Volker Fröse über die Zukunft der E-Mobilität in der Schweiz

Im Gespräch mit Volker Fröse

Volker Fröse war mein Gast im aktuellen Podcast, und wir haben uns über die E-Mobilität in der Schweiz unterhalten. Volker ist seit über 20 Jahren in diesem Bereich tätig und hat maßgeblich an der Entwicklung der Roadmap Elektromobilität in der Schweiz mitgewirkt. Nach seiner langjährigen Tätigkeit beim Bundesamt für Straßen in Bern ist er inzwischen selbstständig im Umfeld der Elektromobilität tätig. Er erzählte mir, dass die Roadmap Elektromobilität ursprünglich aus einer Initiative hervorging, die auf einem Treffen von Branchenvertreter:innen mit der damaligen Bundesrätin Doris Leuthardt entstand.

Die Idee war, innerhalb eines Jahres Maßnahmen zur Förderung der Elektromobilität in der Schweiz zu entwickeln – und das ohne staatliche Förderung. „Wir hatten ursprünglich das Ziel, zehn Unternehmen zu finden, die sich verpflichten, Maßnahmen zur Förderung der Elektromobilität zu ergreifen,“ so Volker. „Am Ende waren es über 50 Unternehmen mit mehr als 60 Maßnahmen.“ Inzwischen befindet sich die Roadmap in der zweiten Phase, die bis 2025 einen Anteil von 50 Prozent an Neuzulassungen für E-Autos anstrebt – ein ambitioniertes Ziel, das derzeit bei 30 Prozent liegt. Eine dritte Phase ist bereits in Planung, die ab 2026 auch den Schwer- und öffentlichen Verkehr einbeziehen wird.

Natürlich haben wir auch die Herausforderungen diskutiert, die es auf dem Weg zu diesem Ziel zu bewältigen gibt. Ein großes Thema ist das E-Autoangebot. Gerade im mittleren und unteren Preissegment fehlen noch Modelle, die für die breite Masse erschwinglich sind. In der Schweiz, einem Land mit tendenziell höherem Wohlstand, ist dies weniger ein Problem als in Deutschland, aber dennoch ein Faktor. Die Ladeinfrastruktur hingegen scheint sehr gut ausgebaut zu sein. Volker betonte: „Wenn du durch die Schweiz fährst, hast du ein Nullproblem mit der Ladeinfrastruktur.“ Das Land hat massiv in Schnellladestationen investiert und damit eine Dichte erreicht, die deutlich über den Anforderungen der EU liegt.

Ein weiteres spannendes Thema war die Akzeptanz von E-Mobilität in der Schweiz. Im Gegensatz zu anderen Ländern gibt es hier kaum Diskussionen über Alternativen wie E-Fuels oder Wasserstoff. „Wasserstoff wird hier maximal als Übergangstechnologie angesehen,“ meinte Volker dazu. Auch die emotionale Debatte, die in Deutschland häufig geführt wird, scheint in der Schweiz weniger stark ausgeprägt zu sein. Hier geht es mehr um Zahlen, Daten und Fakten. Dennoch gibt es, ähnlich wie in anderen Ländern, immer noch Vorbehalte in der Bevölkerung, besonders hinsichtlich der Reichweite der Fahrzeuge.

Zum Schluss des Gesprächs hat Volker noch seinen eigenen Podcast erwähnt, „DieEMobilisten“, in dem er gemeinsam mit seinem Kollegen Julian auf humorvolle Weise über Erlebnisse mit Elektroautos berichtet und Anekdoten erzählt. Wer sich für das Thema interessiert, sollte dort auf jeden Fall einmal hineinhören. Nun aber genug der Vorworte lasst uns direkt in das Gespräch einsteigen.

Shownotes:

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Transcript

  1. Intro:

    Elektroauto News. Der Podcast rund um das Thema Elektromobilität. Mit aktuellen Entwicklungen, Diskussionen, Interviews und vielem mehr.

  2. Sebastian:

    Servus und herzlich willkommen bei einer neuen Ausgabe des Elektroauto News Podcast. Ich bin Sebastian und freue mich, dass du heute wieder eingeschaltet hast, wenn es um das Thema E-Mobilität geht. In der aktuellen Folge habe ich Volker Fröse zu Gast, der in der Schweiz lebt und auch E-Auto fährt und vor allem die E-Mobilität in der Schweiz mit vorantreibt. Unter anderem über seine Unterstützung bei der Roadmap Elektromobilität in der ersten Phase ganz deutlich, in der zweiten war er ein Stück weit raus, kommt in der dritten wieder mehr mit rein und treibt Elektromobilität in unserem Nachbarland voran. Wo die Hauptunterschiede zwischen Deutschland und Schweiz sind, wie E-Autos überhaupt angenommen werden und wie die Ladeinfrastruktur vor Ort ist, das erfahrt ihr im Podcast mit Volker. Wir gehen direkt rein in die Folge. Viel Spaß damit. Hallo Volker, schön, dass du den Weg bei uns in den ERN-Podcast gefunden hast. Wir haben ja schon des Öfteren abseits davon miteinander gesprochen. Aber jetzt heute mal höchst offiziell auf Tonspur festgehalten. Wir wollen uns über die Schweiz und die E-Mobilität in der Schweiz unterhalten. Bevor wir da allerdings einsteigen, stell dich doch gerne mal selbst vor und gib unseren ZuhörerInnen mit auf den Weg, was für Verbindungen du überhaupt zur E-Mobilität hast.

  3. Volker Fröse:

    Sehr gerne. Also ich freue mich unheimlich, heute bei dir mal im Podcast zu sein. Ich bin schon relativ lange in der Elektromobilität tätig. Wie man meinen Akzent anhört, komme ich ursprünglich aus Deutschland, lebe aber seit über 20 Jahren in der Schweiz und war auch ungefähr 20 Jahre im Bundesamt für Straßen in Bern tätig. Dort unter anderem für das Thema Elektromobilität. Also wir haben damals den ersten Kongress aufgebaut. Da hatten wir noch nicht mal Elektroautos da, weil es gab einfach noch keine. Und das Ganze hat sich weiterentwickelt. Ich mich auch, bin immer an dem Thema hängen geblieben. Im Auftrag der damaligen Bundesrätin Doris Leuthardt haben wir die Roadmap Elektromobilität ins Leben gerufen. Die wurde dann später von einer Bundesrätin von Simonetta Someruga verlängert. In der Phase befinden wir uns jetzt gerade. Ich bin nicht mehr im Astra mittlerweile, ich bin selbstständig tätig und bin aber in der Rolle wieder zurück in die Roadmap gekommen, diesmal aber auf Seitengeschäftsstelle.

  4. Sebastian:

    Sehr spannende Entwicklung und zeigt ja gut auf, wie so ein Leben oder so ein Arbeitsleben dann auch schlussendlich verlaufen kann, aber trotzdem immer stringent an der E-Mobilität ausgerichtet sozusagen. Magst du uns vielleicht mal noch abholen, was es mit der Roadmap E-Mobilität auf sich hat, dass wir da auch eine Einordnung dafür bekommen?

  5. Volker Fröse:

    Ja, es ist eine ganz spannende Initiative gewesen, aus einem Roundtable Elektromobilität heraus entstanden, sind so die Branchenvertreter mit der Bundesrätin am Tisch gesessen, wir waren ebenfalls dort und ja, eben wenn man mit einem Bundesrat am Tisch sitzt, ist es so ein bisschen schon eine spannende Angelegenheit. Und wir wurden dann recht überrascht, wo sie dann quasi verkündet hat vor versammelter Mannschaft, wir machen jetzt eine Roadmap. Und wir hatten gar keine Ahnung, um was es geht, was ist eine Roadmap und was will sie genau. Und sie hatte dann eine recht klare Vorstellung, das soll innerhalb von einem Jahr aufgezogen sein und sie möchte da Maßnahmen, freiwillige Maßnahmen, zur Förderung der Elektromobilität. Und das haben wir dann auch angegangen, haben dort geplant, hatten zuerst das Gefühl, ja, wenn wir zehn Firmen, Unternehmen finden, die mitmachen, die da sich committen, irgendwas zu tun in der Elektromobilität, dann wäre das schon eine super Sache. Das Ziel damals war 15 Prozent Anteil an der Neuzulassung, was recht ambitioniert damals war. Also da hatten wir schon recht Kritik bekommen auch dafür. Wir wurden dann massiv überrannt. Also wir haben am Schluss bei über 50 Maßnahmenträgern gewesen mit über 60 Maßnahmen und das Ganze ohne staatliche Förderung. Also es gab, außer dass der Bund das ausgerichtet hat, eingeladen hat, den Abruf bezahlt hat, gab es keine weitere Förderung. Und vielleicht eine kleine Anekdote noch an dem Rande. Wir waren also eh schon massiv überlastet, weil wir viel mehr Zuspruch hatten, wie wir wollten oder wie wir gedacht haben. Und dann kam die Message, also wir haben nicht ein Jahr Zeit, sondern nur ein halbes Jahr. Im Nachhinein wussten wir dann, sie ist im Dezember zurückgetreten. Ende Dezember, das war ihr letzter Auftritt von Doris Leuthardt, hatten wir dann noch tatsächlich die Ausrufung der Roadmap Elektromobilität mit einer großen Unterschrift auf einer riesigen Leinwand und allem. Das war ein recht cooler Anlass.

  6. Sebastian:

    Definitiv, so kann man aus dem Arbeitsleben oder aus der Position dann auch gerne zurücktreten, wenn man sowas hinterlässt und du hattest es ja eben schon aufgezeigt, beziehungsweise im Vorgespräch, ihr seid ja mittlerweile nicht bei Stufe 2, sondern gerade, oder ihr seid aktuell in Stufe 2, gerade in Übergang zu Stufe 3, also man meint es wirklich ernst mit der E-Mobilität in der Schweiz.

  7. Volker Fröse:

    Ja, das ist so. Wir haben relativ früh diese 15 Prozent erreicht gehabt. Dann wurde die zweite Phase ausgerufen. Da haben wir ein sehr ambitioniertes Ziel. Bis Ende nächsten Jahres, bis Ende 2025, wollen wir 50 Prozent Anteil an den Neuzulassungen erreichen. Wir stehen aktuell bei etwa 30 Prozent. Das wird also ein bisschen noch Arbeit geben, dahin zu kommen. Die Branche ist ein bisschen gespalten, ob wir das schaffen werden, aber ich bin auch optimistisch. Ja, und trotz allem haben wir jetzt mit einem dritten Bundesrat, Albert Rösti, diesmal keine Frau, sondern ein Mann, haben wir jetzt ganz kürzlich die dritte Phase eingeläutet. Also sie ist noch nicht fertig. Weil es läuft ja noch die zweite, aber die dritte Phase bis 2030 von 2026 an, die wird also definitiv kommen und neu werden wir den Schwerverkehr und den öffentlichen Verkehr, die Leichtnutzfahrzeuge werden wir dazunehmen.

  8. Sebastian:

    Ja. Wo ist denn da der Hemmschuh hin, damit man eben die 50 Prozent erreicht? Sind es die Fahrzeugangebote, die wir auf dem Markt haben, was bei uns in Deutschland ja so ein Stück weit ein Thema ist, wo die günstigeren Fahrzeuge in Anführungsstrichen für die Masse fehlen? Ist es die Ladeinfrastruktur? Ist es die Mischung aus all dem? Kannst du das noch ein Stück einordnen für uns?

  9. Volker Fröse:

    Ja, auf jeden Fall. Wir erleben ja europaweit eigentlich so ein bisschen den Trend, dass die Zulassungen etwas stagnieren. Teilweise in Deutschland gehen sie ja sogar zurück. In der Schweiz sind wir eher beim Stagnieren und beim leichten Wachstum. Wir haben viel diskutiert über die Gründe dafür und wir gehen davon aus, dass es nicht eine allgemeine Skepsis ist gegenüber der Elektromobilität. Also das ist auch schön. In der Schweiz haben wir wirklich ein klares Commitment seitens der Politik, eigentlich durchgehend durch alle Parteien hinsichtlich der Elektromobilität. Wir gehen eher davon aus, dass momentan einfach so viele Fahrzeuge angekündigt wurden, dass die Käuferinnen und Käufer dort wahrscheinlich sich sagen, wir warten mal noch ab, bis das Fahrzeug kommt, das uns passt. Und vielleicht eben auch die günstigeren Fahrzeuge noch aus China oder so kommen. Also generell haben wir nicht so das Problem mit den teuren Fahrzeugen, aber die Schweiz hat durchaus ein bisschen mehr Wohlstand, das ist so weitläufig bekannt, wobei bei uns kostet auch alles ein bisschen mehr, muss man auch dazu sagen. Aber ich glaube mit den 30 Prozent, die wir jetzt haben, haben wir auch wirklich so den Premiumsektor ziemlich abgeholt. Und jetzt muss es in die Mittelschicht kommen und da braucht es schon auch noch günstige Fahrzeuge, Familienautos, Fahrzeuge mit eben Ausstattungselementen, mit mehr Platz, mit der Chance drei Kindersitze reinzumontieren und so weiter, die jetzt vielleicht einfach noch momentan etwas hemmen.

  10. Sebastian:

    Das leuchtet echt ein. Also auch vor allem, wie du sagst, und das ist ja auch der Ansatz der Hersteller, den die bisher gefahren haben, die haben ja in diesem Premium-Luxus-Segment begonnen. Der ist jetzt irgendwann gesättigt. Das wird auch in Deutschland demnächst mal der Fall sein, dass da nicht das 15. Premium-Luxus-Auto da irgendwo auf die Straße kommt. Da sind die Geldbeutel dann doch irgendwann leer. Beziehungsweise kommen wir dann eben in dieses mittlere bis untere Segment, wo dann auch eben die günstigeren Fahrzeuge benötigt werden. Das sieht man auch ganz klar. Ich würde aber gerne nochmal den Sprung kurz zurück machen, weil du hast gesagt, Die Schweiz hat eine ganz klare Positionierung für E-Mobilität, Batteriebetrieb, E-Mobilität gehe ich von aus. Wie sind denn die Themen, die bei uns da immer wieder aufkommen und eben all diese Abzweigungen aufmachen, E-Fuels, HVO, Wasserstoff. Bei uns wird ja in sämtliche Richtungen noch eine Diskussion geführt, die anscheinend nicht nur in der Schweiz, sondern auch in anderen europäischen Ländern mittlerweile obsolet ist.

  11. Volker Fröse:

    Ja, also wir hatten eine lange Zeit, beziehungsweise haben immer noch eine relativ starke Wasserstofflobby, die auch das Thema sehr gepusht hat. Und da muss man ein bisschen differenzieren. Wasserstoff ist sicherlich ein Thema im Bereich der Industrieanwendung, wo wir viel Energie brauchen. Das ist sicher ein Thema beim Schiffsverkehr. Die Schweiz ist ja über den Rhein auch mit dem Meer verbunden. Und gerade die Rheinschifffahrt wird sicherlich auch im Bereich Wasserstoff zu tun haben. Also das wird sicherlich dort kommen. Allerdings im Individualverkehr und auch im Schwerverkehr auf der Straße war es recht spannend. Gerade bei der letzten Roadmap-Veranstaltung kamen doch von den bisherigen Vertretern, die auch Wasserstoff lobbyiert haben, sehr, sehr klare Ansagen, das ist maximal eine Übergangstechnologie und das wird nicht die Zukunft sein auf der Straße. Und das ist doch eine sehr, sehr deutliche, klare Aussage, auch HVO ist in der Schweiz eigentlich gar kein Thema. Also wenn du hier jemanden fragst, was HVO ist, dann gucken die dich alle komisch an, das weiß eigentlich niemand. Wir haben aber auch kaum Biodiesel irgendwie beigemischt oder wenn, dann wissen wir es nicht. Also das war nie so ein wirkliches Thema hier.

  12. Sebastian:

    interessant und vor allem spannend zu sehen, wie unterschiedlich dann doch was eingewertet werden kann und vor allem finde ich es auch eine sehr, sehr klare Aussage, wie du jetzt eben auch gesagt hast, man erkennt das zwar an, aber eben ganz deutlich als Übergangstechnologie und ja, nicht wie bei uns als eierlegende Wollmilchsau sozusagen, Wasserstoff wird seine Berechtigung haben, brauchen wir nicht drüber diskutieren, aber eben nicht im PKW-Bereich, da sehe ich das auch überhaupt nicht und das ist ja allein, wenn man den Effizienzgrad anguckt, entsprechend schon gegeben. Wie ist es denn generell, also du hast es ja, oder wir hatten es ja schon eingeordnet, die 30% eher Premium-Luxus-Segment. Wie ist denn deine Wahrnehmung aus der mittleren oder unteren Einkommensschicht sozusagen? Wird E-Mobilität da auch so emotional getrieben diskutiert, wie das in Deutschland der Fall ist, wie du das ja sicherlich auch schon mitbekommen hast? Oder ist man da auch eher, ich sag mal, Schweizer Vorteil, Zahlen, Daten, Fakten getrieben unterwegs?

  13. Volker Fröse:

    Ja, ich glaube, da ist es schon sehr faktengetrieben unterwegs. Also ich merke, dass sehr viele Leute noch Zurückhaltung haben wegen der Reichweite. Das ist so ein Thema, wobei es ist eben so ein Scheinthema. Tatsächlich sind wir ja doch auch bei 400 Kilometern wirkliche Reichweite. Ich meine, damit kann man mehr oder weniger einmal durch die Schweiz fahren. Also so weit kommen wir gar nicht. als dass wir die Batterie komplett leer bekommen. Also da wird ein Grund vorgeschoben, der gar nicht so wirklich da ist. Es gibt recht viele Plug-in-Hybride, habe ich das Gefühl, die mittlerweile aber auch alle so im Bereich 100 Kilometer Reichweite sind. Also zum Beispiel der neue Volvo XC60, der hat knapp 100 Kilometer Reichweite. Und da merken dann die Leute schon spätestens dort, hey, eigentlich würde mir das sogar schon weitgehend reichen. Also wenn ich den nur benutze, dann komme ich schon weit und dann komme ich auch mit einem reinen Elektro eigentlich durch. Es sagen relativ viele, die einen Plug-in-Hybrid hatten oder einen gekauft haben, hätte ich doch gleich einen Elektro gekauft.

  14. Sebastian:

    Das ist ja auch eine Aussage, die man erstmal so für sich stehen lassen kann. Ist ja schön, dass da diese Erkenntnis dann auch da ist und dass dann wahrscheinlich zumindest das nächste Fahrzeug, wenn es dann wieder ansteht, eben auch ein reines E-Auto ist. Hast du einen Einblick drauf, wie stark E-Fahrzeuge eben auch über die Flotte bei euch laufen? Bei uns sagt man ja so 70 Prozent wird über Flottenabsatz gemacht bei den Zulassungen in die Richtung und gerade in dem höherpreisigen Segment ist das ja dann auch meist der Fall.

  15. Volker Fröse:

    Die Flotten spielen sicher eine ganz wichtige Rolle, weil dort kommen dann einfach die Second-Hand-Fahrzeuge dann irgendwann in den Markt. Allerdings ist es nicht so weit verbreitet in der Schweiz, dass man ein Flottenfahrzeug hat. Also es gibt diese Flotten. Das sind aber sehr oft auch Poolfahrzeuge oder das sind dann Fahrzeuge von Elektrikern, von Außendienstlern, die dann wirklich sehr viel fahren. Und sonst ist es oft verbreitet, dass man halt ein geleastes Fahrzeug hat, aber… mehr oder weniger privat geleast und dass die Firma noch etwas dran zahlt an das Leasing. Oder dass man dann eine Unterstützung bekommt, eine monatliche, an ein Fahrzeug. Aber das spielt schon mit eine Rolle, Und gerade im Leasing merkt man natürlich auch, dass jetzt die Preisreduktion bei den neuen Fahrzeugen, und da haben wir ja vor allem bei Tesla das Phänomen, dass die neuen Fahrzeuge günstiger werden und dadurch die Leasingrückläufer dann eben auch nicht mehr so viel wert sind, wie sie ursprünglich mal berechnet waren. Und das spielt schon auch mit eine Rolle, eine gewisse Zurückhaltung ist dort dabei. Wobei wir haben sehr starke Vertretungen im Bereich BMW, VW-Konzern, die sehr stark sind im Flottenbereich, wo Tesla nicht so eine große Rolle spielt.

  16. Sebastian:

    Spannende Einordnung. Also aber klar, das mit den Leasing-Rückläufern, das spielt ja eben nicht nur in Deutschland oder Schweiz eine Rolle, sondern ist im Endeffekt ein zahngetriebenes Thema und das bringt jedes Geschäftsmodell in Zwang, wenn da jemand so mit den Preisen hantiert dann schlussendlich. Zwei Absätze vorher hattest du das Thema Reichweite, Reichweitenangst sozusagen nochmal als Umstiegsgrund oder Umstiegshindernis aufgeführt. In dem Zusammenhang vielleicht auch nochmal einen Blick auf eure Ladeinfrastruktur. Ich habe jetzt verstanden, es ist eine Vielzahl an Modellen, vor allem Luxus-Premium da, eigentlich schon zu viele Modelle, dass eben diese Also wenn du durch die Schweiz fährst, so nach Italien zum Beispiel, wirst du ein Nullproblem haben mit der Ladeinfrastruktur.

  17. Volker Fröse:

    Und das darf ich ruhig ein bisschen, sag ich ein bisschen stolz, weil ich war damals zuständig für den Ausbau auf den Nationalstraßen. Wir haben neben den Raststätten, das sind also die Bedienten mit Restaurant und so weiter, da haben wir ungefähr 60 und die sind fast alle mittlerweile mit einer Schnellladeinfrastruktur ausgerüstet. Und dazu haben wir etwa 100 Rastplätze. Das sind die unbedienten, wo nur ein WC da ist oder vielleicht ein Imbisswagen da steht. Und die haben wir mittlerweile ungefähr die Hälfte ausgerüstet mit Ladeinfrastruktur. Und dann eine ganz kleine Anekdote. Es gibt ja von der EU das Programm, dass alle 50 Kilometer mindestens 50 kW Ladestation auf den Nationalstraßen stehen solln. Und die Schweiz ist ja nicht in der EU, aber im gemischten Ausschuss war das dann auch ein Thema. Wir waren nicht verpflichtet, diese Richtlinie zu übernehmen. Aber sie haben uns gebeten, sie zu übernehmen. Und dann haben wir die Antwort gegeben, nein, machen wir nicht. Das können wir nicht unterschreiben. Ja, wieso? Die Schweiz ist doch gut mit dabei. Ja, aber schaut mal rein, ihr habt das quasi gedeckelt. Und Wir haben nicht 50 kW, wir haben 150 kW und zwar viermal parallel mindestens pro Rastplatz. Und Ausbaubase, wir haben überall ein Traforum mit Mittelspannungsanschluss hingebaut mit genügend Ausbaukapazität, dass wir wahrscheinlich 10, 20 Fahrzeuge mit 150 kW parallel laden könnten. Also haben wir richtig Geld investiert und ausgebaut und da bin ich auch ein bisschen stolz drauf natürlich, weil ich glaube, wenn wir komplett ausgebaut haben, dann haben wir alle 15 Kilometer auf dem Nationalstraßennetz im Schnitt eine 150 kW Schnellladestation.

  18. Sebastian:

    Da können wir aber nur froh sein, dass ihr euch da eben widersetzt habt sozusagen und dann nochmal den Deckel geöffnet und da wesentlich mehr Leistung auf die Strecke gebracht habt. Da freut uns jeder E-Autofahrer in, natürlich. Für uns war es jetzt auch sehr interessant, diese Einblicke mal direkt aus der Schweiz zu bekommen, wie E-Mobilität eben da vonstatten geht. Aber dich gibt es jetzt nicht nur hier bei uns im Podcast zu hören, sondern du hast ja auch einen eigenen Podcast am Start. Vielleicht magst du ein paar Worte dazu verlieren, wie man den in Podcast Player findet und was es da zu hören gibt.

  19. Volker Fröse:

    Sehr gern, danke für die Möglichkeit. Habe ich gar nicht getraut, was zu sagen. Ja, also ich habe jetzt auch, wir haben jetzt gerade die 25. Folge aufgenommen von unserem E-Mobility-Podcast Die E-Mobilisten. Die Mobilisten. Und das mache ich mit meinem Kollegen zusammen, Julian. Und wir sind kein Wissenschaftspodcast. Also wir erzählen, was wir so erleben auf der Straße mit unseren Elektroautos. Wir haben teilweise auch Gäste dabei. Wir erzählen witzige Anekdoten, manchmal schweifen wir auch ein bisschen ab. Also es ist so ein bisschen zum Wohlfühlen und ich glaube auf längeren Autofahrten, wenn man sich ein bisschen Unterhaltung mit E-Mobility Charakter gönnen möchte, dann ist man genau richtig bei uns.

  20. Sebastian:

    Das hört sich doch sehr gut an. Da wissen ja die ZuhörerInnen auch genau, wo es jetzt hingeht nach der Folge. Am besten Podcast-Player ihrer Wahl und die E-Mobilisten aufrufen. Wir werden es auch in die Shownotes natürlich reinpacken, damit der Zugang ein Stück weit einfacher ist. Dir vielen Dank für deine Zeit, Volker, und den Austausch.

  21. Volker Fröse:

    Danke dir auch und danke für die Möglichkeit. Hat mir unheimlich Spaß gemacht.

  22. Sebastian:

    Das war sie also auch, die aktuelle Folge des ERN-Podcasts. Ich denke, man konnte einiges mitnehmen aus unserem Nachbarland der Schweiz in puncto E-Mobilität, dass man offen dafür ist und dass man auch strikte Vorgaben geben kann von Seiten der Politik, um dann eben solche Dinge auch voranzutreiben. Ich hoffe, dir hat die Folge genauso gut gefallen, wie es bei mir der Fall war und freue mich, wenn du kommende Woche wieder einschaltest, wenn die nächste Podcast-Folge von ERN Elektroautonews online geht. Mach's gut, bis dahin, ciao.