Warum die Verbrenner-Debatte den Automarkt verunsichert

Im Gespräch mit Stefan Heimlich, Mobilitäts-Experte

Im aktuellen Podcast hatte ich die Gelegenheit, erneut mit Stefan Heimlich zu sprechen, einem Experten für nachhaltige Mobilität, der die Entwicklungen der Branche seit Jahren kritisch und konstruktiv begleitet. Wir haben uns über die derzeitige Rückkehrdebatte rund um den Verbrenner ausgetauscht, die nach der IAA und vor dem kommenden Autogipfel im Oktober für viel Aufmerksamkeit sorgt. Stefan machte dabei deutlich, wie gefährlich er diesen Schritt einschätzt: „Ich möchte nicht in einem Museumsland Deutschland leben, sondern in einem Deutschland, das der Zukunft zugewandt ist.“

Ein Schwerpunkt unseres Gesprächs lag auf der Unsicherheit, die derzeit am Automarkt herrscht. Viele Menschen wissen schlicht nicht, ob ein Verbrenner, ein Plug-in-Hybrid oder ein Elektroauto die richtige Wahl ist. Diese Zögerlichkeit hat bereits Folgen: Werke stehen teilweise still und es gibt Überkapazitäten in der Produktion. Stefan sieht darin das Ergebnis einer von Lobbyarbeit geprägten Debatte, die Verbraucher:innen verunsichert. „Wenn ständig behauptet wird, E-Autos seien nicht alltagstauglich, dann überlegen sich die Leute zweimal, ob sie kaufen. Das schadet der Branche schon heute.“

Sehr eindrücklich war Stefans Blick über die deutschen Grenzen hinaus. In China, dem größten Automarkt der Welt, sind fast 50 Prozent aller Neuzulassungen sogenannte „New Energy Vehicles“, wovon über 60 Prozent rein batterieelektrisch sind. Plug-in-Hybride spielen zwar noch eine Rolle, Range Extender oder Wasserstoff hingegen fast keine. Auch in Afrika, Lateinamerika und den USA zeichnet sich ein klarer Trend zum Elektroauto ab – getrieben von ökonomischen Gründen wie der Einsparung teurer Ölimporte oder gezielten Industrieprogrammen. „Der weltweite Markt spricht eine klare Sprache – und die heißt batterieelektrisch. Wer in Zukunft Autos verkaufen will, kommt daran nicht vorbei.“

Wir sind auch auf die Rolle der Zulieferer eingegangen. Bosch etwa baut derzeit zehntausende Stellen ab, weil man den Einstieg in die Batterietechnologie verpasst hat. Für Stefan ist das ein Beispiel dafür, wie Fehlentscheidungen auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen werden. Mittelständische Familienunternehmen, die stark vom Verbrenner abhängen, benötigen nach seiner Einschätzung gezielte Unterstützung, um neue Geschäftsfelder zu entwickeln. Hier sei auch die Politik gefragt, damit der Wandel sozialverträglich gelingt.

Trotz aller Herausforderungen sieht Stefan die deutsche Autoindustrie aber auf einem guten Weg. Die IAA habe gezeigt, dass die großen Hersteller ernsthaft im Elektrozeitalter angekommen sind. BMW präsentierte die „Neue Klasse“ mit 800-Volt-Technik, Mercedes stellte den GLC und eine neue Plattform vor, und VW kündigte eine Urban Car Family im Volumensegment an. „Ich habe überhaupt keine Sorge, dass die deutsche Autoindustrie das Ziel 2035 locker einhalten wird.“

Für Stefan ist klar: Der Blick nach vorne ist entscheidend. Wer sich an alte Geschäftsmodelle klammert, riskiert den Anschluss. Doch wer die Chancen der Elektromobilität nutzt und zugleich Zulieferer wie Beschäftigte in den Wandel mitnimmt, hat alle Möglichkeiten, auch künftig international erfolgreich zu sein. Damit genug der Vorrede – jetzt direkt hinein in das Gespräch mit Stefan Heimlich.

Shownotes:

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Transcript

  1. Intro:

    Elektroauto News. Der Podcast rund um das Thema Elektromobilität. Mit aktuellen Entwicklungen, Diskussionen, Interviews und vielem mehr.

  2. Sebastian:

    Ich bin Sebastian und freue mich, dass du heute wieder mit am Start bist. In dieser Sonderfolge am Mittwoch, eine Woche vor dem nächsten anstehenden Autogipfel, habe ich mit Stefan Heimlich gesprochen. Er ist ausgewiesener Experte für nachhaltige Mobilität, das schon über viele Jahre hinweg. Und wir haben uns ausgetauscht über eben die aktuelle Diskussion rund um die Rückkehr zum Verbrenner, die eben gerade im Nachgang der IAA und vor dem anstehenden Autogipfel doch deutlich an Fahrt aufgenommen hat. Stefan hat dabei klargemacht, dass er die Entwicklung durchaus kritisch sieht. Um ihn zu zitieren, er möchte nicht in einem Museumsland Deutschland leben, sondern in einem Deutschland, das der Zukunft zugewandt ist. Und wie sich das gestaltet, wie er denkt, wohin sich der Weg abzeichnen könnte für die Automobilindustrie Deutschland, das hören wir uns am besten selbst an. Viel Spaß mit dem Gespräch. Servus Stefan, schön, dass du hier heute im Podcast mal wieder zu Gast bist. Das zweite Mal, wenn ich mich richtig erinnere. Und jetzt mit einem Thema, was dich wahrscheinlich genauso wenig erfreut wie mich. Die gefühlte Rückkehr zum Verbrenner, die man jetzt ja in den Medien mitbekommt, gerade nach der IAA, kurz vorm Autogipfel nächste Woche. Wie schätzt du es ein? Wie siehst du die Lage da aktuell?

  3. Stefan Heimlich:

    Ja, vielen Dank, Sebastian, dass ich wieder hier mitwirken darf. Ja, wir bewegen uns gerade in einer Fallback-Situation, nämlich wir haben ja alle die konzertierte Kampagne erlebt vom Verband von Politikern von verschiedensten, aber nicht allen, Äh, Autoherstellern, ähm, anlässlich der IAA in München und wir sind jetzt eine gute Woche, bevor am 9. Oktober ein Autogipfel stattfinden soll. Ich weiß gar nicht mehr, der wievielte Autogipfel das eigentlich ist. Jedenfalls geht es darum... in der breiten Diskussion dieser Herren und der einen Dame vom Verband wieder die Rückkehr zum Verbrenner zuzulassen. Und da fühle ich mich eigentlich gar nicht gut bei, weil ich möchte eigentlich nicht in einem Museumsland Deutschland leben. sondern ich möchte in einem Deutschland leben, was der Zukunft zugewandt ist, was modern ist und auf der Höhe der Zeit und ein sicheres Industriestandort.

  4. Sebastian:

    Das kann ich zustimmen, das möchte ich auch erstmal werden. Die Dame, die du angesprochen hast, war Hildegard Müller, Präsidentin vom VDA, Verband der Automobilindustrie. Und dann haben wir auch von den verschiedenen Automobilherstellern, OEMs, dann ja auch deren... Ich sage mal Vorstandsvorsitzenden, die genau in die ähnliche Kerbe reinschlagen und sagen, okay, wir brauchen doch vielleicht dieses, nennen wir es mal in Anführungsstrichen, Verbrennerverbot doch nicht, sondern wir wollen erstmal Verbrenner weitermachen und E-Mobilität darf sich dann so ein bisschen mit einschleichen, übertrieben gezeichnet.

  5. Stefan Heimlich:

    Ja, das ist richtig. Die eine Dame ist die Frau Müller vom VDA. Alles andere sind weiße alte Männer, Babyboomer, denen es natürlich ans Ego geht. Wenn das bisherige Geschäftsmodell und die Fokussierung, die Deutschland volkswirtschaftlich betrachtet, vorgenommen hat, nämlich auf den Autoindustrie, den Maschinenbau und ein bisschen chemische Industrie, Dass diese Fokussierung im internationalen Konzert nicht mehr trägt, das geht natürlich ans Ego und ist eine enorme gesellschaftliche Herausforderung für uns, diese Volkswirtschaft zu transformieren und damit wieder zukunftssicher zu machen.

  6. Sebastian:

    Und was wäre da der Weg dann sozusagen? Also eben wahrscheinlich nicht der Rückschritt, sondern eher vielleicht mal zwei Schritte nach vorne zu gehen, oder?

  7. Stefan Heimlich:

    Ja, natürlich. Wir haben eigentlich einen europäischen Ordnungsrahmen von 2019 und ich kenne keine Industrie oder keinen industriellen Sektor, der wirklich 16 Jahre Zeit bekommen hat, sich auf einen Weg zu begeben, CO2-neutral zu werden. und damit in der internationalen Wettbewerbsfähigkeit zwischen Nordamerika und Asien wirklich wieder auf der Höhe der Zeit zu werden. Stattdessen erleben wir mittlerweile seit gut anderthalb Jahren eine sehr aggressive Diskussion um das Verbrenner aus, als wenn das den Automobilstandort Deutschland tatsächlich retten würde.

  8. Sebastian:

    Hast du gut betont, dieses würde. Im Endeffekt würde es wahrscheinlich eher die aktuellen Vorstandsvorsitzenden über die nächsten zwei, drei Jahre retten. Aber auf lange Sicht wäre es für die Marken, für die Unternehmen, für die Automobilhersteller halt eher schädlich als zuträglich.

  9. Stefan Heimlich:

    Noch nicht mal diese zwei bis drei Jahre. Gucken wir uns mal die aktuellen Zahlen an. Wir haben in Deutschland im ersten Halbjahr Dieses Jahres, also 2025, 1,4 Millionen rund neu zugelassene PKWs in Deutschland. Im Vorjahr waren es noch 1,47. Das heißt 700.000 oder in Prozenten 4,7 Prozent weniger Neuzulassungen an PKWs in Deutschland. Was haben wir durch die fortwährende Debatte und auch immer dieses Im-Zweifel-Ziehen, muss ich auch den Medien in die Verantwortung nehmen, von immer wieder, da brennt ein E-Auto, wir haben zu wenig Ladesäulen. Zuletzt anlässlich der IA wurde der Verband ja nicht müde zu sagen, ja, das liegt an der slowenischen Ladeinfrastruktur, Klammer auf, könnt ihr mal googeln, die Pressemeldung, Klammer zu. Also der Punkt ist, dieses fortwährende Bestreiten der Alltagstauglichkeit führt dazu, dass die Menschen ihre Käufe von Neuwagen zurückhalten und überlegen, ja, was soll ich denn kaufen? Weil ich weiß es gar nicht. Was ist zukunftssicher? Weil das ist eine größte Investition des Privathaushaltes nach der eigenen Immobilie. Das ist das Auto. Und da gehen die Leute natürlich vorsichtig mit um. Und dieser Attentismus, den wir erleben, schädigt die Automobilindustrie bereits heute. Deswegen werden einige Werke jetzt sogar zeitweise stillgelegt, die sind unterausgelastet. Oder wie es andere Autoexperten ja auch sagen, wir haben Überkapazitäten in der Produktion, weil zu wenig abgesetzt wird. Und das heißt, deine Frage, lieber Sebastian, es hilft diesen Autoherstellern tatsächlich, Noch nicht mal kurzfristig. Langfristig hilft es ihnen ohnehin nicht, weil wir erleben einen weltweiten Trend hin zum batterieelektrischen Fahrzeug. Ich will nur nochmal den Blick schärfen, weil das auch in der Debatte war, zu China. In China ist der größte Automarkt der Welt und das deutsche Exportland, Automobilindustrie-Land, war hauptsächlich fokussiert auf den chinesischen Markt. Und dort werden ungefähr mittlerweile fast 50% New Energy Vehicles verkauft, also diese neu angetriebenen Fahrzeuggenerationen mit dem grünen Kennzeichen. So, und dann findet jetzt auf einmal auch anlässlich der IAA die Debatte statt, ja, wir brauchen eine andere Statistik und mehr Varianz, weil die New Energy Vehicles in China, das schließt ja auch Plug-in-Hybride ein, das schließt Range Extender ein. Und das müssen wir in Deutschland auch machen und damit wird begründet, Verbrenner aus ist viel zu strikt, das müssen wir lockern. Wir müssen auch Range Extender in Deutschland zulassen, Klammer auf, der CEO von Mahle, einer der großen Zulieferer, was Kolben und Kurbelwellen angeht in Deutschland, Klammer zu, fordert das auch. Logisch, weil eine Chromobilde habe ich in dem Elektromotor bisher vergebens gesucht. Also das heißt, diese Varianz müssen wir eröffnen, auch mit Range-Exzendern, auch mit Blank-In-Hybriden. Die müssen nach 35 zugelassen werden, weil die Chinesen machen das auch. So die Debatte. Gucken wir uns die Zahlen an. Ich hatte eben schon gesagt, 50% der Neuzulassungen sind New Energy Vehicles. Gucken wir uns mal diese 50% an. Mehr als 60 Prozent von diesen 50 Prozent sind batterieelektrische Fahrzeuge. Mehr als 30% sind Plug-in-Hybride. Bleiben noch 10% übrig. Und das sind dann diese Geschichten von Range Extendern, Mildhybriden und anderem Grobzeug. Wasserstoff weisen die Chinesen gar nicht mehr auf. Nur mal kauter Gruß an den Wirtschaftsminister in Bayern. Die Chinesen weisen das gar nicht auf, weil nicht nachweisbar. Klammer zu. Spielt keine Rolle. Also, die Chinesen, in dem, wenn es um New Energy Vehicles handelt, haben sich auch klar entschieden, hat was mit Kaufpreisen zu tun. 60% gehen batterieelektrisch. Das ist insofern klar. Das sind die Zahlen, die wir aus China kennen. Das heißt, diese Märchen, die da erzählt werden, wir müssen Range Extender zulassen, Wasserstoff zulassen. sind alles Nebelkerzen. Sie wollen ihren Verbrennermotor weiterfahren mit Diesel, mit Benzin, weil es ein hochlukratives Geschäft ist, auch insbesondere im Aftersale. Wir denken nur alle an den berühmten Ölwechsel, weil ja ein Schweinegeld kostet uns als Verbrauchern. Wir denken an die ganzen Ventile, Einspritzpumpen, Zündkerzen und den ganzen Kram, den wir alle als Verbraucher bezahlen müssen und den wir beim elektrischen Antrieb nicht mehr haben. Dieses Geld können wir wirklich sparen. Das ist die Reise, wo es hingeht. Der Markt redet eine ganz andere Sprache. Gehen wir nach Afrika runter, meinem Lieblingskontinent, wo ich mich seit Jahrzehnten aufhalte und bewege. Und da sind auch eine große Anzahl, die schon gesagt haben, wir kommen keine Verbrenner mehr ins Land, die werden nicht mehr zugelassen. Die machen das nicht primär, das muss man ehrlicherweise sagen, nicht primär aus Klimaschutzgründen. weil sie gar nicht die harte Währung US-Dollar in dem Maße besitzen und teuer erwirtschaften müssen, um die Ölimporter aus den Saudi-Arabischen Ländern, aus den OPEC-Ländern in ihre afrikanischen Länder das Öl zu bezahlen. Dieses Geld wollen sie sparen. Sie haben erneuerbare Energien. Gehen wir mal nach Ostafrika, gehen wir nach Nordostafrika. Aber auch gehen wir nach Nordwestafrika, die haben einen ganz klaren Kurs Richtung Batterie, elektrischen Antrieb und bauen auch Fabriken und so weiter aus. Wer fördert diese afrikanischen Länder? China. Ganz klar, mit Know-how, mit Software-Unterstützung, mit Hardware-Unterstützung, diese Fabriken werden mit chinesischer Unterstützung gebaut. Also, wir haben auch im Süden unseres europäischen Nachbarkontinents dort den Trend, gehen wir nach den USA, gehen wir nach Lateinamerika, dort haben wir die gleichen Effekte, gucken wir nach Brasilien, gucken wir nach Mexiko, gucken wir nach Chile und da ändert auch Trump erstmal wenig in Nordamerika. Also insofern, weltweiter Trend ist klar. Wenn wir unsere Autos made in Germany mit hoher Qualität absetzen wollen, ist der Weg vorgezeichnet und der kleine deutsche Markt wird sicherlich nicht an der Ausrichtung der großen Konzerne etwas ändern.

  10. Sebastian:

    Kann man so unterschreiben. Vor allem, wenn man es halt auch in Verhältnisse setzt. Es wird immer über Deutschland diskutiert. Du hast die Zahlen eingangs ja auch schon entsprechend eingeordnet. Wenn man dann auf die Weltmärkte blickt, wo halt wirklich relevante Stückzahlen laufen, das ist halt unter anderem China. Wenn man dort mitagieren und mitspielen möchte, wird kein Weg an Batterie elektrisch vorbeiführen. Und da wäre es dann ja auch sinnvoll, jetzt aktuell die Ressourcen, die man ja einsetzt, sei es jetzt Zeit, Mitarbeiter oder Geld, schlussendlich lieber auf eine Technik zu kanalisieren und bevor man dann eben, ich sage mal, drei Dinge so halbgar macht und am Ende des Tages gar nichts mehr herumkommt, oder?

  11. Stefan Heimlich:

    Ja, natürlich. Das sehen wir auch aktuell jetzt. In den vergangenen Tagen hat uns ja die Nachricht erreicht, dass Bosch massiv Stellen streicht. Ja, das sind große Zahlen. Das ist eine Sparte von Bosch, die 70.000 Beschäftigte aktuell umfasst. Zusätzlich zu den zuerst genannten Zahlen sollen jetzt in Summe, also die erst genannten Zahlen waren glaube ich 9.000 und dann kam jetzt vor ein paar Tagen die Zahl raus von weiteren 13.000, macht in Summe rund 22.000 Stellen von den 70.000 Stellen, die Bosch bis zum Ende des Jahrzehnts einsparen will. Das ist ein Personalabbau um rund 6% jedes Jahr, also 5 mal 25 bis 2030. Jedes Jahr sollen 6% der Stellen abgebaut werden. Das ist schon eine Hausnummer und eine Herausforderung. Das muss und das gehört zur sozialen Verantwortung als Unternehmen und auch gerade als Stiftung Bosch dazu, dass man das sozial verträglich hinkriegt. Ich glaube aber, dass das auch gelingen kann, weil in der gleichen Zeit, in den nächsten fünf Jahren, geht eine sehr große Zahl, nämlich der Babyboomer, in Rente. Und von daher lässt sich das mit Sicherheit sozialverträglich machen mit Anreizsystemen, dass die auch einen Anreiz haben, dann sich eine andere Stelle zu suchen, die eben noch nicht in der Nähe der Altersrente sind. Aber Bosch hat es versäumt, schlichtweg auf das Thema Batterie zu setzen. Ich kann mich noch gut daran erinnern, in den frühen Jahren, Anfang der 2010er Jahre, wo ich Kontakt mit Bosch hatte, mit dem Vertreter dort für Public Relations und Governmental Affairs und ich gesagt habe, Freunde, warum geht ihr nicht in die Batterie rein, wo dann Die Rückmeldung kam vom damaligen CEO Wolfgang Denner. Auch das können man bei Google nach wie vor nachlesen. Er hat gesagt, nein, wir gehen nicht in die Batterietechnik rein. Wir als Bosch veredeln die Batterie und machen doch das Beste draus. Und das ist das Geschäftsfeld, wo wir als Bosch reingehen. Ja, Pustekuchen. Schon damals war klar, ein Kattel, ein BYD. gehen im Leben nicht ihre Wertschöpfung, ihr Know-how her, das ein anderer, ein deutscher Zulieferer ihre Batterien veredelt. Das ist eine undenkbare Vorstellung gewesen, aber das wurde so geäußert und als Unternehmen ausgerichtet, auch mit Blick darauf, dass die großen Geschäftsfelder damals halt die ganzen Elektronik- und Zubehörteile rund um den Benzin- und Dieselmotor waren. Diese Fehlentscheidung müssen leider jetzt die Beschäftigten ausbauen. Es wäre in dieser Dekade, seit damals, bis heute 25, von 15 bis 25 Zeit gewesen, sich als Bosch, als Herzkammer der Elektrik im Auto befinden. sich auf den Weg zu machen, Batterieproduktion in Europa, in Deutschland hochzuziehen, sichere Arbeitsplätze zu gewährleisten und eine klare Zukunftsorientierung zu haben. Das mit dem kleinen Ausflug zu Bosch. Aber Sebastian, du hast mich ja auch gefragt, wie kann man die Investitionen sichern? Ich habe eingangs gesagt, ich kenne keinen industriellen Sektor, der 16 Jahre Zeit bekommt, bis seine Produkte, es geht um eine Produkte, es geht um das Auto, dass 2035 kein CO2 mehr ausstoßen darf. 16 Jahre hat die Europäische Kommission diesem Sektor Zeit gegeben und viele Unternehmen haben sich auf den Weg gemacht und Investitionen gemacht in Milliardenhöhe in ganz Europa. Wenn wir jetzt wieder zurückgehen, aufgrund der, ich betone ausdrücklich, der deutschen Diskussion, Nicht der europäischen Diskussion um den Verbrenner aus, außer dem deutschen Abgeordneten Manfred Weber aus Bayern. Es ist keine europäische Diskussion. Außer der deutschen Diskussion, jetzt wieder ganz Europa zurückzugehen, würden wir einen immensen wirtschaftlichen Schaden den Unternehmen herbeiführen, die sich auf den Weg gemacht haben, Werke umgerüstet haben, Teile für E-Mobilität produzieren und Autos auf den Markt gebracht haben im bezahlbaren Bereich. im Volumensegment, Klammer auf, das waren nicht die deutschen Hersteller, aber andere europäische Hersteller, denen würden wir Schaden zufügen und es kann nicht sein, dass wir die, die folgsam dem Rahmen gefolgt sind, dem Ordnungsrahmen, dass wir denen wirtschaftlich Schaden hinfügen. Das kann ich nicht verstehen, weil wir müssen uns ja auch klar sein, dass wir Dominoeffekte herbeiführen. Sebastian, wenn ich noch eine Sekunde darf, gucken wir uns mal in die Historie der deutschen Automobilindustrie an. Da gab es die Vorschrift nach dem Drei-Wege-Cut. Ältere Menschen wie ich erinnern sich ganz bewusst noch an die Diskussion der deutschen Autoindustrie gesagt haben, Drei-Wege-Katalysator geht gar nicht, können wir nicht. In der gleichen Zeit haben sie es in Nordamerika schon verkauft, weil sie es dort mussten. Und kaum war das dann beschlossen. Und kam über Nacht natürlich die gleichen Drei-Wege-Katalysatoren in den deutschen Markt rein und es war auf einmal alles kein Problem mehr. Gleiche Diskussion mit dem Sicherheitsgurt. Nein, was haben wir dort für Diskussionen geführt? Wir sind gefangen im Auto und die Freiheit ist beschnitten. Kaum war es vorgeschrieben, funktionierte das mit dem Drei-Wege-Gurt. Es hat die Unfallzahlen, die Zahl der Schwerverletzten und so weiter deutlich gesenkt. Es war ein Beitrag für Sicherheit. Es ging. Und so kann man die Reihe fortführen. Die Automobilindustrie, aktuelles Beispiel, ist gehalten, jetzt ab 2025 neue Grenzwerte der CO2-Ausstoßes einzuhalten, als Zwischenziel zum Ziel 2035 mit Null CO2-Ausstoß. Und was kommt? Wir haben auf einmal Rabatte, wir haben auf einmal eine Flut von Elektromobellen, die auf einmal bestellbar sind, die Preise gehen runter. Gerade aktuell in den letzten Tagen kamen die ersten Zahlen raus, dass wir in einigen Segmenten Preisparität haben zwischen Verbrennern und E-Autos. Manchmal ist der Unterschied nur noch 2.000, 2.500 Euro. Mehr ist es nicht mehr, weil die Verbrenner natürlich auch teurer werden. Also von daher, wir sind auf dem Weg und wenn wir diesen Weg verlassen, Wer garantiert uns denn, dass dann, ich sage jetzt mal 2038, die CO2-neutralen PKWs kommen und der Verband, der deutsche Verband, im Schluss mit seinem europäischen Verband, dessen Vorsitz ein deutscher Autohersteller, ein Vorsitzender eines deutschen Autoherstellers ist, dass die nicht genau so sagen, oh, das ist 2038 viel zu früh, wir haben es noch nicht geschafft, wir brauchen 2050. Also wer garantiert uns das? Niemand. Die Autoindustrie sagt immer, es ist der Untergang des Abendlandes und von daher sehe ich das mal ganz gelassen. Wir können die Dominoeffekte nicht ausschließen. Wir bestrafen diejenigen, die sich auf den Weg gemacht haben, bezahlbare E-Autos heute schon 2025 anbieten und das kann man denen nicht durchgehen lassen, die auf ihrem bisherigen Geschäftsmodell verharren. Entschuldigung für den etwas längeren Beitrag.

  12. Sebastian:

    Stefan, vielen Dank für die Ausführungen. War natürlich ein wenig länger, aber war auch umso wichtiger, dass wir da reingegangen sind oder du reingegangen bist, auch mit diesen ganzen Informationen und Fakten, die du da mitgebracht hast. Vielleicht zum Ende hin haben die Deutschen noch eine Chance. Also wenn wir uns jetzt auf E-Mobilität voll einlassen und vielleicht diese ganze Diskussion Verbrenner aus, Verbrennerverbot beiseite schieben und sagen, okay, jetzt geben wir Vollgas. Wir haben zwar nicht mehr die vollen 16 Jahre Zeit, aber kann man noch was reißen?

  13. Stefan Heimlich:

    Aber ja, aber ja, ich bin voller Zuversicht, was die deutsche Autoindustrie auf den Weg bringen wird. Auch da wieder der Blick zurück auf vor einem Monat auf die IAA München. Was wurde vorgestellt? Es wurden hervorragende Elektroautos aus deutscher Herstellung gezeigt. Gehen wir in das Premium-Segment. Ganz vorne natürlich die Münchner BMW mit ihrer neuen Klasse, dem iX. Also insofern endlich mal auf der Höhe der Zeit. Software gut, Plattform mit 800 Volt gut, völlig in Ordnung. Das Gleiche gilt für Mercedes mit dem CLA. Der wurde schon etwas früher vor der IAA vorgestellt, aber auch natürlich dort. Es kommen weitere Modelle auf dieser Plattform von Mercedes, also Premium-Segment. Sind wir angekommen auf dem, was die Wettbewerber auch machen. Und ich bin ganz glücklich, dass VW dort eine Urban Car Family vorgestellt hat und in Aussicht gestellt hat, die jetzt 25 bis 27 kommt. Also nicht nur der ID.2, heute genannt ID. Polo, sondern eine ganze Familie im Volumensegment. Und wenn wir jetzt nach vorne gehen und sagen, das passiert Ihnen jetzt schon, vorgestellt auf der IAA 25, aber wir haben noch zehn Jahre Zeit, Habe ich überhaupt keine Sorge, dass die deutsche Autoindustrie, die deutsche Herstellung dort ihren Weg machen wird? Soll aber den Blick nicht verstellen. Wir haben eine Reihe von Zulieferern, die hoch spezialisiert sind und deren Zulieferprodukte rund um den Verbrennungsmotor und dem Powertrain, also mit Getriebe, dort ihren Beitrag leisten. Da brauchen wir eine Transformation, da brauchen wir Flankierung vom Staat, damit diese Unternehmen andere Geschäftsmodelle entwickeln können, denn zumeist handelt es sich um familiengeführte mittelständische Industrieunternehmen. Die brauchen ihre Flankierungen, weil die nicht wie die Großen, wie Mahle, wie Conti, wie Schäffler, wie Bosch, die haben nicht deren großen Forschungs- und Entwicklungsabteilungen. Die brauchen gesellschaftliche Hilfe und ich denke, das sollten wir auch leisten. Aber insgesamt ja, Sebastian, ich bin sehr zuversichtlich. Auch die deutsche Industrie wird mit ihren Produkten dort platzieren und das Ziel 2035 locker einhalten können.

  14. Sebastian:

    Das ist definitiv ein positiver Ausblick und dann hoffen wir doch, dass sich auch der ein oder andere Automobilhersteller vielleicht im Podcast anhört oder auch andere verantwortliche Positionen, um das Ganze nochmal ein Stück weit zu überdenken, damit da der, ich sag mal, richtige Weg augenscheinlich aus unserer Sicht eingeschlagen wird und wir dann eben auch nach 2035 eine Rolle am Weltmarkt spielen können. Vielen Dank für deine Zeit, für deine Einblicke, Schnee fahren und bis demnächst.

  15. Stefan Heimlich:

    Gerne, vielen Dank, gerne wieder. Tschüss.

  16. Sebastian:

    Es war doch mal wieder eine spannende Folge, die wir hier anstatt gebracht haben mit Stefan Heimlich, Insights und eben auch Denkweisen dahinter, wie man Mobilität in Deutschland und Europa denken sollte, um zukünftig am Weltmarkt eben auch noch eine Rolle zu spielen. Die Wahrheit wird vielleicht irgendwo dazwischen liegen, wobei ich glaube, sie liegt eher in Richtung E-Mobilität. Aber das werden wir dann spätestens nächste Woche Mittwoch nach dem Autokipfel sehen oder hören. Dir vielen Dank fürs Zuhören. Mach's gut. Bis zur nächsten Folge, schon diesen Sonntag. Ciao.