Leiter Elektrifizierung Bosch: "Haben das Ziel Nummer Eins zu werden"

Im Gespräch mit Ralf Schmid

Ralf Schmidt, Leiter Elektrifizierung der Robert Bosch GmbH, hat sich im März 2021 ein wenig Zeit genommen, um mit mir über die Pläne des Unternehmens im Bereich Elektrifizierung zu sprechen. Dabei habe man sich nicht weniger vorgenommen als Nummer eins im Elektrifizierungsbereich zu werden, wie Ralf zu verstehen gibt. Die Basis dafür habe man bereits viele Jahre zuvor gelegt.

Denn Bosch ist schon seit Jahrzehnten im Bereich der Elektrifizierung aktiv. Konnte alleine im Jahr 2020 Aufträge in Höhe von 7.5 Milliarden Euro im Bereich der Elektrifizierung einsammeln. Künftig wolle man sich auf diesem Erfolg nicht ausruhen, sondern weiter ausbauen. Ziel ist es, Marktführer in der Elektromobilität zu werden, gleichzeitig die Elektromobilität als das zukünftige Kerngeschäft für Bosch zu entwickeln, so Ralf im gemeinsamen Gespräch. Aber hör doch am besten selbst rein.

Shownotes:

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Transcript

  1. Intro:

    Elektro-Auto-News. Der Podcast rund um das Thema Elektromobilität. Mit aktuellen Entwicklungen, Diskussionen, Interviews und vielem mehr.

  2. Sebastian:

    Servus und herzlich willkommen bei einer neuen Folge des elektroauto-news.net Podcast. Ich bin Sebastian und freue mich, dass du auch diese Woche wieder eingeschaltet hast, wenn wir uns zum Thema E-Mobilität ein wenig austauschen. In der aktuellen Folge habe ich mir Ralf Schmidt von Robert Bosch an die Seite geholt, seines Zeichens Leiter Elektrifizierung bei Bosch. Und mit ihm habe ich mich ein wenig über die Rolle des Unternehmens im Bereich der E-Mobilität unterhalten, auf wie viele Jahre Erfahrung, Jahrzehnte Erfahrung mittlerweile das Unternehmen zurückblickt im Bereich der Elektrifizierung, welche Rolle man 2025, 2030 für sich beanspruchen möchte. Nichts weniger als Platz 1, um das mal anzumerken, im Bereich elektrifizierter Antriebe. Dafür wird die Grundlage eben aktuell schon gelegt. Aber ja, genug der einleitenden Worte und direkt ins Gespräch mit Ralf. Viel Spaß bei der Folge. Hallo Ralf, vielen Dank, dass du dir Zeit nimmst und einen Blick auf die E-Mobilitätsoffensive von Bosch gewährst. Bevor wir jedoch jetzt ins Gespräch einsteigen, würde ich mich freuen, wenn du dich selbst unseren Zuhörer, Zuhörerin kurz vorstellst und dann auch nochmal ein paar Worte über Bosch verlierst. Das Unternehmen ist zwar bekannt, aber vielleicht ist ja doch der eine oder andere dabei, der noch nichts von euch gehört hat.

  3. Ralf Schmidt:

    Hallo Sebastian, vielen Dank, dass ich die Chance bekomme, heute mit dir zu sprechen. Das Thema Elektromobilität ist ja ein hoch spannendes Thema. Ich bin inzwischen schon 54 Jahre alt. Aber ein echter Elektrifizierer, kann man sagen. Ich bin seit 23 Jahren in dem Bereich tätig, in verschiedenen Häusern und jetzt seit fünf Jahren bei der Firma Robert Bosch. Also Bosch ist ja ein Technologie- und Dienstleistungsunternehmen mit mehr als 71 Milliarden Umsatz und 394.000 Mitarbeitern. Wir haben vier Hauptgeschäftsbereiche, das ist Mobility Solutions, Industrial Technology, Consumer Goods, Energy Building Technology und wir sind jetzt im Bereich Mobility Solutions und arbeiten jetzt schon seit, würde ich sagen, fast zwei Jahrzehnten an der Elektrifizierung und haben ganz klar das Ziel, dass wir Nummer eins in dem Elektrifizierungsbereich werden.

  4. Sebastian:

    Das ist definitiv ein schönes Ziel, was ihr euch da gesetzt habt und auch, dass ihr da eben die CO2-neutrale oder lokale emissionsfreie Fahrt sozusagen ermöglichen wollt oder euren Teil dazu beitragen möchtet. Du hattest erwähnt 700 Millionen Euro, die man da auch in E-Mobilität rein investiert, also nicht gerade wenig sozusagen, also nicht umsonst, sage ich mal, seht ihr euch ja auch als Innovationsführer beim elektrischen Fahren. Woran macht ihr das jetzt fest? Nur an dieser Arbeit der zwei Jahrzehnte, wo ihr da jetzt schon reinsteckt? Oder welche Lösungen habt ihr jetzt schon am Markt platziert, angeboten, die das Ganze eben auch untermauern?

  5. Ralf Schmidt:

    Wir haben den weltweit ersten Parallel-Vollhybriden entwickelt und haben viele Milliarden schon investiert in das Thema Elektromobilität. planen auch für 2025 jetzt einen Umsatz von 5 Milliarden Euro und dazu muss man natürlich auch schon einige Projekte akquiriert haben und das haben wir jetzt und also nicht nur in der Hybrid-Anwendungen, was jetzt Plugins oder Vollhybride sind, sondern auch ganz massiv jetzt in den elektrischen Fahrzeugen. Und da decken wir dann einen Range ab von Antriebsleistungen von 50 kW, vielleicht so kleine City-Anwendungen, bis zu großen LKWs von mehreren 100 Kilowatt.

  6. Sebastian:

    Vielen Dank schon mal für diesen Einblick. Das heißt, ihr seid ja schon sehr breit und weit aufgestellt. Werdet euch da wohl noch künftig weiter auffächern, wenn ihr diese 5 Milliarden Euro Umsatz da eben bis 2025 anstrebt. Jetzt würde ich auch gerne mal explizit auf ein Produkt bei euch zu sprechen kommen. Das ist die E-Antriebsachse. Vielleicht kannst du einfach mal erklären, was sich hinter eurer E-Antriebsachse verbirgt und warum die eben so eine starke Nachfrage auch am Markt erfährt.

  7. Ralf Schmidt:

    Ja. Also wir elektrifizieren ja, so sagen wir, von 48 Volt bis im Endeffekt 800, 900 Volt. Was steckt da jetzt dahinter? Zum einen haben wir ein relativ breites Portfolio dort, wo das natürlich einzahlt. Also wie du vielleicht weißt, sind wir auch aktiv bei den 48 Volt-Hybriden mit einer Batterie. wo wir auch eine Marktführerschaft inzwischen erreicht haben. Aber auch bei den Achsen, bei den elektrischen Achsen, wo es dann eher Hochvolt ist, sind dann 400 oder 800 Volt Achsen. Und dort, ja, ich sage mal Wohngemeinschaft, dort trifft sich halt die E-Maschine mit dem Getriebe und der Leistungselektronik. Und das ist so ein Mainstream, den wir sehen in der Automobilindustrie für batterieelektrische oder auch fuel-cell-elektrische Fahrzeuge. Das macht viel Sinn, wenn man das miteinander kombiniert, weil man dann... bestmöglich die Komponenten aufeinander abstimmen kann. So ein Antrieb, wer schon mal ein Elektrofahrzeug gefahren ist, weiß auch, es sind hohe Anforderungen an das Geräuschthema, weil in so einem Elektrofahrzeug ist halt wenig überdeckender Lärm und so bis 40 Stundenkilometer dominiert so normalerweise das Motorgeräusch, dann dominieren eher so die Windgeräusche. Aber bis dahin speziell sind, man nennt das NVH, Geräusche natürlich total störend. Und da haben wir jetzt Systeme am Start, die da sehr, sehr leise sind zum einen. Durch die optimale Abstimmung findet man dann natürlich auch einen guten Kostenpunkt und generieren da ein attraktives Angebot an die Kunden.

  8. Sebastian:

    Ja, dann vielen Dank schon mal, Ralf, für den Einblick auf die E-Achse und auch die anderen Komponenten, die du ja jetzt schon umschrieben hast, die er da eben anbietet. Wohngemeinschaft ist da das schöne, passende Wort, sage ich mal, das das Ganze auch nochmal bildlich unterstreicht. Die E-Achse an sich war schon relativ effizient abgebildet, aufgebaut, als ihr die am Markt eingeführt habt. Aber da habt ihr auch künftig noch weitere Pläne mit vor, also wollt ihr auch weiterentwickeln. Kannst du da mal einen Blick in die Zukunft sozusagen mit uns gemeinsam werfen?

  9. Ralf Schmidt:

    Solche Systeme kann man natürlich immer noch weiter optimieren. Da gibt es so einen ganz wesentlichen Punkt jetzt. Bei der Halbleiterei hat man bis jetzt Silizium-Halbleiterchips eingesetzt, sogenannte IGBTs. Und dort sehen wir jetzt, wir entwickeln das auch in-house. Mit dieser Silizium-K-Bit-Technologie, mit dem nächsten Schritt, wird man nochmal deutlich effizienter. Also alles, was man natürlich an Energie dann nicht verschwendet, weil so ein Elektroantrieb ist ja von Haus aus schon sehr, sehr effizient. Aber trotzdem will man das natürlich noch effizienter machen, um dann entsprechend Reichweiten zu erhöhen oder halt Batterien auch vielleicht ein bisschen kleiner zu machen. Und da hilft das Silizium-K-Bit ganz gut mit. Solche Umrichter, die den Strom aus der Batterie dann entsprechend auch für den Motor aufbereiten, also von der Gleichspannung in die Wechselspannung, haben halt auch einen bestimmten Wirkungsgrad und der wird dadurch nochmal deutlich gesteigert, also somit auch der Systemwirkungsgrad. Parallel sehen wir auch jetzt einen Trend. Zum einen ein bisschen so getrieben natürlich durch das Schnellladen. Das sind 800 Volt, also höhere Spannungen. meistens Querschnitte auch ein bisschen kleiner, also man kann dann nochmal Gewicht sparen, kann Antriebseinheiten kompakter darzustellen und wir kommen jetzt auf Wirkungsgrade, also Systemwirkungsgrade leicht über 96% und das ist natürlich auf jeden Fall eine tolle Geschichte für den OEM und natürlich dann am Ende auch für den Endkunden, weil er dann eben schneller laden kann oder eben auch weiterfahren kann.

  10. Sebastian:

    Ja, jetzt hast du, Ralf, da schon zwei Themen mit aufgegriffen, eben Reichweite, Effizienz, die ja auch natürlich den Endnutzer sozusagen stark interessieren. Das sind ja eh so die Themenfelder Reichweiten, Kosten, Ladeinfrastruktur, die den größten Schmerz bei der Bevölkerung aktuell noch auslösen, wenn es um das Thema E-Mobilität geht. Da drängen jetzt auch viele neue Firmen, Startups und Spezialisten in den einzelnen Teilbereichen auf den Markt. was ja auch irgendwo in Anführungsstrichen zumindest teilweise zur Konkurrenz von Bosch werden könnte. Wie spielt ihr da jetzt aktuell eure Stärken aus, um euch da zu positionieren, um da auch Vorteile mit reinzubringen? Ganz bildlich hast du es ja jetzt schon an der E-Achse sozusagen dargestellt, was ihr da macht, wie ihr euch da weiterentwickelt, um dann eben einen Effizienzgrad von bis zu 96 Prozent zu erreichen, was ja definitiv eine Ansage ist. Aber wie zeigt sich das auch vielleicht in anderen Bereichen dann von Robert Bosch?

  11. Ralf Schmidt:

    Ja, also ich denke mal, im Kern natürlich ist es super wichtig, dass man natürlich immer wieder neue Innovationen bringt. Und da bin ich einfach super stolz auf das Team, was wir haben in der Elektrifizierung, aber insgesamt beim Bosch. Ich denke, das... dringt auch immer wieder nach draußen, was wir für tolle Ideen haben. Und wir sagen ja, invented for life. Die Ideen kommen weiterhin immer wieder auf die Straße oder in den Kühlschrank oder wo auch immer hin. Und das ist gepaart natürlich auch mit einem... mit einem Footprint, der weltweit besteht. Also wir sind halt auch in der Lage als Bosch, die Sachen local for local zu produzieren. Das ist halt auch ein Vorteil, den wir haben und somit halt dann nicht wieder einen Haufen CO2 zu verschwenden, wenn die Sachen dann irgendwie um die Welt geschippert werden müssen. Und du kannst dir vorstellen, so eine E-Achse, die wiegt je nachdem, welche Leistung sie hat, vielleicht so 70, 80, 90 Kilo. Das macht natürlich keinen Sinn, das irgendwie groß rumzuschicken. Also da ist es wichtig, dass man Fertigungen hat und wirklich dann auch auf Skaleneffekte kommt. Das ist der nächste Punkt. Man sagt ja, man redet von Economies of Scale. Klar, wenn ich dann in Stückzahlen gehen kann, komme ich auch mit meinen Kosten dann in Vorteil. Und auch das, es gibt kein Unternehmen, das mehr Elektromotoren produziert hat jemals als der Bosch. Und das wollen wir natürlich weiter nutzen. Und auf dem wollen wir auch aufbauen. Und dann kommt natürlich auch das Thema Zuverlässigkeit und Qualität. Und dafür steht der Bosch halt.

  12. Sebastian:

    Ja, das sind doch alles gute Argumente, die du da aufführst und die ja das Ganze auch unterstreichen. Jetzt ist es ja aber so, dass man nicht nur Vorteile gegenüber solchen Startups hat, sondern als große Maschinerie mit knapp 400.000 Mitarbeitern, die man da zusammenbringt mit 5 Milliarden Umsatz, die man anstrebt, da bis 2025 in dem Bereich da hat man ja auch Herausforderungen oder längere Wege. Das heißt, wenn du dir was wünschen könntest, was du jetzt so von Startups in dem Bereich der E-Mobilität auf Bosch übertragen könntest, im Kleinen oder im Großen, was wäre das dann? Ja, ist echt eine gute Frage.

  13. Ralf Schmidt:

    Ich hole vielleicht ein bisschen aus, Sebastian. Gerne. Also zum einen haben wir natürlich eine riesen Transformationsaufgabe. Also wir sind Teil von Powertrain Solutions. Das ist die Powertrain-Familie. Und klar, wir haben dort Verbrennerthemen. Wir haben den Diesel- mit dem wir im Endeffekt auch die Elektrifizierung finanzieren. Wir müssen das also organisch finanzieren und das machen wir auch und können wir auch. Und da stehen wir natürlich vor einer Transformation in die neuen Gebiete, was wir auch erfolgreich machen. Das Thema Speed natürlich, man stellt sich dann immer vor, oh, Riesenfirma, da läuft bestimmt alles deutlich langsamer. Zum Teil ja, muss man leider sagen. Wobei wir dann in der Elektrifizierung doch so eine eingeschworene Truppe sind, die dann auch die ein oder anderen Themen auch ein bisschen anders macht. Und da wünsche ich mir, dass wir uns das erhalten. Das ist eigentlich das Wesentliche, was ich mir auch wünsche, dass wir da die Agilität erhalten, die wir heute haben und natürlich auch die Flexibilität. Weil das ist auch ein Thema, so eine richtige Standardisierung sehen wir noch überhaupt nicht.

  14. Sebastian:

    Okay, das leuchtet ein. Das hatte ich jetzt auch so aus den Informationen, die ich da aus euren Mitteilungen eben erhalten habe, dass ihr da auch eben noch nicht so den klaren Blick in die Zukunft habt, den glaube ich aber im Moment noch niemand so recht am Markt hat, weil einfach noch nicht der rote Faden sozusagen vorhanden ist. Wenn wir das vielleicht jetzt einfach mal als Einstieg nehmen und sagen, okay, wir zoomen jetzt mal aus der Perspektive von Robert Bosch raus, ein bisschen raus aus dem Unternehmen, blicken auf den Markt, wo ja auch stets darauf achtet, um da eben dann mit euren Entwicklungen flexibel reagieren zu können oder euch eben aufzustellen. Wie seht ihr den Markt aktuell? Wo seht ihr, dass er hingeht? Und welche Beobachtungen habt ihr jetzt so im Blick für die E-Mobilität in der Zukunft?

  15. Ralf Schmidt:

    Also was man schon sieht, dass das deutlich an Fahrt gewinnt. Ich glaube, das siehst du auch. Du berichtest ja viel über das Thema. Und ich denke, wenn man jetzt mal so einfach mal sich anschaut, was berichtet wird, wo es berichtet wird, das nimmt nochmal deutlich an Fahrt auf. Und daran, ja, also nicht nur an den Informationen, auch das, was wir natürlich direkt von den Kunden hören, unseren OEMs, auch dort sehen wir eine deutliche Dynamik. Und das ist nicht mal jetzt latest and greatest, sondern das ist was, wo wir schon seit einem halben Jahr eigentlich so sehen oder vielleicht vor einem Jahr auch schon. Also wir rechnen damit, dass... Ja, im 2030 ein Drittel auf jeden Fall rein elektrische Fahrzeuge sind in der Neuzulassung. Und drei Viertel der Fahrzeuge in irgendeiner Form dann noch eine Elektrifizierung haben. Sei es 48 Volt, sei es eine Vollhybridisierung oder auch eine Plug-in-Hybridisierung. Also da wird man, der reine Verbrenner wird dann, sage ich mal, eher zurücktreten. Also es gibt sehr, sehr viel Elektrifizierung und auch 2030 sehen wir dann so schon den Start vielleicht von den Brennstoffzellenfahrzeugen jetzt speziell jetzt vielleicht im LKW und vielleicht in den ganz oberen Segmenten.

  16. Sebastian:

    Okay, also teilt er da auch die Meinung sozusagen vom Markt dann auch weitestgehend, jetzt gerade mit dem Bereich Brennstoffzelle für Schwerlast dann erstmal zu Beginn. Du sagst jetzt aber auch, okay, wir werden dann 2030 wahrscheinlich so drei Viertel der Fahrzeuge werden irgendeine Form von Elektrifizierung aufweisen. Das heißt, es gibt ja eigentlich auch schon die Richtung für Bosch dann vor sozusagen. Ihr nehmt gestärkt durch die Vergangenheit Verbrenner Dieselprodukte, die ihr eben aktuell noch am Start habt, die ihr jetzt ja auch noch weiter führt natürlich, weil der Bedarf noch da ist, nehmt aber die Gewinnergebnisse daraus, um euch für die Zukunft weiter breiter aufzustellen, um dann die E-Mobilität auch tatsächlich weiter voranzutreiben, kann man das so sagen?

  17. Ralf Schmidt:

    Absolut. Aber wenn man dann die Zahl eben dann auch nochmal hernimmt, ja, es sind dann, sage ich mal jetzt, wenn man so sagt, zwei Drittel der Fahrzeuge haben ja immer noch einen Verbrennungsmotor, der natürlich sehr sauber sein muss, der dann elektrifiziert dann ist. Aber es ist auch so und das kommt oft falsch rüber. Also wir werden in 2030 noch nicht alle mit dem BEV oder Fußelektrikfahrzeug fahren. Das wird nicht funktionieren. Also auch das wird Transformation bedeuten. Und auch da muss man sich natürlich vorbereiten. Das geht halt nicht von heute auf morgen. Das muss man einfach so sagen. Und da muss man auch offen und ehrlich sein. Das wird nicht funktionieren. Obwohl ich total überzeugt bin von dem Thema. Da muss man schon ein bisschen am Boden bleiben noch.

  18. Sebastian:

    Klar, ich meine allein dadurch gegeben, dass man nicht von heute auf morgen alle Verbrenner von der Straße verbannen kann und sagen kann, ja gut, jetzt kauft euch alle neue Fahrzeuge, die sind halt nur noch elektrisch angetrieben, egal ob wir jetzt Brennstoffzelle oder rein batteriebetriebene Mobilität sprechen, das wird nicht funktionieren, das ist klar. Zum Ende von dem Gespräch würde ich jetzt gerne gerade nochmal kurz die Brennstoffzelle aufgreifen. Hast du eben schon erwähnt, ihr seht die jetzt eher dann so wohl im Bereich Schwerlastverkehr um 2030 rum. Spielt die aktuell für euch eine Rolle oder ist die jetzt erstmal ein wenig hinter der batteriebetriebenden Mobilität sozusagen eingeordnet oder treibt ihr das parallel irgendwie voran?

  19. Ralf Schmidt:

    Wir treiben es parallel voran, weil wir, ja, ich meine, wir starten solche Themen in der Forschung, aber da sind wir schon drüber hinaus, also es geht in die Applikation schon rein. Also speziell Richtung Schwerlastanwendungen, denke ich, ist das eine Sache, die wir uns anschauen. Und was vielleicht auch ein Thema ist, ist natürlich Brennstoffzelle auch zu Hause, muss man auch sagen, vielleicht Erdgasbetriebene, wo man dann, ja, früher hat man vielleicht einen Blockheizkraftwerk aufgestellt, aber auch für zu Hause, wo ich dann meinen Strom und meine Wärmeenergie dann sehr, sehr effizient auch selber machen kann. Also da sind wir relativ breit auch unterwegs. Also nicht nur in dem Mobilitätssektor, sondern auch im Industrie- und Haushalt. Also da sehen wir das auch, das Thema. Ja, es ist heute noch... Man hat genauso wie in der Elektrifizierung vielleicht vor zehn Jahren, hat man noch viel mit Technologie natürlich zu tun. Wie stellt man sich da auf? Wie skaliert man dann entsprechend? Und dann kommt auch das Thema Infrastruktur, natürlich Wasserstoffinfrastruktur. Da gibt es auch viele Fragen. Aber so wie bei einer elektrischen oder Ladeinfrastruktur, ist es halt auch, das braucht Zeit. Und da ist immer so ein bisschen Henne und Ei auch mit dabei, über das du ja auch ab und zu schreibst. Ich meine, hätte ich die Ladeinfrastruktur, hätte ich auch die Elektrofahrzeuge, aber ich brauche die Elektrofahrzeuge, damit sich die Ladeinfrastruktur dann auch rentiert und so weiter. Also ich glaube, bei den BEVs kommt das jetzt so einigermaßen zusammen. Das ist zumindest mein Gefühl. Wenn man jetzt nach USA guckt, gab es ja durch den Regierungswechsel auch einen starken Shift. Das Thema CO2 wird deutlich mehr berücksichtigt. Joe Biden investiert in Infrastruktur oder in Ladeinfrastruktur. Und sowas denke ich, das ist auch für uns in Europa wichtig, dass wir uns um das kümmern. Die Elektrofahrzeuge, das, was jetzt in der Pipeline ist an Modellen, da kann dann keiner mehr sagen, ach, ich finde ja keins, weil es nur zwei oder drei Fahrzeuge gibt. Also es ist ja eine gewaltige Menge am Anrollen an verschiedenen BEV-Modellen, die gut aussehen. Und ich denke, da ist dann für den Endkunden eigentlich alles dabei, was man haben will.

  20. Sebastian:

    Das denke ich auch. Dass das jetzt so langsam hochkommt, das wird sich gegenseitig hochschaukeln. Das wird auch mittlerweile von mehreren Ländern ja immer mehr, sage ich mal, gepusht sozusagen. Man scheint sich auch darauf zu verständigen, weltweit mittlerweile, was ja dann das Ganze für alle Beteiligten sozusagen einfacher macht und eure Position dann ja auch nochmal stärkt. Indem das ja dann nochmal untermauert wird, sage ich mal, dass ihr da schon die letzten zwei Jahrzehnte irgendwas richtig gemacht habt sozusagen, wenn das dann dementsprechend jetzt eben auch am Markt angenommen wird. Von daher von meiner Seite aus erstmal vielen Dank für die Eindrücke von Robert Bosch. Ralf, danke für deine Zeit und freue mich, wenn wir vielleicht in Zukunft dann uns nochmal austauschen können, um dann nochmal einen Blick zurückzuwagen, vielleicht 2024, 2025, ob ihr denn die Reise so erfolgreich angetreten habt, wie ihr es euch denn jetzt vorgenommen habt.

  21. Ralf Schmidt:

    Vielen Dank, Sebastian. Das ist unser Ziel, Nummer eins zu werden in der Elektrifizierung. Dann unterhalten wir uns darüber. Dann kannst du mit der Nummer eins dann wieder reden.

  22. Sebastian:

    Das machen wir sehr gerne. Vielen Dank, Alf.

  23. Ralf Schmidt:

    Dankeschön. Tschau.

  24. Sebastian:

    Tschüss. Das war dann auch die heutige Folge mit Ralf Schmidt von Bosch, der uns eben ja schon Einblicke gegeben hat in das Unternehmen, was man vorhat in puncto Immobilitätsoffensive, was man in der Vergangenheit schon getan hat und wo auch künftig die Reise hingeht. Dir vielen Dank fürs Zuhören. Ich freue mich, wenn du nächste Woche wieder einschaltest, wenn die nächste Folge des elektroautonews.net Podcasts online geht. Mach's gut. Bis dahin. Tschau. Und wenn du magst, hinterlasse gerne eine Bewertung bei iTunes für uns, dass die E-Mobilität noch ein wenig weiter nach außen getragen wird. Danke dafür.