Wulf Schlachter, Wegbereiter der E-Mobilität über aktuelle Entwicklungen

Der Kampf um die Ressourcen hat bereits begonnen

Wulf Schlachter ist aktuell als Chief Executive Officer der DXBe Management Group tätig und steht durch DXBe weltweit mit verschiedensten Start-Ups aus der Elektromobilität-Szene in Kontakt. Nicht nur mit diesen ist er tagtäglich im Austausch, sondern auch mit Politiker:innen, Entscheider:innen und vielen relevanten Playern im Umfeld der E-Mobilität. Im Elektroauto-News.net-Podcast gibt er uns einen Einblick auf die aktuellen Entwicklungen am Markt.

In verschiedene Positionen in Advisory und Boards von Start-Ups ist er stets am Nabel der Zeit. So hat er gute Einblicke auf die Entwicklung bei &Charge, Switch EV oder Charge Construct, um nur einzelne Beispiele zu nennen, die bei Elektroauto-News.net bereits präsent waren.

Daher ist es für ihn ein einfaches den Markt zu überblicken und aufzuzeigen wie sich die aktuelle Lieferkettenthematik alles andere als Positiv auf den Ausbau von Ladeinfrastruktur auswirkt.

Wulf sieht eine große Herausforderung im aktuellen Umfeld darin, dass der Markt langsam aber sicher immer mehr besetzt wird. Wenn auch weiterhin noch entsprechend Luft vorhanden sei. Dennoch treten Start-Ups mittlerweile mit Pkw-OEMs, LKW-OEMs als auch Ladeinfrastruktur-Anbieter sowie anderen Start-Ups in Konkurrenz, wenn es darum geht sich entsprechende Ressourcen zu sichern.

Wird bald dadurch noch weiter verschärft, dass auch andere Player in den Markt eintreten, die man nur am Rande auf dem Schirm hat: Mittlerer Osten, Saudi Arabien oder Indien, um ein paar Beispiel zu nennen. Im Detail soll er dir dies aber am besten selbst erläutern. Daher viel Freude mit der aktuellen Podcast-Folge.

Shownotes:

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Transcript

  1. Intro:

    Elektroauto News. Der Podcast rund um das Thema Elektromobilität. Mit aktuellen Entwicklungen, Diskussionen, Interviews und vielem mehr.

  2. Sebastian:

    Servus und herzlich willkommen bei einer neuen Folge des Elektroautonews.net Podcast. Ich bin Sebastian und freue mich, dass du diese Woche wieder eingeschaltet hast, wenn wir uns mit dem Thema E-Mobilität beschäftigen. In der aktuellen Folge habe ich Wulf Schlachter zu Gast, der im Mai 2021 zuletzt im Elektroautonews.net Podcast zugegen war, der CEO der DXBe Management Group. bewegt sich im Umfeld der E-Mobilität doch auf ganz anderen Pfaden und Wegen sozusagen, wie wir Normalsterblichen. Er kriegt da einige sehr exklusive Einblicke in die Entwicklung der E-Mobilität mit und die hat er in der aktuellen Folge mit uns geteilt. Wir widmen uns zum einen wieder deutschen und internationalen Startups, die wir aufgreifen. Wir blicken auf neue Märkte, die sich auftun, Stichwort Mittlerer Osten, Saudi-Arabien und wagen auch einen kurzen Ausblick in Investments oder für Investoren interessante Bereiche, was wir in einer der folgenden Folgen nochmal ein Stück weit vertiefen werden. Von daher gehen wir direkt rein. Servus Wolf, vielen Dank, dass du dir heute die Zeit nimmst, dass wir ein Update von deiner Seite bekommen. Das letzte Mal saßen wir tatsächlich schon im Mai 2021 zusammen. Wenn die Folge online geht, wird Januar 2023 sein. Also in der Welt der E-Mobilität sind es gefühlt Jahrzehnte so aus meiner Wahrnehmung tatsächlich. Aber das werden wir jetzt ja gleich sehen, weil du bist ja in diesem Umfeld der E-Mobilität in unterschiedlichsten Facetten unterwegs geworden. Zuletzt hatten wir es ja über die verschiedenen Startups, mit denen du in Berührung bist. Und da würde ich sagen, steigen wir doch da auch mal direkt ein und schauen, was da passiert ist. Ich denke, der offensichtlichste Verbindungspunkt, den wir zwei da hatten, war Simon Vogt von &Charge, wo sich extrem viel gedreht hat und würden das dann zum Einstieg nutzen in andere Unternehmen wie Switch e.V., Charge Construct, über die wir es im Vorgang hatten.

  3. Wulf Schlachter:

    Ja, herzlichen Dank, Sebastian. Vielen Dank, dass ich mal nach gefühlt anderthalb Jahren oder Lichtjahren wieder bei dir bin. Ja, ich denke mal, wir können ein bisschen gerade in dem Umfeld uns mal austauschen, was hat sich so bewegt. Auch im Bereich Ladeinfrastruktur, wir können auch ein bisschen über Märkte reden und über die Aktivitäten, wo ich momentan aktiv bin. Auch retrospektivisch mal gesehen auf das, was sich seit Mai 21 alles getan hat. Und ja, ich freue mich drauf.

  4. Sebastian:

    Wird mir auch eine Freude sein. Jetzt nehmen wir das doch einfach mal auf und blicken mal zurück. Ich glaube, das ist das Einfachste, bevor wir in die Gegenwart und Zukunft schauen, was sich so seit Mai 2021 aus deiner Sicht auf die E-Mobilität eben getan entwickelt hat.

  5. Wulf Schlachter:

    Also wir sehen halt ganz klar, nehmen wir mal auf den europäischen Markt gesehen, dass das Hochlaufen von E-Fahrzeugen das ganze Business auch angeschoben hat. Egal, ob du jetzt Chargepoint Operator bist mit AC-Ladern in Flotten oder ob du jetzt HPC-Lader irgendwo an Autobahnen aufgebaut hast. Ich denke mal, da kann sich momentan keiner beklagen, dass es da, ich sage mal, Stillstand gab. Bisschen Stillstand gibt es momentan, dadurch, dass die Hardware extrem limitiert ist. Also sprich, wenn du heutzutage irgendwie von Hardwareherstellern gerade beim DC-Laden irgendwelche Hardware bekommen möchtest, Es ist schwer, da ranzukommen. Und du merkst halt auch, dass diese Startups, die sich in dem Umfeld tummeln, doch größere Probleme haben, auch diese Verzögerung, die sich aus dieser Nichtverfügbarkeit von Hardware oder Ladehardware ergibt, dann auch umzusetzen. Und es ist egal, ob du jetzt mit Wallboxen unterwegs bist oder DC-Ladern. Es ist nicht so, dass die sofort immer gleich auch installiert werden können. Entweder ist die Hardware nicht da oder die Truppen, die das Ganze aufbauen, sind nicht verfügbar. Das ist auch das gleiche Thema, was du von zu Hause kennst, wenn du versuchst, irgendwo einen Elektriker deiner Wahl zu finden, der dir eine Wallbox mal so schnell installiert. Das ist fast nicht möglich. Also in der Regel hast du irgendwie immer eine gewisse Vorlaufzeit dahingehend. Was sich in Bezug auf die Startups getan hat, die du vorhin erwähnt hast. Gut, fangen wir mal bei &Charge an. Simon Vogt ist auch ein Stammgast bei dir. Brauche ich eigentlich relativ wenig oder muss ich nicht viel zu sagen. Die Aktivitäten sind wirklich durch die Decke gegangen und ich muss eben schon ehrlich sagen, Auch die Post jetzt gerade bei ihm auf LinkedIn mit neuen Partnern, was er so alles da an den Start gebracht hat, ist schon Wahnsinn, muss man ehrlich sagen. Also gerade Großen in Europa, glaube ich, mittlerweile nutzen Endcharge und dementsprechend hoch zufrieden, wie sich das entwickelt hat. Und ja, ich denke mal, er wird das selber dann auch darüber berichtet haben oder berichten, wie es da so weitergeht. Auf der anderen Seite haben wir auch damals ja auch von Charge Construct gesprochen aus Ingolstadt. Adrian Zierer und sein Team, auch gewachsen damals von anfangs, ich glaube, zehn Mitarbeitern, mittlerweile über 50. Und Aufbau von Ladeinfrastruktur, ich habe es gerade erwähnt, ist ein Must-Have. Also Ladeparks zu bauen ist mittlerweile Commodity, möchte ich nicht sagen. Aber es spezialisieren sich doch einige Unternehmen drauf. sodass gerade jetzt für die Endkunden vielleicht mal, wenn die Hardware mal da ist, das Ganze auch ein bisschen schneller geht. Hardware heißt nicht nur der Lader, sondern auch vornehmlich Transformatoren. Da ist die Wartezeit deutlich länger sogar, als einen Charger zu bekommen. Momentan so circa 18 bis 20 Monate Wartezeit im Markt. Also es gibt da durchaus Wartezeiten. Ja, der eine oder andere positive, negative Effekt auf das Thema, warum funktioniert E-Mobilität gerade gut oder nicht so gut, hauptsächlich durch Mangel an Komponenten, die du halt auch im Bereich Ladeinfrastruktur benötigst und nicht so mal schnell Chip her und Bau ein und fertig. Das funktioniert halt hier auch nicht, nicht wirklich.

  6. Sebastian:

    Das ist ja aber auch schon, sorry, da einzugrätschen, das ist ja auch schon eine Herausforderung sozusagen für diese Startups, die darauf angewiesen sind, dass die Hardware dann irgendwo herkommt, dass da überhaupt die Möglichkeit besteht, dem eigenen Geschäft oder dem angedachten Geschäft nachzugehen.

  7. Wulf Schlachter:

    Genau, das ist halt auch ein extremes Thema dahingehend, auch mit dem Geschäft zu skalieren. Also du musst halt eine gute Planung haben, du musst ein gutes Rollout-Team haben, um das Ganze irgendwie so hinzubiegen, dass du halt, ich sag mal... Ja, eine gute Ramp-Up-Phase hast bei der Installation. Ansonsten ist es halt so, dass durchaus deine Installateure dann in der Luft hängen. Zwar Auftrag haben, es machen können, aber die Hardware fehlt und das ist halt der Worst-Case. was halt dann nicht passieren sollte. Und ja, die Gespräche mit den Hardwareherstellern ist halt das A und O, um, ich sag mal, die Ressourcen oder die Kapazität halt auch selber planen zu können. Das ist auch ein bisschen das Problem, was wir halt insgesamt auch in Deutschland oder in Europa sehen. Das ist ein europäisches Problem mittlerweile, dass du halt nicht sofort die Hardware installiert bekommst, wenn du sie, ich sag mal, geliefert versprochen hast, zum Beispiel, historisch gesehen. Des Weiteren sehe ich halt auch momentan, dass sich viel in Richtung Energie entwickelt. Wir haben ja auch aufgrund der ganzen Energiethemen jetzt mit Russland und Ukraine genügend offene Baustellen. Und ich sehe halt auch, dass jetzt Themen wie Vehicle-to-Grid, bidirektionales Laden, Batteriemanagement, Speichersysteme auch im Umfeld Ladeinfrastruktur immer attraktiver werden. Man merkt auch, dass gerade Batteriespeicher für zu Hause, so Homelösungen in Verbindung mit PV-Anlagen auch extrem gut nachgefragt sind. Also von der Seite trifft es auch genau den Punkt, den wir mit SwitchEV, Startup aus London und Marc Mülltin, den du glaube ich auch schon mal kennengelernt hast, auch schon mal in 2020, 2021 angegangen sind. Das heißt, eine Plattform zu bauen, die entsprechend OCPP 2.0.1-20, also auch bidirektionales Laden von Fahrzeugen ermöglicht. Und ja, die sind jetzt marktreif, werden im ersten Quartal 2022 an den Start gehen und dass man jetzt auch mal sehr positiv gestimmt, dass da auch die ersten Projekte sowohl mit OEMs als auch mit Energieversorgern und mit Chargepoint Operatoren als auch Hardwareherstellern, die auch interessiert sind an den Aktivitäten, auch zum Fliegen kommen.

  8. Sebastian:

    Ja, ich glaube, da haben wir einen ganz guten Überblick und Update deinerseits wieder erhalten für die Startups und auch das Thema der Hardwareverfügbarkeit. Das ist doch sowas, was außerhalb der Bubble dann gar nicht wahrgenommen wird. Jeder spricht von Halbleiterkrise, Chipmangel, aber dann die großen Themen wie so Transformatoren hat man gefühlt gar nicht auf der Sicht dann.

  9. Wulf Schlachter:

    Jetzt hast du natürlich noch mehr Druck auf dem Markt und der kommt nicht nur vom EV, also von den elektrischen Fahrzeugen, sondern auch von den E-Trucks langsam auf. Das heißt, es gibt halt auch schon langsam einen Kampf um Ressourcen und diese Ressourcen werden halt dann, ich sag mal, zwischen E-Truck OEM und EV OEM wie auch Installationen von großen Ladeparks für beispielsweise LKWs wie auch PKWs bedient. Also somit hast du jetzt momentan halt nur noch weitere Player, die mit an den Start kommen und das macht halt auch nochmal einen zusätzlichen Effekt, dass auch Hardware verknappt ist oder du es auch nicht sofort geliefert bekommst. Das ist so ein bisschen die Krux an der Geschichte. Die Nachfrage ist riesig, auch in Richtung Tender. Wir haben genügend Ausschreibungen gesehen im Bereich EV, Ladeinfrastruktur mit mehr oder weniger Erfolg. Die einen mehr, die anderen weniger. Das ist auch noch offen, wie es da weitergeht. Und dann hast du auch Ähnliches gehabt, ähnliche Ausschreibungen im Bereich E-Truck-Charging, wo auch eine ganze Menge an an Anfragen und auch an sowohl Fahrzeugen als auch Infrastruktur ausgeschrieben waren. Und das ist ein, ich sage jetzt mal, auch positiver Effekt, den du siehst, dass man die Ladeinfrastruktur jetzt beispielsweise nicht immer separat betrachtet, sondern auch mit Fahrzeug betrachtet. Und das ist gerade von der Nau GmbH soweit auch jetzt in E-Truck-Ausschreibungen im letzten halben Jahr so propagiert worden oder so durchgezogen worden. Also somit, man lernt auch aus den Fehlern der Anfänge, oder anfänglichen Fehler, die man gemacht hat, nur auf die Fahrzeuge zu setzen oder nur auf die Wallboxen oder die Infrastruktur zu setzen. Ich sehe, dass halt auch diese Kombination aus beiden durchaus nochmal einen Push gibt für den Markt. Das macht es auch für die Betreiber, sprich auch Spediteure am Ende des Tages oder Flottenbetreiber einfacher sowas dann abzubilden, auch bei sich auf einem Depot oder Innendepot oder Logistikzentrum oder irgendwo Laden bei Partnern. auch ein Modell, was zunehmend attraktiver wird.

  10. Sebastian:

    Ich denke gerade dieser allumfängliche Blick, den du jetzt auch genannt hast, weg von reiner Pkw-Betrachtung, reiner E-Truck-Betrachtung oder auch nur Ladeinfrastruktur eben in ein Gesamtsystem ist ja das Interessante. Und das wirst du ja, denke ich auch, oder ich verfolge es ja bei dir auch bei LinkedIn, in Bezug auf neue Märkte sozusagen sehen, dass da ja auch E-Mobilität, nicht nur auf einen Punkt betrachtet wird, sondern auch in Gänze sozusagen. Vielleicht kannst du uns da auch abholen, inwiefern die Entwicklung da außerhalb von Europas auch stattfindet, insofern du da was teilen kannst.

  11. Wulf Schlachter:

    Ja klar, also wer mir auf LinkedIn folgt, der weiß genau, dass die Projekte, die ich da auch mal vorstelle oder was ich da auch mal schreibe, wirklich auch in Realbezug zu dem passiert, was ich mache, wo ich unterwegs bin. Wir haben beispielsweise vor Sechs Wochen ein eigenes Spin-Off in Neuseeland gegründet. Ja, auch interessanter Markt. Schnell wachsend, hat Rohstoffe. PV super, Wind super, alles was du brauchst. Dementsprechend bewegen wir uns auch dahin, wo wir glauben, dass sich hier Märkte entwickelt. Gleiches, vielleicht hast du es gesehen, ich war die letzten Wochen auch mehrmals mal in Saudi-Arabien. Und es ist auch ein Markt, der unterschätzt wird, vor allem, weil die Saudis jetzt auch den Way to Zero eingeschlagen haben. Das heißt, die wollen auch sehr, sehr zeitnah weg vom Öl und vom Gas. Dementsprechend ist Ladeinfrastruktur halt auch vorgesehen, wie auch ein bisschen Wasserstoff, was die in einem dualen System anbieten, also eher Truck Richtung Wasserstoff und Pkw voll elektrisch. Du kannst dir vorstellen, Die Reichweiten in Saudi-Arabien sind halt mal von Riyadh, sage ich jetzt mal, bis nach Jeddah vergleichbar zu Flensburg-Lindau, A7, sage ich jetzt mal. Aber die klimatischen Bedingungen sind komplett anders. Also es ist auch nochmal eine Challenge, ich sage jetzt mal, so eine Ladeinfrastruktur wie eine Ionity zu bauen, bedarf da noch ein bisschen mehr Grips und Input, um das Ganze zu realisieren. Des Weiteren sehen wir halt auch gerade in solchen Märkten viel Bewegung im Bereich urbanen Umfeld, kommen halt auch Themen wie, wie schaffe ich es eine Petrol Station, also eine Tankstelle entsprechend gegenfalls nachzurüsten oder die auch EV Charging ready zu machen. Ist manchmal leicht, manchmal nicht, aber das sind halt so die ersten Versuche. Und natürlich auch Supermärkte zu bedienen mit Ladeparks, Ladeinfrastruktur. Muss nicht immer Schnelllader sein, aber zumindest sollte es auf das Geschäftsmodell angepasst sein, so wie es am besten funktioniert. Und ja, was gibt es sonst noch? Man sieht auch, dass die Chargepoint Operator, also entsprechend die Betreiber von Ladeinfrastruktur, auch ein bisschen mitdenken. Das heißt, wir haben auch so ein paar Ladeparks jetzt mit initiiert. wo du als Kunde, als Endkunde, als EV-Driver, ich sag mal, Best Choice haben kannst. Sprich, du bist urban unterwegs und weißt genau, ich möchte jetzt 20 Minuten nur mal kurz mich an den Schnelllader hängen, weil ich irgendwo anders weiterhin fahren muss, zu mir nach Hause zum Beispiel. Oder ich bin auf einem Businessbesuch, will jetzt aber so schnell wie möglich wieder irgendwo wieder weg. Auf der anderen Seite natürlich dann so Themen wie Langes Laden, Übernachtladen in einem Ladepark oder ich sage jetzt mal zwei Stunden, drei Stunden shoppen gehen in der Stadt. Das sind die Geschäftsmodelle, die wir momentan sehen, die vor allem im urbanen Umfeld dem Kunden die Möglichkeit gibt zu entscheiden, möchte ich jetzt 350 kW, möchte ich jetzt 150 kW oder möchte ich jedenfalls sogar nur Wallboxladen machen mit 11, 22 kW. Ich glaube, das sind die Unterschiede, die Skalierung, die man sieht im Markt, die das Ganze kundenfreundlicher machen als noch vor anderthalb, zwei Jahren. Da hast du solche Modelle noch nicht gesehen. Da hat man entweder 350 kW hingestellt oder 150 kW und das war es dann. Ich sage jetzt mal, diese Upgrade-Fähigkeit oder die Downgrade-Fähigkeit als Kunde zu sagen, ich mache jetzt das, was für mich am günstigsten ist, und auch B, am zeitlichsten am besten passt. Ich glaube, die Kombination ist ein Game-Changer, möchte ich mal sagen, oder durchaus eine Veränderung in der Denke der Chargepoint-Operator. Und das sehe ich positiv.

  12. Sebastian:

    Würde ich jetzt auch erstmal so sehen und das ist ja auch sinnvoll, dass man den Aufbau sozusagen oder die Skalierung der Ladeparks, Ladeinfrastruktur dann auch zielgerichteter ausrichtet, weil es bringt mir nichts, da jetzt über 300 kW Lader hinzustellen, wenn realistisch gesehen ein 11 kW Wallbox analog ausreicht, weil wir doch eben über Nacht laden dann sozusagen.

  13. Wulf Schlachter:

    Genau, das sind so die typischen Modelle. Was du halt auch siehst, gerade in Supermärkten oder so die klassischen Aldi, Lidls und Co., da reicht in der Regel der 50 bis 100 kW Charger erstmal aus. Es reicht aber dann nicht mehr aus, wenn die Anzahl oder der Traffic einfach zunimmt. Und dann musst du halt überlegen, wie skaliere ich am besten. Dann hast du halt mit so einem Modell, wo du von Anfang an so eine Skalierbarkeit schaffst, durchaus größere Chancen. ich sag mal, die richtigen Kunden zu adressieren. Also wir sehen das halt, dass gerade in dem Umfeld in Nordics momentan sehr viel Bewegung ist. Und ja, abseits von diesen ganzen Ladeparks, die an Autobahnen sind, die halt extrem hohe Frequenzen haben, Besuche von Fahrzeugen, gibt es halt auch noch so ein paar Standorte, wo man sagen kann, die sind sehr, sehr gut geeignet, um Massentransaktionen zu generieren, jetzt aus der CPO-Sicht hervorragend.

  14. Sebastian:

    Spannender Einblick auf jeden Fall. Jetzt hatten wir bei der letzten Folge so zum Ausblick oder zum Ende noch die Sicht eines Investors, in der du ja auch tätig bist. Die war ja in den Jahren vor 2021 eher Asset getrieben. Hat sich dann eher auf Technologie ausgerichtet? Wie würdest du da aktuell den Einschlag werten? Sind wir da immer noch eher technologiegetrieben unterwegs? Hat sich das nochmal geändert? Wird da jetzt auf andere Themen dann nochmal geschaut, auch gerade bedingt durch den Angriffskrieg von Russland und die ganze Thematik?

  15. Wulf Schlachter:

    Was sich entwickelt hat, und das habt ihr sicher auch gesehen, dass das Thema Plattform-Taxonomie zugenommen hat. Also der Fokus auf Plattformbetrieb ist gerade im letzten Jahr mit durchaus einigen Verkäufen auch von Unternehmen angeschoben worden. Da kannst du stundenlang darüber diskutieren, was so alles passiert ist. Von der Seite ist es halt schon eine Konsolidierung im Markt, was du siehst auf der Plattformseite. Auf der Hardware-Seite würde ich mal sagen, ist es ein bisschen anders. Also Asset-getriebene Investments, die haben sich durchaus durchgesetzt, muss man sagen. Auch wenn man so mal die Unternehmen anschaut, die vor anderthalb Jahren irgendwie mit einem Umsatz von 80 Millionen unterwegs waren, die werden heutzutage ganz anders bewertet. Als Beispiel so Allegro oder sowas. Die haben im Börsengang gestartet letztes Jahr und liegen bei einer Bewertung von 1,2 Milliarden oder sowas. Also da merkst du, es ist aber nicht nur das Asset, sondern es ist die Ownership, also das Eigentum der Site. Also wenn du Site-Owner bist, dann hat das nochmal so einen Effekt, was du auch siehst. Momentan im Markt entstehen ja viele Ladeparks an unterschiedlichen Stellen und du merkst halt auch, dass Ladeparks, ich sag mal, wenn du einen Tesla vor Ort hast und eine Ionity kommt dazu und noch ein dritter, dann hat es trotzdem eine gewisse Attraktivität für die Kunden. Und diese Side-Ownership, sage ich jetzt mal, das ist halt wirklich Mission-Critical für einen Chargepoint-Operator, weil die Gefahr ist, dass er, wenn er jetzt einen Mietvertrag nur macht mit dem Besitzer des Grundes oder der Liegenschaft, Dann könnte es sein, dass irgendeiner um die Ecke kommt und nach zehn Jahren Mietvertrag dann sagt, ich zahle dir, lieber Besitzer oder Eigentümer, ich sage jetzt mal einen dummen Spruch, irgendwie 50 Euro mehr pro Parkplatz im Monat. Dann würde ja auch jemand wechseln. Das heißt, ein CPO müsste dann eigentlich den Rückbau veranlassen von dem, was er da hingestellt hat. Und das ist, glaube ich, das, was keiner so wirklich riskieren möchte. Also man sieht, dass gerade momentan sehr viel in Richtung Investment und Site-Ownership geht, sodass du als Chargepoint-Operator, ich sag jetzt mal, nicht angriffsfähig oder angreifbar bist, dass dir vielleicht einer eine exzellent gute Site irgendwie wegschnappt, weil er gefühlt mal 50 Euro im Monat mehr zahlt an Park- Parking Fees, also sprich das, was er dir überträgt an Monetären. Das ist mal so ein bisschen ein Abfallprodukt. Das hat mit Bewertungen natürlich auch was zu tun, weil in dem Moment, wo du Eigentümer bist von so einer Seite, kannst du natürlich auch ganz anders deine Bilanz damit bespielen oder bewerten lassen.

  16. Sebastian:

    Klar, das ist ja nochmal ein Spiel für sich, aber dann haben wir da glaube ich auch ganz guten Überblick nochmal bekommen, was da aktueller Stand der Dinge ist. Von meiner Seite aus vielen Dank wieder für die Einblicke von dir, Wolf. Wie immer sehr interessant und ich gehe von aus, dass wir bis zur nächsten Update nicht wieder anderthalb Jahre gefühlt vergehen lassen, sondern uns da ein Stückchen schneller treffen. Würde mich auf jeden Fall freuen und dann hören wir uns demnächst wieder. Mach's gut.

  17. Wulf Schlachter:

    Danke Sebastian. Vielen Dank und schöne Grüße in die Welt. Tschüss.

  18. Sebastian:

    Das war doch aus meiner Sicht eine ganz interessante Folge, die wir hier wieder gemeinsam mit Wulf Schlachter hatten, der doch einen Rundumschlag in der Welt der E-Mobilität vonstatten gegeben hat oder uns erteilt hat. Ich denke, wir werden im Jahr 2023 noch mehr von ihm hören, hier auf elektronischennews.net. Und wenn du willst, dass auch andere davon hören, würde ich mich freuen, wenn du eine positive Bewertung bei iTunes und oder Spotify hinterlässt. Ansonsten bleibt mir nicht mehr viel zu sagen, außer mach's gut, bis zur nächsten Folge. Ciao.