Nachhaltigkeit- Microlino wiegt mit Fahrer & Gepäck weniger als Akku eines E-SUV

Im Gespräch mit Merlin Ouboter über den Microlino 2.0 vor der IAA 2021

Der Microlino ist mittlerweile kein unbekanntes E-Fahrzeug mehr, zumindest hier bei Elektroauto-News.net. In einer Vielzahl von Artikel haben wir bereits über das Schweizer Elektrofahrzeug berichtet. Für Folge #143 unseres Podcasts habe ich mir Merlin Ouboter, einen der beiden Geschäftsführer hinter dem Microlino, zum Gespräch eingeladen. Noch vor der IAA 2021 in München tauschen wir uns über die Entwicklung der vergangenen Jahre aus und was uns künftig von Seiten Microlino erwartet.

Geplant ist, dass das E-Fahrzeug aus der Schweiz mit drei Batteriegrößen daherkommt und damit mit entsprechend variabler Reichweite. Im Vergleich zur ersten Variante des Microlino aus 2018 hat das Familien-Unternehmen den Stromer stark weiterentwickelt. Mittlerweile greifen höhere Sicherheitsstandards, das Design im Exterieur, als auch im Interieur haben sich stark verändert. Geblieben ist die beliebte Tropfenform, welche in der Microlino-Community wahre Fans gefunden hat. Fans und Begleiter, welche das E-Fahrzeug maßgeblich prägen, wie Merlin aufzeigt. Alle Details zum Microlino 2.0 gibt es noch nicht; ein paar Schmankerl möchte man sich für die IAA aufbewahren.

Genug der einleitenden Worte, hör dir am besten das Interview mit Merlin Ouboter im Elektroauto-News.net Podcast an und erfahre selbst, was das Schweizer Familienunternehmen für die Zukunft noch geplant hat.

Shownotes:

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Transcript

  1. Intro:

    Elektro-Auto-News. Der Podcast rund um das Thema Elektromobilität. Mit aktuellen Entwicklungen, Diskussionen, Interviews und vielem mehr.

  2. Sebastian:

    Servus und herzlich willkommen zu einer neuen Folge des elektroauto-news.net Podcasts. Ich bin Sebastian und freue mich, dass du diese Woche wieder eingeschaltet hast, wenn wir uns mit der Welt der E-Mobilität beschäftigen. In der aktuellen Folge, kurz vor der IAA 2021 in München, habe ich mir Merlin Ouboter von der Firma Micro Mobility Systems an den Start geholt und wir haben uns nochmal ein wenig über deren Elektro-Leichtfahrzeug, den Micro Dino, mittlerweile 2.0 unterhalten. haben uns ausgetauscht über den Weg von dem ersten Konzept, das man 2015 hatte, über den Microlino 1.0, den man jetzt doch nochmal deutlich verbessert hat in puncto Design, Sicherheit, Fahrgefühl und so weiter, wo uns Merlin tiefe Einblicke gegeben hat, über die Bedeutung der Community in dem Entstehungsprozess des Stromers Und was eigentlich die Unterschiede sind zu anderen E-Fahrzeugen. Und da ist aus meiner Sicht eine sehr wichtige Aussage gefallen, der Micro Lino mit Fahrer und Gepäck wiegt weniger als manche Elektro-SUV-Batterie, die verbaut ist. Also ist schon eine Ansage, muss man ganz ehrlich sagen und hebt das Thema Nachhaltigkeit bei dem kleinen Elektro-Stromer nochmal auf ein anderes Level. Erste Infos, was man bei der IAA dann auch offiziell erfahren wird, haben wir auch in den Podcast mit reingepackt. Aber ich will gar nicht mehr lange drum herum reden. Hör einfach zu und lass dir von Merlin selbst erzählen, was sich bis zum Microlino 2.0 so alles getan hat. Servus Merlin, vielen Dank, dass du dir heute die Zeit nimmst, dass wir uns mal wieder im Podcast ein wenig austauschen über Microlino und was seit unserem ersten Gespräch, was mittlerweile schon im Dezember 2018 stattgefunden hat, in Folge 5 des Podcasts, ja so getan hat bei euch auf der Seite. Vielleicht magst du dich trotzdem nochmal kurz eingangs vorstellen für die neuen Hörer, die vielleicht die erste Folge nicht gehört haben und dann tauchen wir auch schon ein, würde ich sagen.

  3. Merlin Ouboter:

    Ja, hi Sebastian, vielen Dank für die Einladung auf jeden Fall. Ja, genau, kurz zu mir. Mein Name ist Merlin Auberter. Ich bin Co-Founder von MicroLino. Wir entwickeln so ein kleines Elektrofahrzeug. So ein City-Flitzer. Sieht relativ speziell aus, nämlich es hat eine Fronttüre. Man steigt also vorne ein und kann eigentlich drei dieser Fahrzeuge auf einen normalen Parkplatz stellen. Das ist so ein bisschen, was wir machen. Unser Hintergrund ist eigentlich ein bisschen ein anderer, nämlich... Mein Vater, Wim, hat 1997 den Micro-Roller erfunden, also den Tretroller, den man heutzutage kennt. Damals war er noch nicht elektrisch. Von dem her waren wir schon immer ein bisschen in dieser Micro-Mobility-Sphäre unterwegs und haben dann eigentlich 2015 mit diesem Macarena-Projekt gestartet.

  4. Sebastian:

    Vielen Dank, dass du uns da nochmal abgeholt hast sozusagen. Mikromobilität greift ja dann auch echt, also wenn man da drei von euren Fahrzeugen auf einen Stellplatz von einem normalen Auto oder E-Auto stellen kann, ja, ergibt auf jeden Fall mehr Sinn in der Stadt oder im urbanen Umfeld.

  5. Merlin Ouboter:

    Ja, definitiv, also das ist ein wichtiger Punkt, wobei wir natürlich auch sagen, also Man sagt natürlich immer, ja, es ist ein Stadtfahrzeug etc. Aber man darf natürlich auch nicht vergessen, dass natürlich die Bedürfnisse auch ein bisschen ausserhalb von der Stadt, also der sogenannte Speckgürtel, dass es da auch sehr praktisch ist und gut zum Einsatz kommt. Das merken wir auch so ein bisschen bei unseren Reservationen. Viele, die wirklich in der Stadt selber wohnen, die besitzen oftmals gar kein Auto mehr oder wenn man gute öffentliche Verkehrsmittel, Abdeckung hat und es ist eher für solche, die so ein bisschen rundherum wohnen und das eigentlich praktisch ist, um in die Stadt zu fahren.

  6. Sebastian:

    Definitiv, also ich muss auch sagen, für mich zieht es auch in Betracht, ich habe im Moment immer noch kein eigenes Fahrzeug, egal ob Fahrzeug oder E-Auto sozusagen, aber habe mir das auch schon überlegt, dass der eigentlich ideal wäre. Gerade für mich zum Pendeln zwischen zwei Städtchen reicht der vollkommen aus. Zum Einkaufen hat er genügend Platz, wie ich damals bei der Formel E in Berlin gesehen hatte, wo er vor Ort war, noch mit der ersten Variante des Stromers sozusagen. Und könnte mir den da auch echt gut vorstellen, gerade für diesen Einsatzzweck, den du jetzt eben auch genannt hast.

  7. Merlin Ouboter:

    Ja, definitiv. Also wirklich hinten hat man wirklich genügend Platz für... einen guten Wochenende einkaufen. Das passt wirklich.

  8. Sebastian:

    Ja, jetzt hast du ja selbst gesagt, ihr habt 2015 mit dem Projekt damals begonnen sozusagen. Seitdem hat sich ja einiges getan. Es gab dann die Ankündigung sozusagen für den MicroLino 1.0, nenne ich ihn jetzt mal, der dann auch mit einem Fertigungspartner Atega auf die Strecke gebracht werden sollte. Da gab es dann, wenn man freundlich ausgedrückt, ein paar Probleme, aber das können die Zuhörer, Zuhörerinnen gerne auch bei uns nachlesen im Portal. Dann wäre einiges dazu berichtet, auch mit Rückmeldung von euch eben schon. Das würde ich jetzt auch gar nicht mehr hier zum Thema machen, sondern würde dann tatsächlich darauf eingehen, dass ihr euch entschlossen habt, diese erste Variante des Microlino nicht auf die Straße zu bringen, sondern ihr habt gesagt, okay, wir wollen ihn noch verbessern, wir wollen da noch mehr für den Endnutzer sozusagen reinbringen. Und habt euch da eine neue Vision von dem Microlino 2.0 sozusagen erdacht? Vielleicht magst du da mal ein paar Worte zu verlieren. Was denn so die Hauptunterschiede sind von der ersten zur zweiten Variante und die Vision dahinter?

  9. Merlin Ouboter:

    Ja, also vielleicht eben nochmal zum Hintergrund. Also wir haben wirklich... Wir waren schlussendlich nicht ganz zufrieden mit der Qualität und auch gewissen Sicherheitsaspekten beim My Carina 1.0 und haben uns dann überlegt, wie können wir das alles verbessern und sind schon selten zum Schluss gekommen, dass wir gesagt haben, anstatt jetzt da irgendwie probieren, das noch ein bisschen auf ein neues Level zu bringen, starten wir eigentlich nochmal komplett neu. Das heißt, das Fahrzeug hat eigentlich fast nichts mehr miteinander zu tun, auch vom Aussehen her. Aber von der Struktur ist es komplett neu aufgebaut. Also da beginnt es eigentlich auch schon. Beim 1.0 hatten wir einen relativ einfachen Gitterrohrrahmen. Und jetzt haben wir wirklich so Automotive-Standard, eine selbsttragende Karosserie. Und ich würde sagen, das ist schon eine Neuerung, gerade in unserer Kategorie, weil wir ja nicht ein vollwertiges Auto sind, sondern eine Mischung zwischen Motorrad und Auto, sind wir da schon eigentlich fast die Ersten, die das in diese Kategorie bringen. Und das bringt halt einfach viel mehr Stabilität und Sicherheit mit sich. Dann ein weiterer Punkt, den wir natürlich verändert haben, war, sagen wir mal, die ganze Aufhängung. Also wir hatten am 1.0 eine Starrachse hinten. Und das haben wir jetzt ein bisschen geändert. Erst ist die Spur ein bisschen breiter, rund 50 Prozent breiter und hat jetzt überall eine Einzelradaufhängung. Das war so ein bisschen ein Punkt, durch das, dass eben die Räder hinten ein bisschen näher zusammen sind, dass man da fahrdynamisch dazu wirklich gut aufgeht. Auch in Kurvenlage haben wir das jetzt ein bisschen verbreitet, so dass es vom Design her immer noch diese Tropfenform hat. aber sicher fahrdynamisch einiges besser wird. Und ja, klar, ich sage jetzt mal, da gibt es extrem viele weitere Änderungen. Ich halte es mal kurz. Klar, der ganze Antrieb wurde überarbeitet. Wir haben ein bisschen einen stärkeren Motor, also E-Maschine und weiter auch eine neue Batterie verbaut. Also wir hatten vorhin LFP-Zellen und sind jetzt auf NMC umgestiegen, einfach um ein bisschen mehr Platz auch im in den Raum zu schaffen. Ja, und zu guter Letzt natürlich das Design. Das ist sicher das, was am meisten auffällt. Haben wir natürlich über Arbeiten ein bisschen mehr ins Moderne gebracht. Und da werden wir sicher noch ein paar spannende Neuerungen zeigen dann zur IAA.

  10. Sebastian:

    Das hört sich ja schon mal gut an. Jetzt würde ich kurz bei zwei Punkten noch einhaken, weil das so immer diese, ja, ich sag mal, die spannendsten Punkte für die E-Mobilisten dann auch sind, Antrieb und Reichweite. Kannst du zur Leistung des Motors was verraten und zur Reichweite des Fahrzeugs?

  11. Merlin Ouboter:

    Genau, also wir haben eine E-Maschine mit nominal 12.5 kW und ja, die hat auch relativ, also die hat ordentlich Ziff, also es tönt jetzt natürlich noch nicht wirklich viel, aber man muss natürlich immer bedenken, dass das Fahrzeug Leergewichte bei rund 400, ja gut, nein, bei 500 Kilometer Batterie ist das von dem her, das geht schon ordentlich ab. Und von der Batterie her, da kann ich noch nicht allzu viel verraten, weil das kommt eigentlich alles an der IAA raus. Was ich sagen kann, ist, dass es drei Batterieversionen geben wird. Also es kommt noch eine dazu. Und wird aber so von der Reichweite etwas ähnlich sein. Die große Batterie wird vielleicht ein bisschen mehr Reichweite haben. Okay, sehr gut.

  12. Sebastian:

    Ja, ist ja nicht mehr lang hin, da werden wir es ja dann mitbekommen sozusagen. Aber schon mal danke für den Hinweis mit den drei Batterievarianten. Jetzt war es ja so, dass bei MicroLino 1.0 auch eure Community eine große Rolle gespielt hat. die ihr da mit einbezogen habt, unter anderem den Designprozess, wie ich mich noch erinnere. Habt ihr die Community jetzt auch wieder für den 2.0er mit einbezogen und eingebunden, dass die quasi ihre Rückmeldung geben, ihre Ideen und dass ihr da quasi ja direkt aus der Masse der E-Mobilisten lernen könnt?

  13. Merlin Ouboter:

    Ja, absolut. Das war für uns eigentlich von Anfang an eigentlich etwas sehr Wichtiges, dass wir da unsere Fans auch mit auf die Reise mitnehmen und auch ein bisschen mitentscheiden lassen. Und ich glaube, das hat doch viele auch sehr interessiert, dass sie da so ein bisschen ihre Meinung mit einbringen konnten. Und es war halt einfach auch noch spannend zu sehen, weil wenn man so tief im Projekt ist teilweise, dann ist man nicht mehr objektiv. Und das war wirklich spannend, gerade bei so gewissen Designentscheidungen oder Farbentscheidungen, dass man da wirklich den Input bekommen hat von den Kunden direkt. Und ich finde, das ist eigentlich etwas, das auch grössere OEMs mal machen könnten, weil das finden natürlich alle immer extrem spannend und gibt einem wirklich super Input.

  14. Sebastian:

    Natürlich und du hast, denke ich, auch den Vorteil, dass die Community sich dem Fahrzeug oder euch, der Brand, dann noch mehr verbunden fühlt, weil man einfach auch merkt, okay, man wird ernst genommen und ihr habt halt auch den Vorteil, dass ihr ein Fahrzeug entwickelt, was eben sich direkt am Markt entlang entwickelt, sozusagen an den Bedürfnissen der späteren Fahrer und nicht jetzt, ich sage mal, Ja, so wie du gesagt hast, rein subjektiv bei euch betrachtet, was ihr jetzt erdenkt, okay, das wäre jetzt gut, die Farbe, und dabei kommt ihr überhaupt nicht an und ihr kriegt vielleicht einen komplett anderen Input, der dann doch nochmal ganz wertvoll für euch auch sein kann.

  15. Merlin Ouboter:

    Absolut, ja. Der einzige, sage ich mal, bisschen negative Punkt ist, dass es natürlich immer, sage ich mal, also ja, nicht Verlierer gibt, aber solche, die vielleicht das Fahrzeug vielleicht ein bisschen anders designt hätten als der Rest, oder? Und die sind dann vielleicht teilweise ein bisschen... Traurig, dass es dann nicht so rausgekommen ist, wie sie das gedacht haben. Aber das gehört auch dazu. Also ich meine, das ist halt, wenn man im Prozess eingebunden ist. Und ja, man hat immer solche, denen etwas anderes besser gefallen hätte, etc. Aber da muss man halt einfach einen Weg finden.

  16. Sebastian:

    Klar. Ich meine, wenn es danach gehen würde, hätte er eh, dass ein individuelles Fahrzeug da als Unikat auf dem Hof stehen oder auf dem Parkplatz wäre.

  17. Merlin Ouboter:

    Ja, genau.

  18. Sebastian:

    Und dass das schwierig ist, umzusetzen in Serie, ist dann auch klar. Von daher müsst ihr da, denke ich, einen gesunden Mittelweg nehmen, gucken, was die Masse möchte sozusagen, was auch praktikabel und umsetzbar ist. Und dann ist ja mal ein gesundes Mittelmaß da tatsächlich auf die Straße bringen damit. Genau. Jetzt ist es ja so, ihr habt oder das konnte man jetzt bereits im Vorfeld der IAA mitbekommen, ihr wollt das Fahrzeug dort vorstellen, so wie du jetzt auch gesagt hast, noch ein paar Infos dann unter anderem zur Reichweite, zu den Batterien dann mitteilen und nach der IAA soll es dann ja auch schon mit der Serie losgehen. Da kurz die Frage, geht es da schon um den Start der Serienproduktion oder sprechen wir da tatsächlich schon Auslieferung erster Fahrzeuge?

  19. Merlin Ouboter:

    Ja, also wir sprechen da schon von dem Start der Serienproduktion oder vielleicht auch noch als Hintergrund. Anfangs bei uns war es immer so, dass wir einen Produzenten gesucht haben, der für uns das Fahrzeug herstellt. Und jetzt haben wir aber entschieden, um einfach mehr Kontrolle zu haben, um auch die Kosten im Griff zu haben, haben wir uns entschieden, eigentlich unsere eigene Produktion zu starten. Und der Microlino wird in Turin in Italien hergestellt. Wir haben natürlich unseren Entwicklungspartner Checom, mit dem wir jetzt den 2.0 auch entwickelt haben, natürlich mit auch an Bord, aber in der Minderheit. Die bringen natürlich viel Know-how auch mit. Und ja, das heißt aber für uns natürlich, dass wir auch dort eine riesen Baustelle haben, dass wir da alles aufbauen müssen, das ganze Assembly Equipment und so. Aber ja, genau, es geht eigentlich um den Start der Serienproduktion. Und ja, also wir wollen, also das Ziel ist natürlich ganz klar, die ersten Fahrzeuge auch noch das Jahr auszuliefern.

  20. Sebastian:

    Und da reden wir jetzt dann in Anführungsstrichen nur von der Schweiz, wo ihr ausliefern wollt, oder dann auch schon Dachregion Europa?

  21. Merlin Ouboter:

    Also dieses Jahr wahrscheinlich eher Fokus auf die Schweiz und sag ich mal dann ab nächstem Jahr, wenn wir dann wirklich den Ramp-Up, also wirklich hochfahren können, die ganze Produktion, dann werden natürlich direkt auch andere Länder zukommen.

  22. Sebastian:

    Okay, jetzt sagst du schon Ramp-Up hochfahren, habt ihr schon Stückzahlen, kommuniziert ihr da was, was ihr anpeilt jetzt so, ich sag mal für ein vollständiges Projekt, also Jahr 2022, was peilt ihr da an?

  23. Merlin Ouboter:

    Ja, das kann ich so, in dem Sinne ist es immer ein bisschen schwierig zu sagen, weil es ist zum jetzigen Zeitpunkt schwer zu sagen, mittelfristig wollen wir uns einpendeln zwischen 7.000 bis 8.000 Fahrzeugen pro Jahr. Das ist eine gute Grösse und persönlich bin ich sehr überzeugt davon, das zeigen auch die Reservationen, die wir haben, ist der Der Markt ist sicher viel grösser für den Microlino, aber irgendwo muss man starten. Und ja, ich denke dann, sobald wir dann das Feedback haben vom Markt, ist natürlich auch die Möglichkeit, dass man da die Stückzahlen auch weiter hochfahren kann.

  24. Sebastian:

    Klar, ich denke, da ist es auch einfach vernünftig, dann eher realistisch und vielleicht ein bisschen pessimistischer, Genau. Aber die Nachfrage nach dem Fahrzeug ist schon da. Also es vergeht ja, glaube ich, kaum eine Woche, wo bei uns irgendwie ein Kommentar im Portal landet oder wo wir eine E-Mail dazukriegen. Ja, wie ist denn da der Stand? Hast du was gehört und so weiter? Und deswegen ganz gut, da jetzt mal aus erster Hand dann sozusagen wieder Infos weitergeben zu können.

  25. Merlin Ouboter:

    Sicher, sicher, ja, gerne.

  26. Sebastian:

    Jetzt ist es so, ihr seid jetzt aber bereits im Vorfeld der IAA. wo ihr dann eben die Serie kommuniziert habt, auch in die Testphase übergegangen und habt da dann auch gestartet, ich glaube, drei oder vier Prototypen, die ihr mittlerweile auf die Straße gebracht habt. Habt ihr währenddessen dann auch nochmal größere Veränderungen vorgenommen oder waren dann so, ich sage mal, die erste Vision, die ihr hattet, konntet ihr die dann schon relativ gut umsetzen? Wie ist das Ganze vonstattengegangen?

  27. Merlin Ouboter:

    Ja, also grundsätzlich muss man so sehen, ja, ich meine, die Prototypen, die haben natürlich unterschiedliche Stände, oder? Das ist so ein bisschen... während der Entwicklung gibt es da immer so Steps, wo man sagt, okay, jetzt wird ein Prototyp gebaut und die sind natürlich untereinander schon alle ein bisschen verschieden und haben natürlich schon ein paar Iterationsstufen, Lernstufen, aber schlussendlich jetzt der letzte, den wir hatten, der ist vom Serienfahrzeug schlussendlich nicht mehr groß anders. Der einzige Unterschied ist, dass teilweise dann da noch keine Serienwerkzeuge verwendet wurden. Aber das Ding ist, wir sind jetzt auch mitten in der Zulassung, in der Homologation. Das heißt, allzu große Änderungen wird das sowieso nicht geben.

  28. Sebastian:

    Okay, das heißt, ihr seid dann, ja gut, ich meine, IAA steht jetzt auch bevor, damit auch statt der Serienproduktion. Also ihr seid da schon relativ am Ende angelangt sozusagen mit eurem fertigen MicroLino 2.0.

  29. Merlin Ouboter:

    Genau, definitiv. Also das ist, sagen wir mal, von der Entwicklung eigentlich mittlerweile alles abgeschlossen natürlich. Wirklich die großen Punkte gehen in die Industrialisierung, wenn es wirklich geht, dass man all die Formen hat etc. Und da ist es halt gerade am Anfang so, dass man gewisse Teile sind schon bereit, gewisse Teile muss man noch warten etc. Das ist halt so eine Übergangsphase, wo dann, ja, bis man dann wirklich komplett loslegen kann, Vollgas dauert dann halt einfach ein bisschen.

  30. Sebastian:

    Klar, ist ja auch nachvollziehbar, dass es dann solche Wartezeiten gibt sozusagen, beziehungsweise wo ihr dann natürlich auch wieder auf eine Rückmeldung von anderen Partnern und Unternehmen wartet. Ja, Ihr werdet euch aber danach dann trotzdem nicht ausruhen sozusagen auf dem hoffentlich großen Erfolg des Micro Lino 2.0, sondern wollt auch weitermachen. Plant ihr dann schon, ich sag mal, das kommende Facelift für die nächsten Jahre dann irgendwann oder denkt ihr da schon in andere Fahrzeuge dann nochmal rein, wo ihr gehen wollt? Habt ihr da euch schon Ideen drüber gemacht oder liegt der Fokus jetzt im Moment rein auf dem 2.0er Micro Lino?

  31. Merlin Ouboter:

    Nein, das ist definitiv so. Also der Model-Update ist natürlich auch bereit im Plan. Da muss man ja immer ein bisschen vorausplanen, weil es gibt natürlich immer irgendwelche Punkte, wo man gesagt hat, okay, das schaffen wir jetzt nicht von der Entwicklungszeit, das müssen wir nachholen, etc. Und da haben wir einfach eine Liste, wo wir dann durchgehen und sind bereits jetzt die ersten Themen am Abklären. Das wäre so Thema Model-Update, aber wir haben natürlich auch viele andere Ideen, wie man den McQueen noch anderweitig einsetzen könnte. Oder auch, sage ich jetzt mal, die McRoletta wäre auch ein Beispiel, die werden wir natürlich auch an der IAA vorstellen nochmals, aber wo wir da auch mal in die Entwicklung starten können. Ich denke, sobald wir das alles mit dem McQueen in trockenen Tüchern haben und auch die Produktion läuft, dann denke ich, haben wir auch wieder mehr Kapazität, um neue Projekte in Angriff zu nehmen.

  32. Sebastian:

    Klar, um nochmal kurz aufzugreifen, die Microletter, das ist ein E-Roller, wenn ich es noch richtig im Kopf habe.

  33. Merlin Ouboter:

    Genau, richtig, ein Dreirad-E-Roller.

  34. Sebastian:

    Dreirad-E-Roller, das war das bloß unseren Lesern und Zuhörern, die da eben noch nichts mitbekommen haben, davon auch nochmal so aufführen und wäre natürlich eine gelungene Ergänzung und wird ja auch wieder in euer Feld der Mikromobilität oder Urbanmobilität auch im Umfeld dieses Speckgürtels dann wieder einzahlen. Jetzt habe ich noch einen Punkt, den ich gerne mal aufgreifen würde, dass wir vielleicht da nochmal drauf eingehen. Du hast es jetzt auch schon gesagt oder ich auch aufgegriffen. Wir reden bei Microlino 2.0 von einem Elektrofahrzeug, nicht Elektroauto. Kommt bei uns immer wieder auf diese Frage, gibt es denn dann auch den Umweltwettbewerb? Bonus für den Microlino, wie kann man den beantragen und so, kann man eben nicht, weil es eben ein Elektrofahrzeug ist. Kannst du für unsere Hörer dann nochmal die wesentlichen Unterschiede aufzählen, warum denn der Microlino jetzt als Fahrzeug sozusagen gewertet wird und nicht als vollständiges Auto?

  35. Merlin Ouboter:

    Ja, also genau, eigentlich nennt man diese Kategorie Leichtelektrofahrzeuge und die Bezeichnung ist eigentlich L7E. Und das ist einfach so ein bisschen die Einteilung in diese Fahrzeugklassen. Und der Unterschied ist, es gibt unterschiedliche Zulassungsklassen, eben diese L-Klasse, das ist eigentlich die Motorradklasse, die M-Klasse, das ist für Fahrzeuge und dann gibt es noch weitere für Lastwagen, Nutzfahrzeuge etc. Das Lustige ist eigentlich, dass der Mike Green, obwohl er eigentlich aussieht wie ein Auto, in der L-Klasse zu Hause ist. Und zwar eben L7E, also eigentlich in der höchsten Stufe. Und das heisst, es ist schon fast ein bisschen in der Schnittnähe von Motorrad und Auto. Und deswegen hat er auch ein bisschen andere Richtlinien. Zum Beispiel, wir haben eine Höchstgeschwindigkeit von 90 Stundenkilometern. Und wir haben auch ein Gesamtgewicht, das limitiert ist. Also wir dürfen ohne Batterie nicht schwerer als 450 Kilogramm sein. Und ja, da gibt es noch ein paar technische Feinheiten, aber so grundsätzlich sind das so ein bisschen die größten limitierenden Faktoren. Dies natürlich auch wieder eine Challenge ist, dass man das hinkriegt, vor allem das Gewicht. Aber ich denke ja, es ist natürlich eine Nische, die sehr interessant ist.

  36. Sebastian:

    Ja, definitiv. Und ich sage mal, mit 90 kmh Höchstgeschwindigkeit kann man ja dennoch zügig unterwegs sein im Alltag, Landstraße, Überland dann auch mal, ohne dass man sich da dann gleich wie so ein Bremsklotz sozusagen vorkommt für die anderen Fahrzeuge, die dort unterwegs sind oder Autos.

  37. Merlin Ouboter:

    Ja, definitiv. Das kann ich bestätigen. In den meisten Fällen, auch wenn man mal auf die Autobahn muss, was ja auch erlaubt ist. Klar, man ist nicht auf der linken Spur unterwegs, sicher in Deutschland nicht, aber ich denke, für kurze Strecken reicht das absolut. Und das Spannende ist natürlich, du hast es vorhin angesprochen, die Förderung. Ich meine, obwohl es eigentlich ein sehr nachhaltiges Fahrzeug ist, ich bringe immer den Vergleich, dass unser gesamtes Fahrzeug zusammen mit Fahrer und Gepäck im Fahrzeug im Kofferraum weniger als nur die Batterie eines Elektro-SCVs. Und einfach so ein bisschen, um den Leuten das so ein bisschen in den Kopf zu bringen, das Gewicht schlussendlich macht einen riesen Unterschied und schlussendlich auch zum Großteil der Energie, die aufgewendet wird, verantwortlich. Leider ist diese Kategorie noch ausgeschlossen von der Förderung, aber wir sind da eigentlich sehr zuversichtlich, dass sich das ändern wird.

  38. Sebastian:

    Das wäre ja schön. Das wird ja, ich sage mal, den Markt dann noch weiter öffnen, noch mehr interessierte E-Auto-Fahrer oder E-Fahrzeugfahrer dann sozusagen anziehen und es euch natürlich auch einfacher machen, da nochmal eine breitere Maß anzusprechen. Aber interessant finde ich vor allem auch den Vergleich, den du ja jetzt gezogen hast, dass ein E-SUV, also die Batterie von einem Elektro-SUV, mehr wiegt als das Fahrzeug von euch mit Gepäck und Fahrer. Das ist ja schon interessant. Das ist eine Ansage.

  39. Merlin Ouboter:

    Das ist absolut eine Ansage und ich finde, das ist vielen Leuten teilweise nicht so bewusst, weil man immer so denkt, ja Elektro gleich immer nachhaltig und ja klar, ein Stück weit kann man das schon sagen, sicher besser als wenn er ein Verbrenner ist, aber das hat meiner Meinung nach trotzdem nicht so viel mit Nachhaltigkeit zu tun, weil man bewegt trotzdem irgendwie zwei Tonnen mit sich, um ein paar Brötchen zu holen, das ist einfach komplett unsinnig. Und da finde ich, ja, darf man auch mal den Finger drauf halten und sagen, hey, es geht ein bisschen in die falsche Richtung.

  40. Sebastian:

    Definitiv. Ich meine, so wie du sagst, es ist schon mal gut, dass der E-SUV rein elektrisch unterwegs ist. Da haben wir schon mal einen Vorteil gegenüber den Verbrennerklötzen da. Aber natürlich muss diese Masse ja dann dennoch erstmal bewegt werden. Und gerade in puncto Nachhaltigkeit ist da dann doch nochmal mehr möglich sozusagen.

  41. Merlin Ouboter:

    Absolut, absolut, ja. Und das finde ich auch immer spannend, der SUV, was ist eigentlich der Einfluss weg vom SUV? Ich meine, mittlerweile ist es einfach ein Stadtfahrzeug geworden, das ist ja eigentlich völlig unsinnig. Aber der hat ja eigentlich den Ursprung Sports Utility Vehicle und gibt auch die Möglichkeit, höhere Lasten zu ziehen als ein normaler PKW. Das wissen auch viele Leute nicht unbedingt. Alle, die einen Anhänger haben, die verstehe ich absolut, wenn man da einen SUV besitzt. Das hat auch seinen Einsatzzweck. Aber eben, wenn man mal so ein bisschen sich darauf achtet, die wenigsten haben eine Anhängerkupplung und es ist eigentlich ein reines Lifestyle-Fahrzeug geworden.

  42. Sebastian:

    Das stimmt definitiv. Nee, das war doch jetzt aber auch wieder ein guter Abriss sozusagen von der Geschichte bei Marco Lino, was sich getan hat. Wir sind gespannt, was bei der IAA noch so rauskommt. Wird man bei uns auch im Portal natürlich nachlesen können sozusagen. Und ja, vielen Dank nochmal für deine Zeit, Merlin, dass du uns da nochmal diese Einblicke gegeben hast.

  43. Merlin Ouboter:

    Ja, danke vielmals für die Einladung. Hat Spaß gemacht.

  44. Sebastian:

    Ja, vielen Dank. Dann mach's gut. Bis demnächst.

  45. Merlin Ouboter:

    Merci. Bis demnächst.

  46. Sebastian:

    Vielen Dank, dass du dir Zeit genommen hast, in der aktuellen Folge reinzuhören, ein bisschen mehr über den Microlino 2.0 zu erfahren, die Pläne von den Autoboters, wie es weitergeht und jetzt sind wir, glaube ich, alle ganz gespannt auf die IAA, was man uns dann dort präsentiert, sozusagen im neuen Design, auch in Bezug auf Fahrsicherheit und ja. Aufbau des Fahrzeugs. Wir sind gespannt. Ich hoffe, du hast eine angenehme Restwoche oder angenehme Woche, die dir jetzt bevorsteht sozusagen und würde mich freuen, wenn du kommende Woche wieder einschaltest zur nächsten Folge des Elektroautonius.net Podcasts. Vielen Dank fürs Zuhören. Mach's gut. Bis dahin. Ciao.