Fastned: "Laden so einfach und schnell wie möglich!"

Im Gespräch mit Linda Boll, Public Affairs Manager Germany bei Fastned

Linda Boll, Public Affairs Manager Germany bei Fastned, hat sich in der Vorweihnachtszeit die Zeit genommen, um sich mit Elektroauto-News.net ein wenig über Fastned, die Expansion in Europa, Entwicklungen von Preisen am Lademarkt sowie den obligatorischen Ausblick auf das kommende Jahr auszutauschen. Dabei durfte ich einiges Neues von dem Ladestationenbetreiber mit den auffälligen gelben Dächern erfahren.

Das Deutschlandnetz wurde dabei auch nicht unbeachtet gelassen, ebenso der Blick auf die Strompreisbörse. Aber was schreib ich, hör uns doch einfach zu und erfahre selbst mehr über Fastned.

Shownotes:

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Transcript

  1. Intro:

    Elektroauto News. Der Podcast rund um das Thema Elektromobilität. Mit aktuellen Entwicklungen, Diskussionen, Interviews und vielem mehr.

  2. Sebastian:

    Servus und herzlich willkommen bei einer neuen Folge des elektronischen News.net Podcast. Ich bin Sebastian und freue mich, dass du diese Woche wieder eingeschaltet hast, wenn wir uns mit dem Thema E-Mobilität beschäftigen. In der aktuellen Folge habe ich Linda Boll von der Firma Fastned zu Gast. Das niederländische Unternehmen konzentriert sich auf den massiven Ausbau von Schnellladestationen in Europa, derzeit in sechs europäischen Ländern. Schwerpunkt auch in Deutschland, wo aktuell 29 Ladestationen der bisher 181 Schnellladestandorte vorhanden sind. Im Gespräch selbst gibt Linda Einblicke darauf, wie es von der ersten Planung einer Ladestation bis zum fertigen Objekt sozusagen geht, worauf man achtet und welche Punkte dafür entscheidend sind für den Erfolg beim Laden. Wir unterhalten uns kurz über das Deutschlandnetz, die Ausschreibung dazu, die Bedeutung für den Schnelllademarkt in Deutschland bzw. Europa. Und ja, wo die Reise hingeht künftig für die Firma Fastned. Ich bin mir sicher, es ist eine unterhaltsame Zeit für dich und wünsche dir viel Spaß in der aktuellen Folge. Hallo Linda, vielen Dank, dass du dir heute die Zeit nimmst, dass wir uns ein wenig über Fastned unterhalten. Bevor wir da allerdings ins Thema einsteigen, stell dich doch einfach mal selbst kurz vor und was du bei Fastned aktuell machst.

  3. Linda Boll:

    Ja, hallo Sebastian. Vielen Dank, dass ich heute dabei sein darf. Mein Name ist Linda Boll und ich arbeite für Fastned in Deutschland und leite alles, was bei uns mit den Themen Öffentlichkeitsarbeit und politische Arbeit zusammenhängt.

  4. Sebastian:

    Vielen Dank dafür. Jetzt Fastned. Wer oder was ist Fastned? Was macht ihr und was sind eure Berührungspunkte mit der E-Mobilität?

  5. Linda Boll:

    Unsere Berührungspunkte mit der E-Mobilität sind vielseitig. Fastned ist ein Unternehmen, was sich auf das Thema Schnellladen konzentriert hat. Wir wurden 2012 in den Niederlanden gegründet und unser Ziel ist es, ein europaweites Netzwerk an tausend Schnellladestationen zu errichten. Das verfolgen wir relativ konsequent. Viele, die in der Branche schon länger unterwegs sind, werden uns auch kennen und Und viele, die uns noch nicht kennen, kennen eventuell unsere gelben Dächer, über die wir wahrscheinlich nachher auch noch ein bisschen weitersprechen.

  6. Sebastian:

    Die kommen sicherlich zur Sprache, gehe ich von aus, weil die sind so auffällig. Also die kann man nicht außen vor lassen sozusagen. Jetzt hast du gesagt, 2012 in den Niederlanden gegründet. Das heißt, dort seid ihr auch quasi mit ersten Ladestationen gestartet und kommt von da aus jetzt nach Deutschland beziehungsweise ganz Europa. Ist das so richtig?

  7. Linda Boll:

    Ja, so kann man das sagen. Also vor fast zehn Jahren gegründet. Wir werden nächstes Jahr unser zehnjähriges Jubiläum feiern. Vielleicht können wir da auch ein paar der Hörerinnen und Hörer mit zu einladen. Wir schauen mal, wie sich das entwickeln wird. Aber genau, seitdem sind wir konstant auf Expansionskurs. Also sowohl in den Niederlanden sind wir immer auf der Suche nach neuen Standorten, aber eben auch international. in anderen europäischen Ländern. Derzeit sind wir in sechs europäischen Ländern vertreten. Wenn ich die einmal kurz aufzähle, das ist natürlich die Niederlande, Deutschland, Belgien, Frankreich, die Schweiz und einmal über den Kanal gehüpft auch in England, also in Großbritannien. Und Stand heute ganz aktuell betreiben wir 181 Schnellladestationen in diesen sechs Ländern. Davon befinden sich 29 in Deutschland. Aber das kann sich fast wöchentlich ändern bzw. täglich kommen da eigentlich derzeit neue Stationen dazu und wir sind ganz stark auf Wachstumskurs immer noch.

  8. Sebastian:

    181 Schnellladestationen, 29 in Deutschland hast du jetzt gerade genannt. Verteilen die anderen Ladestationen, Schnellladestationen sich dann auch relativ gleichmäßig auf die anderen fünf genannten Länder von dir? Oder gibt es dann, weil ihr aus den Niederlanden kommt, da auch eine größere Konzentration von Ladestationen?

  9. Linda Boll:

    Ja, es ist bisher wirklich noch letzteres. Also wir haben in den Niederlanden angefangen und da muss man vielleicht auch kurz erklären, wie das anfing und weshalb wir da so stark präsent sind. 2012 gab es eine Ausschreibung der niederländischen Regierung, die das Ziel hatte, wirklich ein flächendeckendes Schnellladenetzwerk entlang der niederländischen Autobahnen zu errichten. Und da waren wir einer von wenigen Bewerbern und das war im Grunde der Startschuss für Fastned. Und so hat sich diese Firma dann in den Niederlanden gegründet. Und unser Hauptsitz ist auch bis heute noch in Amsterdam. Und die Expansion in die weiteren Länder folgt dann über Büros wie jetzt bei uns hier in Köln oder auch dann in Paris. Und wir versuchen dann, diese Länder weiter auch mit zu erobern auf die verschiedensten Arten und Weisen.

  10. Sebastian:

    Da hätten wir jetzt ja schon den perfekten Übergang. Jetzt hast du gesagt, gab es eine Ausschreibung für ein Schnellladenetz. Das gibt es ja aktuell in Deutschland auch oder da gibt es ja zumindest Pläne von der Regierung, das Deutschlandnetz an den Start zu bringen, wo ja auch, ich glaube, um die 1.000 Schnellladestationen an Autobahnen wieder entstehen sollen. Das ähnelt, sage ich mal, in Niederlande, bloß ein paar Jahre verspätet. Ist das denn auch von euch für Bedeutung und seht ihr da auch wieder die Chance, vorne mit dabei zu sein sozusagen?

  11. Linda Boll:

    Ja, also die Ausschreibung für das Deutschlandnetz, die wird, ob man möchte oder nicht, es gibt ja auch viele kritische Stimmen zu, die Schnellladelandschaft generell, aber auch die Ladelandschaft in Deutschland wirklich in den nächsten Jahren stark beeinflussen. Tausend Ladestationen, da muss man sagen, das ist echt eine Ansage. In den Niederlanden damals und wie du schon sagtest, das ist halt auch zehn Jahre her. In der Zwischenzeit hat sich ja auch einiges getan und es gibt ja auch bereits in Deutschland viel Schnellladeinfrastruktur. Deswegen Naja, kann man immer noch bezweifeln, ob das genau die richtige Herangehensweise zum richtigen Zeitpunkt ist. Aber wie du schon sagtest, das wird eine riesen Auswirkung auf diesen Markt haben. Und was wir besonders gut finden an der Ausschreibung, ist der Fakt, dass auch an den Autobahnen selbst in Deutschland aufgebaut werden soll und dass es da eine dezidierte Ausschreibung geben soll. innerhalb derer dann Schnellladeinfrastruktur an unbewirtschafteten Rastplätzen aufgebaut werden. Und ich denke, da kann man wirklich eine Win-Win-Win-Situation hoffentlich miterzielen, dass zum einen wirklich mehr Schnellladeinfrastruktur direkt an den Autobahnen vorhanden sein kann, aber dass man auch diese, naja, sagen wir jetzt mal, bisher nicht so super attraktiven PwC-Anlagen, wie sie heißen. Also es sind diese unbewirtschafteten Rastplätze, wo wirklich nur eine Toilette steht, ein paar Parkplätze und eine Picknickbank, dass man die wirklich aufwertet und da neue Angebote auch entlang der Autobahn schafft. Also ob wir da vorne mit dabei sein werden, kann ich dir nicht beantworten. Das steht alles in den Sternen, aber generell Das Thema Wettbewerb in Sachen schnellerer Infrastruktur an deutschen Autobahnen zu fördern, ist auf jeden Fall eine gute Idee.

  12. Sebastian:

    Ja, definitiv. Und vor allem, so wie du sagst, Win-Win-Win-Situation für alle Beteiligten sozusagen, insofern es dann ordentlich und fair umgesetzt wird, wonach es ja aktuell ausschaut. Eure Meinung ist ja dann auch eher positiv gestimmt. Ihr habt ja da eure Erfahrung schon gesammelt. Aber mit euren eigenen Standorten seid ihr aber auch immer nur in der Nähe von Autobahnen unterwegs. Euch findet man jetzt nicht an Schnellladehubs in der Großstadt drin sozusagen, sondern auch konsequent an Autobahnen.

  13. Linda Boll:

    Bisher ja. In der Tat sind wir in Deutschland nicht direkt auf Autobahnen vertreten, an den Raststätten, die man kennt. Das hat seine eigenen Gründe. Wir haben uns aber schon immer zum Ziel gesetzt, dass unsere Standorte an hochfrequentierten Straßen oder Kreuzungen stehen sollen, einfach damit es sich lohnt. So muss man es wirklich sagen. Deswegen findet man uns hauptsächlich entlang, also schon entlang der Autobahn, an Autobahnausfahrten. Da haben wir uns stark darauf fokussiert. A, man soll niemals nie sagen und du sprachst es gerade an. Ich sehe uns schon in der Innenstadt auch. Und das Thema innerstädtische Ladehubs, Quartiersladen ist auf jeden Fall ein Thema, was wir stark verfolgen. Und wir sind da auf jeden Fall auf der Suche nach Standorten, Städten, Kommunen, Partnern, die solche Visionen mit uns umsetzen wollen und sind da total offen auch für, auf jeden Fall.

  14. Sebastian:

    Also werdet ihr euch nicht künftig nicht nur im gewohnten Umfeld sozusagen bewegen, sondern schaut dann auch, dass ihr tatsächlich dorthin geht, wo auch der Eheautofahrer euch benötigt.

  15. Linda Boll:

    Absolut. Also ich glaube, dieser Markt, der ist so neu und so frisch und da passiert jeden Tag was Neues. Jetzt schon zu sagen, ganz kategorisch, das machen wir und das machen wir nicht. Ich glaube, damit würde sich niemandem gefallen tun, der diesen Markt beobachtet oder in ihm aktiv ist. Von daher, ja, wir sind da auf jeden Fall offen für.

  16. Sebastian:

    Wenn wir jetzt bei dem Thema Schnellladestandort sind sozusagen, wie läuft denn sowas typischerweise ab? Wie geht der Fastned ran, wenn man sich einen neuen Standort sucht? Fangen wir mal direkt an, so wie du vorhin schon genannt hattest, der Standort an sich und von da aus quasi, wenn man den gefunden hat, bis zur fertigen Schnellladestation. Vielleicht gab da so ein Abriss deinerseits.

  17. Linda Boll:

    Ja, das erkläre ich sehr gerne. Den Standort an sich, den finden wir auf ganz vielfältige Weise. Oft werden uns auch Standorte vorgeschlagen und da freuen wir uns immer sehr drüber und das kann man über unsere Webseite machen. Wir schauen uns dann den Standort erstmal quasi aus der Luft an und überlegen uns, Würde es dort Sinn machen für uns, aber auch für den E-Autofahrer und die E-Autofahrerin, da eine Ladestation aufzubauen? Für uns sind so Faktoren relevant wie, wie ich vorhin schon sagte, wie viele Autos fahren da am Tag vorbei, weil wir darüber dann unsere Auslastung kalkulieren können, aber auch wie sichtbar ist der Standort, denn ich glaube, viele der Hörerinnen und Hörer, Wir kennen auch das Gefühl, wenn man erstmal lange durch die Gegend gucken muss, bis man dann die Ladesäule findet, die einem irgendwo versprochen wurde. Um das zu verhindern, bauen wir unter anderem unsere Dächer, auf die ich jetzt gleich komme. Und dann kommt noch das Thema dazu, wie gerne würde sich denn ein E-Autofahrer oder eine E-Autofahrerin dorthin verirren und sich dann auch, naja, für die 10 bis 30 Minuten auch aufhalten wollen, die ein Ladevorgang ja nun mal dauert. Und wenn wir uns dann anhand dieser Aspekte denken, ja, hier könnten wir uns das vorstellen, was zu bauen, dann müssen natürlich so Themen geklärt werden, wem gehört denn das Grundstück, mit wem müssen wir denn jetzt hier einen Pachtvertrag eingehen oder das Grundstück eben auch kaufen. Das sind alles Prozesse, die sich teilweise auch in die Länge ziehen können. Aber wenn das dann alles geklärt ist und dann planen wir unsere Station und dann überlegen wir uns, was macht denn hier am meisten Sinn? Ich sprach vorhin schon mal unsere Dächer an. Die bauen wir auch aus verschiedenen Gründen. Zum einen, um die Sichtbarkeit zu gewährleisten, von der ich vorhin sprach, aber auch während des Ladevorgangs. Wollen wir nicht, dass unsere Kunden und Kundinnen im Regen stehen oder im Schnee. Wir sind ja jetzt hier mitten im Dezember. Gleichzeitig soll die Station auch gut beleuchtet sein. Und uns ist dieser Wohlfühlfaktor total wichtig. Man soll sich beim Laden wohlfühlen. Man soll nicht das Gefühl haben, man wurde irgendwo hinten in der letzten Ecke des Parkplatzes geparkt. Dann geht es dann an die Baugenehmigung und man muss den Netzanschluss anfragen etc. Das sind alles sehr technische Abläufe. Aber wenn man dann überlegt, wie wir unsere Ladestationen planen, Legen wir weiterhin auch total viel Wert auf dieses Thema Wohlfühlen, aber auch Komfort und dass einfach alles gut läuft. Das merkt man auch daran, dass unsere Ladestationen generell in so einem Durchfahrtsprinzip gebaut sind, wie man das grundsätzlich von der klassischen Tankstelle kennt. dass man auf der einen Seite rein und auf der anderen Seite wieder rausfährt. Viele andere Stationen, und wir machen es teilweise auch auf Parkplätzen, wo sich nicht anders umsetzen lässt, dass man da eine Parklösung hat. Aber wir kennen ja alle, derzeit ist noch das Problem, dass das Inlet für das Ladekabel an den meisten Autos noch an verschiedenen Stellen ist. Und wir wollen einfach langwieriges Rangieren und so Rangiermanöver vermeiden oder vermindern, soweit es geht. damit, wenn dann wirklich auch mal mehr los ist, wo wir alle von ausgehen und wo alle Zeichen darauf hindeuten, dass das Laden dann wirklich so einfach wie möglich abläuft. Dann ist natürlich das Thema der Ladesäule total relevant. Es soll einfach alles funktionieren und wir denken uns auch, Man hat nur eine Chance für einen ersten Eindruck und der soll gut funktionieren. Wir möchten, dass für jeden das Laden sich so einfach wie möglich gestaltet, auch der Bezahlvorgang. Und deshalb legen wir total viel Wert darauf, zunächst mal, dass unsere Säulen funktionieren. Bisher können wir das in 99,9 Prozent der Fällen wirklich sicherstellen. Wenn es beim ersten Mal nicht funktioniert, haben wir einen Kundenservice, der funktioniert. rund um die Uhr wirklich verfügbar ist auf verschiedenen Sprachen, der dann auch aus der Ferne einen Ladevorgang zum Beispiel starten kann oder abbrechen kann, wenn das nötig ist. Aber der Bezahlvorgang an sich, der soll dann ja auch so schnell wie möglich und so einfach wie möglich funktionieren. Und da haben wir des Öfteren das Feedback bekommen, dass es doch schon schön wäre, wenn man auch mit einer Karte bezahlen könnte, dass man nicht erst eine Ladekarte braucht oder einen Ladevertrag. Und wir glauben vor allem, wenn jetzt wir dann bis 2030 wirklich 15 Millionen E-Autos und die Fahrerinnen und Fahrer dazu auf den Straßen haben, dass es für viele doch eine Hürde ist bisher noch, dass man einen Ladevertrag braucht. Und deswegen werden wir jetzt auch ab nächstem Jahr so Kartenterminals installieren, sodass man dann auch mit einer EC oder Kreditkarte bei uns zahlen kann. Also das sind jetzt einfach nur so ein paar Punkte, die ich mal ansprechen wollte, dass wir wirklich von vorne bis hinten das Thema Komfort und es soll einfach funktionieren, immer mitbedenken.

  18. Sebastian:

    Schön, vielen Dank für den Abriss oder Umriss vom Fastned dann sozusagen. Jetzt wäre für mich noch interessant, du hattest die gelben Dächer da schon angesprochen oder generell, macht ihr das nach einer Art Baukastenprinzip sozusagen, wo ihr dann aus bestehenden Elementen auswählen könnt oder wird tatsächlich jede Ladestation individuell geplant sozusagen?

  19. Linda Boll:

    Sehr gute Frage. Wir haben in der Tat ein paar Stationstypen intern, da werde ich euch jetzt nicht mit irgendwelchen Abkürzungen langweilen, aber wir haben ein paar Stationstypen und eben auch Dachtypen, die wir dann aber, das muss man sagen, wirklich auf jeden Standort individuell nochmal anpassen. Das muss man echt sagen, ja. Ob es jetzt die Bodenbeschaffenheit ist oder eben die Zufahrtsregelung. Jeder Standort hat sehr viele individuelle Aspekte, die bei der Planung mit einbezogen werden müssen. Also es ist eine Mischung aus beidem.

  20. Sebastian:

    Danke, dass du mir das erklärt hast oder uns erklärt hast mit den verschiedenen Stations- und Dachtypen, die eben bei Fastned zur Verfügung stehen. Ergibt ja auch vollkommen Sinn, gerade wenn ihr dann schnell stark skalieren wollt in Europa oder im europäischen Markt. Das wird ja auch ein Grund dafür sein, dass ihr auf so, ich sage mal, Baukastenleitmodell setzt.

  21. Linda Boll:

    Genauso ist es, ja.

  22. Sebastian:

    Wenn wir jetzt auf Deutschland im Speziellen gucken, du hast vorhin schon gesagt, 29 Ladestationen, Schnellladestationen, die wir haben, vielleicht mal kurz eingeschoben, Schnellladestationen, was versteht Fastned darunter? Was für eine Ladeleistung wird denn oder ist denn da die Definition bei euch aktuell im Haus?

  23. Linda Boll:

    Bei uns bedeutet Schnellladen wirklich, so schnell es geht zu laden. Man findet bei uns hauptsächlich, in Deutschland vor allem hauptsächlich Alpetronic Hypercharter, die dann mit einer Ladeleistung von 300 kW ausgestattet sind. Das ist für uns total wichtig. Wir wollen einfach, dass Laden so schnell wie möglich geht und deswegen sehen wir uns da in der Rolle als der Ladeinfrastrukturbetreiber, der dem Kunden und der Kundin einfach das schnellste Ladeerlebnis zur Verfügung stellt.

  24. Sebastian:

    Ergibt jetzt auch in dem Zusammenhang Sinn, du hast vorhin gesagt, ihr seid an stark hochfrequentierten Straßen unterwegs, meist Autobahnausfahrten, dann aktuell zumindest noch. Da ist man ja auch daran interessiert, als E-Autofahrer schnell wieder den Akku voll zu bekommen, sozusagen nach einer längeren Reise, die man zurückgelegt hat.

  25. Linda Boll:

    Ja, genau. Und wie ich vorhin schon sagte, im Moment sind ist ja das E-Auto noch relativ einsam auf der Straße. Aber wir bewegen uns auf ein Markthochlauf-Szenario hin, wo wir Hunderttausende, Millionen E-Autos auf den Straßen haben und die ja auch alle laden wollen. Und viele von denen können zu Hause laden oder beim Arbeitgeber. Und das ist auch wunderbar. Und das finde ich ist auch die Schönheit am Elektroauto fahren, dass man so viele Möglichkeiten hat, wirklich zu laden. Aber wenn man auf der Langstrecke unterwegs ist oder wenn man einfach nicht die Möglichkeit hat, zu Hause oder beim Arbeitgeber zu laden, dann braucht man einfach auffindbare und funktionierende Schnellladestationen. Und

  26. Sebastian:

    Ja, vielen Dank für die Einordnung. Es ergibt auch vollkommen Sinn, dass man dann eben neben dem Daheimladen und beim Arbeitgeberladen auch mal eine andere Möglichkeit sozusagen bietet, auch da, wo eben die Fahrer unterwegs sind. In Deutschland bezogen, du hast jetzt gesagt 300 kW, was jetzt so aktuell euer angestrebter Standard ist, schlägt sich das denn auch in den Kosten nieder? Weil ich sage mal, es kann ja jetzt nicht jeder E-Auto-Fahrer in diesem Bereich, in dieser Geschwindigkeit sozusagen laden. Das ist ja dann doch eher meist den höherpreisigen Fahrzeugen vorbehalten. Aber wie ist denn da eure Preisstruktur am Markt derzeit, dass ihr da auch attraktiv für die Masse sozusagen seid?

  27. Linda Boll:

    Ja, das Thema Preis ist natürlich ein ganz heißes, vor allem derzeit, muss man sagen. Wir haben wirklich jahrelang, fünf Jahre lang, einen Preis von 59 Cent pro Kilowattstunde nehmen können, über unser ganzes Netzwerk hinweg, also in ganz Europa. Jetzt, ich weiß nicht, wie sehr ihr das alle verfolgt habt, aber es hat sich an den Strombörsen einiges getan, leider muss man sagen, in den letzten Jahren. Wochen und Monaten. Also die Strompreise sind auf fast nie dagewesene Höhen hochgeschnellt, auch aufgrund der erhöhten Nachfrage natürlich, dadurch, dass viel mehr und weiter elektrifiziert wird in der gesamten Industrie, aber auch durch so, naja, energiepolitische, internationale Thematiken, die ganze Russlands Diskussion, potenzielle Gaskrise etc., steigen einfach auch die Strompreise. Und das ist leider eine Realität, die uns auch erfasst hat, weshalb wir dann vor einem knappen Monat unsere Preise auch erhöhen mussten, weil wir diese Preissteigerungen an den Märkten nicht mehr selber absolvieren konnten. Also wir haben es für eine ganze Zeit lang gemacht, aber mussten das jetzt dann leider doch umsetzen und deswegen haben wir um 10 Cent erhöht und nehmen jetzt 69 Cent pro Kilowattstunde, die wir verkaufen. Wir haben immer noch das Angebot, dass man sich, wenn man öfter bei Fastned lädt, eine Goldmitgliedschaft abschließen kann und da bezahlt man dann knapp 12 Euro und da kostet die Kilowattstunde dann 45 Cent. Das sind dann die Viellader, die oft bei uns laden, für die sich das dann lohnt. Ja, also das Thema Preisstruktur ist ja auch Thema beim Deutschlandnetz. Das kann man ja auch noch sagen. Da wird dann eine Preisobergrenze von 44 Cent pro Kilowattstunden angesetzt zunächst mal. Und naja, wie gesagt, diese Strompreisentwicklungen sind akut supervolatil. Da geht es jeden Tag um neue Spitzenwerte. Und deswegen tun wir uns da so ein bisschen schwer mit, muss ich sagen, wenn jetzt in 2021 da Preise festgelegt werden. die dann noch, naja, acht bis zehn Jahre gelten sollen angesichts dieser Märkte, in denen wir uns gerade befinden.

  28. Sebastian:

    Wir reden ja auch davon, dass ihr jetzt dann 100 Prozent Ökostrom bei euch an den Ladestationen einsetzt, oder? Ja.

  29. Linda Boll:

    Absolut. Das ist immer was, was ich leider vergesse zu erwähnen, weil es für uns so selbstverständlich ist. Aber ja, da hast du vollkommen recht. In allen unseren Stationen in ganz Europa verkaufen wir Ökostrom. Das ist auch Teil unseres Selbstverständnisses. Also wir sehen uns als sehr nachhaltige Firma. Das ist natürlich das Thema Ökostrom spielt eine Rolle. Wir haben PV-Anlagen auf dem Dach. Aber wir bauen auch so nachhaltig, wie es auch nur geht, mit zertifiziertem Holz, aus dem unsere Dächer gebaut sind. Und wir versuchen, so wenig wie möglich die Fläche zu versiegeln. Also das ist schon was, was bei Fastned so im Selbstverständnis mit drin steckt, auf jeden Fall.

  30. Sebastian:

    Dann leuchtet es auch ein, dass du es nicht unbedingt nochmal gesondert hervorhebst sozusagen. Jetzt sind wir ja bei der Thematik mit dem Preis. Das ist, glaube ich, sehr eingängig oder für jeden verständlich, dass man nicht jetzt zehn Jahre in den Zukunftspreis festlegen kann und den auch einhalten kann, vor allem wenn der Markt derzeit etwas ganz anderes diktiert. Aber wie wurde denn diese Preiserhöhung sozusagen von euren Kunden aufgenommen? Habt ihr da viel Widerstand gespürt oder gab es da auch Verständnis teilweise dafür? Wie ist denn das? Wie war da die Resonanz in eure Richtung?

  31. Linda Boll:

    Zum Glück waren die meisten Kunden wirklich sehr verständnisvoll. Also jeder, der die Nachrichten verfolgt, der kann das ja auch ein bisschen nachvollziehen, dass wir uns das jetzt hier nicht aus den Fingern gesogen haben, sondern dass das wirklich eine wirtschaftliche Realität ist, der wir uns da jetzt auch gemeinsam leider stellen müssen. Und wir hoffen auch, dass das nicht so weitergeht wirklich, weil uns das natürlich auch wirklich nicht einfach und leicht gefallen ist, diese Preiserhöhung umzusetzen. Aber ich muss sagen, wir waren grundsätzlich froh darüber, wie es im Markt aufgenommen wurde und dass da grundsätzlich Verständnis für geherrscht hat, ja doch.

  32. Sebastian:

    Und wie schaut es generell aus bei euch mit dem Kundenwachstum? Kannst du da eine Aussage dazu geben, wie sich das entwickelt hat in den letzten Jahren dann?

  33. Linda Boll:

    Ja, auf jeden Fall. Wir haben monatlich neue Kunden, die zu uns kommen und das freut uns total. Und uns freuen vor allem nicht nur die neuen Kunden, sondern die, die immer wieder kommen. Wie ich das vorhin schon sagte, der erste Eindruck zählt und wir wollen gerne der Ladeinfrastrukturanbieter sein, bei dem man einfach sich darauf verlassen kann, dass es funktioniert. Und bisher geben uns da die Zahlen recht. Wir sehen halt auch, es kaufen sich immer mehr Leute E-Autos. Und die wollen sich sicher sein, dass sie sicher laden können. Und von daher, es geht stetig bergauf.

  34. Sebastian:

    Das ist doch schön. Aber kommuniziert ihr auch die Anzahl eurer Kunden für den europäischen Markt beziehungsweise Deutschland oder sind es Zahlen, die in der Öffentlichkeit nicht so genannt werden?

  35. Linda Boll:

    Also was ich sagen kann, ist, dass wir monatlich mehrere tausend Kunden bedienen in Deutschland und europaweit, naja, kann man sich dann ja ungefähr ausrechnen, dass das noch mehr sind. Und ein großer Teil davon, wie gesagt, und das freut uns besonders, sind wirklich die wiederkehrenden Kunden.

  36. Sebastian:

    Und dann aber auch tatsächlich, sage ich mal, jetzt nicht unbedingt mit der Goldkarte, sondern dann auch, ich sage mal, der Orthonormalverbraucher, der dann immer mal wieder bei euch lebt.

  37. Linda Boll:

    Absolut. Wie gesagt, vor allem, und das kann ich auch nachvollziehen, bei 29 Stationen in Deutschland, wenn die nicht direkt vor der Haustür steht, dann macht es Sinn, dass man da nicht super regelmäßig zu uns kommt. Vor allem daher haben wir in Deutschland viele Leute, die mit ihren Ladekarten zu uns kommen. Wir sind auch mit den meisten Ladekarten, die in Deutschland so vertreten sind, absolut kompatibel, also mit den MSPs oder EMPs, wie man sie dann nennen möchte. Aber die Zahlmethode ist da recht weit gefächert. Das muss man sagen. Und genau, wir wollen den Otto-Normalverbraucher und die Otto-Normalverbraucherinnen da auch gerne abholen.

  38. Sebastian:

    Sehr schön. Kannst du uns oder magst du uns schon einen Ausblick geben, was Fastned so für das kommende Jahr geplant hat?

  39. Linda Boll:

    Wir haben für 2022 auf jeden Fall einiges geplant. Das steht ja auch jetzt wirklich vor der Haustür. Zum einen werden wir zehn Jahre alt. Das habe ich ja gerade schon erwähnt. Und da werden wir Anfang des Jahres eine große Party zu feiern. Und zum Zweiten werden wir dann auch das Thema EC-Kartenlesegeräte wirklich in die Realität umgesetzt haben. Also unser Ziel ist es, dass wir im Laufe des Jahres an allen unseren Ladesäulen die EC-Karten liefern. diese Geräte umgesetzt haben und nachgerüstet haben und dass das Bezahlen dann noch einfacher funktioniert. Und zum Dritten ist es wirklich wachsen, wachsen, wachsen. Also sowohl personell, wir suchen immer motivierte neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, aber eben auch in Sachen Standorte und Standorte akquirieren und bauen und Standorte akquirieren und bauen. Und gleichzeitig sollte die Performance und soll die Performance und die Qualität des Ladens immer hoch bleiben.

  40. Sebastian:

    Sehr schön. Ich denke, damit haben wir einen ganz guten Einblick von Fastned bekommen. Auch wo die Reise künftig hingeht, möchte ich mich bei dir bedanken. Und vielleicht können wir uns ja dann im kommenden Jahr nochmal unterhalten, wie ihr eure Pläne denn bisweilen umgesetzt habt, wie die Fortschritte im Deutschlandnetz dann eben sind und wo die Reise dann weiter euch hinführen wird. Vielen Dank, Linda, für deine Zeit.

  41. Linda Boll:

    Das machen wir sehr gerne. Vielen Dank und alles Gute fürs neue Jahr.

  42. Sebastian:

    So schnell geht es also auch schon wieder. Das war die aktuelle Folge mit Linda Boll von Fastned. Ich hoffe, du konntest einiges mitnehmen, hast einiges erfahren, lernen können über das Unternehmen, über die Pläne für die Zukunft und bin mir sicher, dass uns da noch einiges erwartet von deren Seite. Was hat ja Linda gerade zum Ende der Folge schon in Ausblick gestellt. Mehr Infos gibt es wie gewohnt in den Shownotes in dem Artikel zur aktuellen Podcast-Folge. Würde mich freuen, wenn du auch dort vorbeischaust. Ansonsten hören wir uns nächste Woche wieder bei der kommenden Folge des Elektroautonius.net Podcast. Dir vielen Dank fürs Zuhören. Mach's gut. Bis dahin. Ciao.