Simply Charging: Sparen beim E-Laden leicht gemacht

Im Gespräch mit Emanuel und Albert von Simply Charging

In diesem Gespräch im Elektroauto-News.net-Podcast mit Emanuel und Albert, den Gründern von Simply Charging, geht es um die Entwicklungen und Herausforderungen ihres Start-ups im Bereich der Elektromobilität. Simply Charging ist eine App, die es Elektroautofahrer:innen ermöglicht, die günstigsten Ladetarife zu finden. Mittlerweile ist das Unternehmen seit einem Jahr am Start und hilft, dass man in Österreich, Deutschland und der Schweiz, deutlich vereinfacht und günstiger laden kann. Die App zeigt nicht nur die günstigsten Preise an, sondern informiert auch über die Verfügbarkeit der Ladestationen und andere relevante Details.

Die Gründer erklären, dass seit ihrem letzten Podcast-Auftritt vor einem Jahr, die Benutzerbasis ihrer App signifikant gewachsen ist und sie nun täglich zwischen 500 und 1000 aktive Nutzer:innen haben. Sie haben die Anzahl der Ladestationen in ihrer Datenbank erheblich erweitert und bieten neue Funktionen wie die Integration in Android Auto und Apple CarPlay, wodurch Nutzer:innen die App direkt über das Fahrzeugdisplay bedienen können.

Trotz der technologischen Fortschritte und des Nutzerwachstums stehen Emanuel und Albert vor Herausforderungen, insbesondere in Bezug auf die Finanzierung. Sie betonen, dass ihre App werbefrei bleiben soll und sich stattdessen durch eine kostenpflichtige Pro-Version finanziert, die erweiterte Funktionen bietet. Diese Entscheidung wird jedoch von einigen Nutzern kritisiert, die nicht verstehen, warum sie für eine App bezahlen sollen. Die Gründer sehen es als essenziell an, den Mehrwert ihrer App zu kommunizieren, vornehmlich die möglichen Ersparnisse durch günstigere Ladetarife.

Die Diskussion berührt auch die Dynamik des E-Mobilitätsmarktes, einschließlich der aktuellen Trends zurück zum Verbrenner und die steigende Professionalisierung und Dynamisierung von Ladetarifen. Eine Herausforderung, für die es Lösungsansätze gibt, die relativ unkompliziert ausgerollt werden können. Wir gehen direkt rein in die Folge. Viel Spaß beim Zuhören.

Shownotes:

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Transcript

  1. Intro:

    Elektroauto News. Der Podcast rund um das Thema Elektromobilität. Mit aktuellen Entwicklungen, Diskussionen, Interviews und vielem mehr.

  2. Sebastian:

    Servus Nets, willkommen bei einer neuen Folge des Elektroauto News 100 Podcast. Ich bin Sebastian und freue mich, dass du diese Woche wieder eingeschaltet hast. In der aktuellen Folge habe ich Emanuel und Albert von der Mobile App Simply Charging zu Gast. Die beiden nehmen sich schon seit über einem Jahr dem Thema Laden an. Laden im Sinne von, wie kann ich hier zum günstigsten Tarif laden? Sprich, du bekommst bei deinem Ladepunkt angezeigt, welcher Ladetarif die günstigste Wahl für dich ist. Im Premium-Abo gibt es noch ein paar Möglichkeiten oder Upgrades mit dazu, wo du noch ein paar mehr Optionen bekommst und das Premium-Abo hat sich normalerweise nach ein, zwei Ladevorgängen eben schon gerechnet. Insofern ruhig mal reinhören, ein bisschen erfahren, wo du eben günstiger laden kannst. Hi Emanuel, hi Albert. Vielen Dank, dass ihr wieder hier im elektroauto-news.net-Podcast zu Gast seid. Ihr wart ja vergangenes Jahr schon mal hier und habt ein bisschen über euch und über Simply Charging gesprochen, eure App, die Ladetarife einfacher, greifbarer und vor allem günstiger für E-Autofahrer machen soll. Jetzt haben wir ja bestimmt den ein oder anderen Zuhörer, Zuhörerinnen, die noch nicht mit am Start waren. Von daher stellt euch gerne selbst nochmal vor, erzählt mal ein bisschen was über eure App Simply Charging und vielleicht auch, was sie seit dem vergangenen Podcast getan hat.

  3. Emanuel Ulz:

    Ja, hallo von unserer Seite. Mein Name ist Emanuel. Ich befinde mich noch immer in der Südoststeiermark in Österreich. Ja, ich bin... Personaluniongründer und Geschäftsführer von Simply Charging. Simply Charging ist die einfachste Lade-App, die es gibt. Sie soll als Endziel dem Kunden oder Benutzer, Benutzerinnen einfach nur den günstigsten Ladepreis zeigen, der an der jeweiligen Ladesäule vorhanden ist, weil wir ein riesiges Wirrwarr um die Ladetarife haben, ein undurchblickbarer Dschungel. Man kann das selbst eigentlich nicht machen. Also Handy raus, unsere App starten und man weiß, wie man günstig laden kann.

  4. Albert Liebmann:

    Genau, und ich bin der Albert und bin für die Software, also für die App selbst verantwortlich und schaue eben, dass diese App den benutzerfreundlichsten Ansatz wie möglich hergibt, wo man wirklich nur am Ende der aktuellen Standort oder an irgendeinem Standort den man eingeben kann, die nächstbeste, günstigste Ladestation finden kann und dann günstig laden kann.

  5. Emanuel Ulz:

    Ich erkläre jetzt einmal, was sich im Laufe des Jahres, dass wir jetzt schon online sind, getan hat. Wir freuen uns riesig, dass wir innerhalb eines Jahres schon sehr viele Nutzer generieren konnten und sehr viele auch regelmäßige Nutzer. Also derzeit haben wir so circa 500 bis 1000 regelmäßige Nutzer pro Tag, was ein Wahnsinn ist für so ein kleines Startup wie uns. Angefangen haben wir praktisch komplett bei Null mit einer auch nicht so tollen Datenbasis. Die haben wir mittlerweile extrem gesteigert. Also wir konnten innerhalb eines Jahres jetzt auf über 50.000 Ladestationen erhöhen und über 150.000 Ladepunkte in Österreich, Deutschland und der Schweiz. Wir haben eine total neue Integration der Ladestationsdaten. Das heißt, wir greifen jetzt nicht nur die Stationsdaten an sich ab, wo die Station steht, sondern wir greifen auch direkt ab, die Verfügbarkeit der Station ist die belegt, defekt oder funktioniert sie, wie viele Anschlüsse funktionieren und auch wie lange sind diese schon verfügbar oder auch belegt, was den Nutzen natürlich einen irrsinnigen Vorteil bringt, weil sie einfach mit einer App alles inkludiert haben.

  6. Albert Liebmann:

    Genau, und seit Neuestem auch in Android Auto und Apple CarPlay. Das heißt, man muss seinen Autoscreen oder sein Auto nicht mal verlassen. Auch dort sind die Daten mit den Verfügbarkeiten, mit allen Tarifen, mit den Abständen und mit den Preisen der Tarife, beginnend mit dem günstigsten Preis. zu finden und mit allen Eckdaten, die notwendig sind, wie zum Beispiel auch, ob das ein monatlicher Tarif ist, also eine monatliche Grundgebühr ist und auch, ob sich zum Beispiel mit dieser monatlichen Grundgebühr nach wie viel Lade Vorgängen sich das schon rentieren würde. Zum Beispiel nach 60 Kilowattstunden oder nach drei Ladungen mit der gleichen Füllung wie jetzt gerade eingestellt, würde man sich zum Beispiel schon etwas ersparen.

  7. Emanuel Ulz:

    Also um das für den Nutzer einmal greifbar zu machen oder für die Zuhörer dieses Podcasts in dem Fall, jeder kennt das Problem, dass man ein, zwei, drei Ladekarten oder Tarife gespeichert hat und meistens verwendet man mehr oder weniger immer dieselben und denselben. eben Stationen und man denkt gar nicht groß rüber nach, was es sein kann. Und es gibt eben durch dieses komplizierte Netz an Anbietern und den untereinander ausverhandelten Tarifen zwischen Stationsanbietern und Tarifanbietern irrsinnige Diskrepanzen bezüglich der Tarife und der Preise. Und so kann es wirklich vorkommen, dass an drei Stationen, die direkt nebeneinander sind, dasselbe Tarif unterschiedlich teuer ist oder noch schlimmer, dass zwei dieser drei Stationen einen Tarif nicht bieten, der aber extrem günstig ist. In unserem Ort zum Beispiel gibt es eine Ladestation, die ist im billigsten Preis so um die 50 bis 60 Euro für eine Ladung von 70 Kilowattstunden und drei Kilometer weiter ist die nächste Station, da ist der günstigste Preis 22 Euro. Wenn man das nicht weiß und man zahlt jedes Mal die 40 Euro mehr, ist es natürlich eine Katastrophe. Und viele unserer Kunden, die man persönlich jetzt kennt in unserer Umgebung, die haben immer den teureren Preis bezahlt und fahren jetzt natürlich drei Kilometer weg zum Laden, was völlig logisch ist in dem Fall.

  8. Sebastian:

    Das ist ja schon eine krasse Ansage, aber unabhängig davon, dass da so ein riesen Preisunterschied ist, damit ihr da quasi als Externe dann Sichtbarkeit in diesem Lade-Dschungel schaffen müsst. Aber ist ja gut, dass es so eine Lösung wie Simply Charging gibt, damit da eben auch die E-AutofahrerInnen einen Überblick darüber bekommen, über die Thematik. Für mich die Frage noch, wenn ihr jetzt sagt, ihr vergleicht da oder gebt immer den günstigsten Tarif dann schlussendlich aus, Dann sehe ich das ja, habe ich dann die Möglichkeit auch direkt über eure App dann hinterher dort zu bezahlen oder seid ihr tatsächlich in Anführungsstrichen nur die Anzeige und der Endnutzer muss dann im Endeffekt die passende Ladekarte, passende Lade-App mit dabei haben, gegebenenfalls vor Ort noch abschließen, damit man dann eben auch von der günstigsten Ladelösung profitiert.

  9. Emanuel Ulz:

    Also wir sind in diesem Fall nur die Schnittstelle zu den Tarifen. Das heißt, man kann über unsere App weder direkt laden noch bezahlen. Der Grund ist ein ganz einfacherer. Sehr viele Anbieter haben kein Interesse, dass sie mit anderen verglichen werden. Und da ist die Kooperation relativ schwierig. Und wir wollen jetzt nicht einfach drei Tarife über unsere App anbieten und alle anderen nicht, weil wir wollen niemanden bevorzugen. Wir wollen wirklich die Benutzerinnen und Benutzer bevorzugen im Prinzip. Wir bieten allerdings den Service, dass man über unsere App zu jeder Ladetarif-Homepage bzw. Anbieter-Homepage kommt und dadurch einfach jeden Tarif vor Ort abschließen kann, wenn es möglich ist.

  10. Sebastian:

    Profitiert ihr dann davon, wenn dann quasi auch ein Nutzer vor Ort einen Vertrag abschließt, in Form von einer Provision, die dann dafür fließt? Weil ich sage mal, ihr müsst euch ja auch schlussendlich finanzieren, euer Produkt, eure Server, alles, was dahinter steckt.

  11. Albert Liebmann:

    Also nein, durch das werden wir quasi nicht finanziert. Wir wollen auch absichtlich unbedingt werbefrei bleiben. Deshalb haben wir einen Mechanismus eingebaut, der in einer freien Version genau diese Karten, die man selbst konfiguriert oder diese Tarife eben anzeigt, also auf den verfügbaren Stationen. Und wenn man eine Pro-Version abschließt, die würde sich in den ersten sieben Tagen wieder frei sein und dann würde es entweder 3 Euro pro Monat oder 30 Euro im Jahr ausmachen, würde er wirklich jeglichen Tarif, der verfügbar ist für jegliche Station mit anzeigen. Und eben diese Break-Even-Kalkulation, die dann sagt, zum Beispiel nach so und so viel Ladungen würde sich die Grundgebühr schon rendieren oder wenn es ohne Grundgebühr ist, würde er um zum Beispiel schon 12 Euro billiger sein.

  12. Emanuel Ulz:

    Also nur um das noch einmal zu verdeutlichen, weil auch als häufige Rückmeldung in den App-Stores immer kommt, die App ist zu teuer oder 30 Euro ist ein Wahnsinn und warum muss alles was kosten? Wir versuchen wirklich mit niemandem Verträge einzugehen, weil wir wirklich den Benutzerinnen und Nutzern komplett unabhängig immer den besten Preis geben wollen. Und sobald man Verträge abschließt, sind Bedingungen dahinter, das wollen wir nicht. Und ich habe vorher schon erwähnt, es gibt wirklich Extremfälle, wo man sich 20, 30 Euro pro Ladung sparen kann. Und wenn man das vergleicht mit gegenüber den 30 Euro, was die Provision kostet und noch dazu die Tatsache, dass es komplett werbefrei abläuft, weil wir die App nicht zumüllen wollen, weil das Ladeerlebnis prinzipiell dadurch nur behindert wird, finde ich, das ist ein relativ fairer Preis. Also wir würden uns hier auch wünschen, dass ein bisschen ein Verständnis dafür ist, dass man nicht alles gratis hergeben kann und dass wir eine Provision haben.

  13. Albert Liebmann:

    Ja und vor allem 3 Euro im Monat, wenn man es jetzt nicht aufs Jahr rechnet und man spart sich in einer Ladung im Monat schon zum Beispiel 4 Euro ist im Prinzip die Ersparnis schon wieder herinnen. Also man müsste noch nicht einmal das ganze Jahr sparen. als Zeitraum nehmen, aber wenn man es im Monat macht und damit zufriedengestellt ist, dann würde man es vielleicht auch besser verstehen.

  14. Sebastian:

    Da sind wir fairerweise an dem Punkt, wo wir eigentlich nicht diskutieren sollten, weil ich meine, ihr könnt auch nicht von Luft und Liebe leben oder eure Rechnung dann für Server und so weiter zahlen. Das kostet ja auch alles, dass dieser Service überhaupt genutzt werden kann. Und so wie ihr ja beide jetzt schon ausgeführt habt, ist ja ein spürbarer oder sparbarer Vorteil dann sozusagen auch direkt vorhanden, wo man ja sagt, im Endeffekt gibst du das Geld zwar aus für eure App, aber hinten dran sparst du ja je nachdem wie oft und wie viel du lädst, deutlich mehr ein dadurch. Also dass der Return ja deutlich größer ist, finde ich schon schade, dass diese Diskussion überhaupt aufgemacht wird. Wird aber wahrscheinlich auch einer der Schwerpunkte für euch sein, das dann eben auch zu kommunizieren und das nach außen zu tragen, damit der Mehrwert oder der Benefit erst verspätet in Anführungsstrichen auf dem Konto ankommt.

  15. Emanuel Ulz:

    Ja, es ist für uns tatsächlich ein tägliches Brot, dass wir in den Social-Media-Kanälen bzw. in den App-Stores immer wieder mit Leuten in Kontakt treten müssen, um ihnen das zu erklären. Viele lassen sich dann auch beschwichtigen, manche sind dann trotzdem relativ aggressiv, weil einfach vor allem bei den Android-Usern komischerweise die Kultur herrscht, dass Apps nichts kosten dürfen und das ist leider für uns halt nicht so super. Ich kann auch ein paar Zahlen nennen, damit die Leute wissen, was dahinter steckt. Also Uns gibt es jetzt genau seit einem Jahr und eineinhalb Monaten und in diesen 13,5 Monaten praktisch haben wir 52 Versionen veröffentlicht. Das heißt, von uns kommt jede Woche ein Update. In dieser Zeit haben wir 170 interne Testversionen für uns als Test released. Es ist eine wahnsinnige Arbeitsleistung dahinter und wir sind auch sehr stolz darauf, dass wir diese neben unseren hauptberuflichen Jobs bringen können. Und was uns ganz wichtig ist, wir sind sehr offen und wünschen uns das auch, dass wir persönliches Feedback bekommen, wenn wirklich in der App Funktionen noch integriert werden können, die sich Leute wünschen oder wenn es irgendwo Fehler gibt, wenn Autos oder Tarife nicht sofort online sind, bitte einfach rückmelden. Wir freuen uns irrsinnig drüber. Alles hilft uns. Und wir möchten uns in diesem Fall auch gleich bedanken bei dir, Sebastian, weil durch diesen Podcast-Auftritt vor einem Jahr konnten wir einen wirklich tollen Menschen kennenlernen, der uns wirklich tagtäglich beinahe unterstützt in unserer Entwicklung, der uns als Testnutzer zur Verfügung steht und wirklich guten Input gibt.

  16. Sebastian:

    Das freut mich jetzt wirklich, muss ich ganz ehrlich sagen. Dafür machen wir das ja hier, dass da auch ein bisschen Sichtbarkeit draufkommt auf die Themen und gerade dann, ich nenne es jetzt mal in Anführungsstrichen, ein kleineres Startup dann sozusagen, was ja auch nebenberuflich von euch beiden gestemmt wird, das ist echt eine tolle Sache, wenn wir da auch ein bisschen positiven Einfluss neben dem einen oder anderen Nutzer, den wir hoffentlich zugesteuert haben, bringen konnten. Jetzt haben wir ja die Thematik, dass sich der E-Mobilitätsmarkt in diesem vergangenen Jahr ja aber auch deutlich verändert hat. Wie sagt man, im Moment wird das E-Auto auch sehr wieder hoch beschrien. Gerade hier in Deutschland denkt man, der Verbrenner ist wieder komplett zurück. Ich glaube, wir drei haben da eine ganz andere Meinung dazu, aber das lassen wir jetzt mal dahingestellt. Aber diese ganze Unsicherheit, dieser Umschwung, auch dann ja wahrscheinlich die Preisthematik bei Ladeinfrastrukturen, habt ihr damit auch zu kämpfen? Seht ihr das im täglichen Geschäft mit Simply Charging?

  17. Emanuel Ulz:

    Ja, natürlich. Also es ist erstens der erste Teil der Frage, der Umschwung und die Meinung geht jetzt tatsächlich wieder Richtung Verbrenner. Deshalb bekommen auch wir dahingehend Kommentare ab, also auch von Leuten, die jetzt Firmen-Elektroautos wieder losgeworden sind oder so. Und der zweite Teil ist, was uns natürlich sehr stark betrifft, es wird natürlich immer weiter professionalisiert. sowohl von den Autoherstellern als auch von den Tarif- und Ladestationsbetreibern wird immer weiter gedacht und Dinge, die liegen geblieben sind, werden schon langsam aufgeräumt. Stichwort sind flexible Tarifmodelle, stündlich aktuell oder auch vereinheitlichte Tarife, EC-Kartenzahlung direkt an der Station und so Dinge, die eigentlich gang und gäbe sein sollten. Und wenn es das überall gegeben hätte oder geben würde, bräuchte es uns nicht. Deshalb sind wir sehr stark in dieser Thematik auch verankert und wollen uns jetzt auch in andere Richtungen ausbreiten, damit wir, falls das einmal flächendeckend kommt, abgesichert sind. Aber derzeit haben wir nicht wirklich Angst, dass es uns wirklich kurzfristig Schaden zufügen könnte.

  18. Sebastian:

    In was für eine Richtung wollt ihr euch denn da noch ausbreiten? Wenn ihr jetzt sagt, ihr stellt euch da schon ein Stück weit breiter auf, denkt da schon weiter, wollt das Produkt auch noch ein Stück weit vielfältiger machen, könnt ihr da schon was dazu sagen?

  19. Emanuel Ulz:

    Ja, also als wir diese ganze Thematik mit den Ladesäulen und Ladestationen durchforstet haben, sind wir draufgekommen, dass zumindest bei uns in der näheren Region, beziehungsweise weitreichend auch in Österreich, sehr viele sehr schlecht durchdachte Ladelösungen gibt. Also man spricht da zum Beispiel von 11 kW-Säulen vor Supermärkten. Niemand kann was damit anfangen. Die stehen immer leer, weil du gehst 20 Minuten rein, dein Auto hat in dieser Zeit genau nichts geladen. Dann stehen 50 kW Charger irgendwo am Ende eines Parkplatzes im Niemandsland und viele Restaurants bzw. Hotelbetriebe oder Betriebe, wo die Leute wirklich regelmäßig hin müssen und auch so halbe bis dreiviertel Stunden verbringen, haben gar keine Ladelösungen. Und auch von den Energiebetreibern, die hier zuständig wären, ist ein totales Chaos in der Planung. Und wir haben jetzt schon konkret uns Gedanken gemacht und zu Systeme aufgearbeitet, die wir dann hier unterbringen könnten, beziehungsweise an die Leute bringen könnten. Optimale Systeme, die von vorne bis hinten durchdacht sind, also vom Anschluss an das Stromnetz über Photovoltaik bis hin zu Abrechnungssystemen.

  20. Sebastian:

    Das heißt, ihr geht dann quasi über euer Standardangebot, was ihr sozusagen habt, diesen Ladetarifvergleich raus und wollt damit einfach auch noch einen Mehrwert schaffen, indem ihr quasi direkt dann die Ladeinfrastruktur ein Stück weit beeinflussen könnt.

  21. Emanuel Ulz:

    Ja genau, aber jetzt nicht im öffentlichen Rahmen, sondern eigentlich wirklich nur privat für Firmen, die ihren Kunden dann eben das näher bringen können, um einfach auch die Elektromobilität im Endeffekt noch in der Gesamtheit zu pushen.

  22. Sebastian:

    Und das wird aber ein Thema dann sein, was eher bei euch vor Ort stattfindet, weil ihr da ja auch anderweitig eingebunden seid. Oder wird das dann auch komplett Dachraum irgendwo betreffen?

  23. Emanuel Ulz:

    Ja, das ist jetzt mal in der Planungsphase nur regional, weil es hier schon genug Baustellen gibt. Und je nachdem, wie das Angebot dann ist, wir sind auch in der Diskussion mit Firmen, die eben Elektrotechnik machen, beziehungsweise Firmen, die Carports oder dergleichen aufstellen können. Und wenn wir hier gute Gesamtpakete haben, ist es natürlich schon angedacht, dass man ein bisschen weiter auch denkt. Aber wie weit, das muss sich dann zeigen, wie sich der Markt entwickelt, weil das alles nicht sehr kurzfristig abläuft, sondern langfristige Projekte sind.

  24. Sebastian:

    Ist ja aber gut, dass ihr euch da quasi frühzeitig schon Gedanken darüber macht, wie man das dann eben auch ein Stück weit shiften kann und wie man dann trotzdem auch aktiv bleiben kann und die E-Mobilität vorantreiben kann. Für uns würde natürlich interessieren, was macht ihr mit Simply Charging? Wo geht da die Reise hin? Gibt es da einen Ausblick drauf, wo ihr gezielt mit der App jetzt, mit der Lösung, die ihr aktuell habt, wie ihr die weiterentwickelt? Du hattest es vorhin schon angesprochen, das Thema dynamische Tarife. EnBW gab jetzt hier bekannt... Man wird eben nicht mehr nur seinen Standardpreis haben, sondern gerade wenn es dann Ladestationen anderer Anbieter sind, gibt es dynamische Tarife. Das heißt, die Kilowattstunde kann mal 50 Cent oder mal 59 Cent kosten. Wie geht ihr damit um? Könnt ihr das auch abbilden bei euch in der App?

  25. Albert Liebmann:

    Ja, also im Augenblick haben wir eine Update-Frequenz von ungefähr zweimal in der Woche. Das wäre jetzt schon das Worst-Case-Szenario, aber für solche Anwendungsfälle denken wir natürlich jetzt schon darüber nach, ob wir das viel öfter oder vielleicht sogar just in time implementieren, dass es hier keinen Zeitversatz oder keine falschen Tarife gibt. Da werden wir uns sicher in der näheren Zukunft darüber Gedanken machen.

  26. Emanuel Ulz:

    Also eine unserer Hauptanliegen ist im Prinzip das strukturiert weiterarbeiten wie im vergangenen Jahr. Das große Thema, um das es sich bei uns eigentlich tagtäglich dreht, ist immer, wo kommen die Daten her, wie genau sind die Daten, wie vollständig sind die Daten und durch Einbindung mehrerer Datenströme, angefangen haben wir mit einer einzigen Zulieferkette praktisch, mittlerweile haben wir sehr stark gestreut und haben mittlerweile schon mehrere Datenströme und hier uns auszubreiten und zu stabilisieren ist eigentlich das größte Thema und eben, wie Albert schon gesagt hat, das Just-in-Time-Fetchen von den Daten ist natürlich auch eine große Herausforderung, die aber stemmbar sein sollte, laut derzeitigem Stand und was in Zukunft vielleicht auch möglich sein kann für uns, wo wir gerade irgendwie uns Gedanken drüber machen bzw. darum kämpfen, dass wir über den Dachraum hinausgehen, weil eines der Hauptthemen unserer Nutzerinnen und Nutzer auch ist, was mache ich, wenn ich Slowenien oder Kroatien in den Urlaub fahre, was tue ich im Italienurlaub und hier können wir leider derzeit aufgrund der Datenbasis noch keine Lösung bieten, aber da sind wir auch dran.

  27. Albert Liebmann:

    Genau, und wir haben es ja schon mit den Verfügbarkeiten implementiert, also unsere Verfügbarkeiten sind wirklich sehr, sehr akkurat vom Zeitpunkt her. Also ich habe das sogar mal ausprobiert, ich bin direkt neben eine Ladesäule gestanden, habe sie blockiert, habe die App aufgemacht und es war praktisch direkt danach die Verfügbarkeit umgeschaltet. Mit Zeitstempel und allem.

  28. Sebastian:

    Das ist ja schön, wenn das dann auch so frictionless, also ohne Reibung dann funktioniert und der Nutzer dann ja auch wirklich davon profitiert, dass die Anzeige genau ist. Weil das ist ja immer so das Thema, man hinterfragt ja dann, wie realistisch ist denn das, ob da jetzt belegt ist oder nicht. Und dann kommst du hin, das kam mir leider hier auch im Ort schon vor, wo ich dann in der EnBW-App... Und ich habe auch so meine fünf Minuten dorthin. Ah ja, ist gerade frei. Gehst hin, beeilst dich, schnell die Schuhe angezogen und dann steht da auf einmal doch jemand. Da weiß er auch nicht, ob er gerade gekommen ist oder ob einfach nicht geupdatet wurde. Aber schön zu sehen, dass das dann zumindest bei euch auch zeitnah funktioniert.

  29. Emanuel Ulz:

    Ja, und für das haben wir in der App auch implementiert, die Möglichkeit zu schauen, wie lange ist sie schon frei. Und falls es hier Probleme gibt, wünschen wir uns, wie vorher schon angesprochen, auch bitte Feedback zu geben, weil es kann an uns liegen, es kann auch an den Betreiber liegen, aber auf jeden Fall ist es nie schlecht, sowas rückzumelden.

  30. Sebastian:

    Das schadet ja definitiv nie, vor allem wenn du jetzt mit einer App arbeitest, wo es ja immer Unterschiede gibt und auch andere Hardware dann, wo ja auch mal Probleme verursachen kann, da ist das Feedback ganz gut. Das kennen wir auch bei unserem Portal, da muss ja bloß mal der falsche Browser dann sein, irgendein Exoten-Browser und dann wird die Seite komplett zerschossen. Ich denke, das kennt jeder, der irgendwo mit Technik zu tun hat. Insofern gut, dass ihr euch da so durchkämpft und dass ihr auch solche Fortschritte jetzt in den vergangenen Jahren gemacht habt. Mich freut das mit den Mitarbeitern nochmal sehr zum Ende hin und möchte mich bei euch nochmal für den zweiten Auftritt bedanken und auch nächstes Jahr steht euch wieder die Türe offen, wenn dann weitere Schritte bei Simply Charging gegangen sind. Vielen Dank, Emanuel und Albert.

  31. Emanuel Ulz:

    Danke, herzlich. Bis zum nächsten Mal. Ciao.

  32. Sebastian:

    Das war sie mal wieder, eine spannende Folge des ElektroautoNews.net Podcast. Ich hoffe, du konntest einiges mitnehmen, hast vielleicht jetzt ja auch die App mal installiert, Simply Charging bei dir umzuschauen, ob du auch günstiger laden kannst. Ich würde mich auf jeden Fall über dein Feedback freuen und freue mich auch, wenn du kommende Folge wieder einschaltest. Mach's gut, bis dahin, ciao.