Batterie mit Klebeband: Werkstatt-Realität in China

Im Gespräch mit Michael Dittmar

Michael Dittmar ist ein echtes Urgestein der Kfz-Branche: Seit über 40 Jahren dabei, davon 34 als selbstständiger Kfz-Meister in Bochum – und seit mehr als einem Jahrzehnt mit Elektroautos vertraut. Dass er Anfang April 2025 nach China gereist ist, hat unser Gespräch im Podcast besonders spannend gemacht. Ich wollte wissen: Was läuft dort anders – und was vielleicht sogar besser? Michael hat gleich zu Beginn klargemacht, dass China und Europa keine Frage von „weiter“ oder „zurück“ ist, sondern schlicht von anders.

In China gibt es bislang keinen funktionierenden IAM, also keinen unabhängigen Aftermarket – ein Konzept, das für uns selbstverständlich ist. Werkstätten findet man dort kaum sichtbar im Stadtbild, auch klassische Vertragshändler sucht man vergeblich. Das System läuft stark digitalisiert und zentral gesteuert ab, etwa über Super-Apps wie WeChat. Ein besonders eindrückliches Beispiel schilderte Michael aus einer Auto-Reinigung: Statt Waschanlage übernehmen dort sechs Mitarbeitende mit Schwamm und Eimer die Pflege – mit beeindruckender Effizienz. „Wenn einer krank wird, drücken drei Neue nach“, meinte Michael augenzwinkernd. Ein Bild, das deutlich zeigt: Personal ist in China (noch) kein Engpass.

Trotz dieser Unterschiede sieht Michael Europa in vielen Bereichen vorn – vor allem beim Zugang zu Reparaturdaten und Ersatzteilen. „Wir werden hier ja gefühlt geflutet mit minderwertigen chinesischen Ersatzteilen – dort ist es umgekehrt: Die kriegen oft keine Teile, und wenn, dann freuen sie sich über unsere deutschen Marken.“ Auch der Umgang mit Daten ist ein Thema: Während bei uns das „Recht auf Reparatur“ gilt, steht China hier noch ganz am Anfang. Die Regierung versucht derzeit, Hersteller zur Datenfreigabe zu bewegen – in Europa längst Standard.

Auch das Ladeverhalten ist in China völlig anders: Während wir auf Reichweite setzen, zählt dort vor allem Schnelligkeit. „Fünf Minuten von zehn auf achtzig Prozent – das ist das Ziel“, so Michael. Ein interessanter Nebeneffekt: Es gibt in China ein eigenes Werkstattangebot für Battery Balancing. Die schnelle Ladegeschwindigkeit lässt dem Batteriemanagementsystem keine Zeit zum Ausgleichen der Zellen – also wird regelmäßig nachgebessert. Doch nicht alles ist so durchorganisiert, wie es auf den ersten Blick scheint. Bei einem Werkstattbesuch zeigte sich: Arbeitssicherheit und Reparaturprozesse sind dort oft improvisiert. „Da war eine Batterie mit Klebeband und Scheibenkleber zusammengebaut – das war Realität“, schildert Michael. Die Batteriehersteller schicken im Fall eines Defekts sogenannte Flying Doctors – statt die Werkstätten zu befähigen, selbst zu reparieren. Ein echtes Kontrastprogramm zu unserem System.

Trotzdem erkennt Michael auch Potenziale: „Hands-on ist gar nicht schlecht. Ich finde gut, dass man sich was traut, wo wir vielleicht überreguliert sind.“ Ein Beispiel: Battery Balancing könnte auch hierzulande eine spannende Zusatzdienstleistung sein – gerade für Vielfahrer mit älteren Akkus. Insgesamt ist für ihn klar: Europa steht gar nicht so schlecht da. „Wir sind nicht schlechter als sie – im Gegenteil. Aber wir dürfen unseren Vorsprung nicht verspielen.“ Besonders die chinesische Lernbereitschaft und Effizienz könnten uns künftig herausfordern. „Wenn die hier ausgebildet würden, die würden alles sofort umsetzen.“

Nun aber genug der Einblicke aus Fernost – hör selbst rein in unser spannendes Gespräch.

Shownotes:

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Transcript

  1. Intro:

    Elektroauto News. Der Podcast rund um das Thema Elektromobilität. Mit aktuellen Entwicklungen, Diskussionen, Interviews und vielem mehr.

  2. Sebastian:

    Servus und herzlich willkommen bei einer neuen Folge des Elektronischen News Podcast. Ich bin Sebastian und freue mich, dass du heute wieder mit am Start bist. Am Start ist auch Michael Dittmar, ein Urgestein der Kfz-Branche. Schon zum dritten Mal ist er hier im Podcast zu Gast. Seit 40 Jahren ist er in der Kfz-Branche an sich unterwegs, 34 Jahre davon als selbstständiger Kraftfahrzeugmeister in Bochum und beschäftigt sich dort seit 2010 mit der E-Mobilität. Und genau dieses Wissen haben wir auch heute mal wieder ein Stück weit herausgefordert, haben den Blick auf China gewagt, Parallelen zu Europa gezogen und eben herausgefunden, warum man nicht hier Äpfel mit Äpfel, sondern eher Äpfel mit Bieren vergleicht. Aber das erfährst du am besten selbst direkt im Gespräch mit Michael. Wir gehen rein. Servus Michael, schön, dass du heute mal wieder hier bei uns im ERN-Podcast zu Gast bist. Heute geht der Blick nach China rüber. Dort warst du Anfang April 2025 unterwegs und wir wollen das Ganze mit deiner Werkstattbrille, nennen wir es mal so, betrachten. Was macht Europa anders als China oder China besser gesagt als Europa? Du hast es mir im Vorgespräch gesagt, China-Europa, da geht es gar nicht unbedingt darum, dass China weiter ist als Europa, es ist einfach anders. Kannst du das ein Stück weit erläutern für unsere ZuhörerInnen?

  3. Michael Dittmar:

    Erstmal danke, dass ich wieder hier sein darf. Ich glaube, meine Werkstattsicht, ich bin nach China hingekommen mit dem Vorurteil, die haben uns rechts und links überholt und jetzt kann ich da ganz viele Sachen sehen, die ich da mitnehmen kann, die ich besser machen kann. Und dann ist mir relativ schnell aufgefallen, die Chinesen sind komplett anders. Es ist eine ganz andere Welt. Das war ja zu erwarten, dass es eine andere Welt ist. Aber auch werkstatttechnisch oder autotechnisch ist es eine ganz andere Welt. Die sind einfach ganz anders drauf. Alleine schon die Anzahl der Menschen, die da ist. Also Menschen ist Arbeits... arbeitende Menschen sind überhaupt gar kein Mangel, so wie bei uns, so Fachkräftemangel. Das kann ich natürlich nicht beurteilen, ob es da Fachkräfte sind, aber an jeder Ecke stehen ganz viele Menschen, die da arbeiten. Das ist schon was anderes. Und ich habe gedacht, ja, da komme ich da hin und alles ist top, spitze organisiert. Ja, die sind auch gut organisiert. Die sind in vielen Sachen gut organisiert. Aber es ist eben anders. Also wir vergleichen Äpfel und Birnen, wenn wir uns mit denen gleichhalten wollen. Die Die haben zum Beispiel gar keinen IAM, also gar keinen unabhängigen Aftermarket. Den haben die da noch nicht. Die sind jetzt gerade dabei, den aufzubauen. War mir gar nicht bewusst. Ich habe auch bei der Reise, ich war ja jetzt in Peking und in Shanghai und in Hefei. Ich habe da... bewusst gar keine Autowerkstatt gesehen, aber auch keinen Vertragshändler. Ich weiß gar nicht, wie die da ihre Werkstätten finden. Also die sind da nicht so präsent wie bei uns. Das ist alles anders.

  4. Sebastian:

    Im Zweifelsfall werden sie eine entsprechende App mal wahrscheinlich wieder im Einsatz haben, wie Chatter, wie die schönen Apps dort vor Ort heißen, über die ja auch alles gesteuert wird. Ich durfte das ja... Auch schon erleben, jetzt nicht aus der Werkstatt-Sicht, aber natürlich auch in China, da einen Blick drauf zu riskieren. Und ich habe das auch so wahrgenommen, dass es einfach ein Stück weit anders ist. Dass da auch vor allem Menschen, wo bei uns wahrscheinlich ein Gabelstapler in der Produktion zum Einsatz kommt, werden da wahrscheinlich 20 Mitarbeiter zum Einsatz kommen. Um das zu verändern, um es mal ganz bildlich zu machen, ist natürlich nicht das schönste Bild, aber es entspricht, denke ich, der Realität relativ nah. Und das wird auch in deinem Bereich so sein, gehe ich von aus.

  5. Michael Dittmar:

    Da habe ich ein super Beispiel. Wir waren bei Tuhu. Tuhu ist eine Werkstattkette, die da gerade im Aufbau ist. Die haben in China, in ganz China ungefähr 200 Werkstätten zurzeit. Und wir waren dann in einer Werkstatt, also eine freie Werkstatt, wo ich mich sofort wohl gefühlt habe, wo ich gedacht habe, ja, diese Werkstatt könnte auch bei uns stehen. Jetzt hatte diese spezielle Werkstatt als besondere Eigenschaft Autowäsche und Autopflege. Und ich habe natürlich die Waschanlage gesucht. Ja, aber da ist ein Waschplatz und da stehen sechs Leute mit einem Eimer und einem Schwamm und einem Leder und die waschen die Autos genauso schnell wie bei uns die Waschanlage. Also das ist schon ein gravierender Unterschied. Wahrscheinlich, wenn einer krank wird, rücken drei Neune nach. Ich weiß es nicht, aber es ist irre. Also so viele Menschen und so viele Hochhäuser, ist irre. Und die bauen und bauen und bauen. Das ist Wahnsinn.

  6. Sebastian:

    Ja, das habe ich tatsächlich auch wahrgenommen. Auch manchmal, wo du denkst, Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen, die dann vorhanden sind, wo wir da rumgefahren sind und auch angeschaut haben, da waren dann teilweise Menschen mit Gießkannen, die den Staub von Straßenschildern runtergemacht haben und das halt zwei, dreimal am Tag, weil man ja wahrscheinlich nichts anderes zu tun hat. Aber gut, das ist jetzt nicht so der Schwerpunkt. Wir hatten ja gesagt, da habe ich Äpfel und Birnen zwischen Europa und ich Äpfel mit Äpfel. Vielleicht können wir mal einen Blick darauf werfen, was macht Europa besser? Anders besser, anders schlechter sozusagen. Was könnte man denn rausziehen, wo wir was lernen können? Wo kann denn China vielleicht von uns kommen? Jetzt mit deiner Werkstattbrille oder mit deiner Sicht auf diesen Markt.

  7. Michael Dittmar:

    Ja, also ich bin ja ein sehr positiv denkender Mensch. Und ich habe erst mal geguckt und festgestellt, wir sind in vielen Sachen viel besser. Und da haben wir noch echten Vorsprung. Zum Beispiel, was den Zugang zu Daten betrifft. Die Chinesen, wenn die eine freie Werkstatt aufmachen, haben die keinen Zugriff auf Reparaturanleitungen. Und auch auf freie Ersatzteile haben die nur wenig Zugriff. Also irgendwie sind wir ja bei uns hier, wir werden ja gefühlt geflutet mit, ich sag mal ganz böse, minderwertigen chinesischen Ersatzteilen, wo wir ja immer aufpassen müssen, kauf da keine Kopie, pass auf, dass du beim Großhändler kaufst, der die Handelskette einhält und so weiter. Und da haben die Schwierigkeiten, Teile zu kriegen. Wenn es da Teile gibt, habe ich durchaus... auch deutsche Marken gesehen. Also deutsche Marken finden die total gut. Da stehen echt die ganzen Erstausrüstermarken stehen bei denen im Regal. Jetzt zum Beispiel bei Tuhu in der Werkstatt. Ist ganz lustig, wenn man dann die Verpackung sieht, da steht der deutsche Name drauf und darunter sind lauter chinesische Schriftzeichen. Wo die gerade dabei sind, wo die Regierung, also so ist es uns mitgeteilt worden, die Regierung ist gerade dabei, die Hersteller dazu zu bewegen, die Daten rauszugeben. Und dann habe ich gedacht, Naja, da sind wir ja schon Lichtjahre voraus. Also wenn ihr dann mal zu uns kommt, also mit eurer chinesischen Brille und wollt hier bei uns so machen, wie ihr das kennt, dann werdet ihr Probleme kriegen, weil bei uns müsst ihr alles auflegen. Und da war tatsächlich auch bei einigen, und wir waren wirklich bei einigen Institutionen, kam dann so der Leitsatz, European Market is complicated. Also die Chinesen entscheiden einfach und machen. Und die Europäer, die lassen nicht mit sich machen. Das ist so, auch wenn die jetzt hier auf unseren Markt drängen. Man sieht ja, dass sie nicht so einen Erfolg haben, wie man dachte. Weil ich habe erfahren, Durchschnittsalter bei chinesischen Autos, acht Jahre Durchschnittsalter. Man sieht aber durchaus viele alte Autos da rumfahren. Und wenn man mal guckt, was kostet so ein Auto da, dann sind das ungefähr anderthalb Jahresgehälter. Und die verdienen nicht viel. Die verdienen da zwischen 10.000 und 12.000 Euro im Schnitt. Das ist so der Durchschnittsverdienst. Ich habe mich mit dem Taxifahrer unterhalten und der hatte einen VW. Den fand er richtig gut. Das war schon echt ein richtig gutes Auto. Das war so vergleichbar mit Passat. Aber natürlich in China-Ausführung, weil die wollen große Autos haben. Die wollen Stufenheck haben. Also die haben da auch einen anderen Geschmack. Und der kostete 25 zum Beispiel. Also der muss bei dem natürlich auch lange halten. Was ich auch erstaunlicherweise wenig gesehen habe, waren Ladeparks. Also 50% der Autos fährt gefühlt mit einem grünen Kennzeichen rum. Und wenn man vorm Hotel steht, dann geht man in eine riesen Großstadt mit unglaublich vielen Hochhäusern und es fühlt sich irgendwie komisch an, bis man dann drauf kommt, also die Geräuschkulisse fehlt. Es ist schon deutlich leiser. Also da fahren... gefühlt hunderttausende Elektroroller rum, die natürlich alle keine Geräusche machen. Die Elektroautos machen da keine Geräusche. Nicht so wie in Europa irgendwelche Geräuschgeneratoren. Die Dinger sind wirklich leise. Man muss da aufpassen. Aber anders als bei uns geht da auch keiner bei Rot über die Ampel, weil da immer einer steht und aufpasst. Da sind wir wieder bei den Personalsachen. Die haben einfach eine andere Mentalität. Das ist schon auffällig.

  8. Sebastian:

    Das habe ich tatsächlich auch so wahrgenommen bei mir. Also gerade diese E-Roller, die ja dann auch teilweise in richtigen Geschwader mit 20 Stück hintereinander wegkommen, wo du echt hingucken musst, damit du die wahrnimmst und mit den Autos. Aber ich glaube, bei denen ist das einfach Normalität. Also du weißt, dass sie dementsprechend unterwegs sind. Du brauchst gar nicht diese Warengeräusche, wie wir sie jetzt aktuell hier noch im Einsatz haben. Und ich gehe auch davon aus, dass wir vielleicht auch irgendwann mal an den Punkt kommen, wenn Elektrifizierung überhand nimmt, dass wir uns das vielleicht sparen können, weil sonst wird das ja gerade in Innenstädten ein sehr... Eine sehr spannende Geräuschkulisse, die wir da an den Start bringen.

  9. Michael Dittmar:

    Kurz eingehakt bei den Geräuschen, die glaube ich, die sind ja auch einfach nur, das ist ja nur eine politische Entscheidung. Es ist ja so, dass auch Verbrennerautos bei uns teilweise leiser sind als Elektroautos. Man hört ja auch bei Verbrennern ganz oft nur Abrollgeräusche, wenn die kommen. Also das ist, aus meiner Sicht ist das völlig unnütz. Aber jetzt haben wir es und wir müssen damit leben und aus Werkstattsicht wieder ein Bauteil, was kaputt gehen kann, also wieso sollte ich dagegen sein?

  10. Sebastian:

    Die Sichtweise ist auf jeden Fall nachvollziehbar aus deiner Sicht. Sehr spannend. Ich fand es aber auch gut, von deiner Seite aus jetzt zu hören oder auch das rückgespiegelt zu bekommen, dass Europa in Anführungsstrichen ein herausfordernder, schwieriger Markt ist für chinesische Marken. Das ist auch das, was wir mitbekommen, was du ja auch an den Zulassungszahlen siehst. Wir haben jetzt, ich glaube, einen Marktanteil von anderthalb Prozent da im E-Sektor gehabt von chinesischen Marken in Europa, was ja... so zu vernachlässigen ist im aktuellen Stand, wo ja jeder von dieser Welle redet, die kommt oder die schon da ist. Gefühlt ist die halt aber noch gar nicht da. Die wird aber, denke ich, schon kommen. Dauert eben noch ein Stück weit, aber man hat ja auch deutliche Unterschiede. Du hast es kurz angerissen beim Thema Laden. Ich habe das so wahrgenommen, wo ich vor Ort war, dass halt auch viele Lademöglichkeiten eben nicht in klassischen Ladeparks sind, wie wir sie hier von uns kennen in Europa, sondern dann auch viel in Garagentief, in Parkplätzen sozusagen mit drin verbaut. Also wo du es jetzt gar nicht erst wahrnimmst und wo du halt einfach wissen musst, wo du hinkommst oder gehst. wo du laden kannst, nicht so sichtbar, dass du direkt an der Straße vorbeifährst. Aber auch generell ist es ja, wenn wir das Thema Laden und Reichweite nehmen, gibt es ja auch deutliche Unterschiede. Oder wie schätzt du das ein?

  11. Michael Dittmar:

    Absolut. Also auch da habe ich wieder das totale Kontrastprogramm. Während wir hier alle rufen nach Reichweite, alle wollen 1000 Kilometer Reichweite haben, sagt der Chinese, Reichweite ist mir völlig egal, wir brauchen Schnellladen. Also der Chinese sagt, wir müssen unsere Autos in 5 Minuten von 10 auf 80% laden können, dann ist es ein gutes Auto, der fährt lieber 2-3 mal schnell zum Nachladen, statt wie wir ganz weit zu kommen damit. Wahrscheinlich haben die auch nicht so weite Strecken, das kann ich jetzt gar nicht beurteilen. Was übrigens dann, wenn ich wieder meine Werkstattbrille habe, die haben tatsächlich eine Werkstattdienstleistung, die heißt Battery Balancing. Weil die eben durch dieses ganze Schnellladen hat das BMS-System in der Batterie ja überhaupt gar keine Zeit, irgendwie die Batterie zu balancen. Die fahren immer schnell. Also wir laden mit 11 kW an unserer Langsamladestation hier und das Auto hat Zeit, alle Batteriezellen zu balancen. Die Chinesen machen es nicht, also fahren die dann alle halbe Jahr, so stellen die sich das vor, statt Ölwechsel fahren die zum Balancing. Das fand ich richtig interessant auch, also dass sowas überhaupt gemacht werden muss und dass das als Werkstattdienstleistung mit entsprechenden Geräten auch in kurzer Zeit angeboten werden kann. Ich kenne Balancing eigentlich immer nur als längeren Prozess, wo man wirklich ein paar Stunden auch dranhängt an der Ladesäule. Aber da haben die eine Möglichkeit gefunden, das zu beschleunigen.

  12. Sebastian:

    Da auch nochmal für uns als Hintergrund, es ist ja auch damit begründet, wenn ich eine Batterie immer nur schnell lade und dann vor allem in diesen Ladegeschwindigkeiten, die dann dort auch vorherrschen, ist es ja auch schädlich für die Batterie Gesundheit.

  13. Michael Dittmar:

    Genau, die Batterie wird ja am liebsten langsam und schonend und nicht ganz so voll und nicht ganz so leer. Die hat ja so ihr Wohlfühlspektrum, ihre Komfortzone hat die ja und wir versuchen die natürlich da drin zu halten. Jetzt habe ich ja vorhin gesagt, Durchschnittsalter acht Jahre. Da könnte man ja meinen, die Batteriehersteller orientieren sich an den acht Jahren, zumal ja die Kettles dieser Welt sagen, wir sind ein ganz geschlossenes System. Auch da haben wir direkt gefragt, wir waren direkt bei Kettl, haben da mit hohen Tieren gesprochen und waren ja in der europäischen Delegation und der Kollege aus Polen hat dann gefragt, können wir denn bei euch die Batteriezellen kaufen? Werden wir denn im Aftermarket Batteriezellen kriegen, einzelne? Und wann? Wann kommen wir endlich dran an die Dinger? Und dann haben wir die Dolmetscherin gehabt und die hat dann lange übersetzt und irgendwie scheinen die in Bildern zu sprechen. Also so eine Übersetzung und so eine Antwort dauert dann lange. Also mit lange meine ich dann fünf Minuten, wird dann hin und her diskutiert und dann kommt als Antwort Nein. Also wir werden keine Zellen von denen kriegen. Auch da werden die sich noch umgucken, weil in Europa ja, es gibt ja ein Recht auf Reparatur. Und Die können ja jetzt nicht daherkommen und sagen, ja, Recht auf Reparatur ist gut, wir reparieren. Dann wird ja das Recht erfüllt. Also es muss ja dann auch ein Wettbewerb da sein. Das ist eben European Market. Und der ist complicated für die. Die müssen sich darauf einstellen. Die können sich nicht so durchsetzen, von oben nach unten durchregieren. Das funktioniert bei uns ja nicht. Da ist ja Wettbewerb. Und auch eben in Europa. Und das ist auch... sehr, sehr gut so, dass es so ist.

  14. Sebastian:

    Spannender Punkt auf jeden Fall, den du da aufgemacht hast. Vor allem, das hat man ja gar nicht so im Blick. Man blickt zwar immer nur auf das Fahrzeug, wie kommt das hierher, wie muss homologiert werden, dass es die Ansprüche erstmal füllt, um überhaupt auf die Straße zu kommen, aber dass dieser ganze Aftermarket, den du jetzt schon angerissen hast, auch eine Rolle spielt, vor allem über die Lebenszeit des Fahrzeugs hinweg. Ist ja auch vollkommen klar. Aber die gleiche Thematik müsste ja eigentlich auch in China vorherrschen. Auch da gehen ja Fahrzeuge kaputt, ich brauche Ersatzteile. Du hast gesagt, das geht deutlich über den Jahresgehalt hinaus sozusagen. Die Anschaffung von so einem Fahrzeug, also es ist ja auch dort ein Invest, der teuer ist, auch im Vergleich zu uns jetzt hier. Instandhaltung, Umgang mit Batterien, was hast du da für Eindrücke mitbekommen? Auch vielleicht Stichwort Life or Recycling.

  15. Michael Dittmar:

    Ja, also wir haben auch eine Werkstatt besucht, die wirklich auch zertifiziert ist. Also die Batteriehersteller tun sich sehr schwer, Werkstätten zu zertifizieren, um an ihren Batterien reparieren zu dürfen. Das ist tatsächlich so, dass die Autohersteller zum Batteriehersteller hingehen und sagen, wir brauchen eine Batterie. Dann wird die Batterie für dieses Auto konstruiert, wird da eingebaut. Und wenn dann die zertifizierte Werkstatt, die darf dann feststellen, die Batterie ist kaputt. Damit dann der Batteriehersteller jemanden schickt, die schicken dann den Flying Doctor und reparieren vor Ort. Also wo wir ja denken, naja, wenn ich eine Werkstatt habe und ich stelle fest, da ist was kaputt, dann bin ich ja Werkstatt, ich repariere ja. Das ist da anders. Bei denen ist dann eben der zertifizierte, ich sag mal, das ist dann ein Fehlerfeststeller. Das ist jetzt nicht der Fertigmacher, so wie wir eigentlich Werkstatt bestehen. Das ist da auch anders. Und die haben dann tatsächlich... bei richtig alten Fahrzeugen, also ich kann es gar nicht beurteilen, weil ich habe ja so viele Automarken gesehen, die ich noch nie gesehen habe, aber da war ein BYD auf der Hebebühne, der uns dann gezeigt wurde, wo eine Batterie repariert wurde, also das war richtig hands-on. Da habe ich gedacht, Boah, da gibt es ja überhaupt keinen Prozess. Die haben einfach gemacht. Und man kennt ja auch von diversen YouTube-Videos, wenn die da mit grobem Werkzeug an den Batterien arbeiten. Und ich habe eine Batterie gesehen, die war zusammengebaut. Da habe ich gedacht, ja, ich möchte nicht wissen, wie die die zusammengebaut haben. Und da, soweit wir Arbeitssicherheitsstandards bei uns, habe ich da nicht gesehen. Also das ist... da auch auf einem ganz anderen Level. Die machen einfach und wenn was passiert, ist egal. Also das war jetzt so mein Eindruck. Wahrscheinlich wird es nicht egal sein, aber der Eindruck war so. In der Werkstatt stand da ein grüner Feuerlöscher. Das fand ich schon seltsam, weil ein Feuerlöscher ja eigentlich immer rot ist. Die standen da auch, die rot. Und ich habe dann gefragt, Die hatten dann ein Wasserbecken. Ja, da würden sie dann die Batterie reintun, wenn die anfängt zu brennen. Und der grüne Feuerlöscher, das ist der, damit kann man Batterien löschen. Und wir wissen alle, ich kann mit dem Feuerlöscher keine Batterie löschen. Also das scheint, ich weiß nicht, die Beruhigungsbille, ich habe keine Ahnung. Oder es passiert wenig. Es passiert ja auch wenig, das ist ja so. Also da mit Klebeband zusammengebaute Batterie drauf gemacht mit Scheibenkleber, das war jetzt wirklich Realität, die wir da gesehen haben. Und die haben die uns gezeigt als europäische Delegation. Wir waren ja jetzt nicht... Wir waren angekündigt, wir waren lange angekündigt, wir waren wirklich, wir waren Fachleute. Die haben uns ja dann auch entsprechend Vorträge gehalten, was sie alles können. Und die haben uns das voller Überzeugung gezeigt als ihren Standard. Und ich habe gedacht, oh ja, ja. Da sind wir anders drauf. Wir werden Prozesse brauchen in Europa. Wir müssen bei uns und speziell in Deutschland ist ja eh alles noch mal mehr durchreguliert. Und wir haben noch lieber noch einen Prozess mehr, weil niemand will hinterher eine Haftung übernehmen. Oder zumindest wenn was passiert, will ja jeder sagen können, Hier ist der Prozess, an den habe ich mich gehalten und deswegen brauche ich die Rente nicht bezahlen. Ich sage es mal ganz überspitzt, also wir sind da ja auch echt überreguliert. Das ist ja auch vielleicht ein Problem. Bürokratie, wo wir dabei sind, ist auch vielleicht ein Problem, das bei uns nicht so weitergeht. Wir sind da sehr, wir sind sehr drüber und die sind aus meiner Sicht... Sehr lax.

  16. Sebastian:

    Vielleicht kann man es ja da auch irgendwo auf halber Strecke dann treffen, um da die Wahrheit zu finden sozusagen, weil persönlich würde ich mich jetzt dann eher in dem deutschen Gebilde wohlfühlen, muss ich ganz ehrlich sagen, wenn ich diese Geschichten hier höre und finde es aber auch spannend, so wie du sagst, ihr seid angekündigt, es schwingt ja eine gewisse Erwartungshaltung dann auch damit, man möchte ja was zeigen, man möchte eigentlich zeigen, Wir machen nicht nur die Batterie, die entsprechenden Vorsprung gegenüber Alternativen haben, sondern auch in den darauffolgenden Prozessen. Und dann kriegt ihr was präsentiert, was bei uns nicht mal in einer ganz schäbigen Werkstatt wahrscheinlich stattfinden würde, sozusagen.

  17. Michael Dittmar:

    Also in dieser Werkstatt speziell ist mir auch aufgefallen, dass da... Also da war ein Auto. Die hatten vier, fünf Hebebühnen. Ein Auto war auf der Bühne. Ein Auto stand... also der musste jetzt nicht hochgehoben werden, es waren neun Mitarbeiter da und vier haben dann nur gestanden. Also das waren Werkstattmitarbeiter, das waren jetzt nicht irgendwelche Begleitpersonen, die uns da überwacht haben, das ist ja auch, man wird ja da doch ziemlich gut überwacht, gerade auch wenn so eine angekündigte Delegation kommt, haben die aber so gemacht, dass wir uns nicht, also ich habe mich nicht sehr überwacht gefühlt, aber da stehen da vier Leute in der Werkstatt mit Handy in der Tasche und Ich habe mir nur gedacht, wenn zu mir die chinesische Delegation kommt, dann wird doch die Werkstatt nochmal besonders aufgeräumt und dann wird doch besonders geguckt und dann muss ein geschäftliches Treiben sein und jeder muss was zu tun haben. Und der, der nichts zu tun hat, der ist doch bitte auch nicht zu sehen. Ja, aber das ist für die okay. Daran sieht man, die haben eine andere Einstellung dazu. Das ist okay. Wenn die das als schlimm empfinden würden oder wenn die das stören würde, dann hätten die uns das auch so nicht gezeigt.

  18. Sebastian:

    Davon kannst du ganz klar ausgehen, weil dafür sind sie dann doch schon zu stark auch reguliert in dem Fall, was man zeigt und was man nicht zeigt. Aber spannend, dass ihr diese realitätsnahen Einblicke dann auch tatsächlich bekommt, die man jetzt auch erschreckend finden mag, gerade mit unserer deutschen Service und Ja, Vorgabenprozessbrille, die wir dann doch da immer aufhaben oder die natürlich immer mitschwingt am Ende vom Tag. Aber um jetzt auch zum Ende des Gesprächs vielleicht zu kommen, was können wir noch ein Stück weit mitnehmen? Also China kann schon mal mitnehmen, Europa wird auch im After-Sales-Market nicht so ganz einfach, wie wir es jetzt auch schon im Vertriebskanal sehen, bei den Fahrzeugen selbst. Was kann Europa vielleicht jetzt aus dem Bereich Werkstatt, After-Sales, in der Denkweise dort auch ein Stück weit adaptieren oder mitnehmen?

  19. Michael Dittmar:

    Also ich finde als freie Werkstatt ja natürlich hands-on gar nicht schlecht. Ich finde es ja gar nicht schlecht, dass man sich aus Sachen traut, wo wir vielleicht überreguliert sind. Wenn der Hersteller sagt, dafür gibt es keinen Reparaturprozess und ich mache die Batterie auf und stelle fest, da drin ist alles geschraubt, dann frage ich mich ja als... als Handwerker und auch als Handwerker sehe ich mich ja auch als besonders nachhaltiger Mensch, weil ich ja eher erhalte und nicht wegschmeiße. Da denke ich mir, ja, Hands-on ist gar nicht schlecht, die machen einfach. Die machen aus 2.1 oder aus 3.1, weil sie eben keine anderen Möglichkeiten haben. Das habe ich ja teilweise hier auch, dass ich es auch so machen kann. Das finde ich gut. Ich finde gut jetzt zum Beispiel gehört zu haben, man könnte balancen. Es gibt ja durchaus auch bei uns Vertreter, die viele Kilometer fahren und wo dann auch die Batterie irgendwann Fehler anzeigt, weil die einfach nicht gebalanced ist. Also das könnte auch eine Dienstleistung sein. Ja, also wenn ich jetzt so richtig zusammenfassen soll, muss ich sagen, finde ich Aus meiner freien Werkstattsicht sind wir nicht schlechter als sie. Also wir sind nicht schlechter. Also ich habe den Eindruck, die können bei uns auch noch einiges abgucken in dieser Richtung, weil die einfach das noch nicht haben. Beim Vertrieb kann ich nicht mitreden. Das mag vielleicht sein, dass da was anderes ist, auch bei der Schnelligkeit. Und was auch auffällig ist, die sind also unglaublich wissbegierig. Ich glaube, wenn die bei uns hier in Ausbildung gehen würden, die würden sehr schnell sehr viel umsetzen. Wenn die sehen, das ist effizient, dann machen die das und setzen das um. Und das ist natürlich eine Gefahr. Also wir haben da, glaube ich, noch einen kleinen Vorsprung. Den dürfen wir uns nicht nehmen lassen. Weil der Europäer fragt ja, bevor der ein Auto kauft, wo kann ich hingehen, wenn ich ein Problem habe. Und das scheint da anders zu sein. Die wollen ja verkaufen und nach mir die Sintflut.

  20. Sebastian:

    Vielen Dank für die spannenden Einblicke, Michael. War mir wieder eine Freude und ich gehe auch heute davon aus, dass es nicht das letzte Mal war, wo wir uns heute im Podcast gehört haben. Danke für deine Zeit. Sehr gerne. Das waren doch spannende Einblicke, die uns Michael hier auf den Weg gegeben hat, mit dem Blick auf die Unterschiede, aber auch Gemeinsamkeiten zwischen China und Europa, mit dem Hinblick auf Aftermarket, Werkstatt und die Instandhaltung von E-Autos. Ich hoffe, dir hat es auch gefallen. Hinterlass uns gerne eine positive Bewertung bei Apple Podcast und schalte gerne kommende Woche auch wieder ein, wenn die nächste Folge des EAN Podcast online geht. Mach's gut, bis dahin, ciao.