Porsche Consulting: E-Autos, Restwerte und Ängste

Dr. Stephen Hellhammer, Porsche Consulting

In dieser Ausgabe des Elektroauto-News.net Podcasts spreche ich mit Stephen Hellhammer, Partner bei Porsche Consulting. Stephen gibt einen Einblick in seine Arbeit und erklärt, wie er Unternehmen, die als Finanzdienstleister für Automobilkonzerne oder externe Kunden agieren, bei der Bewältigung neuer Herausforderungen unterstützt.

Wir diskutieren über die Unsicherheiten im Markt, wie Reichweitenangst und hohe Preise, die viele Kunden vom Kauf von Elektrofahrzeugen abhalten. Stephen erläutert, wie Finanzdienstleister und Mobilitätsanbieter durch Maßnahmen wie verlängerte Leasingzyklen und Abomodelle diese Unsicherheiten reduzieren können.

Ein weiterer Fokus liegt auf der Zusammenarbeit zwischen Herstellern, Finanzdienstleistern und Energieanbietern, um attraktive und flexible Lösungen zu bieten. Stephen betont die Bedeutung von Pilotprojekten und stabilen politischen Rahmenbedingungen, um die E-Mobilität voranzutreiben.

Emotionale Faktoren wie Reichweitenangst und Ladeinfrastruktur werden ebenfalls angesprochen. Stephen erklärt, dass durch Garantien und Absicherungen mehr Sicherheit für die Kunden geschaffen werden kann.

Zum Abschluss sind wir uns einig, dass die Zukunft der Mobilität elektrisch sein wird und dass Mut und klare Rahmenbedingungen entscheidend sind. Hier hörst du aber am besten selbst in die aktuelle Folge.

Shownotes:

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Transcript

  1. Intro:

    Elektroauto News. Der Podcast rund um das Thema Elektromobilität. Mit aktuellen Entwicklungen, Diskussionen, Interviews und vielem mehr.

  2. Sebastian:

    Servus und herzlich willkommen bei einer neuen Folge des Elektroauto News 100 Podcast. Ich bin Sebastian und freue mich, dass du diese Woche wieder eingeschaltet hast. In der aktuellen Folge habe ich Dr. Stephen Hellhammer zu Gast, Partner bei der Porsche Consulting, der für seine Kunden im Bereich Versicherer, Zahlungsdienstleister und Finanziers das Thema E-Mobilität, Mobilitätswandel aufgreift und bewertet, Prozesse aufsetzt, neue Geschäftsfelder erschließt Und in unserem Gespräch eben auch aufzeigt, warum es sinnvoll ist, das E-Auto im Flottengeschäft über den ersten Lebenszyklus hinaus zu denken, um eben auch E-Mobilität leistbar zu machen, in die Massen zu bringen und die Adaption am Markt zu fördern. Wir gehen direkt rein ins Gespräch mit Steffen. Viel Freude damit. Servus Steffen, vielen Dank, dass du dir heute die Zeit nimmst. Das wird wenig mehr über das Thema E-Mobilität in einem ganz anderen Rahmen heute erfahren. Bevor wir da allerdings tiefer eintauchen und aufklären, um welche Themen es geht, stelle ich gerne mal selbst vor und welche Berührung du mit der Welt der E-Mobilität hast.

  3. Steffen Hellhammer:

    Hi Sebastian, vielen Dank für die Einladung und sehr gerne. Mein Name ist Stephen Hellhammer, ich bin Partner bei der Porsche Consulting, kümmere mich bei uns um das ganze Thema Mobility Finance. Das bedeutet im Schwerpunkt um Unternehmen, die entweder als direkte Finanzdienstleister von den Automobilkonzernen das Geschäftsmodell mit unterstützen oder auch externe Kunden wie Banken, Versicherungen, Zahlungsdienstleister, die sich in dem Thema Mobilitätsökosystem bewegen. Mit dem ganzen Fokus auf dem Thema Transformationsprogramme und wir versuchen unsere Kunden bestmöglich dabei zu unterstützen, jetzt die neuen Herausforderungen, die auch gerade die BEVs mit sich bringen, zu bewältigen. Vielleicht noch kurz zwei Worte zur Porsche Consulting. Die Porsche Consulting ist eine hundertprozentige Tochter der Porsche AG. Wir machen aber nur einen Teil unseres Geschäftes innerhalb der eigenen Hersteller und unserer eigenen Unternehmensbereiche und einen großen Teil mit externen Kunden in unterschiedlichen Branchen. Wie ich es gerade schon gesagt habe, da kümmere ich mich im Schwerpunkt um das ganze Thema Mobility Finance. In Summe haben wir rund 1000 Mitarbeiter mittlerweile in zwölf Offices, die sich über die ganze Welt verteilen. Sind mittlerweile seit 30 Jahren am Markt.

  4. Sebastian:

    Das ist doch definitiv eine Ansage. Vielen Dank, dass du uns da ein Stück weit erstmal abgeholt hast und auch ausgeführt hast, dass eben Porsche Consulting jetzt nicht einfach nur ein besserer Vertrieb der eigenen Modelle ist sozusagen, sondern ihr auch tatsächlich darüber hinaus in andere Unternehmen reingeht. Du hast es schon angerissen. Und ich sage gerade mal, das Thema... Ja, Leasing, Carsharing, Mietwagen, das sind ja auch Themen in der, nennen wir es einfach mal Flottengeschäft, was sich doch ein Stück weit gewandelt hat, erstmal zum Positiven hin mit der E-Mobilität, im Moment mit dem stockenden Markt wird es auch da schwierig und da kommt ihr ja auch ins Spiel dann, sobald ich das verstanden habe, um da eben auch einen Mehrwert mit reinzubringen. Vielleicht kannst du uns mal den aktuellen Markt oder die Marktentwicklung aus deiner Sicht beschreiben und dann eben auch, wie ihr dort ansetzt, um eben das Ganze vielleicht doch zum Laufen zu bringen.

  5. Steffen Hellhammer:

    Ich glaube, zum einen sehen wir im Moment am Markt ganz klar, dass es eine sehr hohe Unsicherheit bei den Kunden gibt. Das bedeutet, es gibt viele Faktoren und es gibt auch zahlreiche Studien, ob das jetzt die Reichweite der Fahrzeuge ist, ob das auch ein hoher Preis von den Neuwagen ist oder auch am Ende das ganze Thema Ladeinfrastruktur zählt. die einfach dazu führen, dass Kunden im Moment nicht wissen, soll ich jetzt auf das ganze Thema BEV setzen oder warte ich lieber noch? Und das ist natürlich was, wo gerade Finanzdienstleister oder Mobilitätsanbieter ein Stück weit helfen können, diese Unsicherheiten nicht komplett auszuhebeln, aber zumindest ein Stück weit beim Nutzer zu reduzieren.

  6. Sebastian:

    Das heißt aber auch schon tatsächlich bezogen auf den Endnutzer, Endnutzerin in dem Fall, der tatsächliche Fahrer von dem Fahrzeug. Und du sagst es jetzt so einfach, die können diese Ängste nehmen, sie können die abbauen. Die Frage, die jetzt kommt, ist natürlich auch ganz klar, wie soll das geschehen? Also wie passiert das?

  7. Steffen Hellhammer:

    Also ein Punkt, der natürlich im Moment für sehr viel Unsicherheit sorgt, sind die fallenden Restwerte, gerade von den Fahrzeugen, die jetzt jüngst aus dem Leasing zurückkommen, das heißt so die zwei, drei Jahre alten Leasingrückläufer, weil ich natürlich hohe Technologiesprünge im Moment noch habe und Das sorgt einfach dafür und teilweise natürlich auch ein gewisser Preiswettbewerb der Hersteller jetzt auch bei den Neuwagen wiederum, dass die Restwerte extrem stark unterdruckt sind. Und da können auf der einen Seite die klassischen Finanzierer helfen mitten im Leasing für einen zweiten und dritten Fahrzeugzyklus. Und im Angebot dort die Fahrzeuge einfach auch länger auf den eigenen Büchern zu halten, diese Restwerkrisiken abzufedern und bei den Kunden zu reduzieren. Aber natürlich können auch Versicherungen über entsprechende Garantien oder Zahlungsdienstleister, die jetzt halt rund um das Thema Ladeinfrastruktur und Paymentlösungen unterwegs sind, diese Sorgen und Ängste, die die Kunden dort haben, abzufedern.

  8. Sebastian:

    Das heißt, wir sind hier an einem Punkt, wo dann auch wieder verschiedene Parteien idealerweise ineinandergreifen müssen, um dann die E-Mobilität auch ein Stück weit zu pushen sozusagen.

  9. Steffen Hellhammer:

    Absolut. Das ist aus unserer Sicht ein ganz kritischer Punkt im Moment, weil klassischerweise natürlich sehr stark in Branchen gearbeitet und gedacht wurde. Das heißt, der Hersteller hat erstmal ein Fahrzeug entwickelt, relativ unabhängig von der Frage, wie das Ganze nachher finanziert, versichert wird, etc. Und auch das ganze Thema Energieanbieter und Dienstleister war eine eigene Branche. Und selbst innerhalb der Finanzdienstleister war oft das Thema Versicherung, Finanzierung und Paymentlösung in unterschiedlichen Sparten aufgestellt. Und das ist etwas, wo zunehmend klar wird, dass man hier dem Kunden attraktive Lösungen aus einer Hand bieten muss. Das heißt, es muss sich jetzt innerhalb der unterschiedlichen Branchen eine Dynamik entwickeln, die A bedeutet, entweder stark zusammenzuarbeiten oder B, selber in den Lied zu gehen und die entsprechenden Leistungsangebote an den Start zu bringen, um dem Kunden hier ein einheitliches Angebot aus einer Hand anzubieten.

  10. Sebastian:

    Wie einfach ist die ganze Geschichte? Weil du hast ja vorhin gesagt, wir haben das Restwertrisiko, das Abfedern, das Minimieren. Aber der Haupteinflusspunkt, zumindest so wie wir das auch aus Medien wahrnehmen oder von dem, was uns rückgemeldet wird, ist halt zum größten Teil auch in den vergangenen Monaten, der sich stark verändernde Kaufpreis gewesen. Da gibt es ja einen Hersteller aus Amerika drüben, den wir alle kennen, der dieses Spiel ja echt auch durchgespielt hat und gefühlt Rabatt um Rabatt draufbringt, dann die Preise mal wieder anhebt, wieder senkt, was ja den Markt komplett durcheinanderwirbelt und natürlich auch in der Restwertbetrachtung seine Risiken mit sich bringt. Nicht umsonst wurden die Fahrzeuge ausgeflottet oder werden zumindest nicht eingeflottet. Hat denn dieser Verbund der verschiedenen Playermarkt überhaupt den Hebel, das abzufedern? Oder hat da der jeweilige Hersteller auch eben einen ganz großen Anteil damit und sollte daran auch Interesse haben, um das eben auf eine stabile Basis zu stellen?

  11. Steffen Hellhammer:

    Man muss ganz klar sagen, dass die Finanzdienstleister hier jetzt natürlich keine Restwertmagie betreiben können. Also die können helfen, das Ganze ein Stück weit abzufedern und zu steuern. Ich glaube, am Ende des Tages ist der Hersteller dafür verantwortlich, diese Risiken ein Stück weit zu übernehmen und auch das Risiko seiner Fahrzeuge in seine eigenen Bücher zu nehmen, ob das nachher über die Finanzdienstleister passiert wird. Oder ob er da ein Stück weit selber ins Risiko geht, muss geprüft werden. Aber am Ende des Tages muss der Hersteller ein Stück weit das Risiko, das der Kunde im Moment verspürt, auch selber mit abfedern. Aber man muss ganz klar sagen, in diesem zweiten und dritten Lebenszyklus und auch in diesen Finanzdienstleistungen stecken natürlich Profitpools. Also damit kann auch Geld verdient werden. Also wir sehen durchaus... Auch die Möglichkeit, in einem zweiten und dritten Lebenszyklus Profite zu erwirtschaften und, wie gesagt, auf der einen Seite mehr Risiko zu übernehmen, auf der anderen Seite aber auch zusätzliche Profitpools zu erschließen und auch neue Kundengruppen zu gewinnen.

  12. Sebastian:

    Jetzt sagst du so exemplarisch zweiter und dritter Lebenszyklus. Wovon sprechen wir da? Also was ist das aus eurer Betrachtung? Kannst du das ein Stück weit greifbarer machen?

  13. Steffen Hellhammer:

    Achso, entschuldige. Ja, natürlich. Also für uns sprechen wir im ersten Lebenszyklus, oder wir sprechen über die typischen Leasingzyklen, die in der Regel zwei bis drei Jahre dauern. Das heißt, der erste Zyklus wäre ganz grob gesagt für uns drei Jahre, der zweite Zyklus wäre bis zu sechs Jahre und der dritte Zyklus wäre bis zu neun Jahre. Und dieser starke Restwertabfall, den wir im Moment gerade am Anfang sehen, den könnten wir natürlich dadurch glätten oder könnten Hersteller dadurch glätten, dass sie sagen, okay, wir gehen jetzt selber stärker ins Risiko. Wir sind selber bereit, die Fahrzeuge länger an die Kunden über ein Leasing beispielsweise zu vergeben. Das können aber natürlich auch andere Modelle sein wie ein Abo etc., Und dadurch dieses Restwertrisiko selber zu tragen und dem Kunden diese Sorgen zu nehmen. Da habe ich gerade auch noch einen weiteren Punkt angesprochen, der, glaube ich, ganz wichtig ist. Ich glaube, dieser ideale Kanalmix, das heißt die Frage, jetzt kommt ein Fahrzeug zurück nach einem Leasing beispielsweise und ist jetzt der nächstbeste Kanal tatsächlich der Verkauf im Moment oder die Restwerte jetzt gerade im Keller und es ist besser für mich. den jetzt erst nochmal ein Abo-Modell beispielsweise mit reinzugeben oder den in ein zweites Leasing zu geben, also dieser nächstbeste Kanal für das Fahrzeug. Das wird eine ganz zentrale Fragestellung sein, mit der sich die Finanzdienstleister und die Hersteller auseinandersetzen müssen, um hier ein Stück weit die Restwertrisiken auch mit abzufedern, den Kunden aber auch natürlich wieder attraktive Mehrwerte zu bieten.

  14. Sebastian:

    Wenn wir das so betrachten, dann wäre ja die klassische Betrachtung der ganzen Geschichte, soweit ich es jetzt verstanden habe, dass Fahrzeuge ins Leasing gehen, sie werden zurückgebracht, werden verkauft und du sagst jetzt im Endeffekt, okay, wir müssten dann eben noch einen zweiten, dritten Zyklus mit dranhängen, dass eben beispielsweise nochmal ins Leasing oder eben Abo-Mietmodelle mit reingeht, um dann eben auch dieses Restwertrisiko weiter zu senden. Habe ich das richtig eingeordnet?

  15. Steffen Hellhammer:

    Ganz genau. Das ist im Schwerpunkt genau das, worum es geht. Dass wir diesen starken Restwertabfall, den wir gerade am Anfang haben, der wird natürlich nach hinten hinaus flacher. Und dass wir versuchen, diesen Dip ein Stück weit abzufedern, dadurch, dass wir die Fahrzeuge einfach länger, dass wir länger der Owner der Fahrzeuge sind und die länger über unterschiedliche Mobilitätsprodukte zur Verfügung stellen. Aber das erfordert natürlich auch hier wieder eine starke Zusammenarbeit. Ich brauche die Handelsorganisation, die das Ganze mit abbilden kann. Ich brauche die entsprechenden Produkte der Finanzdienstleister und eine gewisse Flexibilität zwischen denen auch. Da gibt es im Moment... Auch einfach rechtliche Rahmenparameter, die es nicht einfach machen, einfach so von einem Modell in das nächste zu wechseln und auch ein Stück weit einfach operative Herausforderungen, die prozessual nachher abgebildet werden müssen. Aber nichtsdestotrotz führt aus unserer Sicht kein Weg daran vorbei, dass man sich jetzt in diese Richtung entwickelt.

  16. Sebastian:

    Die Frage, die sich mir jetzt natürlich stellt, wenn wir jetzt sagen, okay, wir geben das Fahrzeug anstatt zwei Jahre ein drittes Jahr oder ein viertes Jahr noch mit ins Leasing mit rein bei einer Person, Da beschneide ich mich ja als Hersteller dann schlussendlich auch ein Stück weit selbst, weil ich sage mal, wenn es nach zwei Jahren zurückgeht und der Fahrer, Fahrerin braucht ein neues Fahrzeug, Neuabschluss, Neuwagen, der wieder auf der Straße ist, wahrscheinlich höre ich Gewinnmarge dann wieder mit dran, wenn wir mit der Technik weiter sind, die Kosten gesenkt haben. Wenn ich das jetzt auf längere Zeiträume drin habe, beschneide ich mich da eben selbst aus meiner Wahrnehmung. Ist das so oder kann das auch abgefedert werden auf eine gewisse Art und Weise? Das werdet ihr auch betrachtet haben.

  17. Steffen Hellhammer:

    Ja, absolut. Also das wird nicht zwangsläufig der gleiche Kunde sein, der sein Fahrzeug weiterliest. Also Ziel ist es natürlich, ich nehme jetzt mal den typischen Geschäftskunden, der in der Flotte ein Fahrzeug liest. Der liest jetzt einen Neuwagen, den hat er über drei Jahre und der wird danach wahrscheinlich wieder den nächsten Neuwagen leasen. Dieser Gebrauchtwagen, den er jetzt aber aus dem Leasing zurückgibt, den werde ich vermutlich an einen ganz anderen Kunden und eine ganz andere Zielgruppe verlesen oder wie gesagt in ein Abo geben oder vermieten. Das ist wie gesagt auch eine Chance für Hersteller, neue Zielgruppen zu erschließen. Das ist das, was ich vorhin meinte, da gibt es auch potenzielle neue Profitpools. Ich muss es natürlich am Ende schaffen, als Hersteller ein attraktives Gesamtpaket zu schnüren, was auch wirtschaftlich attraktiv ist für die Kunden. Und die Total Cost of Ownership, also die Kosten, die Gesamthaft für den Kunden mit Versicherungen, mit dem, was den Energieverbrauch angeht, etc., mit den Restwerten, alles, was damit zusammenhängt, da muss ich als Hersteller halt ein attraktives Paket für meine Kunden schnüren können, Das denen nachher ermöglicht, da auch vielleicht eher preissensiblere Kunden, die für den Gebrauchtwagen attraktiv ist, damit zu adressieren und anzusprechen.

  18. Sebastian:

    Wenn wir da jetzt bei dem Thema Attraktivität sind, äußert sich die Attraktivität immer nur im Preis, in der monatlichen Rate? Oder geht es da auch darüber hinaus, spezieller Service, Ladestation, spezieller Ladetarif? Das sind ja auch alles Themen, die man ja mit reinwerfen könnte in die Waagschale. Oder ist es tatsächlich nur der monatliche Preis?

  19. Steffen Hellhammer:

    Ich glaube, und das ist genau das, was wir vorhin besprochen haben, dass hier einfach jetzt die Finanzdienstleister auch gemeinsam mit Herstellern und Energieanbietern so ein reibungsloses Besitzerlebnis absichern müssen. Das bedeutet zum Beispiel, dass ich überall und immer flexibel laden kann, dass ich schnell laden kann, dass ich verlässlich laden kann, dass Und wenn ich lade, wirklich wenig Touchpoints habe, ist es am besten natürlich einfach, das Auto in die Ladestation hängen, danach weiterfahren. Oder dass ich jetzt zusätzliche Schritte wie Bezahlen etc. habe. Das sind alles Punkte, da muss es ein attraktives Leistungsangebot geben. Und das macht es dem Kunden natürlich dann auch einfacher, wenn er diese Sicherheit hat. Ein ganz zentraler Punkt ist das Thema Unsicherheit bei dem Kunden. Wenn ich dem diese Sicherheit geben kann, in unterschiedlichen Bereichen, ob das jetzt Kosten sind, Ob das die Nutzung des Fahrzeugs ist, ob es die Verlässlichkeit ist, was das Laden angeht und die Reichweite. Wenn ich da bereit bin, ihm Garantien zu geben und diese Risiken abzufedern, was auch Preise angeht an den Ladestationen, dann erhöht sich, glaube ich, auch die Bereitschaft, in diese Modelle reinzugehen.

  20. Sebastian:

    Ist aber natürlich auch nicht die einfachste Sache, gerade in Zeiten von dynamischen Strompreisen oder Ladepreisen, die wir jetzt mittlerweile auch von den größeren Ladestationanbietern hier am Markt sehen, die Thematik, dann hast du daheim noch deinen Strompreis. Wir wissen es mit Angriffskrieg Russland vor zwei, zweieinhalb Jahren, wo ja auch auf einmal Gasenergiepreise nach oben geschossen sind. Du kannst ja auch bedingt nur diese Sicherheiten mit auf den Weg geben. Also wie stellt man sich da auf? Wie steuert ihr sowas ein? Und das führt ja auch schlussendlich zu einem Umdenken bei den Prozessen bei euren Kunden, weil es ist ja jetzt nicht einfach hier mit den Fingern geschnipst und wir haben das umgestellt, sondern wie du vorhin gesagt hast, ihr entwickelt Operations-Prozesse dafür. Wie holt ihr eure Kunden auch ab und sagt, okay, ihr müsst jetzt hier vielleicht mal um 180 Grad in die andere Richtung denken und das eben nicht immer nur auf den reinen Vertrieb, sondern eben auch darüber hinaus für euren Kunden zentriert denken.

  21. Steffen Hellhammer:

    Am Ende ist das halt genau diese gemeinschaftliche Aufgabe. Also genauso wie ein Stück weit der Hersteller bei dem Thema Restwerte ins Risiko gehen muss, genauso muss vielleicht auch ein Energieanbieter bei dem Thema Energiekosten und Preise ins Risiko gehen. Das sind diejenigen, die ja genau wie wir ein Interesse daran haben, unsere Fahrzeuge abzusetzen, auch ein Interesse daran haben, dass diese ganze Transformation Richtung E-Mobilität gelingt. Denn die ist aus meiner Sicht relativ alternativlos. Da haben wir uns klare Ziele gesetzt. Und die wir gemeinsam erreichen wollen, die Herausforderung haben wir als Hersteller, die haben aber auch Finanzdienstleister, die haben auch Energieanbieter und ja, am Ende des Tages müssen wir den Kunden da einfach möglichst gut begleiten, um das hinzukriegen.

  22. Sebastian:

    Nein, abseits der Zahlen, Daten, Fakten, die ja immer eine Rolle spielen, die greifbar sind, meine monatliche Rate, meine Unterstützung in Form von einem Bonus vielleicht für einen Elektriker, der mir die Wallbox installiert, all diese Themen, die man machen kann, sind es ja aber vor allem auch die Emotionen, die Fahrzeuge, also gerade diese Reichweitenangst, die du anfangs benannt hattest oder auch das Thema jetzt nicht unbedingt Reichweitenangst, aber dass nicht genügend Ladeinfrastruktur an den Orten vorhanden ist, wo ich sie denn eben benötige. Ist das auch ein Thema, was ihr damit ins Spiel reinbringt? Weil ich habe manchmal das Gefühl, dass das zumindest in den Köpfen der Menschen stärker überwiegt als jetzt die reinen knallharten Fakten.

  23. Steffen Hellhammer:

    Mit Sicherheit. Also ich glaube, dieses Thema Sorgen und wie gesagt Unsicherheit, Ängste, das ist ein ganz großes. Und das ist auch größer als, glaube ich, das tatsächliche Problem nachher ist. Also ich glaube, die Sorge vor dem Problem, was entstehen könnte, ist größer als nachher die tatsächliche Erfahrung, die ich mache. Und ja, ich... Das ist ja das grundsätzliche Geschäftsmodell aus meiner Sicht von beispielsweise einer Versicherung oder einem Finanzdienstleisterkunden, solche Sorgen zu nehmen, in dem es halt bestimmte Garantien und Absicherungen gibt. Das ist der Mehrwert, den wir hier ausspielen können.

  24. Sebastian:

    Wobei der Mehrwert ja dann auch wieder ist, dass du eben mit diesen Ängsten von deinen Kunden, weil du diese Versicherung gibst, ja auch Einnahmen schlussendlich generierst. Klar, irgendwie muss das ja auch gegenfinanziert werden, falls das dann doch mal eintritt. Aber schlussendlich ist ja die Angst vor der Angst meist größer als dann tatsächlich der Fall der Eintritt.

  25. Steffen Hellhammer:

    Also natürlich werde ich nachher eine Risikoprämie haben. Das ist das grundsätzliche Geschäftsmodell, dass wenn ich Risiken übernehme, dass ich natürlich auch ein Stück weit dann Geld daran verdiene. Also das ist glaube ich richtig, aber das ist ja bei jeder Versicherung grundsätzlich so.

  26. Sebastian:

    Das ist ja auch vollkommen legitim, dass du das eben mitnimmst und dass du da eben entsprechend diesen Premiumpreis für dich mit drin hast, dass diese Sicherheit auch abgefedert werden kann. Jetzt haben wir ja in der Theorie die Ansätze gehört, wie man sowas bringen kann, wie man diesen Kundennutzen steigern kann. Wie siehst du denn die Zukunft dieser ganzen Modelle? Meinst du, wir sind hier auf einem guten Weg? Du hast einen entsprechenden Einblick in den Markt. Wir müssen ja gar nicht auf einzelne Player eingehen. Aber meinst du, es bewegt sich was oder ist da eher... Dauerhafter Stillstand zu verspüren, dass wir da einfach auch nochmal ein Gefühl vielleicht dafür bekommen, wenn wir jetzt eh gerade beim Thema Emotionen waren.

  27. Steffen Hellhammer:

    Es bewegt sich fast, das kann man ganz klar sagen. Man muss aber auch ehrlicherweise sagen, dass diese Unsicherheit und diese Ängste, die ich jetzt vorhin bei den Kunden beschrieben habe, die gibt es ehrlicherweise nicht nur bei den Kunden, sondern die gibt es auch in den Unternehmen. Und das ist, glaube ich, das, wo wir eher im Moment noch das Problem haben, dass an einigen Stellen einfach der Mut fehlt. Und da will ich jetzt gar nicht auf eine bestimmte Branche abheben, aber dass der Mut fehlt, dort jetzt selber mit Lösungen an den Markt zu gehen und ein Stück weit ins Risiko zu gehen. Wir empfehlen da auch immer ganz klar als Porsche Consulting, in bestimmten Pilotmärkten Lösungen einfach mal auszutesten, schnell pragmatisch zu pilotieren, um Erfahrungen zu sammeln, die man dann auch auf andere Märkte, wenn es gut läuft, übertragen kann. Vielleicht auch in unterschiedlichen Märkten mal unterschiedliche Lösungsansätze ausprobieren. Und das Schlimmste, was Hersteller oder wie gesagt auch Energieanbieter, Finanzdienstleister im Moment machen können, ist einfach den Status quo bei zu behalten. Es gibt dort ein großes Marktpotenzial, was sich auftut. Ich glaube, das ist jetzt eine Frage, wer bedient das als erstes und wer ist dort jetzt auch schnell und kann schnell Lösungen anbieten. Und das ist derjenige, der im Zweifel selber auch bereit ist, ins Risiko zu gehen und jetzt dynamisch erste Schritte zu machen.

  28. Sebastian:

    Jetzt sind wir an dem Punkt, dass wir sagen, derjenige, der den ersten Schritt geht, der wird wahrscheinlich dafür belohnt. Das ist ja in der Regel meist so, wenn man so eine gewisse Vorreiterrolle eingeht und auch kalkuliertes Risiko eingeht, was ich bei der E-Mobilität ganz klar sehe. Du hast vorhin auch gesagt, der Weg ist an sich gesetzt, der muss eben nur gegangen werden. Was benötigt es vielleicht von außerhalb als Zeichen, damit dieser Mut sich lohnt? Also wir haben ja gerade die Thematik mit den Strafzöllen hier Anfang Juli, wo wir aufnehmen, die Europa für China ausgesprochen hat oder für chinesische E-Autos, wo die Politik ja ein Stück weit reguliert. Aus meiner Sicht wäre es wahrscheinlich einfach nur sinnvoller zu sagen, ja, wir machen Batteriebetrieb und Mobilität, dann würde sich der Markt von alleine regeln. Wenn man so ein Zeichen setzen würde, anstatt den Markt wieder aufzuteilen durch diese Zölle, habt ihr da eine Meinung dazu, wie so ein Signal gewertet wird?

  29. Steffen Hellhammer:

    Ich glaube, dass stabile Rahmenbedingungen hier wichtig sind, weil ehrlicherweise haben die Hersteller jetzt ein riesen Commitment gemacht in Richtung E-Mobilität und auch viele Investitionen angeschoben. Ich glaube, dass alles, alle Diskussionen, die jetzt in Richtung gehen, dort wieder eine Verunsicherung auch bei den Konsumenten zu verursachen, nicht das richtige Signal ist. Ich glaube, wir brauchen Unterstützung des Themas. Ich glaube, dass der Staat hier einiges machen kann, um das ganze Thema Transformation zu beschleunigen. Das sind Themen wie auch Infrastruktur, wo mit Sicherheit noch einiges mehr gemacht werden kann. Das sind vielleicht auch ein Stück weit Subventionen an der einen oder anderen Stelle, wenn sie zielgerichtet sind. eingerichtet sind, aber ich glaube jetzt wieder ein Fragezeichen an das Thema Transformation hin zum Elektrofahrzeug zu machen, das geht in eine ganz falsche Richtung. Und klar ist natürlich auch, das was wir im Moment sehen, Ist ein hoher Druck am Markt durch viele neue Hersteller, durch chinesische Hersteller. Das wirkt natürlich einen hohen Druck auf und da wird sich der Markt auch noch konsolidieren. Aber am Ende des Tages den Weg jetzt in Frage zu stellen, den wir da eingeschlagen haben, das führt wieder nur zu Verzögerungen. Das hemmt eher wieder die Entschlussfreude und die Geschwindigkeit und ich glaube, das ist nicht der richtige Impuls.

  30. Sebastian:

    Und das ist aus meiner Sicht aber ein wunderbares Schlusswort, weil da hast du es gut mit auf den Punkt gebracht. Wir müssen jetzt einfach den Weg weitergehen. Wir müssen da vielleicht auch mutig sein, wie du es ja in die Frage davor, die Antwort davor aufgezählt hast. Und vielleicht kommen wir doch mal an den Punkt, dass die Politik klare, stabile Rahmenbedingungen vorgibt und eben nicht immer nur Pflaster klebt, sondern einfach mal sagt, wir versorgen die Wunde, um da bildlich zu bleiben. Vielen Dank für deine Einblicke, Steffen, dass wir da ein bisschen was lernen konnten aus deinem Umfeld, aus deinem Geschäft, wie ihr eben sowas auch den Weg bereitet, damit Sicherheit gibt und das dann hoffentlich auch über eure Kunden an die E-Auto-Fahrerinnen weitergibt.

  31. Steffen Hellhammer:

    Sebastian, vielen Dank für die Chance, das heute mit dir zu diskutieren. Spannendes Thema und ich bin mir sicher, die Zukunft wird elektrisch sein und freue mich drauf.

  32. Sebastian:

    Das ist eine spannende Folge, wie ich hier finde. Ich denke, man konnte einiges mitnehmen, wie eben mit dem Thema Restwertrisiko, mit dem Abfedern davon umgegangen wird und was eben auch das Thema Emotionen dann doch für eine Rolle spielt bei der E-Mobilität und hoffe, dass wir da einiges mitnehmen können. für die weitere Entwicklung des Marktes, dass wir das auch ein Stück weit im Hinterkopf behalten und freue mich, wenn Steffen zu einem späteren Zeitpunkt nochmal bei uns vorbeischaut. Dir vielen Dank fürs Zuhören. Mach's gut. Bis zum kommenden Sonntag. Ciao.