Warum E-Mobilität auch in Afrika zum Standard wird

In der neuen Podcast-Folge spreche ich mit Stefan Heimlich, einem profunden Kenner der Elektromobilität. Stefan bringt nicht nur jahrzehntelange Branchenerfahrung mit, sondern war zuletzt in mehreren afrikanischen Ländern unterwegs und hat dort Entwicklungen gesehen, die in Deutschland viele überraschen dürften.

Zu Beginn steigen wir direkt in das Thema Technologieoffenheit ein – ein Begriff, der in Deutschland gerne als Lösung für alle Probleme genutzt wird. Stefan ordnet das differenziert ein und macht deutlich, dass es stark auf das Segment ankommt. Besonders klar wird es im Kleinwagensegment: Hyundai verabschiedet 2026 den i10 und ersetzt ihn durch den rein elektrischen Inster. Für Stefan ist das ein Beispiel dafür, dass „Technologieoffenheit im Kleinwagensegment überhaupt keinen Sinn macht“, weil parallele Antriebsentwicklungen wirtschaftlich schlicht nicht tragbar sind. Premiumsegmente könnten das eventuell noch eine Zeit lang leisten, aber dort endet es für ihn auch schon.

Spannend wird es, als Stefan seine Eindrücke aus Afrika teilt. Ein Kontinent, der oft unterschätzt wird, aber enorme Dynamik entwickelt. Von Marokko über Ägypten bis Kenia und Südafrika zeichnet er ein Bild von Ländern, die sich längst auf den Weg zur Elektromobilität gemacht haben – aus ökonomischen Gründen, aus industriepolitischen Motiven und aus gesellschaftlichem Druck einer jungen, gut ausgebildeten Bevölkerung. Marokko baut bereits Batteriefertigung und Ladeinfrastruktur auf, Ägypten hat klare Elektrifizierungsziele für 2040, und Äthiopien hat den Import von Verbrennern bereits seit 2024 verboten. Viele asiatische Player sind dort aktiv, Stellantis ebenso. Deutsche Hersteller spielen preislich kaum eine Rolle.

Dabei kommt ein entscheidender Vorteil ins Spiel: erneuerbare Energien. Stefan beschreibt, wie Solar, Wind und vor allem Geothermie den Strom in vielen Ländern unschlagbar günstig machen. In Kenia stammen schon rund 90 Prozent der Energie aus diesen Quellen. Elektrische Motorräder – sogenannte Boda Bodas – dominieren dort inzwischen das Straßenbild, weil sie deutlich günstiger im Betrieb sind. Stefan berichtet: „Die kriegen das Grinsen gar nicht mehr aus dem Gesicht, weil sie schlicht mehr verdienen.“

Dass Elektromobilität dort funktioniert, liegt aber auch an der Infrastruktur. Nairobi, Mombasa oder Addis Abeba bauen Ladepunkte kontinuierlich aus – und das oft pragmatischer als wir es aus Europa kennen. In ländlichen Regionen lösen Solar-Kits teure Netzanschlüsse ab. Motorräder und Tuk-Tuks werden schnell elektrifiziert, Matatus – die typischen Shuttlebusse – folgen bereits, unterstützt durch neue Fertigungsstätten vor Ort.

Mindestens genauso beeindruckend ist, wie weit viele afrikanische Länder bei digitalen Services sind. Stefan erklärt, dass man dort seit 20 Jahren mit M-Pesa bezahlt – lange bevor Smartphones überhaupt verfügbar waren. Bargeld ist kaum noch relevant, Behördengänge laufen digital und deutlich effizienter als hierzulande. Für ihn ist das dritte große Momentum der Mobilitätswende: Energie, elektrische Antriebe und Digitalisierung greifen ineinander.

Nigeria, eigentlich bekannt als Erdölnation, schlägt inzwischen eine ähnliche Richtung ein. Die Regierung will elektrische Antriebe fördern, um Luftqualität zu verbessern und lokale Produktion aufzubauen. Hersteller wie Gogo Electric aus Uganda expandieren dorthin und eröffnen neue Werke. Dass E-Autos auch im Alltag funktionieren, zeigt Stefans Beispiel eines Uber-Fahrers in Nairobi im MG4, der ihm sagte: „Der fährt einfach, ist günstiger im Unterhalt – und im städtischen Sprint bin ich immer vorne.“

Am Ende bleibt eine klare Botschaft: Während in Europa oft noch diskutiert wird, entscheiden sich andere Regionen längst praktisch. Märkte für Verbrenner schrumpfen weltweit, und der Preisvorteil elektrischer Modelle wird immer deutlicher. Stefan bringt es mit seinem Appell zum Schluss auf den Punkt: „Diesen Pragmatismus täte uns in Deutschland auch gut.“ Nun aber genug de

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Transcript

  1. Intro:

    Elektroauto News. Der Podcast rund um das Thema Elektromobilität. Mit aktuellen Entwicklungen, Diskussionen, Interviews und vielem mehr.

  2. Sebastian:

    Ich bin Sebastian und freue mich, dass du diese Woche wieder mit am Start bist. In der aktuellen Folge habe ich Stefan Heimlich zu Gast. Ja, schon jahrelanger, jahrzehntelanger Experte im Bereich der Elektromobilität und im Automobilbereich. Wir haben uns heute unterhalten über, wer hätte es geahnt, E-Mobilität, aber nicht hier in Deutschland oder Europa, sondern in afrikanischen Ländern, wo eben E-Mobilität auch ihren Aufschwung erfährt. Dort vor allem im E-Motorrad-Bereich, aber auch E-Autos finden immer mehr ihren Weg dort auf die Straße. Nicht zuletzt dank erneuerbarer Energien, die dort eben entsprechend gut genutzt werden können. Wir gehen direkt rein ins Gespräch mit Stefan. Viel Spaß damit. Servus Stefans, freut mich, dass du heute hier wieder bei uns im Elektro-Auto-News-Podcast zu Gast bist und wir uns mal wieder über das Thema E-Mobilität natürlich unterhalten können. Da hast du ja einiges an Erfahrung mitgebracht und ja auch schon erleben dürfen als Reisender in diesem Umfeld und als jemand, der das auch getrieben hat. Ein Schlagwort, was hier natürlich in den letzten Wochen und Monaten des Öfteren fällt, vor allem in Deutschland, ist das Thema Technologieoffenheit. Das scheint ja so der Ausweg zu sein, sich nicht auf die Batteriebetrieb-Immobilität zu stützen, den Weg weiter voranzuschreiten. Wie siehst du es hier aktuell in Deutschland und vielleicht später auch in anderen Teilen der Welt?

  3. Stefan Heimlich:

    Ich will mal etwas differenzierter beginnen, indem ich einfach mal die einzelnen Fahrzeugsegmente kategorisiere. Wir haben ja das Kleinwagensegment, die Limousinen, SUVs, wir haben Sportwagen, Cabrios und vieles mehr bis zu den Premiumfahrzeugen. Und ich will die Frage mal beantworten mit der sinngemäßen Zitierung des Hyundai-Chefs. der nämlich gesagt hat, dass sie den Hyundai Kleinwagen i10 2026 vom Markt nehmen werden, weil er das so begründet hat, dass Technologieoffenheit im Kleinwagen-Segment überhaupt keinen Sinn macht, und zwar aus wirtschaftlichen Gründen. Die Rolle im Hyundai-Konzern eines kleinen Stadtwagens soll der Hyundai Ilster ausfüllen, also ein batterieelektrisches Fahrzeug. Und es macht betriebswirtschaftlich für sie keinen Sinn, in zwei Strängen zu investieren und Motor- und Antriebsentwicklung voranzutreiben, nämlich einmal die Verbrennerseite und einmal batterieelektrisch. Die Hyundai ist ganz klar, die Zukunft ist batterieelektrisch und deswegen wird im Kleinwagen-Segment der Insta als batterieelektrisches Auto die Kleinwagenrolle füllen. Gucken wir uns mal andere Kontinente an. So ist einfach festzustellen, Asien hat jeder von uns schon mal gehört, mit China, Korea, Japan etwas verhalten. Aber gucken wir uns doch mal unseren südlichen Nachbarkontinent an, Afrika. Und da war ich jetzt auch wieder unterwegs. Da kommen wir sicherlich noch gleich drauf auf das große Event der African E-Mobility Week in der zweiten Oktoberwoche in Addis. Und auch das, was sich in anderen Ländern der 54 afrikanischen Staaten so tut, da wird der Markt immer enger. Und ich will eine Botschaft gleich am Anfang setzen. Nämlich die Debatte über Technologieoffenheit zwingt die Automobilkonzerne in mehrere Antriebsstränge zu investieren. Das mag sich für eine gewisse Zeit im Premiumsegment noch auszeichnen und sich vielleicht lohnen. Ich brachte ausdrücklichen Fragezeichen hinter. Aber vielleicht mag es sich im Premiumsegment auszeichnen. Aber in den Volumensegmenten ist das einfach betriebswirtschaftlicher Unsinn. Wir zwingen diese Konzerne zu Investitionsentscheidungen, die in einem immer kleiner werdenden Markt stattfinden. Weltweit immer kleiner werdenden Markt an Verbrennerfahrzeugen. Weil immer mehr große Städte, auch in Europa, die Zufahrt für Verbrenner reduzieren, als auch ganze Länder mittlerweile mit dem Thema Verbrenner aus, was es ja so nicht gibt. Es geht um Emissionen, aber unter diesem Schlagwort wird die Diskussion geführt. Wird der Markt an Verbrennerfahrzeugen weltweit immer kleiner? Das bedeutet, die Absatzchancen werden immer kleiner. Und da muss man sich genau überlegen, ob das wirklich für die Unternehmen die richtige Strategie ist.

  4. Sebastian:

    Hast du eben gerade einen wichtigen Punkt angesprochen, weil was man ja auch hört aus der Automobilindustrie oder zumindest, sag mal, was wir auch rückgespiegelt bekommen auf unseren Portalen, auch auf LinkedIn, ist die Rückmeldung, ja, man darf nicht immer nur auf Deutschland und China blicken, sondern der Rest der Welt fährt eben noch Verbrenner und das noch jahrzehntelang sozusagen. Afrika ist dann ein bemühtes Beispiel sozusagen und jetzt kommst du hier auf einmal an und sagst, nee, auch die machen anscheinend E-Mobilität. Also wie siehst du das? Wie hast du es vor Ort gesehen?

  5. Stefan Heimlich:

    Nun ja, gucken wir erstmal auf den gesamten Kontinent. 54 Staaten sind dort vertreten auf diesem afrikanischen Kontinent. Wir reden immer nur von Europa und auch in Deutschland von Afrika, aber nur nochmal zur Größenordnung. Das sind dreimal so groß wie die Vereinigten Staaten von Amerika. 1,3 Milliarden Menschen werden dort demnächst leben. Eine sehr junge Bevölkerung, gut ausgebildete Leute. die jetzt auch auf die Straßen gehen, das haben wir in den letzten Jahren auch erlebt, jetzt auch ganz aktuell in Tansania, die dort auf die Straße gehen, die Generation Z, die sagt, wir sind gut ausgebildet, wir möchten eine Zukunft und die Regierungen in vielen Ländern der afrikanischen Staaten reagieren darauf, dass sie sagen, wir wollen weg vom reinen Rohstofflieferanten, Hin dazu, dass wir Wertschöpfung im eigenen Land und Industrieproduktion im eigenen Land ansiedeln. Und dann sind wir schon unmittelbar bei dem Thema Automobil, Automobilindustrie und ihre Zulieferung. Gehen wir mal von links oben des afrikanischen Kontinents kurz mal mit zwei, drei Punkten runter. Gucken wir uns mal an Marokko. Marokko ist ein großer Standort für Automobilproduktion mit Zulieferern, mit Batteriefertigung. Die haben Ladeinfrastruktur, nicht nur Tesla Supercharger, sondern auch andere, alle paar Kilometer. Ich bin sie selbst schon gefahren. An der Autobahn habe ich Ladestationen, in den großen Städten habe ich Ladestationen. Die haben eine ganz klare Strategie. Gehen wir mal auf die nordöstliche Seite des Kontinents, also von Marokko, Atlantikküste ans Rote Meer. Dort ist Ägypten. Ägypten hat eine klare Strategie, bis 2040 das Ganze umzustellen auf elektrisch. Ganz einfach. Warum? Weil sie halt auch Wertschöpfung ins Land holen wollen und darüber halt auch gute Arbeitsplätze für ihre wachsende Bevölkerung und insbesondere für die jugendliche Bevölkerung dort aufbauen wollen. weil sie damit halt zum einen ihre Regierung stützen wollen, aber halt auch mehr Einnahmen erreichen jenseits vom Tourismus. Gehen wir ein Stück tiefer, Ostafrika, nicht Ostafrika, Entschuldigung, gehen wir ein Stück tiefer, Und dort ist Äthiopien. Äthiopien hat schon seit 2024 den Importverbot von Verbrennerfahrzeugen. Geht man in Addis durch die Stadt und geht da in die Ausgangsausfallstraßen, Entschuldigung, in die Ausfallstraßen, dann erlebt man dort Shoppings, Melts und Shops von Autoherstellern. die wir hier in Deutschland zum Teil noch gar nicht gehört haben. Da sind alle chinesischen und asiatischen Player vertreten. Und die bieten natürlich in einem Preissegment an, wo für deutsche Autos momentan kein Platz ist. Abgesehen mal, dass wir in Deutschland gar nicht diese Wagen haben. Stellantis ist allerdings mit seinen Submarken auch vertreten. Stück tiefer ist Ostafrika, können wir gleich nochmal vertiefen, eine klare Strategie auch von Kenia, etwas weniger in Tansania. Und gucken wir jetzt mal ganz runter in die Südspitze und dann will ich den Kursor über den afrikanischen Kontinent auch bleiben lassen. Das ist halt Südafrika, auch die sind jetzt dabei. Dort sowohl Produktion von Autos aufzubauen, da wird zum Beispiel das von Toyota angekündigte elektrische Variante des Hilux eine große Sprolle spielen, weil der in Südafrika ein sehr populäres Fahrzeug, ein großes Massenfahrzeug ist, ein Volumenmarkt. Und das wird da eine große Rolle spielen. Und die sind dabei, ihr Energienetz zu ertüchtigen. Nur für diejenigen, die jetzt einwenden, die haben doch da Stromcuts. Ja, das haben die. Aber das wird jetzt gerade in Ordnung gebracht. Also von daher, es geht quer durch den Kontinent. Ich könnte noch einige andere Länder auffüllen. Aber das würde jetzt den Zeitrahmen springen. Also, der südliche Kontinent Afrika, unser Nachbar, ist auf dem Weg zur E-Mobilität. Auch dort wird der Markt für Verbrennerfahrzeuge immer kleiner. Natürlich. Diejenigen Fahrzeuge, die im Markt sind, Klammer auf, ähnlich wie in Europa auch, 2035, Klammer zu, die, die zugelassen sind, dürfen weiterfahren, aber irgendwann fallen sie halt auch auseinander und dann ist der Drop gelutscht.

  6. Sebastian:

    Man hat ja einen unschlagbaren Vorteil, glaube ich, den man ja auch noch erwähnen darf. Erneuerbare Energien haben da wahrscheinlich auch einen ganz anderen Stellenwert, gerade wenn wir jetzt auf entsprechenden Sonnenstrom blicken. Hat man dann eine wesentlich bessere Ausgangslage wahrscheinlich als bei uns hier in Deutschland und das wird ja Hand in Hand auch gehen dann in der Entwicklung, oder?

  7. Stefan Heimlich:

    Ja, also das ist richtig. Wenn wir über Elektromobilität sprechen, heißt das immer, dass wir eine Seite der Medaille auch schauen müssen, wo kommt eigentlich der Strom her. Im Prinzip ist es so, dass die afrikanischen Länder sehr stark auf drei Quellen setzen, quer durch den Kontinent, wo ihr Strom herkommt. Das eine ist natürlich Solar. Klar, jeder von uns weiß, Afrika, viel Sonne, heiß. Klammer auf, was nicht so ganz stimmt, aber im Großen und Ganzen haben die halt viele mehr Sonnenstunden als Europa. Also Solar ist eine Quelle. Zweite große Quelle ist Wind. Gerade an den Küsten, gerade in den Bergen oder bergigen Regionen, da weht es ganz ordentlich. Deswegen ist Wind die zweite Punkt. Und der dritte Punkt, das wird manche vielleicht überraschen, aber das ist Geothermie. geradeauf entlang des Riftvalleys. Und der geht ja im Prinzip von Malawi hoch bis Äthiopien im Norden. Das Riftvalley zieht sich ja auf der Ostseite quer durch den Kontinent. Da gibt es Möglichkeiten, Geothermie abzuschöpfen. Und insofern, wenn man jetzt mal nach Kenia kommt, wo ich jetzt gerade erst vor 14 Tagen war, 90% ihres Stroms kommt von Geothermie, Solar und Wind. Der größte Teil allerdings von Geothermie. Ein bisschen dann noch von Wasser. Da, wo große Flüsse auf dem Kontinent sind, wird auch Wasserkraft verwendet. Und dieser Preis ist halt unklagbar günstig. Und das ist auch ein volkswirtschaftliches Motiv dieser Länder. Nämlich zu sagen, wir müssen die Abhängigkeit von den erdölexportierenden Staaten, also von der OPEC, runterfahren, weil die möchten nämlich gerne das Beste, was wir haben, das sind US-Dollar. Aber der kenianische Schilling, der tansanische Schilling, der südafrikanische Rand oder der Bir in Äthiopien ist nicht gerade eine stabile Währung. Das kostet die eine Unsummen von ihrer eigenen regionalen, landesweiten Währung dann in US-Dollar zu wechseln und das dann in US-Dollar zu bezahlen. Von daher gibt es auch das volkswirtschaftliche Interesse, diese Kosten, diesen Geldabfluss in harter Währung zu reduzieren. Gleichzeitig haben sie günstigen Strom. Ich habe mit Boda-Boda-Fahrern in Nairobi letztens gesprochen und die kriegen das Grinsen gar nicht mehr aus dem Gesicht heraus, weil sie mit ihren elektrischen Motorrädern dort unterwegs sind, weil sie sagen, der Preis, den ich bekomme für eine Strecke, Ist gleich, egal ob ich mit einem Benzinmotorrad oder mit einem elektrischen Motorrad fahre. Aber, und deswegen freuen die sich so, Wenn sie mit einem elektrischen Motorrad fahren, sind sie ungleich billiger. Das heißt, sie verdienen mehr. Und deswegen freuen die sich. Und deswegen gehen dort auch die elektrischen Boda Bodas, also die elektrischen Motorräder, gehen dort ab wie Schmidts Katze. Die werden dort aus den Händen gerissen. Und die sieht man überall im Straßenbild und die werden genutzt.

  8. Sebastian:

    Das ist wunderbar zu sehen. Und vor allem, wo es mich daran erinnert hat, als du es eben ausgeführt hast, so ein Stück weit China-Vibes irgendwo, die auch verstanden haben, okay, in dem einen Bereich können wir nicht mehr mitspielen. Wir wollen jetzt aber mehr Expertise, mehr Technologietiefe bei uns im Land versammeln. Sprich, wir richten uns da klar und deutlich aus. Der gleiche Schritt scheint jetzt hier auch stattzufinden und vorangetrieben zu werden. Und das scheint ja auch nur ein Spiel auf Zeit zu sein. Und dann werden die Märkte halt auch am Ende des Tages nicht mehr vorhanden sein in dem Ausmaß, wie man es doch noch erhofft, vielleicht auch von deutschen Herstellern irgendwo in der Welt Verbrenner auf den Markt zu bringen oder zu veräußern.

  9. Stefan Heimlich:

    Gerade die deutsche und europäische Automobilindustrie ist geprägt von Premium-Fahrzeugen, von der hervorragenden Ingenieurkunst im Verbrennungsmotor und im Antriebssystem. Gar keine Frage. Die Chinesen, und das ist sozusagen die Vorreiter in dieser Frage, aber auch andere, die machen es uns vor. Beispielsweise die Türken mit ihrer neuen Autoindustrie TOG oder auch die Vietnamesen mit VinFast, die machen es uns vor. Wir bauen einfach unkomplizierte klassische Volumenmodelle, die preisgünstig sind, damit unsere Leute diese Autos auch kaufen können. Und von daher ist der Punkt, irgendwann wird auch der soziale Stellenwert, den insbesondere wir in Deutschland mit dem Auto verbinden, Herrgott, mein Nachbar, schau mal her, was ich mir für ein heiliges Blech leisten kann, das nimmt ab. Es kommt zu einem pragmatischen Umgang mit diesem Verkehrsmittel. Und dann ist es einfach nicht mehr so wichtig, ob der Spaltmaß wirklich auf den Zehntel Millimeter passt und der Kofferraumdeckel da in Ordnung ist. Er tut es, er funktioniert, es ist preisgünstig und dafür nehme ich dann auch in Kauf, dass der Deckel nicht so ganz die Fuge parallel ist, wie ich es vielleicht von einem Premium-Modell aus Deutschland und deutscher Produktion gewohnt bin. Das heißt, der Markt wird enger und irgendwann mal, wenn ich mir den XEAMUI XU7 anschaue, diesen schönes Auto, Ja, dann muss ich einfach sagen, ist mir der Doppel- oder Dreifacherpreis von einer deutschen Produktion das Geld wirklich noch wert? Oder sage ich, ne, ist auch schick, kann ich auch in ein paar Sekunden von 0 auf 100 beschleunigen. Im Übrigen, die ganze Welt mit ganz wenigen Ausnahmen wie Nordkorea oder Albanien hat sowieso ein Tempolimit auf Autobahnen. Die Beschleunigung innerhalb des Stadtverkehrs ist entscheidend und da kann ich mit einem Smarty, mit einem kleinen Insta jeden 9-11er in Stuttgart an der Ampel abhängen, weil ich bis zur nächsten Ampel der Erste bin.

  10. Sebastian:

    Die Erfahrung habe ich in meinem ersten Jahr der E-Mobilität auch mal dürfen, damals mit dem alten Smart noch, dem Porsche 911, nebendran an der Ampel. Der hat, zumindest die ersten 50 Meter war er hinter mir, dann hat er aufgeholt, aber das war es trotzdem wert und das war für mich so der emotionale Moment, wo ich gesagt habe, wer braucht denn da dann noch diese großen Kachen? Natürlich haben die auch ihre Berechtigung und dass das Interesse emotional dafür verbunden ist, ist auch klar, aber so wie du sagst, es findet auch da ein Wandel statt und ich denke auch, umso schneller der stattfindet weltweit, geht das ja auch in den Köpfen voran. Dann wird man ja auch irgendwann sagen, also ich meine, das beste Beispiel für mich, als das Rauchen in Gaststätten und in Bars verboten wurde, ich kenne niemand mehr, selbst von meinen rauchenden Freunden sozusagen, die sagen, die vermissen das. Im Gegenteil, es ist einfach gegeben und es fällt eher negativ auf, wenn da jemand rauchend unterwegs ist und sich dann direkt neben dem Essen hinsetzt damit. Und genauso wird es mit dem Verbrenner sein, in meiner Meinung, weil wenn ich dieses leise Fahren mal der was trotzdem Emotionen vermitteln kann und habe den Vortrieb und auch immer mehr ausreichend Reichweite und Ladegeschwindigkeit, dann werde ich das alte, in Anführungsstrichen stinkende Fahrzeug nicht mehr vermissen.

  11. Stefan Heimlich:

    Das ist wohl richtig und auch dort nochmal ein Blick jetzt mal ganz aktuell von meiner Exkursion nach Kenia rein, weil die da wirklich Speerspitze sind, da kommen drei Momente zusammen. Ein Momentum habe ich gerade schon erwähnt, das ist die Energieversorgung aus regenerativen Energien, die unschlagbar billig sind im Verhältnis zum importierten Erdöl. Das zweite Momentum ist schlicht und ergreifend die Frage einer sicheren Stromversorgung und Ladeinfrastruktur. Fährt man durch Nairobi, fährt man durch Mombasa und noch ein paar kleinere, aber trotzdem für kenianische Verhältnisse größere Städte, die haben Ladeinfrastruktur und die bauen die auch weiter auf, weil mit dem Aufwuchs von Elektroautos muss auch die Ladeinfrastruktur aufwachsen. Das ist eine Binsenweisheit, auch das wissen die. Und das machen die auch. Also insofern, das läuft. Der dritte Punkt in der Frage Ladeinfrastruktur ist etwas Besonderes. Die kenianische Regierung und Kenia Power, der Energieversorger, der staatliche, die verteilen recht preisgünstig Modelle in die ländlichen Gebieten. mit sogenannten Solarkits, um dort halt wirklich auch in den ländlichen Gebieten nicht erst teure Oberleitungen hinzubauen, kostet ein Schweinegeld, sondern die sagen, nee, ihr kriegt von uns Solarkits, macht die auf euren Häusern drauf und dann habt ihr Strom, erstens fürs Handy, das ist genauso wichtig für die junge Generation wie für uns, zweitens Ihr habt Strom für den Kühlschrank und natürlich für den Fernseher. Und jetzt kommt es, neue Version, damit könnt ihr euer Motorrad damit auch laden. Und das geht ganz gut, weil das nicht mit Hochvoltantechnik geht, wie bei einem Auto. Auto spielt dort im Privatsektor eine ganz untergeordnete Rolle. Im Model Split ist das Motorrad ganz klar die Nummer 1. Die Nummer 2 in Verteilung ist das TukTuk, das Dreirad. Auch das wird elektrifiziert. TVS ist der größte Marktplayer. Die haben im letzten Jahr auch dort eine elektrische Varianze ihres TVS präsentiert. Geht jetzt in den Verkauf. Kommt also. Danach sind es die Matatus. Unter diesem Begriff haben wir das alle gehört. Das sind so Größenordnung Transporterfahrzeuge, die zum Personenbeförderung dort von Dorf zu Dorf und innerhalb der großen Städte verbrannt werden. Dort ist eine Partnerschaft eingegangen mit einem chinesischen Hersteller. Vor den Toren von Nairobi ist dort die große Fabrik, die werden gerade ausgerollt, die nennen sich Bazi Go. Und das sind vollelektrische Matatus, sehen aus wie normale, sind aber strombetrieben, Ladung reicht für einen Tag an Betrieb und dann ist das ganze Thema durch. Der dritte Momentum ist, auch da gucken wir mittlerweile in Deutschland rauf und der Punkt ist, ich will Nummer eins sagen, das ist das Thema Digitalisierung und digitale Services. Als Gast in diesem Land habe ich mir eine e-Citizen-Account geholt, also eine elektronische Bürgerplattform, ein Account, eine Plattform und damit habe ich Zugang zu allen Dienstleistungen in Kenia. Das heißt, während wir hierzulande jetzt noch ganz groß verkünden, dass ich jetzt die Kfz-Zulassung elektronisch machen muss, ohne dass ich zum Amt muss. Entschuldigung, ich bin jetzt gerade aus Kenia zurück. Ich habe die Zeit über kein einziges Mal Bargeld. Ich habe keine kenianischen Schillinge. Ich habe das alles mit meiner M-Pesa-Account und mit meiner Kreditkarte im Telefon kontaktlos bezahlt. M-Pesa ist deswegen der dritte Stickwort. Digitalisierung ist in den Ländern schon weit mehr als das, was wir in Deutschland haben. Die nehmen sich als Vorbild eher die Spaltikum und so weit sind die auch schon. Und du mal das Punkt, was ich gerade gesagt habe mit M-Pesa, Mobile Pesa. Pesa ist das Suaheli-Wort für Geld. Das heißt, die Philosophie, und das jetzt kommt, existiert schon seit über 20 Jahren. 2004 wurde das installiert, also weit vor einem Smartphone. Damit sind wir noch mit den Nokia-Knochen rumgelaufen. Und die Philosophie dahinter war, mit einem Zahlencode soll die Geldüberweisung so einfach sein wie ein SMS-Schreiben. Und so ist es auch. Das heißt, mit meinem Peso-Account gebe ich einfach die achtstellige Ziffernfolge des Ladens an, wo ich gerade Lebensmittel gekauft habe oder meines Boda-Boda-Taxis, wo ich hinten drauf gesessen habe. Wenn man da mal im Straßenverkehr aufmerksam umsieht, sieht man das. Da steigt der Tag, der beförderte Mensch steigt vom Motorrad runter, zückt sein Telefon, gibt dort den Code ein des Boda-Boda-Fahrers drückt den Betrag auf den Knopf und innerhalb von Sekundenbruchteilen sagt der Bruder, Bruder, Fahrer, yo, ich hab das Geld von mir dir bekommen, hab noch einen schönen Tag und fährt davon und nimmt den nächsten Reisenden mit. Bargeld ist out, hat Sicherheitsgründe, hat Produktionsgründe, denn Geld manuell zu drucken in einer Druckerei, Vorfälschungssicherheit und so weiter, kostet Schweinegeld. Das wird dort einfach sich geschenkt. Und insofern Digitalisierung ist das dritte Momentum. Was wir mit E-Mobilität zusammendenken müssen, Digitalisierung, elektrische Antriebe im Verkehr und das Thema erneuerbare Energie. Das waren die drei Momente.

  12. Sebastian:

    Im Vorgespräch hattest du Nigeria noch als Schlagwort mit reingeworfen. Vielleicht wollen wir das zum Ende hin auch nochmal mit aufgreifen, weil die ja auch diese besondere Rolle haben im Export eigentlich von fossilen Rohstoffen sozusagen, wo man ja eben auch einen Wandel vollziehen möchte. wie das Norwegen ja hier in Europa sozusagen gemacht hat. Vielleicht greifst du das auch einfach nochmal auf.

  13. Stefan Heimlich:

    Also jeder von uns kennt Nigeria als erdölexportierendes Land und insofern ist völlig klar, dass die mit Öl ihr Geld verdienen. Da gibt es jetzt eine neue Entwicklung, dass die nämlich vor kurzem, ich meine, das ist jetzt so zwei Wochen her, auch von der Regierungsseite entschieden haben, nein, sie wollen den Wandel im Bereich des Straßenverkehrs hinkriegen zum Thema elektrische Antriebe. Die gleiche Motivationslage wie in vielen anderen afrikanischen Ländern auch, nämlich sie wollen vor allem, also die haben schon US-Dollar, ganz einfach, weil sie ja Erdöl exportieren. Das ist nicht das Motiv, aber sie brauchen Wertschöpfung, sie brauchen Produktion im Land und wollen nicht einfach nur als Rohstoffleverant werden. Und der andere Punkt ist, ganz wichtig, ist die Luftqualität. Gehen wir mal in die großen Städte dort in Nigeria rein. Man kann kaum atmen. Das sind diese alten Karren, die wir alle in den Bildern noch aus dem Fernsehen kennen. Die fahren da natürlich mehrheitlich rum. Und die Gesundheitsgefährdung und auch Krankheiten nehmen Umbruch. Und da sagt Nigeria, nein, wir steuern um die Reihen sich jetzt ein. Das war verkündet worden auf der African E-Mobility Week und das haben die jetzt auch gemacht. Und einer der großen Betreiber aus Uganda, Gogo Electric, die stellen elektrische Motorräder her. Die gehen jetzt nach Nigeria, bauen dort Werk auf. Die Motorräder werden dort produziert. Zahlt also ein auf das nationale Ziel, Arbeitsplätze zu schaffen. Und wird dort auch dann jetzt demnächst den Bereich der Motorräder bereichern. Ähnlich wie wir es jetzt schon in Ostafrika, in Nairobi oder in Mombasa erleben. Und das letzte Punkt an der Stelle zum Schluss, zu meinem Gesprächstermin, den ich dort hatte in Nairobi, habe ich mal ein Uber genommen. Auch das funktioniert mittlerweile perfekt, so wie wir es hier aus Europa oder Nordamerika kennen. Das heißt, auch in Arusha beispielsweise, wo ich letztens rein im Norden Tansanias, konnte ich mit Uber unterwegs sein in der Stadt. Und da bin ich zu meinem Termin hingefahren in einem MG4. Und dann habe ich mich auch dort mit dem Fahrer unterhalten und gesagt, ja, wie ist das jetzt, mit einem MG4 hier zu fahren? Und der war heraufbegeistert und hat gesagt, erstens, im städtischen Sprint, das ist dort wichtig, an der nächsten Ampel der erste zu sein, geht der halt ab wie Schmidts Katze. Zweitens, was er gesagt hat, die Reparaturanfälligkeit ist nicht gegeben, der fährt einfach. Er kann ihn zu Hause laden oder im Depot laden bei Uber. wo er halt das Fahrzeug halt übernimmt, je nachdem wie das Schichtsystem gerade ist. Es funktioniert, die Leute, er wissen das und die Afrikaner quer durch alle Ethnien und Volksgruppen, die ich dort kennenlernen durfte, auch von Namibia könnte ich noch einiges erzählen. Die sind hellauf begeistert, die sind pragmatisch und nicht so markenversessen oder antriebsversessen. Die wollen einfach ein Auto, was billig ist, was billig im Unterhalt ist und fährt und wo sie nicht lange schrauben wollen. Und ich denke, diese Gelassenheit, dieser Pragmatismus täte uns Geräuschen auch ganz gut.

  14. Sebastian:

    Und das können wir genauso zum Ende hin einfach stehen lassen, dass das noch ein bisschen nachwirkt. Vielen Dank für deine Zeit, Stefan.

  15. Stefan Heimlich:

    Sehr gerne, Sebastian. Gerne wieder.

  16. Sebastian:

    spannende Einblicke, die wir hier von Stefan bekommen haben auf den afrikanischen Pkw oder sollen wir mittlerweile E-Pkw-Markt sagen, konnte einiges mitnehmen, lernen und kann vor allem jetzt auch mit Argumenten dagegen vorgehen, dass E-Mobilität eben nicht nur im Kern von Europa stattfindet, sondern weltweit. Ist an sich ja auch bekannt, aber ist ja auch schön zu sehen, es von jemandem zu erfahren, der vor Ort war, der sich davon überzeugt hat und auch an dem einen oder anderen Fahrzeug schon mitgefahren ist. Dir vielen Dank fürs Zuhören. Schalt gern kommende Woche wieder ein beim nächsten ERN-Podcast. Mach's gut. Bis dahin. Ciao. Vielen Dank.