BBNM: Zwischen Haushaltsloch und bürokratische Hürden

Im Gespräch mit Andreas Varesi, Geschäftsführender Vorstand des Bundesverband Berater Neue Mobilität (BBNM)

Andreas Varesi, Geschäftsführender Vorstand des Bundesverband Beratung Neue Mobilität (BBNM), war im Elektroauto-News.net-Podcast zu Gast. Gemeinsam haben wir die Herausforderungen und Perspektiven der E-Mobilität in Deutschland, insbesondere aus der Sicht des BBNM, dessen Entwicklung, Ziele und Herausforderungen, betrachtet. Er war maßgeblich beteiligt an der Gründung des Verbands, spricht über die Motivation zur Gründung des Vereins, die vor allem in der wahrgenommenen Diskrepanz zwischen der bürokratischen Realität Deutschlands und den technischen Möglichkeiten der E-Mobilität liegt. Der Verband zielt darauf ab, Einfluss auf politische Entscheidungen zu nehmen und Beratung anzubieten, um die Entwicklung der E-Mobilität voranzutreiben.

Ein zentrales Thema des Gesprächs ist die Offenheit des Verbands gegenüber verschiedenen Antriebstechnologien und die Betonung, dass die Zukunft der Mobilität vermutlich eine Mischung aus verschiedenen Technologien sein wird, wobei der Fokus auf der Überwindung technischer und infrastruktureller Hürden liegt. Andreas weist darauf hin, dass trotz der Fortschritte in der E-Mobilität, vornehmlich in städtischen Bereichen, Langstrecken und schwere Nutzlasten nach wie vor Herausforderungen darstellen.

Weiterhin werden die bürokratischen und regulativen Hindernisse diskutiert, die den Fortschritt der E-Mobilität bremsen. Hierzu zählen der Auslauf des Umweltbonus und weitere Förderstopps, die insbesondere kleine und mittelständische Unternehmen treffen, welche einen wichtigen Teil der deutschen Wirtschaft ausmachen. Er kritisiert die kurzfristige Politik und die mangelnde Unterstützung, die notwendig wäre, um eine breite Akzeptanz und Umstellung auf E-Mobilität zu ermöglichen.

Besondere Aufmerksamkeit widmet das Gespräch den technischen und gesetzlichen Neuerungen, wie der AFIR-Regulation und dem Paragrafen 14a EnWG, die direkt den Ausbau der Ladeinfrastruktur und die Integration der E-Mobilität in den Alltag betreffen. Der Bundesverband setzt sich dafür ein, Klarheit in diese Regelungen zu bringen und deren praktische Umsetzung zu unterstützen, um den Ausbau der E-Mobilität nicht zu behindern.

Andreas betont die Bedeutung der Dekarbonisierung im unternehmerischen Bereich als Schlüssel für die Zukunft der E-Mobilität. Unternehmen spielen eine wesentliche Rolle in der Transition zur E-Mobilität, nicht zuletzt wegen der gesetzlichen Anforderungen zur Dekarbonisierung und der damit verbundenen Notwendigkeit, Fuhrparks umzustellen. Der Bundesverband sieht seine Rolle darin, Unternehmen zu beraten und zu unterstützen, um diese Umstellung effektiv und nachhaltig zu gestalten.

Das Gespräch schließt mit einem Ausblick auf die Zukunft der E-Mobilität und die Rolle des Bundesverbands dabei. Trotz der aktuellen Herausforderungen sei man von Seiten des BBNM optimistisch, dass die E-Mobilität eine zentrale Säule der Mobilitätswende in Deutschland und darüber hinaus werden wird. Die Diskussion betont die Notwendigkeit einer kontinuierlichen Beratung, Aufklärung und Anpassung der politischen Rahmenbedingungen, um die E-Mobilität erfolgreich voranzutreiben und eine nachhaltige, emissionsfreie Zukunft der Mobilität zu ermöglichen. Das hörst du dir am besten selbst an.

Shownotes:

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Transcript

  1. Intro:

    Elektroauto News. Der Podcast rund um das Thema Elektromobilität. Mit aktuellen Entwicklungen, Diskussionen, Interviews und vielem mehr.

  2. Sebastian:

    Servus und herzlich willkommen bei einer neuen Folge des Elektroautonews.net Podcast. Ich bin Sebastian und freue mich, dass du heute wieder eingeschaltet hast, wenn es mal wieder um das Thema Immobilität geht. In der aktuellen Folge habe ich Andreas Varesi zu Gast, seines Zeichens geschäftsführender Vorstand des Bundesverband Beratung Neue Mobilität, mit dem ich mich über die Arbeit des Verbandes unterhalten habe, wie man darauf einwirkt, dass E-Mobilität noch leichter zum Laufen kommt, worauf es zu achten gilt und welche Fallstricke Politik und Regularien doch so mit sich bringen. Wir gehen direkt rein ins Gespräch mit Andreas. Viel Spaß damit. Servus Andreas, vielen Dank, dass du dir heute die Zeit nimmst, dass wir uns über das Thema E-Mobilität natürlich unterhalten. Dein wichtigstes Steckenpferd wahrscheinlich im Moment als Vorstand von einem neu gegründeten Verein, der sich eben auch in diesem Umfeld betätigt, unterwegs ist, aber da verlierst du am besten selbst ein paar Worte zu deiner Person und zu eurem Verein.

  3. Andreas Varesi:

    Erstmal herzlichen Dank, Sebastian, dass ich hier auch sprechen darf. Unser Verein ist der Bundesverband Beratung Neue Mobilität. Wir haben den letztes Jahr nach der Sommerpause gegründet. Gründungsmitglieder waren Experten und Berater, zertifizierte Berater. der Elektromobilität. Warum haben wir uns gegründet? Einfach, weil wir gesehen haben, und das ist ja auch das Thema unseres heutigen Podcasts, dass sehr viel Bürokratie in Deutschland stattfindet, die manchmal nicht so ganz an den technischen Realitäten dran ist, wo manchmal auch ein bisschen Beratung gegenüber den Entscheidern nötig wäre. Und da wollen wir als Bundesverband auch etwas einwirken auf die Politik und auf die Entscheider.

  4. Sebastian:

    Das ist doch schon mal sehr löblich und auch unterstützenswert auf jeden Fall, dass man da mitwirkt oder einwirkt sozusagen. Vielleicht gerade noch zur Einordnung für mich jetzt auch oder auch unsere ZuhörerInnen. Bundesverband Berater Neue Mobilität. Das heißt, ihr legt euch jetzt auch nicht nur auf den batterieelektrischen Antrieb fest, sondern ihr seid auch offen für andere Antriebsarten oder wie kann man das einordnen?

  5. Andreas Varesi:

    Absolut, absolut. Also man darf nicht vergessen, es gibt gewisse Bereiche, wo der batterieelektrische Betrieb vorliegt. heute noch nicht optimal ist. Gerade Fernstrecken weit über 1000 Kilometer, schwere Nutzlasten etc. Und wer weiß, was sich in den nächsten Jahren entwickelt. Man will sich ja als Verband nicht gründen, um dann nach drei Jahren zu sagen, oh, da ist was technisch Neues gekommen und jetzt können wir den Laden wieder zusperren. Vielleicht noch ein Wort zu mir, wer ich überhaupt bin. Ich bin der Gründer der eMobile Akademie, habe ursprünglich Elektrotechnik studiert, habe bei dem Aufbau der Ladeinfrastruktur in Augsburg mitgeholfen vor acht Jahren etwa und habe festgestellt, dass wir in Deutschland wahnsinnig viel Technologie-Know-how haben, was wir aber nicht haben auf den Seiten der Entscheider, also der kommunale Entscheider, Unternehmer, ist eigentlich das Wissen, wie man dieses gesamte komplexe System E-Mobilität überhaupt zum Laufen bringt. Daraus sind dann Beraterkurse entstanden und daraus ist dann die E-Mobile Akademie entstanden und wir haben gut 200 Berater ausgebildet und daraus ist dann die Idee eines Verbands entstanden.

  6. Sebastian:

    Das wäre tatsächlich meine nächste Frage gewesen, hast du schön vorweg gegriffen. Die Frage ist ja, braucht man euch überhaupt noch Bundesverband Beratung Neue Mobilität? Weil gefühlt, wenn man so dem Medienglauben schenkt und auch dem einen oder anderen Persönlichkeit aus dem Umfeld der Mobilität, ist ja die Neue Mobilität schon wieder hinfällig und wir gehen ja wieder zurück zum Verbrenner und zum Diesel.

  7. Andreas Varesi:

    Ja, das sind natürlich Bewegungen... Ich muss ja schmunzeln. Wir haben es mit einer Zukunftstechnologie zu tun. Und jede Zukunftstechnologie, sei es jetzt die digitale Kamera, sei es sowas, was wir jetzt gerade machen, Podcast etc., wurde eigentlich immer von den alten Kräften erzeugt. Immer dann, wenn so eine kleine Delle, wenn der Hype vorbei war, als tot angesagt. Letztendlich setzen sich die neuen Technologien durch. Muss jetzt nicht unbedingt bedeuten, dass sie komplett alles andere ersetzen. Es gibt heute immer noch Radio, es gibt sogar noch Kassetten zu kaufen. Also von daher... Wird nicht alles im Jahr 2040 rein elektromotorisch sein, aber wenn wir mal in die Zukunft schauen, einfach mal den Blick ins Jahr 2040 werfen, da gibt es eine geniale Studie vom MIT, die sagen, dann werden wir solche Ladeleistungen haben, dass wir sogar schneller einen E-Auto-Akku vollbekommen als einen Tank. Und wenn wir das Ganze noch mit erneuerbaren Energien verknüpfen, mit all den Innovationen, die jetzt gerade erst angefangen haben, kann man sich eigentlich nicht mehr vorstellen, aus dem Betrachterstandpunkt von 2040 zurückgeblickt, dass man irgendwann mit stinkenden Dieseln gefahren ist, brennbare Flüssigkeiten in einen Tank reingepackt hat. Und ja, im Endeffekt die Umwelt ganz massiv geschädigt hat. Das wird in 10, 15 Jahren sowas von Vergangenheit sein und dass alte Kräfte das immer wieder versuchen aufrechtzuerhalten, ist in der Natur der Sache.

  8. Sebastian:

    Ich gehe genau da den Weg mit und du hast die MIT-Studie herangezogen. Es gibt weitere Studien, Analysen, die es auch von unabhängigen Instituten gibt, die all diese Richtung vorgeben. Wir haben noch die EU-Vorgaben zur Dekarbonisierung der Flotten, die ja auch eingehalten und erreicht werden müssen. Also allein die geben ja schon die Marschrichtung vor. Nichtsdestotrotz ist es ja auch so, dass wir gerade zu Ende letzten Jahres, ich sage mal, ein bisschen unglücklicher Auslauf des Umweltbonus haben. Das Haushaltsloch, was ihr aufgetan habt, die generellen bürokratischen Hürden, die vorhanden sind, das sind ja auch alles Themen, die E-Mobilität an sich bremsen. Das wird ja auch was sein, was ihr in eurem Vereinsalltag von eurem Bundesverband Berater Neue Mobilität auch täglich wahrscheinlich erlebt, oder?

  9. Andreas Varesi:

    Ganz klar. Also man muss sagen, dass gerade das Jahr 2024 unter einem ganz, ganz, ganz unglücklichen Stern gestartet hat. Zum einen eben Förderweckbruch an allen Ecken und Enden. Es ist ja nicht nur diese BAFA-Förderung weggefallen, sondern es sind das KSNI diese Förderung, wo Nutzfahrzeuge und die Ladeinfrastruktur dazu gebremst oder beendet wurde. Meines Erachtens einer der schlimmsten Ausstiege, weil... Bei den PKWs haben wir nach dem Förderstopp sofort gesehen, dass die Preise runtergegangen sind. Das waren also künstlich hochgehaltene Marktpreise. Bei Nutzfahrzeugen sieht die Welt anders aus. Da sind die Stückzahlen noch zu gering. Da werden die Preise länger noch oben bleiben. Und da haben wir einfach die Situation, dass gerade kleine Fuhrparkunternehmen, ein ganz großes Problem haben, umzusteigen, weil sie es sich nicht leisten können. Momentan sind E-Nutzfahrzeuge in Anschaffung, auch wenn die Total Cost of Ownership über die Lebensdauer günstiger sind, aber in der Anschaffung für Kleinunternehmen noch zu teuer. So, und jetzt haben wir das Problem, du hast die EU-Dekarbonisierung genannt. Da gibt es ja zig Maßnahmen, Maut abzuschließen, Ab 3,5 Tonnen Mitte dieses Jahres startet das jetzt schon, weil Lkw maut. Dann die CSRD, die Berichtspflicht, die ja nicht nur Großunternehmen, sondern in zwei Jahren Kleinunternehmen trifft. Dann gibt es noch die ENEFG, das ist das Energieeffizienzgesetz. All das zwingt Unternehmen jetzt auf emissionsfreie Fahrzeuge umzustellen. Und wenn ich mir das nicht leisten kann, Bremse ich im Endeffekt meine eigenen Unternehmen gerade in den Mittelstand und die kleinen Unternehmen aus? Und das ist wirklich ein ganz großes Problem.

  10. Sebastian:

    Ja, vor allem, weil der Mittelstand ja auch gerade hier in Deutschland so eine wichtige Rolle hat. Er ist ja auch das Rückgrat unserer Industrie, unserer Gesellschaft hier. Wenn man das mal so auf Jobebene dann sozusagen betrachtet, was ja auch dann wieder den Endnutzer, den potenziellen E-Auto-Fahrer oder auch Verbrennerfahrer dann direkt betrifft, wenn man dann so über die Schiene ausgebremst wird, wo man vielleicht erst mal gar nicht dran denkt. Das sind ja auch Themen, so wie du gesagt hast, die ihr ja auf dem Schirm habt. Wie geht ihr vor, wie unterstützt ihr, was treibt ihr voran, um eben da dann auch Entscheidungshilfen oder überhaupt erstmal Entscheidungen herbeizuführen dann an den entsprechenden Gremienorten?

  11. Andreas Varesi:

    Ja, da haben wir gleich momentan eine ganze Reihe an Maßnahmen an Laufen, weil viele der Gesetze, die momentan die E-Mobilität eigentlich fördern sollen, entweder relativ unklar sind, das ist das Gebäude-Elektromobilitäts-Infrastruktur-Gesetz beispielsweise, da stehen dann so Dinge drin, wenn ich ab 01.01.2025 einen Parkplatz habe mit mehr als 20 Stellplätzen, der einem Unternehmen zugeordnet ist, dann muss ich mindestens einen Ladepunkt aufbauen, egal ob ich neu baue, renoviere oder sonst was. Da steht aber mindestens ein Ladepunkt. Was ist mal 20, 40, 100, 200 Stellplätze? Das ist nicht klar. Sowas fragen wir dann bei den entsprechenden Referaten an, sprechen uns da mit den Referatsleitern beispielsweise im Bundeswirtschaftsministerium ab oder auch so Dinge wie die neue AFI, die Alternative Fuels Infrastructure Regulation, die die Branche richtig kalt erwischt hat. Warum? Bisher war das eine Directive, also eine EU-Regulierung, Regulierung, in der erst einmal die Nationalstaaten das Ganze in Gesetz umwandeln mussten. Das war die Ladesäulenverordnung. Und die EU hat jetzt eine Regulation draus gemacht, mit anderen Worten, das ist ein EU-Gesetz, was sofort mit Inkrafttreten in allen Nationalstaaten dann Gültigkeit hat, bei uns in Deutschland oder in der EU jetzt, ab dem 13.04., So, das hat die Branche deswegen gleich zweimal kalt getroffen, weil eigentlich in der Ladesäulenverordnung die Kartenterminalpflicht auf den 1.7.2024 angesetzt war und in der A4 steht jetzt drin ab 20. 13.04. müssen neu aufgebaute Ladestationen mit mehr als 50 Kilowatt Ladeleistung, also die typischen DC Charger, müssen mit einem Kartenterminal ausgestattet sein. Und die andere Geschichte ist, da steht dann so ganz klein drinnen, dass ein spezifischer QR-Code erzeugt werden muss, wenn ich eine Ladestation mit weniger als 50 kW habe, also die typischen AC, Normalladestation, die eine Kommune irgendwo an der Straßenecke hat. So, und das große Problem an der Nummer ist, wenn ich ab dem 13.04. so eine AC-Ladestation aufbaue, dann muss die dynamisch einen QR-Code erzeugen. Da kleben heute für dieses Ad-Hoc-Laden, dafür gilt ja dieser QR-Code, da klebt heute einfach ein Aufkleber drauf. wenn die in dieser Härte durchgesetzt wird, die A4, sind alle Ladestationen ab dem 13.04., wenn sie neu aufgebaut werden, ohne Display Elektroschrott, sage ich jetzt mal ganz böse. Und da gibt es also auch einen Appell vieler führender Unternehmen, sei es Keva, sei es Siemens, sei es ABL, an die EU, dass sie hier doch bitte ein Einsehen haben und das Ganze entsprechend nochmal etwas aufweichen soll, eine Übergangsfrist oder sonst was. Dazu hat die EU tatsächlich ein Guidance Paper angekündigt. So, und wir hatten das zum 13.04., also Einen Monat vor der A4 erwartet. Es ist bis heute noch nicht erschienen. Und das sind halt Dinge, das macht das Leben wirklich aller Beteiligten wahnsinnig schwer. Und was hat das für eine Folge? Wir haben einen totalen Handlungsstopp. Weil keiner weiß jetzt, was er tun soll, also macht er gar nichts. Und da versuchen wir als Verband auch immer wieder aufzuklären, überhaupt auf solche Dinge hinzuweisen, dass die Unternehmen auch wissen, hoppala, da passiert was oder wir müssen uns an neue Regularien halten. Und damit sind wir wirklich richtig, richtig stark beschäftigt momentan.

  12. Sebastian:

    Also können wir vorstellen, vor allem so wie du sagst, 13.04. kommt die A4, soll umgesetzt werden, nicht mal einen Monat vorher, jetzt 21.03. heute bei der Aufnahme, liegt es auch immer noch nicht vor. Unser Podcast wird im Nachgang nach dem 13.04. ausgestrahlt, also wissen die ZuhörerInnen wahrscheinlich schon ein bisschen mehr, wie die Sache ausgegangen ist, wenn sie es bis dahin geklärt hat. Ja, auf jeden Fall spannende Aufgaben, mit denen ihr da auch zu kämpfen oder mit denen ihr euch zu beschäftigen habt. Ist das dann auch so, du hast es eben gerade gesagt, in dem Beispiel betrifft es ja die gesamte EU, das heißt, seht ihr auch entsprechende Entwicklungen in anderen Ländern der EU, wo dann eben auch Verbände, Unternehmen agieren, um da auch Druck aufzubauen oder ist das hauptsächlich, ich sag mal, durch Deutschland getrieben?

  13. Andreas Varesi:

    Nein, nein, das ist gerade, wenn man jetzt mal bei den Ladestationen anschaut, da gibt es ja Firmen wie Keva, die sind aus Österreich. Alpetronic ist in Südtirol, also ein italienisches Unternehmen. Die sind ja alle betroffen und die engagieren sich da natürlich auch ganz stark, dass hier mehr Klarheit entsteht. Aber es ist... Wir fokussieren uns natürlich jetzt erst einmal auf den deutschen Markt, weil vieles eben auch mit deutscher Gesetzgebung, sei es jetzt Eichrecht oder die Preisangabenverordnung, das sind ja alles deutsche Spezialgeschichten, das kann man nicht so einfach ins europäische Ausland übertragen. Und bitte nicht vergessen, uns gibt es ja erst seit September letzten Jahres, also wir sind ja auch noch ganz, ganz neu.

  14. Sebastian:

    Das habe ich natürlich nachgesehen, aber ich erwarte natürlich dennoch Druck von eurer Seite aus, den ihr aber auch auf den Kessel bringt, wie du eben schon zu verstehen gibst. Ist klar, dass die Unternehmen natürlich auch Selbstinteresse daran haben, weil für den hängt der Absatz dran und für uns alle hängt der Ausbau der Ladeinfrastruktur in dem Beispiel da mit dran. Wir haben aber auch noch andere Beispiele, was jetzt eher vielleicht wieder den Klassenendnutzer, Nutzerinnen dann quasi beschäftigt. Paragraph 14 A, ENWG, das ist auch so ein Schlagwort, was die letzten Monate gefühlt auch in jedem Gespräch gefallen ist, im Thema mit Wallboxen, Batteriespeicher, PV-Anlage und so weiter. Vielleicht magst du das Thema auch erstmal kurz erläutern, um was es sich dreht und was das eigentlich wieder für eine Hürde darstellt, beziehungsweise eigentlich auch Chance, aber da können wir dann nochmal drauf eingehen.

  15. Andreas Varesi:

    Genau, das ist auch ein Thema, da haben wir uns recht früh, kurz nach unserer Gründung engagiert. Da war klar, also der Gesetzgeber hatte eigentlich eine recht clevere Nummer gemacht. Es geht darum, die Spitzenlast bei Verteilnetzen, also die letzte Meile zum Kunden hin in der privaten Stromversorgung, also nicht bei Öffentlichen, sondern bei Unternehmen, die eine Wallbox aufbauen oder im Wohnzimmer. bei Wohneigentumsgemeinschaften, dass diese bei Spitzenlast reduziert werden können in der Leistung, also dass sich eine Wallbox runterregeln kann. Die hat normalerweise 22 oder 11 Kilowatt und die kann gemäß dem Paragraf 14a ENWG auf 4,2 Kilowatt zwei Stunden am Tag heruntergeregelt werden. Das ist so die Idee, die dahinter steckt. Wir haben damals bei der Bundesnetzagentur schon angefragt, als das noch in der Diskussion war, weil der Gesetzgeber, der hat es nämlich so gemacht, der hat in den Paragraf reingeschrieben, nicht wie es genau läuft, sondern hat reingeschrieben, die Bundesnetzagentur formuliert das aus. Mit denen haben wir uns dann abgestimmt und wüssten dann schon relativ gut im Vorfeld, was alles möglich ist und was nicht möglich ist. Der positive Punkt daran, nahezu jede Wallbox, die man heute auf dem Markt bekommt, ist zugelassen, kann also in einer Eigentümergemeinschaft auch tatsächlich ans Netz genommen werden. Selbst solche, die gar nicht fernsteuerbar sind, die kann man dann mit einer Abschaltvorrichtung ausstatten. Also es wird keine verboten. Das große Problem ist aber die andere Geschichte. Die Hauptlastträger des Ganzen sind nämlich jetzt nicht die Benutzer oder die Betreiber der Wallboxen, sondern die Verteilnetzbetreiber. Die müssen nämlich eine Regelvorrichtung müssen die erst einmal dem Nutzer bereitstellen. Das setzt aber voraus, dass die die entsprechende Technologie haben. Die Mittelspannungsstationen müssen digitalisiert sein. Da sind wir heute in Deutschland noch ganz, ganz weit hinten. Und wenn ich dann diesen Aufwand mache, als Verteilnetzbetreiber tatsächlich zwei Stunden am Tag zu regeln, wenn die Spitzenlast käme, dann verpflichte ich mich damit auch dazu, mein Netz zu ertüchtigen, weil es ja zeigt, ich muss regeln, also muss ich auch hinterher ertüchtigen. Da haben die aber gar nicht so viel Lust drauf. Man muss sich vorstellen, wir haben 800 Verteilnetzbetreiber in Deutschland. Da gibt es super professionelle BW-Netze, die machen alles digital, die sind da schon relativ weit. Und da gibt es natürlich so kleine kommunale Verteilnetzbetreiber, die irgendwann vor ein paar Jahren aus dem kommunalen Grundversorger rausgelöst wurden. Denen fehlt das personelle Know-how, denen fehlen die finanziellen Ressourcen. Und die sollen da jetzt plötzlich was machen. Da passiert gar nichts. Und die Bundesnetzagentur muss das Ganze überwachen. Und die hat gar nicht die Ressourcen hier bei 800 Verteilnetzbetreibern, ich weiß nicht, wie viele tausend Punkte es da gibt, die jetzt da betroffen wären, irgendwie regulierend einzugreifen. Deswegen ist meine bittere Einschätzung, es ist auf dem Papier, klingt das super toll, in der Realität wird nicht viel passieren.

  16. Sebastian:

    Das glaube ich leider auch, anders kann man es nicht formulieren. Ich finde auch, die frohe Botschaft dahinter eigentlich, dass Netze ertüchtigt werden, wäre natürlich erstrebenswert, wenn das so stattfindet, aber du hast es eben von Zahlen, Daten, Fakten schon dargelegt, es ist einfach mit der Manpower auch nicht zu schaffen, die aktuell vorhanden ist, beziehungsweise mit dem System, die wir da haben. Wie, also kann man ja jetzt in dem Endeffekt aktuell daran nichts ändern sozusagen, es steht ja sozusagen fest, jetzt muss man halt gucken, was wird draus gemacht. Versucht ihr euch in solche Prozesse jetzt künftig auch früher mit einzubringen sozusagen und darauf hinzuwirken, dass man das dann eben auch bedenkt, was sind die Folgen daraus und können wir mit den Folgen überhaupt umgehen, also können wir die überhaupt handeln oder ist das einfach so Wunschvorstellung?

  17. Andreas Varesi:

    Also ein ganz wichtiges Thema ist Know-how-Aufbau. Das brauchen wir bei allen Beteiligten. Wir haben da auch mit der Nationalen Leitstelle für Ladeinfrastruktur beispielsweise daran gearbeitet, einen kommunalen E-Mobilitätsmanager mit DEKRA-Zertifizierung auf die Beine zu stellen, dass man also genau für solche Geschichten überhaupt erst einmal das vorstellt. Fachwissen zur Verfügung stellt, dass die entscheidenden Personen, die dann diese neue Aufgabe einfach per order di mufti übergebogen bekommen, da steht ja im Gesetz immer locker flockig drin und der Hausverwalter, der muss sich jetzt darum kümmern, dass beispielsweise beim WMOG, Wohnungseigentumsmodernisierungsgesetz, der Individualanspruch des Mieters und des Eigentümers auf eigene Wallboxen umgesetzt werden. Ja, jetzt wird auf einmal der Hausverwalter zum Projektmanager für E-Mobilitätsladeinfrastruktur. Der hatte davor überhaupt keine Ahnung, was das ist, fährt sein Leben lang Diesel und hat keine Lust drauf. Solche Leute bilden wir aus, schauen einfach, dass wir das Know-how aufbauen, dass das Ganze überhaupt funktionieren kann, weil ohne, dass die wissen, wie es geht, können wir die tollsten Gesetze machen. Dann geht gar nichts.

  18. Sebastian:

    Dann ist ja immer noch die Frage, ob der Hausverwalter das dann auch tatsächlich will oder der WEG-Verwalter oder ob der nicht seine Kernkompetenzen woanders hat, dass man dieses Wissen eben auch extern mit reinbringt. Aber das ist ja eine andere Diskussion nochmal. Was sind denn aus deiner oder eurer Sicht denn jetzt aktuell die Stellschrauben, die jetzt angegangen werden müssen, damit wir eben dieses Wachstum der E-Mobilität wieder ein bisschen aus der Talsohle herausnehmen? Zum einen hast du vorhin gesagt, die Preise sind runtergegangen. Es war anscheinend ja doch eher Margin, die drauf kalkuliert war, da habt ihr jetzt keinen direkten Einfluss drauf, wie die Hersteller ihre Preise da kalkulieren oder was die machen, aber wo könnt und wollt ihr künftig mit drauf einwirken, um eben auch den Aufschwung wieder anzutreiben?

  19. Andreas Varesi:

    Also ich denke, momentan ist das Allerallerwichtigste, die Dekarbonisierung im unternehmerischen Bereich, weil im privaten Segment haben wir es mit so wahnsinnig viel Stammtischmeinungen zu tun, dass nur die Leute auf E-Mobilität umsteigen, gerade bei der jetzigen Diskussion. Da kommt der Walter Röhrl und erzählt, wie schlimm doch E-Autos sind. Wir hatten vorhin schon im Vorgespräch den Autopapst Dudenhöfer genannt, der auch gesagt hat, das ist alles abgewürgt und so weiter. Die Privaten sind momentan jetzt erst einmal in Agonie gelähmt und der Restwert, ich kann das Ding ja nie mehr verkaufen. Da passiert glaube ich 2024 ganz, ganz wenig. Ganz anders schaut es bei den Unternehmen aus, die eben durch EU und deutsche Gesetzgebung gezwungen werden zu dekarbonisieren und die treiben ganz gewaltig. Das sind Riesenmengen an Fahrzeugen, die umgesetzt werden. Man kennt von der Telekom beispielsweise, die ihren gesamten Fuhrpark jetzt elektrifizieren. Das haben wir bei vielen Unternehmen und auch hier gilt, Schlaumachen, überhaupt wie funktioniert die CSRD, also die europäische Verordnung, dass ein Nachhaltigkeitsbericht bei Unternehmen abgegeben werden muss mit Maßnahmen, wie ich CO2 einspare. Und da trifft es eigentlich immer den Fuhrpark, auch wenn das in der CSRD gar nicht drinsteht. Aber wenn ich ein Unternehmen habe, was eine große Produktionsanlage hat, bevor ich an der Produktionsanlage Millionen Euro schwere Maschinen irgendwie austausche, umbaue, ist es ja viel einfacher, dass ich meinen Fuhrpark einspare. dekarbonisiere, indem ich auslaufende Leasingverträge durch beispielsweise E-Fahrzeuge ersetze. Und deswegen glauben wir, dass hier gerade im Jahr 2024 ein Riesentreiber ist. Und wenn ich dann überall auf den Straßen nur noch E-Fahrzeuge von allen möglichen Service-Dienstleistern etc., sehe, dann kommt auch irgendwann mal dieser MeToo-Effekt, dass es die Privaten dann auch wieder darauf anspringen werden. Nur da sehen wir uns als Beraterverband auch weniger, weil als Berater, der irgendwo für seine Beratungsleistung Geld bekommt oder verlangt, wären wir im privaten Umfeld weniger. keine Punkte sammeln können.

  20. Sebastian:

    Das leuchtet auch auf jeden Fall ein, klar. Ich sage mal, der Privatkunde, der will euch da nicht eure Gebühr bezahlen, um da Beratung für ein Fahrzeug zu geben. Und euer Hebel auch für die E-Mobilität ist natürlich bei Unternehmen, wenn die allein schon nur zwei oder drei Fahrzeuge haben, entsprechend größer, geschweige denn dann eben so die Geschichte, die du eben gerade gesagt hast, wie in der Telekom, wo dann ja auch ein richtiger Hebel dann für den Markt vorhanden ist. Von daher erstmal vielen Dank für deine Anblicke, Andreas, Und die Einbringung eurer Arbeit bei dem Vorantreiben der E-Mobilität hier in Deutschland und dann ja auch indirekt über die Grenzen hinaus, wenn ihr da eben auch bei so EU-Thematiken mitwirkt und euch da einbringt und ein bisschen auf die Finger schlagt, dass man mal vorher drüber nachdenken soll, freut mich auf jeden Fall. Und ich bin mir auch sicher, das war heute nicht das letzte Gespräch, was wir geführt haben oder was ich gerne mit dir führen möchte, weil das wird ein Thema sein, was uns weiterverfolgt, diese ganzen Regularien. Bürokratie und so weiter, die werden wir nicht abgebaut bekommen von heute auf morgen, was auch in Ordnung ist und freue mich, wenn du mal wieder zu Gast bist bei uns. Vielen Dank.

  21. Andreas Varesi:

    Sehr, sehr gerne, Sebastian. Ich danke auch für das Gespräch.

  22. Sebastian:

    Das war es mal wieder, die aktuelle Folge des Elektronischen News.net Podcast. Ich denke, man konnte wieder einiges mitnehmen an interessanten, spannenden Wissen. Blick hinter die Kulissen, was da eben so passiert, auch auf politischer Ebene. Und bin mir sicher und habe es auch mit Andreas so besprochen, dass er nicht zum letzten Mal bei uns zu Gast war. Er wird wieder vorbeischauen. Aber nächste Woche gibt es erstmal eine andere Folge. Von daher, mach's gut. Bis dahin. Ciao.