen, das wird ja auch wahrscheinlich diese ganze Denkweise, die ja Da betrachtet nicht nur auf die Datestation an sich beziehen, sondern eben auch das ganze Umfeld. Kannst du uns da vielleicht ein paar Eindrücke, Einblicke geben?

  11. Mathias Knauer:

    Also das ist eine ganz spannende Frage. Das sehen wir genauso. Also wir glauben, dass wir an unseren Tankstellen heute, die wir heute schon haben, unser Angebot stärker ausbauen müssen, was genau solche Services angeht. Das sehen wir auch genauso. Am Ende wollen wir das nicht mehr Tankstelle nennen oder nennen wir heute schon nicht mehr Tankstelle, sondern Service Station. Das heißt, wir wollen halt hingehen und dem Kunden an dem Ort, wo er halt Energie sich besorgt, einen Service anbieten. Das kann ganz unterschiedlich aussehen. Das ist eine Toilette, das sind warme Speisen, warme Getränke, aber auch vielleicht eine Aufenthaltsmöglichkeit, dass er oder sie dort an dem Ort sich auch wohlfühlt. Und da wollen wir hin. Und da investieren wir auch. Also das ist uns auch sehr bewusst. Wir haben da beispielsweise jetzt auch extra dafür, geben wir neu auch Partnerschaften ein, um die Services einfach in der Qualität nochmal nach vorne zu bringen. Also da sind wir wirklich an vielen, vielen Themen dran.

  12. Sebastian:

    weil ihr wahrscheinlich ja auch seht sozusagen, wenn ich jetzt als E-Auto-Fahrer da die Wahl habe, okay, ich habe hier die Ladestation, da steht auch nur mein Schnelllader, unüberdacht und es regnet halt draußen oder fünf Kilometer weiter hätte ich jetzt von Total Energy eben eine Lösung mit Aufenthaltsraum, warmen Speisen und Getränken, dass ich ja als Fahrer dann auch eher dazu tendiere, euer Angebot dann wahrzunehmen. Das wird ja auch mit Beweggrund dafür sein, weil das Ganze muss ja schlussendlich auch wieder ein Stück weit, das muss ich ja refinanzieren, ihr wollt... Ihr könnt ja nur gewissermaßen in Vorleistung gehen, aber irgendwann muss das ja auch das Altgeschäft sozusagen ersetzen und das wird ja auch ein Teil der Überlegung wahrscheinlich sein von eurer Seite aus.

  13. Mathias Knauer:

    Absolut, ja. Also das ist genau so ein Thema. Wir überlegen uns halt heute, wie wir mit den Riesenassets, also wir haben 1200 Tankstellen in Deutschland und sind damit die Nummer drei in Deutschland, was Tankstellenbetreiber angeht. Das sehen wir auch, dass wir dort was machen wollen und müssen und das ist ja auch klar. Und da wollen wir natürlich hin. Also wir wollen dort die Standorte, die auch relevant sind mit Ladeinfrastruktur. Jeder geht ja auch, also alleine bautechnisch. Da es kein Platz ist, kann ich da auch keine Ladestation hinsetzen oder keinen Netzanschluss verfügbar. Da gibt es ja auch doch die eine oder andere Hürde. Aber klar, da wo es geht und da wo wir der Meinung sind, dass das relevant ist, bauen wir natürlich zum einen unsere Shops aus oder unsere Angebote, unsere Service Station aus. Zum anderen müssen wir da natürlich auch dann ordentlich Ladeinfrastruktur hinbauen, was wir auch tun, heute schon.

  14. Sebastian:

    Ich denke, das ist ja auch der richtige Weg, das dann so anzugehen und auch mit Sinn und Verstand und dort auszubauen, wo es eben auch Sinn ergibt. Dort, wo mehr Immobilisten unterwegs sind, baut man natürlich zunächst mal das Angebot aus, als da, wo vielleicht alle Stunde mal oder einmal am Tag irgendjemand vorbeikommt und mal spontan lädt. Das muss man ja auch ein Stück weit wahrscheinlich berücksichtigen.

  15. Mathias Knauer:

    Ja, ja, absolut. Das spielt übrigens auch eine große Rolle an Standorten, die, jetzt gehe ich mal kurz mal außerhalb der Tankstellen, weil das eher mein Beritt, gebe ich zu, und das ist auch ein ganz neues Feld bei uns, aber das ist natürlich auch das, was uns interessiert. Wir wollen außerhalb der Tankstellen genauso, das Prinzip gilt genauso auch an unseren Tankstellen. Wir müssen am Ende Geld mitverdienen und wollen natürlich da nicht irgendwie eine Station aufs Land stellen, wo am Ende keiner lädt. Das ist vergeudete Ressource, wo an der anderen Stelle ganz, ganz viele E-Fahrer sind, die dort gerne laden würden oder müssten. Und da steht dann keine Station. Also das heißt, da gehen wir natürlich dorthin, wo es relevant ist. Das gilt an unseren Tankstellen als auch außerhalb der Tankstellen sicherlich im gleichen Prinzip. Und da müssen wir natürlich auch gucken, wo wird da geladen? Was sind das für Leute, die dort laden? Haben die überhaupt ein Auto? Wie oft fahren die da hin? Wo ist die Ladestation dann an diesem Ort aufgebaut? Hinterm Haus oder direkt vorne erster Reihe? Wenn ich jetzt an Supermarkt beispielsweise denke. Aber genau, am Ende muss das sich lohnen und sinnvoll sein. Am Ende muss es sinnvoll sein für Kunde als auch für uns.

  16. Sebastian:

    Das denke ich auch, weil sonst kann es ja nicht funktionieren. Jetzt hast du ja vorhin auch schon erzählt, das kommt mit der einen oder anderen Herausforderung sozusagen mit sich. Teilweise mit Herausforderungen, die ihr auch selbst nicht steuern könnt. Also was wir jetzt auch schon mitbekommen haben von anderen Podcast-Teilnehmern oder auch aus Gesprächen aus der Szene, dass gerade diese Kapazität bei den Netzbetreibern im Moment auch so ein Stück weit begrenzender Faktor ist bei dem Ausbau der Schnellladeinfrastruktur. weil Anfragen nicht so schnell beantwortet werden. Die Umsetzung könnte schneller gehen, wie man sich das wünscht. Habt ihr auch solche Erfahrungen geschafft, dass ihr da auch ein Stück weit von außen ausgebremst habt? Könnte jetzt ja auch politischer Natur sein, dass vielleicht Städte dann gewisse Plätze auch sperren und sagen, ja, wir wollen zwar Ladeinfrastruktur, aber bitte nur hier, kurz vorm Wald da hinten, wo eh keiner hinkommt, aber da hätten wir noch Platz sozusagen. Das werden ja auch alles Themen sein, die euch ein Stück weit in eurer also in eurem Vorwärtsstreben dann auch ausbremsen?

  17. Mathias Knauer:

    Ja, also die Elektromobilität hat viele Hürden gehabt in den letzten Jahren und die Hürden sind nicht kleiner geworden, so kann man das sagen. Also wir sehen doch, es gibt verschiedene Themen, die man da sich angucken kann. Das eine ist natürlich, genau wie du sagst, das Thema Netzausbau. Da sehen wir einen wirklichen Bottleneck bei den Netzbetreibern und ich Gehe jetzt einfach mal davon aus, dass die das nicht böse meinen, sondern dass sie einfach mit der Anfrage, mit den vielen Anfragen überfordert sind, weil einfach die zentrale Energieerzeugung plötzlich auf dem Zettel ist, bei denen immer neue Anfragen kommen, Netzausbau muss dort geschehen und dann kommt auch noch jemand, der große Verbraucher da aufbaut, wie Elektro. Also für Ladestationen, für Elektrofahrzeuge. Und das ist natürlich ein großer Hemmschub, muss man einfach klar sagen. Und da kommt direkt das zweite Thema, was dann angrenzt, ist das Thema Trafos. Da sehen wir auch einen riesen Andrang an Trafos. Und das bremst natürlich ungemein, dass wir da nicht so schnell sind, wie wir uns das eigentlich vorstellen. Was wir aber auch sehen mittlerweile, ist auch das Thema der Verfügbarkeit der Ladeinfrastruktur selber. Da haben wir doch auch große Sorge, dass der Markt da schneller hochwächst, als dass die Produktionskapazitäten, ähnlich wie bei den Trafos, einfach nicht hinterherkommt. Das wird sich jetzt aber erstmal zeigen, also ich bin da noch ganz guter Dinge, aber nichtsdestotrotz, das sind schon so kleinere Bausteine, die dazu kommen. Was wir aber auch sehen und wo ich halt auch sehr unzufrieden bin, ist das ganze Thema mit dem Payment-Terminal aktuell. Zum 1.7. sollen wir Payment-Terminal in alle Stationen aufbauen und ich kann da direkt sagen, das ist eines der Showstopper-Themen gerade in Deutschland für Ladeinfrastrukturaufbau. Ich mache es mal ganz pragmatisch. Ich muss heute eine Ladestation bestellen, damit die, ich sage mal, im zweiten Halbjahr da ist. So eine DC-Station, so ganz grob. Aber ich muss die heute schon mit Payment Terminal bestellen. Und das kann ich nicht, weil der Ladestationshersteller möglicherweise noch gar keinem Angebot hat. Das heißt, ich kann noch gar keine Station bestellen, die ich vielleicht im zweiten Halbjahr aufbauen möchte, die Payment Terminal hat. Also das ist wirklich gerade ein großes Thema. Das ist aktuell ein rein deutsches Thema. Ich höre aber auch, dass das möglicherweise ein internationales Thema werden könnte. Aber das ist gerade für die Elektromobilität in Deutschland ein ganz konkreter Showstopper, weil die vielen Unternehmen gerade überfordert sind, was mache ich jetzt eigentlich? Muss ich da jetzt gar nichts machen? Muss ich stillstehen, bis da jemand eine Ladestation anbietet, die das kann? Oder kann ich jetzt doch noch eine kaufen ohne Payment Terminal? Es ist gerade echt ein Thema. Wir sehen das ganz konkret am Berliner Modell, was ich vorhin auch angesprochen habe. Da ist ein Ladestationshersteller benannt, das ist die Firma Copleo, die dort, ich sage mal, von den Spezifikationen halt auch dort vorgegeben ist, ein Stück weit. sicherlich mit links und rechts Ausnahmen, aber dass die Hauptstation, die gerade in Berlin aufgebaut wird und der Ladestationshersteller hat Ende letzten Jahres Insolvenz angemeldet in Eigenverwaltung. Und das ist der einzige Hersteller, der das so richtig auf dem Zettel hatte. Es gibt natürlich links und rechts schon nochmal eine Alternative, aber auch nichts, wo wir jetzt als großer Konzern sagen, das ist Das funktioniert und das ist zuverlässig und das sind schon doch an der einen oder anderen Stelle harte Showstopper oder harte Brocken, die uns auf dem Weg liegen auf dem Pfad der klimaneutralen Mobilität.

  18. Sebastian:

    Vor allem, weil ihr es ja auch nur ein Stück weit selbst natürlich vorantreiben könnt. Ihr habt ja den Willen, das auszubauen. Ihr wollt da was machen. Jetzt gerade das Berliner Beispiel, so wie du es genannt hattest. Ich glaube, bei Cumpleo hatte ja keiner damit gerechnet, dass das solche Schläge macht.

  19. Mathias Knauer:

    Aber nichtsdestotrotz müssen wir jetzt als Unternehmen überlegen, wie gehen wir jetzt mit der Situation um. Für DC haben wir eine Lösung oder sind wir dran, so muss man das sagen. So wie viele andere. Aber für AC werden wir jetzt ganz konkret Aktivitäten auch machen oder haben schon gemacht, auch gemeinsam mit dem Senat, dass wir schon mal eine Stellungnahme abgegeben haben, dass wir nicht in der Lage sind, hier laut LSV, also Ladesäulenverordnung, Stationen mit Payment Terminal, AC-Segment, zum 1.7. aufzubauen. Und ich glaube auch nicht, dass das im Interesse der Bundesregierung ist, dass wir hier daran festhalten an dem 1.7. Also ich gehe davon aus, dass das nach hinten geschoben wird. Die Frage ist nur, wann. Und da ist so die Unsicherheit auch für uns. Wie gesagt, wir sind ganz pragmatisch. Ich muss jetzt Ladestationen bestellen. Und haben die jetzt einen Payment-Terminal drin oder nicht? Weil die werden ja erst dann produziert und das dauert, bis sie da sind. Das sind einfach genau die Überlegungen, die wir uns gerade machen und wir werden höchstwahrscheinlich genau über diese Ausnahmeregelung, die wir dann versuchen zu erwirken, ohne Payment-Terminal die Ladesäulen aufbauen. Könnte ich mir gut vorstellen. Da sind wir gerade bei.

  20. Sebastian:

    Ja, sehr spannend. Also langweilig wird dir anscheinend in deinem Job nicht und auch deinen Kollegen, Kolleginnen. Wollen wir vielleicht noch zusammen so ein Stück weit einen Blick in die Zukunft fahren? Wohin geht denn aus eurer, deiner Sicht die Reise der E-Mobilität? Was können wir denn da in Hinblick auf Ladestationen vielleicht, auf... Batteriegrößen, Reichweiten und so weiter denken, hast du da, habt ihr da Ansätze, Überlegungen, weil ihr denkt ja jetzt nicht nur ein, zwei Jahre im Voraus, sondern ihr habt ja eure Vision 2050 CO2-neutral, das heißt, ich sag mal, ein Zehnjahresplan wird ja irgendwo schon vorhanden sein, wo auch solche Überlegungen dann ein Stück weit mit einfließen werden.

  21. Mathias Knauer:

    Also, das ist eine ganz spannende Frage. Wenn wir jetzt einfach mal ein paar Jahre zurückgucken, da war die 50 kW DC-Säule einfach das Nonplusultra und kein Auto konnte 50 kW laden oder ganz wenige nur und das war irgendwie das Nonplusultra. Und das hat sich heute aber massiv verändert. Die Technologie, die Ladetechnologie hat sich massiv nach vorne entwickelt, aber auch die Batteriegröße und damit natürlich auch die dauerhafte Ladegeschwindigkeit. Oder Ladeleistung in dem Fall. Und was wir erwarten, ist, dass das alles noch mehr wird. Das heißt, die Batterien werden größer werden. Die Ladegeschwindigkeit wird größer werden. Wir sehen die 800-Volt-Technologie, die wirklich jetzt auch in den Massenmarkt Einzug erhält. Die ermöglicht einfach wirklich lange und hohe Ladeleistung. Und das wird sicherlich so weitergehen. Da bin ich mir sehr, sehr sicher. Das hat er für uns jedoch auf der anderen Seite als Ladestationsanbieter, hat das natürlich für uns jetzt die Herausforderung, dass wir jetzt die Technologie setzen, beziehungsweise die Charging-Setup setzen, die in Zukunft dann dort Einzug halten soll. Das heißt, wir müssen jetzt die neueste Technologie einsetzen, 300 kW bis hin zu auch 400 kW Ladestationen. Gerade im Transitbereich an unseren Tankstellen, um einfach sicherzustellen, dass wir dann auch nicht in drei, vier Jahren das gleiche erleben wie mit den 50 kW-Säulen, die dann plötzlich wirklich gemieten werden. Aber das ist das, was wir auch gerade mit einberechnen. Wo wir aber auch uns sicher sind, dass das nicht unendlich weit hoch geht, zumindest im PKW-Bereich. Bei E-Truck sieht das anders aus. Über den MCS-Standard haben wir da ganz andere Ladeleistung. Aber für den PKW-Bereich wird das sicherlich bis 400 kW auch relevant werden. Das bauen wir jetzt genauso auf.

  22. Sebastian:

    Ja, sehr schön. Also vielen Dank für die spannenden Einblicke, Mathias, die wir jetzt hier bekommen haben im Gespräch. Da haben wir doch einiges gelernt, wie so ein Energieunternehmen sich dann auch für die Zukunft oder auch jetzt für die Gegenwart schon aufstellt, ausrichtet und dann aber auch tatsächlich halt schon drei, vier Jahre im Voraus denken muss, gerade wenn man jetzt dieses letzte Thema da hat mit Ladeinfrastruktur. Wie kannst du entwickeln? Wie entwickelt sich Ladeleistung? Das sind ja auch alles schlussendlich Faktoren, die ihr immer nur bedingt in der Hand habt, wo ihr auch nur darauf reagieren könnt, wo ihr am Puls der Zeit seid, müsst dann sozusagen, damit ihr da eben auch, dementsprechend in fünf Jahren noch ein Angebot für eure Kunden dann habt, das die anspricht und wo die auch überzeugt sind. Von daher vielen Dank von meiner Seite aus für deine Zeit, für diese Einblicke, die wir bekommen haben. Und ich bin gespannt, wenn wir uns in Zukunft nochmal austauschen, wie ihr mit den Herausforderungen umgegangen seid und wie eure Kunden, Kundinnen auch euer Angebot dann annehmen, das ihr jetzt gerade auf- und ausbaut.

  23. Mathias Knauer:

    Vielen Dank für die Einladung. Vielen Dank für das Gespräch, Sebastian.

  24. Sebastian:

    Das war sie also auch, die aktuelle Folge mit Mathias Knauer und dem Blick hinter die Kulissen bei TotalEnergies und wie man in Deutschland Ladeinfrastruktur denkt, ausbaut und vorantreibt. Von daher, wenn dir die Folge heute Spaß gemacht hat, Freude bereitet hat, würde es mich freuen, wenn du uns eine positive Bewertung bei iTunes hinterlässt. Hilft uns natürlich weiter, die E-Mobilität noch ein Stück weit raus in die Welt zu tragen. Vielen Dank fürs Zuhören, mach's gut, bis zum nächsten Mal, ciao.