Alexander Junge, Aral: Über politische Hürden und Gigahubs

Im Gespräch mit Alexander Junge, Aral

In einer neuen Folge des Elektroauto-News.Net-Podcasts hatte ich die Gelegenheit, erneut mit Alexander Junge zu sprechen, der bei Aral für den Ausbau der Ladeinfrastruktur in Deutschland verantwortlich ist. Das Gespräch bot tiefgehende Einblicke in die aktuellen Herausforderungen, politischen Rahmenbedingungen und Zukunftsperspektiven der E-Mobilität.

Aral feiert dieses Jahr sein 100-jähriges Jubiläum. Ursprünglich als Anbieter von Benzolkraftstoff gestartet, hat sich Aral über die Jahrzehnte durch Innovationen und mutige Investitionen ausgezeichnet, wie Junge im Gespräch ausführt. Heute bedient das Unternehmen rund zwei Millionen Kunden täglich an etwa 2400 Tankstellen. Als Member of the Executive Board of Aral AG sowie General Manager bp pulse, Central Europe erläutert er, wie Aral sein Netz kontinuierlich weiterentwickelt, indem es Ladesäulen für Elektroautos an seinen Tankstellen und anderen Standorten wie Rewe-Supermärkten und Burger King-Restaurants installiert.

Ein Thema unseres Gesprächs war das neue Gesetz zur Errichtung von 8000 Schnellladepunkten in Deutschland. Junge betonte, dass Aral aus eigenem Antrieb in die Ladeinfrastruktur investiert, anstatt durch gesetzliche Vorgaben gezwungen zu werden. Er forderte ein klares politisches Bekenntnis zur E-Mobilität und mehr Unterstützung, um den Markt anzukurbeln, insbesondere nach dem abrupten Ende der E-Auto-Förderung im Dezember des Vorjahres.

Beim Thema Ladeinfrastruktur erläuterte Junge, dass Aral Pulse bereits rund 2700 Ladepunkte an 400 Standorten installiert hat und den Ausbau weiter vorantreibt. Die positiven Rückmeldungen der Kunden auf die beleuchteten, bemannten Standorte, die oft zusätzliche Dienstleistungen wie Rewe to-go-Shops oder Burger King-Restaurants bieten, seien ermutigend. Besonders stolz ist Aral auf den baldigen Start des ersten Gigahubs, einem großen Ladezentrum, nahe einer Autobahn und in der Nähe des Fußballstadions in Mönchengladbach.

In puncto Preisgestaltung erklärte Junge, dass die Registrierung in der Aral Pulse-App günstigere Ladetarife ermöglicht. Zukünftig plant Aral Abo-Modelle, die gegen eine monatliche Gebühr noch attraktivere Preise bieten. Dynamische Preisanpassungen, ähnlich wie bei Kraftstoffen, könnten ebenfalls eine Rolle spielen, um die Nachfrage besser zu steuern, wobei sich Junge hierzu eher bedeckt hielt.

Ein weiteres wichtiges Thema war die Ladeinfrastruktur für LKWs. Aral hat bereits über 20 LKW-Ladestationen in Deutschland und plant den Ausbau auf 30 Stationen bis Jahresende. Diese speziellen Ladestationen, oft an Autohöfen gelegen, sind auf die Bedürfnisse von LKWs zugeschnitten. Speditionen zeigen großes Interesse an diesen Angeboten, da sie ihre Fahrerpausen zum Laden nutzen können. Junge erwähnte auch, dass Megawatt-Ladeleistungen in Planung sind, sobald die Technologie in Serie verfügbar ist.

Trotz der aktuellen Herausforderungen und einer verhaltenen Marktentwicklung bleibt Junge optimistisch, dass der Hochlauf der E-Mobilität sich ab dem nächsten Jahr beschleunigen wird. Dies sei nicht zuletzt auf die strengeren Flottengrenzwerte der EU zurückzuführen. Aral sieht die E-Mobilität als Wachstumschance und wichtigen Beitrag zum Ziel von BP, bis 2050 CO₂-neutral zu werden. Hör doch gerne selbst rein in die aktuelle Folge.

Shownotes:

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Transcript

  1. Intro:

    Elektroauto-News. Der Podcast rund um das Thema Elektromobilität. Mit aktuellen Entwicklungen, Diskussionen, Interviews und vielem mehr.

  2. Sebastian:

    Servus und herzlich willkommen bei einer neuen Folge des Elektroauto-News.net Podcast. Ich bin Sebastian und freue mich, dass du heute wieder eingeschaltet hast. In der aktuellen Folge ist Alexander Junge zu Gast, der verantwortlich ist für die Zielerreichung von Aral Beim Ausbau der Ladeinfrastruktur in Deutschland. Wir haben uns über politische Hindernisse, die aktuelle Situation der Ladeinfrastruktur in Deutschland unterhalten, aber auch, ob E-Mobilität eigentlich komplett vor dem Aus steht oder eben gerade nur eine Talsohle durchschreitet. Seine Meinung teile ich vollkommen und ich denke dir, du kannst dir auch schon denken, wohin die Reise geht. Künftig kannst du dir aber auch im Gespräch mit dem Selbst noch mal anhören. Die Tonqualität ist nicht ganz so ideal wie bei den letzten Podcast-Folgen, was einfach mit den Gegebenheiten bei der Aufnahme zu tun hatte. Nichtsdestotrotz. beide Ohren ein Stück weit zuklappen und dann noch reinhören, denn die Inhalte machen es dann doch aus. Spannende Einblicke von Alexander Junge in das Ladegeschäft von Aral. Wir gehen direkt rein ins Gespräch. Viel Spaß damit. Hallo Herr Junge, vielen Dank, dass Sie heute schon zum zweiten Mal im elektroauto-news.net Podcast zu Gast sind. Für diejenigen, die heute zum ersten Mal zuhören, können Sie sich vielleicht nochmal kurz selbst vorstellen und sagen, wer Sie sind, was Sie machen.

  3. Alexander Junge:

    Ja, hallo, ich freue mich wieder dabei zu sein. Mein Name ist Alexander Junge. Und ich leite das Elektroautoladegeschäft bei Aral.

  4. Sebastian:

    Und Aral hat ja da auch, ich sag mal, ein bisschen Geschichte in der Tankstelle, im Tankstellenbereich. Ihr feiert dieses Jahr euer Jubiläumsjahr, das heißt 100 Jahre Aral. Und jetzt müsst ihr euch gefühlt nochmal neu erfinden sozusagen. Vielleicht können Sie das mal ein Stück weit für uns einordnen, ob es denn tatsächlich dieser massive Wandel ist, jetzt von, ich sag mal, Verbrennertankstelle hin zur Tankstelle oder Anlaufpunkt für E-Autos und wie ihr das wahrnehmt bei euch in der Firmengeschichte oder in der Firma?

  5. Alexander Junge:

    Ja, in der Tat ist Aral eine der bekanntesten und traditionsreichsten Marken Deutschlands und sie wird dieses Jahr 100 Jahre alt. Und unsere Geschichte ist all die Jahre über eine Geschichte von Wegweisen, Erfindungen gewesen, oftmals auch mutigen Investitionen und origineller Werbung. Wir haben oft auch einschneidende Veränderungen bewusst vorangetrieben. Und haben heutzutage rund zwei Millionen Kundinnen und Kunden pro Tag an unseren ungefähr 2400 Aral-Stationen. Und wir haben in unserer Geschichte schon immer Mobilität für viele Menschen ermöglicht. Der Aufbau des Tankstellennetzes ab 1924 war eine Pionierleistung. Und die Firma selber ist sogar noch etwas älter. Wir haben also unsere Gründung als westdeutsche Benzol-Verkaufsvereinigung in Bochum im Jahr 1898 erlebt. Und wir entwickeln mittlerweile unser Tankstellennetz weiter. Zum Beispiel, indem wir Ladesäulen an den Tankstellen installieren, aber nicht nur dort. Das heißt, diese ganze Innovation, die wir im Laufe der 100 Jahre immer wieder gezeigt haben, zum Beispiel auch 1928, als die erste Ost-West-Atlantik-Überquerung mit einem Flugzeug gelang, das mit Benzolkraftstoff betankt wurde, Die führen wir gezielt fort und bereiten damit auch die Grundlage für die nächsten 100 Jahre.

  6. Sebastian:

    Das ist doch schön und vor allem, dass ihr dann auch natürlich als Unternehmen so lange in die Zukunft schaut, euch da aufstellt entsprechend und das Ganze auch sichtbar nach außen vorantreibt. Wir konnten gerade in der letzten Woche, war das glaube ich, wo Aral-Chef Achim Bothe ja auch ganz klar gesagt hat, wir setzen auf E-Mobilität, wir treiben das voran. Und so wie sie es eben auch schon ausgeführt haben, nicht nur an den Tankstellen selbst, sondern eben auch an anderen Orten, wo eben geladen werden muss. In dem Zusammenhang kam ja aber auch auf, Bundesregierung verabschiedet neues Gesetz, 8000 Schnellladepunkte werden errichtet. Ist es denn überhaupt notwendig, dass die Politik sich da in Anführungsstrichen einmischt und Vorgaben dafür macht oder regelt das der Markt an sich?

  7. Alexander Junge:

    Also wir haben da eine ganz klare Meinung. Wir sind zum einen erfreut, dass immer mehr Menschen, darunter auch solche, die politisch engagiert sind, dass die Tankstelle ein sehr guter Ort zum Laden ist. Wir haben an unseren Tankstellen 900 Rewe-to-go-Shops. Das ist ein Angebot, was unsere Ladekunden auch zu schätzen wissen. Und wir sind auch mit mehr als 20 Lkw-Ladestationen an Tankstellen schon längst Pionier, Marktführer und Vorreiter im deutschen Markt für Lkw-Laden. Aber eben können Sie schon entnehmen, dass wir aus freien Stücken sozusagen Laden an Tankstellen ermöglichen, dass wir unser Ladenetz an Tankstellen, aber auch an anderen Orten wie Burger King Restaurants, Rewe Supermärkten etc. aus eigenem Antrieb ausbauen, weil wir meinen, dass wir damit ein sehr gutes Angebot schaffen, was beim Kunden sehr gut ankommt. Was es dafür aber nicht braucht, ist eine Versorgungsauflage, mit der uns die Politik dazu zwingt. Das ist ein planwirtschaftliches Instrument, was in unseren Augen in einer Marktwirtschaft überhaupt nichts zu suchen hat.

  8. Sebastian:

    Wenn wir die Frage von andersherum stellen, was braucht es denn dann von Seiten der Politik, damit ihr in eurer Marktwirtschaft agieren könnt?

  9. Alexander Junge:

    Wir brauchen weiterhin Unterstützung der Politik für den Hochlauf der E-Mobilität. Das geht dieses Jahr langsamer vonstatten, als noch vor einem Jahr viele erwartet haben. Dabei hat sicherlich auch das relativ abrupte Ende geschehen. der Förderung des Absatzes von E-Autos im Dezember letzten Jahres beigetragen. Gleichzeitig vermisse ich auch ein klares Commitment der Politik zur E-Mobilität. Es gab nach dem Ende der Förderung Eigentlich kein Spitzenpolitiker, der sich hingestellt hat und gesagt hat, wir müssen die Förderung beenden. Das hat aber ausschließlich finanzielle Gründe. Es ändert sich nichts daran, dass wir in der E-Mobilität die Zukunft sehen. Wir als Firma sehen im Übrigen unverändert in der E-Mobilität die Zukunft. Wir sind überzeugt, dass sie sich, auch wenn der Hochlauf jetzt etwas langsamer geschieht, mittel- und langfristig durchsetzen wird. Und wenn die Politik natürlich im Rahmen des finanziell Machbaren, aber vielleicht auch allein schon durch ein klares Commitment und klare Aussagen die Immobilität weiter unterstützen könnte, wäre schon sehr viel gewonnen.

  10. Sebastian:

    Das glaube ich auch. Also gerade dieses klare Commitment, das ist auch das, was wir von OEMs zurückgespielt bekommen, von den Herstellern an sich, der Fahrzeuge, die deswegen ja auch ihre Investments ein Stück weit zurückhalten, obwohl sie eigentlich wissen, wir müssen jetzt investieren, um dann eben in den nächsten Jahren davon zu profitieren. Und das Gleiche passiert ja da auch im Ladeinfrastrukturbereich, wo ihr jetzt zwar, weil ihr das für euch entschieden und eingeordnet habt, entsprechend voranschreitet, aber der eine oder andere Marktbegleiter vielleicht noch ein Stück weit zögert und damit ja auch das Gesamtsystem wieder ausbremst. Das kann ich schon nachvollziehen, dass man da eher mal klare Kante beweisen sollte und eine klare Aussage in die eine oder andere Richtung, aber dann kann ja auch jeder Marktteilnehmer für sich entscheiden, wie er damit umgeht. Ihr habt euch entschieden, ihr baut weiter aus, ihr geht weiter voran. Wie ist denn der aktuelle Stand bei euch beim Ausbau von Aral Pulse? Wie sind eure Ziele? Haben die sich maßgeblich geändert seit unserem letzten Gespräch oder weiterhin auf Kursen?

  11. Alexander Junge:

    Wir halten weiterhin Kurs und bauen unser ultraschnelles Ladenetzwerk weiterhin kräftig aus. Wir sind jetzt bei rund 2700 Ladepunkten an bald 400 Standorten. Und sind damit einer der führenden Anbieter von Ladeinfrastruktur im ultraschnellen Bereich in Deutschland. Und wir haben erst kürzlich den 2,5-millionsten Ladevorgang verzeichnet. Nur knapp elf Monate, nachdem wir also den einmillionsten Ladevorgang hatten. Was auch zeigt, wie schnell unser Geschäft wächst. Nicht nur, weil wir unser Netzwerk ausbauen und da weiterhin kräftig rein investieren, sondern auch und vor allen Dingen, weil es beim Kunden gut ankommt. Die Kunden wissen zu schätzen, dass wir beleuchtete, bemannte Standorte haben, wie Araltankstellen, Burger King Restaurants, Rewe Supermärkte und bald auch andere. Die Kunden nehmen dieses Angebot gut an, auch die Möglichkeit, sich an den genannten Standorten etwas zu essen und zu trinken zu kaufen, dort auf Toilette zu gehen. Nirgendwo, wo wir Laden anbieten, bieten wir nur die nackte Ladesäule an. Wir bieten überall die genannten Zusatzangebote an. Und demnächst werden wir auch unseren ersten Gigahub auf der grünen Wiese sozusagen eröffnen, in der Nähe des Fußballstadions L. Mönchengladbach, in der Nähe einer Autobahnabfahrt, also an einem Ort, an dem viele täglich vorbeikommen auf der Autobahn und bequem den Ladehub erreichen können zum Laden, aber auch ein Ort, an dem viele regelmäßig zu Fußballspielen und anderen Veranstaltungen verweilen. Dem werden bald viele weitere Giga-Hubs folgen. Darüber hinaus haben wir unsere neue Aral-Pals-Lade-App gerade kürzlich gelauncht. Wir haben RFID-Ladekarten für unsere Kunden in den Markt gebracht. Und all das kommt beim Kunden auch sehr gut an. Wir sehen auch die Zahl der App-Downloads und der tatsächlichen App-Nutzung sich äußerst positiv entwickeln und besser, als wir angenommen hatten. Und all das ermutigt uns, weiter voranzuschreiten und weiter in dieses Geschäft zu investieren.

  12. Sebastian:

    Vielen Dank, dass Sie auch die Giga-Hubs angesprochen haben. Das habe ich bei Ihnen ja auch auf dem LinkedIn-Profil gesehen. Das war der Gigahub in Kremsdorf wahrscheinlich, den Sie gemeint haben. Und das wird eben auch dieses Beispiel sein, wo ihr dann eben auch fernab der Tankstelle an sich agieren werdet.

  13. Alexander Junge:

    Ja, Kremsdorf selbst ist sogar tatsächlich ein Beispiel auf einer Tankstelle. Aber auch das zeigt noch einmal das, was ich vorhin schon gesagt habe, dass Tankstellen auch sehr gut geeignete Orte sind zum Laden. Und insbesondere Autohöfe an Autobahnabfahrten bieten oftmals dann auch genügend Platz, um ein Gigahub zu errichten und eine zweistellige Anzahl Ladepunkte dort zu betreiben.

  14. Sebastian:

    Und jetzt betreibt ihr, oder Sie haben ja schon gesagt, in elf Monaten 1,5 Millionen zusätzliche Ladevorgänge auf die 2,5, die ihr jetzt erreicht habt. Also die Zeit spielt für euch, es geht schneller oder es schreitet schneller voran. Merkt ihr das auch in diesem Umfeldgeschäft, wo Sie jetzt schon gesagt haben, Revit to go, Burger King, eigene Shops vielleicht, also dass da auch eine gewisse Absatzsteigerung in der Quervermarktung noch vorhanden ist, weil man ist ja de facto länger vor Ort als jetzt mit einem Verbrenner in der Regel. Also ist das da auch spürbar für euch?

  15. Alexander Junge:

    Unsere Tankstellen-Shops erfreuen sich großer Beliebtheit, sowohl bei Fahrern von Verbrennern als auch bei Fahrern von Elektroautos. Und wir beobachten immer wieder auch, dass Elektroautofahrer in den Shop gehen, um dort etwas zu kaufen, um dort auch Zeit zu verbringen. Viele Shops bieten mittlerweile auch Sitzecken an. Und als Elektroautofahrer muss man ja im Gegensatz zum Tankkunden nicht unbedingt in den Shop gehen. Aber man kann es. Und wenn der Kunde das dann macht, während sein Auto draußen lädt, zeigt uns das, dass wir auch mit diesem Angebot weiterhin auf dem richtigen Weg sind. Und so haben wir auch gerade unseren Kooperationsvertrag mit der Rewe Tochter Leckerland um fünf weitere Jahre bis 2028 verlängert.

  16. Sebastian:

    Sehr schöne Entwicklung, vor allem wenn das dann auch wahrgenommen wird und gutes Argument ihrerseits. Natürlich muss der E-Autofahrer nicht gezwungenermaßen rein, um seinen Bezahlvorgang fortzunehmen. Das wird ja direkt an der Ladestation eben auch über eure neue App oder neue Lademöglichkeit mit der RFID-Karte gemacht. Wie wird das Ganze da eingeordnet? Weil wir haben es zumindest von den Medienbeobachtung wahrgenommen, dass eure Ladepreise doch als in Anführungsstrichen zu hoch wahrgenommen wurden. Ich würde es persönlich so sagen, dass ihr euch eigentlich ganz gut einfindet bei dem Wettbewerb auch, der vorhanden ist. Gibt es da eine Meinung dazu und wird da auch vielleicht das Thema dynamisches Pricing auch mal eine Rolle spielen in Zukunft oder bleibt man bei festen Tarifen?

  17. Alexander Junge:

    Also wenn man einen Kunden fragt, ist der Preis zu hoch oder ist er okay? Dann wird der Kunde natürlich immer antworten, dass er zu hoch ist. So mache ich das zumindest, wenn ich in eine solche Kundenbefragung gerate als Kunde und diese Frage bekomme. Das ist doch klar. Aber ich denke mal, dass wir preislich gut im Rennen liegen und dass wir ähnliche Preise wie unser Wettbewerb aufrufen. Wir haben dort auch unsere Angebotspalette verbreitert. Man kann zum Beispiel günstiger laden, immerhin volle 18 Cent pro Kilowattstunde günstiger, wenn man sich in unserer App registriert. Das Ganze ohne monatlichen Grundpreis. dann bekommt man einen deutlichen Abschlag gegenüber dem sogenannten Pay-as-you-go-Preis. Das ist also der Preis, den man zahlt, wenn man einfach seine IC-Karte oder Kreditkarte einliest und damit dann einen Ladevorgang bezahlt. Wir haben auch vor, das weiterzuentwickeln und auch sogenannte Subscription Packages zu bringen, die dann einen noch günstigeren Kilowattstundenpreis halten werden gegen eine monatliche Grundgebühr. Dann kann jeder für sich selbst auswählen, was für ihn das passende Angebot ist. Und insbesondere diejenigen, die etwas mehr fahren und häufiger unterwegs laden, werden dann sicherlich diese Angebote mit monatlicher Grundgebühr und dafür niedrigeren Kilowattstundenpreisen zu schätzen wissen.

  18. Sebastian:

    Davon kann man mal ausgehen und das ist ja auch der Ansatz, den Marktbegleiter von euch natürlich verfolgen. Jetzt stellt sich aber natürlich noch die Frage, ihr seid ja in sehr präsenter Lage, vor allem an der Autobahn, mit eurem Ladeangebot vorhanden, wo man ja dann aber auch über ein gewisses dynamisches Pricing, was abgebildet wird, eventuell auch die Zuführung von E-Autofahrer steuern könnte, die eben laden möchten. Ich sage mal, wenn jetzt weniger los ist, könnte ich ja entsprechend mit dem Preis runterladen. um dementsprechend da auch Kunden anzulocken. Wird das auch ein Thema sein oder bewegt man sich erstmal in diesem Subscription-Abo-Modell mit festen Preisen und dann eben abgestuften Preisen pro Kilowattstunde?

  19. Alexander Junge:

    Also der Markt entwickelt sich immer weiter und wir kennen aus dem Tankstellengeschäft, dass sich Kraftstoffpreise sehr viel häufiger ändern, als das derzeit beim Strompreis der Fall ist. Von daher sind wir sozusagen auf alles vorbereitet. Ich bitte um Verständnis, dass ich jetzt unsere Pricing-Strategie nicht in aller Öffentlichkeit ausbreiten kann, aber ganz klar Dinge, die im Markt durchaus schon vorhanden sind, wie Subscription-Pricing-Abo-Modelle, werden wir auch bald bringen und da spreche ich auch sehr gerne drüber. Wir werden den Kunden bestimmt auch das ein oder andere Mal positiv überraschen. Und damit es noch eine Überraschung bleibt, kann ich da leider heute noch nicht drüber sprechen.

  20. Sebastian:

    Sehr gut gelöst, dass ich die Frage stellen musste. War der noch klar? Gehen wir vielleicht zum Thema. wo wir eher drüber sprechen können, wir haben es ja jetzt schon über die Weiterentwicklung des Tankstellenladenetzes für den Pkw-Bereich gehabt, jetzt haben Sie ja vorhin auch schon erwähnt, dass ihr auch im Lkw-Bereich Nutzfahrzeug auf einem guten Weg seid. Vielleicht können Sie uns da ein Stück weit abholen, wo auch da die Perspektive gesetzt ist von eurer Seite aus.

  21. Alexander Junge:

    Ja, wir haben bereits etwas über 20 Lkw- Ladestationen in Deutschland in Betrieb. Lkw-Ladestationen Erfordern mehr Platz und müssen spezifisch für LKWs so gebaut sein, dass man also eine Ladespur hat und nicht eine Ladebucht. sodass der LKW dann auch geradeaus ausparken kann sozusagen und einfach durchfährt oder geradeaus wieder rausfährt nach Beendigung des Ladevorgangs. Die Spur muss breiter sein als eine Ladebruch. Die Spur muss lang genug sein für einen LKW und einen Anhänger. Es ist also auch nicht ganz leicht, das an jeder Innenstadt-Tankstelle zu errichten. Aber das Gute ist, dass wir gerade mit unseren Aral-Autohöfen an Autobahnabfahrten sehr gut gelegene Grundstücke haben, die auch heute schon von vielen LKW mit Verbrennungsmotor genutzt werden, um dort zu tanken oder zu pausieren, vielleicht sogar zu übernachten. Wir haben nun angefangen, als Erste hier im Markt systematisch so etwas auch für LKWs mit E-Motoren anzubieten. Wir haben bereits im Januar letzten Jahres unseren ersten Ladekorridor eingeweiht. der ungefähr 600 Kilometer entlang des Rheins, also auf der Strecke von Benelux Richtung Alpen elektrifizierte. Das waren die ersten damals sechs Stationen. Wir haben es deutlich ausgebaut, sind jetzt bei über 20 Stationen in Deutschland und wir werden bis Jahresende rund 30 Stationen erreichen. Das heißt, auch da investieren wir weiter, bauen weiter aus und stellen bei großen Speditionen auch ein wirklich steigendes Interesse fest. Der Schwerlast-Langstreckenverkehr fängt jetzt an, ernsthaft in Richtung Elektrifizierung der Fahrzeuge zu gehen. Und gerade so ein Konzept wie das eines Korridors, in dem die Ladestationen so positioniert sind, dass Fahrer ohnehin alle paar Stunden eine Pause machen müssen, dann zwischen zwei Pausen von einer Ladestation zur nächsten fahren können und ihre Fahrerpausen zum Laden nutzen können. Beziehungsweise dann auch über Nacht laden können, wenn sie ohnehin dort übernachten können. Dieses Konzept kommt sehr gut an bei vielen Speditionen.

  22. Sebastian:

    Und die Spedition, also der Gradmesser dafür, ist dann auch tatsächlich die Rückmeldung, wo dann... Bis dann direkt an euch herangetreten wird und wird gefragt, okay, könnt ihr diesen Bereich, ist der schon abgedeckt durch euch, was plant ihr da zukünftig oder wie kriegt man diese Rückmeldung? Sind das dann auch wahrscheinlich die Daten, die an den Stationen erfasst werden, die ja dementsprechend bei euch im System einlaufen?

  23. Alexander Junge:

    Genau, es ist sowohl als auch, wir erhalten solche Rückmeldungen direkt in Gesprächen mit Speditionen, die uns tatsächlich immer häufiger fragen, wann baut ihr denn an der und der Strecke eine Ladestation für LKWs? Aber wir können das auch unseren Absatzdaten entnehmen und sehen einfach, dass immer mehr LKWs an unseren existierenden Ladestationen laden. Und das ermutigt uns, das Netz für LKW-Laden weiterhin schnell und zielgerichtet auszubauen.

  24. Sebastian:

    Von was für einer Ladeleistung reden wir dann, wenn wir von diesen speziellen LKW-Ladestationen sind? Sind das dann im Megawatt-Bereich? Sind wir da eher bei 400-500 Kilowatt? damit wir uns das einfach mal ein Stück weit auch vorstellen können.

  25. Alexander Junge:

    Noch gibt es die Ladeleistung im Megawatt-Bereich leider nur in einigen wenigen Prototypen von Ladesäulen. Noch sind die nicht serienmäßig im Markt verfügbar. Wir haben vor, sie zu installieren, sobald sie dann auch serienmäßig von den Ladesäulenlieferanten ausgeliefert werden, was sehr bald der Fall sein wird. Noch sind das dann 300 und 400 kW Ladesäulen, was derzeit das schnellste ist, was an Ladesäulen im Markt serienmäßig verfügbar ist. Aber wie gesagt, Megawatt-Charging kommt und es kommt sehr bald.

  26. Sebastian:

    Das hört sich doch sehr positiv an. Wie ist es von der Einpreisung der Ladeleistung? Wahrscheinlich werden Sie jetzt auch nicht direkt darauf eingehen können, das ist mir klar, aber wird es da dann auch verschiedene Angebote geben für Speditionen beispielsweise, weil man ja nochmal eine andere Zielgruppe erschließt, die ist nochmal an sich viel kostensensitiver wahrscheinlich als der normale Endkunde. Ist das auch ein Thema, mit dem ihr euch beschäftigt?

  27. Alexander Junge:

    Damit beschäftigen wir uns natürlich auch und die großen Speditionen, aber eigentlich auch kleinere. Also ich muss sagen, alle Speditionen haben auch ein großes Interesse an zum Beispiel Abo-Modellen, in denen sie uns einen gewissen Mindestabsatz pro Monat bescheren und im Gegenzug günstige Kilowattstundenpreise bekommen. Das heißt, wir sind da, Natürlich auch dabei, uns auf die Wünsche unserer Kunden einzustellen.

  28. Sebastian:

    Auf der anderen Seite ist es natürlich für euch ja dann auch ein schönes planbares Geschäft, in dem ein Abo abgeschlossen wird oder eine gewisse Mindestabnahme, weil ihr dann auch eine Größe habt, mit der ihr dann wieder entsprechende Investitionen in euer Ladenetz planen könnt.

  29. Alexander Junge:

    Genau so ist es. So arbeiten wir mit unseren Partnern, nämlich den Speditionen, gemeinsam Hand in Hand daran, die Elektrifizierung auch des Schwerlastverkehrs

  30. Sebastian:

    schon mal zu Beginn ein Stück weit eingeordnet. Die allgemeine Perspektive auf die E-Mobilität ist positiv bei euch im Haus. Seht ihr diese Verzögerung, die wir jetzt 2024 durch verschiedenste Begleitgründe sehen, auf Dauer oder denkt ihr, dass wir auch schon in den nächsten ein, zwei, drei Jahren wieder mehr Fahrt in den Bereich E-Mobilität aufnehmen, wie es vielleicht Ende Dezember letzten Jahres noch der Fall war?

  31. Alexander Junge:

    Wir gehen davon aus, dass sich der Hochlauf der E-Mobilität bereits nächstes Jahr wieder deutlich beschleunigt. Da werden die strengeren Flottengrenzwerte der EU zu beitragen. Das heißt, wir haben momentan einfach eine vorübergehende Phase. Jegliche Unterstützung, die die Politik dabei geben kann, wie zum Beispiel durch ein klares Bekenntnis zum weiteren Hochlauf der E-Mobilität, hilft uns und auch unseren Marktbegleitern, durch diese Phase zu kommen. Aber nochmal, wir gehen davon aus, dass das einfach eine Phase ist und dass E-Mobilität sich mittel- und langfristig durchsetzen wird. Und damit begreifen wir als Firma sie auch als Wachstumschance. Das ist eine unserer, wir nennen sie auf gut Neudeutsch Transition Growth Engines. Also ein Wachstumsfeld, in dem wir unser Geschäft wachsen lassen können. und gleichzeitig ein CO2-freies Geschäft betreiben und weiter wachsen lassen. Von daher ein wesentlicher Beitrag auch zum Umbau unseres Konzerns. Wir wollen gemeinsam mit unserem Mutterkonzern BP bis spätestens 2050 komplett CO2-neutral werden, und zwar inklusive der Emissionen, die entstehen, wenn der Kunde unsere Produkte einsetzt. Und 2050 mag weit entfernt klingen, aber wir haben bereits für 2030 ambitionierte Zwischenziele. Von daher setzen wir dann auch sehr gerne auf das neue Geschäft mit Elektroautoladung. Es ist ein Wachstumsbereich und es ist ein Bereich, der zum Umbau unseres Konzerns beiträgt.

  32. Sebastian:

    Win-Win-Situation für alle Beteiligten sozusagen. Vielen Dank auch für die Einblicke auf den aktuellen Stand, auf die letzten 100 Jahre. So einen kleinen Ausblick auf die nächsten 100 Jahre, was uns erwartet, definitiv durch die E-Mobilität geprägt. Vielen Dank, Herr Junge, für Ihre Zeit und für die Einblicke.

  33. Alexander Junge:

    Ich bedanke mich und freue mich darauf, dass wir uns vielleicht in Kürze wieder sprechen. und dann über den weiteren Hochlauf der E-Mobilität und unseres Geschäfts sprechen können.

  34. Sebastian:

    Das war sie also auch mal wieder, die aktuelle Folge des ERN-Podcasts mit Alexander Junge, zu Gast von Seidner Rahl. Ich hoffe, du konntest einiges mitnehmen in Bezug auf den Ausbau der Ladeinfrastruktur hier in Deutschland. Ich habe es auf jeden Fall getan und blicke auch mit Zuversicht in die Zukunft der E-Mobilität. Ich freue mich, wenn du kommende Woche beim nächsten ERN-Podcast wieder einschaltest. Mach's gut, bis dahin, ciao.