Günstige E-Autos: Was bringt die Zukunft?

Im Gespräch mit Vanessa-Lisa Oelmann

Erschwingliche Elektroautos sind nach wie vor Mangelware – zumindest, wenn man nach Fahrzeugen sucht, die unter 25.000 Euro kosten und dennoch eine solide Ausstattung bieten. Genau darüber habe ich in der aktuellen Podcast-Folge mit Vanessa-Lisa Oelmann gesprochen. Sie testet seit drei Jahren Elektroautos, betreibt einen eigenen YouTube-Kanal und schreibt neben der Elektroautomobil auch für Elektroauto-News. Ihr Fokus liegt auf massentauglichen, bezahlbaren E-Autos – ein Bereich, der bisher eher stiefmütterlich behandelt wurde.

Vanessa sieht die magische Preisgrenze bei 25.000 Euro. Autos, die in einer vernünftigen Ausstattung unter dieser Grenze bleiben – also ohne, dass an essentiellen Dingen wie Schnellladefähigkeit oder Assistenzsystemen gespart wird – fallen für sie in die Kategorie „bezahlbare E-Mobilität“. Auch wenn sie sich wünscht, dass es künftig Modelle unter 20.000 oder sogar 15.000 Euro geben wird, ist das aufgrund von Batteriekosten und Entwicklungsausgaben aktuell noch eine Herausforderung.

Doch Bewegung ist im Markt: Der Hyundai Inster ist für Vanessa aktuell eines der überzeugendsten Modelle, weil er selbst in der Basisversion mit einem flexiblen Innenraum und guten Assistenzsystemen punktet. Besonders begeistert war sie von der Autobahnassistenz, die in Fahrzeugen dieser Größenordnung oft fehlt. Der Citroën ë-C3 steht ebenfalls auf ihrer Liste, insbesondere wegen des komfortablen Fahrwerks und der Effizienz. Allerdings gab es hier Unmut, da viele Modelle zunächst nur für den französischen Markt im Social Leasing verfügbar waren.

Bei künftigen Modellen hofft Vanessa auf spannende Alternativen: Der VW ID.1 und ID.2 stehen ebenso in den Startlöchern wie der BYD Dolphin Mini oder Firefly, die neue Submarke von Nio. Besonders spannend findet sie den Dolphin Mini mit seinem Natrium-Ionen-Akku, der ohne Kobalt und Nickel auskommt – eine Technologie, die bei uns bald Schule machen könnte. Aber nicht alle günstigen Elektroautos sind für sie eine Alternative zum Erstwagen. Der Dacia Spring oder der Leapmotor T03 haben zwar ihren Platz, fallen für sie aber eher in die Kategorie Zweitwagen. Der Grund: stark eingeschränkte Ladeleistungen und geringe Reichweiten. Wer längere Strecken plant, stößt hier schnell an Grenzen.

Ein weiteres Segment, das oft zur Sprache kommt, ist Mikromobilität. Der Microlino ist für viele eine charmante Alternative, doch der hohe Preis, die rudimentäre Ausstattung und die begrenzten Sicherheitsfeatures machen ihn für den Massenmarkt schwierig. Vanessa sieht hier eher eine Nische für Individualisten, während ein Dacia Spring für preisbewusste Käufer die logischere Wahl wäre. Ein großes Thema bleibt die Konkurrenz aus China. Viele Hersteller aus Europa, insbesondere Volkswagen, haben sich laut Vanessa zu lange Zeit gelassen, um günstige E-Autos auf den Markt zu bringen. Der ID.3 kam verspätet und teurer als angekündigt, während China bereits Modelle zu erschwinglichen Preisen anbietet. Doch sie sieht mittlerweile positive Entwicklungen: „Ich glaube, die Deutschen haben eins auf den Deckel bekommen und daraus gelernt.“ Nun aber genug der Vorworte – lasst uns direkt in das Gespräch einsteigen!

Shownotes:

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Transcript

  1. Intro:

    Elektroauto News. Der Podcast rund um das Thema Elektromobilität. Mit aktuellen Entwicklungen, Diskussionen, Interviews und vielem mehr.

  2. Sebastian:

    Servus und herzlich willkommen bei einer neuen Folge des Elektronischen News Podcast. Ich bin Sebastian und freue mich, dass du diese Woche wieder eingeschaltet hast. In der aktuellen Folge habe ich Vanessa-Lisa Oelmann zu Gast und wir haben uns über das Thema leistbare E-Mobilität in Deutschland und Europa ausgetauscht, aber auch mit dem Blick nach China. Was kommt aus China eben hier in Europa auf den Markt und auf welche Fahrzeuge müssen wir uns einstellen, die den Markt ja hoffentlich doch ein wenig aufwirbeln werden in nächster Zeit. Genug der Vorworte, meinerseits wir gehen direkt rein ins Gespräch mit Vanessa. Hi Vanessa, schön, dass wir uns heute mal hier im Podcast hören, sonst sehen wir uns ja immer nur auf Fahrevents, was ja auch schön ist. Aber heute wollen wir uns mal über eine Leidenschaft von dir unterhalten oder zwei besser gesagt, E-Mobilität und in dem Feld kleine E-Autos. Bevor wir da alle einsteigen, stell dich doch gerne unseren ZuhörerInnen mal selbst vor, damit die wissen, wer auf der anderen Seite das Mikrofon setzt.

  3. Vanessa-Lisa Oelmann:

    Also ich bin Vanessa-Lisa Oehlmann. Ich teste seit ungefähr drei Jahren nebenberuflich Elektroautos und habe mich jetzt mittlerweile auf vor allem, wie du schon sagtest, massentaugliche, bezahlbare E-Autos spezialisiert. Das macht mir einfach am allermeisten Spaß, weil ich das am super spannendsten finde. Eben auch, weil es davon gerade noch so wenig im Markt gibt, wohingegen wir ja wissen, Sachen wie riesige E-SUVs gibt es ja zuhauf. Und ja, das mache ich jetzt seit drei Jahren, habe jetzt auch seit April letzten Jahres meinen kleinen YouTube-Kanal zu dem Thema mit gerade so knapp 4.000 Und genau, nebenher schreibe ich auch für die Elektroauto News, das weißt du ja. Und deswegen sehen wir uns ja auch immer wieder bei Fahrevents, wenn ich gerade mal mit jemand anders unterwegs bin. Und habe ich immer wieder gerne als Beifahrer dabei.

  4. Sebastian:

    Vielen Dank schon mal für deine Vorstellung und für die Elektroautomobil schreibst du auch noch Grüße an Markus natürlich raus. Und das ist ja auch schön, dass wir da doch alle in der Bubble unterwegs sind, aber jeder mit seinem Schwerpunkt so ein Stück weit. Und du hast gesagt, du hast dich eben auf die leistbare E-Mobilität konzentriert, jetzt auch mit deinem YouTube-Account, der wahrscheinlich noch ein bisschen größer wird zum Zeitpunkt der Ausstrahlung. Aber es ist ja schön zu sehen, dass da auch Bewegung ist und leistbare E-Mobilität. Wie würdest du das denn für dich jetzt erstmal einordnen? Weil du hast schon gesagt, es gibt diesen Premium-Sektor mit riesen E-SUVs. Es gibt das, was zwischendrin und unten fängt es auch langsam an. Aber vielleicht mal für dich die Definition, wie du da vorgehst.

  5. Vanessa-Lisa Oelmann:

    Also ich glaube, es gibt ja diese, ich sag mal, unsichtbare Grenze und das ist für mich diese 25.000 Euro. Das ist das, was immer wieder, wenn man zum Beispiel bei Google eingibt oder bei irgendeiner Suchmaschine, günstige Elektroautos, wird man sehr oft diese Grenze von 25.000 Euro finden. Das scheint für die meisten Leute so diese magische Grenze zu sein, wo ein Auto dann als bezahlbar wahrgenommen wird. Ich denke, wenn du ein Fahrzeug hast, das nicht nur in der Basis knapp unter 25.000 Euro kostet, sondern auch wirklich in einer gescheiten Ausstattung, dass da nicht eben der CCS-Lader weggespart wird oder andere Dinge, dann würde ich sagen, ist das für mich ein bezahlbares Elektroauto. Ich hoffe aber natürlich auch, dass wir auch unter 20.000 Euro, unter 15.000 Euro etc. bald Fahrzeuge sehen werden.

  6. Sebastian:

    Die Entwicklung dorthin wird wahrscheinlich noch eine Weile andauern, weil wir wissen ja, Batteriekosten müssen runter, Entwicklungskosten müssen erstmal umgelegt werden. Die ganzen Scherereien, die da uns noch bevorstehen, aber die 25.000 Euro Grenze haben wir ja schon erreicht heutzutage. Also nicht nur mit... Oder nicht nur europäische Modelle, sondern auch chinesische Modelle, wo du ja auch so ein bisschen den Blick drauf hast schlussendlich. Was sind denn da die Fahrzeuge, die dir bisher positiv aufgefallen sind? Bevor wir dann mal vielleicht auf diejenigen mit ein Stück weit Verbesserungspotenzial eingehen, du hast schon gesagt, wo dann immer noch Optionen mit dazu gekauft werden müssen, um dann eben auch an ein vernünftiges Einsteiger-E-Auto ranzukommen.

  7. Vanessa-Lisa Oelmann:

    Also viele der Fahrzeuge, die mich am allermeisten reizen, die kommen erst noch im Laufe des Jahres jetzt. Da wissen wir erst gerade mal die ersten Infos, die groben Eckdaten, aber die Vorstellung ist entweder noch nicht erfolgt oder es gibt nur Konzeptfahrzeuge. Jetzt im Augenblick, den bist du auch schon gefahren, den Hyundai Inster, war jetzt für mich so das Fahrzeug, wo ich wirklich begeistert war, weil ich sage, sehr gute Platzverhältnisse. Ja, ich finde, tolle Assistenzsysteme überhaupt, diesen Autobahnassistenten in so einem 3,83 Meter Auto hier zu haben, finde ich super, auch ab Basis schon. Wohingegen leider, das finde ich auch sehr schade, das Thema Assistenzsysteme, also auch so Fahrassistenzsysteme, nicht nur Sicherheitsassistenten, häufig bei A-Segment-Fahrzeugen komplett weggelassen wird, weil die halt sagen, ach ja, die fahren doch eh nur eigentlich in der Stadt rum und im urbanen Gebiet, da braucht man ja eigentlich gar keine Assistenten. Und da hat es mich echt begeistert, wie gut das Fahrzeug sich auch wirklich, ja, ich will nicht sagen autonom, aber halt mit sehr, sehr wenig eigenem Input fahren lässt. Da war ich sehr begeistert. Dazu auch der flexible Innenraum und da kann man auch wirklich sagen, dass auch schon die Select-Version, die komplette Basis, wirklich für viele komplett ausreichend ist. Ab 23,9 plus dann noch ein paar Händlerrabatte und ab Trend dann eben dieser flexible Innenraum mit vier umlegbaren Sitzen und der individuell verschiebbaren Rückbank, was halt so cool ist, dass es ein Mini-Camper, ein Mini-Van theoretisch wird. Das Fahrzeug begeistert mich wirklich. Bin ich jetzt auch mal über ein Wochenende gefahren, war sehr, sehr begeistert davon und denke vor allem die Trendversion ab 25.9 wird der Bestseller schlechthin. Lediglich LED fehlt mir da noch. Leider gibt es da nur halogenen Funzeln, sage ich mal. Da haben mir einige auf YouTube kommentiert, dass man da wohl auch irgendwas nachrüsten kann auf eigene Faust. Also vielleicht ist das eine Option. Auf jeden Fall kann es nicht schlechter werden vom Licht, der als halogen eh schon ist. Das ist das erste, dann der Citroën EC3, bisschen größer, mit 4,1 Meter, 4,2 Meter ungefähr, bin ich auch beim Fahrevent gewesen. Den haben wir ja sehr lange gar nicht hier bekommen, weil alle Fahrzeuge, die bislang produziert wurden, gingen direkt nach Frankreich ins Social Leasing, damit eben auch die Leute, die sich dort eben sonst unter anderen Umständen kein E-Auto leisten könnten, jetzt eben diese coolen Autos fahren, was Für die lokalen Kunden hier, oder ich sag mal außerhalb Frankreichs, sehr frustrierend war. Ich kenne auch viele, die ihre Citroën EC3-Bestellung deswegen zurückgezogen haben. Aber eigentlich eine schöne Idee, dass jetzt ganz viele EC3 dort rumfahren und Leute, die sich die sonst nicht hätten leisten können, die jetzt haben. Da war ich beim EC3 sehr begeistert, vor allem in der Max-Version von der Federung. Wirklich sehr, sehr bequemes Auto und auch vom Verbrauch her, Celantis-Fahrzeuge generell sehr effizient. Haben wir auch wieder beim Opel Mokka Electric, beim Das sind so gerade die beiden Fahrzeuge, wo ich jetzt wirklich gefahren bin, wo ich total begeistert davon bin. Die Fahrzeuge, die noch kommen, gibt es so, so viele. Also wir können mit VW ID.1, ID.2 anfangen, wo es ja auch bislang nur Konzeptfahrzeuge gibt. der ID.2, ID.2 All, ja schon länger als Konzeptfahrzeug existiert. ID.1 jetzt als ID.Everyone demnächst am 5. März, ich weiß nicht, wann der Podcast ausgestrahlt wird, aber heute ist Ende Februar, vorgestellt wird, das Konzeptfahrzeug. Bin ich auch super gespannt, war ich auch eingeladen, kann leider wegen dem Paralleltermin nicht hin. Und dann auch die ganzen Chinesen natürlich. BYD Seagull, bei uns als Dolphin Mini würde er kommen. Das ist der Name, den er auch in Lateinamerika trägt. Viersitzer, in China ist er 378 lang, bei uns wird er 93. Also ein bisschen länger auf unsere Messungen, sag ich mal. Angepasst, in China gibt es zwei Akkugrößen. Es gibt ja den 30 kWh Akku und den 38 kWh Akku. Und das Spannende am 30 kWh Akku ist, dass es ein Natrium-Ionen-Akku ist. Also kein Kobalt, kein Nickel etc. Was ich super, super spannend finde, ist die Frage, wie sie es dann bei uns machen, wenn das Fahrzeug dann eben in den nächsten Monaten zu uns kommt. Und auch Firefly News Submarke. Ist auch nicht so viel bekannt, ist ein Fünfsitzer, 4 Meter lang, 105 kW Motor und viel mehr weiß man bisher nicht. Nur, dass es auch ein LFP-Akku wird und die beiden Fahrzeuge werden für mich so das Highlight, was jetzt im nächsten, ja, ich sag mal in den nächsten drei bis vier Monaten hoffentlich zu uns kommt.

  8. Sebastian:

    was man auf jeden Fall festhalten kann, dass es einiges an Bewegung im Markt und vor allem jetzt auch, du hast gesagt, bei VW hat man anscheinend auch verstanden, okay, wir müssen jetzt mal wieder mehr Volkswagen werden, also leistbare E-Mobilität da auch auf den Markt bringen. Wenn man dann Konzeptstatus, jetzt über der Vorserie, die vorgestellt wird, bis zum Serienfahrzeug werden wahrscheinlich noch zwei, drei Jahre vergehen, was dann ja natürlich auch nicht so ideal ist, weil die Konkurrenz hat die Fahrzeuge schon auf der Straße. Du hast den Hyundai Inster, du hast den Citroën ë-C3 angesprochen. Dann haben wir ja aber auch schon länger auf der Straße den Dacia Spring. Und den würde ich jetzt fast so einordnen als Fahrzeug mit Kompromissen deiner Definition nach. Wie ist denn deine Meinung zu dem Fahrzeug?

  9. Vanessa-Lisa Oelmann:

    Also für mich sind Dacia Spring und der Leapmotor T03 nochmal, ich sag mal, ein eigenes Segment. Ist zwar auch A-Segment, aber aufgrund der schon sehr reduzierten Ladeleistung, im Falle vom Dacia Spring, ist ja in der Basis gar kein DC-Lader verbaut und man muss eben gegen 600 Euro Aufpreis oder so den 30 kW DC-Lader konfigurieren. Und im Fall von Leapmotor, der immerhin serienmäßige 45 kW DC-Lader, Da muss man einfach sagen, das ist für mich nicht serienmäßig, nicht alltagstauglich. Das ist für mich das, was ich bezeichnen würde als Zweitwagen, klassischen Zweitwagen mit, je nachdem, was man für ein Fahrprofil hat, Tendenz zum Erstwagen. Aber ich habe es jetzt eben deshalb nicht angesprochen, weil die Reichweite und die Ladegeschwindigkeit dann doch ein Unterschied ist zu einem Hyundai Inster und zu einem Citroën ë-C3 in puncto Akkugröße, in puncto Reichweite und Ladegeschwindigkeit. Das sind Fahrzeuge, also der Dacia Spring war ich auch beim Fahrevent, hat sich jetzt mit dem letzten Facelift enorm verbessert. Sind wir auch zusammen gefahren, glaube ich, ne? Ja. Gott, das war das Bordeaux, glaube ich, ja. Das ist auch lang her. Aber das Fahrzeug hat sich enorm verbessert, wirklich. Aber Fahrgefühl immer noch jetzt eher schwammig, würde ich sagen. Und der Liebmotor gefällt mir besser. Würde ich sagen, macht auch sehr viele Dinge deutlich besser als der Dacia Spring. Außer man will eben Vehicle-to-Load. Das kann eben nur der Dacia. Hat er von Renault quasi geerbt. Aber ich bin ein bisschen vorsichtig, weil ich der Meinung bin... Ich will nicht, dass der Eindruck entsteht, dass alle Elektroautos nur halt so 30, 40, 50 kW DC laden können. Und weil diese Fahrzeuge dann wirklich nochmal im Segment und in der Positionierung anders sind als diese von vorhin von mir erwähnten Fahrzeuge. Ich meine zum Beispiel ein VW ID.2 soll ja angeblich bis zu 450 Kilometer weit kommen, ist eine völlig andere Liga. als so ein Liebmotor, bin ich da ein bisschen vorsichtiger, weil ich immer ein bisschen Angst habe, dass ein falscher Eindruck entsteht für Leute, die nicht so tief in der Immobilität sind und denken, dass es halt immer noch üblich ist, 40 Stunden, 40 Stunden, 40 Minuten am DC-Lader zu stehen.

  10. Sebastian:

    Dann haben wir aber in dem Zusammenhang ja auch nochmal zur Unterscheidung. Das Thema Mikromobilität kommt ja auch immer auf. Mike Rolino jetzt mal als Beispiel, was denke ich jeder schon mal aus der Szene zumindest von gehört hat. Das ist so die Elektro-E-Setter von BMW halt aus der Schweiz jetzt von den Autoboters auf die Straße gebracht. Ist ja jetzt auch überhaupt kein E-Auto, sondern ein Elektrofahrzeug, weil in einem anderen Segment eben auch unterwegs. Auch knapp unter 20.000 Euro. fast gleich auf mit einem Dacia Spring. Ist das ein Thema für dich? Siehst du da überhaupt den Bedarf dafür beziehungsweise den Bedarf mit diesem Preistag, der da dran heftet?

  11. Vanessa-Lisa Oelmann:

    Also ich bin den Microlino oder Microlino, wie du ihn nennst. Ich weiß nicht, wie sagt man es eigentlich offiziell? Aber ich bin ihn gefahren, habe ihn für anderthalb Wochen testen dürfen. Tolles kleines Ding, hat mir wahnsinnig, wahnsinnig viel Spaß gemacht. Ich war auch selten so traurig, einen Testwagen hergeben zu müssen. Aber wenn man einfach Preis-Leistung sieht, ja, er holpert dann doch sehr unbeholfen über jedes Schlagloch. Wir haben keine Servolenkung, wir haben nur zwei Sitzplätze, wir haben... wirklich gar keine Möglichkeit, DC zu laden und AC sehr, sehr langsam. Da muss man sagen, für das Preis-Leistungs-Verhältnis ist da einfach ein Dacia Spring, ein Liebmacher T03 für die meisten preisbewussten Kunden, die das eben nicht als Individualistenfahrzeug oder als Hobby sehen, einfach der bessere, ja, besseres Preis-Leistungs-Verhältnis. Der Microlino punktet für mich einfach, weil, ja, ich meine, viele Leute, die haben einfach das disposable income, das Geld zu zahlen, einfach zu sagen, mir ist es wert, 20, 25 hat, glaube ich, mein Testwagen gekostet, für so eine kleine, süße Kugel auf vier Rädern auszugeben. Für die ist es super, einfach auch so Individualisten in der Stadt, die wirklich sagen, es gibt aktuell kein Smart mehr und sie legen wenig Wert auf Assistenten und sie sagen auch, dass sie nicht unbedingt so viele Sicherheitsfeatures brauchen. Das ist ja die nächste Sache, das Thema Sicherheit bei L6e, L7e. Wir haben bei den allermeisten Fahrzeugen gar kein Airbag, der Renault Twizy. Und jetzt die Nachfolge-Version Mobilize Duo und Bento sind die einzigen Fahrzeuge, die auch ein Lenkrad-Airbag haben. In der Regel haben die Fahrzeuge kein Airbag. Das ist natürlich auch ein Thema, was bedacht werden muss, weil man natürlich mit vielen dieser Fahrzeuge auch 80, 90, 100 kmh fahren kann. Und da will ich eigentlich keinen Unfall haben. Das ist so die Situation, die nicht unterschätzt werden soll. Aber ich denke einfach nur fürs reine städtische Fahren, wenn man vielleicht auch so einen Twizy, so ein Mike Foligno, günstiger gebraucht als zwei Jahreswagen bekommt, kann man das durchaus machen. Auch hier denke ich, ist einfach wichtig, man kann zu Hause laden oder bei der Arbeit laden, weil eben weil dieses Laden so unfassbar langsam dauert, denn die Fahrzeuge müssen ja zu einer bestimmten Gewichtsgrenze bleiben und diese andere Ladetechnik zu verbauen, ist einfach nicht nur teurer, es macht es auch zu schwer und dadurch eben nicht möglich, das da einzubauen, ohne das Segment zu überschreiten.

  12. Sebastian:

    gut auf den Punkt gebracht und gerade bei Marco Lino, wir hatten den auch für zwei Wochen da, ich bin auch schon öfters gefahren, am Schuhkursstecker ganz normal im Hof stehen, kannst du den laden wunderbar und das war das Fahrzeug, wo der Trend zum Drittwagen ging, das war zumindest damals, als wir es betrachtet haben in München der Fall, weil da gab es dann tatsächlich noch eine Förderung von um die 6.000 Euro dafür und da waren wir halt bei 13.000, 14.000 Euro und da wird es dann auch attraktiver. Natürlich muss am Ende vom Tag sich das auch rechnen für den Hersteller, Aber zurück jetzt zu unserem aktuellen, ich sag mal, Kleinwagen oder E-Kleinwagen unter 25.000 Euro, wo wir die Reise gehen. Wie positiv bist du denn gestimmt, wenn wir jetzt den Blick auf China und Europa wagen, beziehungsweise auch Deutschland und vielleicht nochmal im Speziellen, weil man hört, man liest, okay, es kommt viel aus China rüber, die ganzen Billigstrom, in Anführungsstrichen billig im Sinne von günstig, nicht von der Verarbeitung, sondern vom Preis her. Und kann Europa da überhaupt noch mithalten? Was für eine Einschätzung hast du denn da dazu?

  13. Vanessa-Lisa Oelmann:

    Also lange Zeit war ich da eher negativ eingestellt, muss ich sagen. Eben weil, wir haben es schon erwähnt, Volkswagen sehr lange Zeit keine Fahrzeuge fürs Volk mehr wirklich produziert hat. Der ID.3 sollte ursprünglich auch viel, viel günstiger sein, als er eigentlich am Ende wurde. Selbst mit den ganzen Rabatten, die man da gerade teilweise bekommt, ist das Fahrzeug immer noch teurer als ursprünglich angekündigt. Deswegen dachte ich lange, oh, Software, hm, und dann auch noch teurer als angekündigt. Mittlerweile muss ich sagen, teste ich viele deutsche Elektrofahrzeuge, sowohl günstigere als auch eben höherpreisige. Und ich muss sagen, vor allem VW hat sich da einfach extrem gemacht. Also da habe ich jetzt mittlerweile ein besseres Gefühl. Plus, ja, ich finde es ein bisschen fragwürdig, dass der VW e-Up nicht einfach noch weitergeführt wurde, einfach durchgezogen wurde, bis jetzt eben der ID.1 kommt. Einfach, weil ich glaube, die Kundschaft gibt es immer noch. Überleg mal, wie lange es einen Fiat Panda gibt. Der ist ja echt 20 Jahre gefühlt unverändert gebaut worden. Und wurde trotzdem noch gekauft. Das finde ich schade, dass man da einfach jetzt so lange diese Pause hat, wo dieser wirkliche Volkswagen ausbleibt. Aber man sieht ja auch, dass sich jetzt sehr, sehr viel Zeit gelassen wird mit dem ID.2 auch, dass es erst mal dieses ID.Live Konzeptfahrzeug gab, dann erst mal auf die Rückmeldungen eingegangen wurde, ob es den Leuten gefällt. Dann der ID.2 All vorgestellt, dann die GTI-Version davon, dass man sich sehr vorsichtig rantastet. Viele Leute sagen, boah, das dauert doch viel zu lange. Warum lassen die sich so viel Zeit? Dann sage ich, hey, ich wünsche, sie hätten sich beim ID.3 mehr Zeit gelassen, weil das Fahrzeug wurde so überhastet auf die Straße gebracht mit so großen Softwareproblemen. Und auch die ganzen Sachen mit dem Touch-Lenkrad wurden nicht wirklich für den Leuten abgesegnet. Deswegen denke ich, es ist eine sehr gute Entscheidung, dass sich jetzt VW Zeit lässt damit. Die anderen Hersteller, naja, wir wissen ja, dass Mercedes immer mehr zu diesem Premium-Image geht. Es wird bald keine A-Klasse mehr geben, B-Klasse glaube ich auch nicht. CLA wird das Einstiegsmodell. Ich glaube, da können wir nicht von bezahlbarer Immobilität reden. Das wird ein sehr teures Fahrzeug, denke ich. Beim BMW, ich fahre privaten BMW i3. Ich würde mir echt wünschen, dass da ein Nachfolger von den Deutschen kommen würde. Soll auch angeblich 2028, 2029 kommen. Ich bin sehr, sehr gespannt darauf. Aber im Allgemeinen, um die Frage nochmal abschließend zu beantworten, ich habe ein besseres Gefühl. Ich glaube, die Deutschen haben eins auf den Deckel bekommen und daraus aber auch ordentlich gelernt. Und jetzt können die durchaus konkurrieren. Plus, ich denke, wir haben dann doch noch sehr, ich sag mal, lokalpatriotische Käufer, die dann eben sagen, sie zahlen auch nochmal 2.000 bis 3.000 bis 4.000 bis 5.000 Euro mehr für ein deutsches Fabrikat, um eben die heimische Wirtschaft zu unterstützen, statt einem Chinesen, der vielleicht ein paar Sachen besser macht oder gleichwertig macht und günstiger ist, aber eben chinesisch ist.

  14. Sebastian:

    Vielen Dank für das tolle Roundup jetzt hier zum Ende. Ich glaube, da haben wir einiges mitnehmen können. Und ich würde einfach sagen, wir gehen in der zweiten Podcast-Folge, wenn wir vielleicht im halben, dreiviertel Jahr sprechen, nochmal auf die aktuelle Entwicklung ein. Da wissen wir auch mehr über die Konzepte, wann sie denn auf die Straße kommen, wie sich der Markt dann allgemein weiterentwickelt. Und mit dir haben wir da echt ein Profi am Werk für den Bereich E-Kleinwagen. Und schlussendlich, wer sich unter dem Jahr informieren möchte, kann bei dir auf dem YouTube-Kanal vorbeischauen. Den werden wir natürlich auch entsprechend verlinken bei uns in den Shownotes. Und mir bleibt nicht viel zu sagen, außer vielen Dank, Vanessa, für die Einblicke hinter die Kulissen für leistbare E-Mobilität.

  15. Vanessa-Lisa Oelmann:

    Danke, dass ich dabei sein durfte.

  16. Sebastian:

    Das war es also auch schon mit der aktuellen ERN-Podcast-Folge aus dieser Woche mit Vanessa und dem Blick auf leistbare E-Mobilität. Ich hoffe, die Folge hat dir gut gefallen. Du konntest einiges mitnehmen und schaltest demnach auch nächste Woche wieder ein, wo wir uns dann auch wieder mit dem Thema Elektromobilität in verschiedenen Farben, Formen und Facetten beschäftigen. Mach's gut. Bis dahin. Ciao.