Electra-CEO Deutschland: „Der Kunde braucht Verlässlichkeit“

Im Gespräch mit Paul Tonini, CEO von Electra Deutschland

In der aktuellen Folge unseres Podcasts durfte ich mit Paul Tonini sprechen, dem neuen CEO von Electra Deutschland. Paul ist alles andere als ein Neuling in der Branche – mit über acht Jahren Erfahrung im Bereich Elektromobilität und seiner bisherigen Rolle bei Electra als Head of Operations bringt er nicht nur Marktkenntnisse mit, sondern auch einen klaren Blick für die aktuellen Herausforderungen und Chancen. Gleich zu Beginn wurde klar: Paul tritt seine Rolle mitten im sogenannten „Death Valley“ der Ladeinfrastruktur an – eine Phase stagnierender Nachfrage, schleppender Netzanschlüsse und zurückhaltender Investitionen. Doch statt Frust bringt er vor allem Gelassenheit mit: „Ich bin Herausforderungen gewohnt – ob Ukraine-Krise, Energiepreise oder Eichrecht. Für mich ist das einfach die nächste Marktphase.“

Electra geht den deutschen Markt dabei bewusst mit einem langfristigen Ansatz an. Statt schneller Gewinne steht die Nutzererfahrung im Mittelpunkt. „Wir wollen Ladeerlebnisse schaffen, bei denen sich der Kunde willkommen fühlt – mit überdachten Stationen, guter Beleuchtung, Müllentsorgung und intuitiver Bedienung. Was funktioniert, behalten wir. Was nicht funktioniert, wird verbessert.“ Ein echtes Highlight ist die neue Generation von Ladeparks namens Electraline. Diese Stationen kombinieren nachhaltiges Design mit smarten Funktionen: Großbilddisplays zeigen den Ladezustand an, begrüßen Nutzer in ihrer Landessprache und bieten Komfortzonen mit Sitzplätzen oder Schatten. „Das ist mehr als eine Ladesäule. Wir wollen ein durchdachtes Erlebnis schaffen – sichtbar, verständlich, angenehm.“

Preislich hält sich Electra bewusst simpel. Zum Start gibt es in Deutschland nur ein Ad-hoc-Modell oder Laden über Roaming – ergänzt durch kleinere Rabatte über die App. Ein Abo-Modell wie in Frankreich ist mittelfristig denkbar. Dynamisches Pricing sei „noch nicht marktbereit“, werde aber in Pilotprojekten getestet. Auch Preistransparenz ist Paul ein Anliegen: „Wir installieren Totems (Preis-Anzeigen) mit klar sichtbaren Preisen – weil ich als Endkunde auch wissen will, was mich die Kilowattstunde kostet.“ Wobei dies zunächst nur an ausgewählten Standorten stattfinden wird.

Electra unterscheidet sich außerdem durch den Fokus auf urbane Schnellladeinfrastruktur – ein Segment, das bislang von vielen Playern vernachlässigt wurde. „Gerade in Städten brauchen Menschen ohne eigene Wallbox komfortable Schnellladeangebote. Da setzen wir an – auch wenn der Platz knapp ist und die Umsetzung komplex.“ Ein oft unterschätztes Thema: der Netzanschluss. Auch hier zeigt sich Electra pragmatisch. Man teste verschiedene Konzepte mit Batteriespeichern und plane Ladeparks modular – mit Blick auf spätere Leistungserweiterung und technische Weiterentwicklung.

Ein weiterer strategischer Hebel: die Beteiligung an der Spark Alliance gemeinsam mit Fastned, Ionity und Atlante. Ziel ist ein einheitlich hohes Qualitätsversprechen für Nutzer. „Der Kunde braucht nicht 500.000 Ladepunkte – sondern die Gewissheit, dass die wenigen, die er nutzt, einfach und verlässlich funktionieren.“ Technologisch ist Electra tief integriert. App, Backend, Planungstools – vieles wird intern entwickelt. Das erlaubt schnelle Iteration, hohe Flexibilität und eine starke Ausrichtung am tatsächlichen Nutzungsverhalten. „Das schafft Spielraum – gerade im urbanen Raum, wo Anforderungen anders sind.“

Für die nächsten zwölf Monate hat Paul klare Ziele: 30 weitere Ladeparks bis Jahresende, die ersten Standorte mit Batteriespeicher und mindestens eine Electraline-Station in Deutschland. „Ich will, dass uns Kund:innen in Rankings als bevorzugten Anbieter wahrnehmen – weil wir es besser machen, nicht nur lauter.“ Nun aber genug der Vorworte – tauchen wir ein in mein Gespräch mit Paul Tonini, dem neuen CEO von Electra Deutschland.

Shownotes:

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Transcript

  1. Intro:

    Elektro-Auto-News. Der Podcast rund um das Thema Elektromobilität. Mit aktuellen Entwicklungen, Diskussionen, Interviews und vielem mehr.

  2. Sebastian:

    Servus und herzlich willkommen zu dieser Sonderfolge des Elektroauto-News.net Podcast. Ich bin Sebastian und freue mich, dass du heute wieder eingeschaltet hast dazu. In der aktuellen Folge habe ich Paul Tonini zu Gast. Er ist der neue CEO von Electra Deutschland und hat sich mit mir über die Pläne von Electra in Deutschland, in Europa unterhalten. Vor allem, wie man Ladeinfrastruktur eben auch ein Stück weit anders denken kann, auch abseits der Autobahn und Schnellstraßen. Er war zuvor als Head of Operations bei Electra tätig und übernimmt eben nunmehr Verantwortung für den gesamten deutschen Markt. Wir gehen direkt rein ins Gespräch mit Paul. Paul, herzlich willkommen bei uns im Podcast. Wir reden heute über deine neue Rolle oder deinen neuen Rollenantritt, den du heute gewagt hast als CEO von Electra in Deutschland. Du bist schon länger im Unternehmen, hast aber jetzt eben diesen Rollenwechsel intern sowie extern angestrebt. Wie fühlt es sich für dich an?

  3. Paul Tonini:

    Hallo Sebastian, danke, dass ich da sein darf. Fühlt sich gut an. Wir sind voller Tatendrang, die ersten Ladeparks jetzt auch in Betrieb zu nehmen und bis zum Jahresende noch mehr auszurollen. Und ich freue mich auf das, was vor mir liegt. Ich bin ja schon etwas länger jetzt auch bei Electra und durfte die ganze Projektentwicklung mit begleiten. Insofern ist es sehr viel Altes, Bekanntes, aber auch neue Herausforderungen, die mir jetzt auf den auf dem Tisch liegen.

  4. Sebastian:

    Mit denen du dich dann natürlich auch beschäftigen musst. Deine Vorgängerin Kerstin Schmidt hat es mal in einem Interview genannt, dass das Valley der Ladeinfrastruktur sei erreicht. Man blickt auf stagnierende Nachfrage, wenig Investitionsbereitschaft, schwierige Netzanschlüsse, was nachher noch ein Thema sein wird. Und das liegt jetzt alles vor dir. Wie gehst du damit um? Wie stellst du dich der Aufgabe?

  5. Paul Tonini:

    Also Kerstin hat das genau richtig beschrieben. Wir sehen, dass die Zulassungszahlen der Fahrzeuge noch nicht da sind, wo wir sie gerne hätten, auch in der Branche. Das werde ich natürlich nicht ändern können, aber wo wir einen Beitrag zu leisten können, ist auch weiterhin dem Kunden das Gefühl zu vermitteln, dass es ausreichend Ladeinfrastruktur gibt in Deutschland und dass es die auch in dem Maße gibt oder in der Benutzerfreundlichkeit, wie der Kunde sie erwartet. Wir bauen zum Beispiel unsere Ladepacks ja auch immer mit Mülleimern, Beleuchtung, mit Dach. Das ist ja was, was der Kunde auch erwarten darf und ich glaube, das wird dazu führen, dass auch mehr Leute sich dann zukünftig für Elektrofahrzeuge entscheiden.

  6. Sebastian:

    angenehmes Gefühl beim Laden brauchst du dann doch, wenn du jetzt vom Verbrenner die Tankstelle typische kennst, da hast du ja auch mehr als die reine Zapfsäule stehen und genau den Weg geht ihr ja schlussendlich auch. Nichtsdestotrotz befinden wir uns jetzt gerade in einem schwierigen Marktumfeld und da könnte ich mir vorstellen, es gibt doch auch andere Jobs und Herausforderungen, die man vielleicht leichter antritt oder ja in einer positiveren Grundanstimmung antritt, aber das scheint für dich jetzt aktuell zumindest kein Thema zu sein.

  7. Paul Tonini:

    Nein, das ist für mich kein Problem. Ich bin ja seit acht Jahren in der E-Mobilität durchaus die ein oder andere Herausforderung gewohnt, Sei es die Ukraine-Krise, die die Beschaffung am Energiemarkt nochmal schwerer gemacht hat für die Betreiber. Oder das Eichrecht, was wir damals alle überraschend mit einführen mussten in der Branche. Entsprechend ist das einfach nur die nächste Phase in diesem Markt. Und ich glaube, die nächsten Jahre werden sehr spannend. Wir werden sehen, dass der ein oder andere Anbieter am Markt vielleicht verschwinden wird. Wir sehen, dass es aktuell ein kleines Überangebot an Ladepunkten gibt. Dem einen oder anderen geht dann vielleicht auch das Geld nochmal aus. Also das sind alles Herausforderungen, die uns bekannt sind, für die wir uns auch aufgestellt haben und dementsprechend schaue ich auch entspannt in die Zukunft.

  8. Sebastian:

    Da brichst du ja schon ein richtiges Schlagwort mit drauf. Ich sage mal, Anbieter könnten verschwinden, der Markt wird sie bereinigen und es gibt ein gewisses Überangebot. Überangebot muss man natürlich dann wieder entsprechend einordnen. An manchen Stellen gibt es zu viel Ladeinfrastruktur, an anderen fehlt sie dann einfach auch schlussendlich. Aber auch zusammengefasst könnte man sagen, der Markt wirkt sehr gesättigt und dennoch entscheidet ihr euch dafür, jetzt auch hier in den Markt einzutreten. Was macht ihr anders, was macht ihr besser als eure Marktbegleiter?

  9. Paul Tonini:

    Also wir verfolgen ja zunächst mal keine kurzfristige Strategie, sondern sind sehr langfristig orientiert. Und das haben wir auch mit unseren Investoren entsprechend kommuniziert und abgesprochen. Ja, wir sind in anderen Ländern schon sehr erfolgreich tätig, also unter anderem in Frankreich und in Belgien, wo wir in den letzten Jahren sehr massiv ausgerollt haben. Und Deutschland als einer der Kernmärkte für E-Mobilität in Europa ist natürlich da auch ein weiteres strategisches Ziel. Wir wollen uns ein bisschen differenzieren von den anderen Anbietern, indem wir uns ganz stark auf das Nutzererlebnis an der Ladestation vor Ort fokussieren. Das heißt, wir werden dafür sorgen, dass Kunden es möglichst einfach haben, bei uns zu laden. Wir bauen heute, wie gesagt, schon immer mit Beleuchtung. Wir haben Mülleimer dort stehen. Wir gucken uns ganz genau an, woran scheitern heute Ladevorgänge unserer Kunden. Ist es die Bedienung am Zahlterminal? Ist es die Bedienung am Charger selber? Entsprechend gehen wir da auch wenig Experimente ein. Das, was funktioniert, das nutzen wir. Da, wo es Verbesserungsbedarf gibt, da iterieren wir schnell. Also wir rollen dann auch neue Features sehr schnell vor Kunde aus, gucken, nehmen die Learnings mit und verbessern so uns konstant. Ja, am Ende ist es das, was der Kunde auch honoriert. Wir werden regelmäßig in Rankings auch als einer der besten Anbieter, zuverlässigsten Anbieter in Europa bewertet, unter anderem bei ChargeMap. Und ja, mit damit können wir natürlich dann auch Punkten geben, Endkunden versprechen.

  10. Sebastian:

    Zinnmülleimer ja nicht unbedingt das Differenzierungsmerkmal zu anderen Marktbegleitern, um das mal so aufzugreifen deinerseits. Ich war auch bei der Paris Autoshow unterwegs, wo ihr auch Electra Line vorgestellt habt. Das war ja auch euer Ladepark ein Stück weit weiter gedacht sozusagen, wo es ja dann auch eher um Anzeigen ging, wie Ladezustand, belegt, frei. Vielleicht magst du das ein Stück weit ausführen, weil ich glaube, das ist ja doch nochmal ein deutlicheres Differenzierungsmerkmal gegenüber Marktbegleitern als eben Müll oder Beleuchtung.

  11. Paul Tonini:

    Genau, also mit Licht allein ist es nicht getan. Wir haben auch heute schon Displays an den Stationen, die einen Reservierungsstatus, einen Belegstatus oder einen Verfügbarkeitsstatus anzeigen, sodass du in der Anfahrt schon früh erkennst, wie dein Ladepunkt aussieht. Mit der Electroline gehen wir dann die nächste Generation von diesem Projekt. Wir haben hier massiv investiert in ein sehr organisches Design, was auch sehr nachhaltig ist. Die Displays können mehr als nur den Belegstatus anzeigen, können zum Beispiel den State of Charge von deinem Ladevorgang auch anzeigen, sodass du auch von der Ferne aussiehst, wenn du vielleicht wartest auf einen freien Ladepunkt. Wer ist denn jetzt wie voll schon geladen und fährt damit am wahrscheinlichsten weg? Wir können da auch natürlich kommunizieren mit dem Kunden. Wir können dich begrüßen in deiner Landessprache, wenn du das möchtest, sodass du dich dann auch direkt deutlich besser abgeholt fühlst als einfach nur von einer Ladesäule, die im Nirgendwo steht.

  12. Sebastian:

    Das ist ja schon mal ein deutliches Differenzierungsmerkmal im Vergleich zur Marktbegleiter von euch. leuchtet man ein Stück weit mehr ein und dennoch profitiert ihr auch gerade davon, dass ihr in anderen Märkten, du hast gesagt Frankreich, schon aktiv unterwegs seid. Wenn du jetzt mal den Vergleich ziehst, der bestimmt auch bei euch intern gezogen wird, wie unterscheidet sich die Ladekultur, die Anforderungen an den Ausbau eines Ladenetzwerks jetzt im speziellen Frankreich-Deutschland?

  13. Paul Tonini:

    Also vor allem in Südeuropa, Frankreich, fordert der Kunde schon viel früher Dächer ein. Die Fahrer dort sind es gewohnt, an den Rastplätzen überschattet zu stehen. Das ist nicht nur Regenschutz, sondern auch wirklich Sonnenschutz, der hier ein Faktor ist. Und entsprechend sind wir da auch schon viel früher mit Dächern gestartet und haben die an den Standorten vorgesehen. Das ist was, was in Deutschland jetzt erst in den letzten Jahren aufgegriffen worden ist und wo die Anbieter jetzt alle nachziehen. Da sind andere Märkte schon deutlich weiter gewesen. Ebenso, was das Thema Preisanzeige an den Ladestationen angeht, ist ja ein heißes Thema in Deutschland. In anderen Ländern ist das teilweise schon deutlich flächendeckender ausgerollt und es ist auch für den Kunden einfacher zu verstehen, was kostet mich denn die Kilowattstunde. Das sind Themen, die wir auch aufgreifen. Also wenn du bei uns zum Beispiel über die App lädst, siehst du jederzeit, wie viel Euro du schon verladen hast, um dein Fahrzeug zu füllen. Das heißt, du hast eine volle Kostenkontrolle darüber. Die Preisanzeige an den Displays der Ladestationen ist teilweise sehr verwirrend. Du hast vier, fünf verschiedene Authentifizierungsmöglichkeiten bei manchen Anbietern. Das versuchen wir auch einfach zu machen, um dem Kunden das auch wirklich so zu ermöglichen, wie er es vom Tanken kennt. Ich habe einen Preis, das kostet, ich stecke an, ich lade, ich fahre wieder weg.

  14. Sebastian:

    Thema Preis, das ist ja schon das richtige Schlagwort, was wahrscheinlich wieder für Aufsitzungen wird. Preisanzeige vielleicht mal als ersten Punkt. Du hast es gesagt, in der App an der Ladestation, okay, Standard mittlerweile. Diese typische Preisanzeige, wie man sie eben von der Tankstelle kennt, wird man das von euch auch in Deutschland sehen?

  15. Paul Tonini:

    An ausgewählten Standorten werden wir auch sogenannte Totems installieren, an dem du dann den Preis entsprechend schon von der Ferne erkennen kannst. Wir werden es primär über die Displays, die in den Stationen mit integriert sind, darstellen, aber auch über die Zusatz-Displays, die wir hinter den Stationen haben. Es ist mir persönlich auch ein Anliegen, da im Markt entsprechend einen Schritt weiter zu gehen als vielleicht der eine oder andere, weil ich das als Endkunde natürlich auch immer frustrierend finde, wenn ich nicht weiß, was kostet mich denn die Kilowattstunde am Ende des Tages.

  16. Sebastian:

    Wenn wir dann jetzt eben bei den konkreten Preisen auch sind, wo bewegt ihr euch da jetzt im Vergleich zum Wettbewerb? Habt ihr da eine relativ simple Preisstruktur? Gibt es da fünf Angebote und dann noch drei Unterabos, die man auch abschließen kann? Oder wie simpel ist es tatsächlich für den Endnutzer, Endnutzerin?

  17. Paul Tonini:

    In Deutschland starten wir erstmal nur mit einem Ad-Hoc-Preis und einem klassischen Roaming-Angebot, wie man das kennt. Man wird in der App dann entsprechend noch einen kleinen Discount kriegen auf die Kilowattstunde, aber das relativ schlank gehalten erstmal. In Frankreich haben wir auch ein sogenanntes Abo-Modell im Angebot, wo du dann entsprechend mit einer monatlichen Gebühr deutlich günstiger an unseren Stationen laden kannst. Das haben wir vor einem Monat ungefähr gelauncht und es wird auch ganz gut angenommen. Ich kann mir auch vorstellen, dass wir das zukünftig in Deutschland ausrollen werden, wenn wir mehrere Stationen dann auch in Betrieb haben.

  18. Sebastian:

    Preislich bewegt ihr euch dann kompetitiv zu einer EnBW, zu einer Ionity?

  19. Paul Tonini:

    Das kommt immer darauf an, wen du fragst. Der eine oder andere bezeichnet ja die genannten als hochpreisig oder auch günstig, je nachdem, wer hier die Meinung macht. Wir werden uns da auf jeden Fall im Markt eingliedern mit unserem Pricing. Wir bieten dem Kunden natürlich auch einen Mehrwert an den Stationen, sodass wir dann dementsprechend auch einen Preis nehmen können, der diesen Mehrwert darstellt.

  20. Sebastian:

    Jetzt hast du schon die verschiedenen Optionen gesagt. Wird dynamisches Pricing auch bei euch ein Thema sein?

  21. Paul Tonini:

    Es ist interessant, dass du das fragst. Wir haben in Frankreich verschiedene Stationen damit mal ausgestattet gehabt und auch Versuche damit gemacht. Wir sehen halt aktuell, dass der Markt noch nicht dafür bereit ist. Viele Kunden kommen über MSP-Ladekarten zu uns an die Station. Die können davon nicht profitieren. Der Kunde, der direkt zahlt, der nimmt das dann natürlich gerne in Anspruch, das dynamische Pricing, gerade auch in Kombination mit vielleicht Spotmarkt-indizierten Preisen. Und dementsprechend beobachten wir das weiter, aber jetzt für den Start werden wir das in Deutschland erstmal nicht ausrollen.

  22. Sebastian:

    Aber wäre demnach eine Option auch für etwaige Ballonversuche dann sozusagen auch wieder zu testen, wird es angenommen oder nicht?

  23. Paul Tonini:

    Genau, genau, werden wir sicherlich machen, sobald wir sehen, dass die Nachfrage für steigt oder die Kundenakzeptanz höher ist. Dann werden wir uns natürlich dem nicht verwehren und auch uns entsprechend bewegen.

  24. Sebastian:

    Wenn wir jetzt gerade im Umfeld eurer Marktbegleiter bleiben, die wir eben schon angesprochen haben, gerade jetzt Ionity, die sind ja doch sehr stark an Autobahnen, Schnellstraßen unterwegs. Ihr geht ja ein Stück weit da auch raus, soweit ich das verstanden habe, geht auch so ein Stück weit mehr in das urbane Umfeld mit rein. Was macht den Fokus aus eurer Sicht relevant? Also warum geht ihr den Schritt, während andere gerade mit ihren Schnellladeinfrastruktur doch immer näher an die Autobahn rangehen beispielsweise?

  25. Paul Tonini:

    Ja, zum einen sind in Deutschland die Autobahnen inzwischen ganz gut versorgt, je nachdem, wen man fragt, aber aus meinem Empfinden ist es so. Wir sehen aber halt auch, dass die nächste Käuferschicht der Elektrofahrzeuge vielleicht nicht unbedingt im Einfamilienhaus wohnt und keine Möglichkeit hat, zu Hause zu laden. Gerade im urbanen Raum macht es dann schon Sinn, auch dort Schnellladen anzubieten. Das ist eine ganz andere Herausforderung. Der Platzbedarf oder der freie Platz ist viel geringer, den wir dort vorfinden. Wir haben ganz andere Auflagen, die wir auch erfüllen müssen bei der Realisierung der Ladeparks. Und entsprechend ist das natürlich ein bisschen schwieriger. Aber da sind wir spezialisiert. Wir haben in Frankreich, in Paris vor allem, sehr viele Stationen im urbanen Umfeld gebaut. Und auch in Deutschland gucken wir primär nach diesen Standorten und haben unsere ersten Projekte dort auch in der Umsetzung.

  26. Sebastian:

    Den oder die richtigen Standorte zu finden, ist ja die eine Sache. Dann haben wir aber das Thema Netzanschluss, was wir auch vorhin schon hatten, auch im Vorgespräch kurz. Das ist ja immer so eines der Hindernisse, um Ladeinfrastruktur vor allem schnell auszurollen. Habt ihr damit auch zu kämpfen?

  27. Paul Tonini:

    Wie geht ihr damit um? Das Netz bleibt und ist an manchen Orten ein Engpass. Wir setzen da auch ganz stark auf andere Technologien, sodass wir dann eventuell mit Batteriespeichern auch hier versuchen, Engpässe zu lösen. Wir haben verschiedene Konzepte dazu in der Erprobung gehabt, auch in anderen Ländern. Das ist auch immer ein bisschen marktspezifisch. In den Niederlanden zum Beispiel wird es immer schwieriger, Netzanschlüsse überhaupt zu bekommen. Das wird uns in Deutschland hoffentlich nicht drohen, aber wir wollen darauf vorbereitet sein und entsprechend bauen wir dann auch unterschiedliche Konzepte. Es muss halt immer zum passenden Standort passen. Auch am Ende die Ladegeschwindigkeit muss zum Nutzer passen und zur Aufenthaltsdauer am Standort passen. Und dementsprechend haben wir verschiedene Standardkonzepte entwickelt, die wir da ausrollen werden.

  28. Sebastian:

    Wenn wir gerade beim Thema Ladeleistung auch bleiben oder Ladegeschwindigkeit, du sagst, ihr macht das von Nutzer, von der Nutzerin abhängig ein Stück weit. Was für ein Spektrum bietet ihr an?

  29. Paul Tonini:

    Wir sind primär im Schnellladebereich unterwegs, das heißt DC-Laden größer 50 Kilowatt, 100 Kilowatt, 300 Kilowatt. Wir installieren auch Ladesäulen mit 400 Kilowatt, das klassische Angebot, was man so auch an der Autobahn vorfindet. Wir gucken, dass wir unsere Ladeparks immer auf den jeweiligen Standort zuschneiden und auf das Nutzerbedürfnis dort zuschneiden. Wovon wir ein bisschen Abstand nehmen, sind AC-Ladestationen. Wir haben die zwar in Frankreich und in anderen Ländern auch schon ausgerollt. Da gibt es aber auch rechtliche Verpflichtungen zu. In Deutschland wollen wir primär im DC- und dann auch im Schnellladesegment unterwegs sein. Wir glauben auch daran, dass zukünftig die Ladeleistung der Fahrzeuge noch steigen wird. Das, was wir heute sehen, ist noch nicht Peak. Du kennst das sicherlich auch aus China. Da geht noch ein bisschen mehr als bei uns. Und dafür wollen wir uns auch vorbereiten. Das heißt, wir legen entsprechend unsere Ladeparks auch unter der Erde schon für das Maximum an Leistung aus, auch wenn das vielleicht in den nächsten fünf Jahren noch nicht abgerufen werden kann.

  30. Sebastian:

    Das heißt, ihr baut aber auch die Ladeparks, ich sag mal rein von der Anschlussleistung, die ihr dann bietet, auch modular entsprechend aus, weil ich sag mal, vielleicht reichen ja heute vier Ladepunkte aus, um den aktuellen Bedarf abzufedern. In fünf Jahren brauchst du vielleicht zehn Ladepunkte am gleichen Ort. Ist das dann auch schon vorgesehen bei euch?

  31. Paul Tonini:

    Ja, für uns auf jeden Fall eine große Herausforderung, den Ladepark so zu designen, dass wir den erweitern können. Nicht nur einfach mit einer weiteren Ladesäule, aber auch technisch erweitern können. Wir sehen jetzt gerade, dass der Trend bei der Hardware auch weggeht von dem klassischen Monolithen, also wo die Leistungselektronik in der Ladesäule installiert ist, hin zu solchen Satelliten- oder Dispensersystemen. Das ist eine andere technischere Anforderung. Und wir wollen halt unseren Ladepark einmal so bauen, dass wir den auch in den nächsten Jahren umrüsten und nachrüsten können. sodass du als Konsument dann auch immer das Optimum rausholst und nicht irgendwie in fünf Jahren wieder an so einem alten Triple-Charger stehen musst, wie man das aus der Vergangenheit kennt.

  32. Sebastian:

    Das heißt, ihr denkt auch da die ganze Geschichte weiter, aber vor allem auch im Backend ist es ja auch bei euch so, dass ihr Backend-App und auch viele Funktionen, die daran anknüpfen, selbst entwickeln. Also ihr habt eine starke, breite, vertikale Integration bei euch im Unternehmen. Was sind die Vor-, was sind die Nachteile für euch? Also was könnt ihr besonders gut nutzen im Vergleich zum Marktbegleiter-Niveau? Müsst ihr vielleicht nochmal ein bisschen nachschärfen?

  33. Paul Tonini:

    Also wir sind besonders gut drin, wie du sagst, durch die Integration unserer Softwareentwicklung auch in-house, möglichst schnell auf Marktanforderungen zu reagieren, auch hier gute, vollintegrierte Lösungen einfach schnell zur Verfügung zu stellen und die auch weiterzuentwickeln. Das ist, glaube ich, eine unserer großen Stärken. Das ist nicht nur der Betrieb von Infrastruktur, das fängt auch bei der Projektierung und der Planung an, wo wir eine hohe Systemintegration schon haben und entsprechend dadurch auch ganz andere Rollerzahlen vielleicht abliefern können als andere Anbieter. Ich glaube, wo wir noch ein bisschen besser werden können, ist dann wirklich auch das Thema am Ende des Tages die Stationen. in die Roaming-Angebote zu integrieren, wobei das vielleicht eine temporäre Frage ist, denn wir sehen ja auch, dass der Trend vom Roaming ein bisschen weggeht. Immer mehr Leute nutzen auch durch die A4 eingeführte Zahlmethoden an den Ladestationen. Wir sehen auch, dass der Konsument mit dem Roaming-Modell in Summe nicht so glücklich ist, weil es keine Preistransparenz schafft. Ähm, Ja, das ist ein Bereich, den gucken wir uns ganz genau an. Wir wollen natürlich auch keinen Umsatz liegen lassen, aber am Ende des Tages werden wir uns dahin bewegen, wo der Markt sich hin bewegt.

  34. Sebastian:

    Das scheint auch nachvollziehbar. Und gerade diese Roaming-Diskussion kam bei uns in der Bubble jetzt auch schon mal wieder verstärkt auf. Die Tage, weil eben gerade diese Preisintransparenz oder Preistransparenz fehlt am Ende vom Tag, dass man als Fahrer, Fahrerin dann auch nachvollziehen kann, für was lastet jetzt die Kilowattstunde. Insofern ein guter Ansatz und schön zu sehen, dass ihr das auch eben konsequent so verfolgt. Ihr geht ja aber auch nicht den Markt nur alleine an, ihr habt Marktbegleiter und seid ja jetzt auch zum letzten Schritt gegangen mit der Spark Alliance, gemeinsam mit Fastnet, Atlant, Anionity, euch zusammenzuschließen, um das Ladeangebot transparenter nach außen zu tragen. Magst du da vielleicht auch noch ein paar Worte dazu verlieren? Worum geht es bei der Spark Alliance und was war der Gedanke dahinter, warum ihr auch beigetreten seid?

  35. Paul Tonini:

    Ja, also wir haben prinzipiell nach Partnern gesucht, die ungefähr das gleiche Qualitätsversprechen und Nutzererlebnis dem Kunden gegenüber darstellen können. Wenn man da mal wirklich in die Branche reinschaut, dann sieht man mit diesen vier Partnern, das sind wirklich Top-CPOs, die hier auch europaweit gute Abdeckung liefern. Wir sehen schon, dass der Kunde inzwischen ein anderes Bedürfnis hat als vor ein paar Jahren. Als ich vor ein paar Jahren noch eine Ladekarte mir besorgt habe, wollte ich halt einfach sorgenlos überall laden können. Inzwischen brauche ich das gar nicht mehr, das Angebot. Ich will von A nach B kommen. Ich weiß, dass ich vor Ort vielleicht eine andere Ladesäule finde, die ich dann auch per Kreditkarte bezahlen kann. Entsprechend sehen wir, dass es immer stärker in Konsolidierung geht und das Ladebedürfnis des Kunden einfach für die Langstrecke und aber auch zwischendurch abgedeckt werden soll. Und ich brauche gar nicht 500.000 Ladepunkte in meinem täglichen Leben. Ich brauche vielleicht nur 100, 200 und für den Rest finde ich dann eine temporäre Lösung. Mit der Spark Alliance sind wir qualitativ hochwertige CPOs, die uns zusammengeschlossen haben und entsprechend hier am Markt dann auch zukünftig ein besseres Nutzererlebnis bieten wollen. Aktuell ist das erstmal ein Zusammenschluss. Mal sehen, was in den nächsten Monaten noch kommt.

  36. Sebastian:

    Das lässt sich ja schon mal aufhorchen. Ich denke, da kriegen wir dann auch zugegebener Zeit fast mit auf den Weg. Du hast jetzt eben gerade gesagt, 100 bis 200 Ladepunkte, die man im Alltag braucht. Electra hat sich dennoch vorgenommen, bis 2030 an die 2200 Ladestationen aufzubauen. Die Frage natürlich an dich, jetzt mit deinem Amtseintritt einhergehend, was sind deine persönlichen Meilensteine, die du dir jetzt für Electra Deutschland in den nächsten zwölf Monaten gesetzt hast?

  37. Paul Tonini:

    Also zunächst mal wollen wir unseren ersten Ladepark in Betrieb haben. Das ist uns gelungen. Wir werden bis zum Jahresende noch 30 weitere in Betrieb nehmen und dann entsprechend den Rollout auch weiter beschleunigen, um hier die selbst gesteckten Ziele zu erreichen. Für mich persönlich sind Meilensteine, wenn wir es geschafft haben, den Kunden zu überzeugen, wir auch in den Rankings entsprechend auftauchen als einer der präferierten Anbieter und am besten wahrgenommenen Anbieter. Aber auch, wenn wir technisch zum Beispiel die ersten Stationen mit Batteriespeichern in Deutschland realisiert haben oder unsere schöne Elektro-Line-L gebaut haben, was für dieses Jahr eigentlich noch gedacht ist.

  38. Sebastian:

    Für mich zum Abschluss noch die Frage, Electra bringt sich selbst mit drei Schlagwörtern, Simplicity, Boldness und Passion in Verbindung. Drei Schlagwörter, die erstmal für sich stehen, die für relativ alles stehen können, wie das halt immer so ist, für Werte, die man sich selbst setzt. Aber wie lebt ihr diese Werte, wie lebst du diese Werte im Alltag?

  39. Paul Tonini:

    Jeder von uns ist Elektroautofahrer, das ist schon mal eine Grundvoraussetzung. Jeder arbeitet konstant dran, diese Produkte besser zu machen und auch Bewunderung für Marktbegleiter zu haben, die entsprechend gute Features ausgerollt haben. Das ist wichtig, auch da offen zu sein. Wir treten entsprechend bold auf, wir rollen Technologien auch schon aus, auch wenn wir sie noch nicht 100% erprobt haben. Wir wollen schnell lernen, gemeinsam mit dem Kunden lernen, um hier auch einfach möglichst weit vorne mit dabei zu sein, wenn es dann darum geht, einen Ladepark mit in Betrieb zu nehmen. Nicht umsonst hätten wir es sonst in der Vergangenheit geschafft, mehr als 150 bis 200 Ladeparks im Jahr in Betrieb zu nehmen.

  40. Sebastian:

    Vielen Dank, Paul, für deine Einblicke und dir jetzt einen ersten guten Arbeitstag.

  41. Paul Tonini:

    Danke dir.

  42. Sebastian:

    Electra hat somit einiges vor in 2025 hier in Deutschland, aber auch in den restlichen europäischen Märkten. Wir werden sehen, wohin die Reise geht und sind dann natürlich gespannt und vorne mit dabei. Ich hoffe, die Folge hat dir spannende Einblicke geboten und so eine schöne Sache, direkt zum Start in den neuen Arbeitsalltag von Paul Tonini mit dabei zu sein und zu erfahren, was der neue CEO von Electra mit vorhat. Wenn es dir auch gefallen hat, hinterlasse uns gerne eine positive Bewertung bei Apple Podcasts. Hilft uns auch weiter, den Podcast weiter in die Welt hinauszutragen.