Alexander Klose, Aiways: „Europa ist unser Fokusmarkt“

Im Gespräch mit Alexander Klose, Aiways

Alexander Klose, Executive Vice President Overseas Operations bei Aiways, sprach in unserem Podcast über die Neuausrichtung des chinesischen Elektroautoherstellers. Aiways möchte sein Geschäft außerhalb Chinas deutlich ausbauen und setzt dabei besonders auf Europa. „Wir sind jetzt den Schritt so weit gegangen, dass wir zunächst außerhalb von China weitermachen wollen“, so Klose. Die Entscheidung, Europa stärker in den Mittelpunkt zu rücken, begründet Klose mit den Marktbedingungen in China: „Die Preise sind dort so stark gefallen, dass es schwierig ist, Gewinne zu machen, die für Investitionen in neue Modelle notwendig sind.“ Während Märkte wie die USA aufgrund hoher Zulassungsanforderungen zunächst ausgeklammert werden, sieht Aiways in Europa großes Potenzial. „Europa ist einer der attraktivsten Märkte für Elektromobilität, auch wenn er anspruchsvoll ist.“

Allerdings ist sich Klose der Herausforderungen bewusst: „Europa ist nicht nur ein Land, sondern besteht aus vielen Märkten mit unterschiedlichen Anforderungen.“ Dennoch zeigt er sich zuversichtlich, langfristig Fuß fassen zu können, ähnlich wie es Volvo in China gelungen sei. Aiways plant, die bestehenden Modelle U5 und U6 weiterzuentwickeln. „Diese Fahrzeuge bleiben im Programm, werden aber leichte Veränderungen bekommen, insbesondere bei der Batterietechnologie.“ Gleichzeitig arbeitet das Unternehmen an einer Modellpalette-Erweiterung. „Wir werden in Zukunft sowohl kleinere Fahrzeuge im Leichtfahrzeugsegment als auch größere Vans anbieten“, erklärt Klose.

Besonders viel Potenzial sieht er in der L7e-Kategorie – leichte und kompakte E-Fahrzeuge, die mit weniger technischer Ausstattung auskommen und damit kostengünstiger produziert werden können. „Solche Fahrzeuge könnten unter 20.000 Euro, vielleicht sogar um die 10.000 Euro kosten“, sagt Klose und sieht darin eine wichtige Ergänzung zum aktuellen Marktangebot.

Börsengang und Zukunftspläne von Aiways

Um die Wachstumspläne zu finanzieren, hat Aiways kürzlich eine Fusion mit einem börsennotierten Unternehmen in den USA bekannt gegeben. „Mit den dann verfügbaren Mitteln wollen wir uns als Aiways Europe – unter neuem Namen – strategisch neu aufstellen“, so Klose. Dabei soll auch die Produktion perspektivisch nach Europa verlagert werden. „Es gibt bereits Überlegungen, eine europäische Fertigung aufzubauen“, verrät Klose. „Audi hat kürzlich angedeutet, dass chinesische Hersteller ihre Werke nutzen könnten. Das wäre eine mögliche Option.“ Wobei er dies in Richtung Audi entsprechend abgeschwächt hat. Eine schnelle Umsetzung sei jedoch von den politischen Rahmenbedingungen, insbesondere möglichen Strafzöllen auf chinesische E-Autos, abhängig.

Ein weiterer zentraler Punkt der Aiways-Strategie ist die Verbesserung der Batterietechnologie. „Wir wollen, dass unsere Fahrzeuge im Winter nicht mehr als zehn Prozent Reichweite verlieren“, erklärt Klose. Damit wäre Aiways eines der wenigen Unternehmen, die das Problem der Kälteempfindlichkeit von Akkus effektiv lösen könnten. Falls der eingeschlagene Weg funktioniert.

In den kommenden Jahren möchte das Unternehmen eine führende Rolle für chinesische Elektroautos in Europa einnehmen. „Unser Ziel ist es, als Anbieter chinesischer Fahrzeuge unter einer einheitlichen Marke in Europa fest etabliert zu sein“, so Klose. „Wir wollen ein Virtual OEM werden – also ein Hersteller, der die besten Technologien von Zulieferern bündelt und kontinuierlich optimiert.“ Mehr dazu im nachfolgenden Gespräch mit Alexander Klose, viel Freude damit.

Shownotes:

Edit speaker mapping

Change displayed names for speaker IDs in this transcript.

Transcript

  1. Intro:

    Elektroauto News. Der Podcast rund um das Thema Elektromobilität. Mit aktuellen Entwicklungen, Diskussionen, Interviews und vielem mehr.

  2. Alexander Klose:

    Servus und herzlich willkommen bei einem neuen Folge des Elektroauto News ProNet Podcast. Ich bin Sebastian und freue mich, dass du heute wieder eingeschaltet hast, wenn es um das Thema E-Mobilität aus China für Europa geht. Hier habe ich Alexander Klose, Executive Vice President Overseas Operations bei Aiways zu Gast. Aiways ist vielleicht im einen oder anderen noch ein Begriff. Er ist ein chinesischer Automobilhersteller, der es schon versucht hatte, hier in Europa Fuß zu fassen. Das ist nicht ganz so gelungen, aber man möchte 2025, 2026 wieder den europäischen Markt ins Visier nehmen und dazu habe ich mich eben mit Alexander im Detail ausgetauscht. Wo kommt man her, wo will man hin und wie ist der Weg dorthin bzw. wie soll er beschritten werden mit Hinblick auf all die Chancen und Herausforderungen, die der Markt aktuell eben bereithält. Wir gehen direkt rein ins Gespräch mit Alexander.

  3. Sebastian:

    Hallo Alexander, vielen Dank, dass du dir heute die Zeit nimmst, dass wir uns ein Update über Aiways einholen, wo du uns ja sozusagen direkt aus dem Nähkästchen plaudern kannst. Warum du das kannst, das kannst du vielleicht unseren ZuhörerInnen auch gerne mal selbst sagen. Was machst du für Aiways? Welche Position nimmst du dort ein?

  4. Intro:

    Hallo Sebastian. Ja, freut mich, dass wir mal wieder sprechen können in diesem kalten Februar-Monat hier in München. Ich bin eigentlich seit Anfang an bei Aiways dabei. Aiways ist ja ein Start-up aus China, nur auf Elektrofahrzeuge fokussiert. Wir haben 2017 begonnen, ich bin dann Anfang 2018 dazugekommen. Und bin in der Zwischenzeit für das gesamte Geschäft außerhalb von China zuständig.

  5. Sebastian:

    Ein Geschäft, was ja jetzt auch deutlich wachsen soll in Zukunft. Man hat ja auch schon letztes Jahr gehört oder wahrgenommen in den Medien, auch aus Berichten von eurer Seite aus, dass ihr den Fokus eher weg aus China lenkt, eher Richtung Europa, was ja dich dann auch direkt betrifft. Ist das immer noch so die Marschroute, die ihr eingeschlagen habt und beibehalten möchtet?

  6. Intro:

    Wie du ja vielleicht weißt... Natürlich müsst ihr sowas wissen, sind die Preise in China deutlich anders als in Europa. In China ist in der Zwischenzeit Elektrofahrzeugmarkt so viel günstiger geworden als der Verbrennermarkt, dass sich eigentlich keiner noch einen Verbrenner leisten möchte und kaufen möchte. Das heißt aber auch gleichzeitig für die Hersteller, weil die Preise so weit nach unten gegangen sind, dass es sehr schwierig ist, tatsächlich noch irgendwelche Gewinne zu machen. Irgendwelche Gewinne auch, die man natürlich braucht, um weiterhin in Verbesserung des Fahrzeuges dann zu investieren. Daher suchen eigentlich alle Hersteller, sich außerhalb von China auch aufzustellen. Wir sind jetzt den Schritt so weit gegangen, dass wir zunächst außerhalb von China weitermachen wollen. Wir werden sicher auch wieder nach China gehen wollen, aber wir wollen zunächst außerhalb von China weitermachen und insbesondere uns auf Europa fokussieren. Das hat auch den Hintergrund, dass Europa natürlich einer der attraktivsten Märkte ist. In vielen Rest-of-the-World-Märkten gibt es keinen so großen Markt für Elektromobilität bisher. Wobei es da einige sehr interessante Ausnahmen gibt. Und in den USA hätten wir zunächst mal durch eine weitere Homologation gemusst, die wir uns derzeit nicht aufbürden wollen. Daher fokussieren wir uns jetzt zunächst mal auf Europa.

  7. Sebastian:

    Europa an sich ist aber jetzt auch nicht unbedingt der einfachste Markt oder der attraktivste Markt, auch der es umkämpft. Europa, wie die meisten Chinesen mittlerweile auch feststellen mussten, ist halt auch nicht nur ein Land, sondern eine Vielzahl von Ländern mit eigenen Märkten. Deswegen kann man Bedenken, die aus dem Markt einkommen oder hochkommen, auch bezüglich eures Schrittes da schon wahrnehmen. Seht ihr es dennoch die Möglichkeit oder wahrscheinlich seht ihr die, dass ihr dort Fuß fassen könnt, auch nachhaltig?

  8. Intro:

    Also ich denke schon, dass wir hier nachhaltig Fuß fassen können. Ich habe das Ganze andersrum auch schon gemacht. Ich war damals für Volvo in China unterwegs und Volvo hat in China sehr nachhaltig Fuß gefasst. Gut, wurde dann vom chinesischen Unternehmen übernommen. Aber das war auch eine Zeit, wo... Anfang der 2000er, wo es zunächst hieß, ja, interessanter Markt und plötzlich waren alle dort. Ist er wirklich noch so interessant? Klar ist er interessant, weil er damals sehr stark gewachsen ist. Ich glaube, das wird auch in Europa so passieren, dass der Elektromarkt deutlich steigen wird wieder. Wir hatten natürlich so eine Delle im Wachstum, also nicht Delle im Absatz, sondern Delle im Wachstum gehabt. aufgrund von, ich würde mal sagen, Verunsicherungen im Markt, aufgrund sicher auch von politischen Aussagen von allen möglichen Lobbygruppen, die sicherlich sehr verwirrend waren. Ich glaube aber, das sortiert sich jetzt so langsam aus und wir kommen jetzt auch in eine neue Generation von Elektrofahrzeugen, sicherlich auch von europäischen Herstellern, die einfach ganz andere Qualitäten auf die Straße bringen werden. Und dann wird Elektrofahren auch für Leute interessant, die das heute noch ablehnen.

  9. Sebastian:

    Du hast es richtig gesagt. Man kommt auch mittlerweile zu einer neuen Generation von Fahrzeugen. Ich sage mal, sowohl Design, was man sieht, als auch die Marke, wie sie das transportiert, aber auch die Technik. Und da ist die Frage, mit was differenziert ihr euch am Markt hier in Europa? Wo wollt ihr den Unterschied machen, um eben gegen Wettbewerber aus China, die auch in Europa zu verkaufen, zu bestehen, aber auch gegenüber, ich nenne es jetzt mal europäischen Automobilherstellern, die hier im Markt unterwegs sind?

  10. Intro:

    Also wir haben ja bisher zwei Fahrzeuge vorgestellt. Das ist der Aiways U5 und der Aiways U6. Bei diesen Fahrzeugen, die Fahrzeuge wollen wir beibehalten, die werden aber leichte Veränderungen bekommen. für die nächste Runde, die auf den Markt kommen. Und die werden auch Veränderungen dann in der Batterietechnologie bekommen. Wir sind derzeit noch nicht so weit, dass wir das verkünden können. Aber wie du ja auch weißt, wir sind dabei, gerade uns neu aufzustellen. Das heißt, wir haben vor kurzem ein sogenanntes Business Combination Agreement, also ein Merger mit einem gelisteten Unternehmen in den USA unterzeichnet. und sind dabei, uns jetzt an die Börse in den USA zu bringen. Mit den dann dadurch von uns zur Verfügung stehenden Mitteln werden wir uns als Iways Europe, beziehungsweise wir haben dann auch einen neuen Namen in Zukunft, werden wir uns dann ganz anders aufstellen. Wir werden die zwei Fahrzeuge von Iways noch im Programm haben. Wir werden aber auch unsere Programm-Palette ausweiten und kleinere wie auch andere Fahrzeuge anbieten. Kleinere Fahrzeuge, das kann sein, dass wir gehen bis zu Fahrzeugen der Leichtfahrzeugkategorie L7 oder L6, die ich für die Zukunft sehr interessant halte, wie auch auf der anderen Seite das Größte, was wir dann haben werden, werden auch Vans sein, wo auch noch ein weiter Weg zur vollständigen Elektrifizierung der Flotte da ist, also auch eine große Möglichkeit am Markt besteht. Ich selbst gehe davon aus, dass der Markt sich dieses Jahr auch massiv beleben wird wieder. Und wenn man dann die Fahrzeuge hat, die tatsächlich auch zu den richtigen Preisen die richtige Reichweite bringen und tatsächlich dann praktisch sind, dann wird sich die Elektromobilität einfach ausweiten.

  11. Sebastian:

    Wenn die Kombi aufeinander trifft, gehe ich da auch stark von aus. Die Frage ist ja, trifft die Kombi für euch, Aiways, die neue Marke, dann auch dieses Jahr schon zueinander oder geht ihr dieses Jahr eher noch in kleineren Schritten in den Markt hinein?

  12. Intro:

    Ich hatte ja schon mal angesprochen, L7 ist ein Segment, das ich für sehr attraktiv halte. Kleine Fahrzeuge, leichte Fahrzeuge, die auch nicht die gesamten Anforderungen an Zusatzsysteme bringen müssen, die größere Fahrzeuge haben und dann mit Preisen, die sehr attraktiv sind, die eben nicht jenseits der 20.000 beginnen, sondern eher um die 10.000 herum beginnen. Die haben zwar dann den Nachteil, dass sie nur 90 fahren, aber trotzdem für einen Großteil der Fahrten, die ich auch mache, würde das eigentlich völlig ausreichen. Und ich glaube, es wird mehr und mehr in die Richtung gehen, dass wir auch solche Fahrzeuge viel stärker einsetzen, als es heute der Fall ist.

  13. Sebastian:

    Davon gehe ich auch aus, dass wir eher einen Mix in der Mobilität erfahren und dann eben nicht nur die großen E-SUVs da überall auf der Straße sind, sondern eben auch Mikromobilität in dem Bereich, wo wir uns jetzt bewegen, wie du es ja gerade gesagt hast, vielleicht für die ZuhörerInnen, dass die Bildfragen haben, der Microlino wäre so ein Fahrzeug, was eben in dieser Kategorie unterwegs ist. Gibt es natürlich auch im Nutzfahrzeugbereich als auch eben im Haushaltsbereich, wo man nutzen kann. Jetzt hast du eben den Merger schon angesprochen, der euch an die Börse in den USA bringt. Da stand ja dann auch eine Bewertung von mehreren hundert Millionen US-Dollar auf dem Balance-Sheet. Wie realistisch ist das denn? Weil auch da schätzt der Markt ja, ich sag mal euch, mit dem bisherigen Absatz, der ja eher überschaubar war, als auch mit dem Ausblick, der jetzt ja auch noch ein bisschen mysteriös ist, schätzt das schon sehr sportlich ein. Ist das zu erreichen und kriegt ihr das auch wirklich umgesetzt dann schlussendlich?

  14. Intro:

    Also dazu kann ich, leider zu dem Wert kann ich gar nichts dazu sagen. Wir sind gerade in diesem Prozess, wo wir mit der SEC gefiled haben, wo sie das angucken wird und danach wird etwas rauskommen. Ich kann auch nichts dazu sagen, auf welcher Basis so ein Wert bestimmt wurde und was passiert. Ob wir unsere Pläne umsetzen können, dazu kann ich natürlich etwas sagen. Natürlich gibt es immer ein Risiko. Ich meine, wir haben das ja gesehen, dass es einige Startups gab in Deutschland auch, die über die letzten Jahre hinweg versucht haben, etwas zu machen, dann immer vergessen haben, auch in China, manche immer vergessen haben, dass es eigentlich darum geht, ein ingenieurstechnisches Problem zu lösen, nämlich dass ein Elektroauto mit vernünftiger Reichweite zu einem vernünftigen Preis auf die Straße bekomme. Und daran sind ja viele gescheitert. Du hast gerade L7 den Microlino genannt. Das ist ja auch nicht gerade das günstigste Auto für die Größe. Und ich glaube, da haben wir noch einen Weg dahin zu gehen, zu sagen, von Fahrzeug so einer Größe, was sollte denn so etwas kosten und wie kommen wir da hin? Also ein Risiko gibt es natürlich immer. Wir glauben aber, dass wir in den letzten Jahren zumindest eines getan haben. Wir haben nämlich sehr viel gelernt, was europäische Kunden wollen, was europäische Kunden vom Design her auch wollen und ertragen können. Das ist nämlich ein Design, das wir auch haben. Es gab sicher manche andere, die versucht haben, im Design noch etwas weiterzugehen, was dann nicht so besonders angekommen ist. Andere wiederum sind sehr langweilig geblieben und haben eben Fahrzeuge auch, die schwer verkäuflich waren, was sicher auch damit zu tun hat, dass das Design sehr langweilig war. Ich möchte jetzt keine Namen nennen, aber ich glaube, es gibt einige, die verstehen, was ich damit meine. Also vom Design her sind wir, glaube ich, sehr gut unterwegs. Was wir als nächstes geplant haben mit der technischen Ausstattung und mit der Ausstattung Batterieleistung und Batterie Performance sind wir, glaube ich, auch da, wo man in Zukunft sein muss. Ich habe gerade vorher gesagt, Winter sehr kalt. Natürlich ist es ein Unding, wenn man eine Batterie hat, die im Winter nur noch 50 Prozent der Reichweite darstellen kann. Wir werden immer einen kleinen Vernust haben, aber mit manchen Batterien, und zwar also nicht nur den Zellen, sondern mit der Zell-plus-Wärme-Kombination, kommt man eben weiter. Deutlich weiter als nur die 50 Prozent. Ich denke, dass wir versuchen werden, weniger als 10 Prozent Reichweite zu verlieren im Winter. Damit kommen wir an Reichweiten, die eigentlich allen ausreichen. Und da müssen wir noch den Preis auf die richtige Höhe bringen. Da haben wir auch schon einen Plan, aber ich möchte auch über den Preis nichts sagen derzeit.

  15. Sebastian:

    Das kann ich nachvollziehen, aber zumindest im Preis oder mit der Verbindung steht ja auch die Produktion schlussendlich. Wir haben das Thema Strafzölle auf E-Autos aus China, sowohl hier in Europa als auch eben in Amerika dann. Das wird ja auch ein Thema sein, was euch betrifft, weil ihr werdet ja wahrscheinlich nicht parallel zu dem verstärkten europäischen Markteintritt oder Wiedereintritt auch noch eine europäische Produktion aufbauen, sondern wahrscheinlich in China für Europa fertigen. Oder wie ist das geplant?

  16. Intro:

    Also es gibt schon Überlegungen, wie wir schnell eine Produktion in Europa aufbauen könnten. Es gab ja ganz interessante Äußerungen von Audi in letzter Zeit, die sich ja vorstellen könnten, dass chinesische Hersteller in ihren Fabriken fertigen lassen. Ich denke sowas, also nicht, dass wir jetzt mit Audi sprechen würden oder gar verhandeln würden, aber so etwas wird es in Zukunft geben. Und es gibt auch Third-Party-Hersteller, die für sowas bereit wären und relativ schnell auch einspringen könnten. Von daher denke ich auch, dass wir Mittel bis vielleicht kurzfristig doch auch in Europa produzieren werden. Das hängt etwas von zwei Punkten ab. Das hängt einmal von der Frage ab, ob die Kosten oder die Strafzölle höher sind. Wenn ich angucke, dass Tesla bei sieben Prozent jetzt ist zusätzlichen Zoll, für die wird es sich nicht lohnen, irgendeine Fertigung zu verändern, obwohl die hier auch schon fertigen. Bei uns wäre das ähnlich und da wird man sicher auch noch mit der EU sprechen müssen. Auf der anderen Seite hängt es auch noch davon ab, was wir denn überhaupt in Europa sourcen können. Das größte Problem für Europa ist ja die Zell- und Batterieherstellung, wo ich eigentlich vor drei, vier Jahren noch dachte, dass wir tatsächlich in Europa sourcen können. Aber Es gibt ja nicht mal eine Fertigung, wo wir mal anfragen könnten, was wir denn saucen können. Und auch wenn es Fertigungen gibt, dann ist das zwei bis drei Jahre hinter dem zurück, was in China hergestellt wird. Einmal von der Technologie her, zum anderen aber auch von dem Kostenpunkt, was wir dann tatsächlich saucen können. Und das hat gar nichts mehr mit den Arbeitskosten zu tun, sondern das hat einfach damit zu tun, dass die chinesischen Hersteller dort die besseren, integrierteren Maschinen haben und einfach sich schon viel weiterentwickelt haben auf der Kostenkurve und deutlicheren Kostenvorteilen.

  17. Sebastian:

    Das leuchtet auf jeden Fall ein. Das ist ja auch das, was wir vom Markt gespiegelt bekommen, wenn wir mit euren Marktbegleitern aus China sprechen. Und ich durfte das jetzt auch Anfang des Jahres nochmal sehen. Das sehe ich sogar als Leih, dass man da Schritte weiter ist, wenn ich das mit dem deutschen Automobilhersteller vergleiche, wo ich auch zuletzt war. Dennoch ist es ja so, ihr wollt Produkte in erster Linie erstmal für Europa machen. Das heißt, das Design für eure europäischen Fahrzeuge kommt aus Europa und wird in China umgesetzt oder entwickelt ihr aus China heraus für Europa? Wie ist da der Ansatz dahinter?

  18. Intro:

    Also unser Chefdesigner, der den U5 und den U6 designt hat, war vorher bei einem europäischen Hersteller. Das heißt also, man sollte sich das auch nicht mehr so vorstellen, dass China nicht in der Lage wäre, für Europa zu designen. Es gibt gewisse Use Cases, insbesondere in Deutschland, die sind den chinesischen Ingenieuren etwas oder auch Designern etwas weiter entfernt. Aber auch da gibt es ein Aufholen, das schneller ist, als ich je gedacht hätte. Ich muss sagen, ich war jetzt während der Corona-Zeit nicht so häufig in China. Ich war zwar jedes Jahr mindestens einmal dort und dann auch längere Zeit. Aber es waren schon gewisse Zeiten dazwischen. Und ein Jahr, das war Anfang 2024, als ich wieder nach China gekommen bin und mich mit chinesischen Freunden getroffen habe, dann musste ich zu meiner großen Verwunderung feststellen, dass die in der Zwischenzeit Camping machen. Das war vor fünf Jahren in China noch unvorstellbar, dass man mit einem Camper, wie auch immer, aus Shanghai losfährt, irgendwo Camping macht. Natürlich auf sehr luxuriöse Art und Weise. Das war unvorstellbar, dass es überhaupt sowas geben würde. Dieser Fokus hat sich, also die Art und Weise, wie man sein Leben lebt, hat sich völlig verändert dort auch. Es gibt Camping. Ich fahre sehr gerne Rennrad. Es ist in der Zwischenzeit so, dass meine Rennradgruppe aus Shanghai zum größten Teil chinesisch ist. Vor zehn Jahren waren das nur Ausländer. In der Zwischenzeit ist das ein Großteil chinesisch, weil es wenige Ausländer gibt. Aber... Es sind auch mehr Leute dort, die des Morgens um fünf oder sechs mit dem Fahrrad durch Shanghai brausen und an allen möglichen Ecken von Shanghai sich treffen und dann eine Runde zusammenfahren. Also es hat sich sehr geändert und die Art und Weise, wie man ein Fahrzeug benutzt, ist eben nicht mehr so, wie das am Anfang der 2000er war, dass man nur die Eltern ganz stolz durch die Gegend fährt und daher muss man irgendwie... ein viersitziges Fahrzeug mit Distanz haben oder irgendwo muss das Kind noch hinpassen. In der Zwischenzeit hat sich das sehr stark verändert und der Einsatz von einem Fahrzeug ist eigentlich eher wie in Europa. Was natürlich ganz anders ist, ist die Geschwindigkeit in Deutschland zur Geschwindigkeit in China.

  19. Sebastian:

    Das stimmt, aber auch da gibt es eine Diskussion, da sehen wir vielleicht nach der Wahl dann mehr, aber das fassen wir jetzt hier natürlich nicht auf. Aber vielleicht, wenn wir den Ausblick wagen, ich hoffe ja, dass wir uns vorher nochmal treffen und miteinander sprechen, aber wenn du jetzt mal fünf Jahre in die Zukunft schaust und sagst, okay, wir setzen das alles ideal um, wo siehst du dann Aiways oder auch unter dem neuen Markenname dann eure Brands stehen hier in Europa? Welche Rolle nehmt ihr da ein oder wünscht ihr euch einzunehmen?

  20. Intro:

    Gut, das ist natürlich eine ganz große Frage, weil da muss ich ja auch projizieren, was in fünf Jahren mit der Automobilindustrie geschehen ist. Ja, und wenn man sich mal so anguckt, was ich kann, was die letzten 40 Jahre mit der Automobilindustrie geschehen ist, dann sah man eine Konzentration und plötzlich wieder eine Ausweitung, gerade auch dadurch, dass China sehr stark in den Markt gekommen ist und dass jetzt auch Indien sehr aktiv wird. Ich habe früher bei Jaguar Land Rover gearbeitet, die sich auch nie gedacht hätten, dass man irgendwann mal von einem indischen Konzern übernommen wird. Und ich glaube, das wird sich einfach noch sehr viel stärker internationalisieren. Was ich nicht ganz einzuschätzen weiß, ist, wie Europa... es schaffen kann, den Vorsprung der Chinesen wieder einzuholen. Es ist ja nicht nur China, wenn ich höre, was in Indien passiert, wer weiß, ob da nicht auch aus Indien noch was kommt. Wenn man das sieht und es würde so werden, wie es bei den Mobiltelefonen geworden ist, dann würde ich sagen, wir werden dann irgendwann mal der größte Anbieter von chinesischen Autos in Europa werden. Und weil die dann eben üblicherweise 40 Prozent Marktanteil haben, haben wir dann eben 40 Prozent Marktanteil in Europa. Wie das ja VW in einer anderen Richtung gemacht hat, bevor man dann plötzlich jetzt eben den Rückschlag auf dem chinesischen Markt erlebt hat. Ich denke aber nicht, dass es sich Europa ganz so abhängen lassen wird. Ich weiß nicht genau, was da passiert, aber ich denke schon, dass wir es schaffen wollen, in den nächsten fünf Jahren uns als Anbieter chinesischer Fahrzeuge im Markt zu etablieren unter einer einheitlichen Brand und dass wir dabei so etwas sind wie, ich würde es mal ein Virtual OEM nennen. Es ist ja nicht gesagt, dass ich als Hersteller wirklich alles machen muss, dass ich wie früher kein richtiger Hersteller bin, wenn ich nicht meinen eigenen Motor baue oder auch jetzt übertragen nicht meine eigene Batterie baue. Ich glaube, was sich da eher ändern wird, dass man, wie es auch beim Verbrennergeschehen ist, dass man an der Optimierung arbeiten muss von dem, was man hat und auch immer wieder kleinere Neuerungsschritte in das Fahrzeug reinbringen muss, die aber nicht vom Hersteller selber kommen können, sondern die eben vom Batteriehersteller, vom Elektromotorhersteller kommen. wer auch immer der Zulieferer ist, da draußen geschehen wird. Ich glaube, dass Batterie, Motor und dann auch die Software im Fahrzeug, das werden die entscheidenden Punkte sein. Und wir wollen eben jemand sein, der das besser zusammenbindet als unsere Wettbewerber.

  21. Sebastian:

    Auf jeden Fall ein spannender Ausblick. Habt ihr euch nicht zu wenig vorgenommen, gehe ich von aus. Wir werden es auf jeden Fall beobachten. Wie gesagt, ich denke, dass wir vor dem Ablauf von fünf Jahren nochmal miteinander sprechen, wenn er dann eben hier in Europa aufschlagt. Danke für deine Zeit, Alexander.

  22. Intro:

    Vielen Dank für das Gespräch.

  23. Alexander Klose:

    Das war sie also auch, die aktuelle Folge des E-Hand-Podcasts mit Alexander Klose, der uns ein paar Details zu der weiteren Entwicklung von E-Waste mit auf den Weg gegeben hat. Die eine oder andere Neuigkeit war mit am Start. Ich hoffe, du konntest du auffassend mitnehmen. Mehr dazu auf jeden Fall in den nächsten Wochen und Monaten auch bei uns im Portal. Dir vielen Dank fürs Zuhören und ich freue mich, wenn du kommende Woche bei der nächsten Folge des Elektroautonews.net Podcast wieder einschaltest. Mach's gut, bis dahin. Ciao.