Ursula Kloe: "PHEV Technik weniger das Problem, als Einstellung des Fahrers"

Oder: Warum Plug-In-Hybride doch nicht ganz so schlecht sind, wie man uns Glauben machen will.

Mit Ursula Kloé, Managing Partner JU-KNOW GmbH habe ich ich zuletzt über den Award Transforming Mobility für Mobilitäts- und Energiewende im Elektroauto-News.net Podcast unterhalten. In der aktuellen Folge haben wir uns dann aber ein Thema herausgesucht, welches in den vergangenen Wochen immer wieder stärker hochgekocht ist: Plug-In-Hybride und warum es gefühlt nur negative Meinungen dazu gibt. Gemeinsam haben wir versucht aufzuzeigen, warum Plug-In-Hybride doch nicht so schlecht sind, wie sie in den Medien dargestellt werden.

Aber hör doch am besten selbst in den Podcast und erfahre unter anderem wie kleine Wettbewerbe im Firmenumfeld dazu führen können, dass man mehr elektrisch mit einem Plug-In-Hybriden fährt. Denn wie meine Gesprächspartnerin auch erwähnt, ist weniger die Technik das Problem, sondern die Einstellung des Fahrers.

Wie immer gilt: Einfach rein hören. Es lohnt sich. Versprochen!

Shownotes:

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Transcript

  1. Intro:

    Elektroauto News. Der Podcast rund um das Thema Elektromobilität. Mit aktuellen Entwicklungen, Diskussionen, Interviews und vielem mehr.

  2. Sebastian:

    Servus und herzlich willkommen bei einer neuen Folge des ElektroautoNews.net Podcast. Ich bin Sebastian und freue mich, dass du auch diese Woche wieder eingeschaltet hast, wenn wir uns mit Themen rund um die E-Mobilität beschäftigen. In der aktuellen Folge habe ich mir Ursula Chloé, Managing Partner der JU-KNOW GmbH, ans Mikrofon geholt oder ja, mit ins Gespräch geholt und wir haben uns mal über Plug-in-Hybride unterhalten. In den vergangenen Wochen, Monaten ist ja die Diskussion immer stärker aufgekommen, wie schädlich Plug-in-Hybride doch eigentlich sind, dass sie doch kaum was Positives haben und es wurden immer vermehrt oder immer mehr die Kontrapunkte, also die Nachteile hervorgekehrt und ins Spiel gebracht, die eben so ein Plug-in-Hybrid mit sich bringt. Aber ganz schlecht sind sie eben auch nicht. Es kommt eben immer darauf an, wie man das Fahrzeug fährt. Und Ursula hat in dem Gespräch einen ganz wichtigen Satz getroffen. Die Technik ist nicht das Problem, eher die Einstellung des Fahrers. Und das gilt für Verbrenner, für Diesel, für E-Autos, als auch für Plug-in-Hybride. Und wir haben uns einfach der Frage genähert, warum Plug-in-Hybride doch nicht so schlecht sind, wie es eben in den Medien dargestellt wird. Ursula kann aus ihren eigenen Erfahrungen wenig erzählen, kann ja aufzeigen, wie bei ihr in der Firma gehandhabt wird, wie eben durch kleine Wettbewerbe das rein elektrische Fahren mit einem Plug-in-Hybriden eben gefördert wird. Aber das hörst du dir am besten einfach mal selbst an. Ich übergebe direkt ins Gespräch mit Ursula. Hallo Ursula, danke, dass du dir abermals die Zeit für ein gemeinsames Gespräch mit mir nimmst. Zuletzt hatten wir uns über die Bedeutung innovativer Ideen für die Mobilität von morgen unterhalten. Heute wollen wir uns mit den Vorteilen gegenüber Plug-in-Hybriden auseinandersetzen und warum die Teilzeitstromer eben doch nicht so verkehrt sind, wie sie teilweise in den Medien dargestellt werden. Bevor wir da allerdings einsteigen in das Thema, wäre es doch ganz nett, wenn du dich unseren neuen Zuhörern kurz vorstellst und warum du die richtige Ansprechpartnerin gerade für die aktuelle Plug-in-Hybrid-Diskussion bist.

  3. Ursula Kloé:

    Ja, vielen Dank, Sebastian, für die kurze Einführung. Ich stelle mich gerne kurz vor. Mein Name ist Ursula Chloé. Ich bin geschäftsführende Gesellschafterin von You Know in Heidelberg. Und wir beschäftigen uns mit Innovationen im Bereich Mobilität und Energie. Das heißt, wir unterstützen bei der nutzerzentrierten Entwicklung von neuen Lösungen bis hin zur Markteinführung und begleiten auch dann sozusagen in den Markt hinein. Und wir sind ein interdisziplinäres Team. Und was uns eint, ist die Leidenschaft für Mobilität in allen Facetten und auch die Freude am Ausprobieren von neuen Lösungen. Und warum sind wir für die Plug-in-Hybrid-Diskussion richtige Ansprechpartner? Zum einen, weil uns dieses Thema in unseren Projekten natürlich auch immer wieder begegnet und zum anderen, weil wir selbst einen Plug-in-Hybrid fahren und den zu über 80 Prozent elektrisch.

  4. Sebastian:

    Okay, danke Ursula erstmal für diese Einblicke und ja, du nimmst es vorweg, ihr könnt ja dann schon mal, du bist die richtige Ansprechpartnerin, Leidenschaft ausprobieren, nicht nur in Projekten, sondern auch tatsächlich praktisch dann mit eurem Plug-in-Hybriden, wo es sich ja auch nur mini handelt, soweit ich weiß oder wie wir im Vorgespräch schon hatten. Jetzt ist es ja so, dass aktuell in den Medien auch immer eine Pro-Contra-Diskussion für Gegenplug-Inhybride geführt wird. In den letzten Zeiten ist das Contra doch immer stärker im Kommen oder wird stärker herausgearbeitet von den verschiedenen Medienpublikationen. Aber eigentlich ist es doch gar nicht so verkehrt oder muss es ja nicht immer verkehrt sein, zwei Motoren mit sich herumzufahren. Welche Vor- und Nachteile kannst du denn jetzt so aus deinem eigenen Alltag, aus den Projekten mit reinbringen? Wie ist Plug-in-Hybrid-Fahren für dich?

  5. Ursula Kloé:

    Ja, ich habe es ja auch schon erwähnt. Wir kennen die Diskussion um die Plug-in-Hybride natürlich sehr gut aus den Medien. Auch bei dir auf Elektroauto News gab es ja einen Beitrag, der dann intensive Diskussionen zwischen Fans und Ablehnern ausgelöst hat. Genau. Und auch in unseren Beratungsprojekten, wenn es zum Beispiel um die Umstellung von Fuhrparks auf Elektromobilität geht, ist natürlich immer die Frage, mit oder ohne Plug-in-Hybrid, macht es Sinn, macht es keinen Sinn? Und ich glaube, wir kennen alle die Geschichte von diesem nicht ausgepackten Kabel im Kofferraum von Geschäftsfahrzeugen, wenn die nach der Leasingzeit zurückgegeben werden. Also das war selbst diese Woche beim AMS-Kongress auch thematisiert worden. Mein persönlicher Eindruck ist, da hat sich, glaube ich, was verselbstständigt. Da wird auch so ein Vorurteil wiederholt, ohne dass man genauer hinschaut oder nach den Hintergründen fragt. In der Story mag durchaus ein Funken Wahrheit stecken, aber aus meiner Sicht ist das nicht der Technik anzukreiden. Sicher gibt es Petrolheads, die die zwei Motoren nutzen, um dann ordentlich vom Fleck zu kommen, statt mit dem Elektromotor tatsächlich elektrisch zu fahren. Und klar kann man mit einem Plug-in-Hybrid auch ankreiden, dass er zwei Antriebe herumfährt, du hast es ja schon gesagt, und dass er eine Übergangslösung ist, aber das ist ja im Prinzip bei allen Innovationen so, dass zu Beginn jetzt noch nicht die perfekte Lösung am Markt ist und Ich denke, wir stehen bei der Wende hin zu nachhaltiger automobiler Mobilität durchaus noch am Beginn. Und der Hybrid ist aus meiner Sicht eine Übergangstechnologie, die sich aber weiterentwickelt wird. Das sehen wir ja jetzt schon bei den neuen Modellen, die jetzt 2020, 2021 auf den Markt kommen und die rein elektrische Reichweiten von um die 100 Kilometer dann bieten. Und bei aller Kritik, es gibt auch seriöse Studien, die nachweisen, dass ein Plug-in-Hybrid, wenn er elektrisch gefahren wird und dann auch mit erneuerbaren Energien, Strom aus erneuerbaren Energien geladen wird, ökologisch betrachtet, gegenüber einem Verbrennerfahrzeug auf jeden Fall die bessere Wahl ist. Da müssen wir vielleicht wieder differenzieren. Das ist sicher nicht für Außendienstler, die pro Tag 500 Kilometer und mehr fahren. Aber das ist auch so ein genereller Punkt. Also wir sollten für eine Transformation, und das ist eine Transformation, die wir da gerade sehen, sollten wir lernen, dass es nicht eine Lösung für alle gibt, sondern viele Lösungen, aus denen ich mir dann eine passende auswählen kann. Bisher hatten die Leute die Wahl zwischen Benziner und Diesel. Jetzt haben wir noch Hybrid und Vollelektrisch. Dann gibt es irgendwann vielleicht auch Brennstoffzelle. Es wird neue Kraftstoffe geben und so weiter. Das ist natürlich alles mega komplex. Und die natürliche Reaktion ist dann einerseits, dass man beim Bewerten bleibt und auf der anderen Seite natürlich dann auch gerne so auf das Perfekte wartet. Aber ich glaube, wir sind jetzt an einem Punkt, wo es auch darum geht, jetzt in diesem Übergang das zu nehmen, was es gibt, also die vorhandenen Lösungen, zum Beispiel ein Hybrid, und damit möglichst viel zu erreichen, sprich möglichst viel vollelektrisch zu fahren.

  6. Sebastian:

    Ja, du hast es doch ganz gut erfasst und auch nochmal so zusammengefasst, die ganze Geschichte. Für mich war jetzt der Satz ausschlaggebend oder ist mir hängen geblieben. Die Technik ist weniger das Problem, egal ob wir jetzt hier von einem hybriden, plug-in-hybriden E-Auto oder auch vielleicht Wasserstoff irgendwann mal reden, sondern es ist eher eine Einstellungssache. Und dann ist es halt noch die Thematik die, dass man sagt, okay, man muss den... Use Case sozusagen beachten, also wo wird das Fahrzeug eingesetzt, dass ein Außendienstler keine 500 Kilometer mit einem Plug-in-Hybriden sinnvoll fahren kann unbedingt oder vor allem mit einem E-Auto und das er mit einem Diesel dann zurücklegen sollte, ist klar. Aber ich denke jetzt, ihr seid ein gutes Beispiel dafür, für diese Reichweiten-Diskussion, um das auch da nochmal aufzugreifen, dass ein Plug-in-Hybrid je nach Einsatzzweck doch Ja, auf jeden Fall Sinn ergibt. Wie schaut es denn bei euch aus? Wie nutzt ihr euren Plug-in-Hybriden? Reicht euch die Reichweite aus im Alltag, um da möglichst viel elektrisch zurückzulegen? Oder seid ihr doch mehr mit der Verbrennerseite, also mit dem Verbrennermotor des Teilzeitstromers unterwegs?

  7. Ursula Kloé:

    Ja, also wir haben unseren Mini-Hybrid angeschafft, um ihn als Elektroauto zu fahren. Und wir wollten von vornherein so viel wie möglich voll elektrisch unterwegs sein. Und wir haben jetzt ein bisschen mehr als 25.000 Kilometer drauf. Die rein elektrische Reisweite liegt bei... Ja, etwa 40, 45 Kilometern bei normalen guten Sommertemperaturen. Im Winter natürlich ein bisschen weniger, aber wir haben es geschafft, diese 25.000 Kilometer zu mehr als 80 Prozent voll elektrisch zu fahren. Das heißt, wir sind keine guten Kunden mehr an der Tankstelle. Wie schaffen wir das? Wir fahren generell viele kurze Strecken. Wir nutzen das Parken konsequent immer zum Laden. Wir achten bei der Fahrweise auf Rekuperation und wir haben so eine firmeninterne Challenge, wie lange wir es schaffen, nicht zur Tankstelle zu müssen. Und ich persönlich freue mich immer jedes Mal, wenn ich von uns aus ins Zentrum fahre und auf der Bergabstrecke den Akku um drei oder vier Prozent aufladen kann. Und wir sehen auch in unseren Projekten, dass diese Nutzung, also so wie wir sie machen, bei denjenigen vorherrscht, die auch wie wir den Plug-in-Hybrid als Einstieg in die Elektromobilität sehen und auch so fahren. Das heißt, der Verbrennermotor ist so in der Wahrnehmung so eine Art Sicherheitsnetz für längere Strecken oder wenn man mal unterwegs ist in Gebieten, wo die Ladeinfrastruktur noch nicht so ausgebaut ist, wie man das gerne hätte und wie man es braucht. Aber dieser Spaß auch am elektrisch unterwegs sein. der ist sozusagen der Treiber der ganzen Geschichte und dann funktioniert es gut. Und ich habe auch auf deinem Blog gelesen, in diesen Reaktionen um diesen Artikel herum zum Plug-in-Hybrid, da gab es ja auch einige, die so unterwegs sind wie wir und die auch sagen, es funktioniert besser.

  8. Sebastian:

    Ja, definitiv. Also das ist auch die Erfahrung und die Rückmeldung, die wir in dem Artikel, den werde ich auch in den Shownotes dann verlinken, dass dann diejenigen, die es vielleicht noch nicht gelesen haben, auch nochmal nachlesen können, die wir dort mitbekommen haben, aber auch die ich per E-Mail oder direkten Kontakt eben mitgeteilt bekommen habe, dass es eben dann auch wieder diese Einstellungssache ist. Und das hast du ja wunderbar gesagt. Ihr habt ihn angeschafft, um als E-Auto zu fahren. Das unterstreicht ihr mit den 80 Prozent von 25.000 Kilometern. Also das ist ja schon eine Ansage, die ihr da zurückgelegt habt. rein elektrisch, auch mit viel Gedanken dahinter, viel Kurzstrecke, Parken zum Laden nutzen, rekuperieren, die Challenge, auf die wir dann später auch nochmal eingehen werden. Also die nächste Frage, die ich eigentlich stellen wollen würde, war eigentlich, sind Plug-in-Hybride oder siehst du Plug-in-Hybride als Wegbereiter Richtung E-Mobilität? Das würde ich jetzt mal mit einem klaren Ja beantworten aus deiner Sicht. Und Wie wahrscheinlich ist es denn, dass ihr jetzt dann tatsächlich auch den Mini-Plug-in-Hybrid neu die Erfahrung daraus nehmt, um dann im nächsten Step sozusagen auf ein reines E-Auto umzusteigen?

  9. Ursula Kloé:

    Du hast jetzt meine Antwort schon vorweggenommen. Ja, klares Ja. Also für uns und für die eben beschriebene Zielgruppe auf jeden Fall ist der Plug-in-Hybriden-Einstieg in die E-Mobilität. Ich meine, mit den größeren Reichweiten kann es jetzt durchaus sein, dass man zu dem Schluss kommt, wir reichen eigentlich im Alltag von Montag bis Freitag. Und an den meisten Wochenenden diese von mir schon erwähnten 100 Kilometer aus. Und ich bleibe dann beim Plug-in-Hybrid, vielleicht noch beim nächsten Fahrzeug. Aber es ist auf jeden Fall ein Weg in die Elektromobilität. Weil Wir wissen ja auch, dass das Ladenetz immer besser wird und insofern braucht man diese Sicherheit des Verbrenners nicht mehr. Also ich würde sagen, wenn man mit einem Hybrid elektrisch, vollelektrisch im Wesentlichen unterwegs ist, ist man fast enttäuscht, wenn man den Verbrenner zuschalten muss und das erleichtert dann auch den Umstieg nochmal.

  10. Sebastian:

    Ja, das glaube ich. Jetzt ist es ja so, dass ihr nicht nur mit eurem eigenen Plug-in-Hybriden Erfahrung sammelt, sondern ihr habt ja auch entsprechende Rückmeldungen aus euren Projekten, aus Gesprächen mit Fuhrparkmanagern. Wie ist denn deren Einstellung zu den Teilzeitstromern und wie funktioniert die Integration von Plug-in-Hybriden in deren Flotte? Zu Beginn hast du ja auch gesagt... Das ihr bei der Umstellung von Fuhrparks unterstützt sozusagen, wo ja auch immer die Frage ist, bringt man Plug-in-Hybride als Schritt zwischen rein mit ein in das Thema oder geht man direkt auf E-Autos? Vielleicht kannst du da ein wenig davon erzählen.

  11. Ursula Kloé:

    Ja, mache ich gerne. Ja, also die Frage, wie funktioniert die Integration in die Flotte? Die funktioniert sehr gut bei denen, die das Thema intensiv begleiten, also die nicht nur die Fahrzeuge anbieten, sondern das Ganze als sozialen Prozess begreifen. Das heißt, ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Anfang an einbeziehen und abholen, wo sie stehen mit ihren Einstellungen und mit ihrer Meinung zu Elektromobilität und diesen sozialen Austauschprozess in einer Firma, der ja da ist, nutzen, um dieses Thema Elektromobilität dann auch in den Köpfen und ich würde sagen, in den Herzen der Leute zu verankern. Und ja, Umstellung auf Elektromobilität ist eine Transformation und diese Transformation ist immer ein sozialer Prozess. Und insofern, wenn man das versteht und entsprechend handelt, dann gelingt auch die Integration. Dann versteht man die Schwierigkeiten, die die Leute haben, dann versteht man die Bedenken, die die Leute haben und kann sie dann entsprechend begleiten und kriegt die Umstellung dann auch reibungslos und zufriedenstellend für alle hin, weil darum geht es ja dann letztendlich auch.

  12. Sebastian:

    Ja, definitiv, damit das halt auch eben entsprechend einfach dann integriert werden kann, ohne da nochmal Fallstricke aufzubauen für so Unternehmen oder für die Fuhrparkmanager. Im Vorgespräch, das wir auch geführt hatten vor dem Podcast eben, hast du mir auch zu verstehen gegeben, dass Plug-in-Hybride gerade für die Verfechter von Verbrennern, also die Petrelheads, wie du sie vorhin so schön genannt hast, eigentlich doch eine gute Möglichkeit sind, mit der E-Mobilität in Berührung zu kommen. Warum das so ist, das hast du ja durch deine Antworten eben schon zu verstehen gegeben. Was mir aber wichtig wäre, wie unterstützt ihr Fuhrparkmanager, Fuhrparkflotten dabei bei der Elektrifizierung oder auch Teilelektrifizierung der eigenen Flotte? Wie könnt ihr dazu beitragen, dass es auch im Herzen verankert wird, wie du es so schön bildlich dargestellt hast? Und da hast du mir das Stichwort Gamification, also diese Challenge, die du ja auch bei euch im Unternehmen angesprochen hast, mit auf den Weg gegeben. Vielleicht magst du dazu ein paar Worte verlieren.

  13. Ursula Kloé:

    Ja, ich denke, bei Leuten, die sich von vornherein für Elektromobilität interessieren, ist es ja vergleichsweise einfach, die dann auch bei einem Hybrid dazu zu bringen, den voll elektrisch zu fahren, weil sie intrinsisch motiviert sind und das selber wollen und die interessieren. Leute, die jetzt eher noch das Benzin im Blut haben und vielleicht sich aufgrund der Unternehmenspolicy und dieser attraktiven 0,5 Prozent Besteuerung für einen Hybrid entscheiden, aber eigentlich kein großes Interesse haben, das Fahrzeug elektrisch zu fahren. Da muss man mit Informationen arbeiten. Da muss man ja auch Anreize setzen, damit diese Fahrzeuge rein elektrisch gefahren werden und damit da ein gewisser Gewöhnungseffekt einsetzt beim Elektroantrieb. Also dass man sozusagen vom Gewohnten abkommt und das Neue nutzt, was dieses Fahrzeug bietet. Und dann stellt sich aus unserer Erfahrung und auch aus der Erfahrung der Fuhrparkmanager diese Begeisterung für dieses besondere Fahrgefühl ein, für dieses leise Dahingleiden, auch für dieses Wissen, dass man lokal emissionsfrei unterwegs ist. Und wenn man dann einen Hybrid hat, der 80 oder 100 Kilometer Reichweite hat und man hat so diese normale Pendelstrecke, dann kommt man ja drei, vier Tage weit, ohne dass man wieder aufladen muss. Das heißt, auch dieses Thema Laden lässt sich dann ganz gut in diesen eigenen normalen Alltag integrieren und ist dann nicht mehr so, nicht mehr so problematisch, weil diese Umstellung vom Tanken aufs Laden ist ja was, was die Leute auch beschäftigt und auch teilweise davon abhält, sich der Elektromobilität zu nähern. Und das kann man ja über eine entsprechende über entsprechende Anreize, also so wie wir das auch gemacht haben, dass man sagt, man macht jetzt eine Firmenin-Teile-Challenge, wer am seltensten tankt oder man macht eine Challenge, wer am weitesten kommt mit seiner Akkuladung, also wer jetzt sozusagen durch die Fahrweise, über Rekuperation und so weiter in der Lage ist, die Reichweite noch ein bisschen auszudehnen. Das sind alles so Punkte, die man dann über den Fuhrparkmanager da einsteuern kann.

  14. Sebastian:

    Und das habt ihr auch schon gemacht und habt da auch schon eine Rückmeldung, also kommt das auch an bei den Mitarbeitern oder tun die das dann eher ab so als, ja, was fällt denen jetzt ein, haben sie keine anderen Argumente da, Plug-in-Hybrid oder E-Autos an den Start zu bringen?

  15. Ursula Kloé:

    Nee, also wir gehen ja jetzt, also was wir machen in unseren Projekten ist, dass wir nicht einfach jetzt sagen, nach 0815, wir haben ja eine Idee für Gamification, das macht ihr jetzt einfach, sondern bei unseren Projekten geht es auch darum, sozusagen für die entsprechende Firmenkultur und für die entsprechenden Fahrprofile, die die Leute haben, auf der einen Seite sozusagen das Thema, die technische Seite zu beraten und da auch ganz klar zu sagen, was geeignet ist und was weniger geeignet ist. Und auf der anderen Seite dann auch diese Informationsseite und diese Gamification-Seite eben so zuzuschneiden, dass sie auf die Leute passt. Und bisher war die Begeisterung immer groß. Da ist es uns durchaus gelungen, da immer was zu entwickeln mit dem Fuhrparkmanagement zusammen, was dann auch zu dem Unternehmen gepasst hat und wo die Leute auch gerne mitgemacht haben. Und was auch noch so ein Faktor ist, den ich gerne ergänzen würde, ist, dass so ein Fuhrparkkonzept ist ja auch eine dynamische Sache. Das heißt, wenn man dann so eine Einführung von Elektromobilität eben auch mit solchen Maßnahmen begleitet, hat man ja auch die Möglichkeit, da die Erfahrungen einzusammeln und das wiederum zu nutzen, um dieses Fuhrparkkonzept immer wieder anzupassen. Denn der Markt ist dynamisch. Die Einstellungen auf den der Seite der Gesellschaft sind, dynamisch. Wir sehen jetzt auch gerade in dieser Corona-Zeit, dass Menschen doch da jetzt feststellen, dass weniger Verkehr auch weniger Lärm und weniger Luftverschmutzung bedeutet, dass dieses Thema interessanter wird für die Einzelnen. Das heißt, das sind alles so Punkte, die man dann da einbeziehen kann und die es dann ermöglichen, ein passgenaues Fuhrparkkonzept zu haben, das man immer wieder anpassen kann.

  16. Sebastian:

    Das passt jetzt auch ganz gut zu deinen Antworten, die du bisher gegeben hattest, wo du gesagt hast, es ist euch auch wichtig, in diesen sozialen Austausch zu gehen, den Einzelnen dort abzuholen, wo er eben ist. Auch die Lösung für den Fuhrpark zu finden, die dann für das einzelne Fahrkonzept auch wieder stimmig ist. Außendienstler Plug-in-Hybrid hat wer schon das Thema dafür. Also das ist ja dann auch nur sinnvoll und zielführend tatsächlich, dass ihr sagt, die Gamification, diese Challenges richtet ihr auch nach der jeweiligen Firmenkultur dann aus, um dann eben auch die Mitarbeiter oder die betroffenen Personen sozusagen so bestmöglich abzuholen.

  17. Ursula Kloé:

    Genau, richtig, ja.

  18. Sebastian:

    Gut, das hört sich gut an. Jetzt bin ich Mitglied eines solchen Challenges und soll da mit meinem Plug-in-Hybrid möglichst weit kommen oder möchte da vielleicht den Titel holen, den Firmenintern. Kannst du uns als Plug-in-Hybrid-Fahrerin so ein paar Tipps mit auf den Weg geben, was du so machst, um das Beste aus deinem Teilzeitstrom herauszuholen?

  19. Ursula Kloé:

    Naja, ich habe es vorhin schon gesagt, also die Fahrweise muss man schon ein bisschen umstellen und anpassen. Also vorausschauend fahren, wenn man in der Stadt unterwegs ist, schon immer gucken mit der Ampelschaltung, wenn es auf gelb und rot schaltet, dann eben den Fuß vom Gaspedal zu nehmen. damit er gleich in Rekuperation geht. Beim Bergabfahren entsprechend gucken, dass man die maximale Rekuperation bekommt. Überall, wo man länger als eine Viertelstunde ist, gucken, dass man laden kann. Also auch kurze Standzeiten machen durchaus Sinn, auch wenn es nur ein paar Prozent sind. Ja, ansonsten, also es ist jetzt nicht so, dass ich im Winter ohne Heizung fahre oder im Sommer nicht die Fenster öffne. Also es ist schon so, dass wir alle und ich auch das Auto nutzen, wie man ein Auto eben nutzt, auch mit Radio und Telefon und allem drum und dran, also mit den ganzen Stromverbrauchern. Was man jetzt zum Beispiel bei der E4-Testival-Reichweiten-Challenge, die wir ja jedes Jahr haben, die Teams dann durchaus machen, dass die dann tatsächlich... 2019 im Juni ohne Klimaanlage fahren und die Fenster zulassen. Also so fahren wir nicht, aber man kann im normalen Spielraum hat man da schon so ein paar Möglichkeiten, ja.

  20. Sebastian:

    Ja, das hört sich gut an. Auch, dass du das Auto nutzt, wie das Auto gedacht ist und dann eben nicht alle Verbraucher abschaltest, nur um da noch einen Kilometer oder zwei weiterzukommen. Ja, dann vielen Dank für das Gespräch, Ursula. War mir wieder sehr interessant, auch so diese Einblicke aus der Praxis, sowohl aus eurer eigenen als auch aus den verschiedenen Projekten und freue mich, wenn wir uns demnächst mal wieder austauschen zum Thema aus der Welt der E-Mobilität.

  21. Ursula Kloé:

    Vielen Dank für die Möglichkeit, auch über dieses Thema hier in deinem Podcast sprechen zu können. Es hat wieder großen Spaß gemacht und ich freue mich schon aufs nächste Mal und aufs nächste Thema.

  22. Sebastian:

    Genau, bis dahin.

  23. Ursula Kloé:

    Bis dahin, tschüss.

  24. Sebastian:

    Das war es dann auch schon, das Gespräch mit Ursula. Und war doch ganz interessant, wie ich finde, man hat doch unterschiedlichste Ansätze gehört, wie man doch das Beste aus so einem Plug-in-Hybriden rausholen kann, wie ein Plug-in-Hybrid zum Teilzeitstromer als Brücke in die reine Elektromobilität eben dienen kann. Und wie man das auch bei größeren Fuhrparks dann eben unterbringen kann, indem man einfach die Mitarbeiter auf ihre eigene Art und Weise anspricht, ihnen einen Wettbewerb mit reinnimmt und dadurch eben auch so ein bisschen Neugier weckt an einer neuen Technologie. Und ich denke, wenn die dann einmal Strom gefühlt haben, um es mal irgendwo zu versinnbildlichen, wollen die da auch gar nicht mehr davon weg. Weil das ist einfach ein ganz angenehmes Gefühl, wenn man rein elektrisch unterwegs ist und findet den Ansatz, der sehr vernünftig den Ursula mit ihrem Team verfolgt. In den Shownotes habe ich dir noch ein paar weiterführende Links zu Artikeln aufgeführt, die Thema unseres Gesprächs waren, die aber aus meiner Sicht auch so ganz gut zu der ganzen Thematik und Diskussion passen und hoffe, dass du da jetzt einfach ein bisschen Futter mitgenommen hast, falls es bei dir im Bekanntenkreis oder im Freundeskreis mal wieder zur Diskussion kommt, ob Plug-in-Hybride wirklich so schwachsinnig sind, wie sie denn teilweise dargestellt werden in den Medien. Und da kann man jetzt ganz am Ende einfach sagen, die Wahrheit liegt wieder irgendwo dazwischen und es kommt immer auf den jeweiligen Fall drauf an. Dir vielen Dank fürs Zuhören. Mach's gut. Bis dahin. Ciao.