Webasto: "Volumenhochlauf der Batterie mit der des iPhones vergleichbar"

Im Gespräch mit Nico Münch, Director Business Development (Battery Systems) Webasto Group

Im gemeinsamen Gespräch mit Nico Münch, Director Business Development (Battery Systems) bei der Webasto Group, habe ich mich gut dreißig Minuten mit ihm über aktuelle Entwicklungen am PKW- und Nutzfahrzeugmarkt unterhalten. Hierbei standen vor allem die Aktivitäten der Webasto Group im Fokus, welche sich im Jahr 2016 entschlossen haben die E-Mobilität als eines der damaligen Wachstumsfelder zu besetzen und Fuß zu fassen. Mit dem Bereich Battery & Charging hat man einen weiteren Kernbereich - die anderen beiden sind Roof-Systems, Heating & Cooling - ins eigene Unternehmen aufgenommen, welcher maßgeblich zum Geschäftserfolg beitragen soll.

Wie die Strategie bisher ausgegangen ist, wohin der Weg künftig führt und warum sich Webasto in diesem Bereich zweigleisig aufstellt, erfährst du im Gespräch mit Nico. Einfach reinhören ;)

Shownotes:

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Transcript

  1. Intro:

    Elektro-Auto-News. Der Podcast rund um das Thema Elektromobilität. Mit aktuellen Entwicklungen, Diskussionen, Interviews und vielem mehr.

  2. Sebastian:

    Servus und herzlich willkommen bei einer neuen Folge des ElektroautoNews.net Podcast. Ich bin Sebastian und freue mich, dass du auch diese Woche wieder eingeschaltet hast, wenn es um das Thema E-Mobilität im Alltag geht. Wie du weißt, hole ich mir immer wieder interessante Gesprächspartner an meine Seite, um mich über verschiedenste Themen aus der Welt der Elektromobilität zu unterhalten, so auch diese Woche. In der aktuellen Folge stand mir Nico Münch Münch von Webasto Group zur Seite, der Director Business Development im Bereich der Batteriesysteme ist bei Webasto Group und diesen Bereich eben verantwortet. Wie man vermuten kann, haben wir uns zum Thema Batterie ausgetauscht, wobei Webasto Group auch eben im Bereich Charging unterwegs ist. Hierzu wird es aber eine gesonderte Podcast-Folge in Zukunft geben, wo ich mich mit einem Kollegen, Kollegin von Webasto Group dann nochmal austauschen werde. Mit Nico Münch gemeinsam haben wir den Weg betrachtet, wie Webasto Group gesagt hat, okay, wir nehmen jetzt die E-Mobilität in den Fokus, wollen dort Fuß fassen, eben in diesen zwei Bereichen und wollen das auch vorantreiben, wollen dort auch eine führende Stellung am Markt sozusagen einnehmen und uns eben nicht nur auf unserem, in Anführungsstrichen, alten Kerngeschäft ausruhen. Seit 2016, also knapp fünf Jahre, hat sich einiges am Markt getan. Wie wir alle wissen, die die E-Mobilität schon länger beobachten und eben auch bei Webasto Group. Man ist jetzt aktuell unterwegs mit zwei Strategien im Bereich der Batterie. Einmal mit individuellen Lösungen für OEMs, Automobilhersteller, die dann eben spezielle Batterien entwickelt haben wollen für gezielte Bauräume im Fahrzeug. Aber man hat auch noch einen anderen Bereich, die beide auch im Fokus sozusagen liegen und beide auch mit dem gleichen Engagement vorangetrieben werden. Und zwar ist es im Nutzfahrzeugbereich der Einsatz sogenannter Standardbatterien, standardisierter Batterien, die modular aufgebaut oder verbaut werden können. wo man sich einfach den Weg offen hält, auch kleinere Nischen sozusagen zu bedienen, wo es dann vielleicht nicht auf die Ausnetzung des letzten Zentimeterplatzes auskommt. Aber das erklärt Nico Münch ganz gut und auch ansehnlich in der aktuellen Podcast-Folge. Von daher bleibt mir gar nicht mehr viel zu sagen, außer viel Spaß mit der Folge und schon mal vorab vielen Dank fürs Zuhören. Wir hören uns danach nochmal kurz. Servus Nico Münch, vielen Dank, dass du dir Zeit nimmst, heute ein wenig mit mir über Webasto Group zu sprechen und vor allem deren Schritte in die Richtung E-Mobilität. Zuletzt war Webasto Group bei uns vor allem im Portal durch die Aktivitäten im Bereich der Wallboxen im Gespräch. Heute wollen wir uns allerdings eher auf die Batterie an sich konzentrieren, eure Bemühungen in dem Bereich. Bevor wir da allerdings tiefer ins Thema eintauchen, wäre es mir ganz recht, wenn du dich kurz vorstellst und natürlich Webasto Group, damit einfach unsere Hörer wissen, mit wem wir es denn da zu tun haben.

  3. Nico Münch:

    Ja, hallo Sebastian. Klar, sehr gerne. Ich freue mich sehr, hier zu sein, mit dir heute über das Thema Batterien sprechen zu können. Ich bin seit 2012 bei Webasto Group, bin aktuell tätig für unsere Business Unit Battery Systems und verantworte das ganze Thema Business Development global, inklusive dem Thema Strategie und Marketing. Ich habe 2012 bei Webasto Group angefangen, davor war ich noch bei Renault-Nissan und habe bei Webasto Group mehrere Positionen besetzt, war unter anderem zwei Jahre in den USA und habe in unserem Kerngeschäft Schiebedächer an General Motors verkauft und bin dann 2014 in die Unternehmensstrategie gewechselt und konnte da auch den Prozess begleiten, in dem Webasto Group in die E-Mobilität geführt hat und bin seit 2016, seit der Gründung der Business Units Batteries and Charging eben für das Thema Business Development Batterien verantwortlich. Webasto Group selber kennt man ganz oft in Deutschland von dem Thema Standheizung. Wir sind aber tatsächlich ein Unternehmen, das gibt es seit mehr als 100 Jahren. Wir haben unser Headquarter im schönen Stockdorf im Süden Münchens und verdienen Unser Geld hauptsächlich in drei Kernbereichen. Das eine ist das Thema Roof Systems, Schiebedächer und Cabrio-Verdecke. Da sind wir in beiden Bereichen Weltmarktführer. Das ganze Thema Heating und Cooling, also gerade auch Standheizung, aber auch Klimalösung ist der zweite große Bereich. Und jetzt eben unsere neuen Business Units, das Thema Batteries und Charging. Und auch das Thema elektrisch heizen für die E-Mobilität. Mittlerweile 15.000 Mitarbeiter und machen dreieinhalb Milliarden Umsatz, sind einer der Top 100 Automotive Supplier, einfach um das von der Größenordnung einordnen zu können.

  4. Sebastian:

    Okay, dann vielen Dank schon mal, dass du uns da abgeholt hast und sorge für die Unterbrechung. Aber zeigt ja gut auf, wo es denn hingeht, die Reise bei euch. 2014 hast du gesagt, seid ihr in den Bereich E-Mobilität. Habt ihr euch da dann aufgestellt? 2016. 2016 war das, okay.

  5. Nico Münch:

    Ja, genau. Also 2015 war so ein Jahr, da haben wir uns echt richtig Gedanken gemacht bei Webasto Group. Wir waren Weltmarktführer im Bereich Schiebedächer, Weltmarktführer im Bereich Healing Systems. Wir hatten... 50% Marktanteil plus in beiden Bereichen. Und dann ging es so ein bisschen darum, wie wollen wir eigentlich weiter wachsen? Wie will sich Webasto Group weiterentwickeln? Und dann haben wir 2015 wirklich einen sehr interessanten Strategieprozess gehabt mit dem Aufsichtsrat, mit den Shareholdern, natürlich mit unserem Management Board. Und da drin ist dann beschlossen worden, dass Webasto Group an den Megatrend Immobilität glaubt und darin auch seine Zukunft sieht. Und da haben wir quasi sowas gemacht, wie so eine Zwei-Piller-Strategie gemacht und zum einen festgestellt, das Schöne war, Trotz Diesel-Krise, die da gerade hochkam, warst du bewusster mit dem Thema Schiebedächer, haben wir auf jeden Fall einen Durchstand, haben wir ein zukünftiges Marktprodukt, das wollen wir weiter ausbauen, aber eben genau in dem Bereich der E-Mobilität eben mit Batterien und Charging Systems an diesem Megatrend partizipieren.

  6. Sebastian:

    Und warum hat man sich dann für die Batterie entschieden, sage ich mal? Die liegt jetzt nicht so ganz nah beim Schiebedach. Hat man da dann eher die Chance nutzen wollen, sage ich mal, die Erfahrung aus dem Bereich Kühlung und Heizung sozusagen mit reinzunehmen? Weil da sind ja zumindest im weitesten Sinne doch Verknüpfungen, wo man, denke ich, auch von partizipieren kann. Genau.

  7. Nico Münch:

    Genau, also tatsächlich einer der Kernpunkte dieses Strategieprozesses war nur nochmal aufzuzeigen, was kann Webasto Group eigentlich, was zeichnet uns eigentlich aus und dann zu sagen, wie können wir die Fähigkeiten, die wir besitzen, eben auf diese neuen Geschäftsfelder Und wir haben gesagt, einmal, wir haben halt eine Automotive-DNA, das heißt, auch gerade zu dem Zeitpunkt anders als Zellhersteller, die ja in dem Bereich schon damals tätig waren, haben wir gesagt, wir haben eine Automotive-DNA, wir verstehen Automotive-DNA. Dann haben wir gesagt, wir haben eine mechanische Systemkompetenz. Also wenn man ein Cabrio-Verdeck entwickelt und in ein Fahrzeug integriert, dann hat das natürlich einen Einfluss auf die Struktur des Fahrzeugs. Es muss die richtigen Steifigkeiten, Vibrationsfestigkeiten, alles sowas haben. Es muss halt wirklich mechanisch integriert sein. Und da haben wir gesagt, das ist ein großes System, mit dem kennen wir uns aus. Die Batterie ist auch ein großes System, das mechanisch entsprechend integriert sein muss und das können wir auf jeden Fall übertragen. Und dann genau den Teil, den du gerade gesagt hast, das Thema Heizen und Kühlen und man merkt es ja, es wird ja immer mehr ein wichtiger Punkt, um Reichweiten sicherzustellen, um Lebensdauer einer Batterie sicherzustellen. Es ist wichtig, dass die Batterie richtig temporiert ist und hier konnten wir natürlich von unserer Business Unit Heating Systems ganz stark profitieren. Und dann hatten wir noch einen weiteren Punkt, der elementar war. Das war, dadurch, dass wir schon jetzt große Systeme bauen, hatten wir fast so 30 Produktionsstätten auf der ganzen Welt verteilt und diese sind immer ziemlich nah am Kunden und an den Kundenwerken. Das heißt, egal wo unsere Kunden sind, da sind wir auch Batteriesysteme einmal als Gefahrgut, aber vor allem auch als sehr schweres Produkt kann man natürlich nicht oder möchte man ungerne über große Strecken transportieren. Und damit haben wir gesagt, dass der Webasto Group Production Footprint und auch die Webasto Group Produktionsprozesse, also Schweißen, Schrauben, Kleben, Klipsen, das sind die gleichen Prozesse am Ende, die der Batteriesystemfertigung braucht. Das beides konnten wir auch übertragen und damit haben wir gesagt, Batteriesysteme passen sehr gut zu uns, auch wenn es tatsächlich eine Sache ist, die wir in den letzten Jahren unseren Kunden und gerade den großen OEMs doch auch im Erstgespräch immer erklären mussten, weil die erstmal nicht davon, also das nicht intuitiv war, aber spätestens dann im Zweitgespräch hat das eigentlich jeder sehr schnell gesehen und da konnten wir überzeugen.

  8. Sebastian:

    Also mich hast du damit auf jeden Fall auch überzeugt, gerade dieses Argument, 30 Produktionsstädte weltweit, man ist nah dran, man hat die Kompetenzen, bringt die schon mit aus anderen Bereichen, lässt die mit einfließen, leuchtet ja soweit alles ein. Das zeichnet sich ja auch ab, sage ich mal, beim Umsatz, wenn man den betrachtet hat sozusagen. Der ist ja auch gestiegen, 2018 war man im Bereich Batterien, wenn ich es richtig rausgefunden habe, noch bei 19 Millionen Euro Umsatz, 2019 dann schon bei 43 Millionen Euro. Jetzt die Frage, natürlich hat es sich auch 2020 positiv für euch entwickelt. Habt ihr weiteres Wachstum gesehen? Und wie habt ihr mit, ich sage mal, Covid mit den Herausforderungen da zu kämpfen gehabt? Konntet ihr da weiter skalieren in dem Bereich?

  9. Nico Münch:

    Ja, da muss man jetzt tatsächlich sagen, Die beiden Zahlen, die du gerade genannt hast, sind so gesehen korrekt, als dass sie für unsere neuen Business Units, aber im Gesamtverbund quasi, zählen. Das Thema Batterien hat tatsächlich in den letzten, also in 2019 und 2020, 2018 noch sehr wenig Umsatz gemacht, weil wir haben 2018 unser erstes OEM-Projekt gewonnen und wenn man dann sagt, man braucht halt zweieinhalb Jahre, bis man das ins Ziel bringt, dann sind wir in 2020 und das ist genau das, was jetzt auch, also in 2020 sind wir in Serie gegangen, auch mit unserer commercial vehicle Standardbatterie, das heißt, ja, die Umsätze in 2020 sieht man jetzt im Batteriebereich fangen an, aber vor allem, was das Jahr 2021 angeht, sind wir sehr optimistisch und wir müssen auch sagen, wir Trotz oder vielleicht auch gerade wegen Covid, das Thema E-Mobilität hat sich in den letzten zwei Jahren, gerade auch was das Thema Commercial Vehicle angeht, extrem gut entwickelt und deswegen wird das auch so in unseren Umsatzzahlen gezeigt werden. Die werden allerdings erst in den nächsten Wochen von unserem Also CEO, du meinst Dr. Holger Engelmann, deswegen kann ich gerade noch keine genauen Zahlen nennen.

  10. Sebastian:

    Kein Problem. Also mir ging es ja auch eher um die Richtung dann aufzuzeigen, okay, die Entwicklung oder der Schritt war für euch da auch richtig, zeichnet sich ab. Jetzt hast du ja auch schon schön den Übergang zu meiner nächsten Frage sozusagen bereitet. Du hast gesagt, Batteriesysteme im Bereich Commercial Vehicle, also ich sage mal, Nutzfahrzeuge sind es dann wahrscheinlich eher. Genau. Wo ihr euch drauf konzentriert habt, warum habt ihr euch da zunächst drauf konzentriert? Also warum wollt ihr Batteriesysteme für den Nutzfahrzeugbereich machen? Oder warum macht ihr das?

  11. Nico Münch:

    Wir machen auch Batteriesysteme für den Nutzfahrzeugbereich. Wir haben quasi unsere Batteriestrategie auch in zwei Teile geteilt. Wir haben gesagt, wir machen einmal das Thema individualisierte Batterien für große OEMs, gerade PKW-OEMs. Wenn ich sage, die Entwicklung eines Batteriesystems, eines Automotive-Batteriesystems, kostet 25, 30 Millionen Euro. Mit allen Drum und Dran. Dann kann ich mir das leisten als großer PKW-OEM, der entsprechend hohe Stückzahlen hat, weil ich dann die Amortisierung auf das einzelne Fahrzeug doch wieder gering ist. Wenn ich ein Nutzfahrzeughersteller bin, der kleinere Stückzahlen hat, dann ist das natürlich viel schwieriger, weil die Amortisation auf die einzelnen Fahrzeuge dann extra groß wird. Und deswegen haben wir gesagt, wir bieten wirklich dieses Portfolio an, ein Kunde kann uns einen Bauraum geben und wir entwickeln eine Batterie, die genau in seinen Bauraum passt, auf den Millimeter genau und produzieren diese dann auch so im Individualized-Bereich an. Wir bieten aber auch und für kleinere OEMs und gerade eben auch Nutzfahrzeug-OEMs den Weg an, dass wir sagen, wir als Webasto Group haben in den letzten drei Jahren dieses Geld in die Entwicklung einer Batterie bereits investiert, die wirklich Automotive-Standard hat und da ist es vielleicht bei einem Nutzfahrzeug nicht ganz so relevant, dass jeder Millimeter an Platz perfekt genutzt wird. Das heißt, wir können einen Standard anbieten, der modular ist und damit können wir vielen kleinen Nutzfahrzeugherstellern die Möglichkeit geben, eine, ich sag mal, recht... kostengünstige, aber qualitativ extrem hochwertige, schnelle Elektrifizierung ihrer Fahrzeuge voranzutreiben. Das heißt, da haben wir diese Dual Strategy und das zeigt sich auch in unserem Auftragsbestand. Also das erste große Projekt, das wir gewonnen haben, war eben ein Commercial Vehicle und letztes Jahr haben wir nochmal ein sehr großes Projekt gemacht, In Korea gewonnen, das jetzt aber für ein Passenger-Weg, also für einen Pkw ist.

  12. Sebastian:

    Okay, also ja, ist ja auch vernünftig. Ich meine, sieht man ja bei Webasto Group jetzt schon, zeichnet sich ab. Ihr stellt euch da immer auf mehrere Säulen, wie du es vorhin genannt hattest. Ihr habt Schiebe durch Cabrio, Heating, Cooling, Batterie und Charging jetzt sozusagen. Jetzt habt ihr halt eben die zweisäulige Batteriestrategie mit OEMs, mit der Individuallösung, als auch dann eben diese Standardbatterie, die modular funktioniert. eingebaut werden kann, leuchtet ein. Das heißt aber, ihr verfolgt das dann auch gleichwertig weiter, diese ganze Geschichte? Oder habt ihr einen Fokus auf eine der beiden Säulen dann gesetzt?

  13. Nico Münch:

    Tatsächlich Muss man sagen, der Fokus entwickelt sich und der Fokus entwickelt sich recht unterschiedlich. Wir haben wirklich angefangen ganz am Anfang mit dem Thema Individualized und haben dann aber einen Markt gesehen, in dem Bereich Standardized und haben uns deswegen auch auf das Thema Standardized dann fokussiert und wir treiben im Moment beide Themen mit gleichem Engagement voran und es sind beides hochinteressante Themen. Sie sind sehr unterschiedlich, sowohl vom Umsatz als auch von den Kunden, aber es sind beides spannende Themen und Webasto Group sieht in beiden Bereichen seine Zukunft absolut und da möchten wir uns auch jetzt, da möchten wir auch das eine nicht missen, denn die beiden befruchten sich auch gegenseitig. Das, was wir für OEMs entwickeln, fließt in unseren Standard mit ein und das, was wir in unserem Standard schaffen, können wir natürlich auch an den OEMs wieder präsentieren und haben damit immer eine Case Study und das hat uns auch bei der Akquise unserer extrem gewonnen, dass wir wirklich zeigen konnten, dass Webasto Group eine Gesamtsystemkompetenz hat und das tatsächlich damit, dass wir wirklich ein Batteriesystem in Serie haben, eine Produktionsanlage haben, die man den Kunden auch zeigen kann und damit einen echten Proofpoint als doch noch recht junges Unternehmen in diesem Bereich.

  14. Sebastian:

    Ja, so muss man es ja auch sehen. Ist ja tatsächlich noch keine fünf Jahre alt und da seid ihr ja dann doch schon breit aufgestellt. Könnt auch, so wie du gesagt hast, von dem Austausch untereinander zwischen diesen beiden Batteriesäulen profitieren, was das Ganze interessant für euch dann auch macht, damit es das Ganze schneller dreht, damit ihr auch bei den Entwicklungen wahrscheinlich mithalten könnt.

  15. Nico Münch:

    Ja, das ist ja Wahnsinn, dass Tempo vorgelegt wird, ist brutal. Das ist gerade was in der in der Technologieentwicklung passiert. Und da geht es nicht nur um die Zellentwicklung, sondern auch Komponenten, Systemauslegung, Produktionsprozesse. Das ist auch für uns eine Sache, wo wir tatsächlich sagen, das ist für uns neu, das ist spannend, aber man merkt einfach, das ist ein Thema, an dem die ganze Welt arbeitet und keine Nische.

  16. Sebastian:

    Definitiv nicht mehr. Aus der Nische sind wir rausgekommen, das glaube ich auch. Und so wie du ja gesagt hast, das Rad der Entwicklung, das dreht sich immer schneller am Markt. Ich meine, das werdet ihr auch gemerkt haben. Ihr werdet euch ja 2016 Gedanken dazu gemacht haben, wo will man hinkommen, aller 5-Jahres- oder 10-Jahres-Plan. Ich gehe aber davon aus, dass der auch relativ schnell dann bei euch überholt war und ihr da auch Tempo zulegen musstet, oder?

  17. Nico Münch:

    Ja und nein, das ist das Faszinierende. Tatsächlich... waren die ersten zwei, wir sind in den Markt gestartet und wir hatten tatsächlich die Sorge, wir sind zu spät. 2016 haben wir gesagt, ob das jetzt noch passt, wenn man nach China rüber guckt, wenn man auch die Zeitungsartikel liest und wenn man auch Newsletter wie deinen liest, da ist jeden Tag passiert da was. Jeden Tag werden neue Kooperationen gegründet, jemand tritt in das Thema ein, es gibt neue Joint Ventures und so weiter und Und wir haben tatsächlich 2016 schon das Gefühl gehabt, wir sind zu spät. Und dann haben wir 2017, 18 und auch 19 gemerkt, nee, das ganze Thema E-Mobilität ist gerade dabei, sich zu finden. Und auch bei den OEMs und auch bei den Commercial Vehicles, wo wir gedacht haben, das würde noch schneller gehen, waren die Jahre tatsächlich eher langsam. Was man jetzt gerade sieht, ist in den, die Der einzige Bereich, der eine signifikante Elektrifizierung aktuell aufweist, ist das Thema Stadtbusse. Aber alles andere findet sich noch und ist gerade so ein bisschen, also man sieht gerade die ganzen Offroad-Wege, schielen alle auf die Bauma, auf die nächste 2022, da wird ganz, ganz viel elektrifiziert werden. Aber es war, also ich sage mal so, es hat bis vor Jahrzehnten Zwei Wochen, wann war der Power Day jetzt gerade? Bei Volkswagen ist es vor zwei Wochen gedauert, bis Herr Diess auf die Bühne getreten ist und gesagt hat, E-Mobility has won. Und dieses Statement hat man tatsächlich auch bis heute gesehen. sage ich mal, in der Richtung vermisst, als dass man ja immer noch über Technologieoffenheit gesprochen hat, über verschiedenste Systeme und gerade im Nutzfahrzeugbereich bin ich da auch dabei, dass das total Sinn macht, aber es hat deswegen tatsächlich, Elektrifizierung hat War langsamer, ich bin aber jetzt auf die nächsten fünf Jahre gespannt, weil gerade auch, wenn man da sieht, die bauen, also ein VW, der jetzt sagt, er baut sechs eigene Produktionswerke, wenn man sieht, was sowohl ein Daimler, ein BMW, was sie jetzt gerade alle announcen, die jetzt die nächsten Jahre werden, glaube ich, richtig spannend und das wird ein wahnsinniges Wachstum werden, ja.

  18. Sebastian:

    Das glaube ich auch, dass da das Tempo nochmal ganz gewaltig anzieht und auch vor allem, nachdem ja immer mehr OEMs auch ihre Verbrennerausstiege zumindest mal benennen, auch wenn das noch gefühlt Jahrzehnte dahin ist, sage ich mal, aber es ist ja trotzdem ein Statement zu sagen, okay, wir treten aus, wir denken nur noch E-Mobil, Batterie betrieben, beziehungsweise stellen dann halt auch die Entwicklung neuer Verbrennungsmotoren ein und shiften da unseren Fokus dann eben auf Batterie betrieben, E-Mobilität am Rande, vielleicht mit Wasserstoff dann auch noch die Thematik, wo dann aber auch wieder eher in den Nutzfahrzeugbereich gedacht wird.

  19. Nico Münch:

    Also ich glaube, da zieht schon Tempo an. Genau, also ich glaube auch tatsächlich, diese Nutzfahrzeuge müssen nochmal umdenken. Für die wird es nicht rein ausschließlich über eine reine E-Mobilität gehen. Aber im Pkw-Bereich sieht man jetzt, die Investments sind jetzt gemacht, die sind vorbereitet. Das ist keine Frage des Optus, nur eine Frage des Wann.

  20. Sebastian:

    Das denke ich auch. Und da habt ihr ja dann doch rückblickend betrachtet, nicht den Zeitraum geändert. erfasst, sage ich mal, oder genutzt, wo schon alles gelaufen war, sondern habt dann ja auch schon den Markt mitbestimmen können, gerade in diesen Jahren 2017 bis 2019, wo ihr eben im Austausch mit OEMs, mit Nutzfahrzeugherstellern wart, um da eben zu lernen, aber auch dann eben diese Produkte auf die Straße zu bringen. Jetzt würde mich mal interessieren, wie tief drin seid ihr in der Produktion von so einem Batteriesystem? Wenn wir sagen, gehen wir mal von eurem Standardsystem aus, was macht ihr alles? Kriegt ihr die Rohstoffe angeliefert und packt dann die ganze Batterie zusammen, also mit Zelle und so weiter? Oder wie schaut das bei euch bei Webasto Group aus?

  21. Nico Münch:

    Genau. Das Thema Zelle haben wir ganz explizit ausgeklammert. Wenn man über die Investitionssummen schaut, über die da gesprochen wird, sich anschaut, dann ist das eine Nummer zu groß für Webasto Group und auch nicht Webastos Kerngeschäft. Webasto Group sieht sich selber als Systementwickler für individualisierte, komplexe Systeme. Das Thema millionenfach das exakt gleiche Produkt in möglichst großer Stückzahl zu produzieren, ist nicht unser Kerngeschäft. Wir haben, und da sind auch die Konkurrenten, die da mitspielen, sind auch nicht die, mit denen wir uns messen wollen, das kann jetzt ein VW tun, das möchten wir aber nicht, sondern wir haben uns ganz speziell in die Nische gesetzt, dass wir gesagt haben, zwischen der Zelle und dem fertigen System Da sind ja doch noch einige Wertschöpfungsschritte zu tun und gerade auch das Thema Kontrolle des Energieinhaltes in einem Batteriesystem ist ein elementares Thema, das wir ja auch sehen, wenn man sich die Rückrufe der letzten Monate und Jahre anguckt, dass das noch eine Sache ist, mit der sich die Industrie weiter auseinandersetzen muss. Das heißt also, wir bekommen jetzt von Zellherstellern, in dem Fall für unser Standardbatteriesystem, sogar Module geliefert, fertige Module. Wir fertigen, wir kriegen Aluminiumprofile geliefert, wir fertigen aber dann tatsächlich das Gehäuse selber, wir setzen die Module ein, wir haben das ganze Thema Bass-Bass-Hopold-Elektronik, haben wir alles selber designt. Das Thema BMS, S-Boxen, also die Elektronikanteile wurden auch von uns selbstständig entwickelt. Die Elektronik wird auch tatsächlich von Webasto Group produziert. Dann werden die ganzen Komponenten zusammengefügt. Dabei gibt es Prozesse, wie dass man automatisch die Heat Transfer Paste produziert. auftragen muss, damit es ein ganz gleichmäßiger Übergang der Wärme eben gewährleistet ist, damit die Module perfekt temperiert sind und all diese Themen machen wir selber, das machen wir in Schierling, in unserem Werk, das ist ein Webasto Group-Technologie-Werk und auch aus Schierling heraus ist transferieren wir diese Technologie dann in die Welt und jetzt eben in unser nächstes Batteriewerk in Danjing in Südkorea.

  22. Sebastian:

    Okay, aber ich meine, das ist ja schon mal eine wichtige Aussage oder auch wichtige Überlegung eurerseits zu sagen, okay, ihr möchtet so stark wie möglich an den Kernkompetenzen dranbleiben und nicht da jetzt mit jemandem messen, der da Milliarden vielleicht in den Aufbau von Zellen Fertigungsstätten reinsteckt, sondern ja auch bewusst sagen, okay, wir kaufen Zellen beziehungsweise Module zu und glänzen dann eher mit unserer Expertise jetzt im Bereich der Elektronik, im Bereich Heating, Cooling, wo ihr dann eben auch Weltmarktführer seid sozusagen und stellt euch da auf, wenn ich das so richtig verstanden habe.

  23. Nico Münch:

    Ja, und das ist auch, dieses ganze Thema Systemauslegung ist auch eine Sache, da fühlen wir uns sehr wohl, weil für einen großen Zellhersteller der sich auf die Weiterentwicklung von Zellchemie und Produktionsprozessen bei der Zelle konzentrieren muss, der muss viel zu viele Menschen abstellen, um diese komplexen Systeme für einzelne Projekte zu entwickeln. Und selbst wenn diese Fahrzeuge dann noch tausende Male, zehntausende Male oder gegebenenfalls sogar hunderttausende Male produziert werden, sind das verhältnismäßig kleine Umsatzvolumina für einen Zellhersteller. Für Vivasto sind es aber hochinteressante, große Projekte und für diese stellen wir gerne unsere Entwicklungsmannschaften dann entsprechend bereit.

  24. Sebastian:

    Ja, dann vielen Dank, dass du uns da abgeholt hast, Nico Münch, und den Einblick auch gegeben hast. Das hat mich nämlich sehr interessiert, wie ihr denn da auch tatsächlich praktisch im Alltag unterwegs seid. Jetzt würde mich dann zum Ende von dem Gespräch auch noch interessieren, wir wissen, wo ihr herkommt, wir wissen, was ihr jetzt aktuell macht, wo geht die Reise im Hinblick auf die Batterie künftig bei Webasto Group hin, was plant ihr für die nächsten Jahre, was könnt ihr da schon kommunizieren, was habt ihr vielleicht schon kommuniziert?

  25. Nico Münch:

    Mir hat das jemand vor kurzem gerade gesagt, ich weiß nicht, inwieweit das stimmt, aber der hat gesagt, wenn man die Volumen-Hochlaufkurve der letzten ein, zwei Jahre mit den ersten ein, zwei Jahren des iPhones anschaut und die mal daneben legt, dann passen die eigentlich ganz gut zusammen. Und wenn man sich anschaut, wohin sich das iPhone entwickelt hat, dann kommen auf jeden Fall extrem spannende Zeiten auf uns zu in der E-Mobilität. Und Webasto Group wird daran partizipieren. Und wir haben ein unglaubliches Commitment unserer Eigentümer. Und Webasto Group investiert jedes Jahr in diesen Bereich jetzt auch über die nächsten Jahre hinweg einen dreistelligen Millionenbetrag. Das heißt, wir sind wirklich 100% da rein committed und das wird man darin sehen, dass wir jetzt erstmal das Thema wirklich in eine globale Expansion bringen, die nächsten Schritte. Wir haben bereits ein Prototypen- und Testzentrum in China aufgebaut. Wir haben eine, die erste Startmannschaft in den USA steht. Da haben wir auch bereits einige sehr interessante Akquisitionen. Das Thema Korea wird sich auf jeden Fall weiterentwickeln und in Europa sehen wir einfach einen unglaublichen Marktdemand, sowohl im Bereich Individualized als auch im Bereich Standardized. Das heißt, da wird sich auch ein kontinuierliches Wachstum ergeben und ich freue mich wirklich darauf zu sehen, wenn wir auf die Baumart 2022 gehen und tatsächlich sagen können, Das Fahrzeug hat eine Batterie von Webasto Group, das hat eine, das hat eine, das hat eine. Oder auch, wenn man einfach nur an der Straße steht und dann schon weiß, ja, von dem Fahrzeug, von dem haben wir auch die Batterie gefertigt. Und das in die Richtung geht. Wir wachsen auch in unserer Business Unit. Wir sind mittlerweile über 300 hoch engagierte Mitarbeiter. Leute, die da ein gemeinsames Ziel, einen gemeinsamen Traum verfolgen und es macht echt Spaß, hier zu arbeiten.

  26. Sebastian:

    Ja, also glaube ich dir. Man merkt auch, dass du dafür brennst. Und so wie du sagst, es gibt ja nichts Schöneres, als wenn man dann die Fahrzeuge auf einer Messe oder auch noch besser im Alltag sieht und dann weiß, okay, da ist ein Teil von uns mit drin verbaut. Das ist dann nicht nur irgendwie eine Zahl in der Excel-Tabelle, dass man da ein Fahrzeug mehr abgesetzt hat oder ein Batteriesystem für ein Fahrzeug mehr, sondern man sieht es im Alltag. Ich glaube, ein schöneres Gefühl gibt es da wahrscheinlich gar nicht.

  27. Nico Münch:

    Ja, genau. Das ist immer so die...

  28. Sebastian:

    Ja, dann sage ich erstmal vielen Dank dafür, Nico Münch, für diese Eindrücke von Webasto Group, was ihr denn jetzt so in den letzten fünf Jahren seit der Entscheidung, in der E-Mobilität Fuß zu fassen, ja angegangen seid. Und ich würde mich freuen, wenn wir uns einfach in den kommenden Jahren dann vielleicht nochmal hören können, um dann zu schauen, wie der Markt gewachsen ist und ob es denn auch Webasto Group da zu einer vorderen Position gebracht hat im Bereich Batterie und Charging.

  29. Nico Münch:

    Sehr gerne, hat mir auch viel Spaß gemacht und ja, ich freue mich aufs nächste Mal.

  30. Sebastian:

    Bis dahin, mach's gut.

  31. Nico Münch:

    Danke dir, ciao.

  32. Sebastian:

    Das war also die aktuelle Folge mit Nico Münch Münsch von Webasto Group, mit dem wir uns über Batterien ausgetauscht haben. Ich hoffe, dir hat die Folge auch so viel Freude bereitet, wie es bei mir eben der Fall war. Würde mich freuen, wenn du nur positive Bewertungen bei iTunes für uns hinterlässt. Einfach, dass wir noch ein wenig mehr Menschen in die Welt der E-Mobilität mit hineinnehmen können. So oder so, vielen Dank fürs Zuhören. Wir hören uns nächste Woche wieder. Bis dahin, mach's gut, ciao.