D. Kirchert über Schlüsseljahr der chinesischen E-Mobilität

Im Gespräch mit Daniel Kirchert, CEO von Noyo Mobility

Daniel Kirchert gilt als versierter Kenner der Automobilbranche mit umfassender Expertise in Produktstrategie, Aufbau von Händlernetzen und Joint-Venture-Operationen. Nach Stationen bei BMW, Nissan, Inifiniti, dem Elektroauto Start-Up Byton sowie Evergrande Auto geht Kirchert mit Noyo Mobility seinen eigenen Weg. Noyo positioniert sich als eine Schweizer Plattform für Service und Vertrieb, die chinesischen Elektrofahrzeugen den Eintritt in den europäischen Markt ebnen soll. Über sein Start-Up, den globalen Elektromobilitätsmarkt und einiges mehr habe ich mich mit Daniel im Elektroauto-News Podcast ausgetauscht.

Im gemeinsamen Gespräch eröffnen wir den Blick auf Perspektiven und Herausforderungen der Elektromobilität, insbesondere der Einfluss und die Expansion chinesischer E-Auto-Hersteller nach Europa. Daniel teilt seine reichhaltigen Erfahrungen und Einblicke aus seiner langjährigen Karriere in der Automobilindustrie und seiner tiefen Verbindung zu China bereits zu Beginn mit mir.

Er erläutert, wie China über die Jahre hinweg durch gezielte Industriepolitik und massive Investitionen in die Elektromobilität und Batterietechnologie zu einem führenden Akteur in der E-Auto-Branche avancierte. Diese Entwicklungen mündeten in der Gründung von Start-ups und der Transformation etablierter Hersteller, die sich zunehmend auf Elektrofahrzeuge fokussierten. Da man sich in China durchaus bewusst war, dass gerade im Verbrenner-Bereich nichts mehr zu reißen war.

Mit Noyo verfolgt Daniel das ambitionierte Ziel, hochwertige chinesische Elektroautos nach Europa zu bringen. Er unterstreicht die Bedeutung erschwinglicher E-Autos, die breiten Verbraucherschichten zugänglich sind, um die Elektromobilität in Europa voranzutreiben und einen Beitrag zu einer nachhaltigeren Zukunft zu leisten.

Ein zentraler Diskussionspunkt unseres Gesprächs waren die Herausforderungen und Strategien, um chinesische E-Autos erfolgreich in Europa zu etablieren. Daniel betont die Notwendigkeit eines soliden Vertriebs- und Servicenetzes sowie einer engen Zusammenarbeit mit lokalen Händlern, um europäischen Kunden ein vertrauenswürdiges und zufriedenstellendes Erlebnis zu bieten. Der Aufbau von Vertrauen und die Überwindung von Skepsis spielen dabei eine entscheidende Rolle. Eine Kombination aus Offline-Präsenz und digitalen Angeboten, wie einer Kunden-App und Online-Verkaufsplattformen, soll dabei helfen.

Wir diskutieren in der Podcast-Folge auch über die zukünftige Entwicklung des Marktes und die Rolle von E-Autos mit Reichweiten-Verlängerung (Range Extender). Daniel ist überzeugt, dass reine Elektrofahrzeuge dank fortschreitender Batterietechnologien und sinkender Kosten die Zukunft dominieren werden. Abschließend diskutieren wir Noyos Skalierungsstrategien und Expansionspläne über die Schweiz hinaus nach Deutschland, Österreich und den Rest Europas. Er legt dabei großen Wert auf einen nachhaltigen und bedachten Markteintritt, der langfristigen Erfolg und Kundenzufriedenheit in den Vordergrund stellt, anstatt kurzfristige Absatzziele zu verfolgen. Dies kannst du dir im Gespräch gerne selbst anhören. Shownotes:

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Transcript

  1. Intro:

    Elektroauto News. Der Podcast rund um das Thema Elektromobilität. Mit aktuellen Entwicklungen, Diskussionen, Interviews und vielem mehr. Servus und herzlich willkommen bei einer neuen Folge des ElektroautoNews.net Podcast. Ich bin Sebastian und freue mich, dass du diese Woche wieder eingeschaltet hast, wenn es mal wieder um das Thema E-Mobilität geht. In der aktuellen Folge bin ich im Gespräch mit Daniel Kirchert, seines Zeichens CEO, Geschäftsführer von Noyo Mobility, einem Unternehmen, was chinesischen Automobilherstellern hilft. Ihre Fahrzeuge nach Europa zu bringen. Den Aufschlag wählt man hierbei immer in der Schweiz und will von da aus weitergehen. Daniel bringt einige seiner Erfahrungen mit, war in den letzten 20 Jahren für BMW, Nissan und dem Elektro-Startup Byton tätig, hat dadurch auch immer wieder Verbindungen nach China gehabt, hat dort lange Zeit gelebt. Ist mittlerweile wieder in Europa angekommen und hilft hier eben chinesischen Marken in Europa Fuß zu fassen. Und das am Beispiel von Dong Feng betrachten wir die ganze Geschichte, schauen wie man eben den Markt aufräumen oder erobern möchte. Was mir auf jeden Fall in Erinnerung geblieben ist, war der Satz über die letzten Absätze. Zum Ende des Gesprächs, dass er eben auch gesagt hat, man will nicht den schnellen Erfolg unbedingt, man möchte nicht direkt ins Volumen rein starten, weil das einfach auch unrealistisch ist. Vielmehr möchte man Marken dabei helfen, langfristig ein nachhaltiges Geschäftsmodell hier in Europa aufzubauen. Von daher gehen wir direkt rein in das Gespräch mit Daniel und so viel sei vorab schon verraten, es wird eine weitere Folge im Laufe des Jahres folgen, weil es gibt einfach ziemlich viel aus diesem Bereich zu erzählen. Nun gehen wir aber rein ins Gespräch. Viel Spaß damit.

  2. Sebastian:

    Hi Daniel, vielen Dank, dass du dir heute die Zeit nimmst, dass wir uns ein wenig über das Thema E-Mobilität auch vor allem im Hinblick mit China beschäftigen, wo du ja jetzt auch mit deinem neu gegründeten Unternehmen Noyo Mobility unterwegs bist und auch chinesischen Playern hilfst, hier nach Europa zu kommen. Bevor wir allerdings auf das Unternehmen Noyo Mobility eingehen, stell dich doch gerne mal selbst unseren ZuhörerInnen vor.

  3. Daniel Kirchert:

    Ja, Sebastian, ich freue mich sehr, dass wir uns heute unterhalten können über das Thema. Ich komme aus München. Ich habe schon von Kindheit an in China spleen, früh chinesisch gelernt. Meine Karriere bei BMW gestartet und habe bei BMW dann auch so ein bisschen mit den chinesischen Markt aufgebaut. So vor 20 Jahren hat das gestartet, war da viele Jahre, habe auch den Vertrieb in China mitverantwortet. Da ist China zum größten Markt weltweit auch geworden für BMW. Ich war ein paar Jahre auch bei Nissan, habe da die Premium Marke Infinity in China aufgebaut. Und habe dann mein eigenes EV-Startup mit ein paar Freunden gegründet, Byton. Das lief über fünf Jahre. Leider haben wir es nicht ganz über die Ziellinie geschafft, sind ein Opfer von Corona geworden. Das war sehr schade, weil wir hatten eine tolle Marke und ein tolles Produkt. Aber ich bin schon sehr früh auf dieses Thema Elektromobilität gekommen, bin dann nach der beiden Sache vor knapp zwei Jahren zurück nach Europa gekommen, nach über 20 Jahren in China und habe mir auch weiter auf die Fahne geschrieben, dieses Thema Elektromobilität weiter nach vorne zu bringen und habe vor über einem Jahr hier mit ein paar Freunden in der Schweiz Noyo gegründet. Und wir haben uns auf die Fahne geschrieben, die besten der chinesischen Elektromobilitätsprodukte nach Europa in den Markt zu bringen.

  4. Sebastian:

    Warum chinesische E-Autos aus China nach Europa zu bringen? Wie man auf die Idee kommt, ist klar, du hast eine Berührung dazu, aber warum hast du jetzt gesagt, okay, dafür bist du derjenige, der das umsetzen kann?

  5. Daniel Kirchert:

    Okay, also vielleicht erstmal, warum E-Autos? Das ist zwar natürlich heutzutage, verstehen das die meisten, also bei mir ging das vor über zehn Jahren los. Damals war ich mit einer Gruppe von jungen BMW XX auf einem Trip im Silicon Valley, so ein Trainingsprogramm, habe Tesla das erste Mal besucht. Das war noch weit vor dem großen Boom und da war ich bereits fasziniert. Da wurde gerade der Roadster gefertigt in dieser riesigen Fabrikhalle und die meisten meiner Kollegen haben das völlig verrückt gefunden. Also ich war total fasziniert. Und seit diesem Zeitpunkt an hatte ich immer schon das Gefühl, also das ist die Zukunft. Und wir müssen was machen, um wegzukommen von den Verbrennern und zu einer nachhaltigen Zukunft zu kommen. Und das war dann bei mir wirklich wie ein roter Faden. Warum jetzt chinesische E-Autos? Dazu muss man einfach sagen, also Hersteller wie mein alter Arbeitgeber BMW haben zwar schon früh angefangen mit dem BMW i, Aber in der vollen Konsequenz dieses Thema Elektromobilität hat das kein anderer so durchgezogen wie China im Rahmen einer koordinierten Industriepolitik. Das hat schon vor über zehn Jahren angefangen, dass die Regierung gesagt hat, eigentlich hat man sich eingestanden, ohne dass man es gesagt hat, dass man im Verbrennerzeitalter versagt hat, industriepolitisch. Kein chinesischer Hersteller hat es geschafft, global irgendwie in die Top-Player vorzukommen und deswegen hat man gesagt, wir müssen jetzt so ein Quantenlieb machen mit dem Thema Elektro und Natürlich, um die eigene Industrie nach vorne zu bringen, aber um halt auch dieses ganze Umweltthema anzuschieben und auch die Abhängigkeit von den Ölimporten da in China zu reduzieren. Und dann hat man systematisch angefangen... die ganze Batterie-Supply-Chain aufzubauen in China. Solche Unternehmen wie CATL, die jetzt der größte Hersteller der Welt sind, sind damals entstanden. Und es sind einige Startups entstanden, wie NIO, wie Xiaopong, wie Li Auto, damals auch Byton. Und auch die ganzen großen chinesischen Hersteller haben angefangen, langsam sich mit dem Thema intensiv zu beschäftigen. So, und jetzt nach über zehn Jahren sieht man eigentlich langsam die Resultate. Man sieht sie in China bereits in vollem Maße. Und ich glaube, da sind viele nach diesem Corona-Loch, sind letztes Jahr zum ersten Mal nach vielen Jahren wieder nach China gefahren, waren da auf der Shanghai Motorshow und haben einen Schock gekriegt, weil da standen plötzlich Autos. Tollster Qualität, super Design, tolle Energieeffizienz, niedrige Kosten, also volle Wettbewerbsfähigkeit und damit hat man nicht gerechnet, dass China also innerhalb so kurzer Zeit es schaffen wird, da aufzuholen. Und das ist eigentlich auch mit der Grund, warum ich gesagt habe, es wird auf jeden Fall eine Welle chinesischer Elektroautos geben, global. Vor allem im erschwinglichen Preisbereich. Also was Tessa ja bereits geschafft hat, ist... Das Premium-Segment zu revolutionieren im Bereich über 40.000 Euro. Es gibt inzwischen tolle E-Autos, da mangelt es auch nicht im Angebot. Aber was noch fehlt, ist für den Normalverbraucher, der vielleicht ein Budget von 20.000 bis 25.000 Euro hat, Der muss heute, wenn er elektrisch gehen will, entweder Kompromisse in Kauf nehmen oder halt ein super Premium zahlen. Und da brauchen wir Autos. Und ich glaube, diese Lösung, die ist dringend nötig, um unsere Klimaziele zu erreichen, um endlich die Emissionen wegzukriegen. Und das wird aus meiner Sicht nur stattfinden in den nächsten Jahren mit einem Beitrag chinesischer Hersteller. Und deswegen haben wir Noyo gegründet. Uns ist es ganz wichtig... Ja, die Brücke zu bilden und ich glaube, das ist nicht selbstverständlich, wenn man ein gutes Produkt hat, dass man dann automatisch in einem neuen Markt auch erfolgreich ist, sondern es ist halt ganz wichtig, die lokalen Kundenbedürfnisse zu verstehen und da gibt es eben zwischen China und Europa eine Reihe an großen Unterschieden, sowohl auf der Vertriebsseite als auch an der Service-Seite und Deswegen haben wir uns das mit Noyo auf die Fahne geschrieben. Kundenbedürfnisse sind ganz oben. Wir bilden Brücken zwischen China und Europa. Wir wollen vermitteln, das ist ein ganz wichtiges Thema. Und wir wollen eben sicherstellen, dass ein tolles Kundenerlebnis dabei herauskommt mit diesen guten Produkten.

  6. Sebastian:

    Der Fakt, der gerne vergessen wird, China hat schon vor über zehn Jahren damit bekommen. Man tut ja immer so überrascht, gerade wo BYD jetzt Ende des Jahres dann doch ihre Ja, die Chinesen haben halt auch einen heilen Respekt gehabt vor Europa. Ich weiß nicht, du erinnerst dich ja vielleicht an diese Story vor über zehn Jahren mit Landwind und so.

  7. Daniel Kirchert:

    Das war wirklich ein Desaster. Da haben die Chinesen das schon mal probiert, nach Europa zu kommen. Und dann gab es diesen ADAC-Test mit null Sternen. Dann hat sich eigentlich die ganze Welt kaputt gelacht darüber. Und diese Story, die kennt jeder chinesische Hersteller. Also da haben die wirklich jahrelang, ich sage mal, einen heidenen Respekt gehabt. auch sagen wir mal vor diesem ältesten dominanten Markt und also nur jetzt, wo man glaube ich auch sieht, dass in China diese ganzen neuen Hersteller schon die Gunst der Kunden gewinnen, kommt jetzt die Welle, dass man sich traut, auch Europa in Angriff zu nehmen und das hat lange gedauert, aber ich glaube jetzt, 2024 wird ein absolutes Schlüsseljahr sein. Das ist ganz witzig. Wir haben gerade hier ein Neujahrsgrußvideo aufgenommen mit meinem Team hier in Zürich. Das ist ja das Jahr des Drachen. Der Drachen steht ja ein bisschen symbolisch auch für China. auf der Welt. Also ich glaube 2024 in Europa könnte wirklich das Jahr des Drachen werden, in dem Sinne, dass wir das erste Mal jetzt wirklich auch Volumenfahrzeuge zu günstigen Preisen im europäischen Markt sehen werden.

  8. Sebastian:

    Da gehe ich auch stark von aus. Wir haben sie jetzt auch an MG schon gesehen, die mit dem MG4 Electric eigentlich einen recht guten Marktbegleiter-Konkurrent zu dem ID.3, um da die, ich sag mal, ersichtlichste Verbindung zu sehen, auf den Markt gebracht haben mit ordentlichen Stückzahlen. Und es kommt einfach noch mehr oder es wird noch mehr gepusht. Und wie du ja gesagt hast, mit Noyo Mobility unterstützt ihr ja auch dabei, eben diese Märkte hier in Europa zu erschließen. Du bist auf diese Herausforderung, hast du schon mal kurz angeschnitten, Vertriebsservice, Der Umgang mit den Kunden auch. Magst du das vielleicht nochmal ein Stück weit ausführen? Was sind denn so die prägnantesten Unterschiede, wenn ich jetzt beispielsweise auf den Vertrieb oder den Service blicke, wo ihr als Brückenbauer dann auch aktiv seid, um eben chinesische Hersteller erfolgreich nach Europa zu bringen?

  9. Daniel Kirchert:

    Ja, also Noyo, wir sehen uns so ein bisschen wie als das Kompetenzzentrum für dieses Thema chinesische Elektromobilität. Und wir haben Noyo vor über einem Jahr gegründet und sind sehr erfolgreich unterwegs in der Schweiz. Also wir haben bereits im letzten Jahr die Verkäufe mit dem VOYA free gestartet und haben hier ein sehr, sehr positives Feedback bekommen. bekommen für dieses Fahrzeug, weil wir jetzt gerade über das erschwingliche E-Auto geredet haben, also Woja Free ist die Premium-Marke vom Dongfeng-Konzern. Dongfeng ist einer der ganz großen Hersteller in China mit über drei Millionen Fahrzeugen, Absatz im Jahr, also kein Start-up. Und Dongfeng hat seit einigen Jahren diese Premium-Marke neu gelauncht. Und der Woja Free kommt sehr gut an in der Schweiz. Wir haben hier als Importeur für die Marke Woja ein Händlernetz aufgebaut. Und wir sind eben auch überzeugt, um den Kunden hier einen super Service bieten zu können, dass wir das mit der Unterstützung von Händlern am besten darstellen können. Wir haben über zehn Händler verteilt über verschiedene Kantone in der Schweiz bereits aufgebaut. Und kriegen sehr gutes Feedback. Wir haben natürlich alle Themen, die Service betrifft, entsprechend hier vorgesehen, damit die Kunden bei dem Thema keine Angst haben müssen. Und das ist, was wir halt auch festgestellt haben. Im Vergleich zu vor fünf Jahren hat sich das total verändert. Vor fünf Jahren hätten, ich glaube, über 90 Prozent aller Kunden auf der Straße gesagt, ich kaufe kein chinesisches Auto. Das ist also inzwischen bereits so hier in der Schweiz, dass über die Hälfte der Kunden sagt, sie können sich das vorstellen, chinesisches Elektroauto zu kaufen. Aber über die Hälfte sagt auch, sie haben massive Sorgen, was das Thema Service, Teileverfügbarkeit etc. betrifft. Also da legen wir einen ganz besonderen Wert drauf, beraten auch den Hersteller. Das ist uns super wichtig, dass das Kundenerlebnis gut ist und dass dann nicht es zu Erlebnissen kommt, wie es durchaus der Fall war bei einigen der anderen chinesischen Marken, die gestartet sind, dass ein Kunde dann wochenlang auf Ersatzteile warten musste und Das gehört auch zu einem professionellen Markteintritt, dass man eben nicht nur ein gutes Produkt hat, sondern die ganzen Services, die damit zusammenhängen, entsprechend vorbereitet. Auf der Verkaufsseite haben wir an verschiedenen Events teilgenommen. Wir waren auf der IAA letztes Jahr in München. Wir waren hier auf der Auto Zürich. Man kann uns, wie gesagt, bei den zehn Partnerhändlern sehen. Wir haben auch eine Online-Präsenz, also wir fokussieren uns natürlich auch sehr stark auf das Thema digital. Wir bauen auch eine eigene Kunden-App, wo der Kunde, wenn er jetzt nicht in der Nähe eines Handelsbetriebs ist oder zu weit weg ist, direkt auch digital unsere Services in Anspruch nehmen kann. Und wenn das dann so ist, dann bieten wir auch Services an, um Fahrzeuge reinzuholen und Service vor Ort anzubieten mit dem Kunden. Und der Voya Free ist, wie gesagt, unser Starter. Also schöner, großer SUV. Und das Gute ist aber, dass wir 2024 noch vier neue Produkte launchen werden. Also es wird jetzt richtig... Schlag auf Schlag gehen. Wir haben bei der Marke Woja noch einen Siebensitzer, also ein Familienfahrzeug, einen Van, der in den Markt kommen wird und wir haben einen kleineren SUV, der gegen Ende des Jahres kommen wird. Wir haben auch eine super Luxusmarke des Dongfeng-Konzerns, die heißt M-Hero. Das ist sowas wie eine elektrische G-Klasse, ein Offroad-Fahrzeug. Und dann ganz wichtig, die Volumenmarke von Dongfeng, das Einstiegsfahrzeug, was hier das Preissegment von 20.000 bis 25.000 Euro erreichen wird, etwa in der Größenklasse wie ein Volkswagen ID.3. Das ist der Dongfeng Box, den werden wir Richtung Mitte des Jahres launchen und da bereiten wir uns bereits intensiv drauf vor. Und ich glaube, da wird es zum ersten Mal eine Elektro-Alternative zum Benziner geben, die nicht mehr kostet und trotzdem gute Qualität und gute Leistung bietet.

  10. Sebastian:

    Da hast du die Latte jetzt aber ganz schön hochgelegt, weil da sind wir jetzt alle gespannt, dass das reinkommt. Für uns ist natürlich auch noch relevant, bleibt ihr damit in der Schweiz oder werdet ihr auch von der Schweiz in die DACH-Regio, also die erweiterte Deutschland-Österreich gehen, Rest von Europa? Und ist das quasi nur der Auftakt für euch, in der Schweiz da eben aufzubauen? Ihr lernt dort mit der Marke und geht von da aus weiter?

  11. Daniel Kirchert:

    Ja, also wir lernen in der Schweiz. Die Schweiz ist ein toller Markt für uns und wie gesagt auch sehr, sehr erfolgreich gewesen im letzten Jahr. Wir kriegen sehr guten Kundenfeedback, haben schon eine eigene Liste. Fan-Basis aufgebaut und wollen hier einfach gute Reputation aufbauen, lernen über die Erlebnisse und wenn der richtige Zeitpunkt ist, dann auch expandieren. Gegebenenfalls auch mit weiteren Marken. Im Moment fokussieren wir uns allerdings auf die Kernmarken der Marke Dongfeng.

  12. Sebastian:

    Man muss ja auch die Ressourcen, die man bei euch im Unternehmen hat, auch entsprechend dann allokieren. Und man ist ja auch begrenzt damit. Du kannst jetzt auch nicht parallel fünf Marken da im Markt einführen.

  13. Daniel Kirchert:

    Nein, das ist vollkommen richtig. Also wir reden natürlich auch mit anderen Marken. Und wie gesagt, wir sind auch ein bisschen sowas wie ein Kompetenzzentrum. Also ich sage mal jetzt nicht nur ein Händler für einen Hersteller oder einen Importeur, weil wir eben diese Vermittlungs- und Kommunikationskompetenz haben. Und das habe ich eigentlich meine ganze Karriere gemacht. Früher in China, sagen wir mal in der anderen Richtung, da habe ich einem deutschen Hersteller geholfen, die Marke zu positionieren und deutsche Premium-Autos in China zu verkaufen. Bei Byton haben wir ja ein wahnsinnig interkulturelles Team gehabt mit über 20 Nationalitäten, mehr als 1800 Mitarbeitern. Also haben versucht auch, the best of different worlds zusammenzukriegen sozusagen. Das versuchen wir jetzt hier eigentlich wieder zu machen. Ich sage mal, das Ende hier vom Kunden- und Servicebedarf in Europa mit dem chinesischen Verständnis zusammenzukriegen und da ist viel Vermittlungskompetenz nötig und das ist mir ganz wichtig, dass wir diese Brücke bilden. Missverständnisse ausräumen und diese hohe Kundenorientierung wirklich hinkriegen, ohne Kommunikationsdifferenzen oder Fehler. Dass wir das gut hinkriegen. Dongfeng liegt mir besonders am Herzen. Ich habe vor zehn Jahren mit Dongfeng damals einen Joint-Venture gegründet in China. Damals habe ich Nissan vertreten und habe für die Premium-Marke Infinity mit Dongfeng einen Joint-Venture verhandelt. gegründet und geleitet und lokale Produktion gestartet und das war damals vor über zehn Jahren, vor Dongfeng, die erste Premium-Marke, mit der die zu tun hatten. Die haben davor mit Citroën und mit Nissan gearbeitet, das war die erste Premium-Marke und kurz nachdem wir dieses Joint-Venture gegründet haben, haben die auch angefangen, ihre eigene Premium-Marke, VOYA, aufzubauen, also das Team zu gründen und das aufzubauen und Die Wege kreuzen sich mehrfach, also Dongfeng hat unglaublich schnell gelernt und ich bin beeindruckt, also wie die in so kurzer Zeit es jetzt geschafft haben, ihr eigenes Premium-Produkt zu kreieren und das macht unglaublich Spaß jetzt, das zu vertreten und hier die Brücken zu bilden.

  14. Sebastian:

    Jetzt hast du eben schon gesagt, die haben schon früh angefangen, Woja aufzubauen. Das heißt aber schon immer als reine E-Automarke oder auch schon von Verbrenner, die sich jetzt auch wandeln?

  15. Daniel Kirchert:

    Ja, also die Inspiration für Woja war ganz klar, das als rein elektrische Marke zu machen. Man hat sich allerdings bei den ersten beiden Modellen entschieden, auch ein Plug-in anzubieten. Also es wird den Woja Free in Europa auch zusätzlich zu der reinen E-Variante auch noch als Plug-in geben. in der näheren Zukunft. Allerdings ist es so, dass die nächsten Modelle, die dann kommen, alle rein elektrisch sein werden. Und dazu muss man halt auch sagen, diese Plug-In-Geschichte ist natürlich aus einer Kundensicht toll, weil einem das ein bisschen die Angst nimmt mit dem Charging. Und man hat sozusagen ein bisschen diese Reichweitenangst, kann man überbrücken. Aber es ist halt aus einer Entwicklungssicht keine gute Lösung für ein Fahrzeug, weil man im Prinzip nie das Optimum erreicht. Man muss dann einen Benzinermotor noch reinpacken und einen Elektromotor. Das ist kostenmäßig höher und man kriegt nicht das optimale Package. Also die optimale Energieeffizienz in einem Fahrzeug, das heißt minimaler Verbrauch, Gute Effizienz, gutes Packaging im Fahrzeug, das heißt mehr Platz im Auto als bei einem Benziner, das kriegen wir dann nur hin mit einer vollelektrischen Lösung.

  16. Sebastian:

    Das ist mal eine gute Aussage, weil in China sieht man jetzt auch immer mehr, oder es wird zumindest in Europa diskutiert, dass China jetzt wieder weggeht vom E-Auto hin zum Elektroauto mit Range Extender drin, wo dann schon wieder als nächste Phase sozusagen angesehen wird oder auch durch die Medien verkauft wird. Wie schätzt du das denn jetzt ein, unabhängig von Woja, wo wir jetzt ja gelernt haben, die sind rein E-Mobilität, die gehen diesen Weg gar nicht mehr. Aber wird das ein Ding sein, dass wir nochmal diesen Schritt zurücksehen sozusagen?

  17. Daniel Kirchert:

    Also ich glaube es nicht. Wir sehen momentan gerade so ein bisschen eine Delle. Also in Europa gab es im letzten Jahr, wenn man sich die Daten anschaut, ist die EV-Penetration mehr oder weniger stagniert. Was auch ein bisschen dran lag, dass natürlich viele Subventionen weggefallen sind. Ich glaube, wir liegen irgendwo bei 17 Prozent oder so in Deutschland. Und es gibt auch viele Stimmen, die so jetzt etwas skeptisch sind und auch behaupten, dass die Kunden jetzt ja gar nicht E-Autos haben wollen und dass die alle rumstehen und so weiter. Also das glaube ich nicht. Das Riesenproblem ist, dass es nicht das kostengünstige EV gibt. Also wenn wir mal unter 30.000 Euro schauen, der Markt darüber im Premium-Bereich, der ist schon relativ gesättigt, da gibt es ein gutes Angebot und wenn man sich mal anschaut, Tesla ist nach wie vor das meistverkaufte Auto in Europa, also da sehe ich keine Indikation, dass es eine Delle gibt in der Nachfrage, aber was halt fehlt und was der Markt eigentlich händeringend braucht, ist günstige E-Autos, erschwinglich. Denn der Kunde bei aller Idealismus für die Umwelt ist halt nicht bereit, da ein riesen Premium zu zahlen. Aber es ist schon so, dass wir in China sehen, dass einige Fahrzeuge, die einen Range Extender haben, sehr erfolgreich sind. Zum Beispiel die Auto ist einer der absoluten Superstars im Markt. Der nimmt gerade im Premium-Segment den deutschen Herstellern massiv Marktanteil ab. Also da rede ich von BMW, Audi und Mercedes. Das ist ein Fahrzeug, der verkauft im Monat 30.000, 40.000 Einheiten bereits in China mit einem Range Extender. Also es ist kein Plug-in, wirklich ein kleiner Range Extender. Es ist, glaube ich, sogar die Technologie von BMW, die ja drinsteckt, vom Range Extender. Und der kommt in China gut an. Ich glaube aber auch, dass das nur eine Transition ist. Und auch bei der Entwicklungspipeline von solchen Firmen, die momentan relativ viel Range Extender oder Plug-in Hybrids verkaufen, auch wie BYD zum Beispiel. In der Entwicklungspipeline glaube ich, dass wir in der nächsten Generation fast ausschließlich reine Elektrofahrzeuge sehen werden. Einfach auch, weil die Batteriepreise weiter runter kommen. Die Energieintensität der Batterien geht weiter nach oben und wir sehen auch, dass Charging Speed nach oben kommt mit den 800-Volt-Plattformen. Deswegen, glaube ich, darf man sich nicht verunsichern lassen bei all diesen großen Transformationen, die stattfinden. Und wir sehen gerade eine Major Transition in der Welt passieren. Da gibt es halt auch mal Dips, das geht nicht immer steil nach oben. Ich bin nach wie vor fest überzeugt, dass wir in der steilen Phase der S-Kurve sind global und dass es auch in Europa weiter steil nach oben gehen wird mit der EV-Penetration, wenn diese günstigen Fahrzeuge kommen.

  18. Sebastian:

    Also die Meinung kann ich auch voll und ganz teilen, auch wenn man da eben ein Stück weit rauszoomt. Und man muss das eben auch so sehen. Jetzt habe ich bloß die Frage, du sagst mit günstigen Fahrzeugen. Da kommt jetzt das Thema auf. Citroën hat beispielsweise den EC3 vorgestellt, der eben auch in dieses günstige Segment reingeht, der jetzt auch schon bestellbar ist. Ihr kommt jetzt dagegen mit dem Dongfeng Box, hast du ihn genannt. Und da kommt ja jetzt eure Kompetenz zum Tragen, die du vorhin genannt hast. Ihr müsst diese Vermittlungskompetenz aufbauen. Warum sollte ich als Europäer, mich für den Chinesen, den ich vielleicht noch gar nicht kenne, entscheiden, wenn ich ein europäisches Fahrzeug sozusagen von Citroën, die ja auch als Marke jetzt hier zumindest DACH Region sehr bekannt sind, zur Wahl habe? Wo sind die Unterschiede? Wo habe ich die Vorteile mit? Und wie geht er das dann auch an, auch zu vermitteln?

  19. Daniel Kirchert:

    Ja, absolut. Also erstmal finde ich das super. Das ist wirklich, das ist jetzt auch mal von einem europäischen OEM ein Angebot gibt, also ich habe selber noch nicht drin gesessen, aber es schaut auf dem Papier zumindest schon mal ganz gut aus, ja, mit dem Citroën, ja, und für den Preistag, das ist wirklich, was der Markt braucht, ja, also der Markt braucht nicht jetzt noch den 20. High End, SUV im Prinzip, was wir wirklich brauchen, ist dieses günstige Auto. Und der Don von Box, er ist natürlich jetzt noch nicht gelauncht, also ich kann jetzt noch nicht die komplette Produkt-Highlights hier schon bekannt geben. Aber das ist natürlich genau, was ich sagte mit der Vermittlungskompetenz, was wirklich nötig ist. Zum einen ist mal das Basisvertrauen zu schaffen. Also was du gerade sagtest, der Kunde bei einem Citroën, da weiß er, hat er sein Netzwerk, hat er Service, kein Thema. Dem vertraut also. Und diese Basis-Foundation des Grundvertrauens, da ist zum Beispiel, haben wir in der Schweiz jetzt die Arbeit gemacht, uns gute Händler auszuwählen, die alle einen guten Service-Mindset haben, die einen guten Kundenstamm haben, wo er weiß, wenn ich zu dem Händler XY in dem Ort gehe, da kriege ich guten Service. Also das ist ganz wichtig und komplementär mit dieser digitalen Service-App. Und sowas passiert nicht von heute auf morgen. Das dauert ein bisschen. Da kann man auch nicht erwarten, dass völlige Wunder geschehen. Und dieses Vertrauen muss aufgebaut werden. Und im Endeffekt läuft das dann auch über gute Mund-zu-Mund-Propaganda. Also die ersten Kunden, die da wirklich Service gekriegt haben, die erzählen das natürlich ihren Peers weiter und da muss Vertrauen aufgebaut werden. Also das Serviceversprechen, was wir geben, muss natürlich erfüllt werden. Und zum Beispiel, also jetzt für den Dongfeng Box, wir sind intensiv, wird Mitte des Jahres gelauncht in Europa, wir sind in ganz intensiven Gesprächen mit dem Hersteller um das ganze Service-Thema, das Teile-Thema upfront. aufzubauen, nicht überhastet zu launchen, sondern dann wirklich zu launchen, wenn wir bereit sind und dann auch servicemäßig die Themen liefern können. Das ist mal die ganze Service-Seite. Ich sage mal, das ist so ein Basisvertrauen. Da werden wir am Anfang sicherlich Skepsis überwinden müssen, aber ich glaube, wenn wir den Job So machen, wie ich es gerade gesagt habe, dann wird das relativ schnell gehen. Und auf der Markenseite müssen wir natürlich kommunizieren und vermitteln, dass in China heißt das Fahrzeug Nami, der globale Marke heißt Dongfeng Box. Wir müssen natürlich dem Kunden näher bringen. Wofür steht die Marke? Wer ist der Hersteller? Was ist die Story? Das ist ein Konzern mit 70 Jahren Entwicklungsgeschichte. Der hat einen deutschen Designer da auch hocken. Da gibt es also unglaublich viel zu erzählen. Das Fahrzeug schaut toll aus. Ich glaube, wer es sieht, es wird für sich sprechen. Aber wir müssen natürlich da auch ein tolles Produktgetriebenes Marketing machen. und müssen dem Kunden die Highlights näher bringen. Und meine Erfahrung ist halt immer, weil es wird eine Riesenwelle an neuen Marken aus China geben. Also für den Konsumenten wird es sehr schwer, da wirklich sich das zu merken oder irgendwie festzustellen, wer ist denn, wer steckt denn da heraus. Ich glaube immer an das Thema persönliches Erleben. Also wir müssen Chancen finden. Wie wir das zum Beispiel bei der IAA in München gemacht haben, da in den Fünfhöfen, da haben wir parallel ganz viele Test-Drives angeboten, also rauszugehen mit dem Fahrzeug in Public Places zu gehen, wo Kunden vorbeilaufen, sofort, wenn einer vorbeiläuft, welchen Test-Drive anbieten, ja, die Leute in das Fahrzeug reinkriegen, ja, und das ist der beste Weg, ja, wie man... Ich glaube, das Zeitalter von so ganz traditionellem Marketing mit traditioneller Werbung ist eher vorbei. Wir müssen wirklich genuine experience, einzigartige Erfahrungen da kreieren und man muss drin sitzen. Und Ohne dass ich jetzt in dem Citroën schon drin gesessen bin, ich glaube der Dongfeng Box wird vom Design her super ankommen, sehr modern, sehr cooles auch Innendesign, hochwertig für dieses Preissegment und wird auch eine ganz tolle digitale Erfahrung im Fahrzeug haben, was natürlich auch für die Zielgruppe wichtig ist. Und more to come. Also wir wollen natürlich einen guten Warm-up machen und hoffen, dass wir dich auch bald da mal einladen können. Wir warten schon auf die ersten Prototypen in den nächsten Monaten. Und dann bin ich auch sehr gespannt auf das Feedback, was wir kriegen.

  20. Sebastian:

    Da freue ich mich natürlich schon mal drauf, weil Citroën und du kannst jeden anderen europäischen Hersteller dafür setzen, die haben einfach schon diesen Vertrauensvorschuss für die Marke, den ihr jetzt auch bewusst aufbauen könnt. Klar, 70 Jahre schon aktiv in China, das musst du jetzt aber erstmal nach Europa rüber transportieren, weil du hast ja vorhin, wie ich schon erwähnt hatte, BYD war für Europa auch komplett neu und ist aber auch dementsprechend lang und mit Masse aktiv. Das ist ja so das Thema. Für mich die Frage, in der Schweiz könnt ihr natürlich diese 10 Händler Gut ausgesucht aufbauen. Jetzt sind wir aber bei dem Thema Skalierung, wenn man Europa angeht. Da musst du ja dann auch entsprechende Netzwerke reingehen. Du hast nicht mehr den Luxus wahrscheinlich, dir einzelne Händler auszupicken, wenn du da dementsprechend hochfahren willst. Gerade wenn du diesen Zeitvorsprung einhalten möchtest. Wie geht dir das an? Also gibt es da schon eine Strategie dahinter, damit ihr da auch verlässlich habt? Weil was wir gemerkt haben, gerade bei diesen chinesischen Marken, die auf die Straße kommen... Es scheitert nicht am Fahrzeug selbst, es scheitert eher an diesem Service-Netz und dem Vertrauen dahinter, dass ich sage, ich habe jetzt ein neues Fahrzeug hier auf meinem Hof stehen, aber was ist in fünf Jahren? Also wie wird das gefestigt bei euch?

  21. Daniel Kirchert:

    Genau. Also das ist auch ein bisschen der Mindset von diesem Hersteller. Und von diesen, sagen wir mal, 20 plus Marken aus China, die alle nach Europa kommen wollen, glaube ich, haben leider einige dieser Hersteller nicht den richtigen Mindset. Die kommen nämlich hier rein mit dem Mindset Volumen pushen. Ja, also und das muss man auch verstehen, in China, der Markt ist zwar gigantisch, ja, letztes Jahr über 30 Millionen Fahrzeuge und also 10 Millionen New Energy Vehicles, aber ein vernichtender Preiskampf, ja, die Hersteller sind unter Druck. und suchen händeringend nach neuen Kanälen für den Absatz. Und wenn man jetzt nach Europa reingeht und sagt, hey, da gehen wir jetzt mal rein und pushen gleich mal hier 100.000 Einheiten in den Markt, das ist der falsche Ansatz. Also das ist eine riesen Gefahr, dass das nach hinten losgeht. Selbst wenn da mal Volumen kommen am Anfang, weil man kann natürlich schon in bestimmten Kanälen einfach Volumen reinpushen. Aber wenn man das nicht nachhältig mit dem richtigen, sagen wir mal, Nachhaltigkeits- Also sprich wirklich Verbindung zum Kunden aufbauen, Marke aufbauen, Service-Netzwerk aufbauen. Das, was uns wirklich super wichtig ist bei Noyo, ja, also wenn man das nicht so macht, dann hat man vielleicht nicht unbedingt eine zweite Chance. Zum Beispiel, ja, also... Ich will da keine Namen nennen, aber der eine oder andere Hersteller hat das, glaube ich, ein bisschen gemacht. Und dann gibt es halt Vermieter, die sagen, ich nehme jetzt erstmal keine solche Marke mehr, weil die haben keine Teile da, die haben den Service nicht richtig gelöst. Das ist zwar ein gutes Produkt, aber das möchte ich nicht machen. Und den Fehler sollte man nicht machen. Also das Wichtigste ist mit den Herstellern... Wir machen natürlich, die Hersteller wählen uns aus als Partner, aber wir wählen auch den Hersteller aus. Also wir versuchen von Noyo auch nur mit Herstellern zusammenzuarbeiten, die nicht nur ein gutes Produkt haben, sondern auch den richtigen Mindset. Das heißt, nachhaltig so einen Markt zu entwickeln. Also wir sind ja hier für die nächsten 15, 15, 20 Jahre und nicht für das nächste Jahr. Also da muss man auch priorisieren. Also eine nachhaltige Entwicklung über kurzfristigen Volumensuccess, ganz wichtig. Und Und du hattest gefragt nach unserer Skalierung. Also für mich ist es auch super wichtig. Es ist zwar ein Zeitfenster jetzt, wo die Entscheidungen getroffen werden, wer hier reinkommt und wer mit wem zusammenarbeitet. Aber ich möchte unbedingt, dass wir erst in der Schweiz eine gute Basis gelegt haben und uns nachhaltig entwickeln, eine gute Reputation aufbauen und Erfolge vorweisen können. Auch Learnings haben sicherlich über Dinge, die nicht so gut gelaufen sind und dann skalieren. Das Modell ist aber skalierbar, weil wir ja so ein Hybrid machen zwischen, ich sage mal, in Anführungsstrichen alter Welt, sprich das heißt der Händlerbetrieb, der halt noch meinen offline physischen Service macht, der mein Local Hero ist vor Ort für den Verkauf und für den Service, aber halt auch einer tollen digitalen Plattform. Da sind wir dabei, auch schon mit unserer Service-App sind wir schon live gegangen und mit dem Online-Store werden wir noch live gehen, dass man sozusagen die Fahrzeuge nicht nur beim Händler, sondern auch online kaufen kann mit allen Fahrzeugen. sagen wir mal, Optionen, die dazugehören, wie Leasing oder Subscription oder Versicherung. Und das sehen wir ja, das ist schon ein Trend in Europa, dass viele Kunden beim Verkauf, wenn sie das Fahrzeug mal ausprobiert haben, nicht mehr unbedingt das offline kaufen müssen, sondern es halt auch online kaufen. Das hat Tesla bewiesen. Deswegen, wir bauen diese Online-Verkaufsstruktur auf mit dem Rojo. Und wir bauen die Online-Service-Kunden-Backend auf. Und das sind die zwei wesentlichen Voraussetzungen für eine Skalierung. Und das lässt sich auch in einem anderen Markt, wenn das in der Schweiz gut funktioniert, lässt sich das skalieren. Da lässt sich ein Händler, da lässt sich aber auch ein unabhängiger Service-Partner andocken. Oder ein Logistik-Partner oder ein Partner für Karosserie und Lack. Die lassen sich dann andocken an dieses Online-Tool. Und deswegen glaube ich, dass wir skalieren können. Mein persönliches Ziel ist auf jeden Fall auch, nach Deutschland, nach Österreich reinzugehen und vielleicht auch in andere Märkte in Europa. Aber da ist noch nichts spruchreif. Wir reden auch mit ein paar anderen Marken noch, die komplementär sind zu Dongfeng. Da gibt es schon noch den einen oder anderen guten Kandidaten mit guten Produkten, der auch diesen richtigen Mindset hat. Aber 2024, denke ich, wird noch das Jahr sein, wo wir uns sehr stark auf die Schweiz und auf die Marken im Dongfeng-Konzern fokussieren.

  22. Sebastian:

    Vielen Dank. Jetzt sind wir schon deutlich über der normalen Länge von dem Podcast raus. Ich muss dir ganz ehrlich sagen, ich könnte noch eine halbe Stunde mit dir sprechen und ich glaube, uns würden die Themen nicht ausgehen. Ich würde das einfach zum Anlass nehmen, dass wir die Themen Online-Shop, Subscription-Learnings aus der Schweiz auch mit der Einführung neuer Modelle, die jetzt im Laufe des Jahres stattfinden, als Anlass nehmen, um uns vielleicht im Herbst, Ende des Jahres nochmal zusammenzusetzen, um dann eben auch für uns zu schauen, wie weit seid ihr gekommen, wo geht die künftige Reise hin? Und ich glaube, euch werden wir noch lange am Markt sehen, weil diesen nachhaltigen Ansatz, den du jetzt auch hervorgekehrt hast und wo du ja auch ausstrahlst sozusagen mit Noyo, ist der, der zum Erfolg führen wird. Weil diese kurzfristigen Geschichten hier hat man bei Marktbegleitern gesehen aus China, dass das nicht zum Erfolg führen wird auf Dauer. Und von daher freue ich mich auf den weiteren Austausch mit dir, Daniel. Vielen Dank für die Einblicke.

  23. Daniel Kirchert:

    Ja, vielen Dank, Sebastian. Hat mich auch sehr gefreut und freue mich auch aufs nächste Mal.

  24. Intro:

    Nun interessiert mich natürlich deine Meinung. Wie ist die aktuelle Podcast-Folge bei dir angekommen? Hat sie dir Spaß gemacht? Hast du was mitnehmen können aus dem Gespräch mit Daniel Kirchert, der eben Chinesischen Automobilherstellern hilft, ihren Weg nach Europa zu finden, beginnt in der Schweiz, von da aus natürlich wachsend. Wir halten dich auf dem Laufenden, weil ich auch seinen Blick auf die aktuelle Marktsituation China-Europa global sehr spannend finde und freue mich drauf, wenn er wieder zum Gespräch kommt. Dir vielen Dank auf jeden Fall fürs Zuhören. Schalt gerne kommende Woche wieder ein, bei der nächsten Folge des ERN-Podcast. Mach's gut, bis dahin. Ciao.