HEIDELBERG Wallbox: Aus der Region in die Welt

Ein Gespräch mit Marco Flach, Head of Sales, Marketing und Produkt Management bei HEIDELBERG

Mit steigendem Interesse an E-Autos, in ganz Europa, steigt auch der Bedarf an passenden Ladelösungen. Dabei findet vor allem die Ladetechnologie der Heidelberger Druckmaschinen AG (HEIDELBERG) Anklang. Das Unternehmen, welches unweit meines Heimatorts seinen Stammsitz hat, stand daher schon länger bei mir im Fokus. Ende März ist es mir nun gelungen mit Marco Flach, Head of Sales, Marketing und Produkt Management, in den Austausch zu gehen, um so ein wenig mehr über den Wandel von Druckmaschine hin zur E-Mobilität zu erfahren.

Dabei gibt Herr Flach direkt zu Beginn zu verstehen, dass man sich mitnichten vom Print-Bereich abwende, sondern sich stattdessen bewusst zum Technologie-Unternehmen hin entwickle. Ein Bereich dieser Entwicklung ist in diesem Fall das Segment Elektromobilität, mit welchem man 2012 erstmals, über Porsche, in Berührung kam. Seit dem hat sich einiges getan. Das Segment hat sich, auch durch die kFw-Förderung getrieben, so stark entwickelt, dass der E-Mobilitätsbereich noch 2022 in eine eigenständige Tochterfirma der Heidelberger Druckmaschinen AG ausgegliedert werden soll.

Welche Rolle die Expertise aus der Druck-Branche spielt? Warum man nicht eine "Eierlegendewollmilchsau" für alle Zwecke entwickeln wolle und was es mit der Kooperation mit SAP auf sich hat. Das hörst du dir am besten selbst an.

Shownotes:

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Transcript

  1. Intro:

    Elektro-Auto-News. Der Podcast rund um das Thema Elektromobilität. Mit aktuellen Entwicklungen, Diskussionen, Interviews und vielem mehr.

  2. Sebastian:

    Servus und herzlich willkommen bei einer neuen Folge des Elektro-Auto-News.net Podcast. Ich bin Sebastian und freue mich, dass du diese Woche wieder eingeschaltet hast, wenn wir uns mit dem Thema E-Mobilität beschäftigen. In der aktuellen Folge schweife ich gar nicht so weit ab oder reise ich gar nicht so weit, zumindest lokal gesehen. Denn es geht nach Waldorf-Wiesloch zur Heidelberger Druckmaschinen AG, die seit 2012 im Bereich der E-Mobilität eine Historie aufbauen oder aufbauen konnten. Seit 2018 das erste Mal mit einem eigenständigen Produkt in der Wallbox am Start sind und dann vor allem durch die KfW-Förderung nach oben getrieben wurden. Im gemeinsamen Gespräch mit Marco Flach, seines Zeichens Head of Sales bei der Heidelberger Druckmaschinen AG für den Bereich E-Mobilität, haben wir uns ausgetauscht, wo man herkommt, wo man sich aktuell befindet und wo die Reise künftig hingeht. Man möchte keine eierlegende Wollmilchsau in Form einer Wallbox, die einfach alles kann, anbieten, sondern spezielle Wallboxen für spezielle Ansätze bieten. Begonnen von der einfachen Home-Eco, die Plug-and-Play-mäßig ganz simpel angeschlossen werden kann, bis zur Energy-Control, wo es dann wieder weitere Auswertungsmöglichkeiten, Möglichkeiten zum Lastenmanagement der Vernetzung gibt. Und auch in der Zukunft möchte man da, soll diese Ansätze eben verfolgen. Aber genug der Vorwort meinerseits, nun direkt rein ins Gespräch mit Marco Flach. Viel Spaß! Hallo Herr Flach, vielen Dank, dass Sie heute die Zeit nehmen, dass wir uns ein wenig über Heidelberger Druckmaschinen unterhalten und vor allem den Bezug zur E-Mobilität, Thema Wallboxen in dem Sinne. Vielleicht stellen Sie kurz die Heidelberger Druckmaschinen mal vor. Ich sage mal, aus dem Namen heraus lässt sich jetzt nicht unbedingt gleich die Nähe zur E-Mobilität ableiten und verlieren auch ein paar Worte über Ihre Person, wie Sie mit der E-Mobilität im Unternehmen in Verbindung stehen.

  3. Marco Flach:

    Sehr gerne. Nochmal herzlich willkommen Herr Henssler, auch von meiner Seite. Ich würde einfach direkt starten, vielleicht ein, zwei Worte zur Heidelberger Druckmaschinen AG vorstellen, weil der Name sagt es ja, wir kommen ursprünglich aus dem Printbereich und haben uns jetzt weiterentwickelt oder wir sind immer noch dabei, uns weiterentwickeln, zu entwickeln zum sogenannten Technologieunternehmen. Ein Bereich davon ist jetzt der Bereich E-Mobilität. Vielleicht zu Anfang einfach mal ganz kurz, warum macht Heidelberg E-Mobility? Mir ist auch immer wichtig zu sagen... Warum wir das machen, dass wir nicht nur auf das Thema springen, dass es hip und modern ist, sondern dass es bei Heidelberg auch eine Historie hat. Und in diesem Bereich bin ich auch tätig, im Bereich E-Mobility und verantworte die verschiedenen Abteilungen Produktmanagement, Sales, Marketing. Bei uns hat alles 2012 begonnen mit dem externen Business. Damals haben wir das so genannt, da gab es ja noch keinen Begriff für Wallboxen, da war das noch eine stationäre Ladeeinheit. Und 2012 haben wir mit einem süddeutschen Sportwagenhersteller die ersten Ladegeräte entwickelt, haben diese auch industrialisiert und auch produziert. Hintergrund ist auch, dass wir sehr viel Expertise haben mit den Stromnetzen dieser Welt. Das bedeutet, eine Druckmaschine läuft wirklich in jedem Land dieser Welt, eine Heidelberg-Druckmaschine. Und deswegen kennen wir auch die ganzen Gegebenheiten, also sprich Richtung Blackout, Stromschwankungen etc. Diese ganzen Variablen der verschiedenen Stromnetzen ist Heidelberg bekannt. Und es war auch maßgeblich ein Einfluss damals, um die ersten Entwicklungen, Ladegeräte zu machen oder herzustellen. Und das war auch dann der Eintritt in die E-Mobility. Und das haben wir gemacht. Irgendwann haben wir gesagt, okay, wir möchten unser Portfolio, unsere Dienstleistungen erweitern und sind somit auf die Idee gekommen, ein eigenes OEM-Produkt im Bereich E-Mobility zu machen. Und das war dann der Startschuss für unsere Heidelberg Wallbox Home Eco. Der Point of Sales war damals April 2018 auf dem regionalen MyMarkt hier in Mannheim. Und da haben wir das Produkt der Öffentlichkeit präsentiert. Und das ist eigentlich immer noch unser Erfolgsbringer. Wir haben dann verschiedene kutenspezifische Designs angefertigt, teilweise nur mit einer anderen Lackierung oder ähnlichem. Und so sind wir eingestiegen.

  4. Sebastian:

    Ja, vielen Dank, dass Sie uns da schon mal ein wenig abgeholt haben und ja, ist ja schon Historie dahinter, zehn Jahre jetzt, wenn ihr euch da seit 2012 mit dem Thema beschäftigt habt sozusagen. Sie haben jetzt gesagt, ihr seid dann 2018 mit einem eigenen Produkt, mit der eigenen Wallbox gestartet, auch bewusst dann im Bereich Heimladen dann sozusagen. Ist aktuell noch die erste Generation dieser Wallbox am Start oder habt ihr seitdem da auch Entwicklungssprünge schon hingelegt?

  5. Marco Flach:

    Wir haben die Wallboxen weiterentwickelt. Wir reden bei uns bei Heidelberg immer von Use Cases. Also welche Wallbox kann man für welchen Use Case einsetzen? Und das finde ich, muss man auch immer bei Vergleichstest begutachten. Und um zu sagen, was ist eigentlich die perfekte Wallbox für uns. Unser Einstiegsmodell, die Home Eco, da haben wir einfach gesagt, diese Wallbox soll zuverlässig und Plug-and-Play sein. Sprich, der Kunde soll sich in diesem Fall keine Gedanken machen, wie vernetzt sich die Wallbox, muss ich das mit dem Handy verbinden, sondern die Wallbox wird einfach nur an der Wand angeschlossen und der Kunde steckt das Kabel ein und das Auto lädt. Das war einfach der Use Case Plug-and-Play. Danach haben wir gesagt, wir machen eine Weiterentwicklung. Wir kommen quasi, wir sagen jetzt untechnisch gesprochen, von unten, haben Standardprodukte und möchten dann auch nach und nach die technologischen Bereiche abdecken. Also technologisch sagen wir, Use Cases mit eigentlich recht konform, OCCP-Anbindungen, App-Anbindungen. Und dann war das Nachfolgemodell einfach unsere Energy Control. Da haben wir dann verschiedene Möglichkeiten, Wallboxen untereinander, ein lokales Lastmanagement zu fahren. vernetzt über einen sogenannten Modbus. Oder man kann auch dann über den Modbus... RTU auch die Photovoltaikanlagen anbinden. Also viele Wechselrichter haben die Möglichkeit von einem Modbusanschluss, man kann so die Wallbox steuern. Ebenfalls gibt es eine Möglichkeit über sogenannten potenzialfreien Schalter, dass man Schlüsselschalter anschließen kann oder wiederum auch an der Photovoltaikanlage, dass man sogenannte Hysterese vorgibt und die Wallbox an und an ausschaltet, wann Strom kommt.

  6. Sebastian:

    Das heißt also tatsächlich, ihr richtet euch dann an den Bedürfnissen des Marktes aus, seid erstmal mit einer einfachen Lösung gestartet, um da erstmal Fuß zu fassen, Erfahrungen wahrscheinlich auch zu sammeln, die dann auch in eure Entwicklung einfließen zu lassen und von daraus ausgehend oder von daraus folgend geht ihr in die einzelnen Use Cases dann sozusagen rein.

  7. Marco Flach:

    Genau, also ich bin da auch ganz ehrlich, ich möchte auch kein Geheimnis darum machen. Wir sind eine größere Firma, wir brauchen auch... einen größeren Absatz der Produkte. Und das geht bei uns nur, wenn wir Produkte industrialisieren. Industrialisieren bedeutet bei uns, wenn man die Wallbox öffnet, dass man eine Platine vorfindet und keine händische Vertragungsarbeit. Das heißt einmal, dass wir prozesssicher arbeiten können, sprich, dass wir ein Nullfehler-Tor haben. Jede Wallbox ist bei uns geprüft zu 100 Prozent, eigener Prüfprotokoll und verlässt funktionsfähig unsere Werkshallen. Und das ist auch der Hintergrund, warum wir gesagt haben, wir fangen an beim einfachen, primitiven Laden. Und das war für uns damals der größte Use-Case. mit den größten Kunden. Bis jetzt hat es sich immerhin noch so bewahrheitet. Es ist unser Highrunner und die Leute verstehen einfach mit der Wallbox, was zu tun ist, die Installation und die Endkunden auch. Und jetzt kommen wir ja nach und nach. Gut, die KfW-Förderung hat das Bild ein bisschen verzerrt. Im Moment sind wir wieder da auf Kurs, auf normalen Use Cases, was die Kunden brauchen. Und da kommt man langsam zu den vernetzten Wallboxen.

  8. Sebastian:

    Jetzt haben Sie ja die KfW-Förderung schon mit angesprochen, auch die Industrialisierung. Ihr seid bei euch am Standort gestartet mit einer Produktionslinie, habt das Stück für Stück ausgebaut. Ich glaube, aktuell sind es vier Fertigungslinien, die ihr im Einsatz habt für die Wallboxen, weil die Nachfrage einfach auch so hoch ist. Vielleicht können Sie das Ganze für uns einordnen. Stimmt das mit diesen vier Produktionslinien? Und was habt ihr denn so für Stückzahlen, die ihr auch nennen könnt, jetzt seit 2018 dann sozusagen an den Mann oder die Frau gebracht?

  9. Marco Flach:

    Genau, da können wir gerne drauf einsteigen. Wir haben ein Produktionsoutput über alle Modelle hinweg, in einem sehr, sehr hohen dreistelligen Bereich, was wir jeden Tag ausliefern als Tagesvolumen. Und da sieht man auch, welche Zuverlässigkeit und Robustheit die Wallboxen haben mit so einem Output. Und die KfW-Förderung hat natürlich das Bild von den Use Cases etwas verzerrt. Es gab ja verschiedene Kriterien für die Förderung und deswegen haben halt viele Leute sich für ein Produkt entschieden. Bei uns war das dann die Energy Control, um zu sagen, okay, ich nehme das Produkt, aber auch nur, weil es eine hohe Förderquote hat. hohe Fördergelder für dieses Produkt gab. Das war der Hintergrund, wo es eine leichte Verzerrung von unseren Annahmen gab, haben wir aber trotzdem bedient. Freut uns natürlich, das ist auch kein Geheimnis. Aber im Moment merken wir jetzt, dass auch die Förderung beendet wurde. Jetzt schauen die Leute auch wieder, okay, was brauche ich, um meine Bedürfnisse zu decken. Habe ich eine Photovoltaikanlage oder muss ich gucken, dass ich meine Tiefgarage, wenn ich in einem Mehrfamilienhaus wohne, mit dem Strom aufteile mit meinen Kollegen von den anderen Wohnungen, dass ich einfach sagen kann, okay, ich habe eine gewisse Strommenge X in der Tiefgarage, die teile ich mir zwischen den Wallboxen auf. Ich kann natürlich separat mit einem Extrazähler abrechnen, aber ich habe nur eine Energiemenge zur Verfügung und da schauen die Leute jetzt wieder vermehrt drauf.

  10. Sebastian:

    Klar, weil wie gesagt, jetzt ist ja die KfW-Förderung nicht mehr da oder zumindest jetzt erst gestoppt. Man weiß ja auch noch nicht, wie es weitergeht da im Moment. Das heißt aber, ihr habt dann schon festgestellt, also vorhin hatte ich noch die Annahme, dass ihr mit eurer Home-Eco, mit der zuverlässigen Plug-and-Play-Lösung, eher auf den Massenmarkt in Anführungsstrichen abgezielt habt, dann hat sich das Ganze aber geschifftet durch die KfW-Förderung auf die Energy Control, weil die quasi die geförderte Ladestation war von Heidelberg, die ihr absetzen konntet. Dann habt ihr da quasi erstmal die Produktion auf diese Ladestation ausrichten müssen aufgrund der erhöhten Nachfrage.

  11. Marco Flach:

    Ja, also wir haben den Forecast etwas umgeschichtet, aber nichtsdestotrotz haben alle Produktionslinien weiterhin funktioniert und Je nach Schicht wurde dann auch mal der Typ Home Eco oder auch Energy Control gebaut. Da gibt es bei uns ja sogenannte Produktionspläne und die werden bei uns abgearbeitet. Gut war bei uns einfach. dass wir eine sehr große Produktionstiefe haben und bei uns werden nahezu alle Produktionsschritte hier bei uns im Werk in Wiesloch-Walldorf produziert. Das heißt einfach von der Lackierung, also wenn Sie die Wallbox sehen, selbst die Lackierung an sich wird bei uns hier im Werk gemacht, die Platinenbestückung und auch die Endmontage und auch die End-of-Line-Tests, also eine sehr, sehr hohe Fertigungstiefe hier am deutschen Standard.

  12. Sebastian:

    Das heißt, Made in Germany trifft da dann ja auch wirklich zu sozusagen, wenn ihr da die höchste Fertigungstiefe da bei euch selbst in-house habt. Ist jetzt, oder wie viele Modelle vorhin haben sie denn aktuell zu dem Zeitpunkt gehabt, als die KfW-Förderung gegriffen hat? War das dann die Energy Control und die Home Eco? Und dann kamen jetzt eher im Nachhinein noch weitere Use Cases hinzu? Oder von wie vielen verschiedenen Modellen? Ja, Wallbox-Modellen, ist denn da aktuell die Rede?

  13. Marco Flach:

    Genau, das kann man differenzieren. Wir haben zwei Grundmodelle, die Home Eco und die Energy Control. Und da haben wir natürlich verschiedene Abstufungen mit den Kabellängen für den Endkunden. Wir haben ja uns für den Heimbereich spezialisiert, also für den privaten Bereich und nicht für den öffentlichen Bereich. Und da haben wir uns entschieden, unsere Wallboxen mit angeschlagenem Kabel zu verkaufen. Hintergrund ist einfach das Komfort-Element, weil wenn Sie mit Ihrem Auto heimfahren, laden möchten, Sie steigen aus, nehmen den Stecker der Wallbox in die Hand und führen ins Auto ein. Haben Sie eine Wallbox zu Hause ohne angeschlagenes Kabel, müssen Sie aus dem Kofferraum das sogenannte Mode 3 Kabel holen, müssen Sie es an der Wallbox unterm Auto anschließen. Und aus diesem Grund haben wir gesagt, es ist ein Komfort-Element, das angeschlagene Kabel, und haben so dann auch die Wallboxen gestaltet und entwickelt.

  14. Sebastian:

    Also die Einstiegshürde quasi für den E-Auto-Fahrer, eure Wallbox zu nutzen, dann auch so gering und flach wie möglich zu halten.

  15. Marco Flach:

    Genau, deswegen haben wir auch gesagt, okay, es kommt darauf an, wo die Wallboxen sind. Manche Autos haben ja vorne in der Front die Ladebuchse, manche haben sie hinten. Oder reguläre Tankstutzen wäre. Und deswegen haben wir gesagt, kommt, dann geben wir einfach dem Kunden die größtmögliche Flexibilität. Er kann entscheiden, ob er eine Anschlussleitung mit 3,5 Meter, 5 Meter oder 7,5 Meter möchte.

  16. Sebastian:

    Und vom Vertrieb her, also ich hatte damals noch in Erinnerung, oder wo das Thema dann aufgekommen ist, ich komme ja selbst hier aus dem Raum Heidelberg, da beschäftigt man sich ja natürlich dann mit, was dann so in der E-Mobilitätswelt um einen herum passiert. Seid ihr mir zum ersten Mal aufgefallen, dass ihr bei Amazon gestartet habt mit der Wallbox-Verkauf sozusagen, weniger mit einem... ja, Integration in einem eigenen Shop sozusagen, sondern erstmal Amazon und jetzt sieht man euch dann doch auch bei den typischen Ladestationen-Anbietern oder Wallbox-Anbietern online dann auch sehr gut vertreten. War das auch so der Hauptkanal, wie ihr gestartet seid?

  17. Marco Flach:

    Ja, also ich habe mich bewusst damals entschieden, dass wir einen sogenannten Multi-Vertriebskanal aufbauen, dass wir auch mal andere Wege gehen und ein Weg davon war Amazon, weil wir haben verschiedene Kundenbefragungen durchgeführt und das Ergebnis war einfach, dass viele Kunden sich auch online informieren mittlerweile, was denn zutreffend wäre für ihr Auto, für ihre Gegebenheiten. Und deswegen haben wir gesagt, wir möchten auch online starten und gehen dann auch auf die Plattform einmassen.

  18. Sebastian:

    Aber ihr seid jetzt nicht nur online unterwegs, sondern... Habt ihr auch mittlerweile mit den Elektrikern, sage ich mal, dann einen Austausch oder bei Elektriker-Netzwerken sozusagen, weil die schließen ja in der Regel diese Wallboxen an. Da wäre es ja auch sinnvoll, die dann zu nutzen als Multiplikator, um eure Wallboxen zu veräußern.

  19. Marco Flach:

    Exakt. Deswegen haben wir diesen Multi-Vertriebskanal und jeder Elektriker kann über seinen Großhandel auch auf unsere Wallboxen zugreifen. Wir bieten auch für jeden Elektriker Schulungen an, damit auch jeder weiß, wie werden unsere Wallboxen installiert und das auch im Vertrauen herrscht. Im Moment halt pandemiebedingt läuft vieles online. Aber ich denke, vielleicht haben wir Richtung Frühjahr, Sommer auch wieder die Gelegenheit, viele Leute zu uns einzuladen, um einfach die Produkte live zu zeigen, dass eine Haptik besteht. Aber das machen wir pandemiebedingt abhängig. Klar.

  20. Sebastian:

    Das ist ja auch das einzig Vernünftige, dass man das danach ausrichtet sozusagen. Jetzt haben sie vorhin die Fertigungstiefe aufgegriffen, wo sie gesagt haben, Heidelberg hat da extrem viel Einfluss. Das hat ja für euch auch den Einfluss oder ich habe jetzt auch in der Vorrecherche gelesen, dass ihr White-Label-Lösungen anbietet. Vielleicht können Sie da mal unsere Hörerinnen abholen, was sich dahinter verbirgt. wie das sozusagen nochmal ein zusätzliches Feld für euch wird, ohne da natürlich Endkunden zu nennen bei euch.

  21. Marco Flach:

    Also wir haben ja auch gesagt, okay, nicht überall muss Heidelberg draufstehen, wo Heidelberg drin ist. Und es ist auch einfach ein weiterer Vertriebskanal, dass wir auch die Expertise von Heidelberg, ob das jetzt eine Elektronikentwicklung ist oder eine klassische Produktionsdienstleistung im Bereich der E-Mobilität, bieten wir auch einfach verschiedenen Kunden an. damit auch andere die Möglichkeit haben, ein kundenspezifisches Produkt zu verkaufen.

  22. Sebastian:

    Und wie äußert sich dieses kundenspezifische Produkt? Reden wir da dann von technischen Unterschieden oder ist es dann eher, sage ich mal, das Design, wo ihr dann mitprägen könnt?

  23. Marco Flach:

    Es gibt sowohl als auch Möglichkeiten. Ich habe vorhin kurz angeschnitten, Heidelberg hat viel Expertise im Bereich der Entwicklung, in der Produktion, in der Fertigung und all diese Bereiche, auch wenn es nur Ausschnitte sind, bieten wir auch externen Partnern an. Also es kann klassisch eine Entwicklungsdienstleistung sein, dass sie Software programmieren oder eine Platine erstellen, untechnisch gesprochen, oder auch gesamte Produkte.

  24. Sebastian:

    Das heißt, beim Umkehrschluss ist es nicht nur eure Home-Eco-Wallbox sozusagen mit dem Heidelberg-Logo drauf, das Logo kommt weg und wir machen ein anderes drauf, sondern ihr könnt da tatsächlich so tief reingehen, dass ihr sagt, der Endkunde wünscht sich Anpassung XYZ sozusagen auf der Platine, damit er halt einen anderen Service dann hinterher noch anbieten könnte. Das würdet ihr dann quasi auch mit anbieten und könntet ihr umsetzen in der gemeinsamen Entwicklungsarbeit.

  25. Marco Flach:

    Genau, das ist in unserer DNA fest verankert, dass wir diese Möglichkeit haben. Natürlich, ich will keine blauen Wolken in den Himmel malen, es muss auch immer ein Business Case dahinter sein.

  26. Sebastian:

    Klar, das muss ja irgendwo greifbar sein. Ich meine, wer jetzt Feld und Wiesen-Kunde in Anführungsstrichen kommt, der sagt, wir brauchen jetzt hier mal fünf Wallboxen, die komplett nach uns designt sind, rechnet sich nicht, da sind wir wieder beim Thema Industrialisierung für euer Unternehmen, das muss eine gewisse Größe dahinter sein.

  27. Marco Flach:

    Genau, deswegen möchte ich da immer ehrlich sein und auch eine gerade Linie fahren. Der Kunde steht bei uns im Mittelpunkt, gar keine Frage, da müssen wir auch ehrlich sein, deswegen auch die gerade Linie. Wir müssen für uns auch schauen, dass es sich rechnet und ich sage immer, jedes Unternehmen, jeder Kunde ist immer nur glücklich, wenn alle Parteien glücklich sind und deswegen müssen wir da auch immer gucken, wie es sich rechnet.

  28. Sebastian:

    Ist nur fair, dass man das gleich auch von vornherein dann so sagt. Dann weiß jeder, woran er ist schlussendlich. Wenn man dann die gewisse Größe da sozusagen in den Raum stellen, da ist ja eine Partnerschaft oder ein Ausblick schon gegeben, der wohl kommen wird. Ich sage mal Stichwort ENBW. Vielleicht können Sie dazu ein paar Worte verlieren. Was hat es damit auf sich? Was macht Heidelberg mit der ENBW in der Zukunft?

  29. Marco Flach:

    Wir haben ja auch die IP-Rechte oder die AC-Ladetechnik der ENBW gekauft. In der Regel ist das eigentlich so eine Ladesäule. Viele kennen sie bei den Stadtwerken. Bei Rathausplätzen ist diese Ladesäule 2x22 kW AC voll im Einsatz. Wir haben das der EnBW abgekauft, entwickeln diese Säule gerade weiter, auch wieder Richtung Stichpunkt Industrialisierung, um einfach ein Upselling hinzubekommen. Und dann wollen wir auch dann im öffentlichen Bereich weiter tätig werden und auch da unsere Marktanteile weiter ausbauen.

  30. Sebastian:

    im öffentlichen Bereich tätig werden. Das heißt aber, ihr bietet dann nur die Wallbox auch wieder Anbietern an, die quasi Ladestationen abrechnen können, wie jetzt beispielsweise eine EnBW. Oder wollt ihr da selbst mit eigenen Abrechnungsmodellen auch Fuß fassen?

  31. Marco Flach:

    Da sind wir gerade in der Entstehung. Wir haben vor knapp, das müsste ich genau überlegen, ich glaube, wir sind bei sechs oder acht Wochen, eine Pressemitteilung veröffentlicht, die Heidelberger Druckmaschinen AG mit der Zusammenarbeit der Partnerschaft der SAP.

  32. Sebastian:

    Das heißt, ihr wollt da gegebenenfalls auch dann eben, also SAP kommt ja auch bei euch da oder bei uns aus dem Eck sozusagen. Waldorf bietet es ja an, dass man da dann auch Synergien hebt. Die sind jetzt im Bereich Immobilität auch verstärkt mit Software dann unterwegs, um das einzuordnen. Und dann ist der Gedanke vielleicht dahinter jetzt mal, ich habe die Pressemitteilung leider nicht mehr so komplett auf dem Schirm, dass ihr die Hardware bietet, SAP die Software und damit geht es dann in den Bereich, öffentlichen Raum sozusagen.

  33. Marco Flach:

    Exakt, das ist die Idee bei uns dahinter. Wir wollen zwei renommierte Unternehmen zusammenbringen, wo einfach dann dem Kunden den bestmöglichen Service bieten. Weil bei uns steht auch die Qualität ganz, ganz oben und Qualität bedeutet auch, dass der Kunde auch nach langjähriger Nutzung der Säule weiterhin die Möglichkeit hat, bei einer Softwareänderung oder beim Ersatzteil jederzeit die Möglichkeit zu haben, das auszutauschen, sich zu verbessern oder ähnliches. Und das denken wir mit beiden Unternehmen gewährleistet.

  34. Sebastian:

    Und wenn wir jetzt davon reden, dass ihr die aufstellt oder wenn ihr tätig seid, generell auch vielleicht nochmal das Thema Wallboxen mit eingegriffen. In was für einem Absatzraum seid ihr denn unterwegs? In Anführungsstrichen nur in der DACH-Region, Deutschland, Österreich, Schweiz? Oder ist euer Absatz ebenso Absatzraum gewachsen, wie die Produktionskapazitäten gewachsen sind?

  35. Marco Flach:

    Genau, und die Absatzräume sind auch weiter gewachsen. Angefangen haben wir natürlich im Dachbereich, aber mittlerweile sind wir auch in weiteren Ländern wie Ungarn, Polen, Frankreich etc.

  36. Sebastian:

    tätig. Schon die Nachfrage, sage ich mal, habt ihr da auch die Möglichkeit durch das Renommee der Marke Heidelberg zu glänzen sozusagen? Wird das dann auch... transportiert mit auf die Wallboxen rüber. Also merkt ihr, dass das angenommen wird? Oder ist das jetzt eher so, ich sage mal, seid ihr eher in Deutschland ein Begriff dann?

  37. Marco Flach:

    Das kommt ganz drauf an. Also viele Kunden können mit dem Begriff Heidelberger Druckmaschinen AK etwas anfangen. Viele steht auch das Synonym Heidelberg, auch zur Stadt Heidelberg, wo dann suggeriert, dass es hier aus Süddeutschland kommt. Und wir werden den Carve-Out veranstalten, das haben wir auch in vielen Pressemitteilungen schon angedeutet, sprich die E-Mobility-Sparte wird in eine GmbH im Frühjahr dieses Jahres ausgegliedert.

  38. Sebastian:

    Okay, weil ihr einfach sagt, es ist jetzt so eine Sparte, die wahrscheinlich so viel... so viel Geschäft oder auch Entwicklungstiefe mit sich bringt, dass es Sinn ergibt, dass es eben nicht mehr nur ein Bereich von der Heidelberger Druckmaschinen AG ist, sondern dass es als eigenständige Firma viel mehr ist.

  39. Marco Flach:

    Genau, als Tochterunternehmen der Heidelberger Druckmaschinen AG.

  40. Sebastian:

    Okay, vielen Dank. Und ich sage mal so, Sie haben ja jetzt vorhin schon Use Cases angesprochen, die Sie haben. Ich denke, ihr habt auch für die Zukunft noch weitere Use Cases angedacht, die umgesetzt werden können, also so einen gewissen Ausblick in die Zukunft. Gerade wenn man ein Unternehmen ausgliedert, Möchte man sich ja da längerfristig aufstellen. Können Sie uns da mal noch einen Ausblick geben, was wir denn da vielleicht jetzt in den kommenden Monaten von euch erwarten können?

  41. Marco Flach:

    Das erste neue Thema haben wir ja bereits kurz angesprochen. Das war ja die Ladesäule im öffentlichen Bereich, die dann bald kommen wird. Und parallel bauen wir unsere Expertise oder unser Produktportfolio im Bereich des Eigenheims weiter aus. Im Quartal 3 dieses Kalenderjahres werden wir unsere sogenannte Smart-Familie auf den Markt bringen. Und diese Smart-Familie hat verschiedene Produkte. Es wird weiterhin eine AC-Wallbox sein mit verschiedenen Innenleben. Also je nach Use-Case, so haben wir unsere Strategie aufgebaut. Use Cases bedeutet einmal speziell für den Bereich Photovoltaikanlage oder Use Cases bedeutet zum Beispiel auch Dienstwagen, dass Sie zum Beispiel Ihren Dienstwagen eichrechtkonform daheim laden können. Und so gibt es verschiedene Use Cases, die wir dann nach und nach bedienen möchten.

  42. Sebastian:

    Und wenn wir jetzt dabei sind, ich sage mal, Jetzt ist es vielleicht nicht nur so, dass ich nur den Dienstwagenpaar habe oder nur die Photovoltaik, sondern es könnte auch sein, dass bei mir beides zutrifft. Gibt es auch so diese in Anführungsstrichen eierlegende Wollmilchsau, die Heidelberg anbietet, die dann natürlich wahrscheinlich auch preislich höher eingepreist ist. Aber habt ihr sowas auch angedacht?

  43. Marco Flach:

    Also mit dieser Dienstwagen-Wollburg können sie auch privat laden. Aber zur eiligen Wollmichsaug, da haben wir ja auch vorhin diskutiert, wir müssen gucken, dass wir die Produkte im großvolumigen Bereich verkaufen. Es gibt Hersteller, da kostet eine Wallbox 2.000, 3.000, 4.000 Euro. Aber davon wollen wir uns eigentlich distanzieren und sagen, wir wollen eigentlich die Wallbox für die Use Cases anbieten. Ein Use Case ändert sich ja nicht. Wenn ein Einfamilienhaus sagt, ich möchte eine Photovoltaikanlage haben, eventuell einen Stromspeicher dazu, dann ist das ja ein Use-Case für die nächsten Jahre. Und in diesem Bereich muss zum Beispiel die Wallbox einbindbar sein. Aber das bedeutet dann nicht, dass da mal ein Kreditkartenterminal reinkommt, dass die daheim wirklich abrechnen. Und deswegen wollen wir uns da eigentlich nicht drauf begeben, sondern die Wallbox immer für den Use-Case zu machen oder auch entwickeln.

  44. Sebastian:

    Also in dem Fall, ich nenne es jetzt mal Nische, wobei es ja keine Nische ist, sondern dann tatsächlich auch eher in die Tiefe die Expertise für den Einsatzzweck, den ich verfolge damit, anstatt eine eierlegende Wollmilchsau, die entsprechend hochpreisig ist und dann auch gar nicht so diese Absatzchancen dann irgendwo am Markt hat.

  45. Marco Flach:

    Genau, exakt, ja.

  46. Sebastian:

    Gut. Ja, dann sage ich erstmal vielen Dank, Herr Flach, dass Sie uns da die Einblicke hinter die Kulissen von Heidelberg gegeben haben. Ich denke, wir holen es dann mal bei Zeiten auch noch nach, dass ich bei euch vor Ort vorbeischaue, damit wir unseren Hörer, Hörerinnen auch mal einen visuellen Einblick hinter die Kulissen geben können vielleicht. Ja, von daher bis dahin.

  47. Marco Flach:

    Ich freue mich. Bis bald. Auf Wiedersehen.

  48. Sebastian:

    Das war sie also auch schon, die aktuelle Folge des elektronischen News.net Podcast mit einem Blick hinter die Kulissen bei Heidelberg, deren Wallboxen und die Entwicklung in die Zukunft, die man eben auch gemeinsam mit SAP im öffentlichen Bereich angeht. Ich fand die Einblicke recht interessant, muss ich sagen. Ich finde es schön, dass sich so viel in unserer Region auch zum Thema E-Mobilität tut und auch entwickelt, was dann in die Welt hinausgetragen wird. Ich hoffe, dir hat die Folge auch entsprechende Einblicke hinter die Kulissen gegeben, die dich ein Stück weitergebracht oder vor allem interessiert haben. Auf jeden Fall vielen Dank fürs Zuhören. Ich würde mich freuen, wenn du kommende Woche wieder einschaltest bei einer neuen Folge des elektronischen News.net Podcast. Mach's gut. Bis dahin. Ciao.