Charge Construct: 2022 wird Jahr der Akquise für Ladeinfrastruktur-Standorte

Im Gespräch mit Adrian Zierer, CEO & Co-Founder von Charge Construct

Adrian Zierer, CEO & Co-Founder von Charge Construct, versteht es in der aktuellen Folge des Elektroauto-News.net-Podcast zu vermitteln, warum aus seiner Sicht 2021/ 2022 zum Jahr der Ladeinfrastruktur-Standort-Akquise wird. Mit seinem Unternehmen, welches er gemeinsam mit Tim Schwenk führt, nimmt er sich dieser Herausforderung ebenfalls an. Dabei begrenzt sich das Unternehmen aber keinesfalls nur auf die Auswahl des richtigen Standorts für die Ladeinfrastruktur, sondern bietet diese "Steckerfertig, ganzheitlich und aus einer Hand" am Markt an.

Über fünf Jahre in der Welt der Elektromobilität hat Adrian mittlerweile verbracht. Nachdem er zunächst in diesem Bereich beraten hat, war er für Volkswagen Elli tätig, bevor er sich dann selbständig gemacht hat. Mit Charge Construct bietet sein Unternehmen als unabhängiger Projektdienstleister den Aufbau von Ladeinfrastruktur aus einer Hand an. Was durchaus wörtlich zu nehmen ist.

Shownotes:

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Transcript

  1. Intro:

    Elektroauto News. Der Podcast rund um das Thema Elektromobilität. Mit aktuellen Entwicklungen, Diskussionen, Interviews und vielem mehr.

  2. Sebastian:

    Servus und herzlich willkommen bei einer neuen Folge des rektorautonews.net Podcast. Ich bin Sebastian und freue mich, dass du diese Woche wieder eingeschaltet hast, wenn wir uns zum Thema E-Mobilität unterhalten. In der aktuellen Folge habe ich mir Adrian Zierer, seines Zeichens Geschäftsführer von Charge Construct, an die Seite geholt, um mich ein wenig über den unabhängigen Projektdienstleister im Bereich der Aufbau der E-Mobilitäts-Ladeinfrastruktur auszutauschen, zu unterhalten. Adrian hat uns in dem Gespräch einige interessante Einblicke gegeben, vom Start eines vermeintlich einfachen Ladeinfrastrukturprojekts bis dann schlussendlich hin zur vollständigen Umsetzung. Er zeigt uns auch auf, was Charge Construct anders macht als andere Anbieter am Markt. und warum der Ansatz, die Wertschöpfung so weit wie möglich ins eigene Haus zu holen, ja doch wahrscheinlich am erfolgsversprechendsten ist, sowohl für den eigentlichen Kunden als auch für Charge Construct selbst. Aber genug der Vorworte, gehen wir doch direkt rein ins Gespräch mit Adrian. Viel Spaß bei der aktuellen Folge. Servus Adrian, schön, dass wir uns heute hören und ein wenig über dein Startup-Chart Construct unterhalten können. Bevor wir da einsteigen, stell dich doch einfach mal kurz selbst vor und umreise uns dann, was dein Startup denn so in der Welt der E-Mobilität bewegt bzw. anbietet.

  3. Adrian Zierer:

    Ja, hi Sebastian. Erstmal vielen Dank für die Einladung. Mein Name ist Adrian. Ich bin jetzt seit über fünf Jahren schon in der Welt der Elektromobilität unterwegs. Habe da eine sehr, sehr harte und gute Schule durchlaufen dürfen bei der P3. Ich habe diverse CPOs und MSPs, die da im Markt unterwegs sind, beraten dürfen. Ich bin für verschiedenste Automobilhersteller unterwegs gewesen, als ich dann die Seiten gewechselt habe, aus der Beratung raus in die Welt eines Automobilherstellers eingetaucht. Das war dann die Elli. Und in der Zeit, als ich da eigentlich maßgeblich immer mich um die Themen rund um Betrieb von Ladeinfrastruktur, Aufbau von Ladeinfrastruktur und das Ganze sehr nah auch am Kunden mich da bewegt habe, habe ich mich aus dem Background heraus zusammen mit meinem Geschäftspartner Tim selbstständig gemacht, wiederum im Bereich Errichtung Ladeinfrastruktur. Und da wirklich hands-on, wie man sich das vorstellt, wenn du ein Unternehmer bist, einen Betriebshof hast und da einfach eine größere Anzahl von Ladepunkten aufbauen möchtest, suchst du natürlich eine Firma, die dir da im besten Fall ganzheitlich eine Antwort und eine Lösung bieten kann. Und genau das tun wir mit ChargeConstruct.

  4. Sebastian:

    Okay, das hört sich ja schon mal sehr interessant an. Das heißt, du kommst ja schon mit dem notwendigen Background daher, hast da in dem Bereich gelernt, wie ich das verstanden habe und hast dann gesagt, naja gut, das kann ich schon mal besser als die anderen Anbieter, wenn es dann überhaupt zu dem Zeitpunkt schon welche gab, die das so angeboten haben, wie ihr es jetzt anbietet und hast dich dann entschieden, dich da mit deinem Partner Tim selbstständig zu machen.

  5. Adrian Zierer:

    Ja, es war tatsächlich so, dass einmal natürlich durch die Historie bei der P3, die sich ja selbst irgendwie als Netzwerkfirma versteht, aber auch so sehr umtriebig gewesen und halt viele Unternehmen aus dem Markt kennengelernt. Und oft war es tatsächlich so, dass die halt sich auf gewisse Bereiche, spezialisiert haben und auch fokussiert haben. Das heißt, von einem Player hast du eine gute Hardware bekommen, vom anderen ein gutes Backend, vom anderen vielleicht eine gute Wartung und ein Service. Es war aber tatsächlich so oder ist auch meines Erachtens nach bis heute so, dass nur wenige Firmen in der Lage sind, in ein teilweise knallhartes Projektgeschäft reinzugehen und da, sagen wir mal, als unabhängige Instanz auch zusammen mit den ganzen Partnern, die man da braucht, Sei es ein Hardwarehersteller oder sei es eben ein Backend-System. Sagen wir mal, die Fäden so zusammenzuziehen, dass du dem Kunden alles aus einer Hand als Systemanbieter und als Generalunternehmer anbieten kannst und das Ganze so erweiterst, dass du im Kopf auch nicht in den Sand steckst, wenn es darum geht, einen Boden zu öffnen. Das heißt, wenn Tiefbauarbeiten notwendig sind und das Ganze ergänzt durch eine schlagkräftige Truppe, wenn es um die Elektroinstallation geht. Und genau diese Kompetenzen bündeln wir bei uns.

  6. Sebastian:

    Zusammengefasst also so, damit ich es auch richtig verstanden habe, ihr seid dann eben, ich sage mal Projektdienstleister, die, ihr habt es auf eurer Webseite so schön stehen, steckerfertig, ganzheitlich und aus einer Hand Ladeinfrastruktur eben anbieten. Vom ersten Konzept sozusagen bis zur ganz finalen Umsetzung, nehmt ihr das alles in die Hand, seid Ansprechpartner für die verschiedenen Gewerke, Softwareunternehmen, Hardwareunternehmen, die dann eben auch benötigt werden sozusagen und bringt das alles zusammen und seid dann das einzige Gesicht sozusagen zu eurem Endkunden hin.

  7. Adrian Zierer:

    Ja, richtig, genau. Hier ist es immer so, also es gibt jetzt diverse Bewegungen gerade im Markt, dass viele sich so als Plattform verstehen. Da vielleicht auch, wenn wir jetzt über Startups sprechen, Philipp Schröder ist ein bekannter Gründer auch hier in der Szene, der jetzt mit seiner neuesten Idee auch versucht, so eine Plattform zu werden, was er, meines Erachtens nach sehr gut tut, ist, er beteiligt sich an Elektroinstallationsbetrieben und will da dann quasi selbst auch die Power haben und den Durchgriff auf die entsprechenden Kapazitäten und Ressourcen. Das tun wir auch. Ich bin fest davon überzeugt, dass der Schlüssel solche Projekte schnell umzusetzen, eine schlagkräftige Elektroinstallationstruppe ist. Das heißt, bei Charge Construct arbeiten Projektleiter, arbeiten Bauleiter, arbeiten Elektromeister, Elektroinstallateure, quasi die, die dann tatsächlich auch in der Lage sind, das Ganze selbst am Ende des Tages steckerfertig an den Kunden zu übergeben. Den Tiefbau wiederum, Charge Construct Constructed, also der Name lässt es schon vermuten, was wir hier so tun. Das machen wir zusammen mit unserem Gesellschafter und Investor, der aus dem Glasfaserumfeld tatsächlich zu uns gestoßen ist. Den kennt der Tim, mein Geschäftspartner, kennt ihn seit einigen Jahren auch. Und als wir damals die Firma aufgebaut haben, sind wir auf diverse Unternehmen zugegangen, um uns über den Weg eines Investments entsprechende Kapazitäten zu sichern. Denn oft war es so, so ist auch eigentlich die Firma als solches entstanden, als der Tim bei mir zu Besuch war, hier mal letztes Jahr im Frühsommer. Da ging es nämlich darum, wir hatten einen Kunden bei der Elli vor der Brust, der eben alles aus einer Hand wollte. Und ich habe mich mal damit auseinandergesetzt, was das bedeutet, wenn man dann eben auch Tiefbaupartner suchen muss und die entsprechend qualifizieren. Und da habe ich Tim gefragt, hey, du bist doch da im Bauumfeld unterwegs. in der Glasfaserwelt, sag ich, kannst du mir da nicht einen Kontakt herstellen und er meinte dann so, wann das Ganze umgesetzt werden soll und es war, glaube ich, da ein Zeithorizont von acht, neun Wochen ungefähr und da hat er nur, ich kann mich an die dreckige Lache erinnern, laut lachen müssen, hat gesagt, also wenn du in acht oder neun Wochen da ein Unternehmen findest, der das macht, dann Hut ab, weil die Auftragsbücher bei den Tiefbauunternehmen so pickepacke voll sind und es ist wirklich gar nicht so einfach, da Und da verlässliche Partner dann auch zu finden. Und das haben wir damit dann eigentlich ganz gut geschafft.

  8. Sebastian:

    Das hört sich ja nach einem Ansatz an, der zu überzeugen ist. Vor allem, dass du auch schon sagst, ihr holt euch bewusst die Experten ins Team rein. Also ihr kauft nicht alle Leistungen extern zu, sondern habt eure Experten im Team drin, habt entsprechende Partner und könnt demnach wahrscheinlich auch schneller am Markt agieren als andere Unternehmen, die dann eben sämtliche Leistungen von außen zukaufen.

  9. Adrian Zierer:

    Ja, also wir sind sehr nah am Kunden dran. Wir hören ganz genau zu, was der Kunde benötigt und was er mit der Ladeinfrastruktur auch anstellen möchte. Gerade wenn es irgendwie so auch in Richtung Flottenprodukte geht, also Mitarbeiterladen am Unternehmen, Mitarbeiterladen zu Hause oder auch unterwegs. wird das Ganze ganz schnell komplex und da sind wir halt in der Lage, mit den entsprechenden Experten sowas dann auch auszuarbeiten, das passende Konzept und das Ganze dann auch zu implementieren und das im besten Fall mit den eigenen Leuten. Also klar, Charge Construct ist jetzt in einer sehr frühen Phase und da haben wir jetzt natürlich nicht die Hundertschaften an Kollegen und Kolleginnen, die da unterwegs sind. Wir versuchen aber, schon soweit es geht, die Projekte dann auch so zu terminieren, dass wir das mit den eigenen Leuten entsprechend leisten können und die Wertschöpfung so hoch wie nur irgendwie möglich im eigenen Unternehmen halten. Weil so kann ich entsprechende Mehrwerte erzeugen. und mich mit den Kollegen dann auch entsprechend einbringen, die nicht nur aus der Welt der Elektromobilität kommen, sondern zum Teil auch tatsächlich aus dieser Glasfaserwelt, wo die Abläufe, wenn es um die Umsetzung dieser Projekte geht, sehr, sehr ähnlich sind. Denn ob du jetzt ein Glasfaserkabel unter die Erde legst oder einen Strom zusammen mit einem Datenkabel für die Ladeninfrastruktur, das ist dann am Ende des Tages sehr ähnlich. Und da können wir natürlich profitieren davon, wenn es darum geht, entsprechende Koordination mit Städten und Behörden dann auch abzubilden, wenn es vor allen Dingen dann um die Errichtung von öffentlicher Ladeinfrastruktur am Straßenrand dann auch geht. Das ist nämlich auch ein Feld, wo wir sehr stark unterwegs sind und da wird es dann ganz schnell komplex und ganz, ganz viele Leute wollen da mitreden und haben irgendwelche Ideen und Vorschriften, die man da erfüllen muss. Und da können die Kollegen halt aus dem Vollen schöpfen.

  10. Sebastian:

    Ja, sicherlich ein Vorteil, dass man eben diese Erfahrung aus der Glasfaserwelt da übertragen kann und ja für euch auch Wettbewerbsvorteil dann schlussendlich auch. Das heißt aber, ihr seid sowohl, wenn ich es richtig verstanden habe, im Bereich Flottenladen, also bei Arbeitgebern unterwegs im Unternehmen, nehmt euch aber auch dem Thema städteöffentliche Ladeinfrastruktur an, wenn da dementsprechend potenzielle Kunden auf euch zukommen.

  11. Adrian Zierer:

    Ja, absolut. Also ob das jetzt eine gewerbliche Ladeinfrastruktur, die von Unternehmen genutzt wird und von Mitarbeitern und da vielleicht auch irgendwie Kunden oder Gäste kommen oder ob es eine öffentliche Ladeinfrastruktur ist, AC oder DC. Sind wir da gleicherweise unterwegs? Ehrlich gesagt, was die Anzahl der Ladepunkte angeht, sind wir aktuell stärker noch im AC-Bereich unterwegs. Ist klar, also du kannst natürlich mit dem gleichen Geld viel mehr AC-Ladepunkte aufbauen, als es jetzt HPC oder normale DC-Ladepunkte sind. Da sind wir für Kunden unterwegs, klassische Betreiber in deutschen Großstädten, wo wir einige hundert Standorte aufbauen dürfen, die am Straßenrand entlang entstehen. Wir sind aber auch im Umfeld des HPC-Ladens unterwegs. Und da setzen wir sogar noch sehr viel früher an als jetzt bei der Errichtung. Wir helfen Unternehmen im Markt auch Standorte zu finden, an denen solche Ladeparks am Ende des Tages dann entstehen. Und wir gehen hier mit einem Team im Rücken, gehen wir da auf den Lebensmitteleinzelhandel zu, auf Baumärkte, auf Fachzentren, auf Kaufhäuser. Es sind dann oft Immobilienfirmen, die solche Standorte im Portfolio haben. und versuchen uns da einzusetzen und stark zu machen und auch die Mehrwerte entsprechend zu erläutern, solche Schnellladepunkte aufzubauen und helfen dann den Betreibern eben durch solche Standorte überhaupt erst Schnellladeinfrastruktur aufzubauen. Ich glaube vor allem dieses und nächstes Jahr ist das Jahr der Standortakquise und man merkt es, dass ganz, ganz viele Player aktuell wie wild sind auf die guten Standorte und ich glaube, die werden einfach dieses und nächstes Jahr vergeben.

  12. Sebastian:

    Ja, also das ist auch so der Eindruck, den wir haben, dass das aktuell so das Thema ist, wo platziere ich am besten die Ladestation und dass das schon heiß entkämpft ist. Das heißt aber auch, wenn ich das richtig verstanden habe, ihr geht dann auch aktiv auf diese Standortsuche schon zu, bevor überhaupt ein potenzieller Kunde sagt, wir wollen da was aufbauen, sondern ihr habt dann einfach schon einen Köcher voller, ich sag mal, möglicher Ladeplätze oder wo ich Ladeplätze errichten kann und könnt die dann eben den Kunden auch anbieten.

  13. Adrian Zierer:

    Genau so ist es. Also die Datenbank, die wächst tagtäglich. Da ist alles Mögliche dabei, sagen wir mal vom Hotspot im urbanen Bereich bis hin zu auch ländlichen Standorten. Und hier hast du natürlich die Herausforderung, dass du die einzelnen Standorte, sagen wir mal so, klastern und strukturieren musst, dass du sie am Ende des Tages dann auch dem richtigen Partner anbietest, wo du als Unternehmer davon ausgehen kannst, dass dort ein Investment, das ja in fast allen Fällen und bei fast allen Partnern zu 100% von einem Betreiber gestemmt wird, dass der Standort so attraktiv ist, dass er sagt, ja, den möchte ich gerne haben.

  14. Sebastian:

    Ja, also ich denke gerade diese Bündelung dann der Standorte sozusagen, dass man dann auch dieses größere Paket anbieten kann, da gehört ja dann auch nochmal ein bisschen Hirnschmalz dazu, dass man das eben attraktiv verkaufen kann.

  15. Adrian Zierer:

    Absolut und da setzt du natürlich verschiedenste Kriterien an, die einen Standort attraktiv macht. Natürlich ist es in der Großstadt, hast du eine Hauptverkehrsader irgendwie daneben, ist es ein Lebensmitteleinzelhandel, ist es ein Baumarkt. Du hast ja ganz unterschiedlichste Kundenverhalten an den jeweiligen Spots und Einkaufsmöglichkeiten und da bietet sich einfach der ein, oder dann eben der andere Anbieter an, dort darüber zu sprechen, ob dort Lademöglichkeiten entstehen oder eben nicht.

  16. Sebastian:

    Okay, und du hast es vorhin auch gesagt oder erwähnt, ihr seid sowohl im Bereich AC- als auch DC-Laden unterwegs, Schwerpunkt AC. Reagiert ihr da in Anführungsstrichen nur auf die Vorgaben eurer Kunden oder gebt ihr da auch Empfehlungen dafür? Und wie siehst du es im Moment selbst? Ist es eher sinnvoller, auf mehrere AC-Ladeplätze zu setzen oder dann doch eher DC? Also wie ist da so eure Philosophie dazu?

  17. Adrian Zierer:

    Ja, ich glaube, dass wenn man sich da mit verschiedensten Leuten unterhält, dann hat da jeder so seine eigene Meinung. Ich glaube, dass es am Ende der gesunde Mix ist. Ich glaube, beides wird auch zukünftig seine Daseinsberechtigung haben. mittlerweile hört man auch Stimmen in der Branche, die sagen, wird es AC-Laden, so wie es heute gibt, in fünf bis zehn Jahren noch geben? I don't know. Ich glaube, dass der Trend durchaus Richtung DC-Laden gehen muss. Es werden Vermutlich fast jeder wird versuchen, einen privaten Ladepunkt zu errichten, sei das in der Tiefgarage, im Carport oder in der Garage am Ein- und Mehrfamilienhaus. Wenn man aber überlegt, oder wenn man sich vorstellt, dass ein AC-Ladepunkt auf einem Parkplatz vor deinem Lieblingssupermarkt steht und du bist in einer halben Stunde da wieder raus, dann kann sich jeder, glaube ich, an einer Hand oder an zwei Händen abzählen, wie viele Kilowattstunden du hast. in der Zeit da reingeladen hast. Und das macht halt sehr wenig Sinn. Und von dem her glaube ich, dass das Thema DC- und HPC-Laden in den nächsten Jahren verstärkt kommen wird, verstärkt kommen muss. Gerade wenn man sich den Bedarf auch an öffentlichen Ladepunkten mal anguckt. Da hat die Nationale Leitstelle mit der Nau GmbH eine spannende Studie auch rausgebracht, die das mal aufzeigt. Und dementsprechend bin ich fest davon überzeugt, dass dem Thema DC- und HPC-Laden verstärkt jetzt hier in verstärkt in den Fokus gerückt wird.

  18. Sebastian:

    Ja, also mit der Begründung kann man das, denke ich, auch in diese Richtung dann rücken. Und wie du ja schon richtig gesagt hast, es kommt, glaube ich, immer auch auf den Standpunkt an, wie man die ganze Geschichte betrachtet oder aus welcher Sichtweise dann schlussendlich wahrscheinlich wird es tatsächlich zu Beginn dieser gesunde Mix eher sein. Und natürlich könnte man oder kann man durchaus davon ausgehen, dass dann in den kommenden Jahren das DC-Laden das neue AC-Laden wird dann sozusagen, weil Ich denke ja auch, die Automobiler bleiben ja nicht stehen und werden auch die Ladegeschwindigkeiten eben entsprechend vorantreiben und ich denke, das sind auch so diese Hintergedanken für deine Einordnung dann der ganzen Geschichte.

  19. Adrian Zierer:

    Ja, absolut. Ich denke, ich finde es ganz interessant, wenn man sich vorstellt, dass man zum Beispiel keine Möglichkeit hat, einen eigenen Ladepunkt zu errichten, wenn man jetzt hier in so einem Mehrparteienhaus ist, hat vielleicht gar keinen Tiefgaragen-Stellplatz, dann ist man auf die öffentliche Ladeinfrastruktur angewiesen. Auch da wird spannend, welche Tarife es zukünftig geben wird. Die EnBW hat es vorgemacht, wie es aussieht mit den entsprechenden Zeitkompetenzen. Ich muss sagen, es ist nicht mehr so schön, wenn man mit der EMBW-Karte über Nacht sein Auto vollladen muss. Die EMBW will das aber gezielt auch nicht weiter unterstützen. Hat alles Vor- und Nachteile. Ich bin gespannt, wo sich der Markt hin entwickelt. Es muss Lösungen geben, dass man als Fahrer eines Elektrofahrzeugs auch ohne eine dicke Rechnung sein Auto über Nacht irgendwo voll lädt, denn sich einen Wecker zu stellen und mitten in der Nacht aufzustehen, ist jetzt halt auch nicht sonderlich witzig und von dem her bin ich gespannt, wie sich da auch die andere Seite, also nicht nur die Betreiber von Ladeninfrastruktur, sondern auch die entsprechenden Ladekartenanbieter und die MSPs aufstellen, um den Kunden dann attraktive Tarife dann auch zu bieten, sei das dann vielleicht auch Uhrzeit basiert. Ich glaube, da wird sehr, sehr viel passieren und das Laden An dem öffentlichen Ladepunkt wird sicherlich spannend und noch attraktiver, als es heute ist.

  20. Sebastian:

    Da kann man durchaus von ausgehen. Und so wie du sagst, schlussendlich müssen alle Marktteilnehmer da vielleicht erst mal ihre Position finden und dann aber auch wieder als Markt zueinander finden, damit es eben für den Endkunden halt auch entsprechend attraktiver ist. Jetzt würde mich noch interessieren, du hattest vorhin erwähnt, der eine Kunde, der innerhalb von acht Wochen dann was umgesetzt haben wollte, Ist ja sehr unwahrscheinlich. Was sind denn so typische Projektlaufzeiten? Gibt es da überhaupt sowas? Kannst du da mal so eine Hausnummer dafür nennen? Wie lang es braucht vom ersten Konzept oder der ersten Anfrage bis zur Umsetzung? Was für Erfahrungswerte habt ihr da gesammelt?

  21. Adrian Zierer:

    Ja, es ist wirklich von allem etwas dabei. Man hat den Kunden, der mit entsprechend Vorlauf und mit Weitsicht auf uns zukommt und sagt, er hat bis Ende des Jahres die Aufgabe, dort Ladeinfrastruktur zu schaffen. Dann hast du den Kunden, der hätte lieber schon gestern Ladepunkte gehabt. Dann hast du den Kunden, der hat sich schon schlau gemacht. Über Monate hinweg ist dann nicht selten an einem, ja, Unternehmen hängen geblieben, der einem die vermeintlich beste Lösung verkauft. Der hat vermutlich seine Lösung nur gut verkauft. Denn wenn man da als Unabhängiger mal drauf guckt, dann muss man dem Kunden auf den Boden der Tatsachen wiederholen und sagen, hey, das, was du hier planst, ist vielleicht jetzt nicht wirklich sinnig, weil es lässt sich über mehrere Standorte nicht skalieren. Oder es gibt da Hürden, die er so noch gar nicht auf dem Schirm hat. Und es ist schon so, dass wir, wenn die Hardware vor allen Dingen, das ist ja aktuell so ein Thema, wenn die Hardware lieferbar ist, dann sind wir durchaus in der Lage, innerhalb von wenigen Wochen hier auch Ladeinfrastruktur aufzubauen. Aber es ist momentan wirklich so, dass... Ja, auch bedingt natürlich durch die ganzen Förderprogramme, die Lager leer geräumt sind. Was wir jetzt aktuell auch spüren, sind die Rohstoffe, die bei den Elektro-Großhändlern einmal auf der einen Seite Der Preis ist unfassbar gestiegen. Das ist das eine. Das kann man ja noch zum Teil mit dem Kunden diskutieren und weitergeben. Dafür haben sie Verständnis, wo es halt dann auch auf meiner Seite wenig Verständnis da ist. Und was eine riesen Herausforderung ist, ist, wenn gewisse Kabelquerschnitte oder Kabeltypen überhaupt nicht mehr lieferbar sind. Und von dem her sind das aktuell, ja... Punkte, die die Projektlaufzeit maßgeblich beeinflussen. Ich hätte sehr gerne heute, wäre ich an den Start gegangen, hätte eine Vorserienladestation von einem bekannten Hersteller von DC- und HPC-Ladelösungen aufgebaut. Wir mussten das Projekt jetzt auf unbestimmte Zeit verschieben, weil wir das Kabel nicht hergeschafft bekommen. Und von dem her ist das sehr unterschiedlich. Und von Schema F, ja klar, kannst du in AC- und DC-Projekte gliedern, aber da hast du halt von einigen wenigen Wochen bis hin zu ein paar Monaten alles mit dabei, je nachdem, wie umfangreich das ist. Und was sich auch zeigt, ist, je umfangreicher das Projekt, umso länger die Entscheidungswege. Das heißt, wenn ich mal hier in meinen Forecast reingucke, was wir Angebote gelegt haben, wo wir schon vor Wochen irgendwie ja, das Angebot abgegeben haben und das natürlich intern diverse Gremien auch zu bewältigen hat, dann sind die Projektlaufzeiten sehr lang und ja, dementsprechend dann auch die Umsetzung.

  22. Sebastian:

    Kann man ja auch teilweise nachvollziehen, da geht es ja dann auch nicht gerade um wenig Kleingeld, wenn dann sowas umgesetzt werden soll sozusagen. Von daher zumindest die internen Schleifen kann ich nachvollziehen. Die Herausforderung mit dem Einkauf für euch ist dann natürlich nochmal eine andere Hausnummer. Jetzt hattest du vorhin gesagt, ihr seid unabhängiger Projektdienstleister. Das heißt, ihr verdient euer Geld gar nicht über Margen oder Gewinnzuschläge. an den Produkten, die ihr vermarktet, sondern macht dann Projektpreise oder wie wird das gehandhabt bei euch?

  23. Adrian Zierer:

    Am besten haben wir überall ein kleines Stück vom Kuchen und viele kleine Stücke ergibt auch einen Kuchen. Das heißt, wir arbeiten mit einer Vielzahl von Herstellern, von Ladelösungen zusammen, wo wir natürlich Vertriebsvereinbarungen geschlossen haben, die uns als Trust Construct ermöglicht, auch an den einzelnen Ladepunkten mitzuverdienen, dann an den einzelnen Leistungen wie in der Elektrofachplanung, wie in einem Generalunternehmerzuschlag, wo wir ja auch gesamthaft dann in der Gewährleistung, in der Verantwortung stehen. in den ganzen Leistungen, die darüber hinaus notwendig sind, wenn es um Tiefbau und Elektroinstallation geht und dass diese ganze Unternehmung überhaupt, sagen wir mal, so wachsen und gedeihen kann, wie das aktuell der Fall ist, ist es eben notwendig, sehr schnell die Wertschöpfung ins eigene Haus zu ziehen. Das heißt, wir sind sehr früh, haben wir den Weg eingeschlagen mit der eigenen Elektromontage, Und mit einem strategischen Investor und Partner im Tiefbau das eben ermöglicht, dass wir dadurch, dass wir eben so viel Wertschöpfung im eigenen Haus haben mit einer Bauleitung, mit einem Projektleiter, da dann auch entsprechende Mehrwerte erzeugen, die man dann am Ende des Tages auch monetarisieren kann.

  24. Sebastian:

    Ja, leuchtet ein. Also gut, das wollte ich jetzt bloß nochmal wissen, um das Ganze auch nochmal einordnen zu können sozusagen. Aber über die Konzeption, Standortwahl, Umsetzung sozusagen hinaus. Also wenn ich es richtig gesehen hatte auf der Webseite, ist es ja so, dass ihr eben nicht nur Konzeption, Standortakquise, Umsetzung und so weiter macht, sondern ihr geht dann auch in die Abrechnung, könnt ihr mit reingehen, als auch in die Vermarktung der ganzen Ladeinfrastruktur. Das bietet ihr wohl auch noch darüber hinaus an. Ist das richtig?

  25. Adrian Zierer:

    Also hier gehen wir den Weg, dass wir uns entsprechende fertige Lösungen am Markt einkaufen und mit diesen Lösungen in der Lage sind, die Ladeinfrastruktur, die wir aufbauen, dann auch zu betreiben, öffentlich zu vermarkten und die Ladevorgänge abzurechnen. Das ist vor allen Dingen auf unserer Agenda jetzt fürs nächste Jahr, dass wir da verstärkt reingehen. Aktuell gehen wir nicht selten den Weg, dass wir uns den Betrieb über Partner reinholen und komplett abgeben. Denn ich weiß, was es bedeutet, Ladeinfrastruktur zu betreiben. Und deshalb habe ich... habe ich beschlossen, dass wir dieses Thema jetzt zum Start erstmal ausklammern und uns auf die Kernkompetenz, nämlich auf die Errichtung von Ladeinfrastruktur fokussieren und später das Ganze dann nochmal erweitern können, verstärkt zum Betrieb der Ladeinfrastruktur, wo wir dann wirklich zu einem Full-Service-Provider werden und die komplette Wertschöpfungskette eines Ladeinfrastrukturprojektes dann auch im eigenen Haus abbilden können.

  26. Sebastian:

    Vielen Dank, da haben wir jetzt ja schon mal die Richtung, die ihr in den kommenden Jahren sozusagen anstrebt, Full-Service-Provider für Ladeinfrastruktur. Ist ja schon eine Ansage, aber ich denke, ihr seid auf gutem Weg dahin, so wie es sich anhört und würde jetzt einfach erstmal sagen, vielen Dank für die Einblicke, Adrian, die du uns gegeben hast und bin gespannt, was unsere Hörer dazu sagen und vielleicht können wir uns ja einfach in einem Jahr oder zwei nochmal austauschen, wie weit ihr denn jetzt mittlerweile auf eurem Weg zum Full-Service-Provider gekommen seid.

  27. Adrian Zierer:

    Ja, sehr gerne. Ich bin gespannt wirklich, wohin der Weg uns führt. Ich würde sehr vieles dafür geben, einfach mal so ein halbes Jahr nach vorne zu gucken. Wo steht der Markt? Wo steht das Unternehmen als solches? Und wie haben sich die Dinge rundherum entwickelt? Ich glaube, es ist aktuell der richtige Zeitpunkt, auf das Pferd Elektromobilität zu setzen und Und ich glaube, wir haben alle, die sich hier in diesem Umfeld tummeln, haben eine spannende und ja auch herausfordernde Zeit vor uns und langweilig wird es uns allen nicht. Und ich würde mich sehr freuen, wenn wir dann mal in einem Jahr oder zwei zurückblicken können und schauen, wie hat sich das ganze Ding entwickelt. Und von dem her vielen lieben Dank für den Austausch und ich freue mich über alle Reaktionen hier zu dieser Podcast-Folge und würde mich freuen, wenn der ein oder andere dann auch mal auf mich zukommt, wenn noch irgendwie Fragen bestehen sollten.

  28. Sebastian:

    Da werden wir dazu natürlich den Link zu euch auf die Webseite setzen, damit die Hörer dann auch den Weg zu euch finden, ohne große Probleme. Und solltest du jetzt irgendwann doch über die Glaskugel stolpern, wo du so ein halbes Jahr ins Voraus schauen kannst, melde dich mal bei mir. Ich würde auch nochmal gerne reinschauen.

  29. Adrian Zierer:

    Ich schicke sie dir dann durch.

  30. Sebastian:

    Gerne. Dann vielen Dank für deine Zeit, Adrian. Bis demnächst.

  31. Adrian Zierer:

    Bis demnächst.

  32. Sebastian:

    Danke dir. Das war es also auch schon, die aktuelle Folge mit Adrian Zierer von Charge Construct, der doch interessante Einblicke in den Aufbau von Elektroautoladeinfrastruktur gegeben hat. Wie du vielleicht heute am Mikro gehört hast, ist die Aufnahme ein bisschen anderer Qualität. Das wird auch die kommenden Folgen noch so bleiben, da ich aufgrund von der Knieverletzung meinem üblichen Podcaststudio weichen musste sozusagen. Aber ich denke, die Inhalte wurden gut transportiert. Das ist die Hauptsache. Wenn du auch der Meinung bist, freue ich mich natürlich über eine positive Bewertung bei iTunes, beziehungsweise wenn du den Podcast mit deinen Freunden oder E-Mobilitätsbegeisterten teilst. Dir vielen Dank fürs Zuhören. Ich freue mich, wenn du nächste Woche wieder einschaltest. Bis dahin. Mach's gut. Ciao.