Wachstumseinbruch auf Europas Elektroautomarkt

Matthias Schmidt, Automobil-Analyst, zeigte uns bereits im April 2020 auf, dass die Elektroauto-Zulassungszahlen in Europa in 2020 eher rückläufig sein werden. Im Rückblick betrachtet war zumindest noch das erste Quartal 2020 positiv geprägt, insbesondere im Vergleich zum Weltmarkt entwickelte sich der europäische Elektroautomarkt positiv.

Doch nach 41 Monaten Wachstum, in denen Monat für Monat der europäische Elektroautomarkt gewachsen ist, verzeichnet er im April 2020 erstmalig ein Rückgang. Um -30,2 Prozent brach der Elektroautomarkt in Europa ein, der gesamte PKW-Markt im gleichen Zeitraum um -79,9 Prozent. Wir betrachten den E-Automarkt Europas im Detail.

Shownotes:

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Transcript

  1. Intro:

    Elektroauto-News. Der Podcast rund um das Thema Elektromobilität. Mit aktuellen Entwicklungen, Diskussionen, Interviews und vielem mehr.

  2. Sebastian:

    Servus und herzlich willkommen bei einer neuen Folge des Elektroauto-News.net Podcast. Ich bin Sebastian und freue mich, dass du auch diese Woche wieder eingeschaltet hast, wenn wir uns mit dem Thema alternative Antriebe, insbesondere der batteriebetriebenen E-Mobilität, auseinandersetzen. Thema der heutigen Podcast-Folge ist der Europas Elektroautomarkt. Wir werfen einen Blick drauf und müssen leider zum ersten Mal nach 41 Monaten, in denen der europäische Elektroautomarkt Monat für Monat gewachsen ist, anerkennen, dass das Wachstum eingebrochen ist. Natürlich stark bedingt durch Corona. Aber fangen wir mal am Anfang an. steigen ein und schauen, wie sich das Ganze entwickelt hat, wie es weitergehen könnte und wie es dann eben auf dem anderen größten oder dem derzeit größten E-Automarkt ausschaut, in dem Fall China. Die Daten, die Grundlage für den Podcast oder für die heutige Podcast-Folge waren, stammen von Matthias Schmidt. seines Zeichens Automobilanalyst, der sich insbesondere im Bereich der E-Mobilität doch einen guten und starken Namen gemacht hat, weil er doch viele Zahlen, Daten, Fakten zusammenträgt, Monat für Monat und auch uns die Grundlage für vielfältige Artikel eben bietet. Bereits im April 2020 hat er uns aufgezeigt, dass die Zulassungszahlen in Europa in diesem Jahr eher rückläufig sein werden. Zwar war das erste Quartal 2020, also Januar bis März, noch positiv geprägt, gerade wenn man es so in Relation zum Weltmarkt gesetzt hat, natürlich auch, weil China... mit dem Coronavirus oder mit der Corona-Krise ein wenig früher dran war, hatte man natürlich noch diesen zeitlichen Vorschub, wo man dann eben nochmal wachsen konnte, bevor dann eben auch die Corona-Krise bei uns ganz klar eingeschlagen hat. Und das hat sich dann tatsächlich im April 2020 gezeigt zum Rückblick, dass es da ganz stark uns getroffen hat. Den europäischen Elektroautomarkt, der ist um minus 30,2 Prozent eingebrochen. Im Vergleich zum gesamten PKW-Markt, also auch noch Verbrenner, Diesel und so weiter, eher wenig sogar im Verhältnis, weil der gesamte PKW-Markt ist um gut, also knapp minus 80 Prozent eingebrochen. Also schon ein ganz, ganz starker Rückgang. Bedingt dadurch, dass der gesamte PKW-Markt mehr als doppelt so stark eingebrochen ist wie der reine E-Auto-Markt, machten E-Autos einen Anteil am gesamten Absatz von 6,6% im April 2020 aus. Schmidt geht davon aus, also der Analyst, dass wir Ende 2020 bei einem Anteil von mindestens 5% am Gesamtmarkt stehen, also Anteil von reinen Elektroautos am Gesamtabsatz im PKW-Bereich, was aktuell dann eine Verdopplung gegenüber dem Vorjahr 2019 gleichzusetzen ist. Nach dem ersten Drittel, also das erste Quartal, Januar bis März, lagen wir noch bei 4,7%. war auch dadurch stark geprägt, dass dann eben 2019 oder Bestellungen aus 2019 gar nicht mehr in diesem Jahr ausgeliefert wurden, sondern alle bis nach 2020 überführt wurden zum größten Teil, um dann auch natürlich dieses Jahr die CO2-Flottenwerte zu unterstützen und zu erreichen. Was natürlich mehr Taktik der Automobilhersteller war, um dann eben da bestmöglich davon zu profitieren. Ja, und eben diese CO2-Flottenwerte, die es jetzt eben gibt in Europa, die zu erreichen sind, damit halt die verschiedenen Automobilhersteller keine Strafzahlungen leisten müssen sozusagen, gilt es zu erreichen. Und die treiben natürlich auch die Bemühungen der Automobilhersteller. Der Analyst Matthias Schmidt geht davon aus, dass die CO2-Ziele erreicht werden. In einem früheren Bericht ging er sogar davon aus, dass wir über 700.000 E-Autos zulassen können in diesem Jahr. Mittlerweile hat er seine Aussagen korrigiert, diese an die Marktgegebenheiten angepasst und landet bei so knapp über einer halben Million E-Autos, die wohl in 2020 zugelassen werden. Aber das stärkere Wachstum im Bereich der E-Mobilität sieht er dann vor allem 2021 an. Und bevor wir da aber einen Blick auf die Gründe werfen, warum er das so sieht und warum sich der Markt so entwickeln könnte, wie er sich entwickeln wird wahrscheinlich, wollen wir noch kurz einen Blick auf die zwei wichtigsten Elektroautomärkte der Welt werfen. Das sind China und Europa. Und da haben wir auch Zahlen natürlich dazu. Europa stand beispielsweise Ende April bei 142.687 E-Auto-Zulassungen. Eine deutliche Steigerung gegenüber dem Vorjahreszeitraum ist zu erkennen. Da brachte man es im gleichen Zeitraum auf in Anführungsstrichen nur um die 104.000 E-Auto-Zulassungen. In China dreht sich das Bild. Da waren wir im vergangenen Jahr noch bei 280.000 Zulassungen, so roundabout, sind aber dieses Jahr in Anführungsstrichen bei nur 155.000 E-Autos, die in China zugelassen wurden von Januar bis April. Da ist jetzt natürlich die Frage zu stellen, da hat Corona schon mehr durchgeschlagen, die Wirtschaft war da schon früher unten, deswegen konnte man da vielleicht nicht rankommen. Ist die Frage, wie der Markt sich dort wieder erholen kann, welche Unterstützung es gibt, Subventionen, ja, einfach Unterstützung von Seiten der Politik, durch die Automobilhersteller vielleicht selbst, um dann eben zu sehen, dass man da wieder an den Absatz vom vergangenen Jahr rankommt, wobei das schon eine starke Herausforderung ist. Und kommen wir nochmal zurück zu Europa, da zeichnet sich derzeit ein anderes Bild. Dort könne man derzeit davon ausgehen, dass entsprechende E-Auto-Bestellungen mittlerweile sogar schon auf 2021 geschoben werden, da man die CO2-Ziele nicht übererfüllen möchte. Sprich, wir haben hier das gleiche Spiel dann wahrscheinlich zum... Ja, dritten, vierten Quartal zu erwarten wie im vergangenen Jahr. Bestellungen für E-Autos werden halt nicht mehr in 2020 ausgeliefert, sondern sobald dann wahrscheinlich die großen Automobilhersteller ihre Ziele erfüllt haben, schieben sie die Bestellungen bzw. Auslieferungen in 2021, um dann dort auch wieder von den CO2-Flottenwerten zu profitieren. Und dann ist halt auch die Frage, derzeit wird ja stark diskutiert, Abwrackprämien oder andere Unterstützung der Politik, wie es beispielsweise bei der Finanzkrise 2009 der Fall war, ob sowas auch zum Tragen kommt. Da gibt es auch klare Stellungen dazu. Beispielsweise sagt Autopapst Prof. Dr. Dudenhöfer, damit eine einseitige Elektroautoprämie nicht zielführend sei. Und generell scheint es eben so, als ob die Deutschen gespalten wären bei der Corona-Kaufprämie für Elektroautos. In Frankreich hingegen hat man schon Nägel mit Köpfen gemacht und eine massive Förderung für E-Autos angestoßen. In Deutschland hat man diese entsprechende Entscheidung zunächst vertagt, sollte jetzt nach Pfingsten gefällt werden, wird sich jetzt wohl noch ein bisschen weiter in den Juni reinschieben. Und ja, darf man gespannt sein, was daraus wird oder wie sich das zeigen wird. Hersteller ziehen zumindest schon mal erste Konsequenzen. Da möchte ich jetzt direkt drauf eingehen. Und zwar bei den Herstellern gehen wir jetzt eben nochmal auf diese Thematik der Auslieferungsverschiebung ein. Und Herbert Dies, Vorstandsvorsitzender von einem Europas größter Pkw-Hersteller, der Volkswagen-Gruppe, wo ja Audi, Porsche, VW, Skoda, Seat alle mit dazugehören, erwähnte in einem Podcast im Mai, dass viele der Elektroautos im gesamten Konzern für dies Jahr bereits ausverkauft seien. Und das deutet eben auch darauf hin, dass einige Hersteller so zuversichtlich sind, dass die CO2-Einhaltungen in diesem Jahr erfüllt werden, dass man die Menge an zu fertigenden oder zu absetzbaren E-Autos begrenzt. um dann eben zu hoffen, dass man diese Auslieferung auf 2021 verschieben kann, um dort eben auch die Einhaltung in dem Jahr dann zu sichern von den CO2-Flottenwerten. Das ist schon eine interessante Sache und da bin ich echt gespannt drauf, wie das dann tatsächlich umgesetzt wird, ob man das auch durchbekommt am Markt. Skoda ist ein gutes Beispiel aus dem VW-Konzern, die haben beispielsweise die Einstiegsvarianten des Citigo e.V., also quasi das vergleichbare Elektroauto vom Skoda-Konzern zum Seat Mii Electric und zum VW e.V. schon aus der Bestellmöglichkeit rausgenommen, also diese Einstiegsvarianten und bietet aktuell nur noch die Version mit den höchsten Spezifikationen an. Wahrscheinlich auch mit dem Hintergedanken, dass im Falle einer gestiegenen E-Auto-Kaufprämie, die ja immer noch kommen könnte für Deutschland, sonst zu viele Fahrzeuge für zu wenig Geld über den Tisch gehen. Weil dann haben wir auf einmal Stromer für um die 10.000 Euro am Markt und der dürfte doch einiges an Interesse mit sich bringen, könnte man von ausgehend. Was man allerdings auch beobachten kann, jetzt mal unabhängig davon, ob Bestellungen und Auslieferungen vielleicht verschoben werden, ist die Tatsache, dass auch so eine Verschiebung im europäischen Markt zu erwarten ist. Üblicherweise ist es nämlich eben so, dass die Sommermonate eher ruhig sind und nicht so eine riesige Rolle im Absatz am Pkw-Markt spielen. Und generell fahren zu dieser Zeit dann auch die Werke runter, es wird weniger produziert, man passt sich halt eben an die Absatzsituation am Markt an, dass man auch nicht zu viele Fahrzeuge auf Halde stehen hat und er versucht da eben auch ein bisschen Dampf aus dem Kessel rauszunehmen. Bedingt durch die Corona-Krise sowie die Befreiung der relevanten Märkte aus dem harten Lockdown, die jetzt ja sozusagen nach und nach stattfinden, könnte man allerdings auch davon ausgehen, dass Automobilhersteller im Sommer 2020 verstärkt auf den Absatz von E-Autos hinarbeiten. Zu einem natürlich, um die CO2-Ziele so früh wie möglich zu erreichen, zum anderen, um den Folgen einer möglichen zweiten Lockdown-Welle entgegenzutreten, weil es ist ja immer noch nicht sicher, dass... es bei diesem einen Shutdown bleibt, den wir hier in Deutschland erlebt haben oder auch in anderen Teilen der Welt, könnte natürlich, wenn der Coronavirus sich wieder stärker ausbreitet, nochmal dazukommen. Natürlich auch wieder mit der Folge, dass Werke geschlossen werden müssen und so weiter. Und um denen zuvor zu kommen, gehen halt viele Gerüchte oder Gespräche darum, dass man dann doch zeitnah die CO2-Ziele erreicht und dann lieber gegebenenfalls zum Jahresende hin weniger Output bringt und sich so früh wie möglich auf die sichere Seite stellt, der ganzen Geschichte. Beispielsweise in Europa könnte ein starker Absatz in den Niederlanden stattfinden, weil dort sollen ab Juli neue E-Autosubventionen zum Tragen kommen. Ist ja eh ein beliebter Markt. Tesla hat da mit dem Model 3 stark punkten können im vergangenen Jahr oder auch Anfang des Jahres noch. Und auch in Deutschland, wenn denn eine E-Auto-Kaufprämie oder irgendeine andere Art von Kaufprämie auf die Straße gebracht wird, könnte natürlich der Absatz dann auch nochmal gesteigert werden. Und da kann man auch davon ausgehen, dass die Automobilhersteller versuchen, ein größtmögliches Stück am Kuchen abzubekommen. Schlussendlich gilt für uns jetzt einfach abzuwarten, wie sich die ganze Thematik entwickelt, wo das Ganze denn hinführen wird. Ja, ob denn tatsächlich noch eine zweite Corona-Welle kommt, ob wir da herumkommen sozusagen und natürlich welche Auswirkungen sich das für die Automobilhersteller hat. Ich denke, eine wichtige Rolle spielen auch die Subventionen, die auf die Straße gebracht oder auf den Weg gebracht werden von der Politik oder vielleicht sogar von den Automobilherstellern selbst. Und ja, auch andere Einflüsse, die dort eben noch zum Tragen kommen. Wie beispielsweise, wie realistisch oder wie früh erreichen einzelne Hersteller ihre CO2-Flottenwerte? Und wie sind dann die Bemühungen danach? Geht es dann wirklich darum, nur 2,21 abzusichern? Oder möchte man eigentlich auch den Klimawandel dadurch unterstützen, dass man weiterhin E-Autos ausliefert? Wir werden das Ganze weiterhin beobachten. Dir möchte ich vielen Dank sagen, dass du heute auch wieder zugehört hast in der aktuellen Podcast-Folge. Ich hoffe, es war interessant für dich zu sehen. Und wie sich der europäische E-Automarkt entwickelt, auch wenn er jetzt einen Einbruch nach 41 Monaten gezeigt hat, sind wir zuversichtlich, dass es auch wieder aufwärts geht. Zumindest wenn Corona oder der Coronavirus so weit im Griff ist, dass man da auch wieder auf einer gesunden, festen Basis stehen kann. Und das ist natürlich sowohl bezogen auf die Automobilindustriewirtschaft an sich, als auch natürlich auf all die Menschen, die diese Autos kaufen sollen, müssen, dürfen, dass die natürlich auch wieder entsprechende Sicherheiten, entsprechenden Rückhalt in ihrem Leben haben, dadurch, dass sie nicht mehr mit beispielsweise Kurzarbeitergeld oder Kündigungen und so weiter zu rechnen haben. Nochmal vielen Dank fürs Zuhören. Ich freue mich, wenn du nächste Woche wieder einschaltest beim E-Mobilitäts-Podcast von Elektroauto News. Mach's gut, bis dahin. Ciao.