Smart-Europa-CEO: Wie Smart die E-Auto-Welt umkrempelt

Im Gespräch mit Dirk Adelmann, CEO von Smart Europa

Smart – das „Kind zweier Mütter“ aus Europa und Asien – steht im Mittelpunkt eines faszinierenden Wandels. Von der kultigen Marke für Stadtautos hin zu einem Vorreiter für nachhaltige Mobilität: Im Podcast mit Sebastian Henßler, Herausgeber von Elektroauto-News.net, gibt Dirk Adelmann, CEO von Smart Europa, tiefe Einblicke in die Neuausrichtung der Marke.

Wie gelingt es Smart, die Mentalitäten und Stärken von Geely und Mercedes zu vereinen? Welche Rolle spielen Partnerschaften und Werte wie Optimismus und Offenheit in der Markenstrategie?

Und wie navigiert das Unternehmen durch ein herausforderndes Marktumfeld, geprägt von Unsicherheiten und regulatorischen Hürden? Adelmann spricht über die Herausforderungen einer globalen Marke, die Balance zwischen chinesischer Technik und europäischem Design sowie den mutigen Schritt, mit Modellen wie dem #5 ein neues Marktsegment zu erobern.

Erfahre, wie Smart mit Innovationsgeist, Resilienz und einem klaren Ziel vor Augen seinen Platz in der Elektromobilität behauptet – und dabei das Beste aus zwei Welten nutzt. Jetzt reinhören!

Shownotes:

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Transcript

  1. Intro:

    Elektroauto News. Der Podcast rund um das Thema Elektromobilität. Mit aktuellen Entwicklungen, Diskussionen, Interviews und vielem mehr.

  2. Sebastian Henßler:

    Servus und herzlich willkommen bei einem neuen Folge des Elektronischen News Podcast. Ich bin Sebastian und freue mich, dass du heute eingeschaltet hast. In der aktuellen Folge habe ich Dirk Adelmann, CEO von Smart zu Gast und wir haben uns über Smart unterhalten. Wo kommt die Marke her? Wo will die Marke hin? Ist man europäisch? Ist man chinesisch? Ist man gar deutsch? Wie sieht man sich selbst? Wie geht man mit dem Thema Strafzölle um? Und was können wir künftig aus dem Portfolio von Smart erwarten? All diese Fragen hat uns Dirk in einer etwas längeren Folge beantwortet, aber aus meiner Sicht eine Folge, die es absolut wert ist, am Stück gehört zu werden. Wir gehen direkt rein ins Gespräch mit Dirk. Heidi, es freut mich, dass du heute mit am Start bist hier in der Podcast-Folge. Ich hatte ja im Vorgespräch schon mit deinen Kolleginnen gesprochen und mich ein Stück weit vorbereitet. Und da ist dann auch eine schöne Beschreibung deiner Person gefallen, auf die ich jetzt ganz gespannt bin, wie du dazu stehst. Du wurdest mir von den KollegInnen als personifizierte Verbindung zwischen Europa und China bezeichnet, was ja sicherlich von Vorteil ist als CEO von Smart Europe. Wie kommt man zu so einem Titel und was hältst du selbst davon, von der Bezeichnung?

  3. Dirk Adelmann:

    Also wenn das die Kolleginnen sagen, dann ist da sicher was dran. Aus meiner Sicht, ich bin für die Aufgabe dahingehend geeignet, wenn ich es mal bescheiden formulieren darf, dass ich über 25 Jahre in der Automobilindustrie verbracht habe, mehrheitlich bei Mercedes und Smart. Das heißt, ich war auch relativ früh in meiner Laufbahn, schon vier Jahre bei Smart in der Anfangszeit. Ich habe insgesamt acht Jahre in Asien verbracht. Das hilft sicherlich auch bei so einem deutsch-europäisch-chinesischen Joint Venture. Am Anfang, muss ich doch zugeben, war es für mich auch eine sehr steile Lernkurve in der Zusammenarbeit und zwar als Kind zweier Mütter sozusagen, als Kind zweier Eltern. Da die jeweils unterschiedlichen Geschwindigkeiten, Mentalitäten, Führungsstile unter einen Hut zu bekommen und dann auch jeder Mannschaft zu vermitteln. Anfang 2019 war das schon auch sehr, sehr spannend als Herausforderung.

  4. Sebastian Henßler:

    Das glaube ich dir. Da kommen wir aber auch später nochmal drauf zu sprechen, weil gerade dieses Zitat Kind zweier Mütter legt dann schon eine gute Grundlage für das spätere Gespräch und die Punkte, wo wir eintauchen. Ich würde gerne erstmal noch vielleicht eine Ebene höher einsteigen und zwar bei Smart an sich. Smart an sich war ursprünglich bekannt für kompakte Stadtautos mit Benzinmotor. die vor allem ja auch mit ihrem ikonischen Design und dem urbanen Lifestyle überzeugt haben. So würde ich mal die Einordnung vornehmen oder habe das eben auch so aus älteren Berichten herausgezogen. Heute allerdings steht die Marke ja für vollelektrische Mobilität und auch eine deutlich modernere Designsprache, um es eben auf diese sichtbaren Aspekte eben runterzubrechen. Also kurzum, Smart hat sich aus meiner Sicht und auch aus Sicht wahrscheinlich anderer KundInnen radikal verändert. Wie würdest du Smart heute, wie beschreibt ihr Smart im Kern die Marke heute? Wie ordnet ihr die ein?

  5. Dirk Adelmann:

    Positionierung sehen wir uns unterhalb unserer Schwestermarke Mercedes-Benz, mit der wir uns die Showrooms in Europa teilen. Während Mercedes-Benz im Luxussegment operiert, sind wir Premium mit einem Augenzwinkern, so nennen wir das bei Smart. Wir sind von der Markenhaltung immer grundsätzlich etwas optimistischer, was die Zukunft betrifft, als andere. Und wir sind in Sachen Elektromobilität Vorreiter aber nicht nur da. Wenn wir jetzt mal einen Zeitsprung machen in die Vorsmart-Zeit, also in die ersten Überlegungen zu Smart, das war 1969, 70. Da wurde unter anderem von Prof. Dr. Tom Forde ein Zweisitzer sehr kompakt für die Stadt konzipiert mit vier Radnabenmotoren. Also ein klassisches Elektrofahrzeug, seinerzeit weit voraus und kostenseitig auch nicht darstellbar zu der Zeit. Als wir dann 98 smart gelauncht haben mit einem Ford 2, waren es klassische Verbrennermotoren. Wir haben uns dann über die Jahre herangetastet an dieses Thema Elektromobilität, haben aber in der Zwischenzeit auch immer über Mikrohybride, Mildhybride versucht, diese nachhaltige Mobilität, urban und extra urban, ein Stück weit zu realisieren. 2019 war für uns dann das entscheidende Jahr, als wir umgeswitcht haben auf reine Elektrofahrzeuge. Das ist einhergegangen mit einer gewissen Volumenreduktion, weil auch hier der Markt noch nicht so weit war, vor allem der europäische Markt noch nicht so weit war. Ich glaube, wir sind jetzt endlich mit dem Produktportfolio so aufgestellt, dass wir dem Market Claim gerechter werden, also nachhaltige urbane Mobilität und zwar in jeglicher möglichen Ausprägung, Form, jedes Segment bedienen zu können. Da hilft natürlich das, was wir vorhin schon angesprochen hatten, dass wir von zwei Seiten uns das Beste ziehen können.

  6. Sebastian Henßler:

    Jetzt hast du es eben schon so schön angerissen hier, also diese Zweitseiler nenne ich es jetzt mal, nachhaltige urbane Mobilität in jedem Segment. Ist das auch so, wie du die Marke Smart heute erklären würdest?

  7. Dirk Adelmann:

    Ja und nein. Smart als Marke ist mittlerweile ein Stück weit erklärungsbedürftiger als früher. Wir hatten früher einen 4-2, das war das Brand-Icon, wie man so schön neudeutsch sagt. Heute, wenn wir uns über Smart unterhalten, denkt jeder sofort, okay, 4-2. Die Marke hat sich deutlich weiterentwickelt, auch in der Designsprache von, Gordon Wegener würde jetzt sagen, von cute zu sexy. Wir sind ein Stück weit erwachsener geworden, aber immer noch nicht so, dass du sagst, das ist jetzt eine Luxusmarke. Das heißt, wir haben ein, zwei Schritte in die richtige Richtung gemacht. Wo wir noch besser werden müssen, ist unsere Kundinnen und Kunden mitzunehmen auf dieser Reise. Und ich glaube, die Marke, wie sie heute aufgestellt ist, ist immer noch ein Stück weit erklärungsbedürftig. Und da kommen auch deine Rückfragen her, nehme ich an.

  8. Sebastian Henßler:

    Was mich natürlich auch noch interessiert, ihr habt euch ja dann neu positioniert. Du hast gesagt, 2019 war dann auch eben so der Shift. Wir gehen vollelektrisch, wir erschließen auch andere Unternehmen. Modelle, auch von der Größe her, du hast das ikonische Modell genannt, seid jetzt aber doch einige Stufen drüber angesiedelt, gerade mit dem Hashtag 5, auf den wir nachher noch zu sprechen kommen. Aber wer oder was war dieser Auslöser für diese Neupositionierung, für die Weiterentwicklung der Marke, wie du es genannt hast? Kam das vom Kunden, also war das vom Markt eher gefordert und getrieben oder kam das durch euch selbst heraus, weil ihr gesagt habt, okay, wir müssen jetzt beispielsweise auch in andere Felder rein, um Umsatz auszuweiten, um eine relevantere Zielgruppe für uns zu erschließen?

  9. Dirk Adelmann:

    Sowohl als auch, würde ich hier sagen, also sowohl von Kunden als auch von uns aus im Unternehmen heraus. Wir haben mit dem 4-2 und später auch 4-4 das A-Segment bedient. Das ist in Europa ein relativ kleines, überschaubares Segment von damals 200.000, 250.000 Fahrzeugen gewesen. Und wir haben mit dem 4-2 dieses Segment mehr oder weniger definiert oder dominiert, was uns im Wachstum aber immer eingeschränkt hat. Wir waren zu meiner ersten Smart-Zeit Ende 2005, 2006 schon dran, einen kleinen, kompakten SUV zu realisieren. Damals unter dem Namen 4More. Die Älteren werden sich sicher noch erinnern. Wir haben dieses Fahrzeug rein elektrisch realisiert in 2019, Entwicklungs- und Designseitig und auf die Straße gebracht in Europa in 2023. Das heißt, wir haben aus meiner Sicht den Kreis geschlossen, den wir 2005, 2006 unterbrochen haben. Wir sind jetzt im B-Segment, im C-Segment und mit dem Hashtag 5 dann auch im D-Segment unterwegs, in Segmenten, die in Europa deutlich, deutlich größer sind als das A-Segment und in Segmenten, die in Europa dominiert werden von der SUV-Form, also weniger Limousine, weniger Kombi, sondern wirklich SUV-Form. Deswegen auch unsere ersten drei Fahrzeuge in der Neuausrichtung in diesen Segmenten und mit diesem Bodytype.

  10. Sebastian Henßler:

    Dazu passend, ihr habt euch ja auch ein Stück weit gewandert von der Designsprache, von der Ausrichtung, ich sag mal Interieur, Exterieur, von der Wahrnehmung her. Du hast gesagt, ihr seid Premium mit einem Augenzwinkern sozusagen. Dieser Begriff Premium, der wird aus meiner Sicht, wenn ich jetzt auch gerade Pressemitteilungen von euren Marktbegleitern lese, sehr inflationär verwendet mittlerweile. Insofern würde mich mal interessieren, wie definierst du, wie definiert ihr Smart Premium mit einem Augenzwinkern für euch?

  11. Dirk Adelmann:

    Wir haben Partnerschaften eingegangen. Ich glaube, da kann man es am ehesten beschreiben. Smart als Marke steht immer für etwas, für Optimismus, für Toleranz, für einen offenen Umgang miteinander. Wir sind in Stuttgart mit circa 200 Leuten vertreten, in ganz Europa 300. Wir haben alleine in Stuttgart 46 Nationalitäten. Also das ist ein Stück weit ein sehr, sehr internationaler Mix, den wir mit Smart ein Stück weit auch transportieren möchten. Wir suchen uns Partner aus, die diese Werte teilen. Ein Beispiel Viva Con Agua, ein anderes Beispiel FC St. Pauli. Partner, die offen für Toleranz werben. Partner, die auch für Demokratie einstehen. Wir haben damals gemeinsam mit vielen anderen zur Europawahl aufgerufen. Also uns geht es nicht darum, eine bestimmte Richtung zu propagieren in der Politik. Uns geht es darum, die Leute zu ermuntern, am Dialog teilzunehmen für das Wettbewerb. Beste zu kämpfen. Dafür steht die Marke Smart aus meiner Sicht mehr denn je. Und mit den durchaus eingeschränkten Ressourcen, die wir zur Verfügung haben, sind wir auch massiv angewiesen auf solche Partnerschaften, um unsere Botschaft mit der Marke auch zu transportieren.

  12. Sebastian Henßler:

    Wie hilft das schlussendlich, also diese Botschaft zu transportieren, um dann Fahrzeuge zu verkaufen? Weil am Ende vom Tag seid ihr jetzt der Kai der Fraktion, Partei, Verein, der, ich sag mal, da Unterstützung macht, sondern euer Ziel, du hast es gesagt, ihr habt neue Segmente erschlossen, ihr wollt und müsst Fahrzeuge verkaufen. Wie verknüpft ihr das?

  13. Dirk Adelmann:

    Wir tun es auch, Gott sei Dank. Wir sind ja kein gemeinnütziger Verein in der Hinsicht. Wir haben angefangen 23 mit 10 Märkten, sind jetzt in Europa in 17 Märkten aktiv, haben zwei Fahrzeuge gelauncht, der dritte, der Hashtag 5, kommt dann nächstes Jahr im Mai in Deutschland in die Showrooms. Wir haben unseren Absatz verdoppelt gegenüber dem letzten Jahr, jetzt mit allen Märkten im Launch, im Hochlauf. Das heißt, ja, natürlich wollen wir auch Fahrzeuge verkaufen. Ohne wirtschaftlichen Erfolg wirst du auch nicht nachhaltig Botschaften platzieren können, weil es dich dann irgendwann nicht mehr gibt. Also das ist für mich ein Hygienefaktor, der ist natürlich wichtig.

  14. Sebastian Henßler:

    Das ist ja schon mal erfreulich, dass ihr ja nicht schlecht unterwegs seid und das freut uns ja dann auch, dass wir euch dann hoffentlich noch lange am Markt sehen. Allerdings ist es ja auch so, im Rahmen dieser Neupositionierung, in dieser Weiterentwicklung der Marke, die ihr vorangetrieben habt. Da hat man ja bestimmt auch Learnings mitnehmen dürfen, die jetzt auf die Zukunft der Marke einfließen und da würde mich einfach mal interessieren, wenn wir das eben noch mit drauf schauen, was würdet ihr jetzt heute anders, besser machen vielleicht bei einer Entwicklung der Marke, sei es jetzt Kunden mehr mit einbeziehen, noch näher am Markt zu entwickeln und worauf könnte man verzichten? Also welches Learning hättest du jetzt persönlich da nicht gebraucht auf der Weiterentwicklung der Marke Smart?

  15. Dirk Adelmann:

    Wir haben aus meiner Sicht zu lange gebraucht, um wieder zu uns selbst zu finden. Wir haben dieses Jahr den Claim Open Your Mind quasi reaktiviert, den gab es früher ja schon mal. Der passt zur Marke, der strahlt die Markenwerte am besten raus, er transportiert die Markenwerte am besten. Das war was, wo wir uns wahrscheinlich drei Jahre... zu sehr beschäftigt haben mit uns selbst. Für was wollen wir stehen? Was ist die Neuausrichtung? Letztendlich haben wir zu uns selbst zurückgefunden und das hat sehr viel Zeit gebraucht. Wenn wir die Produkte ansprechen, Hardware-seitig sind unsere Produkte in dem Segment einzigartig, aus meiner Sicht. Software-seitig hatten wir am Anfang durchaus auch noch ein paar Baustellen, die wir über die Zeit, immer im 3-4-Monats-Rhythmus mit entsprechenden Over-the-Air-Updates, aber sehr, sehr... gut und nachhaltig behoben haben, immer eben Zusammenarbeit mit unserer Community. Das heißt, wir sind auf unsere Kunden eingegangen, wir sind auf unsere Kollegen von der Presse eingegangen, was auch mit dabei bei den entsprechenden Pressefahrvorstellungen. Wir haben das Feedback sehr, sehr ernst genommen und dann entsprechend die Software im Fahrzeug weiterentwickelt. Wir haben seit Launch, also jetzt circa eineinhalb Jahre, sechs Over-the-Air-Updates gemacht. vor fünf Jahren, in dem Zeitraum wäre das Science Fiction gewesen. Das heißt, wir sind wirklich massiv auf die Kundenwünsche eingegangen. Mein absoluter Favorit Wir haben mit OTA 6 vor wenigen Wochen einen freiprogrammierbaren One-Touch-Button eingeführt, der quasi sämtliche Funktionen im Fahrzeug, die mir als Kunde auf die Nerven gehen könnten, aber regulatorisch vorgeschrieben sind, also das Ganze gepiepelt im Auto, mit einem Knopfdruck stumm bzw. visuell schalten. Das heißt, ich habe sieben verschiedene Themen von Lane Keeping bis Attention Assist durchgeführt. Und wir verlängern die Liste, wir bauen das aus mit den nächsten Over-the-Air-Updates, sodass ich regulatorisch konform mein Fahrzeug für mich nach dem Start mit einem Knopfdruck auf mich persönlich einstellen kann. Und das war was, was uns die Kunden und Kundinnen rückgemeldet haben über die Zeit und zwar sehr deutlich rückgemeldet haben. Mir geht das auf die Nerven. Wieso muss das so laut sein? Warum ist das so aufdringlich? Ich brauche keinen Lehrer oder Polizist bei mir im Fahrzeug. Nichts gegen Lehrer oder Polizisten, aber bitte nicht als Beifahrer. Und das haben wir dann umgesetzt über die Zeit. Und das ist mein Highlight im letzten Over-the-Air-Update. Gab es auch sehr, sehr viel positives Feedback von der Community. Also von daher, wenn du mich fragst, was hätten wir besser machen können, wir hätten das Thema Software viel früher angehen müssen aus meiner Sicht und viel schneller nachbessern müssen. Aber wir sind jetzt in einer Geschwindigkeit, die ich so in der Industrie noch nicht erlebt habe.

  16. Sebastian Henßler:

    Das wird auch ein Punkt sein, wo wir nochmal drauf eingehen, aber ich finde das auch ein sehr schönes, plastisches Beispiel, wo du jetzt gebracht hast, gerade dieser One-Touch-Button, also der wird bestimmt unter den KollegInnen bei Testfahrten auch sehr gerne gesehen sein, weil das ist immer so das, wo man als erstes nachfragt und kenne ich auch von mir insofern gerne gesehen. Für mich war es letztes Jahr, glaube ich, im November, Dezember, wo ihr ja auch ein Auto-Update gefahren habt, wo die Lenkradheizung mit dazugekommen ist für sämtliche Smart-Kunden, was ich auch einen schönen Vorteil fand, dass man sagt, okay, man nimmt nicht nur die neuen KundInnen mit rein, die eben das Fahrzeug neu erwärmen, sondern man bringt das auch rückwirkend mit rein. Das ist doch ein guter Vorteil, den er ausspielt. Bevor wir aber auf Software und Hardware noch mal ein Stück tiefer eingehen, du hattest eben auch das Thema Absatz gesagt. Ihr habt euch verdoppelt in diesem Jahr bisher, als wir über die Partner geredet haben. Ist ja auch notwendig, weil kein gemeinnütziger Verein, wie wir nachvollziehen können, Seid ihr denn auf Plan? Wir wissen ja, der Markt dieses Jahr hat schon deutlich gelitten. Europa, weltweit, also eigentlich, ich sag mal, in Deutschland hauptsächlich als größter europäischer Markt, Europa an sich, China, USA wächst. Aber in der Mediendarstellung ist ja immer der E-Auto-Markt ist eingebrochen. Euch betrifft es ja zu 100 Prozent. Ihr seid reiner E-Auto-Hersteller. Wie geht die Marke Smart damit um? Was hat es mit euch gemacht in diesem Jahr?

  17. Dirk Adelmann:

    Nummer eins, ich würde sagen, uns geht es den Umständen entsprechend gut. Nummer zwei, wir haben wahnsinnig viel dazugelernt und wir haben als Organisation wunderbar an unserer Resilienz arbeiten können. Also von daher, das Jahr für uns war Gold wert als junge Firma. Wir hätten nicht gedacht, dass wir... so viel Gegenwind bekommen. Das hat angefangen im Dezember 23 mit der Subsidy oder mit der BAFA- mit dem BAFA-Ende über Nacht, wobei über Nacht ist unfair. Ich glaube, es wurde freitags angekündigt und jeder, der es geschafft hat, Samstag sein Auto zuzulassen, hat Glück gehabt. Das ist in Deutschland nicht ganz so einfach. Das hat uns wehgetan. Hier sind wir dann eingesprungen, wie andere Hersteller auch, und haben die BAFA vollumfänglich für unsere Kundinnen übernommen. Machen wir bis Ende des Jahres heute immer noch. Das heißt, es war für uns ein wahnsinnig hoher finanzieller Aufwand, den wir hier betrieben haben. Dann kam in Frankreich mehr oder weniger auch ohne große Ankündigung der Ausschluss von nicht in Frankreich hergestellten Fahrzeugen, von der lokalen Unterstützung. Und dann gab es die leidige Zolldiskussion für Fahrzeuge, die in China produziert werden. Das hat uns alles nicht geholfen. Das hat aber vor allem den Kunden dramatisch verunsichert. Wenn ich mir die Kundenbrille aufsetze und wir machen K-Clinics alle drei Jahre grob, um auch zu verstehen, wo sind die Trends, wo geht es gerade hin. Vor sechs Jahren war der Prozentsatz der Kunden, die sich vorstellen können, als nächstes Fahrzeug ein Elektrofahrzeug zu nehmen, deutlich höher als heute. Das sagt eigentlich alles aus. Ich rede hier nicht über China, ich rede hier über Europa. Die K-Klinik war Deutschland und Italien, also Düsseldorf, Mailand. Von daher... Das tut weh. Das heißt, der Kunde ist dramatisch verunsichert durch das Hü-Hot, durch dieses Auf und Ab, durch dieses Ändern der Regeln. Ist für die Restwerte auch Gift. Das heißt, ist für die Leasingrate Gift. Das heißt, die Elektromobilität ist dieses Jahr in 2024 massiv gebeutelt worden. Massiv gebeutelt worden. Daher, uns geht es den Umständen entsprechend gut. Wir haben unseren Absatz verdoppelt und wir sind in Spur. Absolut.

  18. Sebastian Henßler:

    Du hast es eben gerade schon gesagt, ihr seid mit der BAFA jetzt auch als greifbares Beispiel hier für uns in Deutschland in den Vorleist gegangen, jetzt auch noch bis Ende des Jahres. Das war mir jetzt auch gar nicht bewusst, dass ihr das so lange durchgezogen habt. Das heißt ja im Umkehrschluss, ihr macht wahrscheinlich relativ gute Marge an euren E-Autos mit einem Augenzwinkern hier. Aber die ganze Thematik geht ja jetzt im kommenden Jahr dann verstärkt weiter. Du hast es selbst angerissen, die Strafzölle. Und da das Thema müssen wir streifen, weil Europa-China, eure Verbindung, die greift hier direkt Ist das überhaupt förderlich, dass der Markt von der Politik heraus geregelt wird und wer leidet am Ende am meisten?

  19. Dirk Adelmann:

    Wenn ich darf, würde ich es ganz zweigeteilt beantworten. Der erste Teil geht auf, sollte der Staat regeln? Da gibt es ein ganz, ganz tolles Beispiel nördlich von uns, Norwegen, wo der Staat seit über 20 Jahren regelt und zwar nachhaltig regelt in eine Richtung. Und zwar Richtung Elektromobilität. Das hat klein angefangen mit Steuervergünstigungen, dann kamen Zulassungsvergünstigungen, dann kam freies Parken in der Innenstadt, dann kam freies Laden am Wochenende und hat sich dann bis hin zu, wir machen keine Mehrwertsteuer für Elektroautos, wir machen keinen Importzoll auf Elektroautos, so entwickelt. dass nächstes Jahr die Verbrenner so gut wie weg sind in Norwegen. Das heißt, es geht und es hat den Staat auch nicht wirklich massiv Geld gekostet, weil sie es auf der anderen Seite gegenfinanziert haben. Das heißt, der Staat kann, wenn er das nachhaltig macht, sehr wohl regelnd eingreifen in den Markt. Sollte er aus meiner Sicht auch und er sollte sich immer Die Rückendeckung des Volkes wohl. Und das hat Norwegen über 20 Jahre hervorragend gemacht. Der komplette Weg zur Elektromobilität wird getragen vom norwegischen Volk. Und zwar regierungsunabhängig. Da gab es auch Regierungswechsel. Also das finde ich ein sehr nachhaltiger Weg, den man gehen kann. Also ja, der Staat sollte regeln, wenn er es denn hinbekommt nachhaltig. Erster Teil der Antwort. Was wir nicht hinbekommen haben in Deutschland, ist genau dieses nachhaltige oder auch nicht in Europa nachhaltige. Und mal rein, mal raus, betrifft nicht nur die Anschaffungssubventionen, also BAFA und Co. Das betrifft auch das ganze Thema Ladeinfrastruktur, was viel zu langsam vorangeht. Das betrifft das Thema Stromkosten aus meiner Sicht. Wir haben jetzt die letzten Wochen eine Explosion in den Stromkosten erlebt. Das macht es nicht unbedingt attraktiver, ein Elektrofahrzeug sich jetzt anzuschaffen. Und diese ganze Unsicherheit, Die führt dazu, dass der Elektromarkt in Deutschland beispielsweise um über 25 Prozent eingebrochen ist dieses Jahr. Und da muss man gegensteuern. So, dritter Teil der Antwort.

  20. Sebastian Henßler:

    Da würde ich kurz einhaken, vielleicht, weil sonst für mich etwas zu sehr. Du hast es schön ausgeführt. Norwegen hat das ja schon durchdacht gemacht vom Staat getrieben. Unterstützung der Menschen, die dort in dem Staat leben, ist ja jetzt für Norwegen augenscheinlich aber auch ein Stück weit einfacher, weil man eben nicht diese breite Automobilherstellerlandschaft hat, wie wir das hier in Deutschland haben. Ich meine, wir haben hier einen VW, wir haben einen Mercedes, wir haben einen BMW. Du kennst sie alle. Das ist ja nicht so ganz einfach. Da schwingt ja auch so eine gewisse Geschichte mit, diese Verbundenheit dazu. Wäre das dann überhaupt möglich gewesen, in diesem Ausmaß das bei uns umzusetzen?

  21. Dirk Adelmann:

    Sebastian, wenn du mit den Kollegen Blume, Zipse und Kalenius sprichst, dann wirst du wahrscheinlich das Gleiche hören wie von mir. Alles ist besser als das, was wir gerade machen. Und die Kollegen werden auch fordern von der Politik, gebt uns stabile, gleichbleibende Rahmenbedingungen. Die drei Beispiele sind gut, weil sich alle drei massiv auf die Elektromobilitätswende eingestellt haben. Mit ihren Investitionen, mit allem. Jeder war bereit. Da schreit auch keiner Hurra, dass es jetzt eine Rolle rückwärts zu geben scheint. Also ich glaube, das wäre in Deutschland durchaus machbar gewesen, wenn man die Unternehmen eingebunden hätte, rechtzeitig, und wenn man es gemeinsam gemacht hätte.

  22. Sebastian Henßler:

    Das ist genau das Thema, dass es ja gar nicht darum geht, Die eine oder die andere Technologie, sondern das Stichwort wird diese Leitplanken sein, die du gesagt hast. Lange, planbare, weil es werden Investments getätigt. Da können wir nicht nur von zwei, drei Jahren Sicherheit reden, sondern wir müssen halt die nächsten 10, 15, 20 Jahre wissen, damit man entsprechend aktiv werden kann. Jetzt meint man durch Eingriffe in den Markt, indem man Strafsteuern oder Strafzölle erhebt auf Fahrzeuge, die in China gefertigt werden. Das betrifft euch natürlich stark. aber betrifft ja auch andere deutsche Hersteller in diesem Sinne, die in China für Europa, für den Weltmarkt fertigen. Wie ist denn da die Einschätzung, um jetzt den dritten Teil deiner Antwort aufzugreifen?

  23. Dirk Adelmann:

    Danke. Zu den Strafzöllen. Wir sind davon betroffen seit 1. November. Das heißt, faktisch werden sämtliche Fahrzeuge, die wir seit 1. November 2024 importieren, mit zusätzlichen 18,8% Strafzoll oder Zusatzzoll belegt. Das tut weh. Wir werden im Januar die Preise entsprechend anheben müssen. So viel zu deiner Suggestivfrage. Dann müssten wir ja dick und fett Margen haben. Haben wir nicht. Das heißt, wir sind gezwungen, Preise anzuheben. Und ich gehe davon aus, dass das andere Hersteller, die auch in China produzieren, auch zeitnah machen werden. Thema 1. Das heißt... Es wird deutlich teurer, in dem BEC-Segment ein Elektrofahrzeug zu beziehen. Meine Vermutung für nächstes Jahr. Wenn dem so ist, werden sich Hersteller, die sich nicht rein elektrisch verstehen, umschwenken auf Plug-in-Hybride oder Verbrenner. Das haben gewisse Konkurrenten bereits angekündigt. Die werden auch nicht in Europa gefertigt in dem Segment. Das heißt, auch die kommen dann aus China, aus Korea oder Japan. Das heißt, dieses Schwert, das die EU hier schwingt mit den Strafzöllen, ist ein relativ kurzes Schwert und ein relativ stumpfes Schwert aus meiner Sicht, weil diese Strafzölle zu umgehen mit anderen Produkten ist ein leichtes für viele dieser Hersteller. Es wird aus meiner Sicht eher dazu führen, dass die Elektromobilität noch ein Stück weit eingebremst wird in Europa und wir das Klimaziel noch eher aus den Augen verlieren werden. Das ist meine Einschätzung.

  24. Sebastian Henßler:

    Was mich natürlich interessiert und was ja für mich jetzt aufgeht, wenn ich das von außen betrachte, man möchte zwar den Markt regulieren, aber man bestraft ihn ja eher, weil wir wissen, nächstes Jahr steigen die CO2-Flottenwerte, an denen die Hersteller gemessen werden. Jetzt erheben wir zusätzliche Strafzölle auf Fahrzeuge, die diese CO2-Flottenwerte senken würden. Das kann ja auch nicht im Sinne des Erfinders sein und zahlt ja auch direkt auf die Aussage ein, die du jetzt auch aufgegriffen hast. Was oder wie könnte man das besser machen? Steuern? Sind wir da wieder bei dem Thema Norwegen, das Ganze ganzheitlicher zu denken?

  25. Dirk Adelmann:

    Ja, ganzheitlicher beziehungsweise kooperativer. Wir sind bei Smart, habe ich eingangs erwähnt, ja durchaus optimistisch, was die Zukunft angeht, auch optimistisch, was die nahe Zukunft bezüglich dieser Zölle angeht. Die Verhandlungen laufen noch, das heißt MOFCOM, Ministry of Commerce in China und die EU-Kommission und das Case-Team verhandeln nach wie vor, um zu einer besseren Lösung zu kommen. Eine bessere Lösung könnte zum Beispiel ein Minimum-Importpreis, also eine Selbstbeschränkung der Importeure sein, könnte eine Quotenregelung sein. Da gibt es diverse Spielarten, die alle besser sind, auch für den Kunden besser sind, als Strafzölle.

  26. Sebastian Henßler:

    Wenn das jetzt so bleibt, wie es ist, führt das in Anführungsstrichen, großen Anführungsstrichen, nur zu erhöhten Preisen für die Smart-KundInnen sozusagen, jetzt aus eurer Sicht betrachtet? Oder spielt ihr auch nochmal mit der Idee oder mit dem Gedanken, den Schwenk zurück zu Plug-in-Hybriden zu machen beispielsweise?

  27. Dirk Adelmann:

    Sehr gute Frage. Ist bei uns aktuell für Europa nicht vorgesehen, nein.

  28. Sebastian Henßler:

    Ihr seid ja auch eben eine Brand, die auf zwei Märkten agiert, wenn man das so sagen will, oder aus zwei Märkten stammt. Europa haben wir Mercedes, in China haben wir Chili als eine der zwei Mütter, die das Kind smarter sozusagen mit sich bringt. Was ist smart, wenn wir nochmal auf die Marke gehen? Ist smart jetzt heute eine Chinesische, eine deutsche Brand, irgendwas dazwischen? Kannst du das nochmal einordnen? Aus eurer Sicht jetzt erstmal wieder betrachten.

  29. Dirk Adelmann:

    Wir verstehen uns als internationale, globale Marke mit europäischen Wurzeln. Wir haben zwei große Kontinente als Heimat, nämlich Greater China mit mittlerweile Hongkong, Makao und Co. Taiwan kommt demnächst und Europa mit mittlerweile 17 Märkten. In Summe sind wir in über 30 Märkten aktiv. Vor kurzem Australien, Vereinigte Arabische Emirate, Thailand, Malaysia, Israel. Das heißt, wir sind nach wie vor am Expandieren global. Aber wir können natürlich unsere Herkunft, europäische Herkunft nicht verleugnen. Angefangen hat alles in Biel in der Schweiz, dann sind wir nach Renningen, Böblingen gezogen hier. Und letztendlich mit der Fabrik in Hambach, dann mit Contract Manufacturing, Auftragsfertigung in Novomesto und Born, damals Kooperationspartner Mitsubishi, Renault. Also wir sind schon immer international gewesen mit starken europäischen Wurzeln und das wollen wir auch beibehalten.

  30. Sebastian Henßler:

    Und davon ausgehend kann man jetzt auch sagen, Europa ist für euch der relevanteste Markt? Oder ist es China mittlerweile? Oder teilt sich es eben auch auf? Also da auch nochmal eine Einordnung deiner Seite.

  31. Dirk Adelmann:

    Das ist wie bei fast allen Herstellern aus Deutschland. China ist der mit Abstand wichtigste Markt für uns. Gleich dahinter kommt aber schon Deutschland. Also Europa klar Nummer zwei, aber innerhalb Europas Deutschland. Wir sind aktuell bei circa 45 Prozent vom Gesamtvolumen in Europa in Deutschland. Das heißt, trotz aller Knüppel, die uns zwischen die Beine geworfen wurden, sind wir in Deutschland durchaus erfolgreich unterwegs.

  32. Sebastian Henßler:

    Wie nehmen euch denn die KundInnen denn mittlerweile auf dem deutschen Markt vor allem wahr? Seid ihr dort auch als internationale Marke mit europäischen Wurzeln angesehen? Geltet ihr als eine europäische Marke, eher deutsch zugewandt oder zählt ihr vielleicht sogar mittlerweile schon in der Betrachtung als chinesischer Elektroautohersteller? Das würde mich auch mal interessieren, wie da die Wahrnehmung einfach aus der Sicht der KundInnen ist.

  33. Dirk Adelmann:

    Wir haben Ende letzten Jahres das goldene Lenkrad gewonnen. Für jeden, der in der Automobilindustrie tätig ist, ist das sicherlich ein Kindheitstraum, der da in Erfüllung gegangen ist. Und wir haben das gewonnen als deutsche Marke, also mit der deutschen Flagge hinter unserem Hashtag One damals. Das heißt, wir werden gerade in Deutschland durchaus als deutsche, nicht europäische, sondern durchaus als deutsche Marke wahrgenommen mit Europasitzzentrale in Stuttgart oder Leinfeld-Nächterdingen genauer. Wir werden aber auch dadurch als deutsch wahrgenommen, weil wir sehr, sehr eng in Europa mit Mercedes zusammenarbeiten. Wir sind in den Showrooms integriert bei Mercedes mit einer Shop-in-Shop-Lösung in Deutschland in über 90 Standorten. Wir haben ein After-Sales-Netz, das komplett von Mercedes autorisiert wird und auch gesteuert wird. Unsere komplette Teileversorgung läuft über Germersheim und Hatten, also in der Mercedes-Schiene. Das heißt, wir sind sehr, sehr nah dran an unserer deutschen Mutter sozusagen. Und der Kunde nimmt es durchaus wohlwollend zur Kenntnis, weil er eventuell früher schon einen Smart gekauft hat bei genau seinem Ansprechpartner vor Ort. Und da ist ein sehr, sehr großes Vertrauensverhältnis über die letzten 26 Jahre entstanden. Oder er hat als Erstwagen heute noch einen Verbrenner Mercedes, vielleicht nächstes Jahr dann einen Hashtag 5. Aber die Kunden sind nicht nur verwurzelt mit der Marke, sondern auch mit ihrem Händler, mit ihrem Agent, mit ihrem Ansprechpartner vor Ort. Und da werden wir nach wie vor als Smart wahrgenommen. Also Smart als Marke, als deutsche Marke wahrgenommen.

  34. Sebastian Henßler:

    Nun hast du eben schon gesagt, die deutsche Mutter trägt dazu bei, also in der Form von Mercedes, dass man eben als deutsche Marke wahrgenommen wird. Aber vor allem die chinesische Mutter Chile ist ja auch relevant für euch in der Neuausrichtung, weil du hast vorhin schon angeschnitten gehabt, das Thema Hardware, Software, was ja relevant ist, Hardware. Seid ihr einzigartig unterwegs, habe ich mir hier notiert gehabt, Software habt ihr viel dazugelernt mittlerweile. Kannst du uns das noch ein Stück weit ausführen, inwiefern eben Smart auch diese Synergie von den zwei Müttern verwendet, um dann eben auch für KundInnen das nahezu perfekte Fahrzeug auf die Straße zu bringen?

  35. Dirk Adelmann:

    Das ist mal großes Lob dafür, dass du dir das einzigartig eingeprägt hast, muss ich das nicht nochmal sagen. Wir haben das Beste aus zwei Welten, hört sich jetzt wahnsinnig marktscheuerisch an, ist aber in der Tat so. Wir beziehen unsere komplette Technik aus dem Baukasten von Geely und der Baukasten von Geely gibt unter anderem beim Hashtag 5 800 Volt Technologie her, was in dem Segment auch nicht Usus ist und auch über Jahre hinaus ein Alleinstellungsmerkmal sein wird in dem Segment, wo wir mit dem Hashtag 5 jetzt reingehen. Wir haben eine riesen Entwicklungsengineering Power in China bei Smart aufgebaut, aber immer in Kooperation mit Geely. Das Design kommt aus der Feder von Gordon Wagner und Kai Sieber. Kai Sieber hat auch schon die letzte Generation 4-2-4-4 designt. Das heißt, da ist eine natürliche Evolution im Design gegeben, dadurch, dass es die gleichen weitermachen bei Mercedes-Benz wie früher auch schon. Und vertriebsseitig werden wir in Europa von Mercedes unterstützt, vertriebsseitig werden wir in China auch systemseitig in China von Geely unterstützt und deren Submarken. Das heißt, wir können uns als Smart eine sehr, sehr schlanke Struktur erlauben, weil wir aus dem Baukasten und der Expertise von beiden Müttern ziehen können. Und so war dieses Joint Venture auch angedacht.

  36. Sebastian Henßler:

    Das heißt aber auch, also man zieht jetzt von beiden Müttern Hardware, Software, aus dem anderen kommt dann sozusagen das Design her. Design ist natürlich eine wichtige Rolle, wenn Deutschland der wichtigste Markt ist, dass man dementsprechend auch an den Markt heran entwickelt sozusagen. Wenn du jetzt aber schon, du hast vorhin in einem Art und Zug auch Deutschland, China genannt. China ist der wichtigste, der wachsende Markt. Ist es überhaupt möglich, ein Fahrzeug in Deutschland zu designen, also das Exterieur, Interieur, um auf dem chinesischen Markt bestehen zu können? Ja.

  37. Dirk Adelmann:

    Wir haben es ja bewiesen. Also ja, ist es. Alle unsere drei Fahrzeuge, Hashtag 1, 3 und 5, haben einen Designwettbewerb durchlaufen. Mercedes ist ja auch nicht nur Sindelfingen im Design. Mercedes-Benz hat in Palo Alto, in Sindelfingen und in Shanghai drei große Designcenter, die jeweils ihren Vorschlag auf das Design für den neuen Smart gebracht haben. Und dann wurde mal der eine, mal der andere ausgewählt. Also es kann durchaus passieren, dass der Hashtag 3 eben aus Shanghai Design Center Mercedes-Benz kommt und der Hashtag 1 aus Sindelfingen beispielsweise. Die komplette Headunit, also unser Human-Machine-Interface, wurde designt von Mercedes-Benz. Auch der Avatar, der Fuchs, jetzt der Gepard, auch das kommt aus dem Hause Mercedes-Benz. Die Technik dahinter, die kommt von Smart-respektive Geely-Kollegen im Kino.

  38. Sebastian Henßler:

    gute Kombi und auch mal diese Synergien dann doch gut genutzt. Gehen wir noch eine Stufe tiefer, blicken wir auf euer Portfolio. In jüngster Vergangenheit heißt es bei Smart jedes Jahr ein neues Modell. Wir haben den Hashtag One, wir haben den Hashtag Three, jetzt kommt nächstes Jahr der Hashtag Five oder Hashtag Fünf. Die Idee, wie man es aussprechen möchte, Ist es nicht irgendwann der Punkt, wo man sich als Hersteller, als Marker auch ein Stück weit übernimmt und dann sagt, okay, ist es vielleicht auch zu viel, zu schnell, das auf die Strecke zu bringen oder auf die Straße zu bringen? Oder ist es für euch eben auf Grundlage der Synergien von Mercedes und Chili ein leichtes, dieses Einsteigen, diese hohe Schlagzahl eben auch auf hohem Niveau beizubehalten?

  39. Dirk Adelmann:

    Also Nummer eins, ich glaube nicht, dass wir uns damit übernommen haben. Nummer zwei, ich habe sowas allerdings auch noch nie erlebt, dass ein sehr junges Unternehmen wirklich in den ersten drei Jahren drei Fahrzeuge auf den Markt bringt oder auf die Märkte bringt, parallel dazu zu Eine Firma gründen muss in Europa mit jetzt mittlerweile zehn Tochterfirmen in ganz Europa verteilt, ein komplettes Wholesale-Netz aufbauen darf, das ist ja auch ein großes Privileg, das hat man auch nicht so oft in seiner Karriere und nebenbei das Vertriebssystem umstellt auf Direktvertrieb. und das Händlernetz komplett neu aufstellt. Also es waren nicht nur die drei Produkte, die uns die letzten drei Jahre wahnsinnig beschäftigt haben, sondern der gesamte Relaunch der Marke mit allen Facetten. Und das Produktthema ist Gott sei Dank keines, was uns umwirft, weil eben die Hardware von Anfang an überragend gut war. Ich kann es nicht anders sagen, überragend gut. Wir haben wenig Probleme für ein Startup mit unseren Fahrzeugen bekommen. Software haben wir schnell nachgelegt. Das heißt, es wirft uns nicht aus der Bahn und ich glaube... Der Hashtag 5 wird dem Ganzen nochmal so ein Stück weit die Krone aufsetzen, was das Thema Technologie angeht.

  40. Sebastian Henßler:

    Und das glaube ich auch rein, was man zumindest bei technischen Daten und Fakten schon sieht oder auch bei ersten Eindrücken eben wahrnehmen durfte, wird ja gut aufgenommen. Aber der Smart Hashtag 5, um bei ihm zu bleiben, ist ja jetzt auch, wenn wir wieder zum Anfang die Brücke schlagen, Nicht der typische Smart, sondern das ist schon was ganz anderes. Und du hattest Smart auch definiert als nachhaltige urbane Mobilität in allen Segmenten. Alle Segmente haken dran. Urbane Mobilität, hätte ich jetzt eher eine kleinere Nummer genommen beim Fahrzeug. Nachhaltig ist ja auch immer eine Frage von Ressourcen. Klar, nachhaltig im Antrieb, in der Antriebstechnologie, aber von den Ressourcen, die zum Einsatz kommen, jetzt auch nicht unbedingt. Von daher würde mich mal interessieren, wer ist eure Zielgruppe für dieses Fahrzeug und wer hat auf diesen eSUV gewartet von Smart?

  41. Dirk Adelmann:

    Ich persönlich habe da sehr drauf gewartet. Wir sind momentan, also seit fünf Jahren schon ein rein elektrischer Haushalt. Mann, Frau, zwei Kinder. Also eher klassisch langweilig. Wir sind momentan unterwegs mit einem Hashtag 1 und einem Hashtag 3. Das geht hervorragend. Der Hashtag 3 hat 455 Kilometer Reichweite nach WLTP. Wunderbar. Ich freue mich auf den Hashtag 5. Der Hashtag 5 wird dann voraussichtlich den Hashtag 3 ersetzen und ein echtes Familienreisemobil sein. Durch das Schnellladen, durch den großen Akku über 100 Kilowattstunden, aber auch durch die Federung, durch die Ausmaße des Fahrzeugs im Innenraum. Wir haben zum allerersten Mal ein Fahrzeug von Smart, mit dem ich das Erstfahrzeug idealerweise in den Verbrenner ersetzen kann. Von daher wird es hoffentlich in der Zukunft mehr reine Smart-Haushalte geben. macht es auch deutlich leichter in der Steuerung der Fahrzeuge, in der Planung der Fahrzeuge. Wir haben mit unserem digitalen Schlüssel die Möglichkeit, ohne physischen Schlüssel Fahrzeuge zu teilen innerhalb der Familie. Das ist natürlich, wenn ich dann auf meiner Hello Smart App zwei Fahrzeuge habe, in der ganzen Familie dann zwei Fahrzeuge habe. Meine älteste Tochter macht im Januar ihre praktische Prüfung, die darf dann da auch mal begleitet mitfahren. Also ich freue mich da riesig drauf und Ich denke, es wird noch mehr Leute geben, die dann ihren Fuhrpark umstellen. Erstmal auf rein elektrisch, was uns riesig freut, und rein smart idealerweise. Und das konnten wir bisher nicht jedem bieten.

  42. Sebastian Henßler:

    Du hast jetzt eben auch schon gesagt, du hast es vorhin im Nebensatz erwähnt, als es um die Showrooms ging, wo ihr verkauft eben Alternativen zum Verbrennerumstieg, auch von Mercedes. Das heißt, wir lösen damit eine klassische A-, B-Klasse in dem Segment ab? Oder was wären so Marktbegleiter? die man eben ablösen möchte, wo man dann eben auch dieser Erstwagen werden kann und nicht nur Zweit- und Drittwagen sozusagen sein kann.

  43. Dirk Adelmann:

    Dadurch, dass wir uns den Showroom teilen mit Mercedes-Benz, ist logischerweise der Schritt von Mercedes-Benz in diesem Segment unterhalb der 50.000 Platz zu machen für uns ein Glücksfall. War allerdings auch so geplant, nicht von uns alleine, sondern auch von unserer deutschen Mutter. Das heißt, wir erfüllen jetzt in diesem Konstrukt auch einen gewissen Auftrag, die Kunden im Showroom, im gleichen Handel, beim gleichen Partner nicht zu verlieren. Und aus meiner Sicht bieten wir eine echte Alternative auch für die größeren Fahrzeuge, dann deutlich teureren Fahrzeuge von Mercedes-Benz, vielleicht hoffentlich aus meiner Sicht auch für Hybride und Verbrenner von Mercedes-Benz. Also da schielen wir natürlich schon rüber im Showroom. Wir haben aber auch die ganzen klassischen Konkurrenten, hier beispielhaft VW zu erwähnen, wo wir aus meiner sehr subjektiven Sicht das deutlich attraktivere Paket bieten. Nicht nur mit dem Hashtag Five, sondern auch mit den ersten beiden.

  44. Sebastian Henßler:

    Von der Einschätzung Smart, wenn wir jetzt auf das Jahr 2025 blicken, der Hashtag Five wurde in Europa, in Deutschland eingeführt. Wie kann man sich den Absatz vorstellen? Idealerweise verdoppelt, verdreifacht er sich im kommenden Jahr. Das ist natürlich die Wunschvorstellung. Aber wenn wir dann zumindest mal anteilsmäßig, prozentual zum Blick drauf werfen könnten, was wird so der Verkaufsschlager aus eurer Erwartung sein? Und welche Rolle nimmt der Hashtag Five in diesem Segment eurer drei Fahrzeuge dann ein?

  45. Dirk Adelmann:

    2025 wird für uns ein Stück weit die berühmte Kristallkugel. Ich habe Preiserhöhungen in dem Umfang im gesamten Segment so auch noch nie erlebt. Da sind wir sehr gespannt, wie sich das auf das Kundenverhalten auswirken wird. Planen tun wir aktuell mit einem Mix von circa 50% Hashtag One. dann nochmal circa 30% Hashtag 4 und 20% Hashtag 5, wobei der Hashtag 5 ja erst zur zweiten Jahreshälfte so richtig anläuft. Das heißt, in einem Volljahr mit allen drei Produkten gehen wir davon aus, dass der Hashtag 5 an die 50% machen wird, weil er schlicht und ergreifend in einem Segment unterwegs ist, in welchem es sowas noch nicht gibt. Das heißt, er wird sich definitiv... nicht nur Freunde machen bei unserem Wettbewerb, aber das ist auch gewollt.

  46. Sebastian Henßler:

    Da sind wir wieder an dem Punkt, kein gemeinnütziger Verein, sondern ein Unternehmen, was auch Geld verdienen soll. Und da nimmt man dann natürlich nicht so Rücksicht auf die Marktbegleiter, das ist vollkommen nachvollziehbar. Zum Abschluss unseres Gesprächs, was mich doch sehr bereichert hat schon mal und wo ich einiges mehr über Smart erfahren konnte. Wenn du jetzt direkt die Zukunft von Smart in einem, maximal zwei Sätzen beschreiben müsstest, blicken wir mal auf die nächsten zehn Jahre. Wie würde dieser Satz oder dieser Ausblick deinerseits lauten?

  47. Dirk Adelmann:

    Smart hat sich in zehn Jahren, wenn wir mal zehn Jahre weiterspringen, etabliert als Multiproduktunternehmen und hat sehr dazu beigetragen, das Thema nachhaltige Mobilität fest zu verankern in Europa. In China ist das Thema durch. Da kommt das. In Europa haben wir noch wahnsinnig viel Überzeugungsarbeit zu leisten. Ich habe vor kurzem mal gesagt, dass wir als Unternehmen oder auch als Marke schwer klein zu kriegen sind. Und damit habe ich nicht gemeint, wieder zurück zum Ford Huf, sondern damit habe ich gemeint, als Unternehmung schwer klein zu kriegen sind. Wir haben dieses Jahr wahnsinnig dazugelernt. Wir haben an Resilienz gewonnen, nicht nur in Europa, auch in China, wo es nochmal deutlich anspruchsvoller ist, im Markt zu bestehen. In zehn Jahren würde ich gerne zurückblicken und sagen, wir haben unseren bescheidenen Teil dazu beigetragen, das Klimaziel zu erreichen und urbane, nachhaltige Mobilität zu fördern. Dann haben wir schon sehr viel erreicht.

  48. Sebastian Henßler:

    Dann drücken wir die Daumen, dass das auch so eintritt, dass Smarties ein Teil für uns alle dazu beitragen kann und wir alle in zehn Jahren besser dastehen, als es heute der Fall ist in puncto Klima. Vielen Dank für deine Zeit, Dirk, und die Einblicke. Danke dir. Wie bereits eingangs erwähnt, war das jetzt mal eine Folge, die wir ja doch länger von der Dauer hatten, als es sonst üblich ist, aber nicht weniger bereichernd, wie ich finde. Dirk Adelmann hat uns hier spannende Einblicke hinter die Kulissen von Smart gegeben, aus Sicht seiner Position als Smart-CEO Europa. Und ich hoffe, dir hat die Folge genauso viel Freude bereitet wie mir. Vielen Dank fürs Zuhören. Mach's gut. Bis zum nächsten Mal. Ciao.