mme_electric: E-Auto zieht Wohnwagen – geht das?

Im Gespräch mit mme_electric

In der aktuellen Podcast-Folge hatte ich wieder das Vergnügen, mit Marie zu sprechen – vielen besser bekannt als mme_electric auf Social Media. Bereits im letzten Jahr hat sie von ihrer Wohnwagentour mit einem E-Auto berichtet, und diesmal hat sie die Erfahrung mit neuem Setup wiederholt: Statt Kia EV6 und kleinem Wohnwagen stand diesmal ein Audi A6 Avant e-tron Performance samt großem Knaus Yaseo 500 DK auf dem Plan. Die Tour führte sie vom Knaus-Standort in Jandelsbrunn bis an den Bodensee – knapp 1000 Kilometer Reiseerlebnis mit Elektro-Gespann.

Marie schilderte offen die Herausforderungen, etwa den überraschend hohen Verbrauch auf der Langstrecke ohne Anhänger – rund 25 kWh/100 km – sowie den relativ geringen Mehrverbrauch mit Wohnwagen: „Ich hätte mit mehr gerechnet. Einerseits war ich enttäuscht vom Grundverbrauch, andererseits positiv überrascht über den Mehrverbrauch mit Anhänger.“ Die realistische Reichweite mit Gespann lag bei rund 200 bis 250 Kilometern – ein Wert, der gut zur notwendigen Ladepause nach etwa zwei Stunden Fahrzeit passt.

Spannend wurde es bei der Ladeinfrastruktur. Marie plante ihre Stops bewusst an Ladeparks mit vielen Säulen, um genügend Rangierfläche zu haben. „Wir sind dann zu einem Ladepark gefahren, der wie eine Durchfahrt funktioniert – perfekt für ein 13-Meter-Gespann.“ Dennoch zeigte sich: Viele Ladeorte, etwa an Autobahnraststätten, sind für Anhängerbetrieb nach wie vor ungeeignet. Abkoppeln wäre häufig die einzige Lösung – oder, wie Marie es tat, die Suche nach alternativen Ladepunkten in der Nähe.

Im Gespräch wurde auch klar: Elektromobilität und Camping ist ein Nischenthema – noch. Marie war auf beiden Campingplätzen die Einzige mit dieser Kombination. „Wir wurden angeschaut wie ein Ufo, als wir mit dem Gespann ankamen.“ Dabei sorgte nicht nur die Optik, sondern auch die Stille des E-Antriebs für Gesprächsstoff: „Ich hab euch gar nicht gehört – erst gesehen, als ihr um die Ecke gebogen seid,“ meinte ein erstaunter Nachbar. Solche Momente zeigen, wie viel Potenzial in der Alltagserfahrung steckt, um andere für Elektromobilität zu sensibilisieren.

Auch im Austausch mit einem anderen Camper, der mit ID.4 und Wohnwagen unterwegs war, wurde deutlich: Wer sich auf das andere Reise-Tempo einlässt, gewinnt. „Wenn man sich drauf einlässt, funktioniert es auch. Ich hab mich bewusst wieder für ein Elektroauto entschieden – trotz Wohnwagen.“ Genau dieser Perspektivwechsel zieht sich durch Maries Erfahrungsbericht. Für sie selbst bedeutet E-Mobilität vor allem eines: Entschleunigung. „Ich mache Pause, hole mir ein Eis, rede mit anderen – das ist ganz andere Zeitqualität.“ Und jetzt genug der Vorrede – lasst uns reinhören ins Gespräch mit Marie.

Shownotes:

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Transcript

  1. Intro:

    Elektroauto News. Der Podcast rund um das Thema Elektromobilität. Mit aktuellen Entwicklungen, Diskussionen, Interviews und vielem mehr.

  2. Sebastian:

    Servus und herzlich willkommen beim EIN-Podcast. Ich bin Sebastian und freue mich, dass du heute wieder eingeschaltet hast. In der aktuellen Folge habe ich Marie alias mme_electric zu Gast und wir haben uns mal wieder über das Thema Reisen mit Wohnwagen unterhalten. Wieso mal wieder? Weil sie bereits im vergangenen Jahr mit dem Kia EV6 und einem kleinen Wohnwagen von Knaus unterwegs war. Dieses Jahr hat sie sich den Audi A6 geschnappt und ist mit einem größeren Wohnwagen durch die Lande gezogen. Am besten gehen wir aber direkt rein ins Gespräch mit ihr und erfahren mehr darüber. Hi Marie, passend zur kommenden Urlaubszeit oder Urlaubszeit, die schon begonnen hat, bist du hier wieder mit am Start. Du warst schon letztes Jahr im Podcast mit dem Abenteuer E-Auto und Wohnwagen zugegen. Dieses Jahr wieder mit einem anderen E-Auto und vor allem einem anderen Wohnwagen, der hinten dran ist. Aber vielleicht magst du uns da mal ein Stück weit abholen, auf welche Reise du dich begeben hast.

  3. Marie:

    Ja, genau. Aber vorab erstmal danke, dass ich hier wieder zu Gast sein darf. Es hat mir letztes Jahr schon großen Spaß gemacht, hier über meine Wohnwagentour sprechen zu können. Und ich dachte mir, weil das Abenteuer so toll war letztes Jahr, mache ich das gleich nochmal, nur mit einem anderen Wohnwagen und einem anderen E-Auto als Zugfahrzeug. Kurz gesagt, ich war mit dem Audi A6 Avant e-tron Performance und dem Knaus Jaseo 500 DK unterwegs. Am Bodensee unterwegs und habe einfach mal ausprobiert, wie es ist, mit einem größeren Wohnwagen und E-Auto unterwegs zu sein, nachdem ich ja im letzten Jahr die kleine Variante vom Yaseo getestet habe. Und ja, da kann ich natürlich wieder ganz viel zu erzählen und du hast sicherlich auch ganz viele Fragen, die du mir gleich stellen wirst.

  4. Sebastian:

    Die habe ich auf jeden Fall mitgebracht und du hast ja auch den schönen Vorteil, du bist ja nicht direkt von zu Hause aus mit der Wohnwagen-E-Auto-Kombi losgefahren, sondern erst mit dem E-Auto zu Knaus, hast dort den Wohnwagen abgeholt, bist dann weiter voran. Vielleicht magst du da einfach schon mal den direkten Vergleich mitgeben, wie war die Fahrt dorthin, wie ist sie weitergegangen, auch gerade im Hinblick auf Effizienz und Energie, die verbraucht wurde?

  5. Marie:

    Ja, sehr gern. Also ich wohne ja in der Region Hannover und Knaus sitzt in Jandelsbrunn. Das ist in der Nähe von Passau. Also rein rechnerisch von mir waren es, glaube ich, 763 Kilometer. Also eine schöne Langstrecke, um mal ein E-Auto auf Herz und Nieren prüfen zu können. Und der Audi, muss ich vorweg sagen, ist für die Langstrecke super geeignet. Also liegt toll auf der Straße, hat super Komfort, bringt an Infotainment irgendwie alles mit, was man sich für die Fahrt wünscht. Für mich auch ein bisschen zu viel, was ich jetzt gar nicht so alles gebraucht hätte. Aber wenn der Komfort da ist, dann freut man sich natürlich auch auf so eine lange Strecke darüber. Und ich kann sagen, ich hätte gedacht, er ist effizienter. Also ich war so zwischen 100 kmh und 160 kmh unterwegs, je nachdem, welche Geschwindigkeitsbegrenzung halt gerade war. Und der hat tatsächlich, als ich unten angekommen bin, einen Verbrauch angezeigt von um die 25 Kilowattstunden. Und das fand ich schon ein bisschen viel, weil laut WLTP ist er natürlich viel geringer angegeben. Aber dann kommen wir zu dem Wohnwagen-Thema. Dadurch, dass der Grundverbrauch schon so hoch war von dieser Langstreckenfahrt, fand ich den Unterschied zum Ziehen mit dem Wohnwagen dann gar nicht mehr so viel. Das waren nämlich rund 10 Kilowattstunden mehr, also 35, 36 Kilowattstunden. Da habe ich mit mehr gerechnet. Es ist so ein bisschen, einerseits bin ich ertäuscht über den Verbrauch vom E-Auto alleine, andererseits war ich dann aber auch positiv überrascht vom Verbrauch mit dem Wohnwagen halt. Das ist so ein bisschen, was mir aufgefallen ist, wo ich ein bisschen verwundert drüber war, sagen wir es so.

  6. Sebastian:

    Ja, definitiv, vor allem wenn man es jetzt rein von den Werten dann natürlich so hört. Und da ist ja auch die Frage, hat Audi jetzt was falsch gemacht oder macht der Wohnwagenhersteller ein bisschen mehr richtig, wenn da der Verbrauch dementsprechend niedrig ist? Das kann man in die eine oder andere Richtung natürlich deuten. Wie war denn die reale Reichweite mit Wohnwagen für dich, wenn wir das jetzt mal abseits der Kilowattstunden dann eben umrechnen und zu sagen, okay, wir können 200 Kilometer am Stück beispielsweise fahren?

  7. Marie:

    Ja, also 200 kommt ganz gut hin. 250 wäre wahrscheinlich auch noch gegangen. Da kommt es ja auch immer an, welche Strecke du fährst. Also Passau zum Bodensee waren jetzt wenige Höhenmeter. Da geht es meistens flach auf einer Geraden irgendwie auf der Autobahn geradeaus. Du kannst eh nur 80 bis 100 fahren mit dem Gespann. Also da kommt man schon so 200 bis 250 Kilometer, wenn man vollgeladen hat. Und das muss ich sagen, wenn man dann die 200 Kilometer fährt, Mit 80, 90, man kann mit dem Gespann sowieso nicht so fahren, wie man eigentlich fahren könnte. Dann ist das natürlich mental auch anstrengend und da freut man sich dann auch, wenn man nach 200 Kilometern mal sowieso eine Pause machen muss zum Laden. Weil viel länger, bin ich auch ehrlich, hätte ich dann auch nicht fahren wollen, ohne mal kurz eine Verschnaufspause zu haben.

  8. Sebastian:

    Du hast das passende Wort, die passende Bezeichnung schon genannt, Gespann. Vielleicht magst du dazu mal ein paar Worte verlieren, wie lang dieses Gespann beispielsweise ist, damit man mal ein Gefühl dafür bekommt, was du da überhaupt über die Autobahn bewegt hast.

  9. Marie:

    Ja, also ich hatte am Anfang ein bisschen Respekt davor. Ich habe das auch ein bisschen unterschätzt, ehrlich gesagt. Also der Yaseo 500 DK hat alleine schon eine Länge von 7,29 Meter. Und davor kommt dann eben noch der Audi A6 Avant e-tron. Und summa summarum war er dann, glaube ich, bei 13 Metern knapp. Das ist natürlich schon gespannt, was du bewegen musst und das ist natürlich dann auch mit den Ladesäulen alles andere als einfach. Also im letzten Jahr hatte ich den Kia EV6 mit einem kleinen Wohnwagen, der war nochmal zweieinhalb Meter kürzer. Das war schon einfacher, aber dieses Jahr habe ich mir gedacht, ja, ich bin eigentlich so lang wie sechs oder sieben Ladeplätze. Das ist dann schon eine andere Hausnummer, die man mit sich rumfährt.

  10. Sebastian:

    Definitiv. Spätestens wenn man dann die Ladesäule ansteuern muss und eben Platz sucht, da kommen wir auch gleich drauf zu sprechen. Was mich natürlich auch interessieren würde, wie verändert sich das Fahrverhalten von dem Audi mit dem Gespann hinten dran? Also Thema Rekuperation beispielsweise.

  11. Marie:

    Tatsächlich, also Audi als Flugfahrzeug muss ich sagen, ist super. Du hast mit einem E-Auto sowieso im Gegensatz zum Verbrenner, gerade wenn du etwas ziehst, der Drehmoment ist sofort da, du kannst sofort beschleunigen, der zieht sofort an. Das finde ich ist ein wahnsinnig tolles Fahrgefühl, unabhängig jetzt welches Modell du hast. Beim Audi sowieso sehr komfortabel. Klar, du merkst, du hast einen Anhänger dahinter, aber der fährt immer noch. Liegt gut auf der Straße. Rekuperation funktioniert nach wie vor. Das ist natürlich auch super, wenn du Höhenmeter hast, dass du viel zurückgewinnen kannst nochmal. Also bis auf das, dass du halt hinter dir so einen riesen Koloss ziehst, gibt es eigentlich keine marginalen Unterschiede, sage ich auch ehrlich. Also das Fahrgefühl sowohl mit als auch ohne Wohnwagen wirklich richtig gut.

  12. Sebastian:

    Den Koloss kannst du ja auf der Autobahn erstmal ausblenden, weil da ziehst du ihn ja einfach gerade hinter dir her in der Regel. Aber spätestens wenn es dann rechts raus Richtung Ladepark geht, wird das ein bisschen herausfordernd. Dann magst du uns mal so auf deine ersten Ladeerlebnisse mit dem Wohnwagen hinten dran mitnehmen.

  13. Marie:

    Ja, also ich habe natürlich vorweg geschaut, welche Ladesäulen oder welche Ladestops so auf der Route liegen. Von Passau zum Bodensee waren es rund 400 Kilometer. Und ich habe dann mit Puffer zwei Ladestops geplant. Und einen habe ich in der Nähe von München geplant. Da habe ich dann aber tatsächlich über die Mobility Plus App geschaut. nach Ladeparks, die es dort gibt, habe auch gefiltert, dass dieser Ladepark mindestens acht Ladepunkte haben soll, weil ich dann weiß, je mehr Ladepunkte, desto größer ist das Areal, wo man halt wenden kann und drehen kann und so weiter. Und wir sind dann zu einem EnBW-Ladepark gefahren, der hatte zwölf Ladesäulen und das war praktisch, du konntest auf der einen Seite reinfahren und dann praktisch auf der anderen wieder raus. Also wie so eine Durchfahrt war das einmal. Und da habe ich gedacht, perfekt, das ist super, weil dann brauche ich nicht rückwärts fahren, ich brauche nicht wenden, man braucht bestenfalls auch nicht abkoppeln, fährt man rein, lädt und kann dann halt entsprechend wieder rausfahren. Da haben wir uns dann tatsächlich, also es war alles frei, so ein bisschen quergestellt gehabt. Tatsächlich zwei Ladepunkte waren kaputt, die waren ausgefallen. Da hatten wir dann den Wohnwagen drauf und beim anderen haben wir dann angesteckt zum Laden. Also das hat ganz gut funktioniert. Die Ausfahrt war ein bisschen eng, muss man sagen. Da musste man nochmal gut ausholen mit dem Gespann. Aber das hat eigentlich ganz gut funktioniert. Und der zweite Ladestopp, der war dann tatsächlich in der Nähe von Landsberg am Lech, also zwischen München und Bodensee sozusagen. Und da haben wir dann versucht, auf der Autobahn zu laden. Ich hatte eigentlich eine Ionity-Ladesäule rausgesucht. Da war nur der Nachteil, dass die so schräg, also Diagonalparker waren, wo du mit dem Wohnwagen ja so gar nicht rankommst. Und dann sind wir ein paar Meter weiter gefahren, da war dann eine Eon-Ladesäule, zwar nur 50 kW, aber man hatte zumindest Platz für das Gespann, um sich da hinzustellen. Dann ist unsere Pause halt etwas länger ausgefallen. Aber das war dann okay, das haben wir in Kauf genommen, weil bevor wir gesagt hätten, wir koppeln das Ding jetzt auf dieser vollen Raststätte ab, stellen es irgendwo hin, wären wir, glaube ich, bei der gleichen Zeit gewesen. Also man muss schon ein bisschen abwägen, manchmal glaube ich auch Kompromisse machen und dann sind wir mit diesen zwei Ladestops dann entsprechend auch am Bodensee angekommen.

  14. Sebastian:

    Vielen Dank, dass du uns ein bisschen die Realität mit abgeholt hast und das sagt ja auch, dass man ein Stück weit zumindest so einen Puffer mit sich bringen sollte, dass man, wenn man eben jetzt bei dieser Ionity-Thema ist, dass man die Möglichkeit hat, zumindest mal noch die nächste Ladestation zu erreichen. Und ich glaube, ich hätte die Wahl genauso getroffen, lieber fünf Minuten länger Pause als eine komplett verschwitzte Pause zu machen, von der man dann ja auch gefühlt nichts hat. Also insofern die Entscheidung vollkommen nachvollziehbar. Du hast gesagt, ihr seid dann am Bodensee angekommen und ich gehe von aus, dass ihr auch auf eine Vielzahl von anderen E-Autos mit Wohnwagen getroffen seid oder wie spiegelt sich das Bild da wieder?

  15. Marie:

    Natürlich nicht. Natürlich waren wir wieder die Einzigen. Also wir waren in Lindau auf einem Campingplatz und wir sind angekommen und wurden schon von allen Campern groß angeschaut, dass wir mit E-Auto und einem normal großen Wohnwagen da auftauchen und nicht mit so einem kleineren, wo man jetzt sagt, ja komm, das würde irgendwie noch funktionieren. Nein, es war ein richtig großer Wohnwagen. Und das war ganz witzig, weil dann hatten wir unseren Platz eingenommen, hatten den Wohnwagen abgestellt, abgekoppelt und dann kam der Nachbar zum Helfen, um ihn in die richtige Position zu justieren. Und das Erste, was er zu mir sagt, war, Also, ihr seid ja so leise unterwegs. Ich habe euch ja erst gesehen, als ihr um die Kurve gebogen seid. Ich habe euch ja vorher gar nicht gehört. Ich sage, ja, das ist ja auch ein Elektroauto. Das ist ja eigentlich auch was Gutes. Und jetzt gerade, wo sie das sagen, finde ich das toll, weil mir das gar nicht mehr so bewusst ist, weil ich ja schon mehrere Jahre fahre. Und er sagt so, ja, ich finde das ganz toll, also auch ganz erstaunlich, dass das funktioniert und dass ihr das macht und so. Und der war ganz positiv überrascht davon tatsächlich. Und da ist mir auch erst mal so wahr geworden, ja, das stimmt, das stimmt, weil die Nachbarn, die dann irgendwie so an- und abgekoppelt hatten und dann war Ankunft und Abfahrt, das ist schon eine Geräuschkulisse irgendwie auf dem Campingplatz. Und wir waren halt wirklich komplett undercover, sag ich mal, unterwegs.

  16. Sebastian:

    Ja, das ist ein schönes Beispiel dafür, weil wir sprechen immer über CO2-Emissionen, die ausgestoßen werden, aber die Lärmemissionen, die ja auch auffällig sind, die verdrängt man. Und ich merke das zumindest, wenn ich in Großstädten unterwegs bin und es fahren mal mehrere E-Autos hintereinander oder in einem geringeren Abstand hintereinander weg zumindest, dann nimmt man auch wahr, oh, der Lärmpegel geht da auch gleich nach unten. Also das ist echt noch so ein Vorteil, den man mitbringt. Aber ist denn der Camping-Nachbar dann auch auf den Trichter gekommen und hat dann noch ein Stück weit mehr nachgefragt und könnte sich den Umstieg vorstellen? Oder ist das wahrscheinlich nur ein Stück weit zu weit weg von der Realität für ihn?

  17. Marie:

    Also ich glaube, für ihn war das zu weit weg. Er hatte tatsächlich auch keinen Wohnwagen. Er war so der Typ T6 California. Also eher wohnmobil, so flexibel unterwegs zu sein. Aber ich glaube, er fand es interessant, dass man das mal gesehen hat im echten Leben, dass das geht. Und dass er es, glaube ich, auch mal gehört hat. Weil ich hatte den Eindruck, er hat jetzt noch nicht so viele Berührungspunkte mit dem Thema E-Mobilität gehabt. Und da fand ich es einfach schön, ihm mal so ein bisschen da auf mitzunehmen und mal eine kurze Erklärung zu geben dann.

  18. Sebastian:

    Das ist immer schön. Ich meine, das können wir, glaube ich, beide widerspiegeln, dieser Austausch da mit den Neulingen sozusagen, die uns dann Fragen stellen. Das ist ja immer wieder spannend, was dann für Fragen kommen, die eigentlich für uns selbstverständlich sind, wo wir uns wahrscheinlich gar keinen Kopf mehr drüber machen. Ja, absolut. Wie war das Thema Laden für euch vor Ort? Ich meine, ihr hattet dann entkoppelt. Das heißt, wenn ihr mal unterwegs wart, konntet ihr das Auto ja so laden und seid wahrscheinlich auch wieder mit einigermaßen vollem Akku zur Rückreise angetreten.

  19. Marie:

    Richtig, genau. Also wir haben dann tatsächlich auch ein paar Tagesausflüge gemacht. In den Städten gibt es mittlerweile überall am Bodensee AC-Ladesäulen, aber auch teilweise DC-Ladesäulen. Da haben wir dann das Auto natürlich zwischendurch nochmal geladen gehabt. Sind dann mit vollem Akku weiter, hatten den Campingplatz dann auch nochmal gewechselt, sind ein bisschen höher gefahren, Richtung Friedrichshafen nochmal. Also waren so ein bisschen flexibler auch unterwegs. Und auf dem neuen Campingplatz haben wir dann natürlich auch nochmal neue Bekanntschaften gemacht. Mit unserem Gespann, weil gegenüber stand eine Familie mit zwei Kindern und der Vater hatte uns dann auch geholfen am Abreisetag beim Ankoppeln und Schieben. Und er hatte, glaube ich, die letzten Tage uns schon so ein bisschen beobachtet und sich auch gefragt, was wir da so machen und wie wir so drauf sind. Und er fragte dann auch, wie gut das funktioniert und die Frau war auch sehr interessiert. Das war aber nicht so dieses Misstrauische, sondern ich glaube, er wäre auch so ein Typ, der sich darauf einlassen könnte. Der vorhin VW Tiguan hat er erzählt und findet zum Beispiel den Enyaq und den Elrock von Skoda ganz interessant so. Und dann war er halt sehr interessiert daran, wie gut das halt mit Wohnwagen funktioniert, weil die sind passionierte Camper, fahren einen Wohnwagen, fahren mehrmals im Jahr damit weg. Und das war echt noch ein schönes Gespräch mit ihm, weil du da gemerkt hast, okay, der ist irgendwie auf Augenhöhe. Das ist jetzt nicht, ich erkläre ihm etwas, weil er noch kein Wissen hat, sondern er hat sich irgendwie schon informiert und will einfach mal so ein bisschen in Austausch gehen, sage ich mal. Und das fand ich am letzten Tag war das tatsächlich auch noch ganz schön.

  20. Sebastian:

    Einen schönen Abschluss, den du da noch mitnehmen konntest und mit dem Wissen oder mit den Erfahrungen, die du jetzt bei deinem letzten Trip und auch beim aktuellen gesammelt hast, E-Camping wird schon eher so eine Nische bleiben, wäre jetzt so meine Wahrnehmung von außen erstmal, oder?

  21. Marie:

    Total, ja. Also wenn man bedenkt, ich war in der Himmelfahrtswoche unterwegs. Die Campingplätze waren komplett voll. Ich war auf zwei Campingplätzen. Ich bin insgesamt knapp 1000 Kilometer mit diesem Gespann gefahren. War ich die Einzige mit E-Auto und Wohnwagen bis auf einen auf dem Rückweg. Also wir haben den Wohnwagen dann wieder zurück nach Jandelsbrunn gebracht. habe ich auf dem Rückweg tatsächlich an einer einzigen Ladesäule ein Pärchen getroffen, die mit ID.4 und auch Wohnwagen unterwegs waren. Und das war das einzige, wo ich gesagt habe, Mensch, es ist noch jemand unterwegs, der so wie wir mit Elektroauto und Wohnwagen, der das Ganze einfach Ja, nicht ausprobiert, auch lebt, hat er gesagt. Also er sagt, er hat den ID.4 jetzt schon seit drei Jahren, die machen seit drei Jahren mit ihrem Wohnwagen Urlaub. Er sagt, klar, ich muss ein bisschen öfter laden, aber das passt irgendwie auch zu denen, die haben einen Hund, dann gehen die halt mit dem Hund nochmal eine Viertelstunde irgendwie um den Block. So, er sagt, wenn man sich darauf einlässt, dann funktioniert das halt auch. Und ich habe ihn dann auch gefragt, ich sage, würdest du trotz Wohnwagen dir wieder ein Elektroauto kaufen? Er sagt, ganz klar ja. Er sagt, das ist irgendwie ein Kompromiss, den man macht, aber er sagt auch, wie oft fahre ich mit dem Wohnwagen in Urlaub? Das ist halt zweimal im Jahr, dreimal im Jahr vielleicht. Er sagt, und dafür nehme ich das gerne in Kauf, weil das Fahrgefühl ist für ihn einfach das, was er nicht mehr missen möchte. Und das fand ich ganz interessant, dass man sich mit ihm so an der Ladesäule dann unterhalten konnte, dass man mal einen Gleichgesinnten irgendwie getroffen hat, der das Gleiche irgendwie dann durchmacht. Und ja, auch er hat gesagt, Ladesäulen für Anhänger, also Durchfahrtladeplätze, leider immer noch viel zu wenig. Also da müssen die Ladesäulenbetreiber unbedingt ran an das Thema, gerade in beliebten Urlaubsregionen, weil man sucht sich dann doch einen Wolf oder ist halt mit Abkoppeln mehr beschäftigt, als die Ladepause eigentlich dauert.

  22. Sebastian:

    Und das möchte man ja auch nicht. Also ich durfte von meiner Frau lernen, wir waren nur mit Eheauto unterwegs und die mich stresst, das manchmal auch dann so ewig zu fahren, also weit über 1000 Kilometer dann manchmal, auch wenn man seine Pausen macht. Aber sie sagt mittlerweile immer, der Weg ist auch schon Teil der Reise zum Urlaub, das sollen wir einfach so nehmen. Und seit ich das so ein Stück weit für mich verinnerlichen konnte, Bin ich da auch wesentlich entspannter unterwegs und die Einstellung scheint es der Edu zu teilen, aber auch der ID4-Fahrer dann schlussendlich. Also es ist dann eher auch schon wieder dieses Mindset, was man auch mitbringen muss, um eben diese Reise entspannt anzugehen und zu überstehen sozusagen.

  23. Marie:

    Ja, absolut. Also ich habe das Mindset mittlerweile auch. Ich freue mich auch darüber, dass ich das für mich so etablieren konnte und in meinen Alltag integrieren kann, weil es tut mir halt gut. Also ich habe schon Ladepausen gemacht, auch mit meinem Fiat. Der kommt ja jetzt wirklich nicht weit. Also 150, 200 Kilometer, dann muss ich da auch laden. Dann stehst du da entspannt, unterhältst dich mit anderen E-Auto-Fahrraden, holst dir irgendwie noch ein Eis an der Tankstelle oder sonst was. Das ist halt ganz anders Zeit, die du auf so einer Reise verbringst. Und klar, du musst dich darauf einlassen. Das ist so. Ich brauche länger für meine Strecken. Aber ich kann nicht sagen, dass mir das schlecht tut. Ganz im Gegenteil. Und das finde ich schön, dass E-Mobilität für mich da auch so ein bisschen entschleunigt im Alltag. Und das möchte ich auch nicht mehr missen.

  24. Sebastian:

    Das sind doch wunderbare Schlussworte. Vielen Dank, Marie, dass du zu Gast warst in der zweiten Folge. Ich denke, du wirst wieder irgendwann eine Reise antreten. Spätestens dann hören wir uns. Vielen Dank für deine Zeit.

  25. Marie:

    Danke dir auch. Und ja, hat Spaß gemacht mit dir heute.

  26. Sebastian:

    Gleichfalls, danke. So schnell gehen auch knapp 20 Minuten rum, vor allem wenn man über das Thema Urlaub spricht oder im Speziellen eben Urlaub mit dem E-Auto und dem Wohnwagen. Dass das funktionieren kann, hat uns mme_electric hier aufgezeigt. Ob man das will, ist dann die andere Frage. So viele Camper wollen es anscheinend noch nicht, aber dennoch scheint sich auch dort etwas zu entwickeln. Wir behalten uns auf jeden Fall im Auge, sind gespannt auf dein Feedback dazu, ob du so einen Reisewagen würdest oder ob es doch eher kein Thema für dich ist. Vielen Dank fürs Zuhören, mach's gut, bis zur nächsten Folge. Ciao.