encore | DB nimmt sich Batteriespeicher an

Gemeinsam habe ich mich mit Ilma Bojadzic, Co-Founder & Head of Strategy encore, zum Thema Batteriespeicher im EAN-Podcast ausgetauscht. Das Spannende daran, encore | DB, ein Corporate Start-up aus dem Deutsche Bahn Umfeld, nimmt Herstellern von E-Fahrzeugen gebrauchte Batterien ab und baut daraus grüne Batteriespeicher. Dabei ist das Geschäftsmodell durch eigenen Antrieb von Ilma und ihren drei Mitgründern entstanden. Zunächst unter dem Dach der DB AG, mittlerweile ist encore | DB ein eigenständiger Geschäftsbereich der DB Bahnbau Gruppe, einem Tochterunternehmen der Deutschen Bahn.

Im Podcast erzählt Ilma von ihrem Werdegang, beginnend mit ihrem Studium im Bereich Entrepreneurship und Innovation, über ihr anknüpfendes Traineeprogramm bei der Deutschen Bahn mit Schwerpunkt auf Digitalisierung und neue Geschäftsmodelle, bis hin zur Gründung und aktuellen Aufgabe bei encore | DB. Dabei ist besonders spannend, wie sie über Herausforderungen und Entwicklungen im Rahmen des Trainee-Programms berichtet.

Der ursprüngliche Auftrag war die Identifizierung von Problemen im Bereich Mobilität und Logistik der Zukunft. Die Gründung eines Unternehmens in diesem Bereich war nicht geplant. Erster Gedanke von Ilma und ihrem Team war hierbei, sich auf die Elektromobilität zu konzentrieren. Genauer gesagt auf die Herausforderungen, die sich aus der Notwendigkeit ergeben, Batterien von E-Autos zu transportieren. Ursprünglich planten sie, eine Befundungs-App zu entwickeln, um die Arbeit mit Batterien zu vereinfachen und die Sicherheit zu erhöhen. Nachdem dieser Ansatz wenig Interesse geweckt hatte, verlagerten sie ihren Fokus auf einen Marktplatz für gebrauchte Batterien.

Ilma beschreibt weiter, wie sie sich mit zwei Kollegen beim internen Gründungsprogramm der Deutschen Bahn anmeldete, um aus der Idee des Batteriemarktplatzes ein echtes Geschäftsmodell zu entwickeln. Trotz Herausforderungen während der COVID-19-Pandemie fanden sie schließlich Unterstützung bei der DB Bahnbau Gruppe. Diese schlug vor, die gebrauchten Batterien nicht nur zu verkaufen, damit daraus z.B. Second Life Batteriespeicher gebaut werden, sondern diese auch selbst zu fertigen.

Von der Marktplatzidee nahm das Team daraufhin Abstand und widmet sich der Entwicklung und Fertigung von Second-Life-Batteriespeichern. Diese werden sowohl intern bei der Deutschen Bahn, als auch extern eingesetzt und müssen dabei höchsten Anforderungen gerecht werden. encore | DB arbeite darüber hinaus auch schon mit anderen Unternehmen zusammen. Beispielsweise mit Kia. Im Gespräch selbst gibt sie natürlich tiefere Einblicke. Also los. Einschalten.

Shownotes:

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Transcript

  1. Intro:

    Elektroauto News. Der Podcast rund um das Thema Elektromobilität. Mit aktuellen Entwicklungen, Diskussionen, Interviews und vielem mehr.

  2. Sebastian:

    Servus und herzlich willkommen bei einer neuen Folge des Elektroauto-News.net Podcast. Ich bin Sebastian und freue mich, dass du heute wieder mit am Start bist. In der aktuellen Folge habe ich Ilma zu Gast. Sie leitet das Corporate Startup Encore der Deutschen Bahn und beschäftigt sich dort im Detail mit Batteriespeicher. Ja, abseits der Gleisen, aber eben mit Batterien aus dem Second Life, aus dem Automobil. Die helfen dabei, der Deutschen Bahn das Netz zu stabilisieren, aber eben auch schon Kunden außerhalb der Bahnsphäre gefunden hat. Wir gehen direkt rein ins Gespräch mit Ilmar. Viel Spaß damit. Hi Ilmar, vielen Dank, dass du heute hier bei uns im elektronischen News.net Podcast bist, dass wir uns ein Stück weit mit dir über Encore, ein Startup aus dem Umfeld der Deutschen Bahn unterhalten können. Bevor wir da allerdings tiefer eintauchen, stell dich doch gerne mal unseren ZuhörerInnen vor, damit wir auch wissen, wer auf der anderen Seite des Mikrofons sitzt.

  3. Ilma:

    Hallo Sebastian, vielen Dank für die Einladung. Ich habe mich sehr gefreut. Ich bin Ilma und leite das Corporate Startup Encore bei der Deutschen Bahn. Ich bin 32 Jahre alt, wohne in Frankfurt und bin jetzt seit fünf Jahren bei der Deutschen Bahn. Ich habe irgendwann mal Entrepreneurship und Innovation studiert im Master und dann war natürlich die logische Schlussfolgerung, damit gehe ich zur Deutschen Bahn. Nein, ich bin in Frankfurt gelandet und habe geschaut, was gibt es so in dem Bereich und habe bei der Bahn ein sehr spannendes Training-Programm gefunden mit Fokus Digitalisierung und neue Geschäftsmodelle und habe da im Februar 2019 angefangen und konnte wahnsinnig viele Einblicke in die Deutsche Bahn gewinnen, habe an Produkten für den Schienengüterverkehr mitgearbeitet, aber auch an Zukunftsthemen wie Flugtaxi oder Hyperloop und Und nach dem Trainee-Programm bin ich dann zur DB Connect gegangen. Das ist der Flottenbetreiber der Deutschen Bahn, aber auch der Anbieter von dem Bike- und Carsharing. Aber Teil des Trainee-Programms war es nicht nur, die Geschäftsfelder kennenzulernen, sondern auch ein Problem im Bereich Mobilität und Logistik der Zukunft zu identifizieren. Und mein Team hat sich damals mit der Elektromobilität beschäftigt, die 2019 begann. natürlich auch schon im Kommen war. Und mit den Batterien, die dann irgendwann, wie im Smartphone, jeder kennt es, der Akku wird schwach, ist es auch beim E-Auto so, dass die Batterie ausgetauscht werden muss. Und wir als Deutsche Bahn, insbesondere DB Cargo und DB Schenker, sind dann natürlich die Ersten, die damit in Berührung kommen, weil die Batterien dann transportiert werden müssen. Und dann haben wir damals in dem Team angefangen, uns überlegt, was für Probleme könnte dann DB Schenker oder DB Cargo damit haben und wie könnten wir die mit im besten Fall einem digitalen Geschäftsmodell lösen, weil der Fokus des Training-Programms war ja Digitalisierung. Und dann haben wir erstmal eine Befundungs-App uns ausgedacht. Da soll dann der Lkw-Fahrer oder die Lkw-Fahrerin einfach ein Foto von der Batterie machen. Und die KI hätte dann gesagt, ja, die Batterie muss so und so verpackt werden, nach der und der Richtlinie transportiert werden. Und die Idee war, die Arbeit mit den Batterien zu vereinfachen und die Sicherheit zu erhöhen, damit wirklich jede Batterie auch gesetzeskonform transportiert wird. Das haben wir dann unterschiedlichen Personen bei DB Schenker gepitcht, aber auch Flottenbetreibern von E-Scootern, weil wir dachten, okay, auch da gibt es ja viele Batterien mit den gearbeitet wird. Die haben aber nicht so ein Interesse bekundet und dann dachten wir, okay, schade, war eine gute Idee, aber ja, dann nicht, dann machen wir was anderes und dann sind wir bei einem Marktplatz für gebrauchte Batterien gelandet und haben da ein Geschäftsmodell draus entwickelt und dann war das Training-Programm zu Ende. Ich habe es ja schon erzählt, ich bin zur TB Connect gegangen, aber die Idee hat mich nicht losgelassen und ich dachte so, es ist doch irgendetwas Muss man doch machen mit den Batterien, die dann in Zukunft zurückkommen werden. Und habe mich mit zwei Kollegen, Fabian und Lukas, beim internen Gründungsprogramm der Deutschen Bahn angemeldet, DB Intrapreneurs. Und dann haben wir, also das Trainee-Programm hat ein Jahr gedauert. Wir waren im April 2020, der ein oder andere Zuhörer oder Zuhörerin erinnert sich vielleicht dunkel an die Zeit, das waren die ersten Monate von Corona. Wir haben dann remote, parallel zu unseren Jobs, an der Geschäftsidee des Marktplatzes gearbeitet und hatten dann das Ziel, einen Investor innerhalb der Deutschen Bahn zu finden, um dann drei Monate Vollzeit an der Geschäftsidee zu arbeiten, einen Businessplan zu schreiben und Business Case zu rechnen und für diese drei Monate eine Finanzierung zu finden. Wie gesagt, es war Corona. Auch bei der Deutschen Bahn war nicht klar, wie geht das weiter? Wie viele Fahrgäste werden noch mit der Bahn unterwegs sein? Wie lange dauert das an? Und es war wirklich schwer, einen Investor zu finden, weil niemand so mutig war zu der Zeit. Oder das heißt nicht mutig, sie waren natürlich vorsichtig, weil jetzt vier Jahre später weiß man natürlich, was passiert ist, aber damals noch nicht. Und dann hat sich aber die DB Bahnbaugruppe gefunden. Und ehrlicherweise, ich sage es immer, ich wusste nicht so richtig, was die machen. Ich wusste, die gibt es und ich wusste, die sind wichtig, aber dass die auch was mit Batterien zu tun haben, war mir nicht klar. Aber die haben wirklich eine tolle Geschäftsführung, die Potenzial in der Idee und in uns als Team gesehen haben und haben gesagt, okay, wir geben euch das Geld und dann könnt ihr drei Monate daran arbeiten. Gesagt, getan, aber es hat alles ein bisschen gedauert, haben wir dann noch einen vierten Mitgründer gesucht und gefunden. Philipp, der kam aus der Logistikbranche, das heißt, er kannte sich auch aus und hatte ein großes Netzwerk. Und dann haben wir von Februar bis Mai 2021 diesen Businessplan geschrieben und Für den Marktplatz. Nach der Hälfte der Zeit hat die Bahnbaugruppe aber gesagt, es wäre denn, wenn wir nicht nur die Batterien auf dem Marktplatz verkaufen, sondern selbst welche bauen. Die haben nämlich schon Erfahrungen in dem Bereich, die bauen alternative Energiesysteme auf Basis der Brennstoffzelle. Und dann hatten wir nur noch anderthalb Monate Zeit, um einen Businessplan und Business Case zu schreiben für die Fertigung von Second Life Batteriespeichersystemen. Und scheinbar entstehen unter Druck wirklich Diabanten. Wir haben dann am Ende die Zusage bekommen und haben unsere Jobs bei der Bahn gekündigt und haben dann bei der DB Bahnbaugruppe angefangen, Encore aufzubauen.

  4. Sebastian:

    Vielen Dank, dass du uns da schon mal abgeholt hast. Das wäre dann doch ein weiter, zwar kurzer, kompakter Weg sozusagen von der Zeit her, aber ich glaube von den Hoch- und Tiefs, die euch da begleitet haben, dann schon sehr spannend. Du hast jetzt gesagt, der Weg dorthin war ja mit verschiedenen Herausforderungen sozusagen gespickt. Es gab diese Marktplatzgedanke, von dem seid ihr jetzt aber mittlerweile abgekommen. Das ist nicht mehr Kern eures Businesses, sondern ihr baut Batteriespeicher auf. Aus recycelten oder neuwertigen Batterien kannst du uns da noch ein Stück weit abholen.

  5. Ilma:

    Wir haben den Marktplatz Gedanken aufgegeben. Da gibt es ja auch wirklich tolle Unternehmen, die das machen. In deinem Podcast war ja auch schon Circonomics zu Gast. Wir haben uns auf die Fertigung der Second-Life-Batteriespeicher fokussiert. Wir arbeiten zum einen mit Kia zusammen und kriegen alle Batterien, die in Europa zurückkommen. Also das sind wirklich Second-Life-Batterien, die beim Kunden im Einsatz waren und kaufen auch noch von anderen Herstellern entweder Second-Life-Batterien ein oder Produktionsausschuss-Batterien ein. Auch die fallen natürlich an und auch die nehmen wir ab und geben denen ein zweites Leben oder geben denen einen zweiten Anwendungsfall.

  6. Sebastian:

    Das zweite Leben, das du jetzt eben angesprochen hast, das ist natürlich folgerichtig in eurem Batteriespeicher. Aber wo kommen die Batteriespeicher zum Einsatz? Auch im Umfeld der Deutschen Bahn, außerhalb davon?

  7. Ilma:

    Sowohl als auch. Also natürlich ist unser großes Ziel, auch die Deutsche Bahn nachhaltiger zu machen und du hast ja auch zum Beginn die Frage gestellt, warum macht die Deutsche Bahn das? Wir brauchen einfach wahnsinnig viel Energie, entweder zum Fahren der Züge oder zum Instandhalten der Züge oder am Bahnhof und da schaut die Deutsche Bahn natürlich auch, wie können wir da möglichst grüne und sichere Lösungen anbieten. Das heißt, unser Ziel ist es, wo es geht bei der Deutschen Bahn auch Batteriespeicher zum Einsatz zu bringen und kriegen da auch wirklich wahnsinnig tolle Unterstützung aus den Geschäftsfeldern. Aber wir verkaufen auch Second Life Batteriespeicher an externe Kunden.

  8. Sebastian:

    Du hast jetzt erwähnt, Deutsche Bahn greift natürlich gerne darauf zurück, weil dann muss auch grüne Energie dort gespeichert werden. Wird die grüne Energie dann eben auch dort vor Ort gewonnen und dort reingespeichert? Oder ist das jetzt ein Themenfeld, mit dem ihr jetzt beispielsweise direkt gar keine Verbindung habt, sondern ihr stellt nur Batteriespeicher dorthin?

  9. Ilma:

    Also wir als Encore liefern nicht die Solaranlagen, sondern die werden über andere Partner, zum Beispiel die DB Energie, bezogen und wir schauen dann, dass die miteinander kommunizieren können und in Kombination mit erneuerbaren Energien ist ein Batteriespeicher natürlich super.

  10. Sebastian:

    Jetzt ist es allerdings ja auch so, wahrscheinlich kann ich ja nicht jeden alten Akku, der sein zweites Leben bekommen soll, in so einen Batteriespeicher reinpacken, vor allem in der Kombination mit verschiedenen Modulen, die ja dann da zusammenkommen. Das ist ja nicht nur ein Akku, der da reinkommt, sondern verschiedenste Module, wie ich ja auch im Hockenheimring sehen konnte im Herbst letzten Jahres. Magst du da ein Stück weit vielleicht mal ausholen, auf was ihr achtet, wie diese Auswahl da erfolgt, damit ihr dann im Endeffekt ja auch einen Batteriespeicher habt, der eine lange Lebenszeit mit sich bringt?

  11. Ilma:

    Gerne. Zum einen sind es zwei Batterien, die vorher beim Kunden waren. Die werden aber oder dürfen auch nicht aus Unfallfahrzeugen sein. Also die gehen dann direkt ins Recycling. Das heißt, wir gucken erstmal, sehen die auch in Ordnung aus? Sind die aufgebläht oder nicht? Also erstmal eine optische Kontrolle. Und dann wird auf Basis der Impedanzspektroskopie unterschiedliche Sachen gemessen. Also einmal der Scheininnenwiderstand jedes Moduls und damit ermitteln wir dann die Restkapazität und die Gesundheit der Batteriemodule.

  12. Sebastian:

    Das heißt im Endeffekt, es wird schon auch sehr streng ausgewertet, was ihr überhaupt mit reinnehmt, was eben nicht mit reinkommt. Und nicht automatisch jeder Akku ist für Second Life geeignet, sondern da wird schon ein Unterschied auch gemacht und festgestellt.

  13. Ilma:

    Richtig, wir teilen die Batterien dann in unterschiedliche Kategorien ein und je nachdem kommen sie dann im Batteriespeicher zum Einsatz oder gehen direkt ins Recycling, weil uns das natürlich wichtig, dass die Rohstoffe dann auch wiederverwendet werden oder neu hergestellt werden.

  14. Sebastian:

    Dann haben wir ja auch die Thematik, dass so ein Batteriespeicher entsprechend Geld kostet natürlich. Jetzt könnte man ja auch sagen, okay, warum greift man überhaupt auf diese Batteriemodule im zweiten Leben zurück? Ist das die Preisthematik, die das schlussendlich auch attraktiv macht für eure Endkunden sozusagen? Oder ist es eher getrieben durch den Gedanken der Second-Life-Wiederverwendbarkeit, längere mögliche Lebensdauer von so einer Batterie für den CO2-Fußabdruck dann natürlich?

  15. Ilma:

    Für die Kunden ist das Thema Nachhaltigkeit auf jeden Fall wichtig und dann kommt immer mehr und mehr und wird auch zum Verkaufs- oder Kaufsargument für die Kunden. Aber die Wirtschaftlichkeit spielt auf jeden Fall eine Rolle. Das heißt, unser Ziel ist es auch, nicht nur grünere Speicher anzubieten als neue Batteriespeicher, sondern auch günstigere Second-Life-Batteriespeicher.

  16. Sebastian:

    Da wird es ja schlussendlich dann auch interessant, wenn wir genau diese zwei Welten miteinander verbinden. Zum einen natürlich den Wirtschaftlichkeitsfaktor, der für Unternehmen immer ausschlaggebend ist, aber auch eben der Nachhaltigkeitsfaktor, der überzeugt das dann auch in Summe. Für uns oder für mich jetzt auch noch relevant, ihr habt jetzt einen Kunden wie Deutsche Bahn, ich sage mal hausintern oder heimintern bei euch dann, auch wenn es unterschiedliche Filmierungen sind und ihr habt externe Kunden. Gibt es da unterschiedliche Anforderungen an Batteriespeicher oder habt ihr diese, ich sage mal, eine Produktlösung, die ihr allen anbieten könnt?

  17. Ilma:

    Da gibt es eigentlich keine Unterschiede. Also dadurch, dass wir auch an die Deutsche Bahn Batteriespeicher verkaufen, haben wir natürlich die höchsten Ansprüche an die Sicherheit. Das heißt, jeder Batteriespeicher, der am Bahnhof oder Instandhaltungswerk ist, wird auf Herz und Nieren geprüft und das geben wir natürlich auch gerne an externe Kunden weiter.

  18. Sebastian:

    Bei so einem Batteriespeicher, von was für einer Leistung, von was für einer Kapazität redet man da? Oder sind die auch teilweise modular aufgebaut, dass das dementsprechend hoch und runter skalieren kann? Weil ich sage mal, ein kleiner Bahnhof hier nirgendwo, ich sage jetzt mal Neckargemünd bei uns, der wird ja wahrscheinlich weniger Bedarf an einem Energiespeicher haben, als wenn wir das jetzt im krassen Gegenteil in München beispielsweise an den Hauptbahnhof stellen.

  19. Ilma:

    Richtig. Wir haben drei unterschiedliche Speichergrößen. Einen kleinen Batteriespeicher mit 20 Kilowattstunden und dann größere Batteriespeicher, die auch modular erweitert werden können. Das heißt, nach oben hin gibt es keine Grenzen.

  20. Sebastian:

    Von der Ansteuerbarkeit aber macht das keinen Unterschied für mich, ob ich jetzt eben den 20 Kilowattstunden Speicher dort stehen habe oder eben auch die größeren Varianten.

  21. Ilma:

    Nein.

  22. Sebastian:

    Die Batteriespeicher werden natürlich genutzt, um eben grünen Strom zwischenzuspeichern, um es dann wieder in Zeiten zu nutzen, in denen er eben nicht so zur Verfügung steht. Also Überschuss wird aufgefangen, wird zwischengespeichert, dann verwendet. Werden Batteriespeicher auch künftig dann noch mehr ein Thema dabei spielen, Lastspitzen zu kappen, die Netze zu stabilisieren, wenn es dort eben Schwankungen gibt? Und ist das ein Thema, auf das ihr euch vorbereitet oder das ihr auch schon unterstützt durch eure Software und Hardware?

  23. Ilma:

    Ja, gute Frage. Und ja, tun wir. Also für die Kunden spielt natürlich die Wirtschaftlichkeit oder die Reduzierung der Stromkosten fast immer eine Rolle. Und unsere Batteriespeicher können unterstützen, Lastspitzen zu kappen und wahrscheinlich gibt es da dann auch die größten Reduzierungen bei den Stromkosten, aber auch bei der Optimierung des Eigenverbrauchs können die Stromkosten gesenkt werden.

  24. Sebastian:

    Wenn wir jetzt eben von dem klassischen Batteriespeicher ausgehen, den ihr aktuell am Start habt, drei Varianten hast du eben gesagt gehabt, auch modular aufeinander aufbauend. Wie sehen künftige Pläne aus? Ist das jetzt quasi das Ende der Fahnenstange für euch erreicht oder habt ihr da noch mehr Ideen? Und da würde ich fast vermuten, dass ihr da wahrscheinlich noch ein bisschen was im Köcher habt. Kannst du da mal einen Ausblick geben?

  25. Ilma:

    Ja, wir haben auf jeden Fall noch viele Pläne. Bei der Deutschen Bahn wird ja auch viel gebaut. Das heißt, wir wollen auf jeden Fall auch mobile Batteriespeicher für die Baustellen liefern und versuchen aber jetzt gerade auch die Herstellungskosten einfach noch weiter zu reduzieren, damit möglichst viele Unternehmen sich unsere Batteriespeicher auch leisten können, weil wir Und der Ausbau erneuerbarer Energien ist natürlich super, aber die Energiewende kann erst gelingen, wenn die erneuerbaren Energien auch gespeichert werden können.

  26. Sebastian:

    Das stimmt. Und du hast jetzt eben gesagt, ihr wollt die Kosten nach unten bekommen. Kosten ist ja jetzt ein Thema, da habt ihr wahrscheinlich auch nur bedingt Einfluss drauf. Weil ich sage mal, der größte Punkt, zumindest ist es ja beim E-Auto so, und das wird analog beim Batteriespeicher auch so sein, sind die Akkus an sich, auch Second-Life-Akkus. Da könnt ihr ja nur bedingt mitwirken. Ist das dann eher ein Warten darauf, dass der Markt hochfährt und die Anzahl der Second-Life-Batterien, Module sich erhöht? Oder könnt ihr gewissermaßen auch noch an der Peripherie, an der anderen Technik in den Batteriespeicher ansetzen?

  27. Ilma:

    Auch da sowohl als auch, also wir verhandeln natürlich auch mit den Herstellern der E-Fahrzeuge, auch für die spielt Nachhaltigkeit eine Rolle. Und da spielt das Second Life natürlich gut rein, wenn sie die Batterien vorher in ein zweites Leben geben und erst danach ins Recycling, wird da natürlich der CO2-Fußabdruck der Batterien auch noch reduziert. Das heißt, es sollte immer im Interesse der Hersteller sein, die Batterien erstmal in ein zweites Leben zu geben. Aber wir versuchen natürlich auch in allen anderen Komponenten zu sparen und Skalierungseffekte herzustellen. Und das ist natürlich dann, je mehr Container du kaufst, je mehr Wechselrichter du kaufst, je mehr Kabel du kaufst, desto eher kannst du die Kosten dann reduzieren.

  28. Sebastian:

    Vielen Dank für den Einblick da schon mal und jetzt zum Ende dann vielleicht für mich auch noch die Frage oder vor allem für mich jetzt auch, auch wenn es die ZuhörerInnen wahrscheinlich genauso interessiert, Deutsche Bahn. Wir haben jetzt gelernt, okay, man macht doch ein bisschen mehr außer Fern- und Nahverkehr mit Zügen oder Bahnen abzubilden. Man denkt darüber hinaus, wie wichtig war denn für euch die Zusammenarbeit mit der Deutschen Bahn, mit den verschiedenen Firmierungen, Tochterfirmen davon, um eure Idee überhaupt erstmal auf die Straße oder an die Straße zu bringen?

  29. Ilma:

    Das war auf jeden Fall essentiell und ich kann es mir auch nicht anders vorstellen, weil bei der Bahn so viel Kompetenz liegt. Also wir haben zum einen natürlich selbst die Fahrzeuge, wir haben E-Busse oder batterieelektrische Züge. Das heißt, auch da müssen wir darüber nachdenken, was passiert danach damit. Dann haben wir den großen Energiebedarf. Und wir haben mit der DB Energie einen Energieversorger, der wahnsinnig viel Kompetenz hat in unterschiedlichen Bereichen der Elektrotechnik. Dann haben wir die Bahnbaugruppe, die schon erfahren darin ist, Sachen oder Batterienergiesysteme zu bauen. Dann haben wir die DB Systel, die auch noch Erfahrung haben, zum Beispiel in der Entwicklung von Software, die wir jetzt auch in einem Energiemanagementsystem nutzen können. Das macht einfach total Spaß und begeistert mich auch so an diesem Konzern, dass alle die Relevanz unseres Produkts sehen und alle unterstützen, uns erfolgreich zu machen.

  30. Sebastian:

    Das ist schön, wenn man darauf zählen kann. Startup-Schnellboot in so einem Konzern sozusagen, fühlt es sich noch wie ein Schnellboot an oder wird man an der einen oder anderen Stelle dann auch schon mal ein Stück weit ausgebremst oder zumindest von der Richtung in wenig eingenordnet?

  31. Ilma:

    An manchen Tagen fühlt es sich auch an wie eine Achterbahnfahrt, aber ich glaube, das ist in jedem Startup so. Ich glaube, wir werden, wenn dann an den richtigen Stellen mal abgebremst, nämlich zu gucken... Rechtlich ist man auf der sicheren Seite, dass Sicherheit natürlich bei der Bahn an oberster Stelle steht und auch, dass compliance-technisch natürlich alles in Ordnung sein muss. Das heißt, eigentlich bin ich froh, wenn wir dann auch auf solche Sachen hingewiesen werden und da dann alles ordentlich gemacht wird.

  32. Sebastian:

    Beruhigt uns natürlich auch, wenn wir da unterwegs sind und dann konforme Batteriespeicher im Einsatz sind. Vielen Dank für die Einblicke hinter die Kulissen von Encore und wir sind gespannt, was da noch so kommt. Danke für deine Zeit, Ilma.

  33. Ilma:

    Danke, Sebastian, für die Einladung.

  34. Sebastian:

    Was für ein Gespräch. War doch jetzt mal spannend zu sehen, in welchen Bereichen die Bahn sich eben noch so bewegt, interagiert, agiert, um dann eben auch sich auf die Mobilität der Zukunft einzustellen oder mit dem Mobilitätswandel einherzugehen. Ilma hat uns hier einige Beispiele aus einem Riesenkonzern gegeben, wie sie es entwickeln kann, wie man so schnell Boote wie Encore an den Start bringen kann und daraus dann ja auch eigene Firmen sozusagen aufziehen kann. Ich fand es ultra spannend, fand die Einblicke sehr interessant. Und bin mir sicher, dass wir weiterhin mit Ilma im Austausch bleiben, um eben zu sehen, wo die Reise hingehen kann künftig. Dir vielen Dank fürs Zuhören. Schalt auch gerne wieder kommende Woche beim nächsten Elektroautonius.net Podcast ein. Mach's gut. Bis dahin. Ciao.