Autoclub Europa ACE: E-Autos für alle, nicht nur für Reiche!

Im Gespräch mit Stefan Heimlich, Vorsitzender ACE

Im Gespräch mit Stefan Heimlich für den Elektroauto-News.net Podcast wurden die Pläne und Forderungen des Auto Club Europa (ACE) zur Förderung der Elektromobilität in Deutschland intensiv erörtert. Stefan Heimlich, Vorsitzender des ACE, erläuterte einen detaillierten Fünf-Punkte-Plan des ACE, der auf eine verstärkte staatliche Unterstützung und klare politische Maßnahmen abzielt.

Der erste Punkt des Plans betont die Einführung sozial gestaffelter Kaufprämien für Elektroautos. Diese sollen nach dem Anschaffungspreis und dem Haushaltseinkommen bemessen werden, um insbesondere Normalverdienern den Zugang zu Elektrofahrzeugen zu erleichtern. Heimlich argumentierte, dass die Förderung von Premiumfahrzeugen ineffektiv sei und stattdessen erschwingliche Modelle für den breiten Markt unterstützt werden müssten.

Um diese Prämien zu finanzieren, schlägt der ACE eine CO₂-Abgabe bei der Erstzulassung von Fahrzeugen mit fossilen Antrieben vor. Diese Maßnahme soll erhebliche staatliche Einnahmen generieren, die in die Förderung der Elektromobilität fließen könnten. Parallel dazu forderte Heimlich die schrittweise Abschaffung des Dieselprivilegs, um die Steuerlast zwischen Diesel und Benzin zu harmonisieren und zusätzliche Mittel für die Förderung von Elektroautos zu schaffen.

Ein weiterer wesentlicher Punkt betrifft die Dienstwagenbesteuerung. Heimlich kritisierte die derzeitige steuerliche Begünstigung von Plug-in-Hybriden, da viele dieser Fahrzeuge kaum elektrisch betrieben würden. Der ACE plädiert für eine deutlich höhere Besteuerung von Plug-in-Hybriden und fossilen Fahrzeugen, während reine Elektrofahrzeuge weiterhin steuerlich begünstigt werden sollen.

Schließlich sprach Heimlich über die Einführung einer Sonderabschreibung für Unternehmen, die in Elektrofahrzeuge investieren. Eine solche Abschreibung würde Unternehmen einen erheblichen finanziellen Anreiz bieten, ihre Flotten auf Elektrofahrzeuge umzustellen und somit einen Beitrag zur Reduktion der CO₂-Emissionen zu leisten.

Zum Ende des Gesprächs wurde auch die emotionale Komponente der Elektromobilität thematisiert. Heimlich betonte, dass die Automobilhersteller eine Schlüsselrolle dabei spielen, Elektrofahrzeuge durch attraktives Design und Fahrspaß zu vermarkten. Die Begeisterung der Kunden für die neuen Technologien sei entscheidend, um den Übergang zur Elektromobilität erfolgreich zu gestalten.

Das Gespräch schloss mit einer klaren Botschaft: Die Umsetzung des Fünf-Punkte-Plans des ACE würde nicht nur die Elektromobilität fördern, sondern auch entscheidend dazu beitragen, die Klimaziele zu erreichen und eine nachhaltigere Zukunft zu gestalten.

Shownotes:

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Transcript

  1. Intro:

    Elektroauto News. Der Podcast rund um das Thema Elektromobilität. Mit aktuellen Entwicklungen, Diskussionen, Interviews und vielem mehr.

  2. Sebastian:

    Servus und herzlich willkommen bei einer neuen Folge des Elektro-Auto-News.net Podcast. Ich bin Sebastian und freue mich, dass du diese Woche wieder eingeschaltet hast. In der aktuellen Folge habe ich Stefan Heimlich zu Gast, seines Zeichens Vorsitzender des Auto Club Europa (ACE). Und wir haben uns vor allem über deren staatlich gedenkte Attraktivitätsoffensive unterhalten, die der Autoclub ACE eben von der Politik im Speziellen hier in Deutschland fordert. Fünf Schritte hat man vorgeschlagen, wie man E-Mobilität wieder Auftrieb verschaffen kann. Wir sind auf jeden Schritt einzeln eingegangen, haben uns aber auch zum Ende hin noch über die Diskussion der Strafzölle der EU-Kommission in Richtung China unterhalten und wie Stefan das Ganze einordnet. Von meiner Seite, bevor wir einsteigen, noch der Hinweis, dass ich mich für meine Tonspur entschuldigen möchte. Ich habe hier einen neuen Laptop stehen, Mikrofon angeschlossen. Es hat nicht ganz so ideal funktioniert, wie ich es mir vorgestellt hatte. Das tut mir echt leid. Nichtsdestotrotz wollte ich euch das Gespräch nicht vorenthalten. Von daher haben wir das Beste versucht rauszuholen. Ab kommender Woche wird es dann wieder besser versprochen. Und wir gehen jetzt direkt rein ins Gespräch mit Stefan. Viel Spaß damit.

  3. Sebastian Henssler:

    Hallo Stefan, vielen Dank, dass du dir heute die Zeit nimmst für den elektroauto-news.net Podcast. Wir sprechen heute mit dir über die staatlich gelenkte Attraktivitätsoffensive, die ihr gefordert vom Autoclub ACE. Bevor wir da allerdings einsteigen, stell dich doch gerne mal selbst vor und auch euren Autoclub ACE.

  4. Stefan Heimlich:

    Das mache ich natürlich sehr gerne, Sebastian. Mein Name ist Stefan Heimlich. Ich bin seit 2014 der Vorsitzende von Deutschlands zweitgrößtem Autoclub oder wie wir gerne uns bezeichnen, Europas Mobilitätsbegleiter, weil unsere Gründungsväter uns 1965, als wir gegründet wurden, den schönen Namen Auto Club Europa mitgegeben haben. Aber wir wissen heute im 21. Jahrhundert, Auto ist schön und gut, lieb und nett. Ich fahre es auch sehr gerne. Aber Mobilität geht eigentlich weit darüber hinaus. Und als überzeugte Europäer und Hilfeleistung in ganz Europa beschreiben wir uns selbst immer als Europas Mobilitätsbegleiter, weil wir den Sebastian Henssler in ganz Europa in seiner Mobilität begleiten und Hilfe leisten.

  5. Sebastian Henssler:

    Das hast du schön auf den Punkt gebracht und da freue ich mich natürlich, wenn ihr mich bei meiner Mobilität begleitet und da habt ihr euch ja im aktuellen, ja ich sag mal, wechselnden Markt der E-Mobilität auch geäußert in Richtung Politik und habt gesagt, da muss jetzt mal was geschehen, da muss jetzt mal Klarheit reinkommen und das Ganze habt ihr unter dem Titel staatlich gelenkte Attraktivitätsoffensive gestellt. Magst du das mal ausführen, dass unsere ZuhörerInnen verstehen, worum es da umgeht?

  6. Stefan Heimlich:

    Sehr gerne. Der ACE bekennt sich ausdrücklich zur CO2-klimaneutralen Mobilität und hat als eines von fünf Kernthemen, die wir besetzen und von denen wir überzeugt sind, dass sie die Zukunft sind, das Thema Elektromobilität. Wenn wir hier von Autos reden, meinen wir damit die batterieelektrische Antriebsvariante, weil mittlerweile sich alles andere technologisch und kaufmännisch sowieso erledigt hat. Und insofern ist der Punkt der, dass aus unserer Sicht die spontane Kappung der staatlichen Förderung im Dezember letzten Jahres zwei Jahre zu früh gekommen ist. Wir sehen aufgrund des Markthochlaufes und der Zulassungszahlen, dass es zwei weitere Jahre, 25 und 26, bedarft hätte. um wirklich die elektrische Mobilität weiter hochzufahren. Und da haben wir uns jetzt Gedanken gemacht und einen Fünf-Punkte-Plan entwickelt, wie unter Einhaltung der Schuldenbremse, was ja ein Urteil des Bundesverfassungsgerichtes war, Trotzdem kann man einen Push-and-Pull-Faktor machen, um die elektrische Mobilität im Bereich des Autos voranzutreiben.

  7. Sebastian Henssler:

    Da sind wir jetzt natürlich ganz gespannt, was diese fünf Schritte sind, die ihr angeht. Vielleicht gehen wir sie Stück für Stück durch. Ich hatte mir mal rausgeschrieben, der erste Schritt, so wie wir ihn zumindest bekommen haben aus eurer Pressemitteilung auch und wie er bei uns auf dem Portal gelandet ist, war soziale Kaufprämien gestaffelt nach Anschaffungspreis. Kannst du das ausführen? Was verbirgt sich dahinter? Was habt ihr euch vorgestellt?

  8. Stefan Heimlich:

    Also nicht nur der Anschaffungspreis, sondern es geht einfach, wir möchten gerne nicht die oberen 10.000 mit sehr teuren Premium-batterieelektrischen Autos fördern, denn das sind reine Mitnahmeeffekte. Wir brauchen batterieelektrische Autos. im Volumenmarkt, im A-, B- und C-Segment, wie das so schön bei den Autos heißt. Und deswegen möchten wir auch, dass Normalverdienende sich in Deutschland ein solches Auto leisten können. Deswegen ist der Punkt, dass wir zum einen sagen, eine Förderung sollen Haushalte bekommen, die maximal 60.000 Euro ein Haushaltsbruttoeinkommen pro Jahr haben, in Höhe von 60.000 Euro. Diese Zahl haben wir uns nicht ausgedacht. sondern das ist der Durchschnitt dessen, was in Deutschland verdient wird je Haushalt. Das ist die eine Komponente. Die zweite Komponente habe ich eben schon angerissen. Wir möchten nicht teure Premium-Autos fördern, weil diejenigen, die diese Autos kaufen, das würden das reine Mitnahmeeffekte sein. Und es geht ja immerhin um Steuergeld. Deswegen sagen wir, gestaffelt sollte die Prämie nach dem Anschaffungspreis sein. Und zwar der Deckel sollte liegen bei 35.000 Euro. Was ein Auto kostet, brutto inklusive Steuer, damit wirklich auch das Volumen und das Kleinwagensegment dort bedient werden kann. Und es gilt auch für Gebrauchtfahrzeuge. Ganz wichtiger Punkt, denn es sollte nicht nur um Neuwagen gehen, sondern auch um Gebrauchtwagen. Wie sollte diese gestaffelte Prämie dann aussehen? Wir haben es genau umgekehrt gemacht. Das heißt, je billiger der Mensch, ich mir als Stefan Heimlich meine, ein batterieelektrisches Auto zu kaufen, umso mehr Förderung bekomme ich. Das bedeutet nach unserem Modell bis zu einem Preis von 25.000 Euro kriege ich 5.000 Euro staatlicher Prämie. Und das heißt, ich kann mir ein batterieelektrisches Auto für 20.000 Euro kaufen. Und das ist halt für ein jährliches Durchschnittseinkommen von 60.000 Euro pro Haushalt wirklich ein sehr attraktiver Preis. Ist der Preis höher, nämlich bis zu 30.000 Euro, sind es nur noch 4.000 Euro. Und sind es dann über 30.000 bis zu 35.000 Euro Kaufpreis, sind es dann nur noch 3.000 Euro. Das ist so die Staffelung, die wir uns überlegt haben, damit wir wirklich in den Volumenmarkt reingehen, in den bezahlbaren Markt und das auch für jeden und jeden, die sich so ein Auto leisten können, denn wir alle ja wissen, dass das Interesse nach wie vor ungeheuer groß ist. Es mangelt allein an bezahlbaren Autos.

  9. Sebastian Henssler:

    Wie können wir jetzt vermeiden oder wie wird vermieden, dass OEMs, Automobilhersteller, wenn die wissen, dass es eben so eine Art der Förderung gibt, nicht wieder das on top schlagen würden? Weil die Vermutung hatte man ja beim Umweltbonus. Man hat nach Auslaufen des Umweltbonus auch gesehen, dass die Preise rapide nach unten gegangen sind. Habt ihr euch dazu Gedanken gemacht?

  10. Stefan Heimlich:

    Also solche Möglichkeiten gibt es natürlich immer. Preisbildung ist Sache von Angebot und Nachfrage in diesem Markt. Wir haben keine staatlich verordneten Preise in unserem Gesellschaftssystem, was wir hier haben. Also insofern, ja, das ist ein Faktor, den man einkalkulieren muss. Wenn wir aber sagen, dass es nur noch um einen Kaufpreis von bis zu 35.000 Euro für Neu- oder für Gebrauchtwagen gibt, ist das schon ein ganz starker Anreiz, dass wir in ein sensibles Preissegment reingehen, wo die Margen nicht mehr so unbedingt so hoch sind, als wenn ich in den Preis ging, was wir als völlig falschen Schritt halten, was diese Bundesregierung gemacht hat, nämlich die Grenze für die Förderung nach den alten Systemen auf 80.000 Euro hochzuschreiben. Dafür ist natürlich die Gewinnmarge und damit auch die Frage von Einpreisung viel höher, als wenn ich in den preissensiblen, hart umkämpften Volumenmarkt gehe.

  11. Sebastian Henssler:

    Damit haben wir verstanden, die Grenze gibt quasi vor, wo es sich bewegt. Der Hersteller hat gar nicht diesen Spielraum, wenn er eben diese Gesamtförderung auch für seine Kunden dann abgreifen möchte. Für mich die Frage, wie finanziert sich das Ganze? Wir hatten es vor, beim klassischen Umweltbonus, nennen wir ihn mal so, hatten wir die Thematik der Startartenteile gefördert, der Herstellerartenteil dazu beigetragen. In eurem Modell wäre das jetzt so, wie ich das verstehe zumindest, dass die Bundesregierung komplett einspringt dafür, aus was für einem Top soll das Geld kommen.

  12. Stefan Heimlich:

    Also wir haben insgesamt mit unseren fünf Punkten, wir gehen ja gleich die anderen vier Punkte noch durch und den dritten, zweiten Punkt möchte ich jetzt gerne auch benennen. Wir haben Push and Pull Faktor. Push Faktor ist eben ganz klar eine Förderung batterieelektrischer Autos bis 35.000 Euro mit der Staffelung, die ich gerade erläutert habe, aus die Steuermitteln umzusetzen. Dann ist natürlich völlig klar die Frage, woher soll denn der Staat dieses Geld nehmen? Wir meinen, und das ist der zweite Punkt in unserem Fünf-Punkte-Plan, dass wir eine CO2-Abgabe brauchen bei der Erstzulassung von Autos, die noch mit fossilen Kraftstoffen belastet oder angetrieben werden. Damit käme der Staat auf staatliche Mehreinnahmen von ungefähr 27 bis 33 Milliarden Euro. Bis 2030. Also Geld genug, um aus diesen Einnahmen, die, wenn ich mir einen BMW X5 kaufe mit einem schönen 3 Liter 6 Zylinder Motor von BMW und ich meine, das ist die Zukunft und das macht mich glücklich. Wunderbar. Aber dann muss ich auf diesen Ausstoß von CO2 achten. dann eine Abgabe bezahlen, wie es andere europäische Länder auch haben. Das ist dann wieder Steuereinnahme, die geht wieder an den Staat und die kann dazu verwandt werden, genau im Bereich von bezahlbaren Elektroautos dann eine Förderung auszukehren.

  13. Sebastian Henssler:

    Also ihr verbindet dann quasi Zuckerbrot und Peitsche. Auf der einen Seite ergibt es Zucker, wenn man sich für E-Mobilität, batteriebetriebene E-Mobilität entscheidet und der Verbrenner wird bestraft, nennen wir es mal so, um dann eben auch diesen Fortschritt, die Subventionen für E-Autos zu fördern.

  14. Stefan Heimlich:

    nicht nur als Strafe bezeichnen, das ist eigentlich nicht, sondern es ist ein klassisches Bonus-Malus-System, was es ja auch in vielen anderen Stellen ist. Ein Steuersystem von der staatlichen Seite soll natürlich auch immer Anreize bieten, ein gewisses Verhalten zu belohnen oder ein gewisses anderes Verhalten unattraktiver zu machen. Und das ist halt insofern durch die CO2-Abgabe ganz klar gerichtet. Wenn jemand meint, weiter CO2 in die Luft blasen zu wollen und und er seinen Glückseligkeit daran hängt, ist in Ordnung. Aber wir haben ja auch die Sektsteuer und viele andere Sachen, Kaffeesteuer und viele andere Sachen, die eine gewisse Lenkungswirkung haben. Als weitere Komponente könnte ich da jetzt noch anführen, das zu diesem Bereich, wo generiert der Staat Steuereinnahmen, eine dritte Komponente in unserem fünften Plan, in unserem Fünf-Punkte-Plan einführen möchte, nämlich die stufenweise Abschaffung des Dieselprivilegs. Es ist völlig aus der Zeit gefallen, dass wir heute noch eine unterschiedliche Besteuerung von Benzin und Dieselkraftstoffen haben. Wir möchten gerne, dass das Ganze stufenweise abgeschafft wird, sodass die Menschen sich auch darauf einstellen können, sodass bis zum Kalenderjahr 2030, also in den kommenden sechs Jahren oder fünfeinhalb Jahren, Diese Energiesteuer gleich geschaltet wird, das heißt eine gleiche Besteuerung für Benzin wie Dieselkraftstoff. Auch hierüber gewinnt der Staatsteuer Mehreinnahmen, die dann wieder dazu dienen, batterieelektrische PKWs zu fördern. Und somit ist das Bonus- und Malus-System, was wir uns überlegt haben, rund.

  15. Sebastian Henssler:

    Das bringt ihr ja nochmal ein Stück weit näher zusammen bei eurem dritten Punkt. Den erhattet, würden wir nach der Reihenfolge vorgehen, die Dienstwagenbesteuerung für Verbrenner und E-Autos unterschiedlich zu gestalten oder dann noch deutlicher unterschiedlich zu gestalten. Aktuell haben wir ja eine Besteuerung von 0,25 Prozentpunkten. Wenn man ein relativ günstiges E-Auto fährt, 1 Prozent für den Verbrenner. Und da sagt er aber, da müssen deutlichere Unterschiede her, damit eben auch Flotten, Unternehmer eine klare Entscheidung hin zur batteriebetriebenen E-Mobilität treffen.

  16. Stefan Heimlich:

    Ja, und zwar wir haben da noch eine zweite Komponente dabei, nämlich die sogenannten Plug-in-Hybride. Das ist ja heute so, dass es ein Viertelprozent, ein halbes Prozent und ein Prozent ist, je nachdem, ob es ein Zero-Emission-Vehikel ist, also ein CO2-neutrales Fahrzeug. Auch Wasserstoff ist da ja möglich. Da gibt es ja ein Modell aus Japan zu kaufen weltweit. Und es gibt aber auch Plug-in-Hybride, wenn die bestimmte Kriterien erfüllen, ist es dann ein halbes Prozent oder ein fossiler Antrieb ist mit ein Prozent. Grundsätzlich möchte ich aber sagen, wir möchten an dieser Pauschalbesteuerung, an diesem Struktur, an diesem System möchten wir dem Grunde nach nichts ändern. Das ist das, was sich bewährt hat, was auch dazu dient, letztlich einen Gebrauchtwagenmarkt in Deutschland zu schaffen, dass diese Dienstwagen dann nach zwei- oder maximal dreijähriger Nutzungsdauer als gut ausgestattete Gebrauchtwagen auf den Markt kommen. Deswegen generell an diesem Modell möchten wir nicht rütteln. Aber... Wo wir rütteln möchten, sind natürlich die Prozentwerte. Wir möchten gerne, dass es dabei bleibt, dass es ein Viertelprozent ist, also nur 0,25 Prozent des Bruttolistenpreises zu versteuern ist bei einem batterieelektrischen Fahrzeug, so wie es der Koalitionsvertrag auch vorsieht. Aber Plug-in-Hybride wissen wir selbst aus vielen Umfragen von DEKRA, von Leasinggebern, dass die Kabel zum Laden von Plug-in-Hybriden unausgepackt bei der Rückgabe des Fahrzeugs wieder zurückgegeben werden. Das heißt, die große Masse der Plug-in-Hybrid-Fahrer lädt ihr Auto gar nicht, sondern sie fahren nur mit fossilem Antrieb. Das ist für uns Grund genug zu sagen, auch wenn es sich um einen Plug-in-Hybrid heicht, sollte es genauso wie bei fossilem Antrieb mit zwei Prozent versteuert werden, um auch hier einen Anreiz zu setzen zwischen 0,25% und 2%, je nachdem, ob ich batterieelektrisch oder als Plug-in-Hybrid oder als normalen klassischen Verbrenner fahre. Das ist ein sehr gutes Steuerungsinstrument, gerade für Unternehmen, deren Beschäftigte sich dann natürlich damit auseinandersetzen, was ist mein steuerlicher Vorteil und sich dann halt auch für ein batterieelektrisches Auto entscheiden.

  17. Sebastian Henssler:

    Im Endeffekt wird ja damit dann die Aussage oder der Markt dorthin getrieben, dass Plug-in-Hybride wahrscheinlich komplett von der Straße verschwinden. Weil warum sollten Hersteller doppelte Systeme aufrecht halten, wenn es dann für die Flotten uninteressanter wird?

  18. Stefan Heimlich:

    Ja, das muss jeder Hersteller für sich entscheiden. Vor vielen Jahren galt es ja immer dieser geflügelte Spruch, den der Verband der deutschen Automobilindustrie in die Welt gesetzt hat, dass es eine notwendige Brückentechnologie sei. Aber mit Verlaub, aus unserer Sicht als Auto Club Europa, als Europas Mobilitätsbegleiter, der sich für Elektromobilität ausspricht, ist für uns die Zeit dieser Brücke abgelaufen. Wir schreiben das Kalenderjahr 2024. Wir möchten 2035 aus dem fossilen Antrieb aussteigen und nur noch CO2-neutrale Verbrennungsmotoren oder sonst wie angetriebene Autos in Europa zulassen. Klammer auch, andere Regionen in der Welt haben das ja ähnlich vor. Und von daher ist es jetzt an der Zeit, wirklich den Cut zu machen und zu sagen, entweder im Pkw batterieelektrisch oder ich habe einen Verbrenner, aber dann muss ich auch Nachteile in Kauf nehmen.

  19. Sebastian Henssler:

    Um euren Fünf-Punkte-Plan dann auch noch zum Abschluss zu bringen, fehlt uns noch die Sonderabschreibung für E-Autos, die ihr auch noch mit reingeworfen habt in die Runde.

  20. Stefan Heimlich:

    Weil viele Unternehmen haben ja Fuhrparks. Und viele Unternehmen haben für sich selbst das Ziel gestellt, bis zu einem bestimmten Datum CO2-neutral zu sein. Zum Beispiel wir als Autoclub Europas. Wir sind ja ein Club von unseren Mitgliedern für unsere Mitglieder. Und unsere Mitglieder haben uns auf der letzten Hauptversammlung 2009, Entschuldigung, nicht auf der vorletzten Hauptversammlung, das war schon 2019, ins Stammbuch geschrieben, dass wir als Organisation die CO2-Neutralität als Organisation betreiben. Bis 2030 anstreben wollen. In demzufolge rüsten wir unsere Flotten, unsere Heizungsanlage, unsere Stromgewinnung auf Photovoltaik, auf erneuerbare Energien und so weiter um und rüsten auch unsere Flotte um. Und demzufolge ist es sinnvoll. aus betriebswirtschaftlichen Gründen auch den Unternehmen, die Flotten haben, einen Anreiz zu geben, indem wir sagen, sie sollen eine Sonderabschreibung von 50% im ersten Jahr vornehmen können, wenn sie sich für batterieelektrische oder vollelektrische Pkw in ihrem Fuhrpark entscheiden. Das flankiert sich auch ganz gut, weil jedes großes Unternehmen in Europa ab 2027 aufhört, einen Nachhaltigkeitsbericht vorlegen muss. Das ist eine Komponente im Rahmen des Green Deals. Das, denke ich, wird auch so kommen. Viele Wirtschaftsprüfer, genau wie wir auch, die wir von Wirtschaftsprüfern geprüft werden mit unseren Jahresabschlüssen, gehen ja jetzt schon in die Unternehmen rein und weisen sie darauf hin, dass sie ab 2027 einen solchen Bericht vorlegen müssen. Und da kommt natürlich eine solche Sonderabschreibung, Plankieren wunderbar dazu, dass auch da ein Anreiz besteht. Ja, ich tue was für Klima, ich berichte darüber. Das ist auch ein Alleinstellungsmerkmal, was ich draußen den Kundinnen und Kunden meines Unternehmens bereitstellen kann. Aber es wird mir auch gedankt von Seiten des Staates, dass ich eine 50-prozentige Sonderabschreibung im ersten Jahr habe.

  21. Sebastian Henssler:

    Vielen Dank, Stefan. Dann haben wir jetzt mal eure fünf Schritte abgeholt. Die sind ja jetzt doch alle eher finanzieller, monetärer Natur, wenn man das so sagen kann, oder äußern sich darin alle. Jetzt ist ja die Problematik auch die, das Lackgeld spielt eine Rolle beim Umstieg, weil ihr Autos sind teurer. Aber oft sind ja auch Emotionen ein Thema, weil man eben sagt, ich bin beim Verbrenner verbunden oder ich verbinde da was Besonderes mit. Und wir haben auch das Gefühl bei uns im Portal, dass man Menschen auch auf der emotionalen Ebene ein Stück weit abholen muss. Siehst du das auch beim Start, dass da Aufklärungsarbeit geleistet werden muss? Oder ist das eher ein Thema von den klassischen Automobilherstellern, die eben das Fahrzeug, das E-Fahrzeug an sich attraktiver vermarkten müssen?

  22. Stefan Heimlich:

    Also das ist aus unserer Sicht eher ein Thema, was die Hersteller machen müssen. Die Hersteller sind dazu eigentlich prädestiniert und in der Lage, sie haben ja ein wirtschaftliches Interesse, ihre Produkte loszuwerden. Die möchten ja gerne ein Auto haben, was so sexy und so geil ist, um es auf Deutsch zu sagen, dass die Kunden denen die Bude einrennen und sagen, ich will so eine Karre haben. Und deswegen ist das am ehesten bei den Herstellern verortet. Und sie müssen halt durch Ordnungsrahmen, durch ein Level Playing Field angehalten werden, das im bezahlbaren Segment zu machen und das halt auch so zu machen, dass Flottenbetreiber oder auch Privatkunden Interesse haben, sich solch ein Auto anzuschaffen. Über die Frage Formensprache, über die Frage Beschleunigungswerte, über die Frage Laufruhe, insgesamt auch das Thema, wie laut ist es im Innenraum eines solchen Fahrzeuges. Das müsste viel stärker nach außen gekehrt werden aus unserer Sicht. Es ist schlichtweg ein ruhigeres, ein entspannteres Fahren. Natürlich hatten wir bei unseren Beschäftigten im ACE natürlich auch Vorbehalte. Ich kriege jetzt, wenn ich meinen Diesel rausgehe, kriege ich jetzt ein batterieelektrisches Dienstwagen hingestellt. Kriege ich das alles hin? Und da spiegeln sich natürlich die gesamten Ängste ab. Von wegen Reichweite gibt es die Ladeinfrastruktur und so weiter wieder. Mittlerweile ist das überhaupt kein Thema, weil einfach der Fahrspaß, dass ich den 911er an der Ampel abhänge bis zur nächsten Ampel innerhalb einer Stadt mit meinem Smarty. oder mit wer es für ein Auto auch immer oder ein ID.3 oder einen Tesla oder einen Polestar oder einen EC3 von Citroen, den es ja mittlerweile auch gibt oder viele andere, MG4, MG5 und welche Autos es auch immer gibt. Diese Emotionalität nach dem Motto, es ist toll, es macht Spaß, ich habe... eine Ruhe da drin und dadurch, dass ich so ungefähr alle zweieinhalb bis drei Stunden meine Ladepause machen muss, habe ich auch ein entspannteres Fahren, es fördert die Verkehrssicherheit und insofern ist das Aufgabe der Hersteller, das viel stärker in die Werbung, in das Marketing zu stellen und nicht nur mit der chromblitzenden Alufelge zu ködern.

  23. Sebastian Henssler:

    Das hast du sehr schön auf den Punkt gebracht. Das ist für mich die Frage, ist es auch Aufgabe der Hersteller, sich gegen chinesische Marktbegleiter zu behaupten, Oder ist es eine Aufgabe von der EU-Kommission, zu sagen, wir regulieren den Markt über Strafzölle? Habt ihr da eine Meinung dazu?

  24. Stefan Heimlich:

    Aus Sicht der Verbraucherinnen und Verbraucher habe ich ja eben schon deutlich gemacht, wir möchten in das Volumensegment rein. Wir möchten keine Premium- und teuren Autos fördern, weil das soll sich kaufen. Wer das Geld dazu hat, der braucht keine staatlichen Gelder dafür. Das wiederum bedeutet und hat uns zu der Positionierung gebracht, dass wir uns strikt gegen staatliche oder europäische Strafzölle aussprechen auf chinesische Autos. Wettbewerb tut gut. Wir erleben das immer wieder, wenn wir im Automarkt sind, wenn wir im Einzelhandel sind. Gehe ich zu Aldi, zu Lidl, zu Kaufland, zu Rewe, zu Edeka, wo auch immer. Wettbewerb sichert eine vernünftige Preisgestaltung und verhindert Monopolpreise und damit Übergewinne, die es ja in einigen Bereichen gibt. Von daher sind wir gegen künstlich hochgesetzte Preise, weil sie den Markthochlauf von Elektromobilität hemmen würde, sondern wir sind geradezu angewiesen, wenn wir das Ziel von 15 Millionen elektrischen Autos 2030 haben, so wie es im Koalitionsvertrag steht, dann sind wir angewiesen auf bezahlbare batterieelektrische Autos. Und wenn sie aus China kommen, ja dann ist das so, dann müssen sich die europäischen und deutschen Hersteller eben strecken und sehen, dass eben nicht wie VW jedes Jahr auf neue den ID.2, den ID.1 nach hinten verschiebt von 2025 auf 26, momentan ist es auf 2027. ja sorry, das ist, wenn die meinen, das ist ihr richtiger Weg, dann straft sie der Markt eben ab. Die Verbraucherinnen und Verbraucher werden dann eine andere Kaufentscheidung treffen.

  25. Sebastian Henssler:

    Dann ist das so. Dann sage ich mal vielen Dank für die klaren Worte. Ich glaube, besser kann man einen Podcast jetzt hier auch nicht beenden, als mit so einer klaren Aussage. Von daher vielen Dank, Stefan, für deine Zeit, für die Einblicke auf euren Fünf-Schritte-Plan des Autoclub ACE. Und ich bin gespannt, was davon umgesetzt wird. Hoffentlich fünf von fünf, damit wir mit der E-Mobilität hier in Deutschland und Europa weiter nach vorne kommen. Aber ich habe die Befürchtung, dass es nicht ganz fünf Schritte werden, die davon komplett umgesetzt werden.

  26. Stefan Heimlich:

    Wir sind jedenfalls dran. Wir haben mit dem Bundesverkehrsminister, wir reden mit der gesamten Bundesregierung sowieso. Aber wir sind natürlich als Auto Club Europa auch auf der europäischen Ebene aktiv und reden mit dem Europäischen Parlament, sowohl in der alten Legislatur als auch jetzt mit den neuen Abgeordneten und wollen sehen, dass wir für die Verbraucherinnen und Verbraucher das Thema Elektromobilität ganz oben auf der Prio 1 halten. damit wir den Klimawandel hinkriegen, damit wir mehr Fahrspaß am Autofahren haben. Denn ich kann nur eins sagen, und das ist jedem immer wieder die neue Erfahrung, wenn die Menschen einfach so ein Auto mal ein Wochenende gefahren haben, sie steigen mit einem Grinsen aus und sie werden sich ein solches Auto kaufen, weil es einfach viel, viel Freude bereitet.

  27. Sebastian Henssler:

    Da habe ich noch eine schöne Anekdote, die ich einschieben mag. Und zwar war ich letztens mit dem Geschäftsführer von Alpine, der Performance-Markt von Renault, zusammengestanden. Und da war dann eben auch meine Frage, wie überzeugt man denn eben die Verbrennerliebhaber von Alpine? Und er hat gesagt, der Antrieb ist überhaupt kein Thema mehr, weil die fahren zwei Minuten mit dem Fahrzeug und dann ist denen der Antrieb egal, beziehungsweise sie sehen die Vorteile. Und das spiegelt ja genau deinen Punkt wider. Ja.

  28. Stefan Heimlich:

    Genau, und wenn das sich dann auch noch Monat für Monat in der Betriebskostenabrechnung niederschlägt, dass ich halt nicht mehr Olivenöl da als Motoröl da wechseln muss und 700 Euro dafür ausgebe, allein für das Öl, dass ich keinen Auspuff habe, keine Steuerkette, keine Zündkerzen und ähnliches mehr, was sich alles auf der Rechnung widerstickt, wie ich da regelmäßig den Werkstätten ins Hals schmeißen muss. Dann merken die Menschen, es ist nicht nur eine Freude am Fahren im wahrsten Wortsinne, sondern es rechnet sich in meinen Portemonnaie und dann werden sie dabei bleiben.

  29. Sebastian Henssler:

    Vielen Dank für deine Zeit, Stefan. Sehr gerne.

  30. Sebastian:

    Bis demnächst. Qualität brauchen wir natürlich nicht diskutieren, die ist stark verbesserungswürdig. Aber die politische Attraktivitätsoffensive vom Autoclub ACE ergibt teilweise zumindest schon Sinn, würde ich behaupten. Kommt halt immer auf die Umsetzung in der Realität an, ob man das dann auch tatsächlich so leben kann, wie man sich das in der idealen Welt vorstellt. Aber das wird man ja sehen, wenn der ACI das Ganze politisch noch ein Stück weit weiterfordert, einfordert im Gespräch und im Austausch ist, ob das dann glückt, was wir davon schlussendlich dann auch umgesetzt auf der Straße sehen. Für die E-Mobilität wäre es natürlich förderlich. Dir vielen Dank fürs Zuhören. Wie gesagt, in der nächsten Folge mit einer besseren Soundqualität wieder. Und freue mich, dass du da auch wieder einschaltest. Mach's gut. Bis dahin. Ciao.