ABB: „Der Kunde will mehr als nur Strom aus der Dose“

Im Gespräch mit Michael Bültmann, ABB E-Mobility

In der aktuellen Podcast-Folge habe ich mit Michael Bültmann gesprochen, dem Geschäftsführer von ABB E-mobility – und es war ein spannender und tiefgehender Austausch über die strategischen Herausforderungen, technologischen Entwicklungen und Zukunftspläne rund um Ladeinfrastruktur für E-Autos und E-Nutzfahrzeuge. ABB ist mit weltweit über 55.000 ausgelieferten Ladestationen längst ein relevanter Player im Markt – und stellt sich mit einem neuen, modularen Produktportfolio noch breiter auf.

Michael hat gleich zu Beginn deutlich gemacht, dass man sich bei ABB E-mobility von den Bedürfnissen der Kunden leiten lässt. „Die Anforderungen von Pkw-Fahrern und Logistikunternehmen unterscheiden sich massiv – darauf müssen wir reagieren, sonst läuft man am Markt vorbei.“ Herausgekommen ist eine modulare Plattformstruktur, auf der Ladestationen wie die A200, A300 und A400 aufbauen. Damit lassen sich je nach Anwendungsfall passende Ladeleistungen und Ausstattungen kombinieren. Für Betreiber bedeutet das: mehr Skalierbarkeit, geringere Investitionsrisiken und vereinfachte Wartung.

Ein zentraler Punkt ist dabei auch das Energiemanagement. ABB setzt zunehmend auf intelligente Systeme, die Lastspitzen vermeiden, günstige Ladefenster automatisch erkennen und mit Energiespeichern oder Netzdienstleistungen verknüpft werden können. „Die Zeit, in der man einfach eine Steckdose aufgestellt hat, ist vorbei. Ladelösungen sind heute Teil komplexer Logistik- und Energiekonzepte“, so Michael. Gerade in der Logistik – mit steigender Zahl an E-Lkw – sind solche durchdachten Systeme essenziell, um den Betrieb effizient und wirtschaftlich zu gestalten.

Ein Beispiel dafür ist der neue C50 Charger, speziell für den Einzelhandel und die Gastronomie konzipiert. Mit seiner 50-kW-Ladeleistung eignet er sich perfekt für das Laden während des Einkaufs oder Restaurantbesuchs. „Man kann die Ladezeit in den Alltag integrieren – und für Retailer bedeutet das längere Verweildauer, mehr Umsatz und die Möglichkeit, eigene Kundenbindungsprogramme zu integrieren“, so Michael. Auch die technische Integration sei flexibel – von der einfachen Einbindung bis hin zu komplexeren API-Lösungen in bestehende Systeme.

Beim Thema Megawatt-Charging wurde es dann richtig konkret. ABB arbeitet hier eng mit MAN und weiteren Partnern an standardisierten Lösungen für den Schwerlastverkehr. „Es geht nicht um ein Wettrennen um die höchste Ladeleistung, sondern um Sinnhaftigkeit. Auf Fernstrecken brauchen wir Ladepunkte, die innerhalb von 45 Minuten mehrere hundert Kilometer Reichweite ermöglichen – nur so funktioniert elektrischer Langstreckentransport.“ Noch 2025 sollen erste kommerzielle Projekte an den Start gehen, unterstützt durch standardisierte Schnittstellen und Netzanschlusslösungen.

Natürlich bringt all das auch Herausforderungen mit sich – von der Netzanbindung über hohe Anfangsinvestitionen bis hin zu politischen Unsicherheiten. Michael betonte aber: „Was wir brauchen, ist Verlässlichkeit. Es bringt nichts, wenn Programme erst angekündigt und dann wieder gestrichen werden. Investoren und Betreiber brauchen Planungssicherheit.“ Dabei gehe es nicht um einen dauerhaften subventionierten Markt, sondern um eine Anschubhilfe für Technologien, die sich langfristig selbst tragen müssen.

Auch der Wettbewerb aus Asien wurde im Gespräch thematisiert. Michael sieht die chinesischen Anbieter im Ladeinfrastrukturbereich zunehmend auf den europäischen Markt drängen – mit gutem Engineering, aber auch teils nicht marktwirtschaftlichen Preisstrukturen. „Wir scheuen den Wettbewerb nicht – aber er muss fair sein. Wir hoffen, dass Politik und Wirtschaft hier zusammenarbeiten, um europäische Hersteller nicht ins Hintertreffen geraten zu lassen.“ Gerade die enge Zusammenarbeit mit europäischen OEMs sei ein Vorteil: Im Zusammenspiel mit Partnern wie MAN bei der Entwicklung von Megawatt-Standards oder durch frühe Integration in Logistikprozesse könne ABB seine Stärken ausspielen. „Echte Fortschritte entstehen, wenn man mit den Kunden gemeinsam denkt, nicht nur Technik liefert.“

Das Gespräch hat mir nochmal gezeigt, wie weit Ladeinfrastruktur mittlerweile gedacht werden muss: als digitales, skalierbares System, tief integriert in Energie- und Mobilitätsstrategien – und als Schlüsselfaktor für die Zukunft des elektrifizierten Verkehrs. Nun aber genug der Vorrede – lasst uns direkt ins Gespräch einsteigen.

Shownotes:

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Transcript

  1. Intro:

    Elektroauto News. Der Podcast rund um das Thema Elektromobilität. Mit aktuellen Entwicklungen, Diskussionen, Interviews und vielem mehr.

  2. Sebastian:

    Servus und herzlich willkommen bei einem neuen Folge-Selektro-Auto-News-Bundet-Podcast. Ich bin Sebastian und freue mich, dass du heute wieder mit am Start bist. In der aktuellen Folge ist auch Michael Bültmann zu Gast, Geschäftsführer der ABB E-mobility und wir haben uns über deren neues Produktportfolio unterhalten mit Schwerpunkt auf Handel und Megawatt-Charging und gehen am besten direkt rein ins Gespräch mit Michael. Viel Spaß damit! Hallo Michael, vielen Dank, dass du dir heute die Zeit nimmst, dass wir uns über euer neues Produktportfolio im Bereich der Ladeinfrastruktur unterhalten. Du sprichst hier für ABB E-Mobility und ihr habt euer Produktportfolio im Laufe der Woche neu gelauncht, neu auf den Markt gebracht und wir wollen ein Stück weit eintauchen. Bevor wir uns hier allerdings verschiedenen Schwerpunkten widmen, stell dich doch gerne mal selbst vor und verliere ein paar Worte über ABB E-Mobility.

  3. Michael Bültmann:

    Ja, guten Morgen Sebastian. Vielen Dank für die Einladung. ABB E-Mobility entwickelt, produziert und vertreibt weltweit Ladeinfrastrukturlösungen für verschiedene Segmente, verschiedene Märkte, tun das bereits seit einigen Jahren. Mit rund 1400 Mitarbeitern haben wir, glaube ich, so knapp an die 55.000 Ladegeräte bereits ausgeliefert auf der Welt. Haben jetzt in der Tat gerade eine neue Familie gelauncht, wie es so schön heißt. Machen also bei den Produkten durchaus in Wellen Fortschritte mit der Technologie. Und ich freue mich, dass wir da ein bisschen drüber reden können. Wo steht man im Markt? Was sind so die Herausforderungen? Und was sind unsere Antworten darauf?

  4. Sebastian:

    Genau diese Herausforderungen im Markt, die treiben ja auch dann Veränderungen voran oder machen es eben notwendig, dass man Anpassungen vornimmt im eigenen Produktportfolio. Im Moment ist ja auch so eine gewisse Frustration am Markt vorhanden, Auslastungsthematiken, falsche Produkte an der falschen Stelle vielleicht sozusagen. War das auch mit euch ein Impuls für euch, dann eben das Produktportfolio entsprechend neu auszurichten oder wo kam der Anstoß her, damit ihr da in die Verbreiterung gegangen seid?

  5. Michael Bültmann:

    Also das ist natürlich keine monokausale Sache, dass es irgendwie ein Problem gibt, dann sagt man Mensch, wir müssen mal irgendwie was neu machen, sondern es ist einfach eine, gerade bei neuen Innovationen und das ist nicht nur im Bereich der Elektromobilität, gibt es gewisse Kinderkrankheiten, Entwicklungen, die nachvollziehbar sind und darauf muss man dann eben auch reagieren. Ich glaube, am Anfang war bei der Elektromobilität die erste Herausforderung. Man hat dann einfach, okay, wir müssen irgendwie Strom in Autos bekommen, in Busse, in Lastwagen und hat irgendwie einen Transformator hingestellt mit einer Ladelösung und das war es dann. Und jetzt sieht man natürlich auch in der Entwicklung, es gibt sehr viele verschiedene Technologien. Es gibt sehr viele verschiedene Segmente und denen muss man auch unterschiedlich begegnen. Das ist dann nicht ein One-Fits-All, sondern das entwickelt man dann einfach Schritt für Schritt und lernt natürlich aus den verschiedenen Anforderungen, die die Kunden haben und baut einfach die Produkte ein bisschen anders auf.

  6. Sebastian:

    Haben Sie gesagt, lernen aus Anforderungen, lernen aus Ansprüchen, die eben die Kunden dann haben. Was habt ihr denn gelernt, wenn wir jetzt die neuen Systeme betrachten?

  7. Michael Bültmann:

    Also erstmal, ich glaube, es ist ein sehr wichtiger Blick darauf, dass man gar nicht von der Produktseite als Erste startet, sondern sich anschaut, was eigentlich im Markt gewünscht wird. Und da merkt man, dass die Anforderungen von Kunden in den Segmenten super unterschiedlich sind. Also natürlich, und das ist jetzt eine relativ offensichtliche Beobachtung, aber die hat natürlich weitreichende Bedeutungen. Der Autofahrer, der im Schnitt, ich weiß nicht, wie viele wenige Kilometer pro Woche fährt, möglicherweise zu Hause lädt, hat ganz andere Anforderungen als jemand, der im Bereich, jetzt gerade bei Lastkraftfahrzeugen, im Schwerlastverkehr, auf öffentlichen Straßen auch unterwegs sein will und mehr und mehr dann auch das Depot verlassen möchte. Also je höhere Stückzahlen wir sehen im Bereich Lastkraftwagen, um auch die anspruchsvollen Ziele zu erreichen, wird man das Depot verlassen und auf die Straße gehen. Und dann braucht man sofort natürlich andere Geräte mit anderer Kapazität, anderen Effizienzgraden. Und schon sehen sie die Differenzierung, dass man bei den Produkten das natürlich auch entsprechend reflektieren muss.

  8. Sebastian:

    Man bringt aber auch eine gewisse Komplexität jetzt schlussendlich mit rein, wenn man sieht, ihr seid jetzt nicht nur mit einem neuen Produkt sozusagen aufgeschlagen, sondern es ist ja eine Vielzahl an Produkten. Vielleicht können Sie da ja auch gleich nochmal drauf blicken mit uns gemeinsam. Ist das nicht vielleicht auch zu viel auf einmal? Weil ich meine, jedes Produkt muss ja dann auch einzeln entsprechend positioniert werden, an den Markt gebracht werden und auch dem Kunden sozusagen verkauft oder näher gebracht werden.

  9. Michael Bültmann:

    Ja, das klingt nach einer Herausforderung. Ich glaube aber, dass das Gegenteil der Fall ist, weil wir haben einen sogenannten modularen Ansatz. Also das ergänzt sich alles sehr gut. Also es baut aufeinander auf. Wir haben ein A400, dieses All-in-One-Produkt, das man in etwas schlankerer Form auch als A200, A300 bekommen kann. sodass die Plattform, die Grundlage dessen auf sehr ähnlichen Komponenten beruht. Und wenn Sie diese Module, das hat dann natürlich auch Vorteile, um gerade dem Kunden Flexibilität zu geben, so eine Approach, weil dann hat man natürlich die Möglichkeit, auch als Kunde vielleicht kleiner anzufangen, sieht, dass man unter Umständen mehr Sites hat, man möchte es erweitern oder an einer bestehenden Zeit braucht man mehr Kapazität und kann das entsprechend dann aufbauen. Also von daher, durch diese Module erreichen wir genau das. Ganz unabhängig davon, vielleicht noch ein Satz, gerade im Bereich, dem immer wichtiger werdenden Bereich natürlich des sogenannten Asset-Managements, also der ganzen Service- und Wartungskonzepte, super zentral, dass man entsprechend bei den ganzen Teilen, aber auch bei der Software-Nachpflege, bei den Remote-Services, auf so einen modularen Bereich zurückgreifen kann.

  10. Sebastian:

    Jetzt haben wir Schlagworte gehört, wie Modularität, eine gewisse Skalierbarkeit, die vorhanden ist, wenn ich von A200 bis A400 vielleicht aufstock, je nachdem wie der Bedarf ist schlussendlich. Ihr bringt da auch noch intelligentes Energiemanagement mit ein, was ja auch bei euch im Prospekt sozusagen oder in der Infomappe zu sehen war. Wie trägt das konkret bei einem Unternehmen dazu bei, dass man eben die Kosten weiter in den Blick behält, entsprechend dann auch skalieren kann, wie man es benötigt? Und wie trägt das schlussendlich dazu bei, dass auch Netze entlastet werden durch diesen schlauen Ansatz mit dem intelligenten Energiemanagement eurerseits?

  11. Michael Bültmann:

    In erster Linie... Also oft ist es so, dass bei Produktinnovation man sagen könnte, gut, was interessiert den Kunden letztlich? Ob man im Bereich Hardware irgendwie eine sehr intelligente oder ressourcenschonende Kühlung neuster Technologie für ein Kabel an den Tag legt oder ob man bei den Komponenten investiert. Aber es stellt sich natürlich heraus und alle unsere Produkte gehorchen eigentlich ähnlichen Prinzipien. Also unabhängig davon, dass nachhaltige Komponentenverwendung finden, zahlen sie natürlich letztlich darauf ein, dass sie am Ende des Tages den TCO-Ansatz des Kunden unterstützen. Also konkret das angesprochene Beispiel von dir im Bereich Energiemanagement. Wir sehen, dass heute Charger natürlich Teil einer Gesamtlösung sind. Es ist also nicht nur die Steckdose, ich sage das bewusst ein bisschen überspitzt, wo man einfach ein bisschen Strom abholt und dann ist gut. sondern die meisten Kunden benutzen das als ein Element innerhalb ihrer Infrastruktur, innerhalb ihrer gesamten Logistikplanung, wo es also um die gesamte Navigation geht, wo es um die Routenplanung geht. Dann geht es aber auch um die Energieplanung. Das wird komplett damit rein integriert. Und in dem Moment, wo der Charger, ich sage mal auch wieder etwas überspitzt, intelligent genug ist, den richtigen Zeitpunkt zu wählen, um Energie aus dem Netz zu nehmen oder es zu unterstützen, wenn die Kosten günstig sind, wir kennen das alles mit Dunkelflaute, Tag, Nacht, wann es günstiger, wann es teurer ist, zum Teil eben eine Zwischenspeicherung zu unterstützen, zu ermöglichen oder selbst umzusetzen und dann ins Netz oder an den Kunden weiterzugeben. Das wird sich natürlich auf der Kostenseite beim Kunden direkt niederschlagen.

  12. Sebastian:

    Jetzt hast du ja vorhin auch gesagt, das ist ein wichtiges Element der Infrastruktur. Asset Management ist schon als Schlagwort gefallen. Und da kommt ihr ja auch mit dem Versprechen her, 99 Prozent Uptime. Weil schlussendlich kann man damit nur Geld sparen, Geld verdienen, wenn das Ding am Laufen ist. Wie stellt ihr das sicher in der Praxis, damit eben diese Uptime auch erreicht wird?

  13. Michael Bültmann:

    Also die Herausforderung ist natürlich in dem ganzen System, Es ist nicht nur ein Spieler. Ich meine, das ist auch wieder eine recht offensichtliche Beobachtung, aber auch wieder eine sehr wichtige, weil ich habe in der Industrie manchmal die Diskussion, dass der sagt, ja, wir können 98 Prozent, wir können 99 Prozent. Als Hersteller können wir praktisch auch 100 Prozent zusagen oder die angesprochenen 99 Prozent. Aber wir haben es natürlich nicht alleine in der Hand. Und es bringt natürlich wenig, jetzt ein Fingerpointing zu betreiben und zu sagen, okay, jetzt das Netz war gerade mal schwach, deswegen hat was nicht funktioniert. Beim Digital Payment Flow hat was nicht funktioniert, deswegen ging es nicht. Oder es war zugeparkt und deswegen hatte man eine wesentlich geringere Zahl. Also wir müssen versuchen zu schauen als Industrie, dass wir es so hinbekommen, dass die Zahl so hoch ist wie möglich. Und wir können aus unserer Sicht, Hardware ist das eine, aber natürlich auch, mehr und mehr über die, ich meine, wir haben eine dritte Revolution gehabt, die digitale Revolution und genau da setzen wir natürlich an und nutzen die Daten und die entsprechende Nutzung konsequent, um das Angebot auch zu verbessern. Das ist auch für unsere Kunden, merken wir, das ist zum Teil eine neue Erfahrung, merken aber, dass wir da sehr, sehr gute Gespräche haben und entsprechend auch wesentlich mehr mit den Kunden machen können, wenn der Kunde es möchte.

  14. Sebastian:

    Du hast jetzt eben auch gerade gesagt, Hardware ist das eine. Dann würde ich jetzt ergänzen, Software ist wahrscheinlich die andere Seite schlussendlich bei der ganzen Geschichte, wo ihr entsprechend auch mit Zahlen, Daten, Fakten dann arbeitet, die aus eurer Analyse aus dem System herauskommt. Das heißt, ihr seid dadurch in der Lage, dann zu reagieren, wenn eben was auffällt oder seid ihr auch schon in der Lage, vorab auf die Daten zu schauen und dann merkt man auch durch einen gewissen Kurvenverlauf, Auslastung und so weiter, oh, jetzt wäre es vielleicht mal angebracht, dass wir uns das genauer anschauen, Techniker vorbeischicken, bevor es überhaupt kaputt geht oder ein Schaden auftritt.

  15. Michael Bültmann:

    Ja klar, das ist dieses mit dem Schlagwort Predictive Maintenance. Man kann natürlich, wenn man entsprechende Algorithmen rüberlaufen lässt, weiß man natürlich, wenn Es gibt Sites, die einer sehr intensiven Benutzung unterliegen und man hat natürlich Informationen und Daten, wo sich nach so und so vielen Vorgängen Probleme einstellen könnten. Und da macht es natürlich sehr viel Sinn, wenn man bevor der Fall eintritt, dass ein Produkt kaputt geht, dass man es gegebenenfalls vorher schon angeht und nicht wartet, bis der Schaden eintritt. Und das andere ist natürlich, dass man in dem Bereich Software die Möglichkeit hat, auch ein, wir sprachen über TCO, also über die Kostensensibilität auf Kundenseite, dass man Softwarelösungen natürlich over the air einspielen kann. Auch da muss man nicht immer mit dem Techniker konkret rausfahren und das angehen, sondern kann das natürlich über die Software, über die Cloud einspielen.

  16. Sebastian:

    Vorausgesetzt, wie du eben auch schon erwähnt hattest, im Nebensatz, wenn der Kunde mitspielt. Das heißt, der Kunde ist eigentlich auch dafür ein wichtiger Bestandteil, dass er eben nicht nur euren Charger hinstellt, anschließt, sondern er müsste das auch dementsprechend tief in seine Prozesse mit rein integrieren, damit das überhaupt funktioniert.

  17. Michael Bültmann:

    Klar, das ist aber, wie gesagt, wir haben super viel unterschiedliche Kunden und das ist auch ein Stück weit okay. Aber es gibt Kunden, die sagen, sie möchten in ihrem Depot eigentlich auch kein User Interface. Sie möchten eigentlich nur ein Kabel haben, was aus der Wand kommt. Möglichst unerfällig, was dahinter passiert, interessiert sie nicht. Und sie möchten auch gar keine Daten teilen und auch nicht an Konzepten dabei arbeiten. Das ist auch, ich will das gar nicht bewerten, aber es ist so. Und es gibt jetzt auch gerade im Bereich Logistik oder gerade neulichen Gespräche im Bereich Public Transport sehr interessant. mit welcher, wie sophisticated das bereits ist, welche Datenpotenziale man konsequent nutzen kann und eben dann ein Energieladesystem in das gesamte Management-System integriert, welche Potenziale man schöpfen kann. Das ist etwas, was für uns, also auch aus meiner Sicht, ich kenne mich mit Daten ein bisschen besser aus als mit jetzt gerade dem Engineering-Teil bei der Energie, Das ist noch komplett nicht gehoben als Schatz. Da gibt es Synergien und dann auch eine Kostenersparnis-Möglichkeiten. Das ist wirklich atemberaubend. Da kann man sehr viel machen.

  18. Sebastian:

    Wenn wir jetzt bei dem Beispiel oder bei dem Schlagwort super viele unterschiedliche Kunden sind, dafür habt ihr auch euer Portfolio entsprechend ausgerüstet und da haben wir jetzt ja auch, um mal ein Beispiel exemplarisch herauszugreifen, den C50 Charger, der hauptsächlich für den Einsatz im Einzelhandel als auch in der Gastronomie gedacht ist. Können wir uns dem ein Stück weit mehr anschauen? Was habt ihr euch dabei gedacht? Was bietet der und wo hat eben euer Kunde dann Vorteile damit?

  19. Michael Bültmann:

    Auch wieder die Beobachtung startet eigentlich gerade von den Notwendigkeiten und Ich habe immer so eine Diskussion auch gehabt und das ist keine Kritik an Tankstellen, aber es gibt auch Vorgaben und man hat immer geglaubt, man müsste irgendwie sehr viel auch Lademöglichkeiten an Tankstellen haben. Ist ja auch nicht unkonsequent, weil das sind ja auch Autos, die auch im Übrigen mal das eine oder andere benötigen. Ich glaube aber, wenn man irgendwo nachts im Industriegebiet an eine Tankstelle geht und bringt sein Auto hin, um es zu laden, dann stellt sich schon so ein bisschen die Frage, und nun? Was ich damit sagen will, ist, dann steht man dann da und kann sich möglicherweise nur bedingt sinnvoll beschäftigen. Und das ist so ein bisschen die Überlegung, dass man in den normalen Tagesablauf, in die Gegebenheiten vielleicht das Laden mit integriert. Und Menschen gehen gerne oder vielleicht auch ungerne, aber sie gehen einkaufen. Und diese Tätigkeiten kann man natürlich schön, wenn man beim Retailer ist, eben das integrieren. Und im Schnitt, wie lange kauft man ein? 20, 30 Minuten? Und in dieser Möglichkeit kann man natürlich perfekt nutzen oder man geht ins Kino, macht die Geschäfte des täglichen Lebens und kann dann eben parallel laden. Und das Gerät, dieses C50, ist genau das. Es ist keine von den Abmessungen, kein sehr großes Gerät. Es kann gut auf Parkplätzen integriert werden. Es hat keine überragende Leistung im Sinne, dass wir jetzt über ein Mega-Charging reden, sondern es hat eine, wie ich sage, angepasste Lademöglichkeit. In dem Bereich mit 50 Kilowatt, wo man eben innerhalb von den 20, 30 Minuten, ich sag mal, bei gängigen Modellen im Bereich Pkw so zwei Drittel Aufladung erreichen kann. Und das Attraktive jetzt nicht nur für uns oder für den Endkunden, den Konsumenten, sondern gerade auch für den Retailer ist, dass das Gerät die Möglichkeit hat, es eben auch zu integrieren in das Programm des jeweiligen Supermarktanbieters, des Retailers. Und das ist natürlich nicht uninteressant. Ob man dann ein gewisses Premium gibt, wie lange man den Strom nutzt, ob man Loyalty-Programme oder diese Loyalitätsprogramme mit integriert. Es gibt schöne Zahlen von Universitäten, das wird ja alles auch im Marketing sehr genau analysiert, wo man sieht, dass im Bereich Retail-Kunden, wo man eine Lademöglichkeit angeboten bekommt und das nutzt, durchaus höhere Umsätze erzielt. Also von daher ist das auch durchaus, wir sprachen über TCO auch gerade, für die Anbieter von Supermärkten eine sehr attraktive Sache, wenn sie auf ihren Parkplätzen eine gute Lademöglichkeit haben.

  20. Sebastian:

    In dem Fall bietet ihr dann auch die ganze Abrechnungsmöglichkeit mit an? Gebt ihr das an den Kunden weiter? Wie kann ich mir das vorstellen? Oder seid ihr rein für die Hardware und die Uptime der Hardware dann dort zuständig?

  21. Michael Bültmann:

    Wir starten in der Tat als Hersteller mit dem Zurverfügungstellen des Geräts und entsprechenden Softwarelösungen. Haben aber im Einzelfall bei den Schnittstellen, das kommt eher auf den Kunden an und auch auf die Partner, mit denen wir zusammenarbeiten, was man im Einzelfall macht. Aber ich merke, dass die, das ist alles etwas fließend. Also es ist nicht so starr vorgegeben, dass wir einfach sagen, wir stellen das Gerät hin, wir haben aber nichts mehr damit zu tun, sondern es passiert da durchaus mehr und wir haben auch entsprechende APIs, die wir da anbieten und zum Teil auch mit Partnern umsetzen.

  22. Sebastian:

    Gerade dieser fließende Ansatz ist ja auch wichtig. Ich sage mal, ihr seid in dem Geschäft unterwegs, ihr habt entsprechende Stückzahlen schon auf die Straße gebracht. Der Retailer oder Discounter stellt vielleicht gerade seine erste Ladesäule auf. Der fängt ja auf einem ganz anderen Level dann an zu lernen. Was sind denn da die Herausforderungen, auch jetzt dem Kunden das näher zu bringen, damit er auch weiß, okay, auf den und den Punkt muss ich darauf achten. Best-Practice-Beispiele, die ihr vielleicht dann auch für ihn transferieren könnt von einem anderen Kunden, wo er dann auch einen Mehrwert schaffen kann.

  23. Michael Bültmann:

    Absolut. Aber wie gesagt, ich glaube, man ist sehr gut beraten, wenn man erstmal zuhört, was der Kunde denn vorhat. Aber wenn man die Schwelle erreicht hat, entwickeln sich solche Gespräche meistens. sodass man auch zu Punkten kommt, an die der Kunde vielleicht noch nicht gedacht hat. Also das gibt es durchaus, aber in erster Linie, also wir können das Geschäft eines Retailers nicht besser, aber wir können ergänzend schon deutlich machen, wo vielleicht noch Potenziale sind. Und in der Tat, und das ist ja nicht nur eine deutsche Thematik, sondern Wir sehen das auch gerade in Amerika gibt es jetzt gerade im Bereich Retail haben die ganz interessante Lösungen. Und das, was wir auch zusammen da mit den Partnern und Kunden gelernt haben, kann man natürlich dann auch mit Kunden hier in Europa und in Deutschland besprechen.

  24. Sebastian:

    Kommen wir vom Retailer weg und gehen mal eine ganze Nummer höher. Wobei auch die Fahrzeuge werden wahrscheinlich dort vorfahren, wo für die neuen Charger gedacht sind. Megawatt-Charging als Stichwort ist schon gefallen. Wird man erstmal vermuten, vor allem im Truck-Nutzfahrzeug-Bereich, wo das zur Sprache kommt. Es wird aber auch immer heiß diskutiert, braucht man das denn überhaupt? Weil es gibt Standzeiten, die man schlussendlich hat, die Pausenzeiten, die notwendig sind, die Strecken, die zurückgelegt werden, sind auch relativ planbar in diesem Nutzfahrzeug-Lkw-Transportgeschäft. Ist ein Megawatt-Charging notwendig? Scheint es ja zu sein aus eurer Sicht, sonst würde er euch nicht dort positionieren. Und warum seid ihr den Schritt eben dann auch gegangen?

  25. Michael Bültmann:

    würde auch das ein bisschen zugespitzt beantworten. Also Schnelligkeit beim Laden ist nicht alles. Das ist das erstmal vorab und manchmal hat man den Eindruck, dass bei den Zahlen ein Überbietungswettbewerb macht auch vielleicht gerade nicht nur Sinn, gerade vor dem Hintergrund, dass man mit einer zu schnellen Ladung vielleicht der Lebensdauer der Batterie nicht unbedingt einen Gefallen tut. Aber Megawattcharging als Use Case macht absolut Sinn, auch wieder startend aus der Betrachtung, was ein Kunde möchte. Weil natürlich Übernachtladen im Depot ist etwas, was auch durchaus Zukunft hat und nicht ersetzt werden muss. Aber Fahrzeuge, es gibt in der Tat auch Länder, in denen Kunden sagen, wir möchten eigentlich im Depot bleiben und das Land ist klein und die Strecken bei uns sind übersichtlich. Aber wir haben ja durchaus Logistikfirmen, gar nicht ganz wenige, die haben auch Überlandtransporte von größeren Strecken. Und über den größeren Strecken wird man dazu kommen, dass man irgendwo unterwegs ja dann auch mal laden muss. Und da sind die Zeiten dann aber auch so, dass man ja nicht stundenlang rumsteht. Es macht wenig Sinn, jetzt nicht nur von den Kosten, sondern auch von anderen Kapazitätsauslastungsfragen, auch auf den Rasthöfen. sondern das sollte durchaus, sollte und kann ja auch durchaus schneller gehen. Und da macht Megawatt-Charging absolut Sinn. Wir haben da im Bereich Forschung mit MAN jetzt auch zusammengearbeitet. haben die Standardisierung natürlich mit allen anderen Partnern auch sehr weit vorangetrieben. Die ist jetzt in den letzten Zügen und wir werden in diesem Jahr sowohl in Projekten, aber auch kommerziell das auf der Straße sehen. Die Zahlen, ich finde das beeindruckend. Also als Nicht-Ingenieur, vielleicht sind andere weniger beeindruckt. Ich finde das großartig, wenn man sieht, dass man auch in den angesprochenen Lenkzeiten, den verpflichtenden 45 Minuten, dass man da... mehrere hundert Kilometer Ladeleistung für einen vollbeladenen Truck draufpacken kann, dann fängt es an Sinn zu machen. Von daher ist Megawatt-Charging eine wirklich notwendige Ergänzung, um eben Logistik und Transport zu ermöglichen. Wir sollten, vielleicht noch einen Satz, wir sollten wirklich sehen, wenn wir die verschiedenen Bereiche, die für CO2-Emissionen verantwortlich sind, neben dem Housing ist das Transport. Und das ist gerade der Schwerlastverkehr. Und diese Zahlen, das ist erheblich. Wenn wir die wirklich runterbekommen können, dann ist das wirklich aller Mühen wert. Und das nochmal betrifft nicht nur Deutschland, sondern auch gerade den europäischen Verkehr auf den großen Achsen. So wird man Megawatt-Charging sehen und das macht total Sinn.

  26. Sebastian:

    Jetzt haben wir aber trotzdem noch Eine Thematik, mit der man ein Stück weit zu kämpfen hat beim Ausrollen von so einem Netzwerk oder von Megawatt-Charging-Standorten, die da eben auf uns zukommen. Technischer Natur sei es jetzt die Anbindung an das Stromnetz, weil man ja auch eine ganz andere Leistung dann schlussendlich wieder benötigt. Wirtschaftlich sind die Kosten dementsprechend auch erstmal höher in der Anschaffung, würde ich behaupten. Und dann haben wir ja noch die politische Thematik, die ja gerade in Deutschland... das Ganze auch nicht immer so einfach macht, je nachdem, mit wem ich da immer gerade spreche. Alexander Junge hat sich da auch schon sehr, sehr deutlich bei uns geäußert dazu. Also das ist ja auch eine Thematik. Wie begegnet man diesen Herausforderungen oder ist das ein Part, den dann eher in nachgelagerter Stufe zu euch jetzt stattfindet?

  27. Michael Bültmann:

    Nein, das ist bei uns ganz oben auf der Agenda natürlich. Also um mit der regulatorisch-politischen Größenordnung anzufangen, wir müssen natürlich, sehen, und das ist möglichst nicht im kleinen Karo, dass man die Einführung neuer Innovationen gesellschaftlich unterstützt bekommt. Und ich glaube, also wir sind ein Verfechter der Überlegung, wir wollen keinen voll finanzierten, voll mit Finanzmitteln unterstützten Markt dabei haben, sondern wir denken schon, dass der Markt sich selbst tragen muss und auch tragen kann. Es macht natürlich auch gerade am Anfang Sinn, initial. wenn man eine Unterstützung hat. Die größte Gefahr, die wir haben, ist, dass man Unterstützungen andeutet, ankündigt oder auch macht und dann einstellt. Also da sind wir uns, ich glaube, inzwischen alle einig und diejenigen, die Programme gestoppt haben, haben das inzwischen auch durchaus eingeräumt. Das ist nicht sinnvoll. Wir brauchen Verlässlichkeit, wir brauchen Planungssicherheit für Investitionen. Unser Wunsch ist immer, dass man, auch wenn das Wort etwas abgenutzt ist, verlässliche Leitplanken, also Rahmenbedingungen, in denen man dann vernünftig investieren kann. Nicht nur wir, sondern eben alle anderen Partner auch. Ich bin da aber ganz zuversichtlich. Wir sehen, wir haben in Europa den Automotive Action Plan, strategisch von der neuen Europäischen Kommission, unterhalb des Clean Industrial Deals. Der sagt ausdrücklich, dass der Ausbau von Ladeinfrastruktur zu forcieren, zu fördern ist. Entsprechend, das sagt auch das Koalitionsprogramm der Regierung, ich weiß, dass durch die Diskussion, die hinsichtlich Technologieneutralität geführt wird, immer der ein oder andere Blick auf andere Technologien und Innovationen geworfen wird. Was aus Sicht einer Regierung vielleicht auch nicht falsch ist, solange man nicht bei dem, sage ich mal, Schwung im Bereich der Elektromobilität nachlässt. Das ist die einzige Sorge, die ich habe, dass man durch so eine Diskussion so ein bisschen... in der Dynamik nachlässt, weil meine Sorge ist, dass wir aus Europa heraus an Schwung verlieren. Und das wäre nicht gut, gerade mit Blick auf den Wettbewerb, den wir aus dem asiatischen Raum sehen. Weil wir wissen alle, Electrification ist etwas, das bleibt. Das wird sich auf jeden Fall durchsetzen im Bereich Transport. So, jetzt hat man nur die Frage, wird man noch mehrere Jahre oder gar Jahrzehnte daran rumarbeiten, dann fürchte ich, dass man auch in der Innovation und der Ausbaugeschwindigkeit anderen Wirtschaftsregionen einen sehr großen Vorteil gibt. Und deswegen die dringende Bitte immer, nicht zögern, nicht nachlassen, keine falschen Signale setzen, darin fortfahren. im Ausbau und in den Investitionen. Das wäre sehr, sehr wichtig.

  28. Sebastian:

    Dann hoffen wir, das weiß ich auch, dass der eine oder andere dazuhört, den das auch betrifft, weil gerade diesen Schwung beibehalten, dass du jetzt gesagt hast, diese Sorge zur Seite legen. Das scheint sich aber leider im Moment zumindest ein bisschen abzuzeichnen, weil wenn wir hören bei EBW, die fahren ihre Ziele von 30.000 Schnelllader auf 20.000 zurück. Aral bremst ein bisschen das Ganze aus. Also es scheint jetzt schon so eine Delle, nennen wir es mal, zu geben, was natürlich auch mit der ganzen Marktentwicklung ein Stück weit zusammenhängt. Ist das aus deiner Sicht jetzt nur kurz- oder mittelfristiger Delle-Rücklauf, den wir da haben? Oder scheint sich da leider schon wieder der Abschwung in eine andere Richtung einzustellen?

  29. Michael Bültmann:

    Ich glaube, das geht immer so ein bisschen in Wellen und Peaks etwas, die Dynamik. Also wenn wir uns die Zulassungszahlen bei Fahrzeugen ansehen, die sind runtergegangen, die gehen gerade wieder deutlich rauf. Also auch die Zulassungszahlen. Und wenn du anschaust, die Ladeinfrastruktur, die Punkte, die gehen ja alle durchaus nach oben. Wir sehen natürlich, wir haben geopolitisch und auch wirtschaftlich haben wir weltweit eine Situation, die von Unsicherheit geprägt ist. Und da ist es jetzt nicht extrem überraschend, dass der ein oder andere Kunde auch in einer Größenordnung vielleicht seine Ambitionen ein bisschen runterfährt. Ja, aber aus meiner Sicht oder aus unserer Sicht stellt das jetzt nicht den grundsätzlichen Ansatz für die Elektromobilität in Frage. Das sehen wir überhaupt nicht. Ganz im Gegenteil, gerade wenn man die im Vergleich zu anderen Alternativen sich anschaut, stelle ich, und das auch gerade weltweit, gar nicht nur in Deutschland, fest, dass man eigentlich gerade im Bereich Transport, Mobilität überhaupt keinen Zweifel daran haben kann, dass Elektrification die Lösung ist oder dazu beiträgt, auch einen nachhaltigen, resilienten Transport zu haben. Und von daher wird es sich durchsetzen. Die Frage ist nur, welche Region wird dabei auch vorne liegen? Und da sehen wir natürlich in der Dynamik von Lateinamerika angefangen, wirklich auch in Afrika gibt es Länder, China ist glaube ich komplett klar, dass sie sehr weit vorne sind, aber auch in Amerika. Natürlich gibt es auch, wir hören aus Washington sehr deutlich Signale, die an die fossilen Zeiten erinnern. Aber ich bitte dazu sehen auch, dass wir auf Staatenlevel durchaus andere Signale sehen und ein klares Commitment, ganz unabhängig davon, dass der private Sektor massiv in Elektromobilität in Amerika investiert. ganz unabhängig von den politisch großen Rahmenbedingungen. Aber vor dem Hintergrund nochmal, dass dann der ein oder andere Kunde, den du angesprochen hast, sagt, wir haben die Ziele so runtergenommen etwas. Ja, aber ich sehe da überhaupt keine Bedenken, dass die Agenda steht und auch weiter Umsetzung erfährt.

  30. Sebastian:

    Das ist auf jeden Fall mal einen positiven Ausblick, den wir da auch mitnehmen können und den ich auch so teile. Du hast jetzt auch schon erwähnt oder gefallen ist jetzt auch der asiatische Raum, der ja vor allem, ich sag mal, die europäischen OEMs, Automobilherstellern ein Stück weit vielleicht nicht so ganz gut schlafen lässt, weil da kommt ja auch Konkurrenz auf den Markt. Wie ist das denn eigentlich im Ladeinfrastrukturbereich? Seht ihr da auch die chinesischen, asiatischen Wettbewerber nach Europa drängen oder ist das da noch gar nicht so das Thema?

  31. Michael Bültmann:

    Ja, wir sehen das durchaus und ich glaube, es ist komplett klar, dass in China im Bereich Innovation und Technologie durchaus gute Arbeit gemacht wird. Das betrifft die Batterie an sich. Das ist jetzt nicht unser Core-Business, aber das sehen wir natürlich auch im Bereich Batterie. Wir sehen es im Bereich Endfahrzeuge, aber wir sehen auch im Bereich Infrastruktur natürlich chinesische Hersteller mit Produkten. Meine Sorge ist da, dass der Wettbewerb eben eingehalten werden muss. Ich sage das mal so fordernd, weil man Wir sehen natürlich auch in einzelnen Regionen dieser Welt, dass Angebote gemacht werden, die möglicherweise einen Preispunkt aufrufen, der nicht nur mit den reinen Kosten und rein betriebswirtschaftlich zustande kommt. Und das ist etwas, was wettbewerbsverzerrend ist. Das ist etwas, wo wir ein massives Problem haben als europäischer Hersteller. und hoffen, dass wir in dieser Situation auch mit den politisch-gesellschaftlichen Kräften in Europa, aber auch in Amerika zusammenarbeiten können, um zu schauen, dass der Wettbewerb ein fairer ist. Das ist für uns wichtig. Dann haben wir keine Sorge, in diesem Wettbewerb auch mit chinesischen Herstellern sehr gut dazustehen. Also da brauchen wir uns nicht zu verstecken.

  32. Sebastian:

    Das ist ja auch genau die Thematik, die wir ja auch im Automobilbereich jetzt eben gerade diskutieren. Wie bringt man die Fahrzeuge zu einem fairen Preis auch hier rüber, wo eben nicht irgendwelche anderen Subventionen mit eingerechnet werden, die das ermöglichen. Aber ihr habt ja auch als europäischer Hersteller den Vorteil, dass ihr relativ eng, du hast es vorhin erwähnt, mit OEMs zusammenarbeitet, Standards entwickelt, das vorantreibt. MAN als Beispiel jetzt im Megawatt-Bereich. Hilft euch das dann auch bei dem Voranbringen eurer Lösungen? Da sind wir auch wieder an dem Ansatz, wie wir es vorhin im Handel hatten, mit dem Kunden gemeinsam Dinge vorantreiben.

  33. Michael Bültmann:

    Genau, wir sind gar nicht so alleine in dem Bereich Elektromobilität, aber es ist immer ein Zusammenspiel von ganz vielen Teilnehmern. Das macht es komplexer, aber man kann es vielleicht auch in der Tat natürlich nutzen und durch unsere langjährige Erfahrung in Märkten und auch der Legacy von ABB im Bereich Electrification Engineering, das kann man natürlich ausspielen und in der Tat zusammenarbeiten können. mit OEMs, aber auch anderen Teilnehmern im Markt, ist unerlässlich und ist auch was Gutes so gesehen, ist natürlich eine Thematik, die auch im globalen Wettbewerbsumfeld eine Rolle spielt. Schon richtig, ja.

  34. Sebastian:

    Vielen Dank, Michael. Dann haben wir, glaube ich, heute ein ganz gutes Roundup bekommen von eurem Produktprogramm, was ihr anbietet, wie ihr den Markt auch seht. Vielen Dank für die Einblicke und vielen Dank für deine Zeit.

  35. Michael Bültmann:

    Sehr gerne.

  36. Sebastian:

    Da haben wir doch nun ein gutes Roundup zum Thema Laden, Ladeinfrastruktur hingelegt. Gemeinsam mit Michael Bültmann von der ABB E-Mobility haben wir auf deren neues Produktportfolio geblickt und was eben auch die Überlegungen waren, beziehungsweise die Anregungen des Marktes, die man dort mit aufgenommen hat. Zum Bereich Megawatt-Charging ist auch eine interessante Diskussion aufgekommen. Ich weiß aber auch ganz klar, dass es hier unterschiedlichste Meinungen zu diesem Thema gibt, wie wahrscheinlich überall. Aber haben wir jetzt mal so mitgenommen, haben wir auf uns einwirken lassen und sind gespannt, was andere Player am Markt dazu sagen. Dir vielen Dank fürs Zuhören. Schalt gerne kommende Woche wieder ein, wenn die nächste Folge des ERN-Podcasts online geht. Mach's gut. Bis dahin. Ciao.